# 31. Dezember: Obamas „neue Ära“


Barack Obama steht in der örtlichen Turnhalle der Kleinstadt Carolville in Iowa: “Jetzt oder nie”, donnert er: “Es ist Zeit für einen Wechsel!” An die Tausend sind gekommen, sie sitzen auf Klappstühlen, Tribünen, drängen sich auf Gängen. Darunter viele junge. Die Stimmung ist elektrisierend. Pärchen umarmen sich bei berührenden Redepassagen. Andere weinen sogar gerührt. Obama, cool mit offenem Hemdkragen und dunklen Maßsakko, verspricht einen frischen Start in Washington, eine “neue Ära”. Die Atmosphäre der Aufbruchstimmung zieht in der Halle alle in den Bann. Seine Rede, mit elegantem Tempowechsel vorgetragen fast wie eine Symphonie, reisst die Menge von den Sitzen: Laut und leidenschaftlich prangert er den Irakkrieg und das sonstige Versagen von George W. Bush an. Doch er rechnet auch mit den korrumpierten Politikerkasten in der US-Kapitale Washington ab.
Schafft Obama (46), wegen seines unbändigen Charismas und jugendlicher Dynamik “schwarzer JFK” getauft und faszinierendster Politiker seit Generationen, am Donnerstag bei der ersten Abstimmung der US-Vorwahlen 2008 in Iowa die Weltsensation? Ist der mögliche Triumph dort der Startschuss zu einem Siegeszug durch weitere “Primaries”? Wirft er die Top-Favoritin Hillary Clinton gar aus dem Renner? Kurz: Kann Obama Amerikas erster schwarzer Präsident werden? Jüngste Umfragen in Iowa deuten auf einen Thriller hin – zuletzt holte auch noch Ex-Senator John Edwards auf: Laut “Lee Institute” führen Obama und Edwards mit je 30 Prozent, Hillary liegt einen Punkt dahinter. Nur 1.000 Stimmen könnten entscheiden, so die “New York Times”.
Hillary, von Obama als Teil des Polit-Establishments denunziert, will sich nach jahrelangen Vorbereitungen ihren Traum vom Oval Office nicht in letzter Sekunde nehmen lassen. Nur sie hat die nötige Erfahrung, fleht sie fast bei ihren Auftritten: “Ich bin bereit am Tag Eins im Oval Office”, ruft sie. Sie warnt vor “Experimenten” in einer “gefährlichen Zeit”. Es sollen Zweifel gesät werden, ob “Greenhorn” Obama mit nur drei Jahren im Senat bereit sei, die Supermacht durch turbulente Zeiten zu steuern. “19 Jahre an Bushs und Clintons im Oval Office sind genug”, lasst sich Obama-Fan Freyja Stoltz nicht beeindrucken: “Es ist Zeit, was neues zu probieren”.

# 31. Dezember: Hillarys und Obamas Geheimwaffen

Hillary Clinton und Barack Obama können im Iowa-Wahlthriller jede Hilfe gebrauchen – und sie setzen auf ihre Ehepartner: Bill Clinton (61), vormals Präsident Nr. 42, absolviert in Iowa und New Hampshire (wo am 8. Jänner gewählt wird) einen regelrechten separaten Wahlkampf voller Lobpreisungen für seine Gattin. “Hillary kann am besten mit unvorhersehbaren Katastrophen fertig werden”, warnt er schrill. Bis zu fünf Wahlkampf-Auftritte absolviert der populäre Bill, nach wie vor eine Ikone bei den “Dems”, pro Tag. Obama setzt auf Frau Michelle (43), eine Karriere-Anwältin aus Chicago. Ihr Hauptthema bei ihren Auftritten in Iowa: Gatte Barack habe den richtigen “Charakter”, um die USA zu führen. “Man hatte ihm Millionen geboten in der Privatwirtschaft”, argumentiert Michelle: “Doch er verzichtete auf all das, um sich für Unterpriveligierte einzusetzen”. Genau diesen Geist brauche Amerika für einen “politischen Neubeginn”. Insgesamt 17 Iowa-Tours hatte Mrs. Obama in den letzten acht Monaten absolviert.

# 31. Dezember: Angriff der Bodentruppen in Iowa

In Iowa – wo Donnerstag Abends in 1.781 Wahlbezirken Demokraten und Republikaner in Parteiversammlungen (“Caucus”) die erste Kandidatenpräferenz der US-Präsidentschaftswahlen 2008 abgeben – ist bei den Kopf an Kopf liegenden Wahlkampfoperationen von Hillary Clinton, Barack Obama und John Edwards ein regelrechter Bodenkrieg um jede einzelne Stimme ausgebrochen: Armeen von Freiwilligen durchsuchen Datenbanken nach potentiellen Teilnehmern, rufen rund um die Uhr Hunderttausende an, klopfen an Haustüren. Hillarys Helfer verteilten sogar Schneeschaufeln, damit für Ältere der Weg zur Parteiversammlung notfalls geräumt werden könne. Nur 125.000 Menschen nahmen an den Abstimmungen 2004 teil. Vor allem die Operation Obama hofft, mehr seiner jungen Fans motivieren zu können. Die Großoffensive ist über ein Jahr lang vorbereitet worden: Immer ausgeklügeltere Datenbanken stehen bereit. Die Bürger Iowas sind jedoch erschöpft: “Über zehn Anrufe pro Tag gibt es”, erzählt ein Polizist: “Ich hoffe es ist bald vorbei”.

# 29. Dezember: Hillary: „Nur ich kann den Karren aus dem Dreck ziehen!“

Demokraten-Star Hillary Clinton hat im Finale des Wahlkampfes in Iowa beinahe ihr Stimme verloren. “Seid ihr bereit, euch für die Präsidentschaft zu entscheiden?”, krächzt sie in einer Schulhalle im Nest Carroll. Die Menge, gut 300 ältere Hillary-Fans im Strickpullover, nehmen ihren Totaleinsatz mit lautstarkem Jubel begeistert an. Die Ex-”First Lady” hat heuer 100 Millionen Dollar gesammelt, hunderte Reden gehalten und eine gefürchtete Wahlkampfmaschinerie aufgebaut – jetzt steht sie knapp vor dem Ziel: Mit einem Triumph beim “Iowa Caucus” in fünf Tagen, der ersten Abstimmung der Präsidentschafts-Vorwahlen 2008, will sie gegen ihre parteiinternen Rivalen Barack Obama und John Edwards eine frühe Vorentscheidung erzwingen. “Gewinnt sie in Iowa, ist sie kaum mehr zu stoppen”, sagt der TV-Kommentator Tim Russert.
Doch laut jüngsten Umfragen dürfte es ein Thriller werden. Hillary rackert deshalb bis zur Erschöpfung. Als ich sie beim Wahlkämpfen beobachte, hat sie bereits drei Stopps hinter – und noch einen vor sich. Gewohnt durchgestylt mit Föhnfrisur und Hosenanzug spult sie 45 Minuten lang ihre zentrale Botschaft ab: Nur sie habe durch die acht Jahre an Bill Clintons Seite im White House und sechs Jahren im Senat genug Erfahrung, um nach George W. Bush den “Karren aus dem Dreck zu ziehen”, wie sie unter dem Gejohle der Menge ruft. Und die Zeit sei “zu ernst für Experimente”, so Hillary. Gemeint ist Obama, der mit jugendlichem Charisma als “farbiger JFK” für Furore sorgt, jedoch erst drei Jahre im Senat am Buckel hat.
“Ich erinnere mich gut an meine Treffen mit Benazir Bhutto”, benennt sie die Ermordung der pakistanischen Ex-Premierministerin als Beispiel, durch welch turbulente Zeiten die Supermacht USA zu steuern sein dürfte. Und der Stapel an Problemen, den George W. Bush “auf seinem Schreibtisch im Oval Office hinterlässt ist überwältigend”, so Hillary: Der Irakkrieg, kaputtes Gesundheitswesen, neun Billionen Dollar Staatsschulden, Klimawandel. Das alles bedürfe bewährter Leadership. “Sie kennt das White House in- und auswendig”, hat sie den 73-jährigen Zuhörer Max Irlmeier überzeugt. Und: “Sie kann jederzeit Bill um Rat fragen!”

# 29. Dezember: Hillary in Umfragen unter Druck

Jüngste Meinungsforschungsdaten belegen, dass Hillarys Siegeszug – trotz deutlicher Führung in nationalen Umfragen – noch leicht entgleisen könnte: Laut “L.A. Times/Bloomberg”-Umfrage liegt sie in Iowa, der ersten Abstimmung der Vorwahl-Saison am 3. Jänner, nur knapp mit 29 Prozent vor den Parteirivalen Barack Obama (26 %) und John Edwards (25 %). Und auch in New Hampshire, wo fünf Tage nach Iowa die ersten “Primaries” stattfinden, hat Hillary ihren einst deutlichen Vorsprung eingebüsst: Dort führt nun Obama knapp mit 32 zu 30 Prozent. Noch im September schien Hillary den wichtigen Vorwahl-Staat mit 19 Prozent Vorsprung fast fix in der Tasche zu haben.

