# 16. Dezember: Julia-Roberts-Biograf Spada: „Tristess ihrer Jugend“

NEWS: Was waren die überraschendsten Ergebnisse ihrer Roberts-Recherchen?
Spada: Vor allem Tristesse ihre Jugend. Mutter und Vater ließen sich scheiden als sie vier Jahre alt war, es gab schlimmen Streit, ihr Vater war ein sehr komplizierter Mann, er hatte jungen Schauspielern in einem Workshop geholfen, war, und das hat bisher noch niemand veröffentlich, bisexuell – und machte sich an die jungen Schauspieler heran. Die Mutter wollte nicht, das er die Kinder jemals wieder sieht, und er musste um jeden Besuch kämpfen. Selbst seine Geschenke behielt sie zurück, Julia dachte deshalb, dass ihr Dad sie nicht liebe und als er an Krebs starb, hatte ihnen die Mutter niemals mitgeteilt, dass er krank war und Julia hatte in nicht einmal im Spital besucht. Ihr Stiefvater, so berichtete jedenfalls ihr Bruder Erik, hatte ihn misshandelt – und wahrscheinlich auch Julia. Sie hat niemals ein Wort über ihren Vater verloren, eine Indikation, dass ihr Verhältnis zu ihm mehr als unangenehm war.
NEWS: Haben ihre desolaten Familienverhältnisse ihre Karriere beeinflusst?
Spada: Es machte sie, besonders zu Beginn ihrer Karriere, enorm unsicher und wenig selbstbewusst. Und sie zeigt teils regelrecht, wirres Verhalten. Und sie war richtig Boycrazy. Eine Zimmerkollegin während sie einen ihrer erste Filme drehte sagte, dass sei eine Nacht mit einem der Szenen-Beleuchter verbrachte, die nächste mit einem Soundtechniker. Und dann hatte sie natürlich eine Serie von Liebschaften mit führenden Hollywood-Männern, Liam Neeson, Kiefer Sutherland, wo sie bereits verlobt kurz vor der Hochzeit kalte Füße bekam. Der Grund dafür könnte in ihrer Furcht vor zu viel Intimität in einer Beziehung liegen, etwas, dass sie in ihrer Familie niemals zu sehen bekam. Ihr wurde niemals gezeigt, dass Beziehungen gut und lang andauernd sein können. Und dann hat sie echte Probleme mit ihrem Selbstbewusstsein, und das ist niemals gut für eine Beziehung.
NEWS: Sind diese Probleme, wie wenig Selbstbewusstsein, immer noch auffällig?
Spada: Sie hat vieles überwunden. Doch ganz verliert man so etwas nie. Ich hatte geglaubt, dass sie mit Benjamin Bratt ihr wahre Liebe gefunden hatte, es war ihre längste Beziehung – und er war anders, als ihre Boy-Friend-Vorgänger, kein „Bad Boy“-Image. Doch dann kam natürlich ihre Affäre mit dem Kameramann Danny Moder, ihrem heutigen Gatten, ein Zeichen, dass die „alte Julia“ wieder zugeschlagen hatte.
NEWS: Damit zerstörte sie gleich zwei Beziehungen, ihre eigene und die zwischen Danny und seiner Frau Vera.
Spada: Sie hat den ersten Schritt gesetzt. Sie sah ihn ohne T-Shirt am Set, verschwitzt, und er ist ein gut gebauter, gut aussehender Mann. Und sie sprach ihn an, danach, erzählt er, hinterließ sie eine eindeutige Nachricht in ihrem Drehbuch an ihn…
NEWS: So funktioniert das Anbandeln am Drehset?
Spada: … sie ist offensichtlich nicht scheu! Und ein Freund von Danny erzählte, dass er sich niemals hatte vorstellen können, eine Affäre am Drehset zu haben – und schon gar nicht mit einer der Stars. Das heißt, hätte sie nicht angebandelt, wäre es niemals zu dieser Beziehung gekommen.
NEWS: Hat sie seine Ehe zerstört?
Spada: Die Details darüber sind widersprüchlich. Er habe ihr erklärt, dass seine Beziehung praktisch gescheitert sei, dich zur gleichen Zeit schenkte er Vera einen Ring und schwor ewige Liebe. Die Frage ist, ob eine gesunde Beziehung durch jemand anderen zerstört werden kann? Wahrscheinlich nicht.
NEWS: Wie lange hatte die Affäre gedauert?
Spada: Ein Jahr lang. Und sie wurde natürlich rasch zum Top-Thema in den Tabloids. Und da nutzt Julia die Medien für sich, obwohl sie sich sonst immer so bitter beschwert über Journalisten: Als Vera eine Scheidung hinauszögerte, trug Julia das berühmte T-Shirt „AlowVera“, doppeldeutig für den Namen einer Pflanze oder „eine tiefe Vera“ für die Taktik von Dannys Frau. Vera musste das als Warnung verstanden haben: Da kämpft dieser mächtige, reiche Hollywood-Star gegen mich, die mich in der Öffentlichkeit fertig machen kann.
