# 21. April: Alte Politik, alter Unsinn


Es war natürlich naiv zu glauben, dass es in der heurigen Wahlschlacht um Sachthemen hätte gehen können. Nicht dass es im Amerika des Jahres 2008 an Themen mangelt: Die 160.000 im Irak festsitzenden GIs, die erdrückende Schuldenlast, eine Drittwelt-Infrastruktur, Immobilienkrise und Rezessionsängste. Im zunächst mitreißenden Duell der “Dems”-Titanen Barack Obama und Hillary Clinton waren Anzeichen ernsthafter Debatten über die krisengebeutelte Supermacht spürbar. Und besonders der charismatische Obama versprühte Hoffnung auf eine “neue Ära”. Doch dann fiel Hillary zurück, bewarf Obama mit Dreck – und zog ihn in den Strudel der Schlammschlacht. Jetzt duellieren sie sich nur mehr über irrelevanten Unsinn. Vielleicht schafft es Obama dennoch ins White House: Doch wer glaubt noch, dass er Amerikas nur mehr lächerlichen Politdiskurs revolutionieren könne.

# 7. April: Der Exit des Hillary-Versenkers

Hillarys Festhalten an Chefstrategen Mark Penn hat ihr wahrscheinlich ihre historische, einst rund um die Welt umjubelte Kandidatur gekostet. Zuerst unterschätzte Penn – arrogant und siegessicher – den Aufsteiger Barack Obama. Schon letzten Sommer wollte er Hillary als eiserne Lady bei Wechselwählern und Republikanern attraktiv machen. Er vergrämte dabei den linken “Dems”-Flügel. Dann setzte er auf “Erfahrung”, übersah, trotz millionenteurer Polls, den Hunger der Amis nach “Change”. Beides wurde zu Trägerraketen für Obamas Höhenflug. Ihr Team flehte Hillary an, den sturen Tölpel zu feuern. Er überlebte bis zum Wochenende, da er Bills Freund ist. Nun sind Hillarys Chancen fast vergeigt. Und Kontrahent Obama hat neue Munition: Hält Hillary genauso blindlings am Rat von Freunden und Getreuen fest wie George W. Bush?

# 1. April: Was passierte wirklich in der Geiselaffäre Nussbaumer?

Die ganze Wahrheit werden wir in der Geiseltragödie um Bert Nussbaumer vielleicht nie erfahren. Die US-Behörden, allen voran die Bundespolizei FBI, die auf alle Ressourcen der Supermacht Zugriff hatten (Truppen im besetzten Irak, Aufklärungsdronen oder Geheimdienste) war federführend im Ringen um die Freilassung der Geiseln, während die Österreicher wohl eine Nebenrolle als Trittbrettfahrer spielten. Was haben die konkret unternommen? Wir wissen es nicht! Sie hüllen sich in Schweigen. Dafür kennen wir alle Details über die Privatinitiativen des Familienhelfers Mark Koscielski, samt den Emails, wo von Lösegeldforderungen die Rede ist. Koscielskis Hilfe wurde jedoch strikt abgelehnt. Nur die Familien hatte er auf seiner Seite: Die hörten lieber konkrete Rettungspläne als das lapidare “es gibt nichts neues” der Behörden.

# 27. März: Clintons beißen sich Zähne an Obama aus

Die Clintons scheinen sich an Barack Obama die Zähen auszubeißen. Sie laufen Gefahr, die Demokraten zu zerstören, ihr eigenes Image zu ruinieren, und das White House für ihre Partei zu vergeigen. Was haben sie nicht alles versucht: Obama sei zu grün hinter den Ohren, die Supermacht durch Krisenzeiten zu dirigieren, wurde plump auf Angstgefühle appelliert. Dann wurde die Rassenkarte ausgespielt, oder Obama mit gestreuten Fotos, die ihn mit Turban zeigen, als verkappter Moslem denunziert. Doch demoliert hat sich Hillary bisher bloß selbst. Und nachdem Obama nach allen relevanten Kriterien führt (Delegierte, Stimmen, gewonnene Staaten) werden täglich neue Messlatten erfunden, warum eigentlich Hillary gekrönt werden müsse. Es ist lächerlich. Und Zeit, das Feld zu räumen – bevor tatsächlich McCain ins Oval Office einzieht und die kriegerische Bush-Ära prolongiert.

