# 31. März: Franz Nussbaumer wird obduziert

Die US-Militärärzte in der “Dover Air Force Base” im Staat Delaware eine gute eine Autostunde nördlich von Washington D.C. haben ein makaberes Rätsel zu lösen: Zuerst hatten sie fünf Leichen der seit über einem Jahr im Irak vermissten Geiseln – darunter der Österreicher Bert Nussbaumer (26) – per DNA-Tests identifiziert. Doch dann folgten weit makaberere Untersuchungen: Wann wurden die Geiseln von den Irak-Killern getötet? Und wie?
Insider schätzen, dass der “Medical Examiner Report” (Obduktionsbericht) längst fertig sein müsste. Doch das FBI, die in den Fall federführende, von US-Opferfamilien zuletzt heftig kritisierte US-Bundespolizei, hält Details noch strikt unter Verschluss: Viele der Einzelheiten könnten für die Familien nur schwer zu ertragen sein, hieß es zuletzt. “Sie könnten bereits im November des Vorjahres getötet worden sein”, sagt US-Familien-Helfer Mark Koscielski. Erste Ergebnisse waren zuletzt für Dienstag erwartet worden.
Die Überstellung der Leiche des Security-Guards Nussbaumer – der bis zum Entführungstag des 16. November 2006 für die zuletzt ebenfalls ins Kreuzfeuer der Kritik geratene Privatfirma “Crescent Security” werkte – ist für die nächsten Tage geplant. Dann finden in den USA auch Begräbnisse seiner US-Kollegen statt. Die Wut der Angehörigen auf den möglichen Behördenmurks ebbt nicht ab: “Ich werde darum kämpfen, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt – bis zu meinem letzten Atemzug”, sagt Sharon Dabrabander, Mutter des Opfer John Young.
Die Nussbaumer-Familie erhielt vor ihrer Abreise aus Amerika eine zusammengefaltete US-Flagge überreicht. Damit wollten die US-Familien Bert ehren: “Er ist ein Amerikanischer Held”, so die Huldigung.

# 30. März: Protokoll eines Entführungs-Affäre

Nach der Identifizierung der Irak-Geisel Bert Nussbaumer (26) und seiner US-Kollegen tauchen neue Details das tödlichen Geiseldramas auf. Ins Visier der wütenden Opfer-Familien gerät das FBI, sowie der Arbeitgeber “Crescent Security”. Nach Interviews mit Angehörigen und Durchsicht brisanter Dokumente, lässt sich ein Protokoll der Pannenserie dokumentieren:
# 16. November 2006: Nussbaumer und die Kollegen Mark Munns, John Young, Paul Reuben und Conathon Cote, sowie weitere Guards starten als Begleitung eines 37-LKW-Konvois in den Südirak. Im Konvoi: Nachschub, Lebensmittel. Alles Routine. Außer vielleicht, dass alle einheimischen Guards nicht auftauchten. Der Riesenkonvoi wird dennoch losgeschickt. “Mit viel zu wenigen Guards”, so Experten.
# 40 Mann, viele in irakischen Polizeiuniformen, vermummt in Skimasken, bewaffnet mit AK-47s warten bei einer Straßensperre. Bei dem “tumultartigen Überfall”, so ein Report, fallen auch Schüsse. Die Kidnapper haben zu wenige Handschellen: Einige werden mit Handy-Aufladekabel gefesselt. Zwei Guards gelingt die Flucht.
# Die Tage nach dem Kidnapping: Crescent erhält einen Anruf eines Polizeimajors in Basra. Die Botschaft: Wir haben fünf eure Leute, sie wurden wegen “mangelnder Genehmigungen” verhaftet. 100.000 Dollar seien an “Strafe” zu bezahlen. Und: “Holt euch eure Jungs ab!” Crescent alarmiert jedoch die Briten-Armee. Die stürmen die Polizeistation. Doch die Gangster sind vorgewarnt: “Wenige Minuten”, so Berichte, vor dem Feuergefecht türmen sie mit den Geiseln durch die Hintertüre. Ein britischer Soldat soll ums Leben gekommen sein.
# 28. Dezember 2006: Gespenstische Worte aus dem Internet sind plötzlich zu hören: “My name is Bert Nussbaumer!”. Das erste Lebenszeichen. Der US-Korrespondentin Hannah Allam ist ein Video-Tape, das alle Geiseln zeigt, von einem V-Mann überbracht worden. Die Taktik ist klar: Das Tape soll Lösegeldverhandlungen einleiten. Mark Koscielski, ein Freund der Geisel Reuben, startet die Website “Save5.net”.
# Jänner 2007: Nach dem Auftauchen eines zweiten Videobandes kursieren konkrete Forderungen: 150.000 Dollar, ein “Spottpreis”, so Experten.
# März 2007: Koscielski trifft sich in Kuwait mit Austro-Vertretern. Drei Stunden lang rattert er Namen, Infos, Emailadressen und Telefonnummern runter. Die Österreicher melden sich nie wieder bei ihm.
# Mai 2007: Ein Security-Experte mit exzellenten Beziehungen im Südirak legt einen detaillierten Plan zum Geisel-Geld-Austausch vor. Er erhält jedoch keine Reisepapiere. Und beklagt sich bitter über das FBI: “Die scheinen nicht sonderlich engagiert zu sein”, schreibt er.
# Juni 2007: Die Geiseln sollen von einer Aufklärungs-”Drone” der US-Militärs nahe der irakisch-iranischen Grenze gesichtet worden sein. In einem Hinterhof, beim Füßevertreten.
# Ende Juli 2007: Die wegen der “Untätigkeit” ihrer Regierung schäumenden US-Familien fordern – letztendlich erfolglos – Einreisebewilligungen für Koscielski und weiterer Freiwillige für eine private Rettungsmission.
# November 2007? Das mögliche Ende, so Insider: Die Kidnapper können zum Schluss gekommen sein, dass kein Lösegeld zu erwarten ist. Sie töten ihre Geiseln. Verscharren sie.
# 25. März 2008: ÖSTERREICH berichtet erstmals von Leichenfunden. In Bagdad beschwert sich der Überbringer des Videobandes bitter: Niemand wollte ernsthaft verhandeln, sagte er.

# 29. März: Bert Nussbaumer ist tot, viele Fragen

Gerade hatte sich Maria Nussbaumer, Mutter des seit 16. November 2006 im Irak entführten österreichischen Security-Guards Bert (26), ein wenig optimistischer gefühlt: Mit Sohn Franz an der Seite traf sie bei ihrer Reise in die Midwest-Metropole Minneapolis die Hinterbliebenen der vier getöteten Kollegen vom Sicherheitsdienst “Crescent Security”: Sie hatte Adressen ausgetauscht, plante Sightseeing am Folgetag, Ablenkung vom täglichen, nervenzerfetzenden Bangen über Berts Schicksal. Vor allem jüngste Information, dass es sich bei einer dritten Leiche – die in der “Dover Airforce Base” im US-Staat Delaware mehrere tausende Kilometer entfernt in einem Obduktionslabor der US-Militärs gerade per DNA-Tests identifiziert wurde – doch nicht um Bert handeln könnte, hatte Hoffnung gebracht.
Doch kurz vor 19 Uhr Ortszeit läutete das Handy von Franz im Hotel “Travel Lodge” nahe des Airports. Die Nummer war die Anlaufstelle für ihre “Betreuer” vom Wiener Außenamt während ihres US-Trips. “Bert Nussbaumer ist tot”, kam der Anrufer rasch zur Sache. Das FBI hätte die Leiche identifiziert. Details über den Zustand des Körpers, die Todesursache und den Zeitpunkt blieben vorerst unerwähnt. Der um ein Jahr jüngere Bruder konnte bei einem ersten kurzen Telefonat die grauenhafte Nachricht bestätigen: “Es ist gerade sehr schwer”, sagte er.
Dabei hatte die Familie des ersten österreichischen Opfers des Irakkrieges, der als Guard LKW-Konvois sicherte, exakt am gleichen Tag brisante und skandalöse Details erfahren, wie vor allem die US-Behörden, konkret das FBI, Chancen zur Befreiung der Geiseln mehrmals vermasselt haben könnten. Es gibt aber auch erstmals Vorwürfe gegen die österreichische “Task Force”, die 16 Monate lange versicherte, sich intensiv um die Freilassung Nussbaumers zu bemühen: Drei Stunden sei im März des Vorjahres der Helfer der US-Familien Mark Koscielski, der samt seiner Website zur Drehscheibe neuer Infos in der Tragödie wurde und auf eigene Faust die Geiseln freibekommen wollte, mit einem Mitarbeiter der Austro-Botschaft in Kuwait zusammengesessen. “Ich habe denen alle meine Infos gegeben”, sagt Koscielski. Doch niemals sei er mehr kontaktiert worden, sagt er.
Laut vorliegenden Dokumenten beginnt die unglaubliche Pannenserie während des Geiseldrama bereits an Tag Eins: Nach dem Aufgreifen von Nussbaumer und vier US-Kollegen an einer Straßensperre nahe der kuwaitisch-irakischen Grenze, durchgeführt großteils von Basra-Polizisten, wäre, so eingesehene Emails, der Arbeitgeber “Crescent” kontaktiert worden. Sie seien “verhaftet” worden, da sie keine gültigen Genehmigungen für den Waffenbesitz hätten. Die Fünf würden in der Basra-Polizeistation festgehalten, 100.000 Dollar seien zu bezahlen. Ein plumper Erpressungsversuch. Crescent wäre den Irakern seit langem ein Dorn im Auge gewesen, schreibt ein Informant: Sie hätten Iraker bedroht, sich an “keine Regeln gehalten”. Als örtliche Gangster LKWs entwendeten, hätten Crescent-Leute sie – ohne der geforderten Zahlung – rückgeholt. Der Überfall auf den 47 LKW-Konvoi, der fast 1,5 Kilometer lang und mit weniger als zehn Guards nicht ausreichend gesichert war, sei auch eine “Rachekation” an Crescent gewesen, so Insider.
Drei der Entführer waren zudem Ex-Mitarbeiter der Firma. “Wir haben eure Jungs”, sollen die Basra-Cops mitgeteilt haben. Die informieren jedoch die Briten-Besatzer, die die Polizeistation stürmen. Die Geiselnehmer werden jedoch offenbar vorgewarnt: Nur “wenige Minuten” vor dem Eintreffen der Briten, machen sie sich mit den fünf Geiseln davon. Ein weiterer Informant hätte kurz darauf die US-Behörden in Bagdad informiert, dass er den exakten Ort, wo die Geiseln festgehalten würden, kenne. Er forderte als Gegenleistung die Ausreise mit seiner Familie, da wegen dem “Verrat” sein Leben in Gefahr sei. “Die hatten ihn einfach ignoriert”, sagt Koscielski.
Der Murks gipfelt dann in dem Drama, als Amerikaner und Österreicher es nach der Kontaktaufnahme von “V-Leuten”, die Ende Dezember 2006 und Anfang Jänner 2007 Videos der fünf Geiseln vorlegen, es nicht schaffen, selbst die nicht einmal besonders hohe Lösegeldforderung von 150.000 Dollar zu erfüllen. In Spezialist mit langer Erfahrung und exzellenten Kontakten im Südirak bot per Email, die vorliegt, einen konkreten Plan eines Geld-gegen-Geisel-Austausches vor: Demnach hätte Koscielski, der die Summe durch Privatspenden fast zusammen hatte, je 2.500 Dollar zunächst an Informanten zahlen sollen, die den Deal vorbereiten hätten. Doch die US-Behörden verwehrten Koscielskis Helfer die Einreisebewilligung in den Irak. Erst in den letzten Tagen hatte sich der Überbringer des ersten Videos bitter beklagt: “Niemand wollte mit uns richtig verhandeln”.