NEWS: Wie gut kann ein Beziehung sein, die mit Untreue beginnt?
Spada: Dannys Freunde haben ihn gewarnt, dass ihm rasch das gleiche Schicksal wie ihre Vorgänger ereilen könnte. Und er fortan eine Gattin habe, der er nicht vertrauen könne. Doch, so seine Bewohnerin des Apartmentkomplexes, wo sie sich während der Affäre trafen, sagt, Julia schien ihm völlig ergeben zu sein, regelrecht süchtig nach ihm. Sie würde ihn anstarren, mit einem Blick des Verlangens! Als sich die Frau und Danny beim Mistkübelausleeren zufällig trafen und kurz plauderten, erschien fünf Minuten später Julia um zu sehen, was los ist. Es scheint als misstrauen sie sich beide ein wenig. Aber ich habe nichts über eine immanente Krise in deren Ehe gehört, theoretisch könnten sie für immer zusammen bleiben. Er ist ein attraktiver Mann, aber sie hatte einige der attraktivsten in Hollywood und es hat nicht gehalten.
NEWS: Wann wir mit „Pretty Baby“ rechnen?
Spada: Ich habe keine Beweise, dass sie unfruchtbar ist, aber es scheint wahrscheinlich. Sie ist jetzt fast 37 Jahre alt und hatte trotz mehrmals geäußerten Babywunsch niemals eine Schwangerschaft. Ein Frau die zweimal verheiratet ist und andauernd den Wunsch nach einer Familie äußert, lügt entweder oder ist unfruchtbar.
NEWS: Was macht Julia Roberts zum Superstar?
Spada: Ihre Persönlichkeits-Trademark scheint zu sein, dass sie sich als das „nette Mädchen von Nebenan“ ausgibt. Nett, lustig, feiert gerne, ist ein echtes Party Girl. Die Leute bewundern sie! Besonders Leute, die sie kennen – aber auch ihre Fans, die mögen was sie sehen. Eine enorm gut aussehende Frau, mit perfekter Figur, fantastischen Haaren, wie ein perfektes Abbild eines Menschen – doch gleichzeitig wirkt sie nahbar, einfach, jemand mit dem man ein Bier haben kann als Freund.
NEWS: Viele ihrer Fans wissen das nicht, aber sie macht sich in Interviews oft einen Spaß daraus Journalisten zu erniedrigen…
Spada: Viele glauben, dass sie generell den Umgang mit der Presse scheut, ihr misstraut, weil sie oft nicht gut behandelt wird. Doch das trifft für viele Stars zu – und die rächen sich auch nicht an der Filmpresse. Es könnte auch Unsicherheit sein. Doch sie kann die Presse auch für ihre Zwecke nützen, wie man am Beispiel ihres Krieges gegen Dannys Frau gesehen hat. Zuletzt trat sie auf zur Bewerbung ihres Filmes „The Mona Lisa Smile“ in Wellesley, Massachusetts, und machte abfällige Bemerkungen über die Stadt. So was tut man nicht, es ist ungezogen und widerspricht den Attributen einer Hollywood-Göttin, wie sie ihre Fans verehren. Aber sie ist eine widersprüchliche Person.
NEWS: Wohin kann sie ihre Karriere noch führen?
Spada: Sie scheint zusehens ernstere Filme zu machen. Erin Brockovic, Mona Lisa Smile etwa. Damit will sie wohl von der Serie der Popcorn-Filme wegkommen. Aber sie hat ihr Potential als Schauspielerin noch nicht voll entfaltet – und das muss sie, wenn sie in die Liga der unsterblichen Hollywoodgöttinnen aufsteigen will, wie Betty Davis, die alle Arten von Charaktären spielte. Julia ist einer bestimmten Formel treu geblieben, sie spielt immer praktisch sich selbst. Als sie das erstmals bei Erin Brockovic nicht machte, waren alle so erstaunt, dass sie gleich einen Oscar bekam… Sie muss als überzeugende Schauspielerin noch den Beweis antreten. „Pretty Woman“ wird nicht mehr lange klappen.

# 16. Dezember: Ex-CNN-Anchor Bernie Shaw: „Keine Befriedung des Irak“

NEWS: Sie haben Saddam Hussein interviewt – was ging durch ihren Kopf, als sie diese unglaublichen TV-Bilder eines zerzausten, verwahrlosten Mannes in einem Erdloch sahen?
Shaw: Ich erinnerte mich sofort an meine damaligen Eindrücke, was für eine eitle, stets auf sein Aussehen bedachte Person er als Diktator war. Er verstand, mit seiner Kleidung zu beeindrucken. Wie ein stolzer Pfau, jede Haarsträhne in Position, seine Fingernägel manikürt. Die Bilder vom Sonntag waren natürlich ein brutaler Kontrast.
NEWS: Wird seine Festnahme einen Einfluss auf den Guerilla-Krieg haben? War er ein Symbol oder geht es eher um die Besatzung?
