Als Affront wird im immer multikulturelleren Amerika die heurige Wahl der Kandidaten für die begehrtesten Filmpreise der Welt aufgefasst: Alle Oscar-Kandidaten sind Weiße, zum letzten Mal passierte das vor 17 Jahren, als im Jahr 1998 Leonardo DiCaprio mit der „Titanic“ sank…

Besonders krass ist die Abfuhr für das Bürgerrechtsdrama „Selma“ über die Märsche von Afroamerikanern zur Durchsetzung des Wahlrechtes 1965. Der britische Schauspieler David Oyelowo verkörpert darin brillant Bürgerrechtslegende Martin Luther King, er galt als Fixstarter beim Kampf um die Gold-Statuetten in der Kategorie „bester Schauspieler“, doch ging leer aus. Noch ärger die Abfuhr für die schwarze Regisseurin Ava DuVernay, die mit ihrer Nominierung als erste farbige Frau hinter der Kamera bei den „Golden Globes“ gerade Geschichte schrieb.

Bei den Oscars hingegen schaffte sie es nicht auf die Kandidatenliste. Frauen insgesamt wurden heuer bei der Selektion arg ignoriert: Keine einzige Regisseurin oder Drehbuchschreiberin ist beim Oscar-Rennen dabei. Übergangen wurden sogar Superstars wie „Unbroken“-Regisseurin Angelina Jolie. Oder Doko-Filmerin Laura Poitras, die bei der Aufdeckung des NSA-Skandals durch Edward Snowden half und mit „Citizenfour“ das Drama um den Whistleblower verfilmte.

Das Branchenblatt Variety nannte die grotesk vorgestrige Wahl der „Academy“, wo von 6000 Mitgliedern 94 % weiß sind, 77 % männlich und nur 14 % unter 50, einen „Schlag ins Gesicht des Kino-Publikums, das jeden Tag multikultureller wird“. Auf Twitter braute sich prompt ein Shitstorm zusammen.