Interviews 2001


# 15. Jänner: Ex-US-Botschafterin Swanee Hunt: „Bill Clinton ist eine Success Story“

Was hat Bill Clinton bewirkt – in den USA und als Weltführer?
Hunt: Dramatisch waren die Veränderungen in Sachen Wirtschaft: Bei einem Gipfel bereits vor seiner Inauguration 1993 brillierte er mit einem Vortrag über wirtschaftliche Theorien, wie man eine Nation aus ökonomischen Krisenzeiten herausholen kann. Und genau das hat er in seiner Amtsperiode gemacht. Eine wirklich außergewöhnliche Success Story.
Welche Verdienst hat Clinton daran? Die Republianer siedeln den Beginn des Booms ja in den Reagan-Jahren an…
Hunt: Unsinn! Sogar Bush senior bezeichnete im Vorwahlkampf vor 20 Jahren die Reagan-Politik als “Wodoo-Economics”, die Idee radikaler Steuersenkungen samt Sozialabbau. Jetzt macht Bush jr. das gleiche, was sogar sein Vater damals ablehnte. Und die Zahlen, das eskalierende Budgetdefizit unter Reagan etwa, beweisen ja das Scheitern dieser Politik.
Wie sehr hat sich die Gesellschaft in der Clinton-Ära verändert?
Hunt: Angesichts des jetzigen Wahlergebnisses frage ich mich das selbst. Man muss sich fragen, wie viele wirklich die Botschaft verstanden haben. Der Kampf für eine tolerantere Gesellschaft stand jedenfalls ganz oben auf Clintons Liste, vor allem verbesserte Rassenbeziehungen, mehr Gleichstellung für Homosexuelle. Doch wenn ich mein Land jetzt betrachte, ist es kein toleranterer Ort als vor acht Jahren.
Wie sehr hat Clinton die USA nach dem Ende des Kalten Krieges als Supermacht neu positioniert?
Hunt: Die erste Phase war geprägt von einer zögerlichen Haltung ohne Entscheidungskompetenz, inklusive dem Oval Office. Defacto waren wir die einzige verbliebene Supermacht, doch wir haben uns am Anfang zu sehr zurückgehalten. Am Ende war alles so chaotisch, dass ich viele Hilferufe erhielt: “Bitte, könnt ihr Washington nicht dazu bringen, eine Führungsrolle zu übernehmen?” Wir wollten immer alle in ein Boot bringen, und wenn es Widerstand gab haben wir uns lieber rausgehalten – mit tragischen Konsequenzen etwa in Bosnien. Mit der Zeit wurde die US-Aussenpolitik selbstbewusster, der Präsident ist in die Rolle als Weltführer hineingewachsen.
Wie groß war der Schaden durch vergeudete Chancen durch die Lewinsky-Affäre?
Hunt: Ein unvorstellbar großer Verlust! Ein Jahr an Zeit und Zuwendung des Präsidenten ging vollständig verloren, wer kann sich jemals den Schaden ausrechnen? Als alles implodierte, war er bereits eine lahme Ente – und das letzte Jahr stand bereits im Zeichen des Wahlkampfes.
Welche Rolle wird der Skandal in Sachen Clinton-Erbe spielen?
Hunt: In zehn Jahren wird es wohl ein Fußnote sein. Schon jetzt scheint das Sexualleben des Präsidenten niemand wirklich mehr zu interessieren.
Welche Rolle wird er künftig spielen?
Hunt: Ich träume, dass er Bürgermeister von New York wird. Das wäre wohll das coolste. Er hätte sehr viel Spass. Er könnte dort weiter laufend Staatschefs treffen und Deals machen. Und er wäre der beste Bürgermeister, den die Metropole seit lange gesehen hat.
Wie dramatisch wird der Machtwechsel zur Bush-Administration ausfallen, in Sachen Außenpolitik inklusive der Beziehungen zu Österreich?
Hunt: Der letzte Präsident war nicht besonders involviert in Sachen Österreich, und daran wird sich unter Bush nicht viel ändern. Die Beziehungen zu Europa sind sehr stabil, und niemand rechnet damit, dass dort etwa ein Krieg ausbricht. Die Frage ist jedoch in anderen Regionen: Wie willens sind wir fortan, zu intervenieren? Ich kann mir das Einschreiten im Kosovo schwer unter einer Bush-Regierung vorstellen. Ich erinnere mich nur zu gut an Colin Powells ablehnende Haltung eines Einschreitens am Balkan in den ersten Jahren – ein Fehler.
Die Clinton-Regierung stand Jörg Haider und seiner Partei sehr kritisch gegenüber. Brechen nun unter Bush harmonischer Zeiten an?
Hunt: Möglicherweise. Clinton zeigte ein sehr starke Position bei rassistisch motivierten Verbrechen, Bush äußert sich dazu fast kaum, er sieht es nicht so stark als persönlichen Affront wie Clinton. Amerikaner werden gegen Haider mobilisiert, wenn man ihn als Nazi-Symphatisanten empfindet. Unabhängig ob das stimmt oder nicht, hat diese Rhetorik die US-Regierung gegen Haider aktiviert. Ich weiss nicht, ob diese Sorgen einen ähnlichen Grad der Aufregung bei den Bush-Leuten provozieren.
Werden wir Clinton vermissen?
Hunt: Das beginnt ja bereits. Wir werden uns zurücksehen an seine Gabe als Redner, seinen außerordentlichen Intellekt, das Charisma.