Shaw: Es ist wohl eine Kombination vieler Faktoren. Saddam hat sicher hohen Symbolwert. Doch den hatten auch seine Söhne, und dessen Ausschaltung – trotz ihrer sogar strategische Rolle innerhalb der Aufständischen – hat den Irak keinesfalls befriedet. Wenn wir in den nächsten Wochen jedoch tatsächlich eine Abnahme der Terror-Aktivitäten sehen, dann war Saddams Verhaftung tatsächlich der Wendepunkt. Trotzdem wird die Gewalt für Jahre weitergehen, und es sind nicht nur die Amerikaner als Besatzer – auch der interne Konflikte zwischen den Volksgruppen und die Tradition der Iraker als Jäger und stolze Waffenbesitzer tragen zur Unstabilität bei.
NEWS: Saddam zeigt in erste Verhören keine Reue. Was kann die Welt von ihm in einem Prozess erwarten?
Shaw: In seinem Ego ist eine Atombombe eingeschlagen. Und er wird versuchen, sich vehement zu verteidigen. Er ist immer noch am Leben und er sieht sich als großer arabischer Held – er wird versuchen, dieses Image zu retten. Sofort hat er die Ermordung seiner Gegner verteidigt, gesagt die wären alle Diebe gewesen.
NEWS: Wie wichtig ist es, dass die Iraker ihm den Prozess machen?
Shaw: Monumental wichtig. Idealerweise sollte er vor ein öffentliches Geschworengericht, wahrscheinlicher ist es jedoch, das ihn ein Gremium auserwählter Richter aburteilen wird. In den Köpfen der Iraker lebt Saddam als dominante, bedrohende Figur weiter. Und es ist wichtig für sie, einen symbolischen Teil dieses Mannes zu bekommen.
NEWS: Hat die Festnahme Saddam Husseins die USA sicherer gemacht, wie Präsident Bush behauptet?
Shaw: Keinesfalls. Es gibt immer noch hunderte Zellen in den USA, die auf das Zuschlagen warten – und ich bin überzeugt, dass wir wieder angegriffen werden.

# 17. November: Al-Kaida-Experte Gunaratna: „Ohne Irak wäre Al-Kaida fast erledigt“

Interview mit Rohan Gunaratna, weltbekanntester Al-Qaida-Experte und Autor des Klassikers „Inside Al-Qaida“, Chef des Terror-Research am Singapurer „Institute of Defense and Strategic Studies“:

NEWS: Was können wir aus den Anschlägen von Istanbul schließen?
Gunaratna: Seit dem 11. September fokusiert Al-Qaida auf Ziele jüdischer und westlicher „Kreuzritter“ in Asien, dem Nahen Osten und Afrika. So gerne sie auch Ziele im Westen angreifen würden, so sehr sind ihre Kapazitäten geschwunden, daher weichen sie auf Ziele in Staaten auf, wo Verbrechungs- und Terror-Bekämpfung auf niedrigem Niveau erfolgen. Ihre Stärke ist von 4.000 Mitgliedern im Oktober 2001 auf heute 1.000 geschwunden, und ein Großteil der Anschläge wird nicht mehr von Al-Qaida selbst, sondern von Schwesterorganisationen ausgeführt. Diese wurden nach dem Verlassen der Sowjets aus Afghanistan 1989 bis 2001 von Al-Qaida ausgebildet, insgesamt 20.000 Mitglieder islamischer Terrorgruppen in Asien, Afrika, dem Nahen Osten und dem Kaukasus. Genau diese Gruppen bomben jetzt, in Bali, Istanbul, Kenia, Marokko, im Irak. Al-Qaida versucht den Verlust an operativen Kapazitäten durch das Anstiften von Anschlägen durch ihre Verbündeten wettzumachen. Und dann gibt es natürlich den Beschluss von 1998 zum heiligen Krieg gegen Israel, der sich in Attacken auf die Synagogen in Istanbul, dem Hotel in Mombassa, Kenia, aber auch der Synagoge in Tunesien, wo 14 deutsche Urlauber starben, oder in Casablanca manifestiert.
NEWS: Hat die Gefahr für den Westen abgenommen? Funktioniert der Anti-Terrorkrieg?
Gunaratna: Die Absicht, den Westen zu treffen, hat keinesfalls abgenommen, doch ihre Kapazitäten, auf westlichem Boden zuzuschlagen, sind geringer – das gilt für Europa, Australien, die USA oder Kanada.
NEWS: Schließen sie Anschläge aus?
Gunaratna: Wer immer sich von einem Gefühl der Sicherheit einlullen lässt, wird getroffen werden. Und da sehe ich eine Gefahr in Europa, das, sollte der Trend weitergehen, als nächstes getroffen werden könnte. Wenn die Wachsamkeit nachlässt, wird Al-Qaida auch im Westen wieder zuschlagen.
NEWS: Wer zieht bei Al-Qiada die Fäden und wie?
