Das Chaos bei den Republikaner-Vorwahlen wächst weiter: Gerade hatte der New Yorker Immobilien-Mogul Donald Trump (69) mit seinem kometenhaften Aufstieg durch Ausländer-Hetze, Rivalen-Beleidigungen und Patriotismus-Trivialitäten Amerikas Polit-Elite verblüfft, sorgt der nächste Außenseiter für Furore: Der gottesfürchtige Gehirn-Chirurg Ben Carson (63) hat laut “CBS/New York Times”-Sensationsumfrage Krawall-Kandidaten Trump fast eingeholt.

Und das mit einer völlig konträren Strategie: Carson spricht meist leise, bedächtig, auch salbungsvoll. Er vermeidet verbale Untergriffe, zeigt sogar Mitgefühl.

Der “Doc” holte Stunden vor der nächsten Republikaner-Debatte Trump mit 23 zu 27 Prozent fast ein. Besorgniserregend für Trump ist auch der Trend: Er scheint den Plafond bei der Wählergunst bereits erreicht zu haben, seine Popularität steigt kaum mehr. Carsons Werte hingegen schießen weiter nach oben.

Was ist das Erfolgsgeheimnis des Afroamerikaners? Besonders religiösen Republikanern gefällt die rührende Story eines halbkriminellen Teenagers, der Gott fand und sich aus den Ghettos Detroits in die Operationssäle von Spitzenspitälern hocharbeitete. Carson wurde zum ersten Chirurgen, dem die erfolgreiche Separation von am Kopf zusammengewachsener, siamesischer Zwillinge gelang. Als Polit-Prediger, der sechs Bestseller schrieb, machte er sich bei der rechten Republikanerbasis eine Namen.

Seine Stimme ist leise und freundlich, doch seine erzkonservativen Ansichten unnachgiebig: Carson ist gegen Abtreibungen, Homoehen, Marihuana-Legalisierung, gegen die Krankenversicherung “Obamacare” und gegen Einwanderung. Carson glaubt nicht an die Evolution, hält den lieben Gott für den alleinigen Schöpfer allen Lebens auf der Erde.

Für Trump ist der überraschende Aufstieg des Außenseiters bitter: Gerade hatte er sich bei einem Auftritt in Dallas vor 18.000 Fans als praktisch unbesiegbar aufgeplustert und einen Durchmarsch bis ins Oval Office versprochen…

Photo by marcn