Warum viele American-Football-Spieler lieber knien


Football
Print Friendly, PDF & Email

Colin Kaepernick ist derzeit (nicht nur in den USA) in aller Munde. Groß ist die Aufregung um den National Football League Quarterback, der sich im Jahre 2016 dazu entschied, aus Protest zu knien anstatt mit Hand an der Brust zu stehen, während die Nationalhymne im Stadion gespielt wurde.

Als Grund gab Kaepernick dafür den Rassismus in den USA an, der immer wieder durch den gewaltsamen Tod von unbewaffneten Männern und Frauen mit dunkler Hautfarbe durch Polizisten in den Medien ein Thema ist. Die Reaktion auf das symbolische Knien im Stadion war gewaltig und führte sogar dazu, dass Kaepernick bisher von keiner Mannschaft mehr unter Vertrag genommen wurde.

Die ganzen USA reagieren

Um diese Reaktion als Außenstehender verstehen zu können, muss die amerikanische Kultur etwas näher betrachtet werden. Die Bedeutung, die das Singen der Nationalhymne bei Sportveranstaltungen für viele Amerikaner innehat, ist vielen Europäern fremd und daher unter Umständen schwer zu verstehen.  Sie gehört bei Sportveranstaltungen einfach dazu, symbolisiert Nationalstolz und wird oft als Symbol, Soldaten Ehre und Respekt zu erweisen, angesehen. Die meisten Amerikaner sind damit aufgewachsen.

Natürlich ist ein Protest sinnlos, wenn er keine Aufmerksamkeit erregt. Sicherlich ist das ein Grund, weshalb sich Colin Kaepernick für das Knien während der Nationalhymne entschied. Er sagte darüber, dass er sich weigere, einer Fahne in einem Land die Ehre zu erweisen, in dem Afro-Amerikaner und andere sogenannte People of Color unterdrückt würden. Es würden Polizisten ungestraft mit Mord davonkommen, sagte er. Für ihn sei das größer als Football.

Andere Football-Spieler schließen sich an

Die San Francisco 49ers haben noch keine Anzeichen gemacht, Kaepernick wieder zum Spielen zurückzuholen. Es wird allerdings auch berichtet, dass Kaepernick sowieso schon vorher aus dem Team aussteigen wollte, das nach der Entlassung von Trainer Jim Harbaugh vor drei Jahren seine Leistung stark verschlechterte. Tatsächlich machen sich die 49ers derzeit in den Live-Sportwetten kurz vor der Winterpause nicht besonders gut und verlieren Spiel um Spiel. Vielleicht hat das auch etwas damit zu tun, dass die Debatte um Kaepernick die Spieler im Team auf unterschiedliche Seiten gebracht hat? Wer weiß. Dennoch zeigen auch andere Mannschaften kein Interesse am Quarterback und nennen als Grund die Sorge, dass Sponsoren nicht mit der Kontroverse in Verbindung gebracht werden wollen und potenziell abspringen könnten.

Lange bekam Kaepernick nur wenig Beistand von anderen Football-Spielern, selbst in seinem eigenen Team, doch eine Ansprache von Donald Trump änderte das schlagartig. Trump sprach sich dafür aus, dass NFL-Teams Spieler wie Kaepernick feuern sollten und bezeichnete Spieler wie ihn als “Son of a Bitch” (Hurensohn). Das löste bei vielen Spielern Empörung aus. Vor allem die Tatsache, dass Trump sich auf diese Art und Weise einmischte, machte viele wütend und die Zahl der Spieler, die sich dem Protest anschlossen, nahm dramatisch zu.

Nicht nur Football-Spieler machen heute mit, sondern auch Spieler anderer Sportarten sowie High-School- und College-Teams. Bei einem Spiel in London knieten insgesamt 27 Mitglieder der Baltimore Ravens und Jacksonville Jaguars. Cam Newton von den Carolina Panthers erhob nach einem Touchdown seine Faust – ein Zeichen, das als Black-Power-Symbol gilt. Andere Spieler heben ihre Faust während die Hymne spielt, anstatt zu knien. Auch weiße Spieler nehmen Teil. Seth DeValve von den Cleveland Browns war der erste weiße Spieler, der sich anschloss.

Schon zwei Tage nach Trumps Kommentar erhöhte sich die Zahl der knienden Spieler auf über 200. Die Anspannung ist förmlich zu spüren. Vor kurzem verließ Vize-Präsident Mike Pence das Spiel der Indianapolis Colts gegen die San Francisco 49ers aus Protest.

Auch Colin Kaepernicks Mutter mischte sich ein, nachdem Trump ihren Sohn indirekt als “Son of a Bitch” bezeichnet hatte. Sie antwortete mit einem einfachen Tweet: “Das macht mich dann wohl zu einer stolzen B****.”

Die Geschichte des Rassismus gegen Afro-Amerikaner im Land geht fast 400 Jahre zurück und noch immer gibt es viel Diskrimierung. Berichte über tragische Todesfälle wie die von Eric Garner, Michael Brown, Trayvon Martin oder Tamir Rice spalten das Land und haben Protestbewegungen wie Black Lives Matter hervorgebracht. Viele Amerikaner finden, dass sich Kaepernicks Protest nicht gegen die Fahne beim Football richten sollte, sondern auf eine andere Art und Weise ausgeführt werden sollte. Eines ist aber klar, seine Stimme wurde gehört. Es bleibt abzuwarten, wie es weiter geht.

Previous 10/12: Casino am Pranger
Next Gefürchtete "Diablo"-Winde treiben Waldbrand-Infernos an