Gunaratna: Immer noch Osama bin Laden und sein Vize Al-Zawahiri. Obwohl er unter Druck ist, wird seine Ideologie und Strategie von seinem Anhängern ausgeführt, Video- und Tonbänder bringen die nötige Inspiration. Das logistische Tagesgeschäft der Führung der Terrororganisation leidet jedoch sehr wohl durch die permanente Flucht.
NEWS: Wie sehr hat der Krieg im Irak die Jagd auf Al-Qaida unterminiert?
Gunaratna: Ohne dem Irakkrieg wäre Al-Qaida heute fast erledigt. Die Invasion hat den Zulauf zu Al-Qaida und anderen islamischen Terrorgruppen eskalieren lassen, wie auch die Anzahl von Bürgern wächst, die plötzlich deren radikale Ideologie unterstützen. In Afghanistan einzumarschieren war richtig, der Irak hingegen ein schwerer Fehler: Er hat eine ganze Generation potentieller Terroristen inspiriert, den Kampf gegen den West für alle Zeit fortzuführen. Dazu wurde ein Heer Freiwilliger kreiert, das alle Al-Qaida-Verluste rasch auffüllen kann.
NEWS: Wie wichtig ist es Osama bin Laden zu töten oder Gefangen zu nehmen?
Gunaratna: Seine Flucht ist der größte Fehler der Amerikaner im ganzen Antiterror-Krieg, wie es insgesamt eine Schwäche der Amerikaner zu sein scheint, Führer nicht auszuschalten – Stichwort Saddam, oder auch Aidid in Somalia. Solange bin Laden lebt wird Al-Qaida seine Verluste wettmachen und weiter kämpfen. Ohne bin Laden könnte der Spuk rasch zu Ende sein.
NEWS: Ist eine Attacke so spektakulär und blutig wie der 11. September noch denkbar?
Gunaratna: In heutigen Zustand scheint ein derart lange vorbereitete, multinational geplante Operation schwer denkbar, doch Al-Qaida hat die Kapazitäten mittelschwerer Abschläge vor allem in Entwicklungsländern. Die erhöhte Wachsamkeit im Westen, die noch niemals da gewesene internationale Kooperation und die aggressive Jagd auf Al-Qaida-Mitglieder machen Elfter-September-ähnliche Anschläge kaum denkbar. Die Planung dutzender Terroristen in vielen Staaten über einen langen Zeitraum wäre sehr anfällig für ein vorzeitige Enttarnung. Solange diese Pfeiler im Kampf gegen den Al-Qaida-Terror aufrecht bleiben, sollte Großattacken im Westen ausblieben.

# 28. September: Medelaine Albright: „Wir nahmen Terror ernst“

NEWS: Hat der Präsident den Amerikanern die Wahrheit gesagt vor dem Einmarsch in den Irak?
Albright: Das Wort Wahrheit ist hier vielleicht nicht das am besten geeignetste. Für mich gab es irgendwie sogar zu viele Gründe für den Angriff, die dauernd geändert wurden: Einen Tag wollte man die Massenvernichtungswaffen loswerden, den nächsten Saddam Hussein, dann Al-Qaida, dann war es wieder für Demokratie… Die Amerikaner bleiben eher verwirrt zurück. Und was die Massenvernichtungswaffen betrifft, wundert es mich, dass sie nicht längst eine Untersuchung der Geheimdienste angeordnet haben, als selbst in der Defensive zu sein.
NEWS: Überrascht es sie, dass nichts gefunden wurde?
Albright: Ein wenig, ja. Und es beunruhigt mich auch. Als wir 1998 mit den Inspektoren raus geworfen wurden, waren wir zutiefst besorgt über Waffen, die von den Inspektoren, die ja Unmengen zuvor fanden und zerstörten, nicht gefunden werden konnten. Man konnte als in 2003 davon ausgehen, dass es noch etwas gibt. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass die Inspektoren weitermachen hätten können. Was Angst einflößend ist, dass sie sich bereits längst in den Händen von Terror-Gruppen befinden und deshalb nicht gefunden werden können. Und noch alarmierender ist die Entwicklung, dass der Irak zum Zielort von Terrorgruppen wie Al-Qaida wurde, ähnlich Afghanistan während der Sowjetbesetzung, als die Mudschahedin gegen die Besatzer kämpften, einer von ihnen Osama bin Laden. Und nachdem ich die Verbindung zwischen Hussein und Al-Qaida vor dem Krieg nicht ausmachen könnten, scheint sie jetzt gegeben. Die unausgereifte Postkriegsplanung und das Chaos haben den Irak in eine Brutstätte des internationalen Terrors gemacht!
NEWS: Wie sehr hat das Impeachment-Drama von Präsident Clinton US-Außenpolitik überschattet und behindert?
