# 30. August: Katrina II?

An der Louisiana-Küste herrscht Panik wegen des drohenden Killer-Hurrikans “Gustav”. Der Sturm hatte sich während des Durchpflügens das Tropenparadies der Cayman Island auf Stärke Drei der fünfteiligen Hurrikan-Skala intensiviert. Winde von 185, mit mit Böen bis zu 220 Stundenkilometer wurden gemessen. In New Orleans liefen intensive Evakuierungs-Vorbereitungen – exakt am dritten Jahrestag von “Katrina” (geschätzte 1.500 Tote), dessen Horrorbilder treibender Wasserleichen und nach Hilfe schreienden, verdurstenden Überlebender die Welt schockierten.
Gustav, der in der Karibik bereits 77 Menschen tötete, soll über Westkuba in die extrem warmen Gewässer des Golf vom Mexiko ziehen. Eine weitere Intensivierung wird erwartet. Von einem “Big One” sprechen Experten im US-TV. Das Aufschlagen auf die US-Küste ist westlich von New Orleans, wo bereits der Notstand ausgerufen ist, am Dienstag prognostiziert. 670 Millionen Dollar hat die durch Katrina blamierte US-Regierung dort in die maroden Deichsysteme investiert. “Das ist ein gefährlicher Sturm”, warnte Dämme-Direktor Bill Irwin. New Orleans könnte wieder in der erwarteten, bis zu zehn Meter hohen Flutwelle versinken, so Experten.
Bedroht sind auch die Ölförderanlagen im Golf: 80 Prozent sollen geschlossen werden. Durch Gustav könnten die Benzinpreise in den USA auf Rekordwerte von 1,33 Dollar explodieren. Zum Opfer des Wirbelsturms könnte auch der Parteitag des Republikaner-Kandidaten John McCain in St. Paul werden: US-Präsident George W. Bush überlegte zuletzt, seine für Montag geplante Rede wegen dem Sturm abzublasen, um nach Katrina eine neue Blamage zu vermeiden.

# 29. August: Obamas Rede-Triumph

Amerika steht Kopf nach der von TV-Kommentatoren gepriesenen “Rede des Jahrhunderts” von Demokratenstar Barack Obama. Als erster Afroamerikaner in der US-Geschichte greift er nun nach dem Oval Office. Des grandiose Finale des viertägigen Demokratenspektakels in Denver dient als Trägerrakete für die Zielgerade der Wahlschlacht gegen den Republikanerrivalen John McCain. Ein “Stromstoß” in den Umfragen zeichnet sich ab: Laut “Gallup” zog Obama bereits mit 48 zu 42 Prozent davon. Die Katapultwirkung des durch sein rhetorisches Feuerwerk vor 85.000 Fans neu entfachten Euphoriewelle “Obamamania” nützt er mit einer Blitztour durch die wahlentscheidenden Schaukelstaaten Pennsylvania, Ohio und Michigan.
McCain hat er mit einer Tsunami messerscharfer Kritik und unbändiger Kampfkraft kalt erwischt. Und Obama gelang, was seinen glücklosen Vorgängern Al Gore und John Kerry verwehrt blieb: Er verzettelte sich nicht, formulierte eine klare Siegerparole. Ein einziges zorniges Wort nach acht Bush-Jahren: “Genug!” Er porträtierte McCain als Bush-Klon, der die Sorgen einfacher Bürger “nicht einmal verstehe”. “Keine luftige Floskeln”, staunte “Time”-Kolumnist Joe Klein: Dafür konkrete Pläne, knallharte Attacken. Geschockt will McCain nun mit der Vizeernennung und dem am Montags beginnenden GOP-Parteitag in St. Paul zurück ins Rampenlicht rudern.
Ich war dabei, als Obama im Footballstadion “Invesco Field”, Downtown Denver, kurz nach 20 Uhr Ortszeit – und exakt 45 nach der “I have a Dream”-Rede des Schwarzenführer Martin Luther King – Geschichte schrieb. Gelassen schritt er den Laufsteg vor dem zunächst als Griechentempel verhöhnten Säulenbau als Bühne zum Mikro. Eine halbe Million hatten ursprünglich um Tickets angefragt. Noch vor dem Stadium warteten Hunderte mit Bündeln an Geldnoten auf Schwarzmarktkarten.
Nun röhrt die Menge, skandiert den Schlachtruf der Obama-Bewegung: “Yes we can!” Das Echo hallt durch das Stadionrund. U2-Klänge. Die Blitze tausender Kameras lassen die Tribünenhänge funkeln. “Gänsehaut”, sagt Michelle Arnold, eine junge Schwarze. Sie wischt die Tränen weg. Klammert sich an eine US-Flagge. Vielleicht schoss Obama in diesem Moment in den Kopf, wie er im Jahr 2000 bei Al Gores Parteitag in L.A. frustriert abreiste: Gerade in der Vorwahl um einen Kongresssitz unterlegen, erhielt er wegen überzogener Kreditkarte kein Mietauto – und keinen Zutrittspass für die Konventalle.
Jetzt braucht er Minuten, um die tosende Menge für den Redebeginn zu beruhigen. Ist er nervös? Der Druck ist gewaltig: Der Parteitag war zunächst mäßig verlaufen, überschattet von Ex-Rivalin Hillary Clinton. Nur Obama selbst konnte seinen Wahlkampf auf Oval-Office-Kurs bringen. Zur Beruhigung warf er tagsüber ein “paar Basketballkörbe”, hieß es. Er behielt die Nerven. In dem 43 Minuten langem “Superbowl aller Politikerreden” (“Huffington Post”) versetzte er das Stadion im Ekstase, verzauberte Amerika, überwältigte selbst die nüchternsten Analysten auf den Newskanälen. “Das ist die beste Rede, die ich je erlebt habe”, schwärmte Ex-Clinton-Berater Paul Begala. Bescheiden, wenn es um seine Herkunft ging, berührend, wenn die Sorgen der kleinen Leute beschrieb, kraftvoll, wenn er außenpolitische Kompetenz versicherte – und verheerend, wenn er McCain attackierte.

# 29. August: Ausgerechnet Alaska

Weiterhin Aufregung herrscht in den USA um die völlig überraschende Wahl der erst 44-jährigen, erzkonservativen Fünffachmutter und Alaska-Gouverneurin Sarah Palin als Vize des Republikaner-Kandidaten John McCain. Einige Experten halten die historische Wahl als erste Frau in einem Republikaner-Duo für einen Coup im Kampf um Frauenstimmen. Besonders, nachdem Rivale Barack Obama Frauenikone Hillary Clinton als Vize verschmähte. Doch es herrscht auch Kopfschütteln: Die Ex-”Vizemiss Alaska”, einst Bürgermeisterin einer 7.000-Seelen-Gemeinde, habe keinerlei außenpolitische Erfahrung, sei kaum bereit, die USA im Fall des Präsidententodes zu übernehmen.

# 25. August: Fest der Einheit für Obama?

Denver. Die Demokraten wollen mit einem pompösen Fest der Einheit ihren Präsidentschaftskandidaten Barack Obama auf ultimativen Siegeskurs bringen: Während das größte Parteitags-Spektakel aller Zeiten seit Montag in der Rocky-Mountain-Metropole Denver läuft, setzt Obamas erbitterte Ex-Rivalin Hillary Clinton Zeichen der Versöhnung: Sie „entlässt“ ihre durch 18 Millionen Wählerstimmen im Vorwahlkampf lukrierten Delegierten an Obama (siehe auch Story rechts).
50.000 in Denver. Planer hoffen deshalb auf ein harmonisches Fest der Superlative: 50.000 Menschen, inklusive 6.000 Delegierte, 15.000 Journalisten, Parteiführer und Freiwillige belagern Denver. Hinzu kommen 30.000 Sicherheitskräfte und 6.000 Nationalgardisten für die Bewachung der Show des ersten Afroamerikaners mit Oval Office-Chancen. An strategischen Punkten sind Scharfschützen positioniert.
Hohe Kosten. Die Kosten sind explodiert: 40 Millionen Dollar soll das einzigartige Parteitagsspektakel kosten. Es gibt erstmals gleich zwei Arenen: Die Sporthalle „Pepsi Center“ und das Footballstadium „Invesco Field“, wo Obama am Donnerstag vor 76.000 seine Dankesrede halten soll. „Showtime“ titelte der Internetdienst “Huffington Post” über einem Foto der farbenprächtigen, mit Plasma-TV-Schirmen durchzogenen, mehrere Millionen Dollar teuren Bühne. “Hip wie Obama”, schwärmte der Designer.
Grüner Parteitag. Und es sollen ein „Grüner Parteitag“ werden: Neben umfassenden Energiesparmaßnahmen kauften Teilnehmer für die geschätzte Tonne CO2-Ausstoß pro Person Kompensationspakete für alternative Energie.
Obama kann in seinem zuletzt leicht ins Stottern geratenen Wahlkampf die Katapultwirkung Denvers gebrauchen: Laut jüngster CNN-Umfrage liegt er mit seinem Republikaner-Gegner John McCain mit je 47 Prozent gleichauf.