# 28. März: Maria Shriver: „Identitätskrise…“

Maria Shriver (51), Kaliforniens First Lady, Arnie-Gattin und Mitglied des berühmtesten Polit-Clans der USA, den Kennedys, hatte stets ein provokantes Motto: “Ich weiß nicht, was ich werde, wenn ich groß bin”. Turbulent war ihr Werdegang dann auch tatsächlich. Besonders als sie gegen die politische Kennedy-Tradition rebellierte – und einen dubiosen Bodybuilder namens Arnold Schwarzenegger aus Austria heiratete. Sie meisterte zunächst bravourös die Doppelrolle als Mutter von gleich vier Kids – Katherine (18), Christina (16), Patrick (14) und Christopher (10) – und als Starjournalistin der TV-Station NBC.
Doch in eine regelrechte “Identitätskrise” stürzte sie erst, als Arnie in den Gouverneurs-Palast in Sacramento einzog. “Die Rolle als First Lady passte mir anfangs keineswegs”, erzählte die Nichte des 1964 ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy der kalifornischen Livestyle-Postille “C Magazine” in einem offenherzigen Interview: Es wäre der “totale Kulturschock” gewesen, sagt sie. Anfangs hätte man sie in ein entlegenes Büro gesteckt mit der Aufschrift: “Sehr spezielle Projekte”. Shriver: “Mein Auftrag war, nicht aufzufallen”. Fortan hätte sie sich um die Auswahl der Ornamente auf den Weihnachtskarten gekümmert: “Technisch”, fügt sie an, “existierte ich nicht”.
Ihr Job bei NBC war da bereits wegen “Interessenskonflikten” massiv eingeschränkt worden. Bis sie, wie Shriver behauptet, wegen des absurden Medienhypes nach dem Tod des Busenwunders Anna Nicole Smith angewidert der Branche den Rücken kehrte. Sie wurde mit “mehreren hunderttausend Dollar”, wie einige US-Medien zuletzt rapportierten, “fürstlich entlohnt”.
Doch Shrivers Midlife-Krise war perfekt: “Wer bin ich?”, fragte sie sich. Der Rat von Freunden half ihr auch nicht rasend weiter: Vielleicht würde sie wie ihre Tante werden, mutmaßten einige, die JFK-Gattin Jacqueline? Oder wie Hillary Clinton, mit Aussichten auf eine eigene Politkarriere? Oder eine traditionellere Politiker-Gattin á la Eleanore Roosevelt? “Woahh”, dachte sich Shriver da mit Schrecken.
Nun hat sie, wie sie dem Magazin anvertraut, natürlich längst Tritt gefasst: Besonders stolz ist sie auf ihre Rolle als Idol für Powerfrauen. Eigenhändig stampfte sie die größten Frauenkonferenz der Erde aus dem Boden, wo sich letzten Oktober 14.000 Teilnehmerinnen einfanden. Der Event, einst konzipiert als Gelegenheit zum intensiven Networking für Geschäftsfrauen, schlägt wegen der Starpower fast bereits so hohe Wellen wie die Galen der Hollywood-Filmindustrie. Zuletzt war Ex-Britenpremier Tony Blair angereist, heuer soll Rockstar-Wohltäter Bono auftreten.
Obwohl Shriver an der Ostküste aufwuchs, bezeichnet sie sich heute als typisches “California Girl”: “Natürlich minus der blonden Mähne und den blauen Augen”, wie sie in dem Interview scherzt. Nirgendwo in der Welt könnte man seine Träume so verwirklichen wie im Golden State an der Pazifikküste: “Deshalb gibt Kalifornien weltweit auch den Ton an in Sachen Film, Musik, Technologie, Umweltschutz und auch Frauenrechte”.
Doch am meisten genieße sie, eine einfache “Soccer-Mum” für ihre Kids zu sein: “An vielen Tagen habe ich einen alten Sweater an, die Haare hinten im Pony-Tail, warte in der Car-Pool-Schlange wie alle anderen – total relaxed”, erzählt sie. Die Familie traf auch die kontroversielle Entscheidung, nicht von L.A. in das eine Flugstunde entfernte Sacramento zu ziehen. Arnies oftmaliges Pendeln zwischen der Millionenvilla im schicken L.A.-Suburb Brentwood in die Beamten-Metropole hatte zuletzt Kritik unter Umweltschützern provoziert. Was ihre Ehe betrifft, habe sich Shriver verstärkt mit den Ansprüchen des Jobs ihres Gatten abgefunden, wie sie zugibt: “Ich gehe ihm nicht mehr so oft auf die Nerven, mehr zu Hause zu sein”. Und was ist ihre größte Errungenschaft in ihrem turbulenten Leben? “Die Liebe ihrer vier Kinder zueinander”, antwortet sie spontan.

# 28. März: Bloomy und Obama?

Die Politpresse der USA rotiert wegen wachsenden Indizien, Demokraten-Favorit Barack Obama könnte mit New Yorks Milliardärs-Bürgermeister Michael Bloomberg als “Running Mate” (Vizekandidat) in die Schlacht ums Oval Office im Herbst ziehen. Beide traten diese Woche bei einer Obama-Rede über die in die Rezession schlitternde US-Wirtschaft in Manhattan auf. Bloomberg pries den “außergewöhnlichen Führungscharakter” des afroamerikanischen Senkrechtstarters. Der geschätzte elf Milliarden Dollar schwere Gründer des gleichnamigen Finanzdienst-Medienimperiums hatte zuletzt eine eigene Kandidatur als “Unabhängiger” ausgeschlossen. Mit dem moderaten Republikaner Bloomberg an der Seite könnte Obama erstmals ein parteiübergreifendes White-House-Duo bilden – und sein Motto noch “nationaler Aussöhnung” unterstreichen. Ein “Dreamteam” gemeinsam mit der erbitterten Rivalen Hillary Clinton halten inzwischen durch die eskalierende Schlammschlacht immer weniger für wahrscheinlich.

# 28. März: Nussbaumer-Affäre: „Holt euch eure Jungs…“

Während das Bangen um das Schicksal der Irak-Geisel Bert Nussbaumer weitergeht, erheben die Familien der Opfer schwere Vorwürfe gegen die ermittelnden US-Behörden. Vor allem Mark Koscielski, ein Freund eines Geiselopfers, legte brisantes Material vor:
# Am Anfang des 16-monatigen Geiseldramas hätte es „mehrere Chancen“ gegeben, die Entführungsopfer freizubekommen. Am Entführungstag soll Nussbaumers Arbeitgeber “Crescent Security” von Basras Polizeichef verständigt worden sein, dass sie fünf ihrer Leute “inhaftiert” hätten. Die korrupten Basra-Cops wollten, so ein nun vorgelegtes, explosives Protokoll, 100.000 Dollar “Strafzahlung”, um die Fünf auszulösen. Crescent hätte jedoch die Briten-Armee alarmiert, die die Polizeistation stürmen ließ. Den Kidnappern gelang jedoch die Flucht – mit ihren Geiseln. “Sie verfehlten sie nur um Minuten”, so Koscielski.
# Nach der Übergabe des ersten Geisel-Videos Ende Dezember 2006, präzisierten die Kidnapper ihre Forderungen: 150.0000 Dollar Lösegeld. Für Experten sogar “keine sonderlich hohe Summe”. Die Summe ist auch auf einer schriftlichen Lösegeldforderung festgehalten, die der Polizeichef von Basra zirkulierte. Einer von Koscielskis freiwilligen Helfern erläuterte – in einer eingesehenen Email – sogar einen exakten Übergabeplan des in den USA bereits gesammelten Lösegeldes. Das FBI hätte abgewunken. Koscielksis Schlussfolgerung: „Sie sind getötet worden, da die US-Regierung sich weigerte, zu verhandeln.“
# Wie Recherchen unterstreichen, beschwerte sich der Überbringer des ersten Videobandes im Dezember 2006, der das Tape der US-Korrespondentin Hannah Allam übergab, erst vor Tagen bitter über den Murks der Retter. Es sie „nie ernsthaft“ verhandelt worden, sagte er: „Das Video sollte ja die Verhandlungen in Gang bringen“. Doch die Chancen in den Tagen und Wochen danach, besonders im Jänner 2007, wären verpasst worden.
# Während sich das FBI in Schweigen hüllt über den Zustand der Leichen, ist in Minneapolis zu hören, dass die Killer bereits letzten November die Geiseln getötet haben könnten. Besonders drei der im Vormonat verschickten Finger sollen „sehr verwest“ gewesen sein. Die Veröffentlichung tragischer Details wird erwartet: Die Todesursache, Indizien, wie sie behandelt wurden, mögliche Folterspuren.
# Ins Kreuzfeuer der Kritik gerät auch Crescent: Die Firma hätte durch ständigen „Rambo-Aktionen“ die lokalen Milizen im Südirak provoziert, heißt es. Als etwa ihre LKWs gestohlen wurden, hätte Crescent, anstatt wie üblich Schmiergeld zu bezahlen, die Fahrzeuge in einer Nacht- und Nebel-Aktion zurückgeholt. Das Kidnapping am 16. November 2006 soll deshalb eine „Racheaktion“ gewesen sein – verübt von Insidern: Mindestens zwei gefeuerte Crescent-Mitarbeiter waren unter den rund 40 Kidnappern erkannt worden. Vor der Abfahrt des Konvois fehlten plötzlich alle „heimischen Sicherheitsleute“. Dennoch wurde der Transport losgeschickt.
Vier der sechs Geiseln sind inzwischen vom FBI identifiziert. Noch immer ungeklärt ist das Schicksal von Nussbaumer und seinem Ex-Kollegen, Jonathan Cote: Nussbaumers Mutter Maria, die gemeinsam mit Berts Bruder Franz in Minneapolis an der Seite der bereist trauernden US-Familien ihre schwersten Stunden überstehen muss, will trotz quälender Ungewissheit die Hoffnung nicht aufgeben: „Bis ich das Gegenteil höre, glaube ich noch an ein Wunder“, sagt sie.

# 27. März: Skandalfall Nussbaumer: Befreiung vermasselt?

In der größten Stadt des Bundesstaates Minnesota versammeln sich heute die Angehörige aller sechs Irak-Geiseln, um über die tragischen Entwicklungen im Entführungsfall zu berichten. Es wird mit der Bekanntgabe weitere Identifizierungen gerechnet: Das FBI hatte zuletzt die Namen zweier weiterer Opfer der, laut Insider-Kreisen, insgesamt “sechs gefundenen Leichen” bekanntgegeben.
Damit ist offiziell bei vier der insgesamt sechs Geiselopfern per DNA -Tests die Identität festgestellt: Ungeklärt bleibt nach wie vor das Schicksal des Österreichers Bert Nussbaumer (26) und eines weitere Kollegen des Sicherheitsdienstes “Crescent Security Group”. Die Familien wollen, erklärte der Organisator der Pressekonferenz, Mark Koscielski, weitere tragische aber auch möglicherweise brisante Details über das Kidnaping-Drama enthüllen.
Nussbaumers Mutter Maria und Berts Bruder Franz werden ebenfalls dort teilnehmen, ist nun bestätigt. Es ist wohl die schwierigste Reise in deren Leben. Sie hoffen auf Klarheit und suchen den Trost bei den US-Opferfamilien.
Die Angehörigen wollen aber heute auch vor der versammelten Weltpresse ihren Unmut ausdrücken. Sie könnten aller Voraussicht auch brisantes Material ausbreiten, erhöhten Insider die Spannung vor dem Auftritt im “Comfort Inn”-Hotel nahe des Airports. Pannen der Behörden während der Ermittlungen könnten beschrieben werden – aber auch weitere Anklagen gegen die Sicherheitsfirma “Crescent”, die den gewaltigen Konvoi aus 47 LKWs mit nur elf Sicherheitsleuten losgeschickt hatte. Dazu hatten die US-Familien immer wieder die angebliche Untätigkeit der US-Militärs und des ermittelnden FBIs beklagt. Private Rettungsprojekte wurden abgeblockt: Freiwilligen, die auf eigene Faust im Südirak nach den Opfern suchen wollten, die Einreise verwehrt, der Abwurf von privat finanzierten und in Nahost gedruckten Flugzetteln wurde vom US-Militär abgelehnt. Dennoch: Ein britischer Soldat, so ein US-Abgeordneter kürzlich, soll bei einem Befreiungsversuch ums Leben gekommen sein.
Ein Jahr lang herrschte absolute Funkstille im Fall der Entführten. Nach einem Internet-Video im Jänner 2007 tauchten keine neuen Lebenszeichen von Bert Nussbaumer auf. Vor einem Monat tauchte ein grausiges Paket bei den US-Behörden im Irak auf: Inhalt waren Finger der Geiseln. Und seit dieser Woche überschlagen sich die Vorfälle:
# Am Montag bestätigte das FBI den Leichenfund von zwei Opfern. Diese Aussendung kam erst nach einem Artikel in ÖSTERREICH über mehrere Leichenfunde im Irak. Nach DNA-Tests wurden die zwei US-Geiseln Geiseln John Young (45) und Ron Withrow (40) identifiziert.
# Die Washington Post berichtete am Dienstag, dass drei weitere Leichen gefunden worden waren – und eine weitere “gerade geborgen” werden.
# Am Donnerstag gab das FBI die Identifizierung zweier weiterer Opfer bekannt: Joshua Munns (25) und Paul Reuben (41). Die Identifizierung eines dritten, am ehesten Jonathon Cote (25), war angekündigt worden.
# Jetzt dreht sich alles um Bert Nussbaumer: Ist er noch am Leben oder wurde auch seine Leiche gefunden? Ist Opfer Nummer 6 bereits geborgen? Warten die US-Behörden auf exakte DNA-Analysen und eine mögliche Überstellung zuerst in die USA oder gleich direkt nach Österreich?

# 26. März: Lachender Dritter McCain?

Im Demokraten-“Bürgerkrieg” zwischen Frontrunner Barack Obama und der eisernen Ex-First-Lady Hillary Clinton gibt es laut jüngster “Wall Street Journal/NBC”-Umfrage einen klaren Sieger: Republikaner-Kontrahenten John McCain! Die Verbitterung ist bereits so gewaltig, dass jeweils 20 Prozent der Fans der Verlierer sogar für McCain bei der Präsidentschaftswahl am 4. November stimmen könnten. Und trotz mehrerer Flops des Vietnam-Helden, als er etwa Sunniten und Schiiten bei einem Iraktrip durcheinander brachte, führt er gegen Hillary mit 46 zu 44 Prozent und liegt nur knapp mit 42 zu 44 Prozent hinter Obama zurück. 58 Prozent meinten, McCain könnte – eines der kritischsten Kriterien der großen Wahlschlacht 2008 – das “Land wieder vereinen”, ein ähnlich guter Wert wie Obamas 60 Prozent.
Besonders seit dem “Mini Super Tuesday” in Texas und Ohio Anfang des Monats, wo der Obama-Express neuerlich Hillary nicht endgültig überrollen hatte können, versinkt der einst so aufregende Titanen-Thriller in einer immer widerlicheren Schlammschlacht:
# Hillary wärmte zuletzt die Affäre mit Obamas “Hassprediger” Jeremiah Wright auf, der Amerika selbst die Schuld am Terrorhorror von 9/11 gab.
# Hillary wolle damit, retournierte Camp Obama das Feuer, von ihrem eigenen Skandal ablenken, wo sie über Heckenschützen bei einem Truppenbesuch in Tuzla, Bosnien, 1996 phantasierte.
Genüsslich erinnerten Obama-Helfer an Hillarys “Glaubwürdigkeitsproblem”: Ihre Eltern hätten sie nach Everest-Bezwinger Sir Edmund Hillary benannt, behauptete sie, der jedoch erst sechs Jahre nach ihrer Geburt zu seinem Gipfelsturm aufbrach. Oder Tochter Chelsea wäre durch die Staubhölle der kollabierten Twin Towers am 11. September geirrt, die jedoch tatsächlich in drei Kilometer Entfernung in ihrem Apartment das Drama in TV verfolgte.
Der oft schon lächerliche Kleinkrieg schadet beiden – doch Hillary um einiges mehr: Auf 37 Prozent ist nun ihre Zustimmungsrate gestützt. Damit ist sie fast so unpopulär wie der amtierende Präsident George W. Bush. “Das ist ein Katastrophenwert”, so Experten. Obama ist hingegen, trotz des Polit-GAUs um die unpatriotischen Tiraden seines Pfarrers, nur leicht von 51 zu 49 Prozent Zustimmung zurückgefallen. “Die Pastoren-Aufregung hat ihm nicht geschadet”, schrieb das Wall Street Journal trocken.
Bei der Dems-Parteiführung schrillen wegen dem selbstzerstörerischen Vorwahlkrieg die Alarmglocken: Hinter den Kulissen laufen Bemühungen auf Hochtouren, Hillary zur Aufgabe zu bewegen, so US-Medien.