Albright: Clinton hatte ein Gabe, Sachen auseinander zu halten, und ich fühlte, dass wir seine volle Aufmerksamkeit in Sachen Außenpolitik hatten – ein Rückschlag war nur als wir einen Gegenschlag gegen Osama bin Laden wegen der Afrika-Botschaftsbombardierungen machten, es alle als Ablenkungsmanöver ähnlich dem damals populären Film „Wag the Dog“ sahen. Und dann dachten die meisten Ausländer, wir sind alle übergeschnappt: Vor der UNO bekam Clinton ja sogar Standing Ovations.
NEWS: Bedauern Sie nicht früher und mit mehr Ressourcen gegen Al-Qaida und Osama bin Laden vorgegangen zu sein?
Albright: Wenn man an der Regierung ist dann muss man mit dem arbeiten was man vorliegen hat: Trotz der Bomben gegen die Botschaften und obwohl Amerikaner dabei starben hätten wir die Bevölkerung kaum für umfangreiche Militärschlägen gegen Al Qaida gewinnen können. Wir haben die neue Bedrohung jedoch durchaus wahrgenommen, einige Organisationen umstrukturiert – und ja auch einen Terroranschlag, der für den Jahrtausendwechsel auf den Flughafen in Los Angeles geplant war, vereitelt. Rückwirkend betrachtet fällt jede Kritik leicht, doch mit den Geheimdienst-Infos die wir zu diesem Zeitpunkt hatten, machten wir was wir konnten. Ein Grund für den aufgerissenen Graben zwischen den USA und Europa ist auch, dass der Effekt des 11. September in Europa trotz der Welle an Symphatie nachgelassen hat, während er in den USA instrumentell zur besonders außenpolitischen Sichtweise wurde.
NEWS: Haben Sie an diesem Horrormorgen auch gleich an Bin Laden gedacht, wie Clinton einmal sagte?
Albright: Kann man so sagen, Al-Qaida galt immer als die aktivistische Terror-Gruppe. Was ich jedoch kaum fassen konnte, war die Gleichzeitigkeit der Exekution der Anschläge.
NEWS: War die Reaktion auf den 11. September der Bush-Regierung angemessen?
Albright: Absolut. Man braucht wirklich wenig Gripps um anzunehmen, dass jemand, der in solcher Weise angegriffen wird, auch zurückschlägt.
NEWS: Wäre das 1999 oder 2000 passiert…
Albright: …hätten wir sicherlich das gleiche getan.
NEWS: Gerne wird über den 11. September als „Tag der alles änderte“ referiert. Ist das tatsächlich so?
Albright: Es änderte viel, aber keineswegs alles. Die Bedrohung war da, sie dauert an, dann gibt es Probleme mit denen wir damals zu tun hatten, mit denen sich auch unsere Nachfolger auseinandersetzen sollten: Globale Armut, Diktaturen, Seuchen, Klimaerwärmung, die Verbreitung von Waffen – all diese Probleme bestanden vor dem 11. September wie danach. Was ich mir von der jetzigen Führung wünschen würde, ist nicht nur über Dinge zu sprechen gegen die wir sind sondern auch wofür wir sind: Wir können nicht eine derart eindimensionale Außenpolitik haben, wo wir uns nur um die militärischen Aspekte kümmern.
NEWS: Haben Sie das Gefühl, dass die Bush-Regierung den 11. September für eigene politische Zwecke missbraucht, auch wenn man bedenkt, dass die Republikaner-Convention in New York fast zeitgleich mit dem dritten Jahrestag stattfindet?
Albright: Ich hasse, dass zu glauben – es wäre einfach zu zynisch. Es war ein derart tragisches Ereignis, dass ich mir keine Sekunde lang vorstellen möchte, dass die Regierung das missbraucht. Es wäre einfach ein zu furchtbares Konzept, den Tod von 3.000 Menschen für politischen Nutzen zu missbrauchen.
NEWS: Als Jörg Haider 1999 nach der Macht in Österreich greifen wollte und in einer Koalitionsregierung landen sollte, was haben Sie der Clinton-Regierung empfohlen?
Albright: Ich war enorm besorgt. Doch wir dachten, dass wir die Beziehung zu Österreich nicht abbrechen wollten, wir haben uns dadurch die kuriose Situation der Europäer erspart, die Österreich einerseits boykottierten, andererseits alle Geschäftsbeziehungen aufrecht erhielten. Doch ließ unsere Botschafterin einmal pro Monat Bericht erstatten, ich befürchtete auch einen gefährlichen Trend nach Rechts in Europa. Jetzt haben sich die Österreich mit dem Problem selbst auseinandergesetzt.
NEWS: Soll Österreich neutral bleiben?
Albright: Österreich spielte eine zentrale Rolle im Kalten Krieg als neutrales Land. Doch interessant scheint, während Europa eins wird hat sich die Gültigkeit der Neutralität offenbar geändert. Und ich verstehe auch, dass Politiker und Bürger sich Gedanken machen ob Österreich Teil der NATO sein will. Denn Neutralität ist ein komischer Begriff im 21. Jahrhundert, weil es nichts gibt zwischen dem man heute neutral sein kann.
NEWS: Was halten Sie von der Kandidatur Arnold Schwarzeneggers in Kalifornien?