# 28. August: Obamas Tempel

Stunden vor der “Rede seines Lebens” hatte das Fieber um den Hoffnungsträger der Demokraten zur Rückeroberung des White House, Barack Obama, die Fieberpunkt erreicht. Berater hatten Obamas Botschaft zum grandiosen Finale des viertägigen Krönungs-Spektakels in der Rocky-Mountain-Metropole Denver erläutert: In einer für 55 Minuten Dauer angesetzten Rede vor 80.000 fanatischen Fans im Football-Stadium “Invesco Field” in Downtown wollte er neuerlich zum umfassenden Wandel auf, seinem “Leibthema”, das den farbigen Jungsenator aus Illinois zum neuen Kennedy einer ganzen Generation katapultierte (siehe Story …).
Obamas Parteitag-Finale war zu einem Spektakel geraten, wie es die US-Politik noch nie gesehen hatte: Die Bühne glich einem griechischen Tempel, mit 14 über 30 Meter hohen, im Halbrund angeordneten wuchtigen Holz-Säulen.
Die Demokraten wären niedergekniet vor ihrem “griechischen Gott”, ätzte das rechte Massenblatt “New York Post”. Dazu eine Foto-Montage: Obama mit weißer Robe, Lorbeerkranz und Schriftenrolle. Team McCain nannte die pompöse Bühne prompt “Obama-Tempel”. Die Säulen hätten die Symbolik des Weißen Haus und das Lincoln-Memorial vermitteln sollen, verteidigte sich Choreograf Booby Allen, der sonst Bühnen für Popstar Britney Spears dekoriert. Die vom Dach des Stadiums abgeschossenes Feuerwerk erinnerten dazu fast an eine Eröffnungsfete Olympischer Spiele, Einlagen der Musikstars Stevie Wonder oder Black-Eyed-Peas”-Hiphop-Legende “Wil.i.am”, an die Pausenshow des Superbowl. Neben all dem Pomp war das wichtigste Ziel, so Demokraten-Guru und Ex-Clinton-Berater James Carville: Obama habe die “letzten Zweifel beseitigen müssen, er habe nicht genug Erfahrung, die USA zu lenken”,
Historisch auch die Sicherheitsvorkehrungen: Der achtspurige Freeway I-25 war gesperrt worden, wuchtige, mit Sand gefüllte Laster rollten den ganzen Tag durch Denver: Sie wurden als rollende Barrieren an allen Zufahrtsstraßen platziert. Die Euphorie um das Politidol erreichte beim Lokalaugenschein vor dem Megastadium den Siedepunkt. “Niemals habe ich gedacht, diesen Augenblick erleben zu dürfen”, strahlte Obama-Fan Marcus Arnold. “Schafft er es tatsächlich ins Weiße Haus, wird die ganz Welt Amerika in einem anderen Licht sehen”, fügt sein Kumpel Beau Boughamer an. Die Euphorie hatte auch die Ticketpreise am Schwarzmarkt in schwindelerregende Höhen getrieben: Weit über 1.000 Dollar hatten Karten für die Obama-Fete gekostet.

# 27. August: Wie JFK…

Die Strategen des Demokraten-Kandidaten Barack Obama haben sich für das Finale des Denver-Parteitages zu einer regelrechten Orgie an Pomp hinreißen lassen: Vor gewaltigen Säulen, die an einen griechischen Tempel erinnern, will Obama Donnerstag abends die wichtigste Rede seiner Polit-Karriere vor 80.000 Fans im umgebauten Footballstadium “Invesco Field” halten. Die triumphalen Bilder sollen vor erwarten 30 Millionen TV-Zusehern ein klares Siegerimage prägen – und zum “Katapult”, so Strategen, für die Zielgerade der Oval-Office-Schlacht gegen den Republikaner McCain werden. Die Idee hatte sich Obama von Präsidenten-Legende John F. Kennedy geborgt: Der wandte sich 1960 bei seiner Parteitagsrede ebenfalls an 80.000 im Stadium “Coliseum” in Los Angeles.
Doch der geplante gigantische Konfettiregen, die Feuerwerke und die in Denver grassierende Euphoriewelle “Obamamania” können über die zunehmende Nervosität der Parteibasis nicht hinwegtäuschen. “Nur mit Jubelbildern und Starrummel alleine kann Obama die Wahl nicht gewinnen”, sagt der Parteifunktionär Beau Boughamer: “Besonders die Arbeiterklasse fordert konkrete Vorschläge zur Lösung der Wirtschaftskrise”.
Dazu stehlen weiter die Clintons Obama bei seinem Krönungsfest die Show: Hillarys Rede wurde zwar von TV-Beobachtern als ihre “feinste Stunde” bejubelt. Doch bezweifelt wird, ob sie ihre Fans vollständig auf Obama-Kurs brachte. Und es gärt weiter: Der Kabelkanal CNN berichtete, dass Bill Clinton Obamas Siegerrede fernbleiben wolle. “Ein einmaliger Affront”, staunten Politinsider. Clintons eigene Ansprache wiederum überschattete die des frisch gekürten Vize Joe Biden.
“Die zentrale Botschaft, wie Obama die Amerikaner aus der Krise führen will”, so die New York Times, sei durch das Hickhack zwischen den Clinton- und Obama-Camps bisher komplett verloren gegangen. Parteistrategen hatten durch die Denver-Show auf einen Sprung in den Umfragen von über zehn Prozent gehofft. Bisher zeigt die Kurve in die Gegenrichtung: Laut täglicher Gallup-Umfrage fiel Obama mit 44 zu 46 Prozent hinter McCain zurück.

# 26. August: Zwie Frauen für Obama

Denver. Eine Frau könnte Demokraten-Helden Barack Obama bereits auf Siegerkurs ins Oval Office gebracht haben. Um die Gunst einer weiteren muss er noch zittern. Während Gattin Michelle Obama 4.000 Delegierte auf Obamas Krönungsfest in Denver mit der „Rede des Jahres“, wie US-Medien jubelten, verzauberte und zu Tränen rührte, rumort es trotz Aufrufen der in den Vorwahlen geschlagenen Ex-First-Lady Hillary Clinton zur Einheit bei ihren Fans weiter gewaltig. Experten sind sich einig: Obama braucht die Frauenpower beider, um Republikanergegner John McCain niederzuringen.
Wahlthriller. Laut „Gallup“ liegen beide in dem Wahlthriller ums Weiße Haus mit je 45 Prozent gleichauf. In drei Schaukelstaaten ist Obama laut dem Institut „Quinnipiac“ zurückgefallen: In Florida liegt er mit 47 zu 43 Prozent hinter McCain, in Ohio mit 44 zu 43 Prozent sowie Pennsylvania mit 49 zu 42 Prozent nur mehr knapp voran. Obamas Problem: Er muss vergrämte Hillary-Fans überzeugen. 27 Prozent, so Umfragen, wollen McCain wählen.
Verliebt in Barack. Die Sonderleistung der attraktiven Michelle, umschwärmt als schwarze Jackie Kennedy, rettete Tag Eins der turbulenten, viertägigen Obama-Show. „Der Barack von heute, ist genau jener Mann in den ich mich vor 19 Jahren verliebte“, stürzte die 44-Jährige, perfekt gestylt mit einem blasstürkisen Kleid ihrer Lieblingsdesignerin Maria Pinto die Massen in tiefe Rührung. Sie strich ihren und Baracks „unglaublichen Aufstieg“ aus bescheidenen Verhältnissen hervor, möglich „nur in Amerika“. Ein „totaler Homerun“ jubelte der sonst kühle Moderator des Kabalkanals MSNBC, Keith Olbermann.
„Liebe dich, Daddy“. „Es gelang ihr, ein Paar zu vermenschlichen, das vielen als fremd erscheint“, so selbst das konservative Wall Street Journal. Patrick Kennedy, Sohn des krebskranken Patriarchen Ted, dessen siebenminütiger Auftritt die Halle in Taumel versetzte, pries: „Nun fühlen sich die Wähler verbunden mit ihnen“. Für die Choreografen der Obama-Show wurde ein Traum wahr: Michelles Mutter Marian Robinson (71) kullerten auf der Tribüne die Tränen über die Wangen. Die Töchter Malia (10) und Sasha (7) verzückten, als sie „Ich liebe dich, Daddy!“ dem via Videolink zugeschalteten Obama zuriefen. Die kleine Sasha korrigierte ihn dann auch noch, als sich Obama bei seinem Aufenthaltsort irrte.
Hillarys Hilfe. Auch um Hillarys Hilfe buhlt Obama: Stunden vor dem Beginn ihrer großen Rede zur Hauptsendezeit der TV-Stationen war versichert worden, sie werde sich voll hinter ihm stellen und zur Einigkeit beim Kampf um die Rückeroberung des Weißen Hauses nach acht „devastierenden Bush-Jahren“ aufrufen. Hillary spricht dazu exakt am 88. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts. Die Wahl des Abtreibungsgegners McCains als Trotzreaktion wäre „ein Affront gegen ihren lebenslangen Kampf um Frauenrechte“, appellierte sie an ihre Fans. Doch Stunden vor ihrer großen Rede zogen hunderte lärmend mit Hillary-Tafeln durch Denver. Reporter sprachen von einem „Rachefeldzug für die Vorwahl-Niederlage“.
Gezänke. Und das bittere Gezänke zwischen dem Obama- und Hillary-Camp ist immer noch Thema Nr. 1 bei den 15.000 angereisten Reportern – und droht das als Versöhnungsfest geplante Spektakel zum Entgleisen zu bringen. Hillary will am Mittwoch noch persönlich an zornige Delegierten appellieren, das Kriegsbeil endlich zu begraben. Währenddessen meckert Hillarys Gatte, Ex-Präsident Bill Clinton, dass ihm das Thema für seine am Mittwoch angesetzte Rede nicht passe: Er hätte lieber Lösungen zur Bewältigung der US-Wirtschaftskrise präsentiert, als Obamas Führungsqualitäten zu preisen.

