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Amerika steht Kopf wegen des spektakulärsten Kongress-Hearings seit den Watergate- und Iran-Contra-Skandalen: Seit 10 Uhr Ortszeit sagt Ex-FBI-Chef James Comey vor dem Geheimdienstausschuss aus. Erwartet wird ein Marathon-Hearing mit explosiven Enthüllungen, die US-Präsidenten Donald Trump (70) ins Wanken bringen könnten.

Brennend vor allem die Frage: Hatte Trump Amerikas Top-Cop unter Druck gesetzt, die Russland-Ermittlungen abzuwürgen – und ihn gefeuert, da er sich weigerte?

Es geht um den Vorwurf der Justizbehinderung: Ein Verbrechen, das Trump das Amt kosten könnte.

Die Anhörung begann mit einem Knall-Effakt: Comey zeigte sich verbittert, über die Art und Weise seines Rauswurfes. Und vor allem: Das Weiße Haus hätte „glatte Lügen“ über ihn verbreitet, um seine Reputation zu zerstören, so Comey. Der Ex-FBI-Chef bezichtigt auch Trump direkt der Lüge.

Kampflustig sagte er: „Ich möchte hier klarstellen, das FBI ist ehrlich, stark und unabhängig“.

Ein weitere potenzielle Bombe: Comey sagte zwar, dass bis zu seinem Rauswurf Donald Trump persönlich nicht im Visier der FBI-Agenten gestanden sei. Doch er erklärte, dass die Untersuchungen so angelegt sind, dass sie bei ausreichender Beweislage auch auf den Präsidenten ausgedehnt werden könnten.

Deshalb hätte sich Comey auch dem Wunsch Trumps widersetzt, ihn mit öffentlichen Stellungnahmen zu entlasten.  Comey: „Eine solche Stellungnahme hätten wir eventuell später korrigieren müssen“.

Im Skandal-Fieber kommt die Hauptstadt Washington am „Comey-Day“ zum Erliegen: Bürger drängen sich in Bars und Restaurants bei „Watch-Perties“, alle TV-Networks übertragen live. Gerechnet wird mit Quoten wie bei den Oscars. Vor dem Kapitol warteten hunderte Menschen bereits im Morgengrauen.

Der Ex-FBI-Chef veröffentlichte vorab sein eine Stellungnahme über seine Interaktionen mit Trump, sieben Manuskript-Seiten, fesselnd wie ein Drehbuch zur Netflix-Kultserie “House of Cards“.

Highlights:

  • Bei einem Dinner im „Green Room“ des Weißen Hauses hätte Trump von Comey „Loyalität“ verlangt, obwohl das FBI unabhängig ist.
  • Allein im Oval Office mit Comey bedrängte der Präsident den FBI-Chef, die Ermittlungen gegen Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen.
  •  Comey berichtet, dass Trump selbst bei einer Unterhaltung die bizarren Vorwürfe gegen ihn abstritt, wonach er sich bei Russland-Trips mit Huren vergnügt hätte. Trump sagte sinngemäß: Er wisse, Ich dass er beobachtet wurde.

Immerhin aber bestätigt Comey: Es stimmt, dass er  Trump versichert hatte, persönlich nicht im Visier der Ermittler zu stehen.. Trump  sah sich schon „rehabilitiert”.

Doch im Trommelfeuer der Fragen der Senatoren werden weitere Bomben erwartet. Etwa: Warum wurde Comey wirklich gefeuert? Gibt es „Tapes“ von den Trump-Treffen?

Politisch ist das Comey-Drama schon jetzt ein Waterloo für Trump: Er wird als Lügner enttarnt – mindestens. Der Präsident stürzt in Umfragen immer tiefer.