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Es wird schwer messbar sein, doch die Produktivität der Supermacht dürfte Donnerstag eingeknickt sein. Amerika erfasste vor dem Schlager von Team USA gegen Fußball-Giganten Deutschland ein historisches „Soccer Fever“, ein Fußball-Fieber ohne Vergleich. Noch nie in der Geschichte waren so viele Menschen im Land von Basket-, Base- und Foot-Ball so verrückt nach Fußball.

Die Niederlage in der Regenschlacht von Recife gegen die favorisierten Deutschen verursachte nur einen kleinen Dämpfer: Größer ist die Freude, dass die US-Kicker die „Group of Death“ überlebten und in der Brasilien-WM in der Knock-out-Phase weiterkämpfen können.

Mit einer für das arbeitende Amerika ungünstigen Anpfiffszeit von 12 Uhr (Ostküste) und 9 Uhr (Westküste) steckten Donnerstag Millionen in Büros, Läden, Fabriken oder Ämtern fest. Fans hatten in einer Petition an das White House US-Präsidenten Barack Obama sogar darum gebeten, den 26. Juni zu einem Nationalfeiertag zu machen.

US-Coach Jürgen Klinsmann verfasste einen „Entschuldigungsbrief“ an Chefs für Werktätige, die einen Tag lang oder nur für ein paar Stunden den Job schwänzen wollten. Es ginge schließlich „um eine große Sache“, so Klinsmann: Die USA brauche jedmögliche Unterstützung. Und die Bosse sollten mit gutem Beispiel vorangehen und sich gleich selbst freinehmen.

Jene, die nicht loskann vom Job, ließen das Spiel auf PCs, Smartphones und Tablets flimmern, in den Kantinen gab es lange „Mittagspausen“. NBCs „Today Show“ gab Tips, mit welchen Apps sich die Jahrhundert-Partie am besten streamen lässt. Bars und Restaurant quer durch Amerika waren ausgebucht (Buzzfeed gab Tips für die besten Soccer-Bars in New York), zehntausende Fans versammelten sich wieder vor großen Übertragungsschirmen wie im Chicagoer Grant Park.

Beim Krimi gegen Portugal sah eine Rekordzahl von 25 Millionen TV-Zusehern zu, mehr als beim NBA-Finale. Die Quoten beim Deutschland-Spiel dürften noch höher liegen.

Ob Fußball, wie bei jeder WM vollmundig verkündet, nun wirklich den Durchbruch zum Prime-Time-Sport in den USA schafft, beibt abzuwarten: Doch heuer erreicht die Euphorie eine andere Dimension.