# 25. August: Aufstand der Hillary-Fans

Der Streit um Hillary könnte Obamas PR-Show überschatten: Vor allem eine symbolische Abstimmung, wo Obama offiziell zum Kandidaten gewählt wird, könnte zur Blamage werden: Denn Hillarys Name ist als Anerkennung für ihren vor allem für Frauenrechte so historischen Wahlkampf auf dem Wahlzettel verblieben. “Bekommt sie fast so viele Stimmen wie Obama ist von Einheit keine Rede mehr”, so TV-Kommentatorin Rachel Maddow: Sie will, berichtet der TV-Sender ABC, an sie appellieren, doch für Obama zu stimmen. Dennoch: Viele ihre Fans sind wütend, nachdem Obama statt Hillary Senatsveteran Joe Biden als Vize erkor. 27 Prozent wollen jetzt sogar für Obamas Rivalen John McCain stimmen. Dessen Republikaner-Partei zündelte: Hillary wäre nicht Vize geworden, weil sie mit ihre Kritik an Obamas Fähigkeiten, die Wahrheit sagte.

# 24. August: Obama-Show!

Demokraten-Star Barack Obama will mit dem heute in der Rocky Montain-Metropole Denver beginnenden Parteitags-Spektakel eine Vorentscheidung gegen seinen Republikaner-Rivalen John McCain erzwingen: Den Auftakt bei der großen “Obama-Show” (US-Medien) macht seine attraktive Gattin Michelle. Ihre wichtigste Aufgabe: Sie soll durch rührende Anekdoten den Menschen Barack hervorkehren, die unglaubliche Lebensgeschichte des in Hawaii Geborenen mit Eltern aus Kansas und Kania sowie Lebensstationen von Honolulu, Jakarata, New York und Chicago preisen, ihn vor allem “der weißen Arbeiterklasse näherbringen”, so US-Experten.
Der Reigen rauschender Reden praktisch aller Demokratenstars geht am Dienstag mit der im Vorwahlkampf unterlegenen Hillary Clinton weiter. Mittwoch dominiert die Rednerliste Bill Clinton, Klimaretter Al Gore – und vor allem der gerade von Obama gekürte Vizekandidat Joe Biden. Biden kommt die wichtigste Aufgabe zu: Der 65-Jährige Veteran vor allem der Außenpolitik soll skeptischen Wählern versichern, dass der “unerfahrene Obama”, wie McCain & Co seit Wochen trommeln, wirklich das Zeug zum Führen der USA durch kommende Weltkrisen hat.
Und der kämpferische Biden soll vor allem auch McCain direkt attackieren: “Wir brauchen mehr als einen guten Soldaten”, rief er beim Debüt als Obamas Nr. 2: “Wir sehnen uns nach einem weisen Führer”. McCain soll als kriegslüsternder Hitzkopf portraitiert werden, “der zuerst schießt, und dann fragt”. Als reicher, abgehobener Pinkel, der, während die Mittelklasse dünstet, Millionären Steuergeschenke mache. Zusammengefasst: Der Bushs “verheerende Jahre” prolongiere.
Obama selbst bereitet den Höhepunkt des perfekt choreografierten Demokratenspektakels mit 4.233 Delegierten, 15.000 Reportern und Millionen-TV-Publikum mit einer Tour durch wichtige “Schlachtfeldstaaten” wie Wisconsin, Iowa und Missouri vor. Am Donnerstag trifft Obama triumphal in Denver ein, hält in einem Footballstadium vor 76.000 Fans seine Dankesrede. “Das hat es noch nie gegeben”, staunen US-Medien.
Der Parteitag der Rekorde soll aber auch Obamas Schwächen kaschieren. Viele Wähler zögern noch, den jungen, kaum getesteten, und für einige auch “schwarzen” Newcomer tatsächlich ins Oval Office zu hieven. Diese Skepsis machen Experten für das jüngste Abschmieren in den Umfragen gegen McCain verantwortlich – trotz aller Euphorie seiner Fans. Laut “Washington Post”-Umfrage liegt er jetzt mit 49 zu 45 Prozent jedoch wieder etwas deutlicher voran. Sein Team hofft jedenfalls durch Denver einen “Stromstoß in den Umfragen”. Die größte Angst der Planer: Pannen, die die Rechten ausschlachten könnten. Eine kleinen Vorgeschmack gab es beim ersten Obama-Biden-Auftritt: Obama stellte seinen Vize als “nächsten Präsidenten” vor, Biden seinen Boss als “Barack Amerika”.

# 24. August: GOP schießt auf Biden

Für die unter Druck geratenen Republikaner war es ein Geschenk des Himmels: Demokratenstar Barack Obama hatte gepatzt und seinen Vize Joe Biden als “nächsten Präsidenten” vorgestellt. Prompt giftetet das Team seines Rivalen John McCain: Der unerfahrene Obama brauche einen “Aufpasser”, einen “Vatertypen”. Nach den Bilder des weißhaarigen, 65-Jährigen an der Seite “seines jugendlichen Bosses”, fragen viele: Warum holt sich der einst so selbstsichere Obama jetzt eine Vaterfigur an seine Seite? Genüsslich wurden dazu die alte Biden-Zitate ausgegraben, wo “Obamas neuer Dad”, so Kritiker, bezweifelt, der Afroamerikaner sei “bereit”, die USA zu führen. Die Wahl des Routiniers und Washington-Insiders zeige, bekrittelte etwa auch AP-Politreporter Ron Fornier, “dass Obama offen seine eigenen Schwächen eingestehe”: Vor allem der Mangel an internationaler Erfahrung.
Ausgeschöpft wird auch die lange Liste an Biden-Fehltritten in seinen 35 Jahren im Senat: Obama selbst hatte er mit leicht rassistischem Unterton die Attribute “artikuliert” und “sauber” zugeteilt. Dann machte er sich über die Inder im “7-Eleven”-Läden lustig. 1988 musste Biden seinen Präsidentschaftswahlkampf abbrechen, nachdem er für seine Reden Zitate von Briten-Politiker Neil Kinnock geklaut hatte. Der reche Hassradio-Talker Rush Limbaugh freute sich bereits: “Biden ist ein Traum für uns – wir werden ihn fertig machen”. McCain selbst gab sich jedoch nobel: “Biden ist ein sehr kluge Wahl”, so seine erste Reaktion. Er sei ein “formid abler Gegner”.

# 23. August: Biden!

Delaware. Amerika steht Kopf nach der Entscheidung von Barack Obama, sich Außenpolitikexperten Joe Biden als Vize für die Schlacht um das Weiße Haus an seine Seite zu holen. Die hysterischen Medienspekulationen endeten, als Team Obama per SMS Fans informierte. Samstag, 3:19 Uhr, erhielt ich den Kurtext: „Barack hat Joe Biden gewählt…“ Die New York Post titelte: „It‘s Joe!“ Stunden später ließ sich das Demokraten-Duo in Springfield, Illinois, feiern. Es folgt eine Blitztour durch „Schlachtfeld-Staaten“ zum Obama-Parteitag in Denver.
Zweifel an Obama. Warum Biden? Der 65-Jährige hat mit 35 Jahren im Senat Erfahrung in einem Bereich, wo Wähler über Obamas Fähigkeiten noch arge Zweifel plagen: Der Außenpolitik. Der Chef des Ausschusses für „Auswärtige Beziehungen“ war gerade aus den Kriegszonen Georgiens zurückgekehrt. „Diese Krise illustrierte, wie bitter ihn Obama benötigt“, so TV-Experte Chuck Todd. Peinlich nur: Biden hatte selbst im Vorwahlkampf bezweifelt, ob Obama das Zeug zum Präsidenten habe.
Tragik. Gefürchtet als „Raufbold“ kann Biden mit seiner messerscharfen Rhetorik McCain vor allem bei Kriegsthemen Paroli bieten. Wie McCains kämpft auch Bidens Sohn im Irak. Der glühende „Amtrak“-Zugfan kommt bei der weißen Arbeiterklasse gut an: Er soll für Obama-Siege in den „Hackler“-Schaukelstaaten Pennsylvania, wo er geboren ist, oder Ohio sorgen. Bidens nun hektisch zerpflückte Bio enthält auch Kapitel unfassbarer persönlicher Tragik: 1972 starb sein Frau Neilia und sein jüngstes Kind Amy bei einem Autounfall. Zwei weitere Söhne überlebten.
Doch Obama zögerte: „Was ist, wenn ich mich nicht mit ihm verstehe?”, soll er gefragt haben. Bidens Freunde beruhigten: „Er ist ein Kumpel, wenn man ihn besser kennt”. (bah)