# 26. März: Leichenfunde im Irak

In den USA erwarten die Familien der gemeinsam mit dem Österreicher Bert Nussbaumer entführten Irak-Geiseln bange auf die Indentifizierung von drei weiteren Leichen, die nahe der südirakischen Metropole Basra gefunden wurden. Insider in dem Geiseldrama berichteten aber auch vom Fund einer weiteren Leiche, die in Kürze aus dem Irak ausgeflogen werden könnte. Diese Information ließ sich jedoch weder bei US- noch Austro-Behörden bisher verifizieren.
Die bisherigen dramatischen Ermittlungen in der Geiseltragödie, bei der Nussbaumer und vier US-Kollegen der Sicherheitsfirma “Crescent Security Group” am 16. November 2006 entführt worden waren (zu Geisel Nr. 6 wurde der Computerfachmann Ron Withrow bei einem Überfall am 5. Jänner) im Rückblick:
# Am Montag hatte das FBI den Leichenfund von zwei Opfern offiziell bestätigt, Stunden nach einem exklusiven ÖSTERREICH-Report über mehrere Leichenfunde im Irak: Offiziell identifiziert waren damit John Young und Ron Withrow.
# Die Zeitung “Washington Post” berichtete am Folgetag, dass drei weitere Leichen gefunden worden sein sollen. Es könnte sich um die Opfer Nr. 3, 4, und 5 handeln – am ehesten die Nussbaumer-Kollegen Joshua Munns, Jonathon Cote und Paul Reuben. US-Regierungskreise hatten diese Entwicklung gegenüber amerikanischen Medien bestätigt, jedoch noch nicht die Identitäten der Opfer bekanntgegeben.
# Die Kernfrage zuletzt: Ist Opfer Nr. 6, am ehesten Bert Nussbaumer, ebenfalls bereits geborgen – und wartet auf exakte DNA-Analysen und eine mögliche Überstellung zuerst in die USA oder gleich direkt nach Österreich?
Laut Recherchen in den USA hätten nach dem Fund der drei zusätzliche Toten Informanten US-Ermittler gerade zum Fundort eines weiteren Opfers geführt, hieß es. Die “Post” schrieb vor 48 Stunden knapp: Eine weitere Leiche werde “gerade geborgen”.
Die US-Behörden könnten damit bereits alle sechs Opfer aufgespürt haben. Außenministeriumssprecher Peter Launksy-Tiefenthal kann die Berichte vorerst nicht bestätigen: “Wir können nur gesicherte Informationen weitergeben”.
Die US-Familien wollen am Freitag bei einer Pressekonferenz in Minneapolis die tragischen Entwicklungen ausführlich kommentieren. Auch brisantes Material über die Hintergründe der Entführung sowie mögliche fatale Behödenpannen waren angekündigt worden. An dem Treffen könnte auch Nussbaumers Mutter und Bruder teilnehmen, hieß es zuletzt.

# 26. März: Arnie vs. Clint

Hollywood-Star Clint Eastwood hat sich erstmals in einem Interview über den Rauswurf als Vorsitzender der kalifornischen Nationalparks-Kommission durch “Governator” Arnold Schwarzenegger geäußert. Arnie hatte Eastwoods Job – und sogar den seines eigenen Schwagers, Bobby Shriver – terminiert, nachdem sie sich einem, von Arnie favorisieren Bau einer sechspurigen, mautpflichtigen Schnellstraße durch das Naturschutzgebiet “San Onofre State Beach”, ein legendäres Surfer-Paradies, widersetzten. “Jemand hatte wohl eine Biene unter seiner Mütze”, scherzte Eastwood. Arnies Aktion wird immer mehr zum PR-GAU. Der populäre Leinwandheld hätte am Telefon mit seinem gefeuerten Leidensgenossen über den Showdown “Dirty Harry vs. The Terminator”, so die “L.A. Times”, gewitzelt: “Er feuerte dich? Du bist doch sein Schwager?” Shriver antwortete: “Und du, du bist doch sein Freund und langjähriger Mentor?” Ökogruppen haben prompt eine Untersuchung des Feuerns von Eastwood und Shriver gefordert.

# 25. März: Grauenhafte Funde bei Basra

Durch die dramatischen Entwicklungen im Entführungsfall des Österreichers Bert Nussbaumer (26) und fünf weiterer Amerikaner greift nun die US-Bundespolizei FBI verstärkt ein. Stunden nach einem Report über Leichenfunde im Irak, bestätigte das FBI die Identifizierung über DNA-Tests von zwei toten Geiseln:
# Der mit Nussbaumer am 16. November 2006 im Südirak entführte Kollege der Sicherheitsfirma “Cresecent Security”, John Young (44);
# sowie der Computerfachmann Ronald Withrow (40), der am 5. Jänner 2007 entführt worden war und für die Firma “JPI Worldwide” werkte.
Das Schicksal von Nussbaumer ist jedoch weiterhin unklar. “Wir haben keine zusätzlichen Informationen”, so Peter Launsky-Tiefenthal, Sprecher des Wiener Außenministeriums. Die Angehörigen seien jedoch vorab über die Identifizierung der beiden bestätigten Kidnapping-Opfer unterrichtet worden.
Die Leichen der beiden bestätigten Opfer, die nahe Basra gefunden wurden, seien am Freitag der Vorwoche mit US-Militärmaschinen zur “Dover Air Force Base” im Staat Delaware überstellt worden. Obduktion und DNA-Analysen passierten, so US-Medien, im FBI-Zentrallabor in Quantico, Virginia. Genau dort waren auch die makaberen Funde im Vormonat von abgetrennten Fingern von fünf der Geiseln analysiert worden.
Nachdem aufgrund intensiver Recherchen bei Insidern der Geiseltragödie in den USA über zumindest zwei weitere Leichenfunde berichtet wird, schreibt die renommierte “Washington Post” nun sogar über den Fund “drei weiterer, unidentifizierter Toter”. Eine vierte Leiche soll gerade “sichergestellt” werden, so die Zeitung. Sie beruft sich auf Quellen innerhalb des Ermittlungsteams. Recherchen deuten darauf hin, dass weitere Opfer in Kürze in die USA überstellt werden könnten zur exakten Identifizierung.
Das FBI wollte keine Angaben über den Zustand der Opfer machen – oder den Zeitpunkt ihres Todes. Bloß: Der Fundort soll auffällig nahe am Tatort der Geiselnahme liegen.
Mit dem bereits bestätigten Toten Young waren damals nahe der irak-kuwaitischen Grenze mit Nussbaumer die US-Kollegen Paul Reuben (41), Jonathon Cote (25) und Josh Munns (25) entführt worden. Der Überfall von mit Skimasken verhüllten, mit AK-47-Maschinenpistolen bewaffneten Milizen sei ein “Inside Job” gewesen, so zwei Sicherheitsleute, denen die Flucht gelang. Mindestens zwei der Entführer waren als Ex-”Crescent”-Mitarbeiter erkannt worden. Einige der Kidnapper trugen Polizeiuniformen, andere Anzüge.
Sharon Debrabander, die trauernde Mutter des Opfers John Young, erinnert sich mit Horror, als FBI-Beamte um 20 Uhr am Sonntag vorfuhren. “Ich starrte sie an”, erzählte sie der “Post”: “Was macht ihr Jungs hier am Oster-Abend?”, schoss ihr durch den Kopf. Sie sprach sogar von einem gewissen Grad an “Erleichterung”, nach 16 Monaten des Bangens “zumindest nun Gewissheit zu haben”. Andere Familien machen sich nicht mehr viel vor. “Ich habe mich abgefunden, dass der Fall eine tragische Wende genommen hat”, so Mark Munns, Vater von Josh: “Ich habe stechende Kopfschmerzen – ich weiß nicht mehr wie lange ich das noch durchhalte”.

# 25. März: Hillarys Sniper Fire

Im verzweifelten Kampf gegen Frontrunner Barack Obama könnte sich Kontrahentin Hillary Clinton im Demokraten-Duell nun um Kopf und Kragen reden: Ihr dreistes Aufschneiden über einen Truppenbesuch vor 12 Jahren hat in den USA ein neuen Mediensturm entfacht. Hillary hatte bei einer Wahlkampfrede zuletzt wahrlich Dramatisches zu berichten gehabt: Beim Landeanflug auf das bosnische Tuzla im März 1996 hätte sie der Pilot vor “Scharfschützen-Feuer” gewarnt. Und dann Hillary weiter: “Es hätte eine Willkommenszeremonie geben sollen, stattdessen sprinteten wir mit geduckten Köpfen über das Rollfeld zu unseren Wagen”.
Pech für Hillary: Der Trip ist vom mitreisenden Presse-Tross exzellent dokumentiert worden. In den ausgegrabenen Videoaufnahmen marschiert da Hillary fröhlich winkend aus der Militärmaschine, küsst, mit Tochter Chelsea an der Seite, ein achtjähriges Mädchen und posiert mit Soldaten. Von einer Bedrohung durch nahe Scharfschützen ist jedenfalls nichts zu bemerken. Sie habe sich “versprochen”, musste Hillary nun kleinlaut zugeben. Doch die Affäre könnte ihrer Kampagne nun fast den Todesstoß versetzen: Gerade ihre Erfahrung an der Seite von Präsidentengatten Bill hatte sie zum Zentralargument gemacht, warum sie “wählbarer” und “schlagkräftiger” sei als neues US-Staatsoberhaupt als “Grünschnabel” Obama. Die Kritik über die Bosnien-Episode “untergräbt nun komplett ihre Glaubwürdigkeit”, so Beobachter im US-TV. Und das Aufschneiden ist in US-Wahlkämpfen generell ein Harakiri: Ex-Vize Al Gore war 2000 durch seine Behauptung, er habe das Internet erfunden, wochenlang zum Gespött geworden.
Obama muss die Debatte genossen haben: Er wurde in Badehose und T-Shirt auf einer Strandliege im Tropenparadies der US Virgin Islands gefilmt, wo er ein paar Tage von dem brutalen Vorwahlkrimi ausspannt.
Hillary hat inzwischen eine neue Kategorie eingeführt, warum die Superdelegierten (Partei-Insider, die frei abstimmen können) sie am Ende als “Dems”-Kandidatin für die Schlacht ums Oval Office krönen sollen: Sie hätte in Staaten gesiegt, wo bei der Präsidentschaftswahl am 4. November mehr Wahlmännerstimmen vergeben werden. In dieser “Hillary-Kategorie”, so Spötter, führt sie mit 219 zu 202 vor Obama. Nach, in den Vorwahlen relevanten Kriterien sieht es jedoch weiter trist aus: Obama führt nach Delegierten mit 1.628 zu 1.497, nach gesamten Wahlstimmen mit 49,5 zu 46,9 Prozent und gewann mit 27 Staaten fast doppelt so viele wie Hillarys 16.

# 25. März: Detroits Hip-Hop-Sex-Bürgermeister

Die Serie bizarrer Sex-Politskandale unter Demokraten reißt in die USA nicht ab: Gegen Detroits Bürgermeister Kwame Kilpatrick wurde nun Anklage erhoben, wonach er unter Eid über eine Sex-Affäre mit seiner Stabsschefin Christine Beatty gelogen haben soll. Es drohen bis zu 15 Jahre Haft. Die Affäre in der “Auto-Metropole” folgt den heftigen Turbulenzen im Staat New York: Gouverneur Eliot Spitzer musste gehen, nachdem sein Seriensex mit Call Girls aufflog. Sein Nachfolger David Paterson gab zunächst zu, Affären mit “mehreren Frauen” gehabt zu haben – und nun auch Kokain- und Marihuana-Konsum. In der Affäre um den 37-jährigen, farbigen Detroit-Bürgermeister, der sich selbst “Hip-Hop Mayor” nennt, kursierten zuletzt eindeutige SMS-Botschaften: “Hast du mich vermisst, sexuell?”, schrieb Beatty. “Kar verdammt! Ich will mehr!”, textete der Stadtchef zurück. Außerdem soll Kilpatrick, verheiratet und Vater von drei Kids, Polizeiermittler gefeuert haben, die seine “exzessiven Parties”, samt Stripperinnen, rapportierten.

