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In Florida begann am “Day After” nach Katastrophensturm Irma des große Aufräumen – und das ausgerechnet am 16. Jahrestag der Terrorattacken des 11. September.

Der Hurrikan fräste durch die Inselkette der “Florida Keys”, schlug die Millionen-Metropole Miami mit Sturmböen von 160 km/h und schweren Überschwemmungen k.o. und zog eine Schneise der Verwüstung entlang der Florida-Golfküste von Naples bis Tampa.

In Florida wurden vorerst vier Tote gemeldet. Unklar ist jedoch das Schicksal von 10.000 Menschen, die auf dem “Keys“ ausharrten. “Wir wissen nicht, wie viele Tote es gibt”, sagte Einsatzleiter Bryan Koon. 4,5 Millionen saßen im Sonnenscheinstaat ohne Strom in Dunkeln, 170.000 Einwohner und Urlauber wetterten den Wirbelsturm in Notunterkünften aus.

Die krassesten Schäden verursachten die Flutmassen: Ich kämpfte mich vor dem Hotel durch die hüfttiefe Flut in der Sturmnacht zur Brickell Avenue, die durch Downtown Miami mit der Glitzer-Skyline verläuft. Jetzt ist hier nichts als Wasser zu sehen.

Kurios: Ich entdecke ein Warnschild “Slippery when wet” (Bei Nässe rutschig) – davor peitschen die Sturmböen das Hochwasser auf.

Nebenbei tönt der Feueralarm aus einer Parkgarage: Lichter blinken, Sirenen heulen, im Lautsprecher dröhnt: “Bitte evakuieren Sie! Gehen Sie zum nächsten Ausgang!” Niemand konnte die Garage erreichen, um das Getöse abzustellen. Die ganze Nacht ging das so.

Obwohl der Horror-Hurrikan Miami nicht direkt traf, war die Wucht des Sturms gewaltig: Eine Böe hatte einen riesigen Baum vor meinem Hotel einfach umgeweht, die Gehsteige sind übersät mit Ästen, Palmwedeln und Trümmern. Drei Kräne an Hochhaus-Baustellen knickten einfach ab. Eine Ausgangssperre wurde verhängt, aus Angst vor Plünderungen.

In meinem Hotel war davor der Strom ausgefallen: Ich holte die Kerzen aus meiner “Nottasche”, in die Batterien, Taschenlampe, Streichhölzer, Wasser und Notproviant gepackt waren. Die Hotellobby stand unter Wasser. Nach dem Vorbeiziehen des Hurrikans sanken Montag aber die Wasserpegel in den Flutzonen. Pumpen wurden in Betrieb genommen.

Der Schaden von Irma wird in Florida in die Milliarden gehen. Inmitten all des Horrors bleibt jedoch der Trost: Es hätte noch viel schlimmer kommen können.