# 23. August: Britney Abspeck-Geheimnis

Die Zeiten sind vorbei, als sich Pop-Prinzessin Britney Spears (26) zwischen Gerichtsterminen im Showdown um das Sorgerecht für ihre Kids Sean Preston (2) und Jayden James (1) den Kopf kahlscheren ließ oder nächtens mit einem Regenschirm auf ein Paparazzi-Auto einschlug. Wie sie sich mit ihrem aufgedunsenen Körper im Bikini bei einer Musikpreisverleihung lächerlich machte – und sogar nach einem Gerichtsbeschluss ihrem Vater die Kontrolle über Privatgeschäfte und vor allem ihrer Finanzen übertragen musste.
Umso dramatischer ist jetzt das Comeback des Sängerstars (83 Millionen verkaufte Alben weltweit): Schlank, ihr Körper trainiert, sonnengebräunt und mit blonden Haarverlängerungen präsentierte sie sich am Strand des mexikanischen Starressorts Los Cabos. Das brutale juristische Gerangel um ihre Kinder mit Ex-Gatten Kevin Federline ist geregelt. Auch wenn sie ihren Staranwälten noch eine Millionen Dollar an Honoraren schuldet. Ihre Karriere ist mit neuen Hitsongs und Rollen in TV-Seifenopern wieder auf Kurs.
Doch am auffälligsten ist Spears neue Traumfigur nach dramatischem Abspecken: “Wie ich meinen Körper zurückbekam”, titelte zuletzt das Glamour-Magazin “OK!” über einer strahlenden Britney. Dazu wurde ein Foto publiziert, wo sie lässig mit Singlet und abgeschnittenen Jeanshosen durch die mexikanische Prärie reitet. Ein dramatisch anderes Image, als einst durch die Orgie peinlicher Videos als Dauergast auf der Skandal-Hollywood-Website “TMZ” vermittelt wurde.
Wie hat sie es geschafft? Im ersten exklusiven Interview mit dem Magazin verrät sie ihre Diätgeheimnisse. “So gesund habe ich mich noch nie gefühlt in meinem Leben”, schwärmt der Popstar. Sogar großgewachsener als auf der Flut an Paparazzi-Bildern sehe sie aus, erinnert sich die Autorin an die Begegnung. Das Erfolgsrezept basiert vor allem auf einer neuen, strikten Diät: Es ist das “wichtigste Fundament”, wie sie sagt, der dramatischen Abmagerungskur: “Bloß 1.200 Kalorien pro Tag kommen auf den Teller”, so Spears. Das klinge nach recht wenig, fügt sie an: “Doch wenn man die richtigen Sachen auswählt, ist es eigentlich eine ganze Menge Essen”.
Sie beschreibt ihre neuen Lieblingsspeisen: Hühnchen, Lachs, Reis. Dazu Avocados, das weiße vom Ei – und, vielleicht dazu als einzige kleine Sünde “Truthahn-Burgers”, wie sie beim Interview zwinkert. Strikt verboten ist Zucker in jeder Form: Auch in Früchten. “Ich esse kein Obst”, überrascht Spears: “Wegen dem Zucker”. Kein Zucker auch im Kaffee: “Tschüss, Starbucks-Frappiccinos”, lacht sie.
Das zweite Standbein bei dem erstaunlichen Erfolg ihres physischen Make-Overs ist ein strenger Workout-Plan. “Ich habe Trainer gewechselt”, sagt Spears: “Ich hatte zuerst einen Mann, doch ich fürchtete, dass ich unter seinen Anweisungen zu maskulin werden könnte”. Jetzt arbeitet sie fünf Tage die Woche mit einer Trainerin, um ihrem Körper “Festigkeit” bei gleichzeitiger “Eleganz” zu vermitteln. Wenn sie diese Ziele erreicht habe, stellt sie in Aussicht, könnte sie auch wieder zu ihrem alten Trainer zurückkehren.
Im Interview schwärmt sie auch, dass sie nun eine “viel glücklichere Person” sei. Und das helfe ihr auch, sich wieder voll in die wichtigste Rolle neben ihrer Musik- und Filmkarriere zu stürzen: Der als Mutter. “Mich um meine kleinen Boys zu kümmern”, sagt sie, ist jetzt mein wichtigstes Anliegen”.

# 22. August: Lustiges Vizeraten

Washington. In den Stunden vor dem ersten gemeinsamen Auftritt des Demokraten-Stars Barack Obama mit seinem gekürten Vize in Springfield, Illinois,, hatten die Medienspekulationen hysterische Ausmaße erreicht: Denn bis zuletzt wollte Obama bloß zugestehen, dass er eine „Wahl getroffen“ habe, nicht jedoch den Namen verraten. Die Bekanntgabe war als direkte SMS auf die Handies seiner Fans geplant.
Reisevorbereitungen. Vor dem Haus des als als Top-Favoriten gehandelten Außenpolitik-Profis des Senats, Joe Biden, warteten bereits Presse-Horden. Weitere ominöse Indizien waren rapportiert worden: Bidens Familie würde eintreffen, rege Reisevorbereitungen seien zu beobachten. In Renner waren zuletzt auch Indiana-Senator Evan Bayh und die Kansas-Gouverneurin Kathleen Sebelius gewesen.

# 22. August: Panik wegen weißem Pulver

Denver. Die Szenen erinnerten mehr an die Panik an den Terror mit tödlichen Milzbranderregern im Herbst 2001 als an den heurigen US-Wahlkampf: Feuerwehrleute in luftdichten „Hazmat“-Schutzanzügen und Gasmasken untersuchten in einem Zelt vor dem Wahlkampfbüro des Republikaner-Kandidaten für das Weiße Haus, John McCain, 19 seiner Mitarbeiter. 12 von ihnen wurden sogar unter Quarantäne gestellt.
Pulver. Denn in einem Brief mit Todesdrohungen gegen McCain fanden Wahlkampfhelfer auch weißes Pulver – genau wie bei der Anthrax-Welle vor sechseinhalb Jahren mit fünf Toten (erst vor Wochen hatte das FBI den Wissenschaftler Bruce Ivins, der Selbstmord beging, als Täter identifiziert). Stunden später sorgte ein weiterer, angeblicher Pulverfund in einem weiteren McCain-Büro in New Hampshire für Aufregung. Der stellte sich jedoch rasch als Falschalarm heraus.
Personenschutz. Die persönliche Sicherheit der Kandidaten, vor allem auch die von McCains Demokratengegner Barack Obama, war in der Wahlschlacht 2008 bereits vor der Pulver-Panik Top-Thema: Kürzlich wurde in Florida der rassistische Waffennarr Raymond Geisel (22) verhaftet, der Obama „ausschalten“ wollte. Die Personenschutztruppe des „Secret Service“ hatte um eine Budgeterhöhung von 9,5 Millionen Dollar angesucht zum besseren Schutz der Kandidaten.

# 21. August: Obama im Umfragen-Sinkflug…

Washington. Ausgerechnet vor seiner wichtigsten Woche ist Demokraten-Star Barack Obama ins Umfragetief gestürzt. Dabei hätten die nächsten Tage nichts als Jubel bringen sollen: Zuerst der Medienzirkus um die Wahl seines Vize. Dann eine Tour durch mehrere Schaukelstaaten zu seinem Krönungsparteitag in Denver mit Parteigrößen und Hollywoodstars. Als pompöses Finale der viertägigen „Obama-Show“, ab Montag ist eine rauschende Rede vor 75.000 Fans in einem Footballstadium geplant.
Triste Datenkolonnen. Nun starren seine Top-Berater jedoch entgeistert auf die tristen Zahlenkolonnen der jüngsten Umfragen: Obamas einst deutlicher Vorsprung auf Republikaner-Kontrahenten John McCain ist weg. Gleich drei der größten Umfragen liefern identische Zahlen: Obama führt nur mehr knapp mit 45 zu 42 Prozent, ein totes Rennens innerhalb der statistischen Schwankungsbreite. Laut dem Institut „Zogby“ habe ihn der volkstümliche McCain erstmals mit 46 zu 41 Prozent abgehängt. Vor einem Monat galt der weltweit umjubelte „schwarze Kennedy“ noch als Top-Favorit für das Oval Office, führte mit acht Prozent.
Bang Fragen. Amerikas Demokraten und der Großteil der Welt fragt bange: Kann Obama die US-Präsidentschaftswahl am 4. November gar verlieren? Immer mehr Wähler würden sich fragen, so TV-Experte Chuck Todd, ob Obama „erfahren genug ist die USA durch diese krisengebeutelte Zeiten zu steuern“. McCain schürte diese Zweifel mit einer Rufmord-Kampagne, inklusive dem legendären TV-Spot, wo er Obamas hohle Starpower mit jener der Hotelblondine Paris Hilton verglich. Prompt wanderten einige seiner Fans in die Kolumne der 13 Prozent an „Unentschlossenen“ ab.
Joker Hillary. Und dort ist für Obama eine weitere Tretmine vergraben: Mehr als die Hälfte sind Fans seiner Ex-Rivalin aus dem Vorwahlkrimi, Hillary Clinton. Experten: Ihr komme nun in Denver eine zentrale Rolle zu, die für Obama zu begeistern. Es sei, so US-Medien, „wie ein riesiger Kater von den Vorwahlen“.

