Print Friendly, PDF & Email

Die dramatischen US-Vorwahlen gehen heute in die dritte Runde: Die Demokraten entscheiden bei einer Caucus-Abstimmung in Nevada zwischen der einstigen Favoritin Hillary Clinton und Sozialisten-Senkrechtstarter Bernie Sanders, beim Chaos-Rennen der Republikaner heißt das Motto bei den Primaries in South Carolina: Alle gegen Rechtspopulisten Donald Trump.

Stunden vor dem Wahlgang in Nevada – wo Umfragen einen Thriller prognostizierten – musste Ex-Außenministerin Hillary Clinton einen neuen Tiefschlag an einer wichtigeren Front verdauen. Sozi-Revoluzzer Sanders, der zum Idol linker Jungwähler wurde, führt auch erstmals in einer in ganz Amerika durchgeführten Umfrage: Sanders erhielt in der „Fox News“-Umfrage 47 Prozent, Clinton nur 44 Prozent. Dramatisch das Momentum des 74-Jährigen Vermont-Senators: Im Dezember hatte „Hillary“ in den Umfragen national noch mit bis zu 30 Prozent Vorsprung geführt. Eigentlich galt Clinton als haushohe Favoritin, die Vorwahlen wurden als Durchmarsch, gar als „Krönungsfeier“ prognostiziert.

Jetzt bringt sie die „Bernie-Revolution“ am linken Parteirand, wo die wachsende Ungleichheit und Wall-Street-Gierbanker angeprangert werden, arg ins Schleudern. Der Stress ist sichtbar: Mehrmals musste sie Auftritte wegen Hustenanfällen unterbrechen. Zuletzt trug sie wieder eine Brille, wie nach ihrem Sturz in 2012, als sie Sehstörungen nach einer schweren Gehirnerschütterung davontrug. Bei einer TV-Diskussion wurde Clinton vom Publikum ausgebuht. Doch vorschnell abschreiben will sie niemand: Sie ist bekannt als Kämpferin.

Unterdessen schlägt Krawallkandidat immer wilder um sich: Es mehren sich die Zeichen, dass er den Bogen überspannt selbst bei Anhängern. Der Hasspolitiker Donald Trump steht daher bei den Republikaner-Vorwahlen in South Carolina vor dem großen Test: Der Immobilien-Milliardär könnte den zunächst großen Vorsprung noch über die Ziellinie retten. Auch wenn es scheint, als würde sein Stern langsam sinken: In einer nationalen Umfrage wurde Trump erstmals von seinem erbitterten Rivalen, dem ultrakonservativen Senator Ted Cruz mit 28 zu 26 Prozent überholt.

Und auch in South Carolina wurde das Rennen Stunden vor der Wahl noch richtig spannend: Laut NBC/WSJ-Umfrage schmolz Trumps einst uneinholbar scheinender Vorsprung auf 28 zu 23 Prozent vor Cruz zusammen.

Trump dürfte mit den jüngsten Auszuckern den Bogen überspannt haben, es gibt erste Risse in der Panzerung des „Teflon-Politikers“, an dem einst alles abprallte. Er beschimpfte Papst Franziskus als „erbärmlich“, nachdem der Pontifex seine christlichen Werte wegen der Hetze gegen Immigranten hinterfragte. Auch gegen Cruz führte er zuletzt eine widerlichen Kleinkrieg.