Albright: Ich denke, was sich Kalifornien gerade abspielt, ist sehr eigenartig. Die Frage stellt sich, ob wir glauben, ob Wahlen gültig sind oder nicht. Und ob man einfach gewählte Politiker stürzen kann, weil einem danach ist. Ich kenne Arnold Schwarzenegger nicht, doch ich denke, er sollte rasch über die wirklichen Probleme und deren Lösung zu sprechen beginnen, er ist hier ja kein Movie-Star, er ist nicht der Terminator, er muss lernen, was es heißt, mit einem sehr großen und komplizierten Staat zu dealen. Ich denke, Menschen sollten aufgrund ihrer Qualifikation zu höheren Ämtern gewählt werden und nicht weil sie Rollen spielen.
NEWS: Es wurde eine Verfassungsänderung eingebracht, die es auch nicht in den USA Geborenen erlaubt, als Präsident anzutreten. Das betrifft nicht nur Arnold sonder auch sie…
Albright: Eine Verfassungsänderung ist eine enorm langwierige Sache, aber ich hoffe, das es eines Tages möglich sein wird – wir sind ein Einwandererland.
NEWS: Sie haben zuerst als US-Botschafterin zur UNO, dann als Außenministerin innerhalb der Clinton-Regierung die Philosophie des Multilaterismus, das Zusammenführen der Welt durch freien Handel und der Kommunikationsrevolution verfolgt – nun scheint durch den Kurswechsel der Bush-Regierung samt Präventivkriegen und Alleingängen vieles revidiert worden zu sein. Schmerzt das?
Albright: Ja. Ich beginne auch mein Buch mit dem Satz, ich wollte nicht, das dieser Job jemals endet. Ich liebte, Außenministerin zu seine, es war die Möglichkeit die Vorteile amerikanischer Involviertheit in internationalen Fragen zu demonstrieren, und das die USA im 21. Jahrhundert Teil eines internationalen Systems waren, wo es der Mitbegründer vieler seiner Organisationen wie UNO oder NATO war. Und diese Institutionen dienten nicht nur dem Wohl Amerikas, sondern vieler Staaten. Ich war engagiert, reiste 1.038.000 Meilen, und ich dachte es war wichtig zuzuhören, was unsere Freunde und Alliierte zu sagen hatten. Ich dachte nicht, dass wir die ganze Weisheit stets gepachtet haben, was ich jedoch klarstelle ist, dass die USA ein nicht weg zudenkender Faktor in der Weltpolitik ist, wegen seiner Machtfülle und Größe. Deshalb bin ich heute sehr besorgt: Für mich schienen wir in vielen Belangen – Nordkorea, UNO-Reform, NATO-Erweiterung, Kosovo, Nahost etc. – am richtigen Kurs, und wenn das alles zu Nichte gemacht wird mit der Politik „ABC“, „Anything But Clinton“, tut es sehr weh. Diese Regierung braucht einen Reality-Check, so wie wir es in Nahost gesehen haben, als plötzlich Bush entschied, dass es doch wichtig genug ist dass wir uns engagieren sollten. Auch gute Beziehungen zu China scheinen jetzt wieder wichtig zu sein. Ich hoffe, dass der Reality Check Bush noch bei anderen Themen auf unseren Kurs einschwenkt. Die USA ist nicht geschwächt durch Freunde und Alliierte, wir sind gestärkt. Wir sind nicht Gulliver, der von den kleinen Liliputanern nieder gebunden wird. Wir sind eine Supermacht, doch müssen mit anderen zusammenarbeiten.
NEWS: Sie beschreiben ihre mehrmaligen Besuche in ihrem Heimatland Tschechien und ihre Treffen mit Vazlav Havel – nun steht dieses Land knapp vor dem Eintritt in die EU. Das sind dramatische Veränderungen in kürzester Zeit. Und dann gibt es natürlich viele im Nachbarstaat Österreich, die Angst vor diesen Entwicklungen haben…
Albright: Die Teilung Europas nach dem zweiten Weltkrieg war eine Tragödie und wir haben in der Clinton-Regierung viel für ein vereintes Europa gearbeitet: Es ist der richtige Weg für die Bürger der EU, die neuen Länder willkommen zu heißen – jeder gewinnt von einem geeinten Europa! Natürlich ist es ein schwieriger Prozess samt der Ausarbeitung einer funktionierenden Konstitution und Kompromisse wird es geben müssen.
NEWS: Berühmt seit diesem Frühjahr ist eine von Verteidigungsminister Rumsfeld ausgerufenen Teilung in altes und neues Europa.
Albright: Ich glaube nicht in ein altes und neues Europa, für mich gibt es nur EIN Europa. Besser wäre es für die USA den geeinten Kontinent anzuerkennen und sogar einen Beobachter-Posten zu kreieren, wie ich einmal vorgeschlagen habe. Die USA und das geeinte Europa müssen lernen miteinander auszukommen.
NEWS: Soll das alles auf die Vereinigten Staaten von Europa hinauslaufen?