# 26. März: Warten auf die Amerikaner…

Das Österreich im Entführungsfall Nussbaumer gegenüber den USA eine Trittbrettfahrerrolle spielen musste, ist einleuchtend: Fünf der sechs im Südirak Gekidnappten waren Amerikaner. Dazu haben wir, anders als die militärische Supermacht, keine Infrastruktur rund um den Tatort Basra: Logistik, Security für Ermittler, GIs, die für Befreiungsaktionen bereit stünden. Dennoch: Österreich hätte es verdient, zumindest schneller informiert zu werden! Laut unseren Recherchen dauerte es zwei Wochen, bis der zufällig in Bagdad verweilende “Irak-Botschafter” über die Fingerfunde informiert worden war. Und während letzten Sonntag FBI-Beamte alle US-Familien über aufgetauchte Leichen unterrichteten, musste das offenbar wieder nicht vorgewarnte Wiener Außenamt das rasch bei den Nussbaumer-Angehörigen nachholen — bevor die es aus ÖSTERREICH erfahren hätten.

# 18. März: Obamas Vision in weiter Ferne

Die Hasstiraden seines Leib-Pastors könnten den Höhenflug des umjubelten “schwarzen JFK”, Barack Obama, jäh beenden. Obama hat als erster Afroamerikaner der US-Geschichte den Fuß halb in der Türe zum Oval Office, weil er bisher mit seinen versöhnlichen Botschaften keine der alten Rassen-Kriegsbeile ausgraben hatte wollen. Weiße wählten millionenfach für ihn, da er sich von der anklagenden Rhetorik der alten Garde an Schwarzenführern fernhielt. Amerikas Weiße wollen nicht täglich an altes Unrecht und offene Wunden in der epischen Rassendebatte erinnert werden. Doch nun zieht Pastor Jeremiah Wright mit seinen Hasstiraden von der Kanzel Obama genau in diesen Strudel: Es ist exakt das einst von Obama angeprangerte Auseinander-Dividieren statt der Versöhnung. Obamas Vision einer neuen Ära eines “geeinten Amerikas” wirkt da in weite Ferne gerückt.

# 20. Februar: Wettrüsten im All?

Amerikas Geheimdienst-Kollegen in Moskau oder Peking müssen zuerst gekichert haben, als sie erfuhren, dass die US-Militärs einen ihrer sündteuren, mit geheimer Technologie vollgepackten Spionage-Satelliten Sekunden nach dem Launch verloren hatten. Kein Signal, keine Steuerung. Houston, wir haben Totalausfall! Doch nun ist aus der peinlichen Episode ein Hit geworden: Im Rennen um künftige Kriege im All kann das Pentagon sein umstrittenes Weltall-Raketenprogramm “Starwars” so wirklichkeitsnahe testen wie noch nie: Das Objekt fliegt sogar um vielfaches schneller als bei früheren Tests. Und sollte jemals der Allkrieg ausbrechen, hätten die USA Erfahrung beim Abknallen “feindlicher” Spionage-Satelliten – von denen neben den neun amerikanischen weitere acht im Orbit kreisen. Vielleicht reagierten Russen und Chinesen deshalb so irritiert.

