Fünf Monate ist Donald Trump im Amt – und irgendwie scheint ein absoluter Tiefpunkt erreicht.

Die Welt ist nur mehr angewidert und die Mehrheit Amerikas erschöpft und deprimiert. Ein lähmendes Gefühl der Hoffnungslosigkeit liegt über dem Land.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Der Glaube ist verflogen, dass der Spuk mit dem politischen Super-GAU im Oval Office bald vorbei sein könnte. Die Kremlgate– und Justizbehinderungs-Skandale haben sich irgendwie totgelaufen: Nach 50.000 Stunden aufgeregter Skandal-Berichterstattung auf CNN und hunderten Enthüllungsgeschichten der Renomierblätter sind selbst eingefleischteste Trump-Gegner abgestumpft. Und der Teflon-Panzer wirkt immer noch irgendwie intakt. Auch weil im immer polarisierten Amerika jede Seite ihre eigenen Versionen der „News“ konsumiert. Klar ist deshalb auch: Ohne echter „Smoking Gun“-Beweise oder einer Anklage durch Sonderermittler Robert Mueller ist es ein weiter – und vor allem langer – Weg zu einem Amtsenthebungsverfahren.
  • So inkompetent und belagert das Weiße Haus auch ist und so unpopulär Trump, dessen Symptome geistiger Erkrankung unbestreitbar sind, auch bleibt in den Umfragen: Es gibt keine Anzeichen, dass die Republikaner den absurdesten Präsidenten der US-Geschichte fallen lassen werden – auf absehbare Zeit zumindest. Die „Grand Old Party“ hat längst alle Traditionen, ihre Werte und vor allem jeglichen Anstand über Bord geworfen, um ihre rechte Radikalkur für Amerika durchzuziehen. Kurz: Kahlschlag bei den Armen und der Mittelschicht, noch mehr Steuergeschenke für die Reichen (einem wirklich hilfsbedürftigen Segment der US-Bevölkerung…). Die widerliche Gesetzesvorlage zur Rücknahme von Obamacare ist die perfekte Baupause für des Umschaufeln des Geld von den Armen zu den Reichen. Bei „Trumpcare“ dürften mehr als 20 Millionen Amerikaner ihre Versicherung verlieren, dafür gibt es Steuersenkungen für die „One Percent“. Lang leben offenbar die so oft schon diskreditierten Konzepte der „Trickle-down economics“, wo nur die Top-Verdiener profitieren, während die Mittelklasse darbt! Mit der geplanten Steuerreform soll es dann in dieser Richtung weitergehen. Viele Konservative erkennen ihre alte Partei nicht mehr wieder: Die GOP sei heute eher ein Kult, der sich um den „Dear Leader“ schart, um Amerika brutal umzukrempeln. Kurios genug: Erinnert sich noch irgendwer an den Polit-Propheten, der sich für die „vergessenen Menschen Amerikas“ einsetzen hatte wollen?
  • Zum Weinen ist gleichzeitig der Zustand der Opposition: Die Demokraten, die nach acht Jahren an Niederlagen (außer Obamas Wiederwahl) weiterhin von der alten Grade angeführt werden, fuhren bei den vier letzten Kongress-Nachwahlen Niederlagen ein. Gleichzeitig fand die Parteispitze, wie ermutigend es sei, dass es oft so richtig knapp wurde… Mit Ehrenplätzen wird sich der Kongress nicht zurückerobern lassen. Der angebliche neue Star der „Dems“, Jungpolitiker Jon Ossoff, hat vorexerziert, wie außer Tritt die Partei ist: Der blasse Schlaumeier hatte nicht einmal den Mumm, die eigene Parteiführung im Kongress zu unterstützen. „Front Runner“ in den Umfragen für 2020-Wahlen ist derzeit Joe Biden: Der wäre dann 77. Allein das spricht Bände.
  • Zum Erliegen gekommen scheint auch die „Resistance“, die einst so kraftvoll anmutende Widerstandsbewegung gegen den Trump-Wahnsinn in Weißen Haus. Millionen gingen nach seiner Vereidigung noch auf die Straße, Zehntausende demonstrierten gegen den „Moslem-Bann“ an den Flughäfen. Jetzt jedoch ist Stille eingekehrt. Fast scheint die Bewegung so rasch verpufft wie einst  „Occupy Wall Street“. Das können die Liberalen besonders gut: Populäre Proteste nicht in potente politische Bewegungen umzusetzen. Zum Vergleich: Die rechte „Tea Party“ begann ebenfalls als lose Protestbewegung, doch ließ ihre Leute in den Kongress wählen, die Amerika streckenweise in Geiselhaft hielten. Und nun hockt einer ihrer Sympathisanten im Oval Office.

Was ist zu tun?

Man wird sich wohl in einem gewissen Ausmaß an den Wahnsinn gewöhnen müssen – mit dieser Intensität an täglicher Aufgeregtheit sind vier Trump-Jahre nicht durchzuhalten.

Und so viele könnten es werden – vielleicht sogar mehr.