Trump-White-House inside: 60-Zoll-TVs, Tweets im Pyjama, später Start im „Oval“


Trump
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Die New York Times hat monatelang recherchiert und 60 Insider befragt – jetzt wissen wir, wie es wirklich zugeht im Trump-White-House: Es bietet sich ein meist gespenstisches, aber oft auch skurriles Bild.

Der Befund gleich vorne weg: Ein paranoider Präsident fühle sich als Außenseiter in der Schlangengrube Washington in die Ecke getrieben und kämpfe jeden Tag vor allem darum, ernst genommen zu werden. Und ums Überleben. “Twitter ist dabei sein Excalibur-Schwert”, so das Blatt.

Das Protokoll eines typischen Trump-Tages ist eine faszinierende Lektüre: Trump steht auf um 5:30 Uhr, er schaltet das TV an im “Master Bedroom” in den Privatgemächern im Ostflügel des Weißen Haues.

Er sieht sich ein wenig CNN an für den ersten “News-Überblick”, dann “Fox & Friends” um zu hören, wie gut alles laufe. Es geht weiter mit MSNBCs “Morning Joe” mit den schärfsten Trump-Kritikern als Moderatoren-Duo. Das bringe Trump ausreichend in Rage, so Insider, um den Tag dynamisch beginnen zu können.

Erste Tweets im Nachtgewand

Nach der ersten Morgendosis TV greift er nach seinem iPhone und feuert erste Tweets ab – oft bereits im Anzug, machmal aber noch im Nachtgewand.

Trump verbringt mindestens vier Stunden pro Tag, manchmal sogar doppelt so lange vor der Glotze, mitunter ist der Ton aus, doch auf TV-Schirmen überall im West Wing halte er ständig Headlines der rivalisierenden News-Sender im Auge.

Stabschef John Kelly rackere 14-Stunden-Arbeitstage, um den impulsiven, unsteten und dünnhäutigen Präsidenten im Zaum zu halten – mit limitiertem Erfolg, so der Report: Er setzte zumindest eine Hauch von Disziplin durch, nachdem das Oval Office früher als Tollhaus beschrieben wurde, in dem ständig dutzende Leute aus und eingingen.

Der Zugang zum Oberkommandierenden ist nun reguliert. Ohne dem OK des Stabschefs geht gar nichts.

Kelly packte Trumps Tage mit mehr Meetings und Events voll, vor allem um ihn vom TV-Gerät wegzubekommen. Und er regte an, dass der Präsident spätesten um 9:30 Uhr im Oval Office zur Arbeit erscheinen solle.

Hinter dem Rücken von Kelly

Trump selbst aber, fast wie ein trotziges Kind, findet Hintertüren beim strengeren Regime des Ex-Generals: Er telefoniert mit alten Freunden oder lässt sich an den Wochenenden in Mar-a-Lago vom Verbündeten Storys und Verschwörungstheorien zustecken.

Seine Info-Quelle Nr. 1 jedoch bleibt das Fernsehen: Niemand darf die Fernbedienung angreifen außer ihm (oder Techniker). Gerne hockt er vor einem 60-Zoll-Flatscreen im Essraum und ärgert sich oft mächtig über die kritische Berichterstattung, die er manchmal sogar mit dem Küchenpersonal diskutiert.

Kaum zu glauben: Der mächtigste Mann der Welt freut sich immer noch, wenn er seinen Namen in den Schlagzeilen sieht… Und er werde mieselsüchtig, wenn es zu ruhig um ihn wird – vielleicht ist das die bisher beste Erklärung für die ständigen Provokation.

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