# 29. Dezember: Hillary, Frau des Jahres 2008?

Demokraten-Superstar Hillary Clinton (60) hat eine recht aufregende Liste an Neujahrswünschen: Ihren parteiinternen Top-Kontrahenten Barack Obama in den am 3. Jänner in Iowa beginnenden Vorwahlen niederringen, als Demokraten-Kandidatin für die Schlacht ums Oval Office nominiert – und erste Präsidentin in der 231-jährigen US-Geschichte werden. Gehen ihre Wünsche in Erfüllung, wird die Ex-First-Lady und New York-Senatorin – als “Hillary” eine der meistbewundertsten Personen des Erdballs – 2008 die Frau des Jahres. Knapp vor den ersten Testwahlen in Iowa erreicht der Hillary-Hype in den US-Medien immer schrillere Dimensionen: Nach jahrelangem Entgegenfiebern ist nun jene historische Sternstunde plötzlich in Greifweite, wo Hillary als erste Frau die Supermacht USA lenken könnte.
Doch sie hat 2008 recht hohe Hürden zu überqueren, damit es tatsächlich das “Hillary-Jahr” wird:
# In den ersten beiden Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire liegt sie laut letzten Umfrage nach wie vor Kopf an Kopf mit ihren Rivalen Barack Obama und John Edwards. Trotz ihrer deutlicher Führung im Rest der USA könnten Niederlagen dort ihre mit über 100 Millionen Dollar Spendengelder gut geölte Wahlkampfmaschinerie ins Wanken bringen. Hillary rackert daher in Iowa mit fünf Wahlkampfauftritten pro Tag verbissen, um eine frühe Vorentscheidung zu erzwingen.
# Sollte sie die Vorwahlen tatsächlich gewinnen und kommenden Sommer am pompösen Demokraten-Parteitag in Denver im Konfettiregen als Kandidatin offiziell nominiert werden, wartet in der finalen Schlacht ums Oval Office große Überzeugungsarbeit auf sie: Denn ein latenter und recht großer Bürgeranteil von knapp über 40 Prozent kann sie nicht ausstehen. Sie sei, so Kritiker, berechnend und machtbesessen, eine “Eisprinzessin”, die jede ihrer Handlungen sorgfältig kalkuliert. Ihr Stab startete deshalb zuletzt eine Charme-Offensive: Sie taucht plötzlich in Pastelltönen auf, reißt Witze, umarmt Bürger.
Doch die an der Eliteuni Yale zur Anwältin ausgebildete Hillarys hat in ihrer schillernden Laufbahn bereits einige Widrigkeiten überwunden: 1993 zogen Bill und Hillary, längst legendär als politisches Powerduo “The Clintons”, triumphal ins Weiße Haus ein. Doch Serienskandale und herbe Polit-Niederlagen (Gesundheitsreform) überschatteten ihre Zeit als First Lady. Und dann kam auch noch die ultimative Demütigung durch Bills Oralsexskandal mit der Praktikantin Monica Lewinsky. Doch Hillary rappelte sich auf, startete ihre Solo-Politkarriere: 2000 triumphierte sie in New York und zog in den Senat ein. Dort machte sie sich einen Namen als hart arbeitende, kompromissfähige, pragmatische Politikerin – das Fundament ihrer jetzigen Kandidatur.
Und Gatte Bill, der als Ex-Präsident mit Reden und seiner Rekord-Bio “My Life” 50 Millionen Dollar scheffelte und als Philanthrop weltweit für Furore sorgt, ist heute Hillarys Geheimwaffe.

# 28. Dezember: Thriller in Iowa!

Demokratenstar Hillary Clinton rast pro Tag gleich in vier Kleinstädte in Iowa, um ihre “Erfahrenheit” zu preisen. Ihr Rivale Barack Obama verspricht Aufbruchstimmung, eine “neue Ära” nach 19 Jahren Bush-Clinton. Die fromme Republikaner-Sensation Mike Huckabee demonstriert Bodenständigkeit bei der Fasan-Jagd. Kontrahent Mitt Romney bombardiert Bürger weiter mit martialischen Slogans eines “starken Amerikas”.
Das Furioso an Wahlkampf-Auftritten illustriert den dramatischen Countdown in Iowa: In sechs Tagen beginnen dort die Präsidentschaftswahlen 2008 – und die Zeit wird knapp, besonders mit dem langem Neujahrswochenende knapp vor dem “Iowa Caucus” am 3. Jänner.
Letzte Umfragen deuteten auf einen echten Polit-Thriller hin, zumindest bei den “Dems”, wenn auch eine jüngste Sensationsumfrage Hillary wieder deutlich voran sieht:
# Wird aus allen Iowa-Umfragen ein Durchschnitt gebildet, liegen Hillary und Obama mit je 28,3 Prozent exakt gleichauf, ermittelte die Polit-Website “Real Clear Politics”. Doch jüngste Daten des Institutes “American Research Group” sorgen für Aufregung: Dort führt Hillary plötzlich wieder mit 34 zu 19 Prozent vor Obama.
# Bei den Republikanern führt Huckabee im Umfragen-Schnitt mit 30 Prozent vor Romney (24,8 %). John McCain (10.7 %), Fred Thompson (9,7%) und Rudy Giuliani (8,5 %) liegen in Iowa deutlich zurück – doch will sie niemand wegen nach wie vor intakter Chancen in anderen Staaten abschreiben.
Hillarys Umfragen-Comeback ist offenbar das Resultat latenter Zweifel unter der Demokratenbasis über Obamas Schlagkraft im finalen Duell gegen einen republikanischen Kontrahenten. Keines der Top-Wahlkampf-Themen – von Ausbildung, Haus-Hypothekenkrise, Jobsorgen bis zum Irakkrieg und Amerikas desolater Reputation in der Welt – wiegt mehr als die Kernfrage, elegant von Bill Clinton formuliert: Spielen die Bürger wegen Obamas “Unerfahrenheit” Roulette mit Amerikas Zukunft? Viele Iowa-Wähler könnten den schrillen Warnungen folgen: Laut ABC-Umfrage halten Hillary mit 45 zu neun Prozent (Obama) für “erfahrener”.
Eine klassische Underdog-Story sorgt auch im “offensten Republikaner-Rennen aller Zeiten”, so TV-Kommentator Chris Matthews, für Furore: Huckabee rollte, trotz Romneys 25-fachem Werbebudgets in Iowa, mit der eloquenten Rhetorik des Ex-Baptisten-Predigers das Feld von hinten auf und punktet bei der frommen Christbasis. S eine Botschaft fasst er in drei Worte zusammen: “Glaube, Familie, Freiheit”.

# 23. Dezember: Hollywood-Comeback von Arnie?

Als Kaliforniens “Governator” kann Arnold Schwarzenegger wegen Zeitlimits nicht mehr antreten, US-Präsident oder Vize als in Österreich Geborener laut Verfassung auch nicht werden. Nun brodelt die Gerüchteküche immer hefti-ger über Arnies künftige Jobs, wenn er 2011 den Gouverneurspalast in Sac-ramento verlässt: “Er könnte zum Film zurückkehren, oder zu malen begin-nen”, wird ein Arnie-Sprecher im Blog des Szeneblatts “Hollywood Reporter” zitiert. Seither rotiert die Filmbranche über Arnies mögliches Hollywood-Comeback: Trotz seiner 60 Jahre sei nichts auszuschließen, spekulieren In-sider. Selbst für “Action Heros”: Die Filmrambos Bruce Willis (52) und Syl-vester Stallone (61) lassen die Kinokassen weiter klingeln. Zwei weitere Op-tionen für Arnie-Karriere IV (nach Body-Builder, Schauspieler und Politiker) laut dem Sprecher: Geschäftsmann oder Umweltberater.