# 22. März: Hillary im Schleudern

Nach der Wahlempfehlung von New-Mexico-Gouverneur Bill Richardson für Demokraten-Frontrunner Barack Obama werden die Rufe in US-Medien und unter Parteiinsidern lauter, Hillary Clinton solle das Feld räumen. Richardson unmissverständlich: Ein endloser Bürgerkrieg innerhalb der “Dems” könnte deren Chancen zur Rückeroberung des White House “zunichte machen”. Und ermögliche Republikaner-Gegner John McCain “freie Fahrt”. Hillarys größter Rückschlag: Es dürfte keine Wahlwiederholungen in Michigan und Florida geben. Beide Primaries waren zunächst von der Parteiführung als ungültig erklärten worden. Hillary hoffte auf zwei Neuwahl-Triumphe dort. “Hillarys Hürden waren bereits enorm hoch”, schrieb prompt die New York Times: “Jetzt scheinen sie unüberwindbar”. Obama liegt in der Delegiertenzählung mit 1628 zu 1496 voran. Hillary kann ihn in den zehn ausstehenden Primaries “praktisch unmöglich überholen”, so “Politico.com”. Und: Wer glaube, die Superdelegierten (Parteiinsider, die frei abstimmen können) würden dem ersten Afroamerikaner seinen Wahlsieg entreißen, lebten “auf einem anderen Planten”. Hillary hofft, bis Juni zumindest an totalen Wählerstimmen an Obama vorbeizuziehen, was, so Politico, ebenfalls eines “Wunders an den Wahlurnen” bedürfe. Und sie will Obama offenbar durch die prolongierte Schlammschlacht weiter schwer ramponieren, um Superdelegierte überzeugen zu können, sie sei “wählbarer”. Die Idee eines Hillary-Obama-“Dreamteams” scheint jedenfalls in weite Ferne gerückt. Eher wird nun spekuliert über ein Multikulti-Tandem: Macht Obama den “Hispanic” Richardson zu seinem “Running Mate”?

# 21. März: Passport Gate: Schnüffler im State Department

Helle Empörung herrscht in den Camp der drei Kandidaten für die Schlacht ums Oval Office – die Demokraten Barack Obama und Hillary Clinton sowie dem Republikaner John McCain – über das Herumschnüffeln in deren Reisepass-Akte durch Angestellte des US-Außenamtes. Die Feuersturm brach los, als zunächst bekannt wurde, dass dreimal seit Jänner “niederrangige Werkvertrags-Mitarbeiter”, so ein Ministeriums-Sprecher, durch Obamas elektronischen Reisedate stöberten. Zwei wurden gefeuert, einer suspendiert. Doch wenige Stunden später eskalierte der Skandal weiter: Auch in den Reiseakten von Clinton und McCain sei geschnüffelt worden. Das teilte Außenamtschefin Condoleezza Rice, die wegen dem Chaos in ihrem Ministerium heftig unter Druck gerät, der Ex-First-Lady und dem Vietnam-Kriegshelden mit.
Die Kernfrage: War es blanke Neugierde, wie die Bush-Regierung beteuert? Oder die gezielte Suche nach Wahlkampfmunition? Reporter hat jedenfalls das “Watergate”-Fieber gepackt. Vor allem Obamas Akte ist dick und brisant: Als Kind lebte er im moslemischen Indonesien, seine Verwandtschaft ist über drei Kontinente verstreut. Islam-Verbindungen waren schon zuvor geschürt worden: Ein Foto von eine Afrika-Trip 2006, wo Obama mit Turban zu sehen ist, sorgte zuletzt für Furore. Bei Obama erfolgten die Zugriffe via ein internes Computersystem am 9. Jänner, 24. Februar und zuletzt 14. März. “Merkwürdig”, meinen Beobachter, da zu diesen Zeitpunkten Obama besonders stark im Rampenlicht stand. Doch ein Mitarbeiter, der das Obama-File abrief, stöberte auch durch McCains Akten.
“Es ist ein ungeheuerlicher Eingriff in die Privatsphäre”, tobte Obamas Stab. Ein ähnlicher Skandal erschütterte die Regierung von Bushs Vater 1992. Das damalige Ziel des Reisepass-Schnüffelns: Bill Clinton.
Obama – der eine hochkarätige Wahlempfehlung des unter Latinos hochpopulären New-Mexico-Gouverneurs Bill Richardson einheimste – erhielt durch das “Passport-Gate” eine dringend benötigte Atempause in der Affäre um seinen Hassprediger Jeremiah Wright. Dessen Tiraden á la “Gotte verdamme Amerika” führten, trotz Obamas als historisch gefeierter Rede über Amerikas Rassenbeziehungen, zum Crash in den Umfragen: Hillary führt US-weit laut “Gallup” nun mit 48 zu 43 Prozent, in Pennsylvania, wo am 22. April Primaries stattfinden, gar mit 51 zu 35 Prozent. Der Tenor der US-Politologen: Je länger die Rassendebatte dauert, desto “schwärzer”, und “unwählbarer” für viele Weiße wird Obama.

# 20. März: Sodom und Gomorah in New York

New York, Amerikas neues “Sodom und Gomorah”, so US-Medien, wird weiter von Sexskandalen in Serie erschüttert: Zuerst musste Eliot Spitzer nach dem Auffliegen von Sexdates mit Call Girls – darunter die nun als “Spitzer Girl” berühmte Prostituierte Ashley Dupré (22) – den Gouverneurs-Posten räumen. Doch jetzt haben New Yorks Massenblätter auch ein gefundenes Fressen mit Nachfolger David Paterson: Der hatte am Tag nach seiner Amtseinführung, Gattin Michelle an seiner Seite, offenbart, dass er Affären gleich “mit mehrere Frauen” hatte.
Eine mögliche Geliebte, die ehemalige Star-Olympionikin Diane Dixon, gab bekannt, sie besitze Sex-Tonbänder. Freunde eines gehörnten Ehemann einer weiteren Paterson-Gespielin, der Top-Beamtin Lila Kirton, warnten den neuen Gouverneur: “Halt dich ja fern von ihm, er ist ein kräftiger Kerl!” Fotografen warf er bereits einen Mistkübel hinterher. Paterson muss sich auch gegen Vorwürfe verteidigen, er hätte Partei-Spendengelder für seine geheimen Rendezvous missbraucht.
Noch wüster geht es im Nachbarstaat New Jersey zu: Dort wird diskutiert, ob der schwule Ex-Gouverneur Jim McGreevey mit seiner Frau und einem Chauffeur einen “flotten Dreier” hatte. Besonders peinlich ist die Enthüllung für Ex-Gattin Dina: Die hatte per Bestseller beteuert, nichts von der Homosexualität ihres Gatten gewusst zu haben. Noch während des Spitzer-Skandals erteilte sie im US-TV gute Ratschläge an andere “betrogene Frauen”.

# 20. März: Wo war Hillary?

Ex-Präsident Bill Clinton empfing ungeniert Oralsex von der Praktikantin Monica Lewinsky – selbst wenn sich Gattin Hillary ebenfalls im White House aufhielt. Dieses neue, blamable Detail des “Monicagate”-Jahrhundertsexskandals, der Bill 1998 fast das Amt kostete, geht aus 11.000 Seiten nun freigegebener, minutiöser Protokolle über die Aktivitäten der First Lady hervor. Als sich etwa am 28. Februar 1997 zwischen 17:48 und 19:07 Uhr Bill und Monica im privaten Studierzimmer hinter dem Oval Office trafen und seine DNA auf ihrem Kleid landete, verweilte Hillary im Ostflügel der Präsidentenresidenz, so das Logbuch. Wie auch bei weiteren sieben von Bills insgesamt zehn Sex-Treffen. “Es ist ein weitläufiges Gebäude”, lacht ein Ex-Ermittler. Schädlicher als die peinlichen Echos der Clinton-Skandaljahre sind Details in den “Hillary Papers” über ihre politische Rolle. Gerne argumentiert Hillary mit ihrer Erfahrung während der White-House-Jahre, warum sie als Präsidentin “besser gerüstet sei” als “Grünschnabel” Barack Obama. Doch US-Medien fassten kühl zusammen: Meist waren es “Kaffeekränzchen” mit anderen First Ladies.

# 19. März: Dupre gone wild

Gerade wollte Joe Francis, Produzent der populären Softporno-Videoserien “Girls Gone Wild”, “Spitzer-Girl” Ashley Alexandra Dupré eine Angebot über eine Million Dollar für Nacktaufnahmen unterbreiten. Doch prompt wurde Francis, der mit der Verfilmung ausgeflippter Teenager bei den Megaparties der “Spring Break” (den US-Semesterferien) in Florida Geld scheffelt, in seinen eigenen Archiven fündig: Da ist Dupré 18-Jährig zu sehen, wie sie sich im Bus mit anderen Mädchen vergnügt und ihre Brüste bei Tanzeinlagen springen lässt. Duprés Sexdate als Callgirl “Kristen” im Washingtoner Mayflower-Hotel mit New Yorks damaligen Gouverneur Eliot Spitzer beendete dessen Politkarriere jäh.
Produzent Francis zog das lukrative Angebot an Dupré kurzerhand zurück. Und stellte existierendes Videomaterial zum Download auf seiner Website bereit. Er freut sich auf potentielle Millionen-Gewinne: “Das ist wie ein Lotto-Jackpot”. Details der einstigen Florida-Abenteuer von Miss Dupré illustrieren wie der aus dem Elternhaus in New Jersey ausgerissene Teenager jener Callgirl-Karriere entgegensteuerte, die der USA den größten Sex-Skandal seit Bill Clintons “Lewinsky-Gate” bescherte. Prompt hatte sie Sex mit einem Kameramann. Der erinnert sich gegenüber der “New York Post”: “Ich bin froh, dass ich sie vor Spitzer hatte – sie war damals um einiges unverbrauchter…”.
Andere Millionenangebote an Dupré sind noch aufrecht, darunter eines von Pornokönig Larry Flynt. Doch sie muss rasch handeln: “Ihr Moment im Rampenlicht neigt sich dem Ende zu”, so Experten.
Die Sexdramen im Gouverneurspalast von New York werden unterdessen fast zur Seifenoper: Nach dem Spitzer-Sturz schockierte prompt auch sein Nachfolger, David Paterson, mit der Enthüllung gleich “mehrerer Affären”.

# 18. März: Dupre Superstar

New Yorks Ex-Gouverneur Eliot Spitzer stürzte über sie. Jetzt könnte sie Millionen scheffeln: Call Girl Ashley Alexandra Dupré, 22, nach ihrem für Spitzer verhängnisvollen, 4.300 Dollar teueren Sex-Date in Zimmer 871 des Washingtoner Mayflower-Hotel nur mehr bekannt als “Spitzer Girl”. Dupé ist seit dem Megasexskandal untergetaucht, ihr Apartmentgebäude in Manhattan wird belagert, allein beim Massenblatt “New York Post” machen laut Recherchen 12 Reporter seit einer Woche Jagd auf sie. Es hagelt lukrative Angebote für das 17-jährig ausgerissene Girl aus New Jersey, das einst groß Musikkarriere machen wollte: Pornokönig Larry Flynt bot ihr eine Million für Nackfotos. Zwei Millionen könnte ein “Tell All”, das komplette Auspacken über ihren Sex mit den Mächtigen, entweder per Buch, Tabloids oder TV-Doku bringen, so Experten. Ihr amateurhaften Songs verkauft sie via Internet schneller als Britney Spears ihre: Via Apples Online-Musikladen “iTunes” stieß sie bisher eine Million ab. Trotz Spitzers Rücktritt kommt New York in Sachen Sex-Aufregern nicht zur Ruhe: Nachfolger David Paterson, New Yorks erster schwarzer Gouverneur, gab wenige Stunden nach seiner Amtseinführung zu, ebenfalls vor Jahren eine Affäre gehabt zu haben.

# 15. März: Obama unter Druck

Demokraten-Favorit Barack Obama gerät an mehreren Fronten unter Druck – und es ist diesmal nicht das Dauerbombardement seiner eisernen Kontrahentin Hillary Clinton: Zuerst musste er sich von seinem Prediger-Freund und “spirituellen Beraters”, Reverend Jeremiah Wright, scharf distanzieren. Wrights wirre Tiraden hatten in neuerlich kursierenden Videos Amerika schockiert: Die Supermacht sei etwa wegen ihrer “Verbrechen” selbst schuld am Terror-Horror von 9/11, wütete der Prediger. Und: Hillary würde nicht wissen, was es heißt, als “Nigger” beschimpft zu werden. Sogar zum Fluch “Gott verdamme Amerika” ließ er sich hinreißen.
In Wrights Kirche in der “Southside” in Chicago hatte Obama Gattin Michelle geheiratet, seine beiden Töchter wurden von Wright getauft. Obama verdammte die Hasspredigen als “abstoßend”. Doch er verteidigte auch seinen Vertrauten: Wright sei Teil “einer älteren Generation an Schwarzenführern, die viel Hass herumtragen, da sie das Unrecht hautnah erlebten”, sagte Obama im US-TV.
Immer peinlicher wird dazu auch der gerade begonnene Korruptionsprozess gegen Ex-Geschäftspartner Tony Rezko in Chicago: Jetzt musste Obama zugeben, dass Rezko total 250.000 Dollar für frühere Kampagnen sammelte, weit mehr aus früher eingestanden.
In der Wählergunst hat der Frontrunner im Vorwahlkrimi der “Dems” jedoch Aufwind: In einer US-weiten “Gallup”-Umfrage liegt er mit 50 zu 44 Prozent wieder deutlich vor Hillary. Das Chaos um die von der Dems-Parteiführung boykottierten “Phantom-Primaries” in Michigan und Florida eskaliert hingegen weiter: Hillary-Fans drohten, ihre Spenden an die Partei zurückfordern zu wollen, falls die Hillary-Siege dort nicht anerkannt werden.

