Warum in dieser Horrorwoche für das Weiße Haus Trump nur mehr abgemeldet schien


Tillerson
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Fast hätte Donald Trump Tritt gefasst bei seiner bisher schlingernden Präsidentschaft, vor allem nach einer von den meisten Amerikanern weitgehend positiv aufgenommenen State-of-the-Union-Rede.

Seine Popularität kletterte mit 42 Prozent auf den höchsten Wert seit Mai 2017.

Immer noch mies, aber besser als 37 Prozent…

Doch dann kam wieder so eine richtige Scheißwoche (und der Zirkus um den ganzen “Nunes Memo”-Schwachsinn letzten Freitag war offenbar nur der Prolog…):

  • Da stand Trump am Montag in Ohio am Podium bei einer Jubelrede über seine Wirtschaftspolitik und die Steuer-Reform, während die News-Kanäle am geteilten TV-Schirm das Börsenmassaker eingeblendet hatten (der “Dow” crashte an diesem Tag 1.135 Punkte).
  • Überhaupt, Wall Street: Nach der schlimmsten Börsenwoche seit dem Finanz-GAU 2008 dümpeln die Indexe nun offiziell im Korrektur-Territorium (mehr als minus zehn Prozent).
  • Das wäre für Trump ja noch gar nicht schlimm gewesen, nachdem die Fundamente der US-Wirtschaft weiter robustes Wachstum indizieren: Doch der Prahlhans hatte sich die Serienrekorde an der Wall Street an die Fahnen geheftet – ohne zu bedenken, dass es ja auch mal in die Gegenrichtung gehen könnte. Jetzt jammerte er, dass sich da keiner mehr wirklich auskenne bei einem Abverkauf trotz guter Wirtschaftsdaten…
  • Inmitten des Tohuwabohus in Sachen Finanzmärkte ließ sich der selbsternannte “Art of the Deal”-Chefverhandler bei einer Beratungsrunde mit Abgeordneten filmen, in der er zehnmal hintereinander, wie ein trotziges Kind einen “Government Shutdown” verlangte, sollten die “Dems” seine Mexiko-Mauer nicht finanzieren. Peinlicher nur: Seine eigenen Republikaner ignorierten den Zornbinkel im Oval Office und handelten mit der Opposition einen ganz anderen Budget-Deal aus.
  • Am größten aber das blaue Auge für das Weiße Haus durch  den Skandal um Top-Berater Rob Porter: Gleich zwei ehemalige Ehefrauen enthüllten, dass er sie verprügelt und terrorisiert hatte. Stabschef John Kelly fiel zuerst nichts Besseres ein, als den Frauen-Prügler als Mann mit “hoher Integrität” zu loben – um sich dann Stunden später plötzlich geschockt zu zeigen, als Fotos einer der Ex-Frauen mit einem blauen Auge auftauchten. Enthüllt wurde auch, dass Kelly & Co. seit Monaten über Porters gewalttätige Vergangenheit Bescheid wussten, doch nichts unternahmen. Ein Waterloo – besonders in Zeiten der #MeToo-Bewegung.
  • Aber vielleicht wurmt Trump am allermeisten, dass der Mythos um seine legendäre Frisur vom Winde verweht wurde: Ein Böe beim Einsteigen in den Präsidentenflieger entblößte seinen kahlen Hinterkopf – was ja nichts Schlimmes wäre, wenn dieser 71-Jährige Gockel der Welt nicht einen vollen, blonden Haarschopf vorgaukeln würde.

Erstaunlich schien aber vor allem, wie abgemeldet Trump wirkte während dieser neuerlichen Horror-Woche: Er twitterte zwar trotzig vor sich hin, doch keine der Wortmeldungen schaffte es prominent in die News-Zyklen.

Insgesamt bot sich das Bild eines enorm geschrumpftem Präsidenten…

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