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AmerikaReport bringt das “Irma-Tagebuch” von US-Korrespondenten Herbert Bauernebel, der vom Countdown zum Jahrhundert-Hurrikan live aus Miami berichtet. 

Nachdem sich Hurrikan Irma Zeit lässt, Miami näher zu kommen, versuche ich, mich selbst dem Sturm zu nähern.

Nach einstündiger Autofahrt durch sintflutartigen Regen ist am Highway US 1 dann aber vor der ersten Brücke nach Key Largo Endstation, es wird zu mulmig.

Die Sturmflut durch das noch weit draußen im “Golf” rotierende Wirbelstur-Monster verursacht, dass der Wasserpegel langsam das Straßenniveau erreicht.

An einigen Stellen peitschen die nun heftigen Windböen die Gischt der Wellen über den Asphalt.

Ich entschließe mich zur Umkehr: Sollte der Highway geflutet werden, wäre der Rückweg versperrt. Außerdem ist es gespenstisch, dass ich schon seit mehr als zehn Minuten keine anderen Autos mehr gesehen habe. An meinem Wendepunkt, der “Sea Hunter Marina” (dort gibt es u.a. “Glass Bottom”-Touristenschiffe zu Korallenriffen), stehen dann doch ein paar Reporter herum, offenbar von einem Wetterkanal. Aber auch sie machen sich gerade bereit zur Abfahrt – wieder zurück aufs Festland.

Denn die Straßen der Feriensiedlung der Urlauber-Destination sind schon in den Fluten versunken, das Wasser steigt rapide. Auch einige der Windböen erreichen schon die Stärke eines Tropensturmes, sie wehen einen fast um.

Bei der Rückfahrt prasseln heftige Regenschauer herab, dicke Tropfen, die sich wie ein Trommelfeuer am Autodach anhören. Am iPhone piepst es alle paar Minuten mit einem immer gleichlautenden Alarm: eine “Tornado Watch”, es wird geraten, nach Tornados Ausschau zu halten. Die gefährlichen Windhosen sind eine normale Erscheinung bei Wirbelstürmen, eingebettet in die um das Auge rotierenden “Regenbänder”. Sie entfalten aber selten so eine zerstörerische Kraft wie Horror-Twister im “Tornado Alley”.

Trotzdem würde ich jetzt ungern in einen geraten.

Noch eine letzte Inspektion am South Beach: Dort bläst der Wind nun schon recht heftig, die Stämme der Palmen biegen sich dramatisch.

Schaulustige rennen aber immer noch herum: Sie knipsen “Selfies” vor der tosenden See, Radfahrer sind zu sehen, Jogger auch. Ein Typ sucht sogar mit einem Metall-Detektor den Strand nach wertvollen Fundgegenständen ab, in der Hoffnung wohl, dass die donnernde Brandung wahre “Schätze” angespült haben könnte.

Die Behörden haben in dem sonst weitgehend ausgestorbenen Touristenort eine Ausgangssperre verhängt: Man befürchtet Plünderungen. Auch dieses Kapital gehört leider fast zu jeder amerikanischen Sturmkatastrophe.