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Der Mann, der vor über einer Woche den Zaun des Präsidenten-Wohnsitzes überquerte und durch eine offene Türe ins White House gelangte, drang viel tiefer ins Innere des berühmtesten Gebäudes der Welt ein als bisher bekannt war. Omar J. Gonzales (42), der nach der Heimkehr aus dem Irakkrieg unter psychischen Problemen litt, überwältigte eine Agentin des Secret Service im Flur am „North Portico“-Eingang, rannte dann den Gang hinunter – vorbei am Stiegenaufgang zu den Privatgemächern der Obamas. Die waren kurz davor ins Wochenende geflogen.

Gonzales sprintete durch den prächtigen „East Room“, wo oft Empfänge stattfinden und sich Präsidenten in TV-Reden ans Volk wenden. Erst dort konnte ihn ein Bewacher zu Boden reißen, berichtete die Washington Post.

Gonzales war bewaffnet mit einem Taschenmesser, im Auto hatte er 800 Schuss Munition, zwei Hacken und eine Machete. Der Veteran war davor im Juli in Virginia mit einer abgesägten Schrotflinte verhaftet worden. Er trug einen Stadtplan von Washington bei sich, auf dem das White House mit einem Kreis markiert war. Im August tauchte der Mann vor dem Gebäude auf – mit einer Hacke.

Mit dem Sturmlauf am 19. September sorgte er für den gefährlichsten Zwischenfall im White House aller Zeiten: Noch nie schaffte es ein Eindringling so weit ins Innere des Gebäudes.

Am Wochenende wurde dazu eine weitere Blamage der Präsidenten-Leibgarde bekannt: Das Secret Service bemerkte erst nach vier Tagen, dass ein irrer Schütze im Jahr 2011 sieben Schüsse auf das White House abfeuerte. Die Kugeln trafen die Fassade. In einem Raum dahinter befanden sich Obamas Tochter Sasha und ihre Großmutter Marian Robinson. Das haarsträubende Versagen des Secret Service dürfte für turbulente Kongress-Hearings am Dienstag sorgen.

Photo by The U.S. National Archives