# 22. Dezember: Thriller ums White House

Nur ein paar Stunden nehmen sich die Stars der US-Präsidentschafts-Vorwahlen über die Weihnachtsfeiertage Zeit vor dem Christbaum mit ihren Familien. Schon am Stefanitag schweben die Jets von Hillary Clinton oder Barack Obama bei den Demokraten, Mitt Romney oder Mike Huckabee bei den Republikanern am Flughafen in Des Moines, US-Staat Iowa, ein. Am 3. Jänner startet dort mit der ersten “Caucus”-Abstimmung die ”Primaries”-Saison, wo beide Parteien ihre Kandidaten für die finale Schlacht ums Oval Office ermitteln.
“Es werden die spannendsten Vorwahlen seit 80 Jahren”, überschlagen sich Polit-Gurus im US-TV. Die Gründe: Es tritt weder Vizepräsident noch Amtsinhaber an, sonst stets die klaren Favoriten. Und alle Umfragen prognostizieren Thriller: Landesweit liegt zwar Hillary mit 22 zu acht Prozent Vorsprung recht deutlich voran – doch in Iowa und New Hampshire, wo fünf Tage später gewählt wird, liegt sie Kopf an Kopf mit Obama.
Immerhin konnte Hillary ihren Sturzflug mit brutalen Attacken gegen Obama stoppen: In schrillen Tönen warnten ihre Helfer vor Obamas “Unerfahrenheit”, Kokainkonsum als Teenager und sogar seinem moslemischen Vater. Die Parteibasis wurde bei ihrer Suche nach dem effektivsten Kandidaten, die republikanische Herrschaft im White House zu beenden, verunsichert.
Bei den Republikanern ist es noch spannender: Nach dem Fall von Frontrunner Rudy Giuliani und dem sensationellen Aufstieg des Ex-Baptisten-Predigers Mike Huckabees zeichnet sich in nationalen Umfragen nun sogar ein Vierer-Rennen ab – mit intakten Chancen von Romney und sogar John McCain. Auch die Vorwahl-Staaten bieten kein klares Bild: Iowa scheint Huckabee, der zum “Darling” der frommen Christenbasis wurde, bereits in der Tasche zu haben. Doch in New Hampshire führt Romney knapp vor McCain. Und in Kalifornien, dem größten Preis der Primaries, wo am “Super Tuesday” (5. Februar), gewählt wird, Giuliani.
Grund für das unübersichtliche Gerangel innerhalb beider Parteien: Die Top-Themen Terror und Irakkrieg sind zuletzt durch Sorgen der US-Bürger über die US-Wirtschaft nach der Hypothekenkrise abgelöst worden. Das schadet Obama, der gegenüber Hillary als “konsequenter Irakkriegsgegner” punktete. Und Giuliani, dessen Rolle als “9/11-Held” und Al-Kiada-Schreck das Fundament seiner Kandidatur bildet. Bei den Republikanern ist zudem der “Religionskrieg” ausgebrochen: Huckabee versucht als “Christenführer” den Mormonen Romney auszubremsen.

# 21. Dezember: Klima-Schreck Bush

In Sachen Treibhauseffekt lagen US-Präsident George Bush und Kaliforniens “Governator” Arnold Schwarzenegger bereits seit langem im Clinch – doch jetzt verbietet Bush Arnie regelrecht den Klimaschutz: Bushs Bundes-Umweltbehörde EPA schmetterte ein Ansuchen für strengere Auto-Abgasvorschriften von Kalifornien und 16 weiterer Bundesstaaten ab, wo mit über 150 Millionen Menschen die Hälfte der US-Bevölkerung lebt. Dadurch hätte der CO2-Ausstoß im Straßenverkehr um 30 Prozent bis 2016 reduziert werden können – unter heftigen Protesten der Autoindustrie. Arnie tobte: Er sei “enttäuscht”, dass ihm Washington “im Weg steht”. Doch: “Wir werden diese Schlacht weiterführen”. Schwarzenegger will nun alle Rechtsmöglichkeiten ausschöpfen, um Bushs neuen Klima-Affront zu korrigieren. Die neuen Abgasregeln waren zentraler Teil seines ehrgeizigem Klimaschutz-Programms, das CO2-Reduktionen bis 2020 um 25 Prozent vorsieht. Die EPA argumentierte, dass durch das gerade unterzeichnete “Energie-Gesetz”, das mehr Treibstoffeffizienz in PKWs und LKWs vorschreibt, Sonderregeln unnötig seien. Beobachter sagen jedoch: Bush hat sich klar auf die Seite der Autoindustrie gestellt.

# 20. Dezember: Es brennt beim White House

Ein Brand in einem der wichtigsten Nebengebäude des “White House”-Komplexes sorgte in der US-Kapitale Washington D.C. für eine Schrecksekunde: Dicker, schwarzer Rauch drang aus dem historischen, fünfstöckigen Gebäude, benannt “Eisenhower Executive Building”, nur wenige hundert Meter vom Oval Office entfernt. Dort arbeiten höchstrangige Beamte der Regierung von US-Präsident George W. Bush, auch Vize Dick Cheney hat in dem wuchtigen Bau ein Büro. Feuerwehr-Trupps schlugen Fenster ein und brachten verkohlte Möbel auf den Balkon. 15 Löschwagen waren im Einsatz. Die Flammen wurden innerhalb von 30 Minuten “unter Kontrolle” gebracht. Ein Terroranschlag wurde ausgeschlossen, die Ursache könnte ein Kurzschluss gewesen sein.

# 20. Dezember: Vorbeben zum Refco-Prozess

Im Vorfeld des New Yorker “Jahrhundertprozess” gegen den Ex-CEO des gefallenen Finanzhaus Refco, Phillip Bennett und zwei weitere Firmenbosse, der am 17. März 2008 beginnt, gibt es neue Knalleffekte:
# Refcos Ex-Anwalt Jospeh Collins ist von der New Yorker Staatsanwaltschaft wegen insgesamt elf Strafvergehen, darunter Wertpapierbetrug, angeklagt worden: Collins, Partner in der legendären Chicagoer Anwaltskanzlei “Mayer Brown”, soll Komplize bei den abenteuerlichen Finanztransaktionen zum Verstecken von 430 Millionen Dollar gewesen sein. Er hatte auch den Teilverkauf Recfos 2005 an die Investmentfirma “Thomas H. Lee Partners” mitorchestriert, bei dem Investoren um 2,4 Milliarden Dollar geprellt wurden, so die Klagsschrift. Zusätzlich spielte Collins eine wichtige Rolle in Refcos Partnerschaft mit der Austrobank BAWAG, die “aktiver Partner” beim jahrelangen Bilanzbetrug, so Klagen, war.
# Ex-Bennett-Partner Santo C. Maggio bekannte sich unterdessen am Mittwoch schuldig im Rahmen eines Deals mit den “Feds”, wo er nach umfassenden Auspacken gegen Bennett sein Strafausmaß reduziert erhält. Maggio hatte als Insider bereits vor dem Auffliegen des Refco-Debakels Rechnungsprüfer gewarnt. Sein Deckname: “Deep Throat”, nach dem Kronzeugen für Reporterlegende Bob Woodward im Watergate-Skandal.

# 19. Dezember: Suche nach Nussbaumer

Nach der Enthüllung eines US-Kongressabgeordneten, dass bei einer misslungenen Befreiungsaktion der Irak-Geisel Bert Nussbaumer (26) und vier weiterer, ebenfalls am 16. November 2006 in Südirak entführter US-Kollegen, ein britischer Soldat ums Leben gekommen sein soll, haben die amerikanischen Angehörigen ihre privaten Anstrengungen verstärkt, die fünf “Guards” der Sicherheitsfirma “Crescent Security” freizubekommen. 150.000 Dollar seien, so Familienhelfer Mark Koscielski, bereits gesammelt worden: Sie stünden für Lösegeldforderungen und Kosten möglicher, privater Befreiungsmissionen zur Verfügung. 90.000 Flugzettel, die um Hinweise über den Verbleib der Geiseln ersuchen, lagern, bereit zur Verteilung, im Nahen Osten. Zuletzt wurde sogar an US-Präsident George W. Bush appelliert, eine Militärmaschine, Type C-130, zum Abwurf der Flugzettel bereit zu stellen. Nun soll die private Fahndungsmission auch auf den Iran ausgeweitet werden, ergaben Recherchen. Es gäbe jüngste Indizien, dass die Geiseln auch dorthin verschleppt worden sein könnten.

# 18. Dezember: Tödliche Geiselsuche?

Bei der Suche nach der seit 13 Monaten im Südirak entführten Geisel Bert Nussbaumer (26) und seinen vier amerikanischen Mitgefangenen soll laut US-Medienberichten ein Soldat der Koalitionstruppen getötet worden sein. Das berichtete der Sprecher der Kongressabgeordneten Wally Herger (R), die den Kalifornienbezirk vertritt, aus dem Joshua Munns, eine der “Nussbaumer-Geiseln”, stammt. Die Information über den Tod des Soldaten, am wahrscheinlichsten ein Amerikaner, wäre, so Sprecher Darin Thacker, bei einem geheimen Briefing durch US-Außenamt und FBI bekanntgegeben worden. Es soll sich um “eine gescheiterte “Befreiungsaktion” gehandelt haben, schreibt die Zeitung “Record Searchlight”. Der Tod des Soldaten soll vor April diesen Jahres zu beklagen gewesen sein, heißt es weiter in dem Bericht. Das FBI und Außenamt bestätigten in dem Briefing, dass die Jagd auf die Geiselnehmer zur Befreiung von Nussbaumer & Co, die allesamt für den privaten Sicherheitsdienst “Crescent Security” werkten, andaure. Wie der Tod des Soldaten zeige, sei die Suche jedoch “höchst gefährlich”, hieß es weiter.