# 15. März: US-Wirtschafts-Guru Shiller: „Ernste Sorgen“

Wie schlimm steht es um die US-Wirtschaft?
Shiller: Ich mache mir ernste Sorgen, weil das Vertrauen schwindet. Und das nach einer Zeit, wo wir übertrieben optimistisch waren: Wir hatten die längste Expansion in unserer Geschichte, den höchsten Aktienmarkt, Rekordausgaben und wenig private Ersparnisse der Konsumenten. Die letzte Woche an den Aktienmärkten war ernst, aber es ist noch nicht Oktober 1929.
Kann Alan Greenspan Wallstreet nochmals retten?
Shiller: Die Leute haben falsche Hoffnungen. Es ist so eine komische Theorie, dass Zinssenkungen den Aktienmarkt beleben. Die augenblicklichen Auswirkungen sind gering – die Hoffnungen auf Retter Greenspan allesamt übertrieben.
Jeder zweite Amerikaner besitzt Aktien. Sind die Bürger den Markt zu sehr ausgesetzt?
Shiller: Für viele trifft das zu, sie haben zu wenig diversifiziert. 30 Prozent der Bürger knapp vor der Pension vertrauen 100 Prozent auf Aktien. Einige haben ihre ganze Pension mit Techaktien verspekuliert. Die Leute sind zu aggressiv, weil sie viel Geld in kurzer Zeit machen wollen. Ein Riesenfehler.
Wie wird sich der schwindende “Wealth Effekt” auf die Wirtschaft auswirken?
Shiller: Es auch ein psychologischer Effekt: Marktschwankungen machen entweder optimistisch oder pessimistisch – und beeinflussen das Konsumentenverhalten. Noch hält die Nachfrage, aber das kann sich schnell ändern.
Präsident Bush schlägt eine Steuersenkung als Allheilmittel vor – und scheint die Wirtschaft regelrecht kaputt zu reden…
Shiller: Die Senkungen finden langsam statt und haben keinen kurzfristigen Effekt. Und die Indezes für Konsumentenvertrauen in die Wirtschaft sind gefallen und niemand hatte eine Erklärung. Ein Präsident, der über die schlechte Wirtschaft redet, hat da sicherlich einen Einfluss. Normalerweise erwartet man vom Präsidenten, die Wirtschaft zu stabilisieren – und nicht zu destabilisieren.

