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AmerikaReport bringt das Irma-Tagebuch von US-Korrespondenten Herbert Bauernebel, der vom Jahrhundert-Hurrikan live aus Miami berichtet. 

Lange hat die Stromversorgung während des Infernos vor dem “Fortune-House”-Hotel in Downtown Miami gehalten – obwohl das Gebäude nach einer starken Sturmflut bereits seit Stunden von Hochwassermassen umzingelt war.

Aber dann gingen sie doch aus die Lichter. Es war keine besondere Überraschung. Dennoch ändert sich jetzt vieles. Höchste Priorität (neben der eigenen Sicherheit…) hat ab sofort: Technische Geräte spartanischer zu benutzen, um Akkus zu sparen.

Und in diesem Moment bin ich auch dankbar, dass meine Frau Estee drauf bestand, jede Menge “Kram“ mitzunehmen: Batterien, Kerzen, Taschenlampe, Streichhölzer, Wasser, Notproviant. Solche Sachen.

Der Wirbelsturm unterdessen tost draußen intensiver denn je, die Schiebetüre zum Balkon klappert immer auffälliger, irgendein Teil ist wegen der andauernden Windböen wohl lose geworden. Sie wird aber den Sturmtag durchhalten, schließe ich.

Wieder ist der durchdringende Alarmton meiner “Accuweather”-App zu hören: Die nächste Tornado-Warnung! Und nachdem gerade Regen und Wind ganz besonders brutal losschlagen, entschließe ich mich, kurz am Gang Zuflucht zu suchen. Zehn Minuten später ist die Warnung wieder aufgehoben.

Ich breche auf, um die Lage unten in den Hochwasserzonen zu erforschen. Wieder geht es das Stiegenhaus nach unten, knapp vor dem Erdgeschoss ist aber Endstation: Die braune Hochwasserbrühe steht mehr als einen Meter hoch.

Ich verlasse das Hochhaus über die Tiefgarage. Ich sehe mein Mietauto. Es ist unversehrt. Wenigstens. Auch bei der Garagenausfahrt geht es nicht weiter: Das Hochwasser erfasst praktisch alle umliegenden Straßen, es scheint teilweise bis zu einem Meter tief zu sein.

Die Windböen peitschen Schaumkronen auf, die Palmen biegen sich wild, das Röhren des Sturms ist ohrenbetäubend. Zu hören ist der Alarm aus einer Parkgarage: Lichter blinken überall in dem Bauwerk, Sirenen heulen auf, über einen Lautsprecher kommt eine unverständliche Durchsage. Niemand kann diese Garage erreichen, um das gespenstische Sirenengeräusch abzustellen.

Die ganze Szenerie wirkt wie in einem Hollywood-Endzeitfilm.

Ich dokumentiere die Irma-Flut via Twitter. Sonst gibt es hier nichts auszurichten: Es geht wieder retour durchs Stiegenhaus in die 23. Etage.

“The new normal”, nennen die Amis solche Ausnahmesituationen. Ich stelle mich jetzt langsam auf meine neue Lage als Irma-Gestrandeter ein.