Einige Kritiker in den USA halten den Streifen über Amerikas tödlichsten Sniper Chris Kyle (160 „Kills“), gespielt von Bradley Cooper und verfilmt von Clint Eastwood als Regisseur, für reine „Kriegspropaganda“. Beim amerikanischen Kino-Publikum wurde der Film aber zum Hit – vielleicht auch wegen der neuen Welle an Dschihadisten-Terror. Fast 100 Millionen Dollar spielte „American Sniper“ am ersten US-Kino-Wochende ein, so viel wie noch kein Film im Jänner.

Das Abknallen von Feinden – vor allem im Irak, wo Kyle eingesetzt war – inspirierte jedoch offenbar auch einige Kinogeher, ihrer Wut auf Muslime via Twitter freien Lauf zu lassen. „Nach dem Kinobesuch von American Sniper würde ich selbst gerne ein paar dieser verdammten Araber abknallen“, zitiert die New York Daily News aus dem Hass-Tsunami. Ein weiterer Fan des Films schrieb: „Endlich mal ein Streifen, der die Araber als das zeigt was sie sind: Niederträchtige Schädlinge, die uns vernichten wollen…“.

Die Debatte um die Baller-Orgie heizte aber auch der linke Doku-Filmemacher Michael Moore von der anderen Seite an: Moore bezeichnete auf Twitter Scharfschützen als Feiglinge. „Mein Onkel wurde im zweiten Weltkrieg von einem Sniper erschossen“, twitterte Moore: „Uns wurde beigebracht, dass Scharfschützen Feiglinge sind, die dich in den Rücken schießen – und Invasoren sind noch schlimmer…“

Moore geriet prompt in einen Shitstorm, relativierte seine provokanten Aussagen in einer längeren Stellungnahme auf Facebook. Vor allem Chris Kyle, der nach der Rückkehr aus dem Krieg in den USA von einem „Amok-Veteranen“ erschossen wurde, habe er nichts schlechtes nachsagen wollen, so Moore, einst einer der vehementesten Kritiker des Irakkrieges.