# 30. April: McVeigh-Buchautor Herbeck: „Tötet so selbstverständlich, wie andere Brot kaufen…“

Was Sie erschüttert sie nach 75 Stunden Interviews mit Timothy McVeigh am meisten?
Herbeck: Dass er über dies abscheuliche Verberchen ohne irgendwelche Anzeichen von Emotionen, Entschuldigung oder Reue reden kann. Er redet über das Töten von 168 Menschen wie andere über den Einkauf eines Leibes Brot.
Warum wurde er so?
Herbeck: Als er ein Kind war, hatten seine Eltern eine schlimme Scheidung. Danach war er extrem ängstlich. In der Schule wurde er gehänselt und unterdrückt. Das lebt ihn ihm bis heute: Als Erwachsener sieht er in der US-Regierung den größten Unterdrücker.
Welche Rolle spielte der Golfkrieg?
Herbeck: Zunächst war er begeistert, US-Soldat zu sein. Doch dann verbrachte er die größte Zeit mit dem Studium von Antiregierung-Literatur. Das Töten von Menschen im Auftrag der US-Armee in Dessert Storm hat ihn enorm geprägt: Er fühlte sich als Auftragskiller für den größten Underdrücker der Welt.
Hat er tatsächlich dieses Verbrechen fast allein mit der Hilfe von nur zwei Freunden durchgeführt?
Herbeck: Beim Zusammenbau der Bombe hatte er Hilfe von seinem Militärfreund Terry Nichols. Aber generell: Es war die Arbeit von zwei Leuten, zwei Ex-US-Soldaten. Das ist für viele schwer vorstellbar. Die wilden Theorien, wie arabische Terroristen wären mitverantwortlich, die US-Regierung hätte das Gebäude selbst gesprengt oder Milizen wären beteiligt gewesen, wurde von mir gründlich recherchiert: Wir fanden keine Beweise für eine großangelegte Verschwörung.
Wußte McVeigh, was er tut?
Herbeck: Oh ja, er hatte sogar gehofft, mehr als 168 Menschen zu töten. Er hatte an 400 oder 500 Menschen gedacht.
Wie glaubhaft ist seine Aussage, er hätte nichts über den Kindergarten gewußt?
Herbeck: Er schwört es. Und es macht Sinn: Er wollte als Freiheitskämpfer in die Geschichte eingehen und nicht als Babykiller.
Hat er Angst vor dem Tod?
Herbeck: Er sagt, dass wäre nur die nächste Phase seines Abenteuers. Er scheint sehr gefasst.
Ist er religiös?
Herbeck: Er glaubt nicht in Gott, ist sich aber nicht ganz sicher. Er fühlt sich keiner Religion zugehörig.
Opfer-Angehörige haben sie wegen des Buches der Geschäftemacherei bezichtigt…
Herbeck: Das war die größte Tragödie in der US-Geschichte. Und wir hatten die Chance, den Täter zu erforschen. Wir wären verrückt gewesen, dass abzulehnen. Hätte ein Reporter die Chance gehabt, Adolf Hitler vor 50 Jahren zu interviewen, um seine Gedanken zu erfahren, wäre das sehr hilfreich gewesen. Auch dieses Buch wäre schmerzhaft für Hitlers Opfer gewesen. Wir sind Journalisten, Historiker und schämen uns nicht für unseren Job.