# 19. August: Biden, Kaine, Bayh?

Washington. Demokraten-Kandidat Barack Obama hat bei der Wahl seines Vize eine Entscheidung getroffen. Die Bekanntgabe könnte in den nächsten Tagen folgen, so die New York Times. Nur mehr drei Namen wären am Ende auf Obamas Liste gestanden: Der Außenpolitik-Profi Joe Biden, Indiana-Senator Evan Bayh und Virginia-Gouverneur Tim Kaine. Obama habe sich im Hawaii-Urlaub entschieden, schreibt das Blatt weiter.
Krisensicher. In Polit-Zirkeln wird nun auf Biden getippt: Der 65-Jährige Langzeitsenator profilierte sich gerade bei einer Reise als Vermittler in Georgiens Kriegsregion. Biden ist im Senat eine Legende in Sachen Weltpolitik: Seit 1997 ist er führendes Mitglied im Außenausschuss des Kongress-Oberhauses. „Er könnte Wähler beruhigen, die Obamas Unerfahrenheit im Umgang mit Weltkrisen stört“, so TV-Experte Chuck Todd. Bayh, lange der Vize-Favorit, könnten letztendlich, so Todd, die engen Beziehungen seiner Frau zu Wirtschaftskreisen in die Quere gekommen sein. Und Kaine könnte Obama zu ähnlich sein: Charismatisch, aber unerfahren. (bah)

# 17. August: Countdown to Denver

Washington. US-Präsidentschaftshoffnung Barack Obama steht vor einer turbulenten Woche: Zuerst warb er bei einem Auftritt mit mit Starpastor Rick Warren um die Stimmen tiefreligiöser Evangelikaler. Obama überraschte dabei seinen steifen Republikaner-Rivalen John McCain mit einer „innigen Männerumarmung“ (New York Post). Um die fast 50 Millionen Ultrafrommen nicht zu vergrämen, erteilte Obama der Homoehe eine Absage.
Vizewahl. Lauter tickt jedoch die Uhr beim Countdown zur großen Obama-Show, dem in einer Woche beginnenden, viertägigen Parteitag („Conventions“) in Denver. Dort will Obama gegen McCain davonziehen. Zuvor wartet die wichtigste Entscheidung der gesamten Kampagne: Die Wahl seines Vize. Er zögere noch, da das „Olympia-Fieber“ vor allem um Schwimmgott Michael Phelps die Medien dominiere, so Experten. Gehandelt wurden Senator Evan Bayh, die Gouverneurin Kathleen Sebelius und sogar Ex-Kandidat John Kerry.
75.00 Fans. Team Obama plant ein Spektakel der Superlative: Stars von Hillary und Bill Clinton bis Klimaretter Al Gore wenden sich an die 4.233 Delegierten und ein Millionen-TV-Publikum. Obama hält zum Finale seine Rede in einem Footballstadium vor 75.000 Fans. Ein starbeladener Partyreigen begleitet die „Obamamania“ in Denver, von Poplegende Bono bis Kultregisseur Quentin Tarantino. Obamas Starpower wird gerne von McCain kritisiert. Doch sie füllt seine Kriegskasse: Mit 51 Millionen sammelte er im Juli fast doppelt so viel wie sein Gegner.

# 17. August: Hollywood stürmt Obama-Show

Mit dem opulenten Staraufgebot werden die Obama-Conventions in Denver fast an die Oscar-Verleihung erinnern: Stars der Musikbranche von Bono, Wyclef Jean, Kanye bis den “Black-Eyed Peas” und Usher oder der Talkqueen Oprah Winfrey sollen Convention-Parties beleben. Dazu hat halb Hollywood sein Kommen zugesagt, inklusive der Filmstars Ben Affleck, Susan Sarandon und Anne Hathaway sowie die Starregisseur Quentin Tarantino und Spike Lee.

# 16. August: Kerry?

Washington. Bei den wilden Spekulationen, wen Demokraten-Star Barack Obama, als Vize kürt, kursiert nun eine sensationelle Wahl: Holt sich Obama den 2004 knapp gescheiterten John Kerry als „Running Mate“ an seine Seite? Kerry sei nach Ex-First-Lady Hillary Clinton der „bekannteste Demokrat“, so Polit-Reporter Jon Keller: Und Kerry sitzt auf der riesigen Datenbank seiner Fans aus dem Krimi gegen Präsident George Bush, wo er durch ein eindrucksvolles Finale Bush fast noch abgefangen hatte.
Veteranen-Konter. Dazu bringe Kerry Team Obama Statur beim Wahlkampfschlager der „Nationalen Sicherheit“ – besonders mit den USA in gleich zwei Kriegen engagiert. Und Kerry könnte als Vietnam-Veteran Obamas Rivalen John McCain Paroli bieten, der seine Heldengeschichte des fünfeinhalbjährigen Dünstens als Kriegsgefangener im Dschungel zum Fundament seiner Kandidatur machte. Weiteres „Kerry“-Indiz: Das Thema des „Vize-Abends“ bei dem in einer Woche beginnenden Obama-Parteitages (siehe rechts) ist die Sicherung der USA und Ehrung der Kriegsveteranen.
Als weitere mögliche Obama-Vize werden der Indiana-Senator Evan Bayh, die Kansas-Gouverneurin Kathleen Sebelius, der Außenpolitik-Profi Joe Biden und sogar der Republikaner Chuck Haqel gehandelt. (bah)

# 15. August: Es war nicht Kolumbus

Pauken Millionen US-Schulkinder eine komplett verkehrte Geschichtsschreibung? Beruht das nationale Selbstverständnis der Supermacht über ihre Wurzeln auf einem verklärten Mythos – wonach Pilgerväter die neue Welt besiedelten, sie mit ihrem harten Arbeitsethos und Frömmigkeit in die erfolgreichste Nation der Erde verwandelten? Und sollten die Amerikaner zu Thanksgiving nicht eher Chilli statt Truthähnen verzehren? In der Schule, schmunzelt der US-Starautor Tony Horwitz, hätte das irgendwie geklungen wie: “Christopher Kolumbus lieferte die Pilger ab – und segelte nach Hause”. Nun kontert Horwitz diesem kolossalen Irrglauben mit dem Meisterwerk “Es war nicht Kolumbus” (marebuchverlag, 500 Seiten).
Das “verlorene Kapitel der US-Geschichtsschreibung” umfasst gleich 130 Jahre – die gesamte Frühphase der westlichen Eroberung Amerikas, Barbarei, Abenteurertum und Eroberungsdrang inklusive: Nach dem Vorstoß von Kolumbus 1492 in die neue Welt durchquerten spanische Konquistatoren, italienische Seefahrer, französische Abenteurer und englische Siedler weit vor den Pilgern 24 der heutigen US-Bundesstaaten. “Und die haben nicht nur an den Küsten herumgeschnüffelt”, so Horwitz: “Spanische Reiter drangen bis nach Zentralkansas vor”. Und das alles, nachdem bereits ein halbes Jahrhundert zuvor Wikinger Neufundland besiedelten. “Die Ankunft der Pilger, als Ur-Amis verklärt, stellte den Schlusspunkt der frühen Besiedelungsphase dar – nicht den Anfang”, stellt der Pulitzer-Preisträger und Historiker klar. Indianerstämme etwa leisteten den Pilgern wenig Widerstand, da sie bereits durch die von früheren Europäern eingeschleppte Pest dezimiert waren.
Trüb scheint Amerikas Wahrnehmung ihrer frühen Eroberer: Der Spanier Cabeza de Vaca etwa, “der zwischen 1528 und 1536 einen Überlandmarsch unternahm, der die Expedition von Lewis und Clark drei Jahrhunderte später wie einen Pfadfinderausflug erscheinen ließ”, wie Horwitz schreibt. Vaca durchquerte das heutige Florida und Texas. “Nackt” und “verloren” sei er durch das “fremde Land” gezogen, wie er Klischeevorstellungen über stolze Konquistatoren erschüttert. Oder der Italiener Giovanni da Verrazzano, der 1524 die US-Ostküste erkundete und über eine “weite Bucht” schwärmte, den heutigen Hafen der Weltmetropole New York (nach Verrazzano ist immerhin dort eine Hängebrücke benannt). Oder die ersten protestantischen Flüchtlinge 60 Jahre vor den Pilgern, Hugenoten die 1564 in La Caroline ein Fort an der Florida-Küste errichteten.
Warum verdrängten die Amerikaner diese Epoche? “Die Geschichte Amerikas ist dominiert von protestantischen Neuengländern, die ihre eigenen Vorfahren auf den Sockel hoben – und andere verdammten, wie die ihnen verhassten Katholiken”, so Horwitz: “Dazu ist die Pilgergeschichte eine Feelgood-Story”. Völlig konträr zu den blutrünstigen Massakern der Spanier an den Indianern. Oder Kolumbus selbst, der, wie Horwitz vor Ort in der Domenikanischen Republik erfuhr, wegen der Versklavung der Einheimischen dort als “Hurensohn” verdammt wird. “Auch die Annekdote, wie einer der anderen frühen Siedler in Jamestown seine Frau verspeist, damit er nicht verhungert, eignet sich kaum als Heldensaga”, so Horwitz.
Geschickt lockert er die historischen Erkenntnisse mit heiteren Erlebnissen während seiner Recherchen auf, stülpt sich sogar ein Kostüm von Hobby-Schauspielern über, die frühe Konquistatoren nachahmen. Prompt gerät Horwitz in Plymouth, Massachusetts, dem Landepunkt der Pilger 1620 und “Ground Zero” des Einwanderer-Mythos, in einer Bar fast in einen Raufhandel: “Vergiss all die anderen”, tobt sein Gegenüber: “Hier ist der Geburtsort Amerikas, verdammt!”