# 13. März: Makabere Arbeit im Hightech-Labor: Mysterium der abgetrennten Finger

Die auf forensische DNA-Untersuchungen spezialisierten Experten in einem High-Techlabor in Quantico, US-Bundesstaat Virginia, müssen ein makaberes Rätsel lösen: Wurden die Fingerteile der österreichischen Irak-Geisel Bert Nussbaumer sowie vier weiterer entführter Amerikaner entnommen, als sie noch lebten, oder bereits verstorben waren. US-Quellen beschreiben in einem brisanten Report der renommierten “Washington Post” den Zustand der Körperteile als bereits “teilweise verwest”.
Dennoch, stellen Informanten innerhalb des ermittelnden FBI fest: Die Verwesung muss nicht darauf hindeuten, dass die Fingerkuppen unbedingt von Leichen abgetrennt worden wären. Es gäbe kaum mehr eine Chance, zitiert das Blatt einen Insider, “zu diesem Zeitpunkt mit existierenden wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden das klar festzustellen”. Und weiter: “Es ist möglich, dass sie entfernt wurden als die Opfer noch lebten – doch es kann auch sein, dass sie bereits tot waren”.
Vier der Fingerteile stammen von den insgesamt fünf, für den Privatsicherheitsdienst “Crescent Security Group” werkenden Opfer der Entführung am 16. November 2006, als maskierte, mit AK-47 bewaffnete Milizen einen 47-LKW-Konvoi bei Basra im Südirak überfielen. Neben Nussbaumer (26) wurde die DNA den Amerikanern Jonathan Cote (25), Paul Reuben (41) und Joshua Munns (25) zugeordnet. Von John Young (45), der ebenfalls an diesem Tag entführt worden war, traf kein Fingerfragment ein. Das fünfte stammt hingegen von Ronald Withrow (40), einem Computerspezialsten aus Texas, der am 5. Jänner gekidnappt wurde.
Die makabere Botschaft der Kidnapper, die um den 20. Februar, so Recherchen in den USA, eintraf, ist die erste dramatische Entwicklung seit mehr als einem Jahr: Am 3. Jänner 2007 waren zwei Videos der Opfer Reportern im Irak zugespielt worden, datiert mit dem 21. und 22. Dezember 2006. Wochen später tauchte Nussbaumers Name und weiterer Entführungsopfer in einer sichergestellten Liste auf.
Nussbaumer-Arbeitgeber Crescent, dem vorgeworfen wird, zu wenig Personal zur Sicherung des Riesenkonvois abgestellt zu haben, arbeitet ebenfalls fieberhaft an der Lösung des “Finger-Rätsels”. “Wir sind mitten in einer Krisensitzung”, sagte Chef Franco Picco gestresst, als ich ihn am Handy erreiche. Die Familien der Entführungsopfer wollen am Ende des Monats bei einem Treffen in Minneapolis die jüngsten Entwicklungen besprechen. Geplant war, so Organisator Mark Koscielski, dass auch die Eltern von Bert Nussbaumer teilnehmen. Das FBI hatte die US-Familien letzten Monat informiert, dass DNA-Proben von den Geiseln eingetroffen seien. Die Fingerfunde wollen die Behörden weder in den USA noch in Österreich bestätigen.

# 13. März: Kristen Superstar!

Zeitgleich mit dem Rücktritt von New Yorks Gouverneur Eliot Spitzer im größten US-Politiker-Sexskandal seit Bill Clintons “Lewinsky-Gate” war die Identität der nun berühmtesten Prostituierten der Erde enttarnt worden: Der Spitzer-Skandal flog auf, als die “Feds” ein Sex-Date mit dem Callgirl “Kristen” dokumentierten. Kristen, im Katalog des Promi-Callgirl-Rings “Emperors Club VIP” als “zierlich, brünett, 1,65 m, 48 kg” beschrieben, ist in Wirklichkeit die 22-Jährige Ashley Alexandra Dupre aus New Jersey.
Nun spricht sie: “Ich will nicht, dass mich die Welt als Monster sieht”, erzählte sie der New York Times. Sie habe seit Tagen nichts geschlafen, sich in ihrem winzigen Apartment im Manhattaner Flatiron-District verkrochen. Dupre, die mit Spitzer am Vorabend des Valentinstages Sex in Zimmer 871 des Mayflower-Hotels in D.C. hatte, verrät auf ihrer “MySpace”-Website (www.myspace.com/ninavenetta) Details einer schweren Jugend: Mit 17 sei sie von zu Hause ausgerissen, zog in die City, wollte Sängerin werden. Nach Tanzeinlagen in Nightclubs landete sie jedoch beim Prostituiertenring. Spitzer, der über zehn Jahre hinweg 80.000 Dollar für zahllose Hurenbesuche ausgab, kämpft verbissen gegen eine Anklage. Es drohen bis zu fünf Jahre Knast.
Das Zittern vor dem “schwarzen Buch”, der Kundenliste des internationalen Sexclubs, geht inzwischen weiter: Gerald Cavendish Grosvenor, der Duke von Westminster und Freund von Thronfolger Charles, soll “Klient Nr. 6” in den Abhörprotokollen der Spitzer-Ermittlungen sein.

# 13. März: Hillary-„Helferin“ Ferraro tritt ab

Selbst nach dem Rücktritt der Hillary Clinton-Helferin, Vizepräsidentschaftskandidatin in 1984 Geraldine Ferraro, eskalieren die “Rassentumulte”, so US-Medien, bei den “Dems”. Ferraro hatte Hillary-Gegner Barack Obama heruntergemacht: Er sei nur “so weit gekommen”, da er schwarz sei. Hillary hatte sich nur zögernd vom Ausspielen der Rassenkarte distanziert. Nun droht der Partei ein verheerender Krieg: Schwarze gegen Frauen! TV-Experte Tim Russert warnt: Wer immer gewinnt, die Fans der Gegenseite könnten bei der Oval-Office-Wahl “zu Hause bleiben”. Und der Republikaner John McCain Präsident werden.

# 12. März: „Spitzergate“: Jetzt reden die Huren

Während der New York “Sex-Gouverneur” Eliot Spitzer vor seinem erwarteten Rücktritt wegen der Verwicklung in einen Prostitution-Ring mit den Behörden an einem “Deal” werkt, um dem Knast zu entgehen, werden die Details des größten US-Sexskandals seit Bill Clintons “Lewinsky-Gate” immer schriller: Seit zehn Jahren soll der einst als Staatsanwalt unter “Wall Street”-Firmen gefürchtete Saubermann Sex mit Huren gehabt haben – und insgesamt 80.000 Dollar (!) dafür hingeblättert haben. Eines dieser Sex-”Dates” führte ihn bis nach Florida.
“Ich hatte Sex mit Spitzer vor zwei Jahren”, erzählte ein Call-Girl mit dem “Künstlernamen” Sienna der TV-Station ABC: “Er sei ein netter Typ gewesen”, sagte die heute 22-Jährige: “Er wollte nichts unsauberes und hinterließ ein dickes Trinkgeld”. Doch andere berichten: Er hätte mitunter auf Sex ohne Kondom bestanden. Bestellt hatte der damalige Top-Staatsanwalt Sienna von seinem Büro aus, wo sonst eifrig gegen “Corporate Corruption” ermittelt wurde.
Spitzer (48) galt bei den “Dems” als Hoffnungsträger. Insider hatten ihn sogar als möglichen Bewerber für künftige Präsidentschaftswahlkämpfe genannt. Doch er führte ein Doppelleben: Seine Frau Silda und die drei Töchter müssen die “schlimmsten Stunden ihres Lebens durchmachen”, so Lokalmedien.
Der Skandal war aufgeflogen, als die US-Steuerbehörde IRS merkwürdige Banktransfers von Spitzers Konten zu Scheinfirmen entdeckte. Die vermuteten zunächst “politische Bestechung”. Doch eine Telefon-Abhöraktion enthüllte: Spitzer bestellte als “George Fox” beim Nobelhuren-Ring “Emperors Club VIP” das Call Girl Kristen, orderte sie samt Bahnfahrkarte ins Mayflower-Hotel in D.C. und bezahlte 4.300 Dollar Cash. Der echte Mr. Fox, ein Spitzer-Freund und Gönner, zeigte sich wenig amüsiert über den Missbrauch seines Namens. In New York zitterten nach der Zerschlagung des Sexclubs weitere Promis: “Madame” Tanya Hollander soll ein “schwarzes Buch”, eine hochkarätige Kundenliste den “Feds” übergeben haben.

# 12. März: Obama-Express rollt wieder…

Mit einem deutlichen Sieg im Südstaat Mississippi kommt im Demokraten-Vorwahl-Thriller der “Obama-Express” wieder ins Rollen: Der “schwarze JFK” Barack Obama rang Ex-First-Lady Hillary Clinton mit 61 zu 37 Prozent einen deutlichen Sieg ab. Mit einem Nettogewinn von sechs Delegierten hat er, zusammen mit seinem Sieg in Wyoming am Samstag, den Verlust durch die Hillary-Siege am “Mini Super Tuesday” in Texas, Ohio und Rhode-Island fast wieder wettgemacht: Obama führt daher nach wie vor deutlich mit 1.606 zu 1.484 Delegiertenstimmen vor Hillary.
Nun beginnt der Kampf um Pennsylvania. Termin: 22. April. Es droht, eine sechs Wochen lange, noch brutalere Schlammschlacht zu werden, die die “Dems” zerreißen könnte. Ein Sturm der Entrüstung brach los, als Hillary-Helferin Geraldine Ferraro plump die Rassenkarte zückte: Obama wäre nur so weit gekommen, da er Afroamerikaner sei, deutet die ehemalige Vizekandidatin in der Oval-Office-Schlacht 1984 an. Obama nannte die Vorwürfe “absurd”. Immerhin: Er ist der einzige schwarze Senator, dazu gibt es bloß drei farbige Gouverneure. Ferraro, anstatt sich zu entschuldigen, legte nach und beschwerte sich über “umgekehrten Rassismus”: Nun werde sie kritisiert, da sie “weiß” sei.
Parteigrößen sind entsetzt: Rassenpolitik ist ein Minenfeld, wurde appelliert. Demokraten-Star Nancy Pelosi, “Speaker” des US-Repräsentantenhauses, hielt inzwischen das Zustandekommen eines “Dreamteams”, eines gemeinsamen Antretens von Hillary und Obama um die Bush-Nachfolge, schlicht für “unmöglich”. Hillary hatte zuletzt eine Abfuhr erhalten, als sie als zweitplatzierte “dreist”, so US-Medien, Obama als Vizekandidaten vorschlug. Der nun wieder Tritt fassende Obama reagierte kühl auf Fragen, ob er Hillary als Nr. 2 im White House haben wolle. “Hillary wäre an Top einer Liste für jeden Bewerber”. Zuerst wolle er jedoch die Vorwahlen gewinnen, sagte er im US-TV.

# 12. März: Nussbaumers Finger aufgetaucht: Lebenszeichen?

Es war ein grausiges Paket, das die US-Behörden Ende der Vorwoche im Irak erhielten. Inhalt der Sendung: fünf abgetrennte Finger (!).
Schnell war klar: Einer dieser Finger gehört dem im Irak entführten Österreicher Bert Nussbaumer, 26, – das ergab eine DNA-Untersuchung. Die US-Behörden, die am 20. Februar die Körperteile erhalten haben sollen und ihr Wissen möglicherweise zweieinhalb Wochen für sich behielten, informierten am Wochenende dann den österreichischen Botschafter in Amman, als dieser seinen Antrittsbesuch im Irak absolvierte.
Seither ist in Österreich Feuer am Dach. Denn es ist das erste Lebenszeichen von Nussbaumer seit mehr als einem Jahr. Auch wenn weitere Forderungen der Geiselnehmer fehlen.
Nussbaumer war am 16. November 2006 gemeinsam mit vier US-Kollegen der privaten Sicherheitsfirma Crescent Security entführt worden. Das Team begleitete einen Konvoi von Kuwait nach Bagdad. Ein weiteres Opfer, der Amerikaner Ronald Withrow, war im 5. Jänner offenbar von den gleichen Kidnappern entführt worden.
Die österreichischen Behörden erklären nun: Die DNA-Spuren und der Fingerabdruck stimmen mit jenen von Nussbaumer überein. Doch, ob wirklich Finger verschickt wurden, oder ob lediglich Fingerabdrücke im brisanten Post-Paket enthalten waren, das wollten die heimischen Beamten nicht bestätigen.
US-Quellen bestätigen jedoch: Es handelt sich um fünf Fingerfragmente. “Es sind die Kuppen”, so ein Insider: “Groß genug, um Fingerabdrücke nehmen zu können”. Sie stammen von Nussbaumer, seinen US-Kollegen Jonthan Cote, Joshua Munz und Paul Reuben sowie von Ron Withrow. Nur von John Young, der fünften “Crescent”-Geisel, fehlt jegliche Spur. Seine Mutter, Sharon Debrabander, ist verzweifelt: “Wo ist mein Sohn?” Die übermittelten Fingerteile sollen bereits schwer verwest gewesen sein. Neben DNA-Spuren sei es, so Experten, aber trotzdem noch möglich, Fingerabdrücke anzufertigen.
“Wenn Gewebe stark getrocknet wurde, wie bei einer Mumifizierung, kann das möglich sein“, so Richard Scheithauer, Vorstand des Instituts für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck. Zu einer derartigen Mumifizierung kann es durch sehr trockene und warme Umgebung kommen.
Forensische Untersuchungen der US-Behörden laufen laut Recherchen noch auf Hochtouren. Eines der vielen Rätsel: Die Experten wissen nicht, ob die Körperteile von Leichen oder Lebenden stammen. FBI-Sprecher Richard Kolko: “Keine Kommentar zu laufenden Ermittlungen”. US-Familien haben sich in der Vergangenheit bitter beschwert, dass sie von der US-Regierung „völlig im Dunklen gelassen werden“, so Debrabander.
Die Familie von Nussbaumer wurde von den österreichischen Behörden bereits vor einigen Tagen über die jüngsten Entwicklungen unterrichtet.
Die Spuren ließen auch „keine gesicherten Rückschlüsse“ auf das weitere Schicksal Nussbaumers zu, sagt das Außenministerium. „Wir arbeiten jedoch mit Hochdruck an dem Fall“, betont der Generalsekretär des Außenministeriums, Johannes Kyrle.