# 5. Mai: Bill Clinton: „Ich liebe jede Minute“

Wie verkraften sie ihren Pensionsschock?
Clinton: Ich bin total beschäftigt, das letzte Monat war ich in Afrika, um gegen die AIDS-Epedemie zu kämpfen, oder in Indien, um den Bebenopfern zu helfen. Ich fahre so oft wie ich nur kann nach Washington, um Zeit mit meiner Frau zu verbringen. Ich bin stolz auf sie als Senatorin – und dadurch erhalte ich auch mein riesiges Interesse in der amerikanischen Innenpolitik. Wie sie wissen, die Amtsperiode eines Präsidenten dauert maximal acht Jahre – jetzt beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt. Aber ich habe eine großartige Zeit. Ich liebe jede Minute.
Sie haben Österreich niemals besucht, als sie Präsident waren.
Clinton: Dafür war ich vorher dort. Als junger Mann besuchte ich Kitzbühel und Salzburg. Ich freue mich sehr, jetzt wieder zu fahren.
Sie, und noch deutlicher ihre Frau, haben sich oftmals über den Aufstieg der “Far-Right” und über die Politik Jörg Haiders im Besonderen besorgt gezeigt. Wie beurteilen sie die Lage jetzt?
Clinton: Wir haben auch hier starke rechtsradikale Kräfte. Es ist sehr wichtig, dass Europa und die USA mit gutem Beispiel vorangehen: Wir müssen Gesellschaften bilden, die Toleranz zeigen für Leute von verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen, sowie unterschiedlichen Rassen. Sehen sie sich die Welt nach dem Ende des Kalten Krieges an: Fast alle Probleme haben ihren Ursprung in rassischen, ethnischen und religiösen Spannungen. Und es ist ironisch, dass im moderensten aller Zeitalter – wo wir alle über das Internet verbunden sind oder großartige Fortschritte in den Naturwissenschaften erzielen – diese Errungenschaften in die Hände von Extremisten fällt, die xenophpobisch oder hasserfüllt gegenüber unterschiedlichen Menschen sind. Ich werde in Österreich nichts anderes sagen als zuletzt in Burundu, wo ich einen Stammeskonflikt schlichten musste – oder in Australien, wo ich eine großzügigere Haltung gegenüber Einwanderern forderte. Der Erfolg der Menschheit im 21. Jahrhundert hängt davon ab, wie wir in den reichen Nation mit unserer Unterschiedlichkeit umgehen.
Das widerspricht vielen Ideen Jörg Haiders…
Clinton: Ich möchte mich jetzt nicht zu sehr in die österreichische Politik einmischen. Ich bin jetzt ein einfacher Bürger – und versuche mich zurückzuhalten. Man weiß aber, dass ich eine konträre Meinung habe. Ich zum Beispiel glaube, dass Amerika in den letzten Jahren ein viel interessanterer Ort wurde – weil wir heute viel multikultureller sind. Wenn Leute bestimmte gemeinsame Wert teilen – wie der Glaube in Demokratie und Unternehmertum, oder die Stärke ihrer Gemeinde – können sie friedlich miteinander leben. Das ist meine Position.
Wie bewerten sie die apprupte Kehrtwende der USA in Sachen Klima-Erwärmung und einer Abkehr vom Kyoto-Protokoll?
Clinton: Ich hoffe, die USA wird ihre Position ändern. Mir ist es leider nicht gelungen, den Kongress zur Ratifizierung des Kyoto-Abkommens zu bewegen. Vizepräsident Al Gore und ich hatten das Protokoll verhandelt. Wir glauben, die Klimaerwärmung ist real, und wir glauben, die USA muss die Führungsrolle übernehmen. Und es gibt heute Strategien, wo wir Wirtschaftswachstum und Reduktion der Treibhausgase gleichzeitig erreichen können. Wir brauchen eine viel umfassendere Energiestrategie – und wir sollten mit Europa und der Welt kooperieren, um eine Klimakatastrophe abzuwenden. Das ist die potentiell größte Bedrohung, der wir in den nächsten 50 Jahren ausgesetzt sind. Wir können die Debatte in den USA noch gewinnen: Und ich werde alles tun, was in meinen Möglichkeiten steht, um hier eine Rolle zu spielen.
Werden sie sich in China für eine Normalisierung der Beziehungen zu den USA einsetzen?
Clinton: Ich habe mit Vertretern der jetzigen Administration darüber gesprochen. Ich hatte eine gute Beziehung zu Jiang Zemin als ich Präsident war. Nicht ganz ohne Probleme, weil wir fundamental verschiedene Ansichten zu den Themen wie persönliche und religiöse Freiheiten haben. Aber es ist im Interesse der Welt, dass die USA und China eine konstruktive Beziehung zueinander haben.

