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Es ist so eine Sache mit der Technik, besonders wenn es sich um Momente der Fußballgeschichte handelt. Konkret geht es um die elfte bis 29. Spielminute im spektakulärsten WM-Spiel vielleicht aller Zeiten zwischen Deutschland und Brasilien. Ich stand leider gerade beim Einchecken für einen Flug nach Europa im Terminal B des Newark-Airports (New Jersey) vor dem Schalter von Jet Airways.

Kein Problem: Ich habe ja meine ESPN-App, kann die Partie bequem am iPhone streamen. Das erste Tor fällt, als ich Weg dorthin war. Niemand ahnt noch, dass eine Sensation in der Luft liegt. Dann ist plötzlich ein Echo von lautem Gegröle zu hören. Am Ende der Halle läuft das Match auf einer großen Videotafel – mit Kabel-TV gespeist. Dort sehe ich vage aus der Ferne, wie  jubelnde deutsche Spieler über den Schirm laufen. Auf meinen Screen wird noch im Mittelfeld herumgedribbelt.

Die paar Minnten Zeitverzögerung, die sich bei schlechtem Datenempfang aufaddieren, sind meist kein Problem. Jetzt, wo es um jede Sekunde geht, erweisen sie sich fatal. Die Frau vor mir streamt auch ESPN. Und während wird über den Stand rätseln: Wieder das Geschrei aus der Ferne! Und wieder!

Am Handy ruckelt gerade das zweite Tor über den Schirm, dort unten vor der TV-Übertragung steht es schon 4 : 0. In unserer Check-In-Schlange macht sich Verwirrung – und Verzweiflung breit… Wie steht es? Jemand geht nachschauen zur “TV-Traube”. Als sie zurückkommt und das unglaubliche 4 : 0 bestätigt – wieder Geschrei! 5 : 0…

Ich habe jetzt endlich eingecheckt, will mir den Rest der ersten Halbzeit und die Minuten Fußballgeschichte jetzt doch vor dem TV-Schirm in Echtzeit ansehen. Natürlich ist der Torregen jetzt für die erste Halbzeit vorbei.

Die Szene jedoch ist erstaunlich: Fluggäste aus zahlreichen Ländern, Gepäck-Beförderer, sogar Arbeiter aus nahen Fastfood-Restaurants standen fast wie festgefroren im schieren Unglauben da, starren auf die TV-Tafel. Jeder wußte: Hier lief gerade in 18 Minuten die größte Fußball-Sensation einer Generation ab.

Ob sich die Fußballspiele auf Apps ansehen wird, bleibt abzuwarten. Für diesen Moment war die Technologie jedenfalls kaum tauglich.