# 18. Dezember: Showdown in Iowa

Demokraten-Star Hillary Clinton versucht, ihrem wegen Fehltritten und Umfragetiefs in die Schlagzeilen geratenen Wahlkampf Auftrieb zu verleihen. Sprichwörtlich: Seit Sonntag knattert sie in einem Helikopter, wenig originell getauft “Hill-o-kopter”, in kleinste Nester des US-Bundesstaates Iowa. Dort beginnen in bloß 16 Tagen mit dem “Iowa Caucus” offiziell die Vorwahlen zur Schlacht ums Oval Office ´08, wo Demokraten und Republikaner ihre jeweiligen Präsidentschafts-Kandidaten ermitteln. Und Iowa ist mit seinem antiquierten “Caucus”, wo nur sechs Prozent der Wahlberechtigten in kleinen Versammlungen ihre Kandidaten-Präferenzen kundtun, der erste Test. Und meist vorentscheidend: 14 der letztendlich 13 Kandidaten hatten ihren Vorwahl-Triumph mit einem Sieg in Iowa gestartet.
Deshalb schrillen trotz deutlicher Führung in USA-weiten Umfragen bei Hillary die Alarmglocken: In Iowa ist sie laut “Des Moines Register”-Umfrage mit 28 zu 25 Prozent hinter ihren Top-Kontrahenten, den wegen Charisma und Jugendlichkeit “schwarzer JFK” getauften Barack Obama zurückgefallen. Ein Sieg in Iowa würde Obama Medien-Hype und Schwung für die nächsten, wichtigen Primaries-Staaten garantieren: New Hampshire folgt fünf Tage später, dann Nevada und South Carolina. “Hillary läuft Gefahr”, so “Newsweek”-Top-Kolumnist Howard Fineman, “alle vier zu verlieren”.
Hillary hofft auf die Großstaaten á la Kalifornien oder New York, die am “Super Tuesday” (5. Februar) wählen: Doch Niederlagen in den ersten Teststaaten könnte den Traum von der ersten Frau im White House leicht frühzeitig beenden.
Bei den Republikanern hat der telegene Ex-Prediger Mike Huckabee das Feld von hinten aufgerollt. “Huckaboom!” jubeln die Medien über die unglaubliche Außenseiter-Story. Während der Christen-Fundi im Sommer noch bei wenigen Prozent dahindümpelte, liegt er jetzt plötzlich laut “Newsweek”-Umfrage mit 39 zu 17 Prozent in Iowa vor dem Mormonen Mitt Romney, der Millionen in den Iowa-Wahlkampf pumpte, fast uneinholbar voran. Auch in nationalen Umfragen hat Huckabee Frontrunner, 9/11-Helden Rudy Giuliani, fast eingeholt. Der liegt in Iowa und New Hampshire weit abgeschlagen. Wie Hillary hofft Haudegen Giuliani auf ein Comeback in großen Primaries-Staaten, zuletzt fokusierte er auf Florida: Doch nach Huckabees erwarteten Triumphzug beim Auftakt der US-Vorwahlen könnten diese Hoffnungen vergeblich sein.

# 17. Dezember: Bill vs Obama

Zwischen den Demokraten-Frontrunnern Hillary Clinton und Barack Obama fliegen wegen kürzlicher Kokain-Attacken längst die Fetzen – jetzt steigt auch noch Hillarys Gatte, Ex-Präsident Bill Clinton, in den Ring: Wegen Obamas “Unerfahrenheit” würden Wähler ein “hohes Risiko” eingehen, donnerte er am TV-Sender PBS. Clinton suggerierte, “die Zukunft Amerikas” sie zu wichtig für ein Roulette-Spiel. Obama habe die Presse auf seiner Seite, beschwerte er sich weiter: “Es wäre ein Wunder, wenn Hillary in Iowa gewinnt”. Eine recht verheerende Aussage weniger als drei Wochen vor dem Start der US-Vorwahlen dort. Die “New York Post” rückte den wütenden Bill als wild herumballernden Cowboy ins Blatt. Nach Hillary-Fehltritten in Serie und Abstürzen in den Umfragen überschlagen sich die US-Medien: “Hillary in den Seilen”, “Räder fallen vom Kampagnen-Express”, so einige Schlagzeilen. Peinlich: Hillary musste sich bei Obama wegen der Vorwürfe eines ihrer Top-Berater, Obama könnte als Teenager mit Kokain gedealt haben, höchstpersönlich entschuldigen. Einzig gute Nachricht: Die wichtigste Iowa-Zeitung bedachte sie mit einer Wahlempfehlung.

# 15. Dezember: Belindas neues Leben

Das Leben von Belinda Stronach, 41, Tochter des Magna-Gründers Frank, war einst nie besonders langweilig: Als Girlfriend des Eishockey-Rüpels Tie Domi geriet sie inmitten eines peinlich öffentlichen Rosenkrieges, als “Bills Blondine” (New York Daily News) an der Seite des fidelen US-Ex-Präsidenten sorgte sie für Nervenflattern im Stab der wahlkämpfenden Bill-Gattin Hillary, als Parteioüberläuferin rettete sie einmal Kanadas Premierminister vor dem Untergang, als Top-Managerin von Daddys Autoteilkonzern kürte sie das US-Magazin “Fortune” zur zweitmächtigsten Geschäftsfrau der Erde. Dazwischen gab es zwei Scheidungen und – gescheiterte – Anläufe, die Parteiführung gleich beider größten Kanada-Parteien zu übernehmen. Und freizügige Kommentare gegenüber einem Buchautor, dass sie Sex toll finde.
Doch seit ihrem wirklichen persönlichen Drama kann sie auf derartige öffentliche verzichten: Sie besiegte Brustkrebs, hatte noch dazu Riesenglück, als es bei der Teilamputation und Brustrekonstruktion einem kalifornischen Superchirurgen gelang, ihre rechte Brustwarze zu retten. Plötzlich seien in ihrem Leben “ganz andere Dinge wichtig”, wie sie der kanadischen Zeitung “Globe and Mail” anvertraut: Ihre Kinder, Sohn Frank Jr. (16) und Tochter Nikki (14), caritative Projekte, gesundes Leben.
“Krebs ist ein eigenartiges Geschenk, das dir mehr Balance im Leben bringt”, bilanziert Stronach fast ironisch über ihr “Annus Horribilis”. Im Frühjahr hatte sie einen Knoten in ihrer Brust entdeckt. “Mein Arzt riet mir, die Sache aufmerksam zu beobachten”, so Stronach. Im Mai kam die Hiobsbotschaft: “Ductal Carcinuma in situ” (DCIS), eine krankhafte Wucherung in den Milchgängen der Brust. Die Geschwüre waren auf jeweils fünf und acht Zentimeter im Durchmesser angewachsen. Doch Stronach hat Riesenglück: Der Brustkrebs hatte sich noch nicht auf die Lymphknoten ausgedehnt, die Heilungschancen bei dieser Vorstufe des Krebs (Frühkarzinom) bestens. “Meine Ärzte staunten”, erinnert sich Stronach: “Denn so eine große Wucherung, die sich noch nicht weiterverbreitet hatte, haben sie noch nie gesehen”.
Schnell informierte sie die Öffentlichkeit über ihr Gesundheitsdrama – und dass sie aus der Politik ausscheiden werde. “Es war eine verrückte Zeit”, blickt sie mit Horror auf diese Tage zurück, die wie in Zeitlupe abliefen. Am schlimmsten sei gewesen, ihre Kids über die Krebserkrankung zu unterrichten: “Ich wollte nicht, dass sie sich zu große Sorgen machen”. Und: “Ich habe großen Respekt vor meinen Kindern – sie haben viele Opfer für meine Karriere gebracht…”.
Entscheidungen waren zu treffen, die über ihr Aussehen, bestenfalls, Leben und Tod, schlimmstenfalls, bestimmen hätten können. Die Ärzte offerierten zwei Behandlungswege: “Lumpectomy”, eine chirurgische Entfernung der Geschwüre samt Bestrahlung. Oder eben Teilamputation der Brust mit kosmetischer Rekonstruktion. Sie entschied sich für letzteres, die brutalere, doch in Sachen Krebsrückkehr weitaus sicherere Methode. “Der Gedanke daran war alles andere als attraktiv”, so Stronach mit einem Hauch an Sarkasmus: “Diese Dinge sind ja extrem persönlich, sich zu überlegen, ob man seine Brustwarze opfern will oder nicht”. Die Brustrekonstruktion ließ sie von einem Spitzenchirurgen in Kalifornien durchführen, der – nach der Entnahme von Hautstücken am Rücken – auch letztendlich ihre rechte Brustwarze retten konnte. Der medizinische US-Trip löste einen Feuersturm an Kritik in Kanada aus: Stronach habe das kanadische Gesundheitswesen “verraten”, so ihre Kritiker. Und: “Normale Frauen” müssten auf Brustwiederherstellung verzichten, da die Versicherung die Kosten nicht tragen würde. Wie immer im Leben gäbe es kein “schwarz und weiß”, verteidigt sich Belinda: “Ich habe letztendlich die Entscheidungen nach besten Wissen und Gewissen mir selbst und meiner Familie gegenüber getroffen”.
Nun hat die Powerfrau ihr ganzes Leben umgekrempelt, samt strikter, vegetarische Diät und Yoga fünfmal die Woche. “Natürlich denke drüber nach, was den Krebs ausgelöst haben könnte”, so Stronach: “Jetzt will ich Risikofaktoren minimieren”.
Zu relaxt wird es dennoch nicht in Belindas neuem Leben zugehen:
# Im Finale ihrer Politkarriere will sie sich nochmals voll für Frauenrechte einsetzten. Sie selbst war stets Opfer des beharrlichen Sexismus: Tabloids verunglimpften sie als hohle Erbin á la Paris Hilton. Der Alberta-Gouverneur Ralph Klein scherzte: “Sie hatte niemals einen konservativen Knochen in sich – außer einen…” Gemeint war der Penis ihres früheren Parteigenossen und “Boy Friend” Peter MacKay.
# Sie sammelt Spenden für Malaria-Netze für Drittweltländer und vor allem für die Brustkrebs-Forschung, zuletzt eine Millionen Kanada-Dollar für eine Fachabteilung am “General Hospital” in Toronto.
# In Dads Autoteil-Weltkonzern “Magna” wird sie als Aufsichtsratsvize weiter mitmischen.
Und nochmals “bedankt” sie sich fast für das Krebsdrama: “Ich wurde an meine Sterblichkeit erinnert”, erzählt sie der Zeitung: “Jetzt habe ich eine zweite Chance im Leben erhalten — und kann alles durch eine unterschiedliche Linse sehen”.