# 11. März: „Spitzergate“: Fallout für Hillary?

Der Sexskandal um New-York-Gouverneur Eliot Spitzer könnte Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton schaden, analysieren US-Politologen. Spitzer entschuldigte sich, nachdem er bei einer Telefon-Abhöraktion der “Feds” als Kunde des Promi-Prostituiertenringes “Emperors Club VIP” enttarnt worden war. Der Skandal schockiert die USA: Spitzer galt als Sauberman (Spitzname “Eliot Ness”). Als feuriger Staatsanwalt jagte er einst Wallstreet-Firmen, Mafia-Banden und auch Sexclubs. Jetzt flog auf, dass er für das Call Girl “Kristen” 4.300 Dollar bezahlte und am Vorabend des Valentinstag Sex im Zimmer 871 des Mayflower-Hotels in D.C. hatte. In Gerichtsakten ist Spitzer als “Klient Nr. 9” angeführt.
Was hat das mit Hillary zu tun?
# In New York arbeiteten Spitzer und Hillary eng zusammen.
# Spitzer war auch ein “Super Delegierter”, der für Hillary stimmen wollte. Als Nachfolger wartet der Afroamerikaner David Paterson, der Hillary-Kontrahenten Barack Obama unterstützen könnte.
# Und Hillary hatte den für Obama peinlichen, gerade begonnenen Korruptionsprozess gegen einen seiner Ex-Geschäftspartner, Tony Rezko, in Chicago weidlich ausschlachten wollen. Jetzt kann Obama kontern, so Beobachter: “Seht, wie es in Hillarys New York zugeht!”
New Yorker Lokalmedien rieten Spitzers Gattin Silda bereits zur Scheidung: “Flüchte aus dem Haus und nimm die drei Töchter mit”, so der Tenor.

# 10. März: Spitzergate!

New Yorks demokratischer Gouverneur, Eliot Spitzer, stolpert über einen spektakulären Prostituierten-Skandal. Der Star-Politiker mit dem Saubermann-Image, der korrupte Wallstreet-Firmen zur Strecke brachte und 2006 mit dem Versprechen nach ethnischen Reformen zum Gouverneur des zweitgrößten US-Bundesstaates gewählt wurde, soll Kunde des New Yorker “Call Girl”-Rings “Emperors Club VIP” gewesen sein, zitierte die “New York Times” aus Gerichtsunterlagen. Erst in der Vorwoche hatten die “Feds” vier Leute beim Zerschlagen der auf Promis spezialisierten Prostituierten-Operation verhaftet: Bis zu 5.500 Dollar berappten Klienten. Laut einem abgehörten Telefonat soll Spitzer arrangiert haben, dass ihn ein Call Girl am 13. Februar von Manhattan nach Washington D.C. reiste, wo ein Hotel reserviert sei. In den Dokumenten wird Spitzer als “Client Nr. 9” angeführt. Er soll auch Telefonate mit “Buchungs-Agenten” gegeben haben. In einer Pressekonferenz gab Spitzer zu, “das Vertrauen gegenüber seiner Familie untergraben zu haben”. Er entschuldigte sich bei der Öffentlichkeit für sein “unehrenhaftes Verhalten” gegenüber seiner Frau und drei Töchter. Sein Rücktritt wurde in der geschockten New-York-Kapitale Albany erwartet.

# 10. März: Kampf um Floridas und Michigans „Phantom-Delegierte“

Während in der nächsten Runde des Demokraten-Vorwahlkrimis in Mississippi Frontrunner Barack Obama als Top-Favorit gilt, wird das Gerangel um die 313 “Phantom-Delegierten” der ungültigen Primaries in Michigan und Florida heftiger. Beide Staaten hatten ihre Vorwahlen gegen den Willen der Parteiführung in den Jänner vorverlegt. Prompt waren die Resultate gestrichen worden. Doch nun kann weder Obama noch Kontrahentin Hillary Clinton durch das knappe Rennen die Siegermarke von 2.025 Delegierte erreichen. Der jüngste Vorschlag: Per Briefwahl könnten die Primaries wiederholt werden – und Hillary die Chance erhalten, gegen Obama aufzuholen.
Das Angebot der Clintons, Obama wäre ein idealer “Running Mate”, die Nr. 2 in einem Hillary/Obama-”Dreamteam”, gerät inzwischen zusehends zum Eigentor: “Hillarys Chutzpah” betitelte die “New York Daily News” die “Dreistigkeit”, Frontrunner Obama (er führt mit 1.588 zu 1.468 Delegiertenstimmen) den Vizeposten anzubieten. “Das ist wie ein Haus zu verkaufen, das einem nicht gehört”, so der Top-Kolumnist des Blattes. Und: Die Nation fragt sich, warum Hillary dann ihrem möglichen Vize jegliche Qualifikationen abspricht, Oberkommandierender zu sein. Zuletzt behauptete sie, nur sie und Republikaner-Gegner John McCain hätten das “Zeug zum Präsidenten”.
Peinlich auch: Das so friedlich in Hillarys berühmter “Es ist 3 Uhr Früh…”-TV-Werbung schlummernde Kind (wo suggeriert würde, Präsident Obama wäre ein Sicherheitsrisiko) ist heute 18 Jahre alt — und glühender Obama-Fan. “Die Werbung sei pure Panikmache”, kritisiert sie Hillary im US-TV.

# 9. März: Dreamteam?

Demokraten-Star Barack Obama hat mit einem 61-zu-38-Prozent-Sieg in Wyoming gegen Ex-First-Lady Hillary Clinton seinen zuletzt schlingernden Wahlkampfexpress wieder ins Rollen gebracht. Bloß 12 Delegierte waren in den dürr besiedelten “Rocky Mountain”-Tälern vergeben worden. Doch Obama kann nun den Schwung in die nächste Runde am Dienstag im Südstaat Mississippi mitnehmen. Und er hatte den Triumph bitter benötigt – nach einer wahren Horrorwoche: Er verlor am “Mini Super Tuesday” in Texas, Ohio und Rhode Island drei wichtige Primaries – und verpasste die Chancen, Hillary endgültig K.O. zu schlagen. Dann musste seine Star-Beraterin Samantha Powers zurücktreten, da sie Hillary als “Monster” bezeichnete.
Die Clintons propagieren weiter ihre Idee eines “Dreamteams”: “Hillary gewinnt am Land, Obama in den Städten”, schwärmte jetzt Bill Clinton: “Zusammen sind sie eine unaufhaltsame Kraft”. Die Welt wird hier elegant auf den Kopf gestellt”, so TV Kommentator Chris Matthews. Denn Hillary bietet Obama den Vizeposten an, obwohl der nach Delegiertenstimmen klar mit 1.588 zu 1.465 führt. Obama musste daher neuerlich den angebotenen Vize-Posten ablehnen. Durch die clevere “psychologische Kriegsführung” der Clintons wirkt er nun als “machthungrig”, so Beobachter. Immerhin: 69 Prozent der Parteibasis würde sich laut “Newsweek”-Umfrage das Antreten beider wünschen.
Da Hillary bei Delegierten, die aufgrund der Wahlergebnisse zugeteilt werden, Obama praktisch nicht mehr überholen kann, setzt sie nun auf eine Machtergreifung über Parteiinsider: Sie bearbeitet “Super-Delegierte” (die abstimmen können wie sie wollen), dass nur sie wegen ihrer “Erfahrung und Schlagkraft” Chancen auf das Oval Office habe. Teil dieser Taktik ist: Obama weiter mit Dreck zu bewerfen. Und Hillary fordert, dass ihre “Siege” in den, von der Parteiführung boykottierten Staaten Michigan und Florida doch zählen. “Die Clintons wollen Obama den Sieg stehlen”, schimpft Ex-Clinton-Berater Dick Morris: “Er muss sich rasch zur Wehr setzen”.

# 9. März: Siegermarke 2.025 in weiter Ferne…

Auch bei den Primaries in Mississippi (40 Delegierte) am Dienstag gilt Barack Obama – auch wegen 38 Prozent Afroamerikaner-Population – als Top-Favorit. Hillary will ihr jüngstes Comeback am 22. April in Pennsylvania (188 Delegierte) fortsetzten: Dort ist der soziale Mix ähnlich dem in Ohio, wo sie Obama mit 54 zu 44 Prozent überrollte. Doch selbst mit einem Sieg dort und in Indiana (85 Delegierte) sowie North Carolina (134 Delegierte) zwei Wochen später würde Hillary weiter hinter Obama zurückliegen. Obamas Dilemma hingegen: Ohne die 313 Delegierten der ungültigen Primaries in Florida und Michigan kann auch er die magischer Siegermarke von 2.025 kaum überqueren. Hillary fordert weiter, dass die Resultate dort zählen. Sie gewann beide. Obama, dessen Vorsprung um 56 Delegierte schrumpfen würde, beharrt: Es gab dort keinen Wahlkampf – und Hillary siegte, wegen ihres berühmten Namen.

# 7. März: Thriller-Autorin Chelsea Chain lagt Band II ihre Trilogie vor: „Female Hannibal…“

Portland, Oregon. 568.000 Einwohner, die nach Seattle und Vancouver drittgrößte Stadt im “Pacific Northwest” Nordamerikas. Die Krimiautorin Chelsea Cain (36) liebt diesen Ort. Auch wenn sie sich nichts vormacht: “Ein halbes Jahr Regen pro Jahr – und das um zehn Grad”, scherzt sie. Bei diesem Wetter, fährt Cain mit ihrer gewinnenden Ausstrahlung und redseliger Natur fort, könne man am ehesten “ein Musikinstrument lernen, Bücher schreiben – oder jemanden umbringen…” Sie entschied sich fürs Bücherschreiben.
Auch wegen Erinnerungen aus ihrer Jugend: In der Oregon-Metropole begann der als “Green River Killer” berüchtigte und mit 48 Opfern vielleicht perfideste Serienmörder der US-Geschichte seine Mordserie, die 20 Jahre lang die Pazifikküste in Angst und Schrecken versetzte. Cain lebte als Kind in Seattle, wo laufend neue Leichen auftauchten. Und die meisten Opfer waren “sehr jung”, so Cain. Zehn Jahre alt sei sie gewesen damals. Eingraviert sei als Kindheitserinnerung: “Der tötet Kids!” Als dem Killer, Gary Leon Ridgway (59), 2001 schließlich das Handwerk gelegt wurde, zog Cain vor allem die fanatische Jagd der speziellen “Task Force” in den Bann: “Ich sah diese engagierten Kriminologen auf CNNs Larry King, die sich bei der Jagd nach diesem Monster aufopferten”. Inspiration genug, eine Thriller-Trilogie mit Serienkillers und einem engagierten Cheffahnder zu beginnen. Natürlich hat das literarische Blutbad einen recht pikanten Twist: Es ist eine Killer-IN!
Der Held ist Detektiv Archie Sheridan, der in Teil Eins mit dem deutschen Titel “Furie” (Limes-Verlag, Februar 2007), zehn Jahre lang die Serienmörderin Gretchen Lowell jagt. Letztendlich nimmt sie ihn gegangen, foltert den Mann von der Mordkommission zehn Tage lang. Sie lässt ihn gehen, stellt sich. Dennoch: Er kommt nicht los von ihr, besucht sie im Knast. Seine Ehe geht fast kaputt, jede Nacht fährt er hoch – schweißgebadet von erotischen Träumen über die eiskalte Mörderin. Und sie hilft ihm bei der Jagd nach einem neuen Serienmörder. Ein weiblicher Hannibal aus dem “Schweigen der Lämmer”. Ein Vergleich, der Cain gar nicht stört. Immerhin: “Die Romane von Jane Eyre sind ja fesselnd genug”, lacht sie. In den USA landete Furie (“Heartsick” im Originaltitel) prompt auf Platz Acht der wichtigsten Bestsellerliste der “New York Times”.
Anfang März erscheint der mit Spannung erwartete Teil II von Archies mörderisch-erotischen Abenteuern: “Grazie” (Limes, 380 Seiten). “Was als leicht perverse Liebesgeschichte begann”, so Cain, “wird in Teil zwei weiter vertieft”. Archies Besuche bei Killerin Gretchen sind ihm zum “eigenen Schutz” inzwischen untersagt, als er hört, sie sei von einem Wärter vergewaltigt und verprügelt worden. Archie setzt sich für ihre Verlegung ein, ohne zu realisieren, dass er damit Teil ihres Fluchtplanes wird. Als sie ihn während der Flucht kontaktiert, flammt seine schlummernde Besessenheit wieder auf. Freiwillig steigt er in ihren Wagen. Beide fahren in eine einsame Hütte in den Bergen. Ein neue Runde an Obsession und Manipulation beginnt.
Cain ist berüchtigt, für ihren drastischen, blutrünstigen Stil: Ein befreundeter Autor hatte sie dazu gedrängt, Szenen in Teil I noch detailreicher und grausamer zu beschreiben. In Teil II des Thrillers fokussierte sie auf die “sexuelle Natur der mysteriösen Beziehung zwischen dem Cop und der schönen Mörderin”, wie sie sagt. In der Figur der Reporterin Susan Ward beschreibt sie sich großteils selbst, “jedoch ohne der violettfarbenen Perücke, die ich zu meinem eigenen Amüsement eingeführt hatte”, wie sie lacht.
Könnte ihre eigenwillige Thriller-Serie um die mörderische “Femme Fatale” schon bald Hannibal auch im Kino ablösen? Die Filmrechte sind bereits verkauft. Ein steile Karriere jedenfalls für eine Lokal-Reporterin, die in einer Hippie-Kommune aufwuchs – nachdem sich ihr Vater als Vietnamkriegs-Verweigerer jahrelang im Untergrund aufhielt.
Nochmals präzisiert sie, warum ihr geliebtes Portland so ideal ist als Tatort der Bücher: Selbst die spektakuläre Landschaft – die Entlohnung für das meteorologische Ungemach sein sollte – sei “mörderisch”, sagt sie: “Menschen werden beim Baden von treibenden Baumstämmen erdrückt, von tückischen Strömungen ins Meer hinausgetragen, beim Snowboarden von Lawinen verschüttet”. Es schiene, schließt sie, als würde uns diese pure Schönheit umbringen”. Ein ideale Kulisse jedenfalls für eine Thriller-Trilogie.