# 15. August: Lost in der Sahara

Algiers. Reports im italienischen Nachrichtendienst AKI, wonach Österreich angeblich bereit sei für die “Sahara-Geiseln” Andrea Kloiber (43) und Wolfgang Ebner (51) bis zu fünf Millionen Euro Lösegeld zu bezahlen, haben in den USA zu heftiger Kritik geführt. „Österreich finanziert Al-Kaida“, titelte der „Jawa Report“. Provokant wird in den Raum gestellt: „Weiß Österreich, dass dieses Geld für Terror verwendet wird und neue Kidnappings provoziert?” Ein Wust wütender Kommentare begleitet den Beitrag: Von “Euro-Weicheiern” ist die Rede.
Interner Streit. Die Agentur AKI zitiert zudem die algerische Zeitung „Ech-Chourouk“, wonach „interne Konflikte“ bei den Entführern der beiden Austro-Touristen, „Al-Kaida des Islamischen Maghreb“, zur Verzögerung beim Ringen um die Freilassung führen würden. Es soll zwar weiter Kontakte „zwischen Wien“ und den Extremisten geben – und die Geiseln in der Sahara-Wüste in den Grenzregionen Algeriens, Malis oder Nigeria gehalten werden. Doch der lokale Al-Kaida-Führer in der algerischen Bergregion, Abdel Malik Droukedel, habe, so die Zeitung für „Verwirrung“ gesorgt. Dazu wolle ein anderer Kommandant, Abu Omar, einer Einigung „nicht zustimmen“.
Geldmangel. Spekuliert wird, dass Omars Gruppe Teil der Lösegeldzahlungen einstreifen will. Die „Tareq ibn Ziyad“-Brigade hatte „wegen Geldmangel“, wie es heißt, ihre Operationen einstellen müssen. Kloiber und Ebner waren am 22. Februar in Tunesien entführt worden.

# 14. August: Obamas Qual der Wahl

Washington. Noch genießt US-Präsidentschaftshoffnung Barack Obama die letzten Stunden seines Hawaii-Urlaubes beim Eisessen mit den Töchtern Sasha und Malia. Doch die Uhr tickt für eine der wichtigsten Entscheidungen beim Marsch aufs Oval Office: Die Wahl seines Vize.
Knappes Duell. Die Politpresse rotiert: Bei den heftigen Spekulationen fällt am öftesten der Name Evan Bayh (52), der telegene, moderate Senator aus Indiana, einem der „Schaukelstaaten“ in Obamas Duell gegen Republikaner-Rivalen John McCain. Laut „Pew“-Umfrage liegt er da nur knapp mit 46 zu 43 Prozent voran. Was könnte Bayh bringen? Durch seinen extrem kompetenten und fehlerfreien Stil verleihe er Team Obama „Substanz und Expertise“, so US-Beobachter.
Nicht Hillary. Oder Obama wählt doch eine Frau. Auch wenn es – wie sich praktisch alle Experten sicher sind – nicht Ex-Kontrahentin Hillary Clinton sein dürfte. Die weißhaarige, sympathische Kansas-Gouverneurin Kathleen Sebelius (60) könnte als Nr. 2 in einem historischen „Traumticket“ aus einem Farbigen und einer Frau für Furore sorgen – und Obama sogar zu einem Sieg im Republikanerstaat Kansas verhelfen. Die Gefahr: Obama würde Hillary-Fans, die für die Ex-First-Lady als Vize kämpften, vergrämen.
Chuck? Kommt es daher zu einer anderen Sensation? Obama könnte als Signal einer „nationalen Versöhnung”, so US-Medien, den Republikaner Chuck Hagel (61) bitten. Der würde als Vietnam-Veteran auch Obamas Schwäche bei Fragen der Nationalen Sicherheit kaschieren. Ungewöhnlich bereits: Obama will seine Wahl per SMS direkt den Fans mitteilen.

# 14. August: Hillary, again!

Ex-First-Lady Hillary Clinton hat ihre Drohung wahrgemacht, doch ihren Namen neben dem von Vorwahlsieger Barack Obama auf die Liste beim Nominierungsparteitag der Demokraten Ende des Monats in Denver zu setzen: Demnach sollen die 4.233 Delegierten auch den Eintrag Hillary Clinton auf ihren Stimmzetteln vorfinden. Hillarys “Aufstand” wäre symbolischer Natur und könne Obamas Krönung zum Demokraten-Kandidaten für das Oval Office nicht gefährden, beruhigten Experten: Dennoch hänge ein Hauch von “Kampfabstimmung” über dem Spektakel. Die Versöhnung der Partei könne torpedieren werden. Team Obama beruhigte: Hillary Schritt sei akkordiert gewesen und diene der “Anerkennung” jener 18 Millionen Wähler, die für sie stimmten.

# 14. August: Mord in Little Rock

Nach dem gewaltsamen Tod des Demokraten-Bosses im US-Staat Arkansas, Bill Gwatney (49), ist in den USA auch die Debatte um die Sicherheit des Oval-Office-Favoriten Barack Obama entflammt. Ein Amokläufer hatte das Parteibüro in Little Rock gestürmt und Gwatney, einen engen Freund der Clintons, mit drei Schüssen getötet. Die Motive des Schützen Timothy Johnson (50) sind unklar. Er starb im Kugelhagel der Polizei. Doch Obama-Fans sind alarmiert. Die Schutztruppe „Secret Service“ hat Obamas Überwachung ausgeweitet. In Florida war zuletzt der schwer bewaffneter Rassist Raymond Geisel (22) verhaftet worden: Der hatte davon geträumt, Obama zu töten.

# 13. August: Das Swiftboating von Barack Obama

Washington. Während Demokraten-Star Barack Obama im Pazifikparadies Hawaii noch bis Freitag ausspannt, haben ultrarechte Gegner voll die Schlammschlacht gegen ihn eröffnet: Im Skandalbuch „Obama Nation“, das populärste in einer Serie an Anti-Obama-Bücher, wird der schwarze Senkrechtstarter schwer beschuldigt: Er soll Moslem-Verbindungen vertuscht haben. In den Raum wird gestellt, ob Obama – der frühen Marihuanakonsum selbst zugab – selbst noch als Senator Drogen nahm. Akribisch durchleuchtet werden auch Obamas Verbindungen zu „Radikalen“ in Chicago, sowie der „Personenkult” um ihn.
Brisanter Autor. Brisant ist aber vor allem der Autor: Jerome R. Corsi veröffentlichte im Sommer 2004 das Enthüllungsbuches „Unfit for Command“, wo die Vietnamvergangenheit des damaligen Bush-Herausforderers John Kerry mit Halbwahrheiten diskreditiert wurde – und das als Teil der legendären „Swiftboat“-Kampagne mitverantwortlich für Kerrys Niederlage war. „Ich will verhindern, dass Obama ins Oval Office einzieht”, sagt Corsi jetzt.
Bestseller. Ein Alarmsignal für Obama: Das Buch schoss auf Rang Eins der New York Times-Bestsellerliste, wurde zur „Bibel“ der Obama-Hasser. Die Startauflage von 475.000 Exemplaren ist fast vergriffen. Strategen warnen: Obama muss sich wehren, sonst geht er im Strudel der Gerüchten unter wie Kerry 2004.