# 15. Dezember: Spekulationen um Dan Browns neuen Thriller

Das Buch hat bloß einen Arbeitstitel, keinen exakten Erscheinungstermin, dafür wird jeder noch so krage Kommentar seines Autors via Internet seziert, interpretiert, in Perspektive gesetzt. Es ist eine wilde Jagd nach Indizien über den möglichen Inhalt. Sogar dicke Bücher gibt es darüber inzwischen, “Guides” durch das Dickicht der wilden Spekulationen. Derartiges hatten Literaturfans nur beim größten Verkaufsschlager der Menschheitsgeschichte erlebt, der “Harry Potter”-Serie von J.K. Rowling.
Doch die Aufregung ist verständlich: Als Blockbuster-Buch 2008 soll Starautor Dan Brown die Sequel zu seinem letzten Coup, dem “Da Vinci Code” (“Sakrileg”), ausrollen, der sich als Buch 65 Millionen mal in 44 Sprachen verkaufte und als Filmhit mit Tom Hanks weltweit 757 Millionen Dollar in die Kinokassen spülte (die Entrüstung der Katholischen Kirche über Browns “Blasphemie” hatte das übrige zu dem globalen Siegeszug getan…).
Der mögliche Titel von Browns nächstem Großangriff aus den Buchregalen: “The Solomon Keys” (“Der Schlüssel Salomons”). Wieder sind explosive Debatten garantiert: Es soll um mächtige Logen wie die “Freimaurer” samt ihrer “geheimen Ritualen” gehen, mysteriöse Verschwörungen in der US-Kapitale zu ihrer Gründerzeit, dazu ein tiefer Blick “in die Geschichte der USA”, wie Brown selbst bestätigte. Und dann natürlich wird, wie in Browns früheren Blockbuster-Büchern, Titelheld Robert Langdon den Mysterien und historischen Merkwürdigkeiten nachjagenden wie gewohnt.
Brown, inzwischen ein so perfekter Marketing-Stratege wie erfolgreicher Autor, ließ am Buchumschlag des “Sakrileg” Ziffern und Symbole drucken, die via Internet-Recherchen Indizien über das Folgewerk lieferten.
Legionen an Fans von Browns Thrillers spekulieren seither auf Hochtouren:
# Zentrale Rolle der neuen Story soll das Freimaurertum spielen, das in den USA einer weit geringeren Geheimniskrämerei unterliegt wie am alten Kontinent Europa. Immerhin: 20 der 56 Gründungsväter der Vereinigten Staaten, die 1776 per Unabhängigkeitserklärung die heutige Supermacht ins Leben riefen, gehörten Freimaurer-Logen an, inklusive George Washington. Heute operieren die amerikanischen Freimaurer völlig offen, ihre Logen stehen im Telefonbuch, Insignien hängen an Fassaden.
# Geheimnisvolle Elemente der, von Freimauren stark beeinflussten, “symbolreichen Architektur” (Brown) der US-Kapitale Washington D.C. sollen als Kulisse dienen: Kunst und Architektur spielten auch bei Browns früheren Romanen prominente Rollen. Der starke Glaube der Freimaurer an Astrologie soll, behauptet zumindest das Buch “The Secret Architecture of Our Nation´s Capital”, Standorte der Monumentalgebäude in Washington samt architektonischer Details geprägt haben: Aus dem Stadtplan sind leicht “Rechteck” und “Zirkel”, Symbole der Freimaurer, auszumachen. Eckpunkte wären das Kapitol, das “Lincoln Memorial”, das Weiße Haus und das “Jefferson Memorial”. Auch die Dimensionen des berühmten Obelisken des “George Washington”-Monuments sind symbolisch: Er ist 555 Fuß hoch, 55 Fuß breit (170 mal 17 Meter). Die Ziffer “5” symbolisiert für Freimaurer die “fünf Ordnungen der Architektur”.
# Engagiertere Fans von Verschwörungstheorien verweisen auf ein Gemälde der “Washington Family” von Edward Savage, wo die Hände der auf Öl Gebannten auf bestimmte Punkte eines Stadtplanes der US-Hauptstadt deuten. “Die exakten Eckpunkte dieses wahrscheinlichen Dreiecks, sind nicht genau auszumachen”, so die Spekulations-Bibel “The Guide to Dan Brown´s Solomon Keys”: “Für Brown wäre das sogar ein Vorteil – er könnte die Landkarte seinem eigenen Buchkomplott anpassen”.
# Spekuliert wurde von Brown-Fans auch über eine mögliche, tragende Rolle des 1994 verstorbenen legendären Kryptografen Dr. Solomon Kullback, der jahrzehntelang an Verschlüsselungscodes für die US-Armee werkte. Im zweiten Weltkrieg arbeitete er mit den Briten an der legendären “Enigma”-Maschine mit, die Geheimcodes der Nazis knackte. Sein Vorname “Solomon”, gleichlautend mit dem Arbeitstitel des Buches, heizte die Diskussion weiter an.
# Weitere Symbole und Mysterien dürfte wieder zu einer spannenden Lektüre führen, sind sich die Brown-Watcher einig: Genannt werden die “Kryptos”-Skulptur vor dem Hauptquartier der CIA in Langley, das rechte Auge der Mona Lisa mit seinen “esoterischen Verbindungen” zum ägyptischen Gott Horus, geheimnisvolle Details im Portrait George Washingtons am Eindollarschein und im Siegel der USA – oder Freimaurer-Symbole im großen Mormonentempel in Salt Lake City.
# Fix scheint wieder die tragende Rolle des Geheimnissen hinterherjagenden, fiktiven Professors Robert Langdon (Tom Hanks im Film). Autor Brown hatte stets mit biografischen Details über seinen Buchhelden gespart. Beschrieben wurde nur, dass der rasende Professor unter Klaustrophobie leide, ein “photografisches Gedächtnis” habe und ernorm fortgeschrittene Fähigkeiten zur Problemlösung. Brown benannte Langdon nach dem Professor für Typographie, John Langdon, der berühmt ist für seine “Ambigramme”, typografische Designs, die in verschiedenen Richtungen gelesen werden können – und immer wieder in Browns Romanen vorkommen.
Der Novellist Dan Brown, 43, ist ein literarisches Phänomen: Aufgewachsen im US-Staat New Hampshire als Sohn einer Musikerin und eines Mathematik-Professors fokusierte der im strengen Elite-Internat der “Phillips Exeter Academy” und dem “Amherst College” ausgebildete Brown zunächst auf eine Musikkarriere, wo er mit Synthesizer-Geräuschen herumexperimentierte. Er heiratete die 12 Jahre ältere Kunstdirektorin Blythe Newlon, der ein großer Einfluss beim Beginn von Browns Autorenkarriere zugeschrieben wird. Seine ersten drei Romane blieben mit weniger als 10.000 verkauften Exemplaren Ladenhüter. Doch 2003 stürmt wie aus heiterem Himmel sein Werk “The Da Vinci Code” die Bestsellerlisten. Die heftige Kritik der Katholischen Kirche entpuppte sich als wahres Marketinggeschenk. Der Kern der Christenlehre sei “missrepräsentiert”, donnerte der Vatikan. Brown liefere eine “alternative Religionsgeschichtsschreibung”: Kirchenleute stießen sich vor allem an Buchpassagen, wonach Maria Magdalena mit Jesus verheiratet war, den Geheimcodes in Gemälden von Leonardo Da Vinci á la “Mona Lisa” oder dem “Letzten Abendmal” oder mörderischer Machenschaften des Geheimbundes “Opus Dei”. Heftiger setzten Brown Plagiats-Vorwürfe zu: Zwei “Copyright”-Klagen wurden eingebracht und letztendlich abgewiesen, darunter von den Autoren des Buches “Holy Blood, Holy Grail”. Einer der beiden, Richard Leigh, verstarb in den letzten Tagen im Alter von 64 Jahren.
Kein Wunder, dass sich unter den unfreiwilligen Stars in Browns nächsten Thriller, den Freimaurern, ein wenig Nervosität breit macht: “Er hatte Kontakt mit uns, aber nur sehr kurzen”, erzählte der Großmeister der wichtigsten Lodge in D.C., Akram Elias, der Nachrichten-Agentur AFP: “Jetzt sitzen wir hier herum und wundern uns, was er über uns schreiben wird”. Andere Freimaurer-Experten befürchten historische Unschärfe: Brown sei nicht dafür bekannt, “gut zu recherchieren”, äzte einer.

