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Die Nachbeben des völlig überraschenden und skandalösen Hinauswurfs von FBI-Direktor James Comey durch Donald Trump erschüttern weiterhin die USA.

Die Supermacht ist an den Rand einer Verfassungskrise geraten: Noch nie in der amerikanischen Geschichte hat ein Präsident einen FBI-Chef gefeuert, der Ermittlungen gegen das Weiße Haus leitete.

Comeys FBI führte bekanntlich strafrechtliche Untersuchungen über Verbindungen von Trumps Wahlkampfhelfern mit Russland durch – der Skandal ist weitgehend bekannt als Kremlgate.

Das belagerte Weiße Haus begründete die Absetzung von Comey mit dessen angeblichem Fehlverhalten bei den Untersuchungen wegen Hillarys Clintons E-Mail-Skandal im Vorjahr.

Die oppositionellen Demokraten halten das für einen schlechten Witz: Sie sehen als wahren Grund, dass Comey dem Präsidenten bei den Kremlgate-Untersuchungen zu nahe gekommen wäre. Trump hätte panisch die Notbremse gezogen.

Stunden vor der Comey-Bombe hatte  CNN berichtet, dass in Virginia gerichtliche Voruntersuchungen gegen Trumps Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn eingeleitet wurden. Das Justizministerium wurde aufgefordert, relevante Akten zu übergeben.

Bekannt wurde auch, dass Comey kurz vor dem jähen Ende seiner Karriere, um mehr Geld für die Kremgate-Ermittlungen angesucht hatte. Er wollte die Untersuchungen im Skandal Kremlgate ausweiten, berichtet die New York Times.

Erinnert wird beim Comey-Rauswurf bereits an den Skandal, als Richard Nixon Watergate-Sonderermittler Archibald Cox beim “Saturday Night Massacre” feuerte.

Bizarre Details über die Hintergründe des Knalleffektes werden bekannt. Sie bringen Trump noch weiter in Bedrängnis: Laut Medienberichten wäre Trump so wütend gewesen wegen den Russland-Ermittlungen, dass er sogar TV-Geräte angebrüllt hätte.

Comey zog sich vor allem Trumps Zorn zu, als er bei einem Kongress-Hearing im März bestätigte, dass die Bundespolizei gegen Trump & Co in Sachen Kremlgate ermittle. Trump war auch sauer, dass der FBI-Direktor Trumps abenteuerliche Behauptungen nicht bestätigen wollte, dass ihn Vorgänger Barack Obama im Trump-Tower abhören hätte lassen.

Vor einer Woche hätte Trump Justizminister Jeff Session beauftragt, Gründe zu finden, um Comey feuern zu können. Vize Rod Rosenstein arbeitete ein dreiseitiges Memo aus – und nannte die Hillary-Ermittlungen als Grund. Ungeheuerlich auch: Comey selbst erfuhr von seiner Kündigung durch TV-Berichte. Ein Bote mit einem dementsprechenden Brief war noch am Weg zur FBI-Zentrale.

Die Demokraten verlangen nun die Einsetzungen eines Sonderermittler: Sie sehen durch Trumps autokratisches Verhalten die US-Demokratie in Gefahr.