# 11. August: Dreamteam ade…

Washington. Zur Versöhnung der Demokraten-Partei reicht Präsidentschaftskandidat Barack Obama die Hand seiner Ex-Rivalin Hillary Clinton: Die knapp geschlagene Ex-First-Lady soll am viertägigen Nominierungsparteitag in Denver Starrednerin am Dienstag, 26. August, Tag Zwei des Obama-Spektakels, werden. Hillary sei eine der „effektivsten und mitfühlendste Stimmen unserer Zeit” lobte Team Obama.
Aus für „Dreamteam“. Die Animositäten zwischen den Clintons sind trotz Versöhnungsgesten und Showauftritten verblieben. Obama hätte trotz blumiger Versprechen kaum geholfen, ihren Schuldenberg von 25 Millionen Dollar abzutragen, kritisieren ihre Fans. 13 Millionen aus dem Privatvermögen muss sie nun abschreiben. Und auch als Nr. 2 in einem „Dreamteam“ ist sie offenbar aus dem Rennen: Denn die Rede des künftigen Vizekandidaten ist für Mittwoch geplant – dem Vorabend des großen Obama-Finales vor 76.000 Fans in einem Football-Stadium. Am Mittwoch redet auch Bill Clinton, allerdings vor der TV-Hauptsendezeit. Überstrahlt wird Hillary dazu von Obamas Gattin Michelle, die am Montag den Parteitag eröffnet.
Kampfabstimmung? Deshalb halten die vergrämten Clintons eine letzte Drohung aufrecht: Sie könnte ihren Namen auf die Wahlliste setzen und eine Kampfabstimmung provozieren. Damit wäre die von Obama „bitter benötigte“ Parteieinheit zerstört, heißt es.

# 9. August: Obama urlaubt, Russland bombt

Washington. Demokratenstar Barack Obama hat gleich zu Beginn seines einwöchigen Hawaii-Urlaubes die Realität der Weltpolitik eingeholt: Mit einer entschlossenen Verdammung des russischen Einmarsches in Georgien setzte sich sein Republikanerrivale John McCain prompt in Szene. „Russland soll seine Militäraktionen unverzüglich einstellen“, polterte der Vietnamkriegsheld in martialischer Pose. Obama schlenderte Stunden später entspannt in Honolulu aus seinem Jumbo. Sein Stab hatte zuvor ein dürres Statement ausgeschickt.
Minenfeld Urlaub. Vor solchen Pannen fürchteten sich Demokraten-Strategen: Urlaube von Spitzenkandidaten gelten als politische Minenfelder. 2004 etwa war John Kerry wegen Fotos, die ihn beim Windsurfern zeigten, als „abgehoben“ erfolgreich gebrandmarkt worden. Obama verteidigte seinen Urlaub: „Ich habe 18 Monate lang wahlgekämpft – ich brauche eine Pause“.
Rufmord. Die Demokraten sind auch sonst nervös: Trotz einer triumphalen Weltreise und blamablen Schnitzern seines Gegners führt Obama im Schnitt nur knapp mit 46,9 zu 43,3 Prozent. McCain gelang sogar durch eine Rufmord-Offensive aus aggressiven TV-Spots eine Aufholjagd. Obama müsse viel „härter zurückschlagen”, mahnte Senatskollege Chuck Schumer.

# 9. August: Hillary is back

Washington. Hillary und Bill Clinton haben ihre Niederlage gegen den farbigen Senkrechtstarter Barack Obama keinesfalls verwunden. In einer Serie giftiger Kommentare provozierten sie innerhalb der Demokraten eine regelrechte Panik: Ein prolongierter „Bürgerkrieg“ könnte die Partei um die Chancen zur Rückeroberung des Oval Office bringen, wird befürchtet. Zuerst weigerte sich Bill in einem TV-Interview, Obama zuzugestehen, für das Weiße Haus gerüstet zu sein. Dann drohte Hillary offen, ihren Namen am Nominierungsparteitag in Denver für eine Kampfabstimmung auf die Liste zu setzen.
Schuldenberg. Team Obama bot prompt Bill eine Rede am dritten Denver-Tag, ein äußert publizitätsträchtiger Termin, an. Hillary soll am Vorabend reden. Wieder rätselt Amerika: Was wollen die Clintons? Spekuliert wird über das absichtliche Lostreten eines Mediengewitters, um Spenden für die Tilgung des Schuldenberges in der Höhe von 25 Millionen Dollar zu sammeln. Oder Hillary will Obama nötigen, sie doch noch als Vizekandidatin zu nominieren.

# 9. August: Rendevous im Regency

Washington. Die Karriere des ehemaligen, demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Edwards (55) dürfte nach dem Eingeständnis einer außerehelichen Sex-Affäre zu Ende sein: Der Ex-Senator, der im Vorwahlkrimi zwischen Barack Obama und Hillary Clinton kräftig mitmischte, gab in einem TV-Interview nach jahrelangen Spekulationen zu: Er hatte tatsächlich „für eine kurze Zeit“, wie er beteuert, eine Affäre mit der 44-jährigen, blondgelockten Filmemacherin Rielle Hunter.
Er habe Hunter 2005 in der Hotelbar des Regency in Midtown Manhattan kennengelernt, hätte in einem Anfall an „Narzissmus durch das Leben als Berühmtheit“, wie er sich selbst psychoanalysierte, einen Fehler begangen. Er dementiert jedoch, der Vater von Hunters sechsmonatiger Tochter zu sein.
Edwards Sturz ist spektakulär – und peinlich auch für die Demokraten: Leidenschaftlich hatte der telegene Ex-Staranwalt Anstand in der Politik gepredigt. Als Nr. 2 von John Kerry wäre er 2004 fast als Vize im Weißen Haus gelandet. Trotz dem Scheitern in den Vorwahlen hatten Politexperten dem rhetorisch brillanten Feschak eine schillernde Polit-Zukunft prophezeit: Auch als Obamas Vize war er im Gespräch.
Betrogene Ikone. Erschüttert diskutiert nun Amerika den „ultimativen Betrug“ des „Dixie Don Juan“ (New York Post) an Gemahlin Elizabeth, Mutter der drei Kinder. Die ist durch ihren tapferen Kampf gegen unheilbaren Brustkrebs zur Frauenikone geworden. Er habe ihr die Affäre „vor langem gebeichtet”, sagte sie. „Seine Familie steht hinter ihm”, schrieb Elizabeth in einem Internet-Blog. Demokraten-Größen hoffen, dass die Affäre Obamas Wahlkampf nicht überschattet.

# 7. August: Arnie streikt

Sacramento. Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat im eskalierenden Streit um ein klaffendes Loch im Kalifornien-Haushalt von 15,2 Milliarden Dollar den Druck auf den Kongress erhöht: Er werde „keine Gesetze mehr unterzeichnen“, donnerte der belagerte US-Starpolitiker. Arnie hatte zur Bewältigung der Etatkrise Reduktionen im Sozial- und Bildungsbereich von zehn Prozent, Autorität für weitere Kürzungen sowie die einprozentige Anhebung der Mehrwertsteuer verlangt.
Flucht der Wall Street. Es gäbe, so Arnie angriffig, “keine Ausreden mehr” für die Demokratenopposition für weitere Verzögerungen. Der größte US-Staat steht seit 39 Tagen ohne Budget da. Arnie hatte unter vehementen Protesten 10.300 Arbeiter gefeuert und 235.000 Beamte auf den Mindestlohn zurückgestuft. „Investmentbanker der Wall Street“, warnte Arnie, könnten sich weigern, Kaliforniens wachsenden Schuldenberg weiter zu finanzieren.
Arnie rudert zurück. Arnie hatte die drastischen Maßnahmen mit „Geldknappheit“ begründet. Dem widersprach Rechnungsprüfer John Chiang: Kalifornien sei „flüssig genug bis Oktober“, Entlassungen und Mindestlöhne gar nicht nötig gewesen. Schon rudert Arnie zurück: 60.000 Beamten werden ausgenommen. Auch sein Gesetzesstreik könnte leicht zum PR-Fiasko werden: Eine Vorlage sieht mehr Training für Polizisten beim Umgang mit Autisten vor. Beobachter: Arnie könnte „noch herzloser erscheinen”.

# 6. August: Paris strikes back

Los Angeles. Nachdem Republikanerkandidat John McCain vor Tagen die „Starpower“ von Demokraten-Rivalen Barack Obama mit dem hohlen Celebritystatus der Hotelerbin verglich, schlug Hilton in einem laut TV-Kritikern „recht cleveren” Satire-Video zurück: Sie mokierte sich über den „verschrumpelten Typen” und den über den „Wandel Schwafelnden“. Dann präsentierte sie ihre eigenen Ideen zur Lösung der Energiekrise – alles im knappen Badeanzug von einer Sonnenliege aus. Beobachter: Der Wahlkrimi könnte zur Farce werden.