# 18. Februar: Primaries, Interrupted!

Den Demokraten droht ein Super-GAU: Immer mehr befürchten, dass im Titanen-Thriller zwischen Hillary Clinton und Barack Obama auch nach dem Ende der Vorwahlen Anfang Juni kein Sieger feststeht. Entscheiden würden dann nicht mehr die Wähler, die in Rekordzahlen und euphorisch zu den Urnen strömen, sondern Partei-Funktionäre. Nachdem Vorwahlen zuletzt stets früh und deutlich entschieden wurden, hat niemand je über die absurde und undemokratische Rolle der “Superdelegierten” gehört. Jetzt sind sie so berühmt wie die Stanzfutzel (“Chads”) der Lochkarten in Florida 2000. 300 sollen sich noch nicht entschieden haben. Sie seien hin- und hergerissen, berichtet die “New York Times”: Zwischen ihrer Loyalität gegenüber den Clintons – und den Obama-Siegen in ihren Wahlbezirken. Sie sollten den Wählerwillen ernst nehmen.

# 12. Februar: Putsch der alten Parteigarde?

Kann Hillary den Obama-Express nur mehr mit Hilfe von Partei-Funktionären stoppen? Fast 800 “Super Delegierte” könnten am Ende den Krimi entscheiden. Es sind meist Parteifunktionäre, oder Ikonen á la Bill Clinton. Sie können frei “zum Wohle der Partei” abstimmen. Im Klartext: Wie sie wollen! Hillary hat mehr Einfluss bei der alten Parteigarde, Obama führt bei den “gewählten Delegierten”, jene, die aufgrund der Wahlresultate vergeben werden. Obama appelliert nun leidenschaftlich an die “Supers”: Folgt nicht den Apparatschiks, sondern dem Wählerwillen! Sollte ein “Coup” der Parteiinsider Obama den Sieg entreißen, droht den “Dems” der Super-GAU: Seine gesamte euphorische Bewegung würde sich dann um den Sieg geprellt fühlen. Sie hätten fortan wohl auch ihr Interesse verloren am wichtigsten Parteiziel: Die Republikaner aus dem White House zu jagen!

# 7. Februar: Hillary: Alles Geld verpulvert?

Hillary bezahlt den Preis für ihre großspurige Kampagne: Sie blechte Millionen-Honorare für Umfragen-Experten und Politstrategen. 300 Mitarbeiter werken auf vier Stöcken in ihrem Hauptquartier im D.C.-Suburb Arlington. Das alles ging zunächst gut: 2007 füllte ihr und vor allem Bills riesiges Netzwerk spendabler Gönner die Kriegskasse mit 100 Millionen. Und Hillary hatte auf schnelle KO-Schläge ihrer Kontrahenten, vor allem Obama gehofft. Nun wurde die Schlacht zum Marathon. Und Hillary fehlt das Geld, potentielle Spender sind ausgequetscht (per Gesetz dürfen selbst Millionäre als Person nur 2.300 Dollar spenden). Bleiben nur mehr die ultimativen Spender, die Clintons selbst: Doch je mehr sie aus ihrem Privatvermögen hineinpumpen, desto schaler wird der Beigeschmack, sich Wahl letztendlich erkaufen zu wollen.

# 14. Jänner: Republikaner-Gruselkabinett

Kein Wunder, dass sich die Republikaner-Parteibasis schwer tut bei der Kür ihres Oval-Office-Kandidaten – angesichts dieses Gruselkabinetts an Kandidaten: Ein cholerischer Ex-New-York-Bürgermeister, dessen 9/11-Doomsday-Gequatsche niemand mehr hören will? Eine greise Stütze von Bushs Irakfiasko, der US-GIs gleich 100 Jahre dort stationiert haben will? Ein schleimiger Mormonen-Millionär, der sich durch Meinungsänderungen in Serie bei den Ultrarechten anbiedert? Ein Prediger, der Darwins Evolutionstheorie bezweifelt? Ein TV-Star, der sich mit Republikanerlegende Ronald Reagan vergleicht, Zuhörer jedoch in Tiefschlaf versetzt? Rudy Giuliani, John McCain, Mitt Romney, Mike Huckabee und Fred Thompson – alle haben irgendwie noch Chancen, doch Begeisterung kommt bei den konservativen Parteigängern für niemanden auf. Es ist die Wahl des kleinsten Übels.

