Jetzt sucht Google nach der Unsterblichkeit!

Der Internet-Gigant will verstärkt in Firmen und Forscher investieren, die unser Leben verlängern. An der Spitze des Investmentarmes “Google Ventures” steht ein Mann mit kühnen Träumen: “Ich halte es nicht für unmöglich, dass wir einmal 500 Jahre alt werden können”, sagt Chefinvestor Bill Maris (40) in einer Feature-Story des Finanzdienstes “Bloomberg”.

500 Jahre? Die Aussage scheint provokant, das Medienecho in den USA war gewaltig: Der Internet-“Drudgereport” illustrierte die Schlagzeile “Google: Leben bis 500” mit einer Fotomontage eines Babys der Zukunft.

Für dieses Jahr überlassen ihm die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin 425 Millionen Dollar für Investitionen in die Start-Ups und Firmen, die künftige Märkte beherrschen könnten. Und Maris, der ein Studium in Neurowissenschaften abschloss, hält dabei Ausschau nach Firmen, die den Alterungsprozess aufhalten, Krankheiten heilen und generell das menschliche Leben verlängern können.

“Google Ventures” hat über die Jahre in einem breit gefächerten Portfolio in 280 vielversprechende Firmen über zwei Milliarden Dollar investiert, mit dem Fahrdienstvermittler Uber etwa gelang ein echter  Coup.

Doch Maris scheint getrieben von der Suche nach dem (fast) ewigen Leben. Sein Team von 70 Mitarbeitern will den Anteil von Firmen im Bereich “Life Sciences” (Lebenswissenschaften) von sechs auf 36 Prozent des Anteils der totalen Google-Geldflüsse wachsen lassen.

Maris legt seine Visionen in dem Interview dar: “Wir werden künftig die Werkzeuge haben, alles zu erreichen, was wir uns in unseren dreistesten Träumen ausmalen können”, sagt der selbst jugendlich wirkende Chef: “Ich hoffe, dass ich lange genug auf der Welt bin, um es zu erleben”.

Die Theorie eines Lebens bis 500 basiert auf den kühnen Prognosen des Zukunftsforschers Ray Kurzweil: In dem Kult-Buch “The Singularity Is Near: When Humans Transcend Biology” beschreibt Kurzweil den “Terminator-Moment” der Menschheit im Jahr 2045, wenn sich die Fähigkeiten von Computern durch Menschen nicht mehr beherrschen lassen. In dem Wettrennen hätte der Homo Sapiens nur eine Chance: Die radikale Transformation seiner eigenen Biologie durch “Nanobots” und Biotechnik zur Verbesserung unserer DNA.

“Das alles würde uns von unseren eigenen Beschränkungen befreien”, schwärmt Maris.

Google will bei der nächsten Revolution in der Medizin ganz vorne dabei sein:
# Investiert wurde bereits in ein Research-Zentrum “Calico”, das mittels Forschung das Rätsel des Alterns lösen und umkehren, oder zumindest verlangsamen will.
# Das Zukunftslabor “Google X”, das selbstfahrende Autos und die Datenbrille Google Glass erfand, forscht an einer Pille, die durch Nanopartikel im Blut Krankheiten und Krebsmutationen erkennen soll.

Während im kommerziellen Internet viel Geld zu verdienen ist, wie Maris zugibt, hat er sich der Suche nach Höherem verschrieben: “Es gibt hier einen Haufen an Milliardären im Silicon Valley, doch alle werden am selben Ort enden”, erklärt Maris: “Wenn du die Wahl hast, bloß Geld zu scheffeln oder Wege zu finden, wie Menschen länger leben können – welche Wahl triffst du?”

In welchen vorerst kleinen Schritten der Weg zum längeren Leben derzeit vor sich geht, zeigt eine der Vorzeigefirmen bei Googles “Life Science”-Investmentstrategie: Foundation Medicine, die einen der Leiter des Humangenomprojektes, Eric Lander, an Bord holte, entwickelte jüngst den “Cancer Explorer”, eine Art Google für Onkologen, durch die individuelle Behandlungen von Krebspatienten aufgrund genetischem Datenmaterials möglich werden.

Maris schwärmt vom “Beginn einer Revolution”. In der Forscherszene ist die Begeisterung groß, der Pharmagigant “Roche” kaufte gerade einen Firmenanteil im Wert von einer Milliarde Dollar. Die Expertise von Google half freilich auch bei der Entwicklung der genetischen Suchmaschine: “Die Algorithmen lassen sich gut bei der Einordnung genetischer Informationen verwenden”, sagt Foundation-Chef Dr. Michael Fellini zu “Bloomberg”.

Im Vorjahr kaufte Google Ventures auch die Firma Flatiron Health, die an einer “Cloud-Plattform” zur Analyse von Krebsdaten arbeitet. Die ebenfalls unterstützte Firma DNAnexus baut eine in der Cloud gespeicherte, globale Datenbank für genetische Informationen auf.

Anstatt Krebs mit Giften zu bekämpfen hofft Maris auf Durchbrüche bei Therapien mit modifizierten Stammzellen. “In 20 Jahren werden Chemo-Therapien so antiquiert wirken wie heute die Verwendung eines Telegrafen”.

In den Visionen vieler Forscher wird eine künftige Medizin skizziert, wo Schäden durch die Sonne oder das Rauchen in unserer DNA repariert, Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson am molekularen Level ausgelöscht und sogar der Krebs besiegt werden könnte. Der Tenor: Ewig werden wir nicht leben, aber viel länger – und besser.

Maris: “Wer zieht das Leben dem Sterben nicht vor?”