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AmerikaReport bringt das Irma-Tagebuch von US-Korrespondenten Herbert Bauernebel, der vom Jahrhundert-Hurrikan live aus Miami berichtet. 

Das Heulen, Röhren und Rauschen von Irma ist ohrenbetäubend. Windböen von mehr als hundert Stundenkilometern peitschen Regengüsse durch die Hochhausschluchten von Downtown Miami.

Der Höhepunkt der Hurrikan-Infernos durch Jahrhundert-Wirbelsturm Irma begann mit furchterregendem Getöse. Fast wie ein Soundtrack zur Apokalypse.

Ich wettere Irma aus im 23. Stock eines Hotelgebäudes im Stadtkern der Florida-Metropole. Das Auge des Sturmes devastiert gerade 150 Kilometer entfernt die Insel-Kette “Florida Keys”: Doch die Sturmausläufer treffen auch Miami mit voller Wucht.

Bei den stärksten Böen schwankt das wuchtige Hochhaus des “Fortune House Hotel Suites”, fast wie bei einem Erdbeben. Drinnen knirscht es gespenstisch, draußen tost der Sturm so laut, als würden Güterzüge durchrasen.

Die Lampe über dem Esstisch schaukelt gespenstisch hin und her, als wäre ich auf einem Kreuzfahrtschiff. Werde ich seekrank? Im Hotel?

Wild prasseln die dicken Regentropfen wie Geschosse gegen die vibrierende Schiebetüre zum Balkon. Auf dem ist es draußen längst zu gefährlich.

Das schrille Piepsen meines iPhones schreckt auf: Eine “Tornado-Warnung”. Im Lokal-TV erklärt ein Meteorologe gerade anhand von Radardaten: Ein potenzieller Twister rast gerade auf das fast vollständig geräumte Touristen-Mekka South Beach zu. “Retten Sie sich ins Innerste des Gebäudes”, appelliert der Wettermann von “NBC Miami”.

Ich schüttle kurz den Kopf: Auch ohne Tornado-Warnungen wäre das Höllengetöse draußen und das Schaukeln des ganzen Hochhauses schon entnervend genug.

Die große Tragödie bahnte sich gleichzeitig an der Westküste Floridas an: Der Horror-Hurrikan hielt als “Kat-4”-Sturm mit Winden von 209 km/nach dem Durchzug durch die “Keys” auf den Großraum Tampa zu. Dort flüchteten Hunderttausenden in letzter Minute. Florida-Gouverneur Rick Scott hatte die “größte Hurrikan-Katastrophe in Florida aller Zeiten” befürchtet.

Im Hotel, das mit Wellblechplatten vor dem erwarteten Hochwasser notdürftig geschützt ist, waren schon vor der Sturmnacht die Lifte ausgefallen. 23 Etagen ging es durch das schwüle Stiegenhaus nach oben (zum Glück kenne ich das schon: 30. Stockwerke waren es 2003 beim “Great Blackout” und dann wieder bei Supersturm “Sandy” in 2012). Nach dem Ausfall des Kabel-TVs und der Klimaanlage flackern am Morgen auch noch die Lichter. Ein Stromausfall, wie ihn Sonntagmorgen bereits 200.000 Haushalte in der Sturmzone hinnehmen mussten, würde die Lage dramatisch verschlechtern. Doch vorerst bleiben die Lampen an.

Im Großraum Miami (2,6 Millionen Einwohner) wurden Schäden gemeldet: Bäume stürzten auf Gebäude, Transformatoren explodierten, aus Booten schlug die tosende See in den Häfen Kleinholz. Besonders dramatisch ist die Lage im “South Beach”: Dort versperren umgestürzte Palmen die berühmten Boulevards mit den Art-Deko-Hotels.