# 11. Jänner: Die echte Hillary?

Fast alle in Amerika beurteilten Hillarys Tränen prompt: Alles Kalkül, ein letzter verzweifelter Versuch, mit selbst den dreistesten Tricks ihren Untergang zu verhindern. Doch haben wir nicht doch erstmals die “wahre Hillary” gesehen? Keine Frage: In den Tagen vor ihrem Sensations-Comeback in New Hampshire stand sie knapp vor dem Abgrund. Und nahm das Heft wohl selbst in die Hand: Sie hörte nicht mehr auf vorsichtiger “Pollster”, die jeden Halbsatz, jede Körperbewegung auf ihre Wählerwirkung abtesten. Sie argumentierte plötzlich leidenschaftlich, wurde in der TV-Debatte sogar laut und wütend. Mit feuchten Augen gab sie zu: “Es ist nicht leicht…” Keiner ihrer abgebrühten Strategen hätte ihr das angeraten: Zu riskant! Hillary hatte nichts mehr zu verlieren. Sie ging das “Risiko” ein, sich zu öffnen. Und gewann!

# 28. Dezember: Hillary, ausgeträumt?

Fast ein Jahrzehnt lang hat Ex-First Lady Hillary Clinton zielstrebig auf ihren historischen Einzug ins Oval Office als erste Frau der US-Geschichte hingearbeitet. Ihre Rückkehr ins White House sollte auch Genugtuung sein: Für die Demütigungen rechter Hillary-Hasser – aber auch ihres eignen, dauerseitenspringenden Gatten. Alles lief wie auf Schienen: Ihre Wahl zur New-York-Senatorin 2000, der Feinschliff am Politlebenslauf, die erste Phase des heurigen Wahlkampfes, wo sie souverän dominierte. Doch plötzlich gefährdet Senkrechtstarter Barack Obama, ein 46-Jähriger mit bloß drei Jahren im US-Senat am Buckel, alles: Jugendlichkeit, Charisma und Aufbruchstimmung könnten locker über Hillarys Erfahrung triumphieren. Die Clintons reagieren hysterisch, tappen jedoch in eine teuflische Falle: Ja schärfer sie Obama mit Untergriffen aushebeln wollen, desto mehr vergrämen sie die Wähler.

# 27. September: Go Gusi, Go!

Teils Häme gibt es in Österreich über das Inferno mediengerechter Aktivitäten und hochkarätiger Meetings des New York im Sturm erobernden Austro-Kanzlers. Stimmt: “Gusi” lädt die Journalisten zur Jogging-Runde in den “Central Park”, um dynamische Bilder mit der dramatischen Skyline New Yorks in die Blätter zu kriegen. Und er macht Teils regelrecht Jagd nach Meetings (und Fotos) mit den mächtigen der Erde á la Clinton, Bush, Gore und Arnie. So what! Das kumpelhafte Wesen des “Sunny Boys” aus Austria kommt unter den oft steifen Akteuren am internationalen Parket offenbar recht gut an. Überall wird der fröhliche Gusi gerne gesehen und in Gespräche eingebunden – und dieses Networking ist für jeden Regierungschef ja kein Nachteil. Und wenn es die Chance gibt Salman Rushdie oder George Soros am Rande zu treffen, umso besser für die Allgemeinbildung.

# 14. September: Mission Augenauswischerei

Es ist die bisher dreisteste Augenauswischerei durch US-”Kriegspräsident” George W. Bush in Sachen Irakdebakel: Gnädig kündigt er an, bis nächsten Sommer 30.000 GIs aus der dortigen Bürgerkriegshölle abzuziehen. Er verkauft es als “Truppenreduktion”, was ein “Kompromis” zwischen seinem Kurshalten und den Forderungen der Demokraten nach Totalabzug sein soll. Doch durch den “Abzug” nächsten Sommer fällt die Truppenstärke auf 130.000 GIs, exakt so hoch, wie beim Beginn des Bush-”Surge” im Jänner. Eineinhalb weitere Jahre mit hoher US-Präsenz wären dann verstrichen – und genau das scheint das wirkliche Ziel der Bush-Strategie zu sein: Er will die “Drecksarbeit” des unvermeidlichen Abzug seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger überlassen. Unter denen soll Amerika dann ab 2009 die Schmach verdauen, dass Bushs Krieg verloren wurde.