Albright: Das sehe ich nicht wirklich. Die USA hatten eine einzigartige Konstellation mit ausschließlich Einwanderern, doch Europa ist bekannt für nationale Identitäten und souveräne Regierungen.
NEWS: Welche Zukunft hat die NATO angesichts jüngster Kriege, wo die USA versuchte ihre Rolle zu minimieren?
Albright: Ich stehe zu Bündnissen wie der NATO deshalb finde ich die Vorgangsweise der jetzigen Regierung auch so alarmierend, ihre, wie ich sage, ihre Bündnis-Allergie. Die Tatsache, dass sie wenig Nutzen in der UNO oder der NATO sehen. Natürlich gab es mit dem Ende des Kalten Krieges Veränderungen, doch wir entwickelten das Bündnis weiter als der Welt stärkste Militärallianz – die wir in Bosnien und dem Kosovo auch zum Einsatz brachten und wir deren Struktur zu schätzen lernten. Und dann ist es auch ein politisches Bündnis, wo auch Werte wie Demokratie, Kontrolle über das Militär zählen, wie neue Mitglieder zu schätzen lernten. Interessant scheint ja jetzt, dass die Bush-Regierung ihren Wert in Afghanistan zu schätzen lernte. Natürlich machte es keinen Sinn wenn künftig 27 Nationen Entscheidungsprozesse verunmöglichen – ich wünsche mir die NATO als eine organische Institution die sich weiterentwickeln kann.
NEWS: Die Hoffnung auf Frieden zwischen Israelis und Palästinensern ist nicht sehr groß.
Albright: Ich habe gesehen wie nahe wir waren, einen Friedensschluss in Camp David zu erreichen – und die Eckpfeiler eines Rahmenwerks für den Nahost-Frieden sind heute so gültig wie damals: Ein Palästinenser-Staat, Sicherheitsgarantien für die Israelis, Lösungsansätze für die enorm schwierige Aufteilung Jerusalems, Flüchtlingsfragen, es ist alles da. Und die Tatsache, dass wir so nah an einer Lösung waren, erzeugt grundsätzlich Hoffnung. Das größte Problem sind immer die Radikalen, die wenn immer man dem Frieden nahe kommt sie realisieren ihren Einfluss zu verlieren und dann sprengen sie wieder was in die Luft. Darum ist es auch so wichtig, dass die USA eine dominierende Rolle übernimmt, was Präsident Bush letztendlich zur Kenntnis nehmen musste – ich bedauere nur, dass zweieinhalb Jahre verschwendet wurden durch das Raushalten Washingtons. Ich sehe aber auch eine wichtige Rolle Europas, die ja Mitautoren der „Road Map“ sind.
NEWS: Sie waren der Falke in einer militärisch zögernden US-Regierung…
Albright: Eine Nation hat nicht so viele Werkzeuge in seinem Nationalen-Sicherheits-Werkzeugkasten, eines davon ist Diplomatie offensichtlich, das andere militärische Gewalt. Und wenn Diplomatie, die mit militärischen Drohung untermauert ist, fehlschlägt, muss man den Willen haben auch Waffengewalt einzusetzen. Und es war an der Zeit, nach dem wir zu lange den Horror der ethnischen Säuberungen zugesehen haben, einem Bully wie Milosevic zu demonstrieren, dass wir weitere Säuberungen verhindern werden. In bestimmten Fällen ist der Einsatz von Gewalt unverzichtbar.
NEWS: Sie haben Milosevic getroffen, wie war er?
Albright: Ein aalglatter Operateur, der mich noch dazu über eine Geschichte des Balkans belehren wollte, die, wie ich wusste, falsch war. Als er das tat, habe ich ihn schroff unterbrochen: Ich weiß wie es wirklich ist, belehren Sie mich nicht! Das war kein besonders produktives Treffen…
NEWS: Freut es Sie dass er jetzt in Den Haag vor Gericht steht?
Albright: Einer meiner stolzesten Momente war die Unterzeichung des Internationalen Kriegsverbrechertribunals, weil wir wussten, dass Versöhnung nur mit einem gewissen Maß an Gerechtigkeit erfolgen kann, das die bestraft werden, die Verbrechen begangen haben und nicht kollektiv eine ganze Nation. Und mit Milosevic steht der Richtige vor Gericht – doch ist es unangebracht für einen ehemaligen Offiziellen der US-Regierung daran persönliche Freude zu nehmen…
NEWS: Die Bush-Regierung hat die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Gerichtshof (ICC – Red) verweigert…
Albright: Wir haben dessen Gründung unterstützt, wenn wir auch durch die große internationale Rolle der USA in einigen Punkten über eine Sonderrolle verhandelten – doch einfach den Verhandlungstisch zu verlassen ist sicher nicht die richtige Strategie.
NEWS: Sie schreiben dass ihre größte Enttäuschung in ihre ganzen Karriere die Unfähigkeit der internationalen Gemeinschaft war, das Massaker in Ruanda zu verhindern.