# 16. Oktober: Steve Forbes: „Ernüchternde Erfahrung…“

Wie schützen sie sich persönlich gegen Anthrax und welche Vorsichtsmassnahmen wurden bei „Forbes Magazin“ getroffen?
Forbes: Wir haben die Sicherheit auf ein Maximum erhöht und überwachen den Briefverkehr lückenlos. Das Faktum, dass es sich hier um eine konzertierte Aktion handelt, gibt Anlaß zu großer Sorge: Wenn die das mit Anthrax machen können, was könnte mit noch gefährlicheren Erregern angerichtet werden?
Wie gelähmt ist „Corporate America“ durch die Anthrax-Panik?
Forbes: Die Sicherheitsvorkehrungen werden Dinge verlangsamen – und wir müssen lernen, mit der Bedrohung zu leben. Aber wir werden uns jetzt deshalb nicht alle verkriechen.
Sie haben eine „österreichische Lösung“ für Afghanistan vorgeschlagen – was heißt das?
Forbes: Afghanistan sollte von „Power Politics“ neutralisiert werden, wie damals Österreich von den „Cold War Politics“ 1955 unabhängig gemacht wurde. Damit wurde auch die Teilung in Ost- und West-Austria verhindert – und das Land als Puffer zwischen den Einfluß-Sphären der Superpowers etabliert. In Afghanistan muss zunächst eine Regierung gebildet werden, die der ethnischen Zusammensetzung des Landes entspricht – umfassender als etwa die Nord-Allianz zur Zeit. Dann braucht man ein Übereinkommen mit den Nachbarstaaten: Iran, Pakistan, Russland, Indien und andere müssen überzeigt werden, künftig ihre Finger von Afghanistan zu lassen. Man darf nicht die gleichen Fehler wiederholen, als die Sowjet-Truppen abzogen.
Kann Österreich helfen, die „Austrian Solution“ selbst zu propgaieren?
Forbes: Es könnte hier eine Führungsrolle übernehmen, mit dem Aussenministerium als Speerspitze. Österreich könnte die Idee auch innerhalb der UNO propagieren und eine Debatte darüber initiieren. Österreich ist ja eine Success Story – warum soll ein neutrales Afghanistan nach 20 Jahren Krieg nicht auch eine Chance erhalten?
Wo waren sie am 11. September?
Forbes: Ich war am Weg nach New York. Ich sah, als das zweite Flugzeug in den Süd-Tower krachte. Unvorstellbar. Wir sahen die Türme von unserem Büro: Jetzt glaubt man, sie immer noch zu sehen – und muss sich selbst erinnern, das sie nicht mehr da sind…
Wie geht es weiter?
Forbes: Alles ist viel schwieriger geworden: Die Wirtschaft stottert, das Reisen ist erschwert. Aber am schlimmsten ist das nicht greifbare, die Menschen und ihre Einstellung zum Leben. Es war eine ernüchternde Erfahrung, deren Auswirkungen für die USA noch nicht abschätzbar sind.
Wie real ist der Wirtschafts-Rebound, den wir in den letzten Tagen an der Wall Street gesehen haben?
Forbes: Ich hoffe, das des ein Vorbote für die Gesamtwirtschaft ist. Der geht es zur Zeit noch sehr schlecht. Für das Fundament eines anhaltenden Wirtschaftsaufschungs sollte die „Ferderal Reserve“ nach den Zinssenkungen nun Geld in die Wirtschaft pumpen. Die Wirtschaft ist ausgetrocknet. Dann sollten die Steuersenkungen, die diesen Sommer beschlossen wurden, umgehend in Kraft treten – und nicht erst in ein paar Jahren. Inklusive einer Reduktion der Kapitalertragssteuer.
Die US-Wirtschaft hatte schon vor dem 11. September Probleme…
Forbes: Der Anschlag hat existierende Probleme vertieft: Der Airline Industrie ging es auch vorher nicht gut, aber sie war nicht vom Bankrott bedroht. Das gleiche gilt für Hotels, die Reisebranche. Und die Konsumenten sind knausriger geworden, suchen nach Schnäppchen.
Wann wird es besser?