# 5. August: Aufstand gegen Arnie

Los Angeles. Sie marschierten in violetten Trikots der lokalen Beamten-Gewerkschaft durch den L.A.-Nobelbezirk Brentwood. Sie stoppten direkt vor den wuchtigen Eingangstore der Millionen-Villa des Kalifornien-Gouverneur und Ex-Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger. „Sie sind gefeuert“, riefen die wütenden Demonstranten. Sie hatten ihren Aufstand direkt vor die Haustüre des nun belagerten „Governator“ getragen.
Budgetkrieg. Arnie ist wegen des Showdowns um ein durch die besonders in Kalifornien verheerende Wirtschafts- und Immobilienkrise klaffendes Budgetloch von 15,2 Milliarden Dollar in seine schlimmste Politkrise seit seinem Amtsantritt 2003 geraten: Seit fünf Wochen ist ein Abschluss über das nächstjährige Budget überfällig – mit keiner Einigung über den Streit um Arnies brutale Sparmaßnahmen in Sicht. Zuletzt musste Arnie 10.300 Teilzeitarbeiter feuern und 200.000 Beamte auf den Mindestlohn von 6,55 Dollar zurückstufen..
Proteststurm. Seither fegt ein Proteststurm über das Land: Die Beamten wettern, dass Schwarzeneggers Versagen, erfolgreiche Budgetverhandlungen durchzuboxen, auf „ihrem Rücken ausgetragen wird“, so Sprecher. Lange Schlangen formierten sich vor den Verkehrsämtern, nachdem die Beamten aus Protest Dienst nach Vorschrift machten. Arnies Popularität stürzte um 20 Prozent auf zuletzt laut „Field“-Umfrage magere 40 Prozent.
Steuererhöhungen. Denn Schwarzenegger schwere Einschnitte in den Sozialbereich gefordert. Die oppositionellen Demokraten wollen aber auch Steuererhöhungen. Arnie könnte nun Einlenken: Die Mehrwertssteuer soll um einen Cent angehoben werden. Nun drohen Proteste aus seiner Republikaner-Partei.

# 4. August: Millionenfotos der Brangelina-Twins

Es ist das Foto des Jahres, ein Gruppenbild der berühmtesten Multikulti-Familie unserer Zeit: Die Eltern Hollywood-Megastars Angelina Jolie (33) und Brad Pitt (44), beide halten je einen der am 12. Juli geborenen Twins, das Mädchen Vivienne Marcheline und den Buben Knox Leon, in ihren Armen. Mitten drin sitzt Zahara, die aus Äthiopien adoptierte Dreijährige. Auf Pitts Schoß lungert Shilo (2), das erste leibliche Kind der beiden, auf der anderen Seite hält Pax (4), von Jolie aus Vietnam adoptiert, mit Pagenkopf und cooler Blondsträhne frech den Fuss in die Kamera.
“Das sind Bilder, die die Welt noch nie gesehen hat”, jubelt die US-Presse: Sie strahlen Glamour und Starpower aus. Sie sind cool und leger gedressed wie aus einem GAP-Modekatalog. Alle Hautfarben sind vertreten und fast alle Kontinente. “United Colors of Brangelina”, wurde zusammengefasst. Und ein Image, wo in Zeiten der Kinderknappheit mit gleich sechs Kids das Familienleben zelebriert wird – sowie das friedliche Zusammenleben aller Rassen.
Und noch nie wurde am lukrativen Markt für Promi-Babyfotos so viel bezahlt: Das US-Magazin “People” berappte kolportierte 15 Millionen Dollar, mehr als das Buchhonorar für die Bio des Ex-Präsidenten Bill Clinton. People rollte prompt am Montag eine Sondernummer aus, mit sieben doppelseitigen Fotos:
# Neben dem Familienbild sind da die stolzen Eltern mit ihren gerade drei Wochen alten Zwillingen zu sehen;
# Mummy Jolie, wie sie Tochter Shilo beim Babyhalten anhimmelt; eine Großaufnahme der schlummernden Twins;
# Shilo (2), wie sie Vivianne in ihren Armen hält, mit Jolies Lippen lächelt und mit Pitts blauen Augen strahlt (Jolie: “Sie nennt sie ihre Babies…”;
# wie Daddy Pitt mit seinem Arm um Zahara gelegt die Babies anhimmelt;
# wie Pitt die Arme um die je ein Baby haltenden Adoptivkinder Maddox (7) und Pax legt.
Fans stürmten in New York die Trafiken auf der Suche nach der “People”-Sondernummer. Im Laden “Hudson News” in Midtown Manhattan wurden sie von TV-Kameras empfangen, die den Brangelina-Baby-Hype einfingen.
Die Riesenvilla “Chateau Miraval” in der französischen Provenze, wo sich die Familie zur Geburt des Jahres zurückzog, wird von People als “Traumort für Kids” beschrieben: “Es ist ein Paradies, wo sie auf Wiesen Verstecken hinter Olivenbäumen spielen können, wo organische Weintrauben wachsen und die Mittelmeerbrise natürlich kühlt”. Im ersten Interview, Teil des Millionendeals, liefern Jolie und Pitt rührende Details aus dem Inneren ihrer gerade deutlich vergrößerten Kultfamilie (siehe Interview ??). Jolie fasst ihre Motive zusammen: “Wir haben die Entscheidung getroffen, eine große Familie zu gründen – und uns gegenseitig zu helfen”. Und die Millionengagen sind auch hilfreich beim Anheuern von Nannys, falls der Familienstress zu groß wird.

# 3. August: McCain holt auf…

Washington. Der demokratische Oval-Office-Favorit Barack Obama rief nach einer Woche brutaler Attacken durch seinen republikanischen Kontrahenten John McCain die Eiszeit aus: Nur die drei offiziell ab September vorgesehenen TV-Duelle soll es geben. Die von McCain erdachten Bürgerversammlungen lehnte er ab. Obamas Frust ist groß: Der von McCain versprochene „anständige Wahlkampf“ ist zur Schlammschlacht verkommen.
Bissige TV-Spots. McCain, unter Druck geraten durch eine Serie peinlicher Patzer (als er etwa die Tschechoslowakei wiederauferstehen ließ) und dem Jubel um den „neuen Kennedy“ in Europa, deckte Obama mit zynischen TV-Spots ein: Er charakterisierte Obama als „Polit-Bimbo“, eine hohle Celebrity á la Paris Hilton, verunglimpfte ihn wegen seiner verklärten Fans als „Erlöser“, als Moses, der bald das Wasser teilen werde. Obama wetterte gegen den „Charaktermord“, der an die skrupellosen Taktiken des einstigen Rufmordexperten von US-Präsidenten George Bush, Karl Rove, erinnert.
McCain holt auf. Doch prompt holt McCain in den Umfragen auf: Im Schnitt liegt Obama nur knapp mit 46,5 zu 43,9 Prozent voran. McCain hat damit mit typischen rechten Ablenkungsmanövern den Wahlkampf von Sachthemen weggeführt. Nicht McCains Komplizenschaft bei der verheerenden Bush-Bilanz, sondern Obamas Rasse, seine Arroganz und vor allem die Unerfahrenheit des seinen 47. Geburtstag feiernden Senators wird diskutiert. Die Demokraten werden nervös: Obama hat latente Zweifel an seiner Fähigkeit, die Supermacht aus der Krise führen zu können, nicht ausräumen können. „Mit der Stimmung gegen die Republikaner im Land müsste er weit vorne liegen“, so ein Insider.

# 3. August: Zawahiri tot?

New York. Der Stellvertreter des Al-Kaida-Superterroristen Osama bin Laden könnte bei einem US-Luftschlag in Pakistan getötet oder schwer verletzt worden sein. Geheimdienste hätten, so der US-Sender CBS, einen Brief abgefangen, wo von „schweren Verletzungen“ von Aiman al-Sawahiri, die Rede ist. „Er hat große Schmerzen“, heißt es. Und: „Seine Verletzungen sind infiziert”. Es wird um einen Arzt gefleht. US-Spione sollen Reports nachgehen, wonach Sawahiri (57) schon tot sein könnte.
Bombenhagel. Der nach nach dem Terrorhorror von 9/11 (2.998 Tote) mit einem Kopfgeld von 25 Millionen Dollar neben Bin Laden meistgesuchte Terrorist der Erde könnte in den Bombenhagel eines US-Luftschlag gegen Al-Kaida-Stellungen geraten sein. Der Brief ist datiert mit 29. Juli, einen Tag nachdem Waffenhirn Abu Khabab in der Pakistanprovinz Wasiristan getötet worden war. Weder US- noch pakistanische Stellen konnten den Report bisher verifizieren. Experten warnen: Falsche Gerüchte über Sawahiris Tod hätte es mehrmals gegeben. Die Ausschaltung Sawahiris wäre ein Coup für den bei der Al-Kaida-Jagd glücklosen US-Präsidenten George Bush: Profitieren könnte auch der Bush nahestehende republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain.

# 1. August: Firenator

Sacramento. „Governator“ Arnold Schwarzenegger macht im Streit um ein klaffendes Haushaltsloch von 15 Milliarden Dollar Ernst: Per Exekutivverordnung kappte er die Gehälter von 200.000 Beamten auf den Mindeststundenlohn von 6,55 Dollar. Volle Salärs soll es erst nach einer Budgeteinigung geben. Die Jobs von 10.300 Teilzeitarbeitern terminierte er permanent.
Beamtenproteste. „Die Situation ist schrecklich, doch wir sind knapp bei Kasse“, teilte der immer unpopulärere Ex-Hollywoodstar mit. Arnie will mit dem drakonischen Schritt das Staatsparlament in Sacramento unter Druck setzen, sein Sparprogramm zur Defizitreduzierung anzunehmen. Die Opposition fordert jedoch auch Steuererhöhungen, die Arnie als Republikaner strikt ablehnt. „Wir müssen die Unfähigkeit der Politiker, sich auf ein Budget zu einigen, ausbaden”, wetterten Beamtenvertreter.