# 12. September: Lost im falschen Krieg….

Fast 3.000 Unschuldige hat Massenmörder Osama bin Laden mit den befohlenen vier Todes-Jumbos am Gewissen. Die Amerikaner hatten US-Präsident George W. Bush geglaubt, als er die rasche Festnahme Bin Ladens “tot oder lebendig” versprach (und wohl alle, die Verzweifelte aus den brennenden Türmen springen sahen, hätten mit dem “tot” auch kein großes Problem gehabt). Doch als die Jagd nach Bin Laden und der Kampf gegen Al-Kaida politisch nicht mehr popularitätsfördernd genug waren, führte Bush ein neues “Kriegsprodukt” ein, so der Jargon seines “Gehirns”, Karl Rove: Den Irak. Die letzten Tagen konnten das verheerende Resultat nicht dramatischer untermalen: Während Bin Laden, frisch und munter, die Amerikaner zum 9/11-Jahrestag mit wirren Polemiken nervt, ist der Irakkrieg trotz militärischer Teilerfolge nach wie vor Amerikas Nahost-Vietnam.

# 15. August: 190.000 Waffen MIA im Irak

Amerika staunte: Unter den Augen der US-Besatzer im Irak gingen 190.000 Pistolen und Maschinengewehre MIA, “Missing in Action”. Trotz der Abgebrühtheit durch die Litanei früherer US-Stümpereien im Irak schockierte dieser Skandal besonders: 19,2 Milliarden Dollar hatten US-Steuerzahler für die Ausrüstung der Irak-Sicherheitskräfte berappt. Jetzt ist anzunehmen, dass GIs durch die von Uncle Sam bezahlten Waffen den Tod fanden. Die meisten verschwanden unter Aufsicht von General David Petraeus, heute Bushs Mann für die Exekution der “Surge”-Militäroffensive. Doch echter Auslöser des Skandals ist eine populärere Praktik der Amis: Outsourcing. Private Vertragsfirmen, leicht zu unterwandern von Gangstern, hatten den Waffen-Nachschub organisiert. Der US-Staat wollte Geld sparen: Das Ergebnis ist eine tödliche Blamage.

# 14. August: Tschüss Karl
(siehe auch Blog-Beitrag)

Mit dem Abtritt von Karl Rove geht ein finsteres Kapitel der US-Politik zu Ende. Für “Bushs Hirn” gab es nie einen Wettbewerb der Ideen, keinen zivilisierten Diskurs über Fakten, Probleme und deren Lösung. Es darf geträumt werden, das Politik idealerweise so sein sollte. Rove konzentrierte sich ausschließlich auf das Zursaumachen der Gegner und das Mobilisieren von Christenfundis, die Bush als “Wiedergeborenen” trotz allem Dilettantismus und Welt-aus-den-Fugen-Bringen wählen würden. Die Taktik erwies sich als effektiv: Aus dem hochdekorierten Vietnamhelden John Kerry machte Rove etwa einen Nestbeschmutzer, der dreifach amputierte Bush-Kritiker Max Cleeland verlor wegen angeblich “unpatriotischem Verhalten” seinen Senatssitz. Roves übles Erbe: Andere Politiker bedienen sich seiner derben Taktiken – zum Schaden der US-Demokratie.