Forbes: Hängt davon ab, ob die notwendigen Schritte bei der Monetary-Politik gesetzt werden. Wir werden wohl eine Recovery spätestens Mitte 2002 sehen. Die Frage ist nur: Von welchem Niveau? Zusätzlich sollte der internationale Währungsfonds reformiert werden, dessen Performance ein Desaster ist: In der Türkei, Indonesien, Argentinien oder Brasilien wurden Währungs-Abwertungen empfohlen und höhere Steuern verordnet. Ein Irrweg.
Was passiert, wenn dieser Krieg Jahre dauert?
Forbes: Das wäre dann wohl ähnlich dem Kalten Krieg, der 40 Jahre gedauert hat. Das hat uns auch nicht davon abgehalten, andere Dinge zu machen. Die Wirtschaft kann auch unter solchen Voraussetzungen wachsen – der Focus liegt dann auf anderen Industriezweigen.
Wie hilfreich sind die europäischen Verbündeten in diesem Kampf?
Forbes: Militärisch trägt die USA die Hauptlast, mit gelegentlicher Hilfe von Großbritannien und anderen Staaten. Doch je länger es dauert, desto mehr wird die NATO involviert werden – auch was das Zerschlagen von Terrorzellen in anderen Staaten betrifft.
Wie sehr ist Debatte über mögliche Wurzeln des Terror durch eine umstrittene US-Außenpolitik im Nahen Osten zulässig?
Forbes: Wir können ja nicht sagen: Was wollen die Terroristen? Geben wir es ihnen, und dann werden sie uns nicht angreifen. Apeasement funktioniert nicht. Wenn jemand eine Beschwerde hat, dann soll er sie zur UNO tragen. Nichts refertigt Massenmord. Hitler war ebenfalls vergrämt. Deutschland war vergrämt in den 20iger Jahren. Doch das rechtfertigte nicht den Nazi-Wahn der 30iger.
Sie waren ein wortgewaltiger Gegner von George Bush in den Primaries im Vorjahr. Wie schlägt er sich nun als Präsident in der Krise?
Forbes: Er ist superb. Er hat seinen Zweck gefunden, seine Stimme. Ein exzellenter Job bis jetzt.
Wie lange hält die nun so reibungslose, überparteiliche Zusammenarbeit im Kongress?
Forbes: Sie wird eine Weile halten, einfach weil die Amerikaner Resultate an der Kriegsfront sehen wollen. Es wird Perioden mit Reibungen geben, wie man sie auch während des zweiten Weltkrieges gesehen hat. Aber Leadership wird triumphieren.
Wann wird die amerikanische Öffentlichkeit ungeduldig?
Forbes: Präsident Bush war erfolgreich, die Erwartungshaltungen für schnelle Erfolge – ein paar Luftschläge begrenzt auf ein paar Wochen – zu dämpfen. Er hat gewarnt, dass es Jahre dauern könnte und um Geduld gebeten.
Als Herausgebers eines Magazines: Wie fällt die Medienbilanz aus?
Forbes: Sie haben bisher das beste aus einer schwierigen Situation gemacht: Jetzt findet der Krieg aus der Luft statt, und zu späteren Kommado-Aktionen wird man keine Kamerateams mitnehmen.
Wenn man den 11. September im historischen Licht sehen will: Wo stehen wir?
Forbes: Es war ein noch nie dagewesener Schlag gegen die USA. Wir müssen uns jetzt mit Realitäten auseinandersetzen, vor denen wir uns bisher gedrück haben. Es gab viel Gerede, Händeringen, Rhetorik. Jetzt wird es anhaltende Anstrengungen geben. Wir werden den Terroristen das gleiche antun, wie die britische und amerikanische Navy im 19. Jahrhundert den Piraten im Mittelmeer: Sie auslöschen. Es ist ein Kampf zwischen Zivilisation und Barbarismus.
Was soll mit „Ground Zero“ geschehen?
Forbes: Die Müllhalde in Staten Island, wo die Trümmer jetzt gelagert werden, sollte zu einem nationalen Friedhof umgebaut werden. Am Areal selbst sollten neue Türme, neue Strukturen, mit neuer Architektur entstehen.
Was haben sie über New York gelernt?
Forbes: Es hat verdeutlicht, was man schon vorher irgendwie wusste: Es ist ein harte Stadt, zugleich eine menschliche Stadt. In der Krise sind alle noch näher zusammengerückt.

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