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Die Staatsanwaltschaft in Baltimore klagte sechs Polizisten wegen des Todes an dem Afroamerikaners Freddie Gray an, Haftbefehle wurden ausgestellt. Die Anklagepunkte reichen von Mord bis Vernachlässigung ihrer Pflichten. Gray wäre „ermordet worden“, sagte Staatsanwältin Marilyn Mosby. Die Details der Anklage sind haarsträubend und schockierend: Gray wäre grundlos festgenommen, trotz offensichtlicher Verletzungen durch die Festnahme – obwohl an Händen und Beinen gefesselt – beim Transport in einem Polizei-Van nicht angeschnallt worden. Durch eine wilde Fahrt wurde Gray offenbar herumgeschleudert, brach sich dabei das Genick. Obwohl er über eine halbe Stunde unansprechbar war, unterließen die Polizisten jegliche Hilfeleistungen, legten weitere Stopps am Weg zur Polizeiwache ein.

Der Schock über die schiere Menschenverachtung war bei der Pressekonferenz der resoluten Anklägerin spürbar. Sie selbst kämpfte sichtlich, ihre eigenen Emotionen im Zaum zu halten.

Davor waren erste Resultate des Autopsieberichtes durchgesickert: Gray brach sich das Genick innerhalb des Polizei-Vans – und nicht bei der brutalen Verhaftung, bezog sich die „Huffington Post“ auf Insider.

Sein Kopf wurde mit großer Wucht gegen die hintere Türe des Wagens geschleudert. Das zeige der Abdruck eines Stahlbolzens am Kopf des Polizei-Opfers, so der Bericht. Die Verletzungen wären ähnlich wie bei Opfern von Verkehrsunfällen mit hoher Geschwindigkeit. Ob Gray von einem der Cops gestoßen wurde oder bei einer wilden Fahrt mit dem Wagen gegen die Türe stürzte, ist bisher unklar. Fest steht: Bereits früher waren Gefangene beim Transport zur Wache in Baltimore ums Leben gekommen.

Die Ermittlungen, was dem 25-Jährigen bei der Fahrt wirklich zustieß, werden noch mysteriöser: Jetzt wurde anhand einer privaten Überwachungskamera festgestellt, dass der Wagen einen zusätzlich Stopp einlegte, von dem in bisherigen Polizei-Protokollen keine Rede war. Die Enthüllung führte zu neuer Empörung unter Bürgerrechtsgruppen. Gefragt wird: Warum haben die sechs suspendierten Cops den zusätzlichen Halt nicht gemeldet? Der Skandal weitet sich auch auf einer weiteren Front aus: Die Polizei verhaftete jenen Mann, der das Schockvideo der Verhaftung von Gray filmte. Er hatte sich über die „Verfolgung durch die Polizei“ beschwert.

Die bisherigen Ermittlungsergebnisse wurden inzwischen der Staatsanwaltschaft übermittelt. Für gehörige Aufregung sorgte auch ein der “Washington Post” zugespielter Polizeireport, wonach Gray selbst den Kopf gegen die Wand des Vans stieß, als wollte er sich “selbst verletzten…”. Die Aussagen stammten von einen anonymen Verhafteten, der mit Gray in dem Wagen transportiert worden war. Kritiker sprechen jedoch von einem dreisten Versuch, die Polizisten weißzuwaschen.