Die wegen dem Flugzeugabsturz entsetzte Welt blickt gebannt nach Washington und Moskau: Der “Kalte Krieg” zwischen Barack Obama und Wladimir Putin geht nun in die bisher gefährlichste Phase. Obama begann sein Krisenmanagement eher mit einem Fehlstart: Über den Abschuss der Malaysian-Airlines-Boeing (298 Tote) erfuhr er ausgerechnet von Putin – bei einem Telefonat über neue Sanktionen. Dann lieferte er bei einem Routine-Auftritt nur eine 40 Sekunden lange, dürre Stellungnahme über eine “schreckliche Tragödie” ab – und flog zum Spendensammeln nach New York.

Stumm marschierte Obama am Abend zurück ins White House. “Mr. President! Wer ist für den Crash verantwortlich?”, rief ihm ein CNN-Reporter zu. Eine gespenstische Szene. Für Freitag war eine weitere Stellungnahme angekündigt. Das Wochenende in Camp David will sich Obama aber nicht nehmen lassen.

Im Ringen um die Weltmeinung überließ er das Feld weitgehend Rivalen Putin. Der sagte zynisch, dass die Ukraine für die Katastrophe verantwortlich sei, da sie Krieg gegen die Rebellen führe. Das russische Propaganda-TV verbreitete sogar die Mär, dass die ukrainische Luftwaffe Putins Jets am Rückweg aus Brasilien abschießen wollte – und irrtümlich Flug MH17 traf.

Der Showdown verlagerte sich Freitag in den UN-Sicherheitsrat bei einer einberufenen Krisensitzung. US-Botschafterin Samantha Powers prangerte Russlands an: Moskaus trage wegen seiner Unterstützung der Rebellen die Verantwortung für den Tod von 295 Menschen. „Moskau soll den Krieg stoppen“, so Powers.

Obama telefonierte bisher mit den Regierungschefs von Malaysia, der Ukraine und den Niederlanden, versprach Unterstützung. Er verlangte eine “internationale Untersuchung”, warnte die für den Abschuss verantwortlichen pro-russischen Rebellen: “Die ganze Welt sieht zu”.

In einer ersten längeren Stellungnahme im Presseraum des White House forderte Obama einen sofortigen Waffenstillstand in der Ostukraine. Er prangerte Russlands Unterstützung der Rebellen an, doch verkündete keine neuen Sanktionen. Obama drängte jedoch die Europäer zu einer härteren Linie gegenüber Moskau: Die Tragödie wäre ein „Weckruf“, so Obama.

Schärfer fallen die Reaktion seitens der Republikaner im Kongress aus. Haudegen-Senator John McCain poltert, Moskau werde “dafür bezahlen”, sollte eine Verwicklung in den Abschuss des Jumbojets bewiesen werden. US-Militärgeheimdienste bestätigten, dass die Rebellen die Boeing-777 mit einem BUK-Raketensystem abschossen – am ehesten irrtümlich. Die kritischste, noch verbliebende Frage jedoch: Lieferte Russland die Waffen, oder wurden die Raketen aus einer ukrainischen Kaserne gestohlen?

Doch außer strengere Sanktionen gegen Russland bleibt der Spielraum für den Westen begrenzt: Obama könnte angesichts des weltweiten Entsetzens skeptische Europäer überzeugen, mit strengeren Sanktionen nachzuziehen.