# 8. August: Amerikas irre Rechte

Der chancenlose Republikaner-Präsidentschaftskandidat Tom Tancredo wird niemals seine Finger am Abzug von Amerikas Atom-Bomben-Arsenal haben und damit auch keine Chance, die heiligste Islam-Pilgerstätte Mekka als Rache für neuen Terror gegen die USA “ausradieren” zu können. Doch seine skandalöse Tirade bietet einen schockierenden Einblick in die kranke Sichtweise der Welt vieler Ultrarechter in der Republikanerbasis. Deren Motto ist einfach: “Nuke them!” Grob übersetzt: “Werft ihnen Atombomben auf den Kopf!” Für diese Leute gibt es nur rohe Emotionen wie Rache, Vergeltung, Stärke, Öl ins Feuer gießen. Amerikas Rechte – und das sind nicht wenige – folgen ihrem Bauch, nicht dem Hirn. Wie wenig sich jedoch der “Krieg gegen den Terror” mit dem Testosteron-Unsinn gewinnen lässt hat “Dead-or-Alive”-Obermatcho George Bush in den letzten Jahre ja eindrucksvoll demonstriert.

# 31. Juli: Zündler Bush

Von der Neuordnung des Nahen Ostens durch die Irak-Invasion hatte George Bush geträumt. Die passierte tatsächlich, natürlich anders als vorhergesehen. Der Mullah-Staat Iran dominiert wie noch nie – dankenswerterweise hatte die USA zwei seiner wichtigsten Feinde eliminiert, die Taliban in Afghanistan und Saddam im Irak. Versucht Bush nun per diplomatischer Großoffensive zu retten was noch zu retten ist? Natürlich nicht, das ist nicht sein Art! Er zündelt lieber weiter: Mit 20 Milliarden Dollar rüstet er nun das sunnitische Saudiarabien auf, als künftiges Bollwerk gegen den schiitischen Iran. Feuerwehrleute starten bei Waldbränden auch Gegenfeuer, oft klappt die Taktik, doch mitunter endet alles in einem einzigen Flammenmeer. In den USA ist Bush längst eine lahme Ente: Doch global kann er noch genug zusätzlichen Schaden anrichten.

# 19. Juli: Amerikas verrottete Infrastruktur

Ich dachte, der Moment sei gekommen, vor dem ich mich seit dem Aufheulen der Triebwerke der Todes-Jumbos am 11. September vor fast sechs Jahren stets fürchtete: Der grellrote Schriftzug “Breaking News” am TV-Schirm, eingeblendete Worte wie “Explosion”, dazu Bilder von Rauchsäulen, Chaos, Panik. Ich reagierte wie alle New Yorker, denen der 9/11-Horror immer noch in den Knochen steckt, denke fast automatisch: Al Kaida hat neuerlich zugeschlagen! Zum Glück kam die Entwarnung rasch: “Nur” ein Unfall. Nach dem Aufatmen darf nun gemeckert werden: Warum repariert eine Stadt, die als globale Finanzkapitale in Geld schwimmt, ihre marode Infrastruktur, samt 83 Jahre alter Dampfleitungen, nicht? Die Antwort ist einfach: Die verantwortliche Firma will wenig Geld ausgeben für Instandhaltungsarbeiten. Fokusiert wird auf schnelle Profite. Auch das ist typisch New York.

# 1. Juli: Bush kann Putin nichts entgegensetzen

Sollte George Bush Amtskollegen Wladimir Putin beim Angeln vor Daddys Landhaus an der Atlantikküste ein paar Zugeständnisse abringen, kann es nur die Idylle gewesen sein: Vielleicht schmeckt dem Kreml-Herrscher der Hummer wirklich so gut, dass er Bushs geplante Radaranlagen für eine Raketenabwehrsystem vor seiner Haustüre schluckt. Denn mit Sachargumenten kann sich Bush brausen gehen. Der Texaner hat – vor allem durch seinen mutwilligen Irakkrieg – alles verspielt: In den USA ist er eine “plattgewalzte Ente”. keine einzige Reform wird er in den letzten 18 Monaten seiner Horror-Präsidentschaft mehr durchbringen. Und rund um die Welt hat er alle Glaubwürdigkeit verspielt: Warum soll sich der autoritäre Putin Bushs Jammern über die Russen-Demokratie anhören, wenn in “Guantanamo Bay” im Gulag des Antiterror-Krieges noch immer Häftlinge im rechtsfreien Raum schmoren?

