OJ Simpson wird freigelassen: Justizdrama fesselte neuerlich Amerika


OJ
Print Friendly, PDF & Email

Der Begnadigungsausschuss des US-Staates Nevada gab dem Ansuchen des wegen eines Raubüberfalls in 2007 verurteilten, ehemaligen Football-Star OJ Simpson (70) auf vorzeitige Haftentlassung statt. Bereits im Oktober könnten sich für Simpson die Gefängnistore öffnen.

Simpson machte bei dem Begnadigung-Hearing seine Aussagen über eine Video-Schaltung vom Gefängnis „Lovelock Correctional Center“ nahe Las Vegas: Er war verbunden mit vier Mitgliedern des sechsköpfigen Gremiums in Carson City.

Die Anhörung wurde live übertragen und neuerlich zum TV-Spektakel: Simpson, der seit seiner letzten Anhörung vor vier Jahren nicht mehr gesehen wurde in der Öffentlichkeit, wirkte körperlich fit. Er zeigte zunächst jedoch wenig Reue und war stellenweise bei seinen Aussagen angriffig. Vor allem seine Stellungnahme, wonach er Zeit seines Leben eine „friedliche Person“ gewesen sei, sorgte angesichts des Mordprozesses der Neunziger für Kopfschütteln.  Simpson bestritt auch, dass er früher an Alkoholproblemen litt. Zum Schluss sagte er aber unter Tränen: „Es tut mir alles furchtbar leid“. Die Emotionen am Ende des Hearings könnten ihn gerettet haben.

Simpson war zu neun bis 33 Jahren Haft wegen eines gewalttätigen Einbruchs in ein Hotel in las Vegas verurteilt worden. Er wollte damals Andenken-Gegenstände einkassieren, die ihm – seiner Meinung nach – gestohlen worden wären.

Neun Jahre hat er für das Verbrechen abgesessen.

Als die Vorsitzende des Ausschusses dem Ex-Sportstar den positiven Bescheid mitteilte, erinnerte sein erleichterter Gesichtsausdruck an den Freispruch beim Mordprozess der Neunziger „Danke, danke“, sagte er..

Weltberühmt wurde OJ Simpson natürlich durch dass Verfahren nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau Nicole Brown Simpson und dessen Freund  Ron Goldman. Beide wurde erstochen aufgefunden, Simpson nach einer wilden, im TV live übertragenen Flucht in seinem “Bronco SUV” verhaftet.

Der Mordprozess hielt wochenlang die USA und die Welt in Atem. Der dramatischste Moment kam, als Simpson einen bei der Tat angeblich vom Mörder getragenen Handschuh anprobierte, der aber nicht passte. Simpsons Staranwalt Johnny Cochran appellierte mit der berühmtesten Phrase der US-Justizgeschichte an die Geschworenen: “If the glove does not fit you must aquit!” Übersetzt: Wenn der Handschuh nicht passt, müssen Sie ihn freisprechen.

Tatsächlich kam es zur Sensation: Es hieß am Ende “nicht schuldig”.

In einem Zivilprozess später kamen die Geschworenen zu einem gegenteiligen Urteil: Simpson wurde zu einer Millionen-Entschädigung an die Angehörigen der Mordopfer verdonnert, Simpsons Vermögen gepfändet. Er lebte fortan mit einer Art Rente.

Im September 2007 stürmte er gemeinsam mit drei Komplizen jedoch ein Suite im “Palace Station”-Hotel in Las Vegas und entwendete mit vorgehaltener Pistole Sport-Andenken von Dealern, die er für sein Eigentum hielt.

Damit landete er letztendlich doch im Gefängnis – für die Angehörigen der Mordopfer war es eine Genugtuung.

Previous 7/20: Jetzt ist Ivanka an der Reihe
Next "Bewegung" bröckelt: Jeder achte Trump-Wähler bereut schon die Wahl