Sie steigt wieder in den Ring, obwohl sie die nach ihrer so erfolgreichen Karriere längst verdiente Pension – noch dazu als frischgebackene Oma – genießen hätte können: Hillary Clinton (67) verkündete am Wochenende ihre Präsidentschaftskandidatur. Eisern verfolgt sie ihren Traum, als erste Frau ins Oval Office einzuziehen und Geschichte zu schreiben.

Amerika hätte damit einen weitern Meilenstein abgehakt: Barack Obama als erster Afroamerikaner an der Spitze der Supermacht könnte von der ersten “Mrs. President” im Jänner 2017 abgelöst werden.
Historische Jahre für Amerika, keine Frage.

Doch wie gut sind Hillary Clintons Chancen? Bei den Partei-internen Vorwahlen („Primaries“) gibt es bisher kaum Gegenwind. Die vom linken Parteiflügel favorisierte Senatorin und Banken-Basherin Elizabeth Warren schloss ihr Antreten aus. Vize Joe Biden überlegt: Doch der notorische Fettnapftreter hätte kaum Chancen gegen Hillary. Die Basis wird zwar murren, dass “Hillary” ohne ernsthafte Gegenkandidaten nicht gewählt sondern “gekrönt” werden würde. Doch am Ende dürften die Demokraten geeint hinter ihr stehen – und sie euphorisch als erste Präsidentschaftskandidatin aller Zeiten ins Rennen schicken. Die Kür ihres Republikaner-Rivalen wird turbulenter: Fast ein dutzend Konservativer sind im Rennen, die “New York Times” erwartete zuletzt einen Dreikampf zwischen Ex-Florida-Gouverneur Jeb Bush, Wisconsin-Gouverneur Scott Walker und Senator Marco Rubio. Letztere könnten gefährlichere Gegner für Clinton werden: Denn die Mehrheit der Wähler ist überdrüssig, dass in der US-Politik die immer gleichen Polit-Dynastien ums White House kämpfen. Ein Duell Bush vs. Clinton gab es bereits 1992, als Bill Clinton Präsidenten George H.W. Bush aus dem Amt stürzte. Anders als Jeb Bush (der dritte Bush, der ins White House will) wären Walker und Rubio “frische Gesichter”, nach denen sich die Mehrheit der Wähler sehnt. Vor allem der charmante, jugendliche, Kuba-stämmige Rubio wird von Politologen als möglicher Angstgegner für Clinton hochstilisiert.

Wie teuer wird der Wahlkampf? Team Hilary könnte bis zu 2,5 Milliarden Dollar bei Gönnern einsammeln – eine sagenhaft hohe Summe. Der Geldwahnsinn in der US-Politik erreicht offenbar immer absurdere Dimensionen, die Einflussnahme mächtiger Corporations, einflussreicher Lobbys und politisch aktiver Milliardäre entfernt angebliche Volksvertreter immer mehr vom tatsächliche Volk. Clinton spricht in ihrem Wahlkampf-Video zwar davon, wie die Wirtschaft den Superreichen helfe während die Mittelklasse strauchle. Doch gleichzeitig hilft die “Wall Street” bei der Finanzierung ihres Wahlkampfes. Interessenskonflikte sind unübersehbar. Gleichzeitig schienen die Clintons immer irgendwie im Bett mit den Großen der Finanzindustrie, die für die wachsende Ungleichheit mitverantwortlich sind. Bill Clinton war es, der im “Glass Steagall Act” einfachen Banken erlaubte, auch riskante Spekulationsgeschäfte zu tätigen – und indirekt den Grundstein für den Finanzcrash 2008 legte… Liberale und Linke stehen Hillary Clintons Kandidatur daher äußert skeptisch gegenüber. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein unabhängiger, linker Kandidat ihr Stimmen wegnehmen könnte.

Kann “Hillary” Bill im Zaum halten? Die Amerikaner erinnern sich an die erste Clinton-Präsidentschaft als “Seifenoper” ständiger Skandale – der Höhepunkt freilich seine Jahrhundertaffäre mit Praktikantin Monica Lewinsky. Seither soll es innerhalb des Hillary-Stabes spezielle Aufpasser und eine Krisenfeuer für „alles Bill“ geben: Eine neue Sexaffäre würde auch ihre Ambitionen ruinieren. Bill Clinton ist der vielleicht gewiefteste Politiker seiner Generation, doch drängt sich als notorischer Narzisst zu oft in den Vordergrund. Bei ihrem letzten Wahlkampf 2008 überschattete er sie häufig – und schadete. Doch gleichzeitig kann Bill als Polit-Genie und Chefstratege im Hintergrund auch zum Jolly-Joker bei „Hilary 2016“ werden. Was er dann natürlich bei der Rückkehr ins White House als „First Gentleman“ alles anstellen könne, davor graut bereits vielen…

Wäre Hillary Clinton eine effektive Präsidentin? Die Demokratin scheint als Politikerin kein Naturtalent wie etwa ihr Mann, doch sie dürfte im White House mit eiserner Disziplin ihre Agenda durchziehen, wahrscheinlich ein Variante „clintonischer“ Real-Politik in der Innen- wie Außenpolitik. Dre Kontrast zu Obama wird deutlich werden: Der einst als Polit-Messias gefeierte Obama suchte große Würfe, doch strauchelt meist. Die Clintons suchen Fortschritt in kleinen Schritten, Hillary dürfte härter und ausdauernder kämpfen um ihre Ziele als Präsidentin. Dass sie als erste Frau im Oval Office die Fäden zieht, wird natürlich zusätzlich zu einem völlig neuen Stil an Leadership führen.

Bis dahin ist es freilich ein weiter Weg: Es warten 20 Monate brutaler Wahlkampf. Und wie Schatten-Manager Bill Clinton selbst sagte: “Alles kann passieren…”