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AmerikaReport bringt das “Irma-Tagebuch” von US-Korrespondenten Herbert Bauernebel, der vom Countdown zum Jahrhundert-Hurrikan ab sofort live aus Miami berichtet. 

Freitag brachten Busse Urlauber nach wie vor noch in Notunterkünfte. Ich besuchte einen dieser “Shelter” in der “Miami Central High School” in der 95. Straße im Norden Miamis.

In der Turnhalde sind hunderte “Irma-Flüchtlinge” untergebracht, darunter dutzende Urlauber. Ich treffe gestrandete Touristen aus Deutschland, der Slowakei, Frankreich, Serbien, Ungarn und Schweden. Die Bedingungen sind nicht katastrophal, aber für die Stadtverwaltung von Miami eigentlich beschämend: Es gibt in dem ganzen Schlafsaal weniger als ein Dutzend Liegen, Familien mit mehreren Kleinkindern schlafen auf Pappkartons, Schaumgummi-Matten oder einfach nur auf ihrer ausgebreiteten Kleidung. Die Behörden hatten es nicht geschafft, echte Schlafmöglichkeiten bereitzustellen – trotz tagelanger Vorwarnungen.

Überall stehen die Koffer, als bizarre Symbole, wie für so viele ein Urlaub im “Sonnenschein-Staat” am Boden einer Turnhalle endete.

Die Gestrandeten müssen jetzt auch noch Ausdauer zeigen: Mit der eigentlichen Sturmnacht von Samstag auf Sonntag ist ein Aufenthalt in der Notunterkunft bis Montag wahrscheinlich.

Annmarie Poudade (25) aus Frankreich genoss gemeinsam mit ihrer Freundin den Urlaub am coolen South Beach in einer Mietwohnung, als die Hausverwaltung nach den Evakuierungsanordnungen das Gebäude dicht machten.

Verzweifelt versuchten die beiden jungen Frauen, aus der Stadt abzuhauen: “Wir checkten panisch Flüge, Zugtickets, Mietwagen – es gab keine Chance, alles ausgebucht”, sagte die Urlauberin: “Wir hatten keine Wahl”. Sie stockt kurz: “Jetzt sind wir hier…”

Sie blickt verloren in den Saal mit Menschen, Gebäck und Gewand verstreut am Boden, als könnte sie fast selbst nicht glauben, in welch absurde Situation sie geriet.