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Der Countdown tickt für den ersten Meilenstein der Präsidentschaft von Donald Trump: Diesen Samstag begeht er den hundertsten Tag im Oval Office.

Traditionell wird nach 100 Tagen eine erste Bilanz gezogen für den Start eines neuen Präsidenten. Und Trump agierte zuletzt sichtlich nervös. Einerseits spielte er den Meilenstein herunter: Es sei lächerlich, in einem derart kurzen Zeitraum an Erfolgen gemessen zu werden. Gleichzeitig prahlt er aber auch, dass er mehr erreicht hätte als jeder Präsident davor.

Politische Beobachter sprechen einheitlich jedoch von einem klaren Fehlstart des Republikaners. Seine Bilanz ist kläglich: Im Wahlkampf hatte Trump vollmundig einen “Vertrag mit den Amerikanern” präsentiert. Er versprach, in den ersten 100 Tagen zehn Punkte einer ehrgeizigen Agenda angehen zu wollen. Tatsächlich griff er nur einen davon auf: Die Rücknahme der Gesundheitsreform “Obamacare” – doch auch die scheiterte bisher blamabel im Kongress. Und das ist eigentlich ein Glücksfall für ihn: Nur 37 Prozent der US-Bürger wollen Trumps Version einer Gesundheitsreform („Trumpcare“).

Zuletzt musste er auch bei einem seiner wichtigsten Versprechen, den Bau einer Mauer zu Mexiko klein beigeben: Im Kongress drohte durch den Widerstand gegen die Mexiko-Mauer sogar ein neuer “Government Shutdown” – Trump zog die Forderungen nach Budgetmittel für den Mauerbau sichtlich frustriert zurück.

Das Weiße Haus will noch retten, was noch zu retten ist: Mittwoch war die Präsentation der „größten Steuersenkung aller Zeiten“ (Trump) geplant. Das Pressebüro verschickte bei einer fast verzweifelten PR-Großoffensive eine ellenlange Liste mit Errungenschaften des neuen Präsidenten.

Trump wollte mit der Unterzeichnung von 30 Exekutivverordnungen für “Action“ sorgen: Doch viele davon haben eher Symbolcharakter, amerikanische Gerichte legten dazu die umstrittensten, wie das Einreiseverbot für Muslime („Moslem-Bann“), auf Eis.

In der Außenpolitik konnte Trump durch seinen energischen Vergeltungsschlag gegen Syrien nach dem Giftgasmassaker zunächst zumindest Entschlossenheit demonstrieren. Doch beim Showdown mit Nordkorea fehlen die Rezepte. Er machte sich lächerlich mit der Irrfahrt des Flugzeugträgers „Carl Vision“, den er zur koreanischen Halbinsel schicken wollte, doch der zunächst in die Gegenrichtung dampfte.

In Meinungsumfragen ist Trump unten durch: Im Schnitt sind nur 41,9 Prozent mit seiner Amtsführung zufrieden, Vorgänger Obama erfreute sich in seinen ersten 100 Tagen einer Popularität von mehr als 60 Prozentpunkten.

Viele Amerikaner können auch Trumps Stil nicht leiden: Ständig zettelt er kleinkarierte Streitereien an. Seine Twitter-Tiraden machen die ganze Welt nervös.

Seine Anhänger, die berühmte „Trump-Bewegung“, halten aber weiter eisern zu ihm: Mehr als 90 Prozent sind mit ihrem Idol zufrieden – auch wenn er kaum etwas bisher für sie erreicht hat.