# 6. März: Hillarys Tricks: „Gemeinsame Kandiatur?“

Washington. Nach ihrem Sieg am „Mini Super Tuesday“ präsentiert sich Hillary Clinton nun geschickt als Top-Favoritin im Demokraten-Vorwahlkrimi – obwohl sie in der Delegiertenzählung mit 1.465 zu 1.573 weiter hinter Barack Obama zurückliegt und mit ihren Siegen in Texas, Ohio und Rhode Island bloß zwölf Delegierte aufholte. Sie regte eine „gemeinsame Kandidatur“ an und appellierte damit an die wachsende Harmoniebedürftigkeit vieler Demokraten nach der Schlammschlacht der letzten Wochen. Hillary suggerierte sogar, dass sie das „Dreamteam“ mit Obama anführen sollte.
Obama winkte irritiert ab und reklamierte den Sieg in Texas für sich. Denn parallel zu den dortigen Vorwahlen – die Hillary gewann – führt Obama bei der gleichzeitig abgehaltenen Abstimmung unter Parteimitgliedern („Caucus“).
Die Zeichen stehen auf Sturm: Nach den Vorwahlen in Wyoming am Samstag und Mississippi am Dienstag, bei denen Obama favorisiert wird, setzt Hillary auf Pennsylvania am 22. April. Ihre Taktik: Sie will Obama noch stärker als unerfahrenes „Greenhorn“ denunzieren. Doch Obama will sich nichts mehr gefallen lassen: Er mahnte die Veröffentlichung von Hillarys Steuererklärung ein. Die Wähler sollten sehen, mit welchen Deals die Clintons ihren Wahlkampf finanzierten. Auch alte Clinton-Skandale sollen ausgegraben werden. Obama führe sich auf wie Lewinskky-Gate Sonderermittler Kenneth Starr, tobte ein Clinton-Sprecher. „Sieben Wochen Krieg“, sah die New York Daily News eine Eskalation bis zur Pennsylvania-Primary voraus. Geld haben beide genug: Obama sammelte 55 Millionen Dollar im Februar, Hillary vier Millionen allein in den 48 Stunden nach ihren jüngsten Siegen.
Der Wahl-Thriller führt die Demokraten in ein handfestes Dilemma. Da Hillary Obama nach „gewählten Delegierten“ kaum mehr überholen kann, setzt sie auf einen Sieg abseits der Wahlurnen: 350 unentschlossene „Super Delegierte“ – Parteigrößen und Funktionäre, die abstimmen können, wie sie wollen.

# 5. März: Hillarys Comeback Nr. 3

Da stand Ex-First-Lady Hillary Clinton (60) im Konfettiregen in Columbus, Ohio. “Wir marschieren weiter”, rief sie in die tosende Menge, ihre Stimme heiser, doch das Gesichts erstmals wieder entspannt: “Wir schaffen es!” Zum zweiten Mal wäre Hillarys lebenslanger Traum, als erste Frau der US-Geschichte ins Oval Office einzuziehen, beinahe zerplatzt: Doch wie in New Hampshire im Jänner schaffte sie nun mit Sensationssiegen gegen Frontrunner Barack Obama in Ohio (54 zu 45 Prozent), Texas (51 zu 47 Prozent) und Rhode Island (58 zu 40 Prozent) ein Comeback in letzter Sekunde. “Comeback Kid”, titelten wieder die Massenblätter.
Obama, der am “Mini Super Tuesday” nur Vermont gewann und dessen unheimliche 12 : 0 Siegesserie apprupt endete, verpasste neuerlich die große Chance, den epischen Titanen-Thriller in den Demokraten-Vorwahlen für sich zu entscheiden. Mit dem nun von Hillary vorerst gestoppten “Obama-Express” könnte der Krimi bis zum Nominierungs-Parteitag in Denver Ende August dauern. Die nächsten Stationen: Kommenden Samstag folgt der “Caucus” in Wyoming, dann Primaries in Mississippi am Dienstag und Pennsylvania am 22. April.
Dem Dems droht eine Zerreißprobe:
# Obama führt auch nach den jüngsten Niederlagen in der Delegiertenzählung weiter mit 1.477 zu 1.391 (die magische Siegermarke ist 2.025). Hillary kann ihn wegen des komplexen, proportionalen Wahlsystem bei “gewählten Delegierten”, die fix nach Wahlresultaten vergeben werden, praktisch nicht mehr einholen. Obama im US-Frühstücksfernsehen: “Wer die meisten Delegierten hat, muss der Kandidat sein“. Nachsatz: “Deshalb gibt es ja Wahlen”.
# Hillary hofft aber auf die 800 “Super Delegierten”, Parteigrößen und Funktionäre, die unabhängig vom Wählerwillen abstimmen können: Sie will die Parteiführung – abseits der Wahllokale – beschwören, dass sie durch ihre Erfahrung die schlagkräftigere Kandidatin im Kampf gegen Republikaner-Kandidaten John McCain sei. Hillary: “Es geht darum, wer die beste Oberkommandierende ist“, polterte sie in der NBC-“Today Show”.
Vor allem eine eskalierende Schlammschlacht wird befürchtet: Hillarys Untergriffe – wo Fotos von Obama in Moslemtracht in Umlauf gebracht und Eltern per TV-Spot gewarnt wurden, ihre Kids wären mit dem “Greenhorn” im Oval Office nicht sicher – wurden zum Fundament ihres Comebacks: Zwei Drittel der Wähler, die sich im letzten Moment entschieden, stimmten für sie. Dazu eroberte sie laut “Exit Polls” ihre Kernwählerschichten zurück: Weiße Frauen, Wenigverdiener, Alte und Lationos.
In dem “Demokraten-Bürgerkrieg”, so US-Medien, könnte auch die Debatte um die von der Parteiführung boykottierten Primaries in Michigan und Florida wieder aufflammen. Sogar eine Wiederholung wird überlegt. Die demokratischen Wähler sind offenbar der Odyssee noch nicht überdrüssig: Laut “Washington Post”-Umfrage wünschten sich über 60 Prozent, dass das Rennen weitergeht.

# 5. März: Big Mac

Vietnamheld John McCain (71) war am Ziel: Bei einer pompösen Zeremonie im White House übergab der amtierende US-Präsident George W. Bush per offizieller Wahlempfehlung McCain symbolisch die Fackel als Bannerträger der konservativen “Grand Old Party” (GOP). McCain hatte mit vier Siegen in Texas, Ohio, Rhode Island und Vermont die Siegermarke von 1.191 Delegierten in den Republikaner-Vorwahlen überquert. Sein verbliebener Kontrahent, Prediger Mike Huckabee (52), warf das Handtuch.
Amerika staunt über “Lazerus” McCain, den von den “Toten geweckten”: 2000 von Bush mit einer miesen Schmutzkübelkampage aus dem Vorwahl-Rennen geworfen, war seine Kampagne beim zweiten Versuch noch vor Monaten knapp an der Pleite vorbeigeschrammt. Doch nun rüstet “Comeback Kid” McCain zur finalen Schlacht gegen die “Dems” um das Oval Office.
Und er könnte wegen des eskalierenden Krieges zwischen Hillary Clinton und Barack Obama zum “lachenden Dritten” werden, so US-Medien: Während seine möglichen Gegner alle Ressourcen in ihrem Vorwahlkrimi aufbrauchen und sich gegenseitig demolieren, kann McCain in aller Ruhe seine Kriegskasse auffüllen, die Partei hinter sich einen und schlagkräftige Wahlkampfstrategien austüffteln. Konturen wurden bereits sichtbar: McCain will kein “Aufgeben im Irak”, massive Steuersenkungen und eine Reduktion der Washington-Bürokratie.
Im Umfragenschnitt laut “Realclearpolitics” liegt er mit Hillary mit 46,2 zu 46 Prozent gleichauf, gegen Obama mit 42,7 zu 47,3 zurück. Mehr als über den Sieg des Haudegens, der als POW über fünf Jahre in der Dschungelhölle Vietnams festsaß, freut sich vor allem der rechte Parteirand über die Scharmützel bei den “Dems”. Der ultrarechte Radiotalker Rush Limbaugh hatte Hörer sogar aufgefordert, für Hillary zu stimmen, damit die “Seifenoper weitergeht”.

# 4. März: Secret of Obamas Success

Demokraten-Senkrechtstarter Barack Obama spürt die Konsequenzen seiner faszinierenden Transformation vom Underdog zum Favoriten hautnah: Die Attacken seiner parteiinternen Kontrahentin Hillary Clinton und Republikaner John McCain prasseln derart hart und häufig auf ihn nieder, dass seine Top-Strategen im Wahlkampf-Headquarter die Litanei neuer Vorwürfe jeden morgen erst einmal aussortieren müssen. Auf einige Attacken wird reagiert, die meisten jedoch ignoriert.
Obama, nun mehr Zielscheibe als Medien-Darling, setzt auf jene Stärken, die ihn vom hoffnungslos abgeschlagenen Träumer zum “Messias der US-Politik”, so seine Fans verklärt, katapultierten:
# Seine gut geölte Spendensammel-Maschinerie spült weiter Rekordsummen in seine Kriegskasse: 32 Millionen Dollar waren es im Jänner – um die 50 Millionen im Februar. Die Wähler in Ohio und Texas konnte er daher mit einem Inferno an TV-Spots bombardieren. Mit 18,4 Millionen gab er doppelt so viel aus wie Hillary.
# Obama versucht trotz vehementer Attacken den Positivwahlkampf fortzusetzen. Der Politrockstar setzt weiter auf seine frohe Botschaft des Wandel, eines “Zusammenführen der gespaltenen Nation”, wie der Massenmagnet in mit 20.000 Fans vollgepferchte Stadien ruft. Mit dieser Aufbruchsstimmung löste Obama “eine der faszinierendsten Bewegungen seit den Kennedys aus”, so Beobachter.
# Obama kann – anders als Kontrahentin Hillary Clinton, die ihre Wahlkampfchefin feuern musste – auf ein straff geführtes, effektives Kampagnenteam bauen: Seine exzellenten “Bodentruppen”, lokale Teams in den jeweiligen Vorwahlstaaten, werden für die jüngste, unheimliche Siegesserie als Geheimwaffe genannt, wo er Hillary elf Waterloos in Serie zufügte.

# 4. März: Hillary kämpft verbissen

Angriffige Tiraden, messerscharfe Rhetorik und ein Griff tief in den Schmutzkübel: Hillary Clinton zog bei ihrem verzweifelten Kampf um ein Comeback Stunden vor der nächsten Runde des Titanen-Thrillers der Demokraten mit Vorwahlen in Texas, Ohio, Rhode Island und Vermont praktisch alle Register. Mit elf Niederlagen in Serie gegen Charismabombe Barack Obama hatten sie Politologen bereits in den Seilen hängen sehen. Doch Hillary drehte den Spieß, zumindest rhetorisch, einfach um: Als “fröhliche Kriegerin” (“New York Times”) strotze sie plötzlich vor Selbstbewusstsein, behauptete sogar, das Pendel schwinge nun in ihre Richtung! Die Wähler hätten endlich durchschaut, so Hillary, dass “Träumer” Obama bloß “all talk” und “no action” sei – schöne Reden aber keine Taten.
Die taktischen Blendgranaten sollten von der bitteren Wahrheit ablenken: In der Delegierten-Zählung lag die Ex-First-Lady vor dem “Junior Super Tuesday” mit 1.276 zu 1.386 zurück. Experten halten es für fast ausgeschlossen, dass sie noch vor Obama die Siegermarke von 2.025 überqueren kann. Doch Hillary hoffte, durch ihre kämpferischen Auftritte zumindest die “Super-Delegierten” überzeugen zu können: Diese fast 900 Parteigrößen und Funktionäre könnten den historischen Krimi letztendlich entscheiden.
Hillary setzte in ihrer jüngsten Offensive nicht mehr auf Emotionen und Tränen. Sie blies zum Halali auf Obama – mit einem Arsenal an Untergriffen:
# In einer TV-Werbung mit friedlich schlummernden Kids suggerierte sie, dass nur sie die Erfahrung habe, die zu beschützen – falls um 3 Uhr früh im White House das Telefon klingele, “da etwas passiert ist in der Welt”, so der Spot. “Panikmache”, tobte Obama.
# Ein Foto, das Obama in islamischer Tracht samt Turban bei einem Afrika-Trip 2006 zeigt, wurde in Umlauf gebracht. Obama, Mittelname Hussein, sollte als verkappter Moslem denunziert und Wähler verschreckt werden. Obama musste klarstellen: “Ich bete täglich zu Jesus”.
# Weidlich schlachtete Hillary die Affäre “NAFTA-Gate” aus: Wegen Jobverlusten in Ohio wollte Obama die Nordamerikanische Freihandelszone mit Mexiko und Kanada “neu verhandeln”. Doch gleichzeitig soll ein Obama-Helfer in einem Geheimtreffen Kanada-Diplomaten beruhigt haben.
Unter Druck geriet Favorit Obama auch, nachdem Judengruppen die Unterstützung des radikalen Schwarzenführers Louis Farrakhan und des wortgewaltigen Predigers Jeremiah Wright anprangerten. Prompt musste er sich von beiden distanzieren. Hillary nützte Obamas “jüdisches Problem” mit einer Litanei israelfreundlicher Erklärungen aus. Die “Kämpferin” Hillary, wie sie sich zuletzt nannte, zeigte jedenfalls wenig Lust, frühzeitig das Handtuch zu werfen: “Ich bin erst beim Aufwärmen”, protzte sie.