# 14. Dezember: Hillary im Sturzflug

Ihr Riesenvorsprung dahin, startet Demokraten-Star Hillary Clinton eine widerlich Schlammschlacht gegen Kontrahenten Barack Obama: Im Zentrum der Attacken steht Obamas früherer Kokain- und Marihuana-Konsum, den er selbst zugab. Es ginge um seine “Wählbarkeit”, donnerte Clinton-Berater William Shahee in der “Washington Post”. Leicht könnten Republikaner ihn mit brisanten Fragen demolieren: “Wann haben Sie zuletzt Drogen genommen? Wann haben Sie Drogen an andere weitergegen? Oder gar verkauft?” Die Attacken, von Politbeobachtern als “Verzweiflungsschlag” gewertet, illustrieren, wie blank die Nerven im Team Hillary liegen: In Iowa, wo am 3. Jänner die Vorwahlsaison beginnt, ist die einst als “unbesiegbar” bejubelte Ex-First-Lady bereits hinter Obama zurückgefallen. Doch jetzt ist auch ihr 20-Punkte-Vorsprung in New Hampshire, wo fünf Tage nach Iowa gewählt wird, pfutsch: Mit 31 zu 30 Prozent liegt sie Kopf an Kopf mit Obama. Der charismatische, farbige Senkrechtstarter hat recht heftigen Kokain-, Marihuana- und Alkohol-Konsum als Teenager in seiner Bestseller-Bio “Dreams of my Fathers” 1995 offen eingestanden. Obamas Team konterte prompt: “Alte Hüte” würden hier recykelt, so ein Sprecher kühl.

# 13. Dezember: Huckaboom!

Der Countdown zum Start der US-Präsidentschafts-Vorwahlen am 3. Jänner in Iowa tickt lauter – und Republikaner-Senkrechtstarter Mike Huckabee (52) dominiert weiter die US-Presse: In Iowa hat der Ex-Baptisten-Prediger vor der letzten TV-Debatte Kontrahenten Mitt Romney deutlich laut “Newsweek”-Umfrage mit 39 zu 17 Prozent abgehängt. In nationalen Umfragen greift der ”Christenführer”, wie er sich in TV-Spots gefällt, mit 22 Prozent den bisherigen Favoriten Rudy Giuliani (24 %) an. Der einstige Außenseiter wird nun ernst genommen – und skandalöse Aussagen ausgegraben: 1992 etwa wollte er AIDS-Patienten unter Quarantäne stellen. Dann schwadronierte er, dass sich Frauen ihren Ehegatten “fügen” sollten. Potentiell devastierend könnte auch sein Pardon als Arkansas-Gouverneur für einen Vergewaltiger sein, der später zwei Frauen tötete. Doch Huckabee wurde zum “Darling” der frommen Parteibasis. Längst ist ein “Religionskrieg” mit Rivalen Romney, einem Mormonen, ausgebrochen: “Denken die Mormonen nicht, dass Jesus und der Teufel Geschwister sind”, zitiert die “New York Times” Huckabees Religionshetze. Bei den Dems halten sich Hillary & Co mit der Kritik zurück: Huckabee wäre er ein “esay kill”, eine leicht zu schlagender Gegner beim Wahlkampffinale, so ein Memo der Parteistrategen.

# 11. Dezember: Scary Christmas II

Vier Tage nach dem Massaker in einem Einkaufszentrum in Omaha, Nebraska, mit neun Toten ging am Sonntag der “blutige Advent” in den USA mit neuen Amokläufen in zwei Religionsstätten im “Rocky Mountain”-Staat Colorado weiter: Die neue Bilanz: Fünf Tote, vier Schwerverletzte. Der Horror begann kurz nach Mitternacht: Junge Missionare feierten in ihrem Trainingszentrum “Youth With a Mission”, wo sie für Einsätze in Übersee ausgebildet werden, im Denver-Vorort Arvada gerade ihre Weihnachtsfeier, als ein zirka Zwanzigjähriger vor der Türe stand. “Er ging aufs Klo und fragte, ob er übernachten könne”, erinnert sich ein Zeugin. Als die “Beherbergungs-Direktorin” Tiffany Johnson (26) ablehnte, sagte er: “Wenn das so ist, dann habe ich das für dich!” Er schoss sie kaltblütig nieder. Ein weiterer junger Missionar, Philip Crouse (24), starb im Kugelhagel, zwei weitere wurden verletzt.
113 Kilometer entfernt und nur 12 Stunden später zuckten hunderte Gläubige, die gerade aus der Messe der “New Life Church” in Colorado-Springs kamen, wieder unter durchdringendem Schusslärm zusammen. Ein junger Mann, gekleidet in schwarzen Trenchcoat, eröffnete aus einem Sturmgewehr in der Eingangshalle der Kirche das Feuer. Menschen rannten panisch über den Parkplatz, suchten Deckung. Ein weiblicher Sicherheits-Guard der “Mega Church” mit 10.000 Mitgliedern erschoss den Amokläufer. “Diese Heldin verhinderte ein weit größeres Blutbad”, lobte Polizeichef Richard Myers. Dennoch: Ein Kirchengänger und ein Priester starben, zwei wurden verletzt. Die Polizei habe Indizien, dass beide Gemetzel vom gleichen Täter begangen wurden. Diskutiert wird auch der leichte Zugriff von jungen Leuten auf Armeewaffen: Der Amokläufer in Omaha hatte mit einem “AK-47”-Maschinenpistole gemordet, der Kirchen-Killer tötete mit einem Sturmgewehr.

# 10. Dezember: Hollywood lahmgelegt

Die Lichter am New Yorker Broadway nach dem Bühnenarbeiter-Streik sind wieder an – doch der Autorenstreik eskaliert zu einem der “ekeligsten Arbeitskämpfe in jüngerer Hollywoodgeschichte”, so die Zeitung “L.A Times”. Dabei gab es zuletzt Anzeichen für ein “Happy End”. Doch letztendlich kam es in den achttägigen Marathonverhandlungen zwischen den Film- und TV-Studios sowie der Autorengewerkschaft “Writers Guild” (WGA), die 10.500 streikende Drehbuchschreiber vertritt, zu “keinerlei Annäherungen”, so die verbitterten Reaktionen nach dem Kollaps der Gespräche. Die Autoren, die alles von Filmdrehbüchern bis Witzen von Late-Night-Talker wie Jay Leno verfassen, fordern mehr Anteile beim florierenden Geschäft der Studios mit dem Online-Vertrieb von Film- und TV-Material. Der Streik geht nun in die sechste Woche: Der Drehstop bei “praktisch allen TV-Produktionen”, so Insider, 50 an der Zahl, sie nun “unausweichlich”. Drehs weiterer Folgen von Hitserien á la “Desparete Housewives oder “24” waren schon früher gestoppt worden. Der Streik kostet 21 Millionen Dollar pro Tag. 15.000, meist Arbeiter an den TV-Produktionsstätten, wurden bisher arbeitslos. Die Gewerkschaft will hart bleiben: “Sie wollen nichts weniger, als uns um unsere Zukunft zu bringen”, beschuldigen sie die Studios.

# 10. Dezember: Kirchen-Shooting

Zwei Schießereien in Kirchen halten die USA in Atem: Ein Amokläufer tötete zwei junge Kirchenleute kurz nach Sonntag Mitternacht in einem Trainingscenter für Missionare im US-Bundesstaat Arvada, einem Suburb der Colorado-Metropole Denver, nachdem er in dem Gebäude übernachten wollte und abgewiesen wurde. Zwei weitere wurden verletzt. Alle Opfer sind jünger als 24 Jahre. Es fand gerade eine Weihnachtsparty statt.
Stunden später eröffnete bloß 100 Kilometer entfernt am Parkplatz der “New Life Church” in Colorado-Springs ein weiterer Täter das Feuer auf Kirchenbesucher: Vier wurden angeschossen. Die Behörden arbeiteten fieberhaft daran, ob die beiden Bluttaten in Zusammenhang stehen. Laut Polizeisprecher Fletcher Howard gab es bei der zweiten Schießerei keine Todesopfer.
“Der Mann ging in das Gebäude und eröffnete das Feuer”, sagte der Direktor am ersten Tatort, Peter Warren. Der Täter wurde als 20-Jähriger Weißer beschrieben. Der Schauplatz des zweiten Attentates auf Kirchenleute in Colorado Springs war im Vorjahr in die nationalen Schlagzeilen geraten: Der Führer der Evangelisten-Kirche “New Live”, Ted Haggard, musste nach einer Sex-Affäre mit einem Callboy zurücktreten. Die Polizei eröffnete eine Großfahndung und warnte Anwohner, ihre Häuser verschlossen zu halten. Auch das Firmengelände des nahen Rüstungsgiganten “Lockheed Martin” wurde geräumt.