Albright: Nach dem Zwischenfall in Somalia waren wir in einer Phase enormer Vorsicht beim Einsatz von US-Truppen, und dann war es sehr schwierig rasch eine internationale Eingreiftruppe zusammen zu stellen, um das Massaker zu stoppen. Es ist eine furchtbare Story, ich besuchte dreimal die Killing Fields in Ruanda, sah das Blut an den Stiegen eines Stadiums wo Frauen und Kinder massakriert wurden.
NEWS: Am Berührendsten in ihrem Buch scheint das Kapitel wo sie ihre jüdische Herkunft erfahren, die Ihre Eltern Ihnen vorenthielten – samt der Tatsache, dass viele ihre Verwandten im Holocaust umkamen.
Albright: Ich hatte immer Toleranz gepredigt und die Horrors des Holocaust studiert, nur wusste sich nicht, welch persönlichen Bezug ich dazu habe. Als die Sache aufflog verlangten viele von mir, meinen Vater zu kritisieren: Das habe ich nie getan. Man hat gesagt eine Lektion daraus sei: Hinterfrage immer deine Eltern! Für mich war es mehr Verständnis, welch unglaublich schwierige Entscheidung das für meine Eltern gewesen sein muss. Und ich respektiere dessen Entscheidung.

# 15. März: Gore Vidal: „Amerika ist im Kriegstaumel“

FORMAT: Was hat sie bisher am meisten überrascht in Golfkrieg II nach nunmehr drei Wochen?
Vidal: Die unrealistische Planung für die Invasion, im militärischen Sinne. Ich bin geboren in West Point und zwar kein militärischer Stratege. Doch dreieinhalb Jahre im zweiten Weltkrieg und 30 Jahre Studium der Amerikanischen Geschichte lassen für mich die Planung als bizarr erscheinen. Zu wenige Bodentruppen, ein Scheitern der Allianz mit der Türkei mit den Auswirkungen auf die Nordfront – und dann die längsten Nachschubwege in diesem Terrain… Dazu der anhaltende Mythos, dass Schlagkraft aus der Luft Kriege gewinnt. Das ist niemals eingetroffen bisher, mit der Ausnahme Panama.
FORMAT: Wie groß ist der Schaden für Amerika im Rest der Welt, besonders im Arabischen Raum?
Vidal: Möglicherweise endgültig. Doch bis jetzt wurden wir vor einem großen Gegenschlag nur durch die Unfähigkeit dieser Staaten, ihre eigenen Sachen ins Reine zu bekommen, gerettet. Das Aufpeppeln der Diktatoren, royal oder bürgerlich, in diesem Teil der Welt hat sich ausgezahlt – für unsere Expansionspläne zumindest.
FORMAT: Ein militärischer Erfolg der USA ist absehbar. Doch was könnte aus einem Post-Kriegs-Irak unter US-Besetzung werden, die zumindest für einige Zeit vorgesehen ist?
Vidal: Eine amerikanische Besatzung des Iraks würde eine Konföderation gegen uns provozieren, eine, die bei uns zu Hause zuschlagen wird. Je schneller wir dort abziehen, mit so vielen Tonnen von Öl wie möglich, desto besser.
FORMAT: US-Präsident George Bush reitet nun auf einer Welle der Popularität – funktioniert die Strategie des präventiven Kriegführen gepaart mit Terror-Alarmen in den USA selbst?
Vidal: Ich weiß, was die Umfragen sagen, ich weiß aber auch, wie die manipuliert werden. Er ist innenpolitisch der unpopulärste Präsident seit Hoover. Die Medien und „Corporate America“ – gleich und gleich gesellt sich gerne – haben dieses „Anschwellen“ der Popularität kreiert. Der wirkliche „Schock and Awe“ wird kommen, wenn die Rechnung für diese, von ihm erfundene Intervention dem Volk präsentiert wird. Das wird ihn ins Privatleben befördern, außer er greift den Iran an – was dann wirklich unsere letzen Tage wären.
FORMAT: Amerika ist im Kriegstaumel, Kritiker der Regierung und des Krieges drehen ihre Protest zurück – was ist der „State of the Union“?
Vidal: Es gab viel Einschüchterung für die Mehrheit der Bevölkerung, die nervös gemacht wurde durch die beiden „Patriot Acts“. Ich sehe eine politische Bewegung, die eine Wiederherstellung der Bürgerrechte fordert und den Wahlkampf 2004 dominiert – wenn man uns eine neue Wahl dann überhaupt noch gestattet…
FORMAT: Wie haben die großen Medien bisher über den Irak-Krieg berichtet?
Vidal: Die schlimmste Serie von „Cover-ups“ und offenem Lügen, die ich jemals gesehen haben.
FORMAT: Was sind ihre weiteren Pläne, ihrer Unzufriedenheit mit der Regierung Ausdruck zu verleihen?
Vidal: Ständiges Wiederholen von „Ich habs euch prophezeit!“ – in den Wind.
Interview: Herbert Bauernebel