# 3. März: Droht „Dems“ der Super-GAU

Kurz vor seinem möglichen, endgültigen Vorwahl-Triumph wollte der Politrockstar der Demokraten, Barack Obama, letzte Zweifel ausräumen. “Ich bin ein devoter Christ”, rief er den Massen in Toledo, Ohio, zu: “Ich bete jeden Tag zu Jesus!” Obama möchte die brodelnden Gerüchteküche stilllegen, er sei Moslem – wie sein kenianischer Vater. Zuletzt kursierten Obama-Fotos, wo er in islamischer Tracht samt Turban bei einem Afrika-Trip zu sehen ist.
Noch nie war die Chance für Obama so groß, Kontrahentin Hillary Clinton in dem historischen Titanen-Thriller endgültig niederzuringen: Am “Junior Super Tuesday”, mit Primaries in Texas, Ohio, Rhode Island und Vermont, könnte der umjubelte “schwarze JFK” nach seiner früheren, unheimlichen 11 : 0 Siegesserie gegen Hillary alles klar machen. “D-Day”, bezeichnete Ex-Kandidat Bill Richardson den Vorwahltag, “Decision Day”, Tag der Entscheidung. “Hillarys letztes Gefecht”, titelten US-Blätter.
Doch Umfragen deuteten Stunden vor dem Aufsperren der Wahllokale auf dramatische Kopf-an-Kopf-Rennen: In Texas lag Obama laut MSNBC mit 46 zu 45 praktisch gleichauf mit Hillary, im von der US-Wirtschaftsflaute besonders devastierten Ohio führte die bei einfachen Arbeitern populäre Hillary laut der Zeitung Cleveland Plain Dealer mit 47 zu 43 Prozent. Reuters/Zogby hat Obama knapp voran. Klar ist nur: Hillarys frühere Riesenvorsprünge sind in beiden Staaten pfutsch. Einst hatte ihr Team erklärt, dass sie – in der Delegiertenzählung mit 1.279 zu 1.389 (2.025 sind zum Sieg nötig) zurück – zwei “klare Siege” dort für ihr geplantes “Comeback” brauche. Jetzt werden die Erwartungshaltungen runtergeschraubt: Schon ein Sieg, in Ohio etwa, würde ihre weitere Wettbewerbsfähigkeit illustrieren.
Ein Horror-Szenario für die “Dems”: Während sich der Republikaner John McCain schon in Ruhe auf die finale Schlacht ums White House vorbereiten kann, würde ein Fortgang der deftige Schlammschlacht die Demokraten-Chancen mindern, so Experten. Parteigrößen erhöhen daher den Druck auf Hillary: Bleiben Triumphe aus, solle sie das Feld räumen.

# 2. März: Wieder Thriller

Die nächste Runde im epischen Demokraten-Vorwahlkampf zwischen Barack Obama und Hillary Clinton – und die nächsten Thriller: Stunden vor den Vorwahlen am sogenannten “Junior Super Tuesday” in Texas, Ohio, Rhode Island und Vermont – wo 441 der total 4.049 der Delegierten-Stimmen ermittelt werden – zeigen letzte Umfragen dramatische Kopf-an-Kopf-Rennen. In Texas (228 Delegierte) führt Obama knapp mit 45 zu 43 Prozent, in Ohio (161) liegen beide mit 45 Prozent gleichauf, in Rhode Island (32) ist Hillary mit 49 zu 40 Prozent voran, Vermont (23) dürfte Obama mit 57 zu 33 Prozent in der Tasche haben. Nach einer 0 : 11 Niederlagen-Serie seit Super Tuesday braucht Hillary dringend Siege in Texas und Ohio. In der totalen Delegiertenzählung, die entscheidet, wer für die “Dems” um das Oval Office antritt, liegt sie mit 1.389 zu 1.279 zurück. Selbst Gatte Bill sagte: Neuerliche Waterloos in diesen Staaten, und “alles könnte aus sein”. Obama kämpft daher um den ultimativen K.O.-Schlag in der Vorwahl-Odyssee: 18,4 Millionen Dollar investierte er allein in TV-Werbungen, doppelt so viel wie Hillary.

# 1. März: „Es ist drei Uhr früh und die Kinder schlafen…“

Wenige Tage vor der nächsten Runde im Vorwahl-Thriller der Demokraten in Texas, Ohio, Rhode Island und Vermont zückt Hillary Clinton nun die Angstkarte im immer aussichtsloser scheinenden Kampf gegen Frontrunner Barack Obama: In einem TV-Spot sind zwei friedlich in ihren Betten schlummernde Kids zu sehen. Das Läuten eines Telefons ist zu hören. “Es ist 3 Uhr und ihre Kinder sind sicher und schlafen”, sagt eine Stimme beschwörend. Es folgt die Kernfrage: Wer soll das Telefon im Oval Office abheben, wenn etwas schlimmes in der Welt passiert? In schrillsten Tönen will die wankende Hillary nun vor Obamas “Unerfahrenheit” warnen. Obama konterte: Es solle offenbar “Angst” geschürt werden, die Werbung gleiche einem “Verzweiflungsakt”. Binnen Stunden schaltete sein Team einen Gegenwerbung. Sarkastischer Tenor: Obama hätte – anders als Hillary – bei einem Anruf um 3 Uhr morgens den Irakkrieg etwa nicht genehmigt. Hillary braucht am Dienstag dringend Erfolge: In Texas führt laut “Fox News”-Umfrage knapp Obama mit 48 zu 45 Prozent, in Ohio Hillary mit 46 zu 38 Prozent.

# 1. März: „Der Hai hat keine Schuld!“

Die See ist ruhig. Die Morgensonne spiegelt sich im glasklaren Wasser. Es ist türkisblau, so intensiv, wie es das nur in der Karibik gibt. Vor der Küste der Bahamas schaukelt das 21 Meter lange, speziell für Tauchtrips modifizierte Boot “Shear Water”. Kurz zuvor war die Tauchergruppe mit ihren Instruktoren nach sieben Stunden recht ruppiger Überfahrt vom 92 Kilometer entfernten Riviera Beach, Südflorida, angekommen. Fische werden als Köder über Bord geworfen. Prompt umkreisen Schwärme hungriger Haie das Schiff: Bullen-, Tiger-, Zitronen- und Hammerhaie, die nach dem “Great White” mit Längen zwischen 3,5 und 5,5 Meter majestätischsten der berüchtigten “Preditors” der Weltmeere. Der Tag soll zum Höhepunkt der Taucher werden: Hautnah an einer Fütterung der Haie am Meeresgrund, totale Tuchfühlung, kein Käfig. Der ultimative Kick.
Doch Stunden später kreist ein Helikopter der US-”Coast Guard” über dem Boot, Tauchlehrer winken frenetisch um Hilfe. Der idyllische Sonntag-Morgen endet in einer historischen Tragödie: Der Wiener Anwalt Markus Groh (49) war von einem Bullenhai am Unterschenkel gebissen worden – und verstirbt am Folgetag im “Jackson Memorial Hospital”. Tierschützer und Tauchexperten wundern sich: Groh wurde zum ersten Todesopfer einer Haifütterung. Sein Tod löste in Österreich Trauer aus – und in den USA eine heftige Debatte über die Praxis der Haiköderung.
Tour-Organisator Jim Abernethy, berühmt als “Vater” der Haifütterung ohne Tauchkäfige, verweigert nach Grohs Tod weiter jegliche Stellungnahme. Doch nun enthüllt im Gespräch mit mir der mit Abernethy befreundete Doku-Filmer Rob Stewart, was sich in jenen fatalen Morgenstunden am Meeresgrund tatsächlich abspielte. “Ich habe mehrmals mit Jim telefoniert”, sagt der “Hai-Fürsprecher”, wie ihn die US-Medien nennen und dessen Film “Sharkwater” zum internationalen Hit wurde. Er sitzt an einem Pier im “Biscayne National Park”, schüttelt den Kopf: “Es war ein schrecklicher Unfall – eine furchtbare Verkettung von Umständen”.
Was ist wirklich passiert? Zur Fütterung werden zerhackte, noch blutende Fischstücke, meist Makrelen, in einen löchrigen Plastikbehälter gepackt. Ein Profitaucher wird, so Stewart, der Abernethy auf solchen Trips früher begleitete, zum Köderverantwortlichen, zum “Shark Rodeo Guy”, einer Art Zeremonienmeister. Die Gruppe taucht zum Meeresgrund – und formiert sich im Halbkreis um ihn. “Sie bilden eine kleine Arena”, so Stewart. Markus Groh und sieben seiner Tauchkumpel aus Österreich dürften am sandigen Grund gekniet haben. Idealerweise sollten sie mindestens drei Meter vom Köder entfernt sein. Binnen Sekunden rasen die eleganten Körper der Riesenhaie am Köderkäfig und den Tauchern vorbei.
Beim ersten Mal bliebe einem fast das Herz stehen, sagt der Hai-Fan. Doch Momente später sei alle Furcht vor den angeblichen Killern verflogen, so Stewart: “Wer Haie unter Wasser trifft, hat keine Angst mehr vor ihnen”. Es sei ein einzigartiges Erlebnis, schwärmt er weiter: “Dutzende Haie umkreisen dich, sind Zentimeter entfernt, mitunter stuppsen sie an mit ihren Flossen”. Doch an diesem Morgen im fahlen Licht in 25 Meter Tiefe kommt es zur Katastrophe: Die Haie beginnen, extrem aufgeregt durch den plötzlichen Futtersegen, die Fischteile zu verschlucken. Groh ist offenbar zu knapp am Futterkorb. Ein Hai nimmt den Behälter ins Maul, versucht damit wegzuschwimmen – und kollidiert mit dem Österreicher. Groh wird umgestoßen, dabei vom Meeresgrund mächtig Sand aufgewirbelt. Abernethy, der sich den Vorfall von seinen Tauchlehrern detailliert schildern ließ, erzählte seinem Freund über die entscheidenden, tragischen Sekunden: Als der durch den wirbelnden Sand “blinde Hai” die Köderkiste wieder erwischen will, beißt er “irrtümlich” in Grohs Bein. Schwer blutend steigt der, eskortiert von drei Tauchern, zur Meeresoberfläche auf.
Der vorläufige Obduktionsbericht widerspricht ersten Theorien, dass Groh durch das zu rasche Auftauchen an einer Lungendehnung starb. Er sei vielmehr “verblutet”, zitiert die Miami-TV-Station NBC6 behandelnde Ärzte. Dabei sei die Shear Water mit exzellenten Erste-Hilfe-Geräten ausgestattet. Es sei sofort ein Druckverband angelegt worden, so Stewart, wie er sonst bei Schussopfern verwendet wird – und die Coast Guard verständigt.
Abernethy sei “am Boden zerstört”, berichtet sein Freund: Er bekomme nicht aus dem Kopf, dass ihm Groh zwei Tage vor dem Trip ein Bild seiner Tochter zeigte. Nun tobt die Debatte um das Haifüttern: In Florida war die Praxis im Jahr 2001 verboten worden. Deshalb musste Abernethy in die Bahamas ausweichen. Dort habe ihn, so ein CNN-Report, Neal Watson, Chef der Bahamas-Tauchervereinigung gewarnt: “Es war nicht eine Frage, dass einmal etwas passiert – sondern wann”. Doch es stünden auch kommerzielle Interessen am Spiel, sagt Stewart: Haitauchen ist eine Multimillionen-Dollar-Industrie. Und Watson betreibe selbst Touren. Dabei sei die Praxis für die Tiere ein Segen: Ohne diesen Touristenmagneten hätte die “lokale Fischer-Mafia” die Hai längst ausgerottet, behauptet Stewart. Und in den USA wären Köderungen im Rahmen eines generellen Fütterungsverbots wilder Tiere untersagt worden, nicht wegen “extremer Gefahr”. Doch auch Stewart schränkt ein: “Nur wirklich erfahrene Taucher sollten diese Trips in Erwägung ziehen”.
Abernethy, gegen den Privatanwälte Schadenersatzklagen prüfen, hat seine Tauchoperation keinesfalls eingestellt. Bei einem Lokalaugenschein am Dock hinter den Büro seiner Tauchoperation “Scuba Adventures” laden Helfer Tauchtanks in ein Boot. Neue Kunden sind eher willkommen als Reporter: “Verlassen Sie dieses Areal sofort”, droht ein Abernethy-Mitarbeiter prompt mit der Polizei.

# 1. März: Klagen gegen Organisator des Haitauchens?

Nach dem Tod des Österreichers Markus Groh könnten dem 50-Jährigen Tauchtour-Anbieter Jim Abernethy Millionenklagen drohen. Der Miami-Anwalt David Neblett bringt sich in einem Interview in Stellung. Sollten ihn Grohs Familienangehörige beauftragen, könnte er in kürzester Zeit eine Klage einbringen, “um die Ermittlungen gegen den Tauchanbieter voranzutreiben”, sagt er. Neblett preist seine spezielle Erfahrung durch das Vertreten von Opfern von früheren Tauchunfällen an. Seine Kanzlei “Miami Maritime Law” ist zusätzlich auf Rechtsfälle in Sachen Seefahrt spezialisiert. Fokus einer Klage wäre mögliches kriminelles Verhalten, “etwa durch das Brechen von Gesetzen in den Bahamas”, so Neblett, oder “Fahrlässigkeit”. In den USA werden in zivilrechtlichen Schadenersatzklagen oft Millionenbeträge für die Hinterbliebenen erstritten. Doch Neblett sieht auch Hürden: “Tauchveranstalter lassen ihre Kunden ein Rechtsdokument unterschreiben, das oft wasserdicht ist”. Darin stimmten die Kunden zu, alle möglichen Gefahren bewusst in Kauf zu nehmen und den Veranstalter schadlos zu halten. Doch was Groh wirklich unterschrieb, kann nur in einer Erhebungsphase festgestellt werden – die nur durch das Einbringen einer Klage beginnen kann. Über den Standort eines möglichen Verfahrens müssten lokale Gerichte entscheiden, so Neblett: Es könnte in Südflorida stattfinden, da Abernethy von hier aus operiert, oder den Bahamas, wo das Unglück passierte. Dem Haitauch-Pionier drohen nicht nur mögliche, private Millionenklagen sondern auch Ermittlungen der Bahamas-Behörden, der Miami-Polizei und der Coast Guard. Abernethys Hauptsorge: Dass ihm die Genehmigung in dem Karibikstaat für die populären Trips entzogen werden könnte.