7. Dezember: Advent-Massaker in Omaha

Am Tag nach der Massenschießerei mit neun Toten in einem Shopping-Center in Omaha, Nebraska, wird der ganze Horror des “Weihnachts-Massakers”, so US-Massenblätter, offensichtlich. Der 19-jährige Amokläufer Robert Hawkins, der Tage zuvor seinen Job wegen dem Diebstahl von 17 Dollar bei McDonald´s verlor und dem seine Freundin weglief, war seelenruhig mit dem Lift in den dritten Stock der “Von Maur Mall” gefahren. Aufgefallen war er durch militärischen Kurzhaarschnitt, einen schwarzen Rucksack und eine Tarnjacke. Es ist kurz vor 14 Uhr Uhr Ortszeit, das Einkaufszentrum drei Wochen vor Weihnachten gerammelt voll.
Gerade hatte Hawkins seine Vermieterin Debora Maruca-Kovac eingerufen: Sie soll einen Brief in seinem Apartment sicherstellen. Besorgt versucht sie, mehr Details aus ihm zu pressen. “Es ist zu spät”, antwortet Hawkins und legt auf. Er feuert zuerst in der Kinderabteilung in die Luft, so Zeugen: “Er hob die Hand und schoss”. Doch dann nahm er vom Balkon aus die Menge darunter ins Visier. “Meine Knie gaben nach”, so die 29-jährige Kevin Kleine, die mit ihrer vierjährigen Tochter “dann einfach mit allen mitrannte”. “Peng, Peng, Peng, Peng”, erinnert sich ein anderer an das durch “Mark und Bein” gehende Knallen. Zuerst sechs Schüsse, eine Pause. Und nochmals 20.
Apokalyptische Szenen: Shopper schrieen in Panik, warfen sich unter Verkaufsvitrinen, Mütter rannten mit Kinderwägen um ihr Leben.
“Get down”, erinnerte sich Anwalt Jeff Schaffart an die panischen Schreie seiner Frau. Er hatte da noch an “Baulärm” geglaubt, wie er im US-Frühstücks-TV erzählt: “Dann spürte ich diesen stechenden Schmerz im Arm – und fiel zu Boden”. Das Paar hatte gerade nach Weihnachtsgeschenken für ihr Zweijährige gesucht. Hawkins wurde mit einem Einschuss im Kopf in einem Geschäft gefunden. Die Polizei führte völlig erstarrte Überlebende aus dem Gebäude, vorbei an “den Leichen in ihren Blutlachen”, wie eine anmerkte. Eine Gruppe hielt beim Verlassen des Gebäudes die Arme nach oben, Einkaufstaschen in ihren Händen.
Behörden und Lokalmedien stellten eilig ein Psychogramm des Täters zusammen: Vermieterin Maruca-Kovac sei er verloren, “wie ein weggelegtes Hündchen” vorgekommen. In seinem Abschiedsbrief kritzelte er, die Welt “in großem Stil” zu verlassen und “berühmt” werden zu wollen.

6. Dezember: Iowa: Stunde der Außenseiter?

Niemand hätte sich noch vor Wochen ein Duell um das Oval Office in 2008 zwischen Senator Barack Obama und dem Ex-Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee vorstellen können. Eher bereitete sich die Polit-Presse auf den Showdown des Jahrhunderts vor: Ex-First Lady Hillary Clinton versus New Yorks Haudegen und Ex-”9/11-Bürgermeister” Rudy Giuliani.
Jetzt könnte im Staat Iowa jedoch – wo in weniger als vier Wochen die Vorwahl-Saison zur Bestimmungen des jeweiligen Demokraten- und Republikaner-Kandidaten für den Kampf um die Bush-Nachfolge beginnt – die “Stunde der Außenseiter” schlagen.
Jüngste Umfragen deuten auf eine Sensation hin:
# Bei den “Dems” führt der wegen seines Charismas “farbiger JFK” getaufte Obama mit 28 % in einem regelrechten Polit-Thriller vor Hillary (25 %) und Ex-Senator John Edwards (23 %).
# Noch größer ist die Überraschung bei den Konservativen: Der redegewandte, doch fast religionsfundamentalistische Ex-Baptisten-Prediger Mike Huckabee, der mit Muskelprotz Chuck Norris durch Iowa zieht, hat Ex-Massachusetts-Gouverneur Mitt Romney mit 29 % zu 24 % abgehängt. Und das, obwohl Huckabee bisher bloß 320.000 Dollar in Iowa ausgab, verglichen mit Romneys Millionen-Wahlkampfbudgets.
Der überraschende Trend setzt sich auch in nationalen Umfragen fort: Laut “Gallup”-Umfrage reduzierte sich Hillarys einst deutlicher Vorsprung auf Obama in nur einem Monat um neun Prozent, Giuliani sackte um sieben Prozent ab. Und auch hier ist die große Überraschung Mike Huckabee, der sich von Rang Fünf im Republikaner-Feld auf Platz Zwei katapultierte. “Huckaboom”, jubeln die Medien bereits.
“Huckabees Aufstieg zeigt, dass das Rennen bei den Republikaner noch völlig offen ist”, so TV-Polit-Kommentator Tim Russert. Bei den “Dems”, die wegen der Unbeliebtheit von US-Präsident George W. Bush als Favoriten in der Wahlschlacht 2008 gelten, habe Obama “Tritt gefasst”, so Russert: Und es gäbe verstärkt Zweifel an den letztendlichen Siegeschancen der polarisierenden Hillary.
Die Schlammschlacht läuft in der vielleicht “spannendsten Vorwahl seit Generationen” auf Hochtouren: Romney wirft Huckabee vor, er habe als Gouverneur in Arkansas einen Vergewaltiger pardoniert, der dann mordete. Hillarys Stab hat inzwischen Aufsätze aus Obamas Zeit als Drittklassler ausgegraben, die zeigen, er sei “wankelmütig”. Die US-Presse zerriss Hillary wegen der Aktion in der Luft.

5. Dezember: Kein A-Bomben-Programm in Teheran? Bush blamiert

US-Präsident George W. Bush steht nach der Blamage einer kompletten Kehrtwende seiner Geheimdienste in Sachen Irans Atom-Bombenprogramm verstärkt im Kreuzfeuer der Kritik: Bush und sein Vize Dick Cheney hatten bisher wegen dem mutmaßlichen Bau einer “Mullah”-Bombe vor der Gefahr eines “dritten Weltkrieges” gewarnt. Bushs Kriegsgetöse samt Reports über detaillierte Pläne für US-Luftschläge gegen Irans Atomanlagen hatten zu weltweiter Nervosität geführt. Jetzt behaupten 16 US-Geheimdienste in ihrer gemeinsamen Einschätzung, “National Intelligence Estimate” (NIE), plötzlich: “Neue Information” hätten gezeigt, dass Teheran sein Waffen-Programm im Herbst 2003 auf Eis legte. Es ist das zweite Debakel für Bush und die US-Geheimdienste nach den Warnungen vor “Atompilzwolken” über US-Metropolen durch Saddam Husseins angebliche Massenvernichtungswaffen (WMD). Die als triftigster Kriegsgrund genannten WMDs wurden nie gefunden.
Vor allem die oppositionellen Demokraten fragen wütend: Hat Bush, der laut US-Medien “seit Monaten” über die neuen Geheimdienst-Erkenntnisse Bescheid gewusst haben soll, die Gefahr als Gründen politischer Propaganda gehypt, wie damals vor dem Irakkrieg? In einer eilig einberufenen, turbulenten Pressekonferenz geriet Bush prompt in die Defensive: Er habe über den neuen NIE-Report erst “vergangene Woche” erfahren, beteuerte er. Und weiter: Im Sommer habe ihm ein Geheimdienstmitarbeiter über das Auftauchen “neuer Fakten” berichtet, die jedoch erst verifiziert hätten werden müssen.
Bush will dennoch an seinem Hardline-Kurs gegenüber Teheran festhalten: “Nichts hat sich geändert”, verblüffte er Reporter. Der Report zeige nämlich, so Bush weiter, dass der “Iran gefährlich war, ist und auch in Zukunft sein wird”. Denn: Der Mullah-Staat könnte sein Atomwaffen-Programm mit den bestehenden Urananreicherungs-Anlagen “jederzeit wieder aufnehmen”. Bush forderte die Staatengemeinschaft auf, den Druck gegenüber Teheran weiter aufrechtzuerhalten. “Die Luft ist da wohl draußen”, zitiert jedoch die “New York Times” einen Teilnehmer einer kürzlichen europäisch-amerikanischen Verhandlungsrunde über schärfere UN-Sanktionen.

# 3. Dezember: Arnie rettet Hausbesitzer

Kalifornien-“Governator” Arnold Schwarzenegger exerziert US-Präsident George W. Bush nach seinem vorbildlichen Einsatz beim Feuerinferno nun auch bei der US-Hypotheken-Katastrophe vor, wie aktives politisches Krisenmanagement aussehen kann: Für 500.000 Hausbesitzer im “Subprime”-Sektor für Kreditnehmer, die kaum Eigenkapital für die Eigenheim-Finanzierung aufbrachten, schnellen in Kürze die Zinsraten nach oben, nachdem sie mit niedrigen “Teaser”-Raten geködert wurden. Für einen 150.000-Dollar-Kredit etwa seien dann statt 998 1.216 Dollar pro Monat zu bezahlen, ein Plus von 26%. Arnie rang nun vier Gläubigerbanken, die 25% des Marktes repräsentieren, Zugeständnisse ab, dass in Härtefällen der Ratensprung später exekutiert werden soll. Von den 826.900 zwischen 2005 und 2006 abgeschlossenen Subprime-Krediten drohen 180.000 Kaliforniern in 2008 der Verlust ihres Heimes – mit schlimmen Konsequenzen für die Wirtschaft. Obwohl in den ganz USA ein Gesamtschaden von 166 Milliarden Dollar und der Verlust von 524.000 Jobs drohen – samt allen Turbulenzen an den Weltbörsen –, zögerte Bush zuletzt mit Hilfsmaßnahmen für die Opfer: Doch nach Arnies Initiative verhandelt nun auch das White House mit den Großbanken Citigroup, Washington Mutual oder Countrywide über das “Einfrieren” von Zinsraten.

# 3. Dezember: Giulianis Sex and the City

Die Affäre um den angeblichen Missbrauch von Steuermitteln durch Rudy Giuliani, als der damalige New Yorker Bürgermeister im Jahr 2000 seine Mätresse Judith Nathan zum Sex traf, weitet sich täglich aus: Der Skandal, prompt von den Lokalmedien “Sex and the City” nach der gleichnamigen Hit-TV-Serie getauft, könnte dem Republikaner-Frontrunner für die Schlacht ums Oval Office massiv schaden. Giuliani soll hunderttausende Dollar an Kosten für die Treffen mit seiner Geliebten Judith obskuren New Yorker Behörden in Rechnung gestellt haben: Darunter die Bezahlung von Bodyguards, Benzin- und Bewirtungsrechnungen, sogar Broadway-Tickets oder Eintrittskarten für Baseball-Spiele. Jetzt wurde bekannt, dass New Yorker Cops Nathan, heute Giulians Frau, zu ihren 200 Kilometer entfernten Eltern chauffierten und ihren Hund äußerln führten.

# 2. Dezember: Geiseldrama im Hillary-Büro II: Kandidaten suchen Schutz

Nach dem bizarren Geiseldrama in einem Wahlbüro von Demokraten-Star Hillary Clinton in New Hampshire fürchten die Spitzenkandidaten der immer brutaleren Oval-Office-Wahlschlacht 2008 um ihre Sicherheit. Im Visier irrer Täter ist vor allem Hillary, die derzeitige White-House-Favoritin. Bestes Bespiel ist der Geiselnehmer Lee Land Eisenberg (46), der am Freitag mit einer, mit Klebeband am Bauch befestigten Bombenattrappe zunächst vier Geiseln im Hillary-Büro in Rochester festhielt und erst nach fünfeinhalb Stunden eines sich “live” im US-TV entfaltenden Dramas aufgab.
Die Ex-First-Lady und New-York-Senatorin, die sich zum Zeitpunkt der Geiselnahme in Washington aufhielt, ist das Ziel der extremsten Hasspropaganda am Internet. Einen Attentatsversuch gab es bereits 1994, als der verstörte LKW-Fahrer Frank Corder ein “Cessna 150”-Kleinflugzeug in die Fassade des White House steuerte, nur wenige Meter neben dem Schlafraum von Bill und Hillary Clinton (sie schliefen wegen Renovierungsarbeiten glücklicherweise im Gästehaus).
Der kommende Wahlkampf würde deshalb zur “besonderen Nervenprobe” für den Personenschutz von Hillary & Co, so Experten. Die präsidiale Elite-Einheit “Secret Service”, die auch Hillary bewacht, überlege verschärfte Sicherheitsvorkehrungen nach dem Geiseldrama, wurde gemutmaßt. Hillarys Top-Kontrahent, der farbige Barack Obama, war bereits vor einem Jahr nach massiven Drohungen unter den Schutz des Secret Service gestellt worden.
Politisch ist das Drama für Hillary jedoch ein Segen: Sie wirkte, als sie nach dem unblutigen Ende den “Mut” ihrer jungen Helfer beschrieb, “sehr präsidial”, so Kommentatoren.
Bizzare Details tauchen über den Geiselnehmer Eisenberg auf: Er hätte vor dem Überfall 72 Stunden lang Alkohol konsumiert, über Regierungsverschwörungen phantasiert, dachte, ein “Chip” sei in seinem Gehirn platziert. Eisenberg telefonierte während des Showdowns mehrmals mit dem News-Kanal CNN und beschwerte sich, dass Menschen mit “geistigen Problemen” nicht ausreichend geholfen werde.

# 1. Dezember: Hillary-Geiseldrama I: Panik in Rochester

Die Präsidentschaftswahl-Schlacht 2008 hat ihr erstes handfestes Drama: Ein Mann in seinen Vierzigern marschierte in das Wahlkampfbüro der Demokraten-Frontrunnerin Hillary Clinton in Rochester, New Hampshire. Der Täter hatte Sprengstoff an seine Brust geschnallt und hielt zunächst mehrere Geiseln, zuletzt zwei junge Helfer der Clinton-Kampagne, so lokale TV-Stationen. Eine freigelassene Geisel, eine Frau, kam laut Augenzeugen mit ihrem achtmonatigen Baby tränenüberströmt in ein nahes Geschäft gelaufen: Sie bat, die Notrufnummer “911” anzuwählen, “da ein Mann ins Büro marschierte, seinen Mantel aufriss, wo eine mit Klebeband an seiner Brust befestigte Bombe sichtbar wurde”.
Die nahen Wahlkampfbüros der Hillary-Kontrahenten Barack Obama und John Edwards in der gleichen Straße wurden prompt evakuiert, fast ganz Downtown Rochester komplett abgeriegelt. Eltern liefen panisch zu einer nahen Schule, um ihre Kinder abzuholen. SWAT-Teams, Elite-Einheiten der Polizei, gingen mit Maschinenpistolen im Anschlag in Stellung. Zu sehen war auch ein gepanzertes Fahrzeug. Die Polizei untersagte den News-Helikoptern jegliche Live-Aufnahmen, um dem Täter keine ihrer Bewegungen zu verraten.
Clinton, die sich während des Geiseldramas in der US-Kapitale Washington aufhielt, sagte prompt einen Auftritt im Staat Virginia ab. Sprecher nannten “Sicherheitsgründe”. Die Motive des Geiselnehmer waren zunächst unklar: Der Mann habe mit Hillary sprechen wollen, sagten Zeugen. Die Senatorin könne tatsächlich direkt verhandeln, hieß es, doch man “halte sich an die Anweisungen der Polizei”, so ein Statement.

# 1. Dezember: Ein Prediger für das White House?

In Iowa, wo am 3. Jänner mit dem “Iowa Caucus” die Präsidentschafts-Vorwahlen 2008 beginnen, zeichnet sich bei den Republikanern (GOP) eine Sensation ab: Der ehemalige Baptisten-Pastor Mike Huckabee (52), wie Bill Clinton Ex-Gouverneur des Provinzstaates Arkansas, führt laut “Rasmussen”-Umfrage mit 28 % vor Ex-Massachusetts-Gouverneur Mitt Romney mit 25 %. New Yorks Ex-“9/11-Bürgermeister”, der in nationalen Umfragen deutlich voran liegt, kommt in Iowa überhaupt nur auf 12 %.
Huckabee wurde mit der Redegewandtheit eines Predigers, dem nach 50 Kilo Gewichtsverlust guten Looks á la Hollywood-Star Kevin Spacey und ultrafrommen Ansichten zum Darling der republikanischen Christenbasis, die den Mormonen Romney und Abtreibungsbefürworter Giuliani ablehnen. Für den Bibelmann wirft sich auch der Film-Raufbold Chuck Norris in die Wahlschlacht. Huckabee wird als Religions-Fundamentalist bezeichnet, trotz erfrischendem Humor und coolen Hobbys wie dem Spielen der Bassgitarre in einer Rockband: Abtreibungen bezeichnet er als “Holocaust”, die Evolutionstheorie hält er für gotteslästerlich, als aktiver Jäger lehnt er jegliche Waffenbesitz-Restriktionen ab.
Selbst bei einem Triumph in Iowa sind die Hürden in den GOP-Primaries für Huckabee hoch: Bloß 2,3 Millionen Dollar sammelte er heuer, Frontrunner Giuliani über 50 Millionen. Doch auszuschließen ist nichts, so Politologen: Nach dem “wiedergeborenen Christen” George W. Bush könnten die Konservativen nun einen Prediger ins Rennen schicken wollen.

# 1. Dezember: Vorentscheidung in Iowa?

Mit dem Iowa-”Caucus” beginnt am 3. Jänner die Wahlschlacht 2008. Iowa ist traditionsgemäß der erste große Test für die Kandidaten in den Vorwahlen, wo Demokraten und Republikaner entscheiden, wer für das Oval Office antritt. In Iowa wird, anders als bei den ersten echten Primaries in New Hampshire fünf Tage später, die Kandidaten-Präverenz in Bürgerversammlungen in 1784 Wahlbezirken ermittelt. Politisch ist der Iowa-Caucus, obwohl bloß 6% der Wahlberechtigten teilnehmen, das wichtigste Vorwahl-Barometer: 13 der jüngsten 14, letztendlich Gekürten starteten mit einem Sieg in Iowa. Spätestens am “Super Tuesday” (5. Februar), wenn die Hälfte der Staaten gewählt hat, dürften die Kandidaten feststehen.