# 22. März: Bush schützt die „Texas Mafia“

Viel Zeit hat US-Präsident George Bush nicht mehr, um vor seinem Abgang aus dem Oval Office Amerika neben dem katastrophalen Irakkrieg doch noch etwas Positives zu hinterlassen, sei es eine pragmatische Lösung des explosiven Einwanderer-Problems oder ein später Schwenk zur Eindämmung der Treibhausgase. Doch Bush setzt lieber auf die totale Konfrontation mit den Demokraten im Kongress im Skandal um die gefeuerten Bundesstaatsanwälte. Keine “Schauprozesse”, schnappte er, keine Aussagen im Kongress unter Eid für seine Helfer. Trotzen, drohen, sich eingraben, Gegner verdammen, das scheint alles, was Bush kann. Dass er die “Texas Mafia”, seine getreuen Helfer Karl Rove, Al Gonzales und Harriet Miers, schützen möchte, ist eine Sache. Doch dass er durch den Showdown den Rest seiner Amtszeit vergeudet, versteht niemand.

# 1. März: Hillary demonstriert Feuerkraft

Hillary hat geschworen, sich von der republikanischen Dreckschleuder-Maschinerie nicht fertig machen zu lassen. Sie werde nicht untergehen wie 2000 der immer lächelnde Al Gore, dessen Anwälte im Florida-Nachwahlkrimi die Skrupellosigkeit der Bush-Leute unterschätzten. Sie werde sich nicht vom Wind verwehen lassen wie der windsurfende John Kerry, den Bush & Co als “Flip-Flopper”, als einen seine Fahne nach dem Wind hängenden Waschlappen denunzierten. Doch Hilllary übertreibt in die Gegenrichtung – sie schießt mit Kanonen auf Spatzen: Sie fällt über Gegner Obama her, wohl am ehesten um ihre Feuerkraft zu demonstrieren. Sie will nicht zugeben, dass ihre Stimme für den Irakkrieg 2002 ein Fehler war, da sie fürchtet, wie Kerry als wankelmütig gebrandmarkt zu werden. Doch nach über sechs Jahren an “Dirty Politics” sehnen sich die Amerikaner nicht nach jemanden, der bloß härter zu kämpfen vermag, sondern nach einer gänzlich neuen Politik. Und dafür steht Hillary – noch – nicht.

# 26. Februar: Am Kongress vorbei…

Die Enthüllungen des Aufdecker-Stars Seymour Hersh über indirekte Geheimzahlungen an Terror-Gruppen, die den 9/11-Terroristen nahestehen, scheint symptomatisch für den Operationsstil der Bush-Krieger: Bei Projekten, die im Kongress schwer durchzusetzen wären, wird eben im Geheimen operiert. Bei bestimmten Facetten der brachialen Nahost-Politik, die einen Sturm der Entrüstung unter den US-Bürgern auslösen könnten, wird gehofft, dass es schon niemand rausfindet. Das Vorbeischleusen an Geldern zur Finanzierung von Geheimoperationen passiert auch nicht zum ersten Mal: Bereits 2002 waren Budgetmittel für den Afghanistan-Krieg für geheime Kriegsvorbereitungen gegen Iraks Saddam Hussein abgezweigt worden. Bush & Co machen was sie wollen – und bis zur Wahlschlappe vergangenen Herbst blies ihnen auch kein Gegenwind entgegen. Nun sollten die Demokraten als neue Kongress-Herren Bush stärker als bisher Paroli bieten – bevor der Nahe Osten komplett explodiert.

# 3. Februar: Bushs heiße Luft

Sechs Jahren lang steuerte die USA unter Präsident George Bush beim Klimaschutz im Rückwärtsgang: Zuerst annullierte der Ölmann aus Texas die Teilnahme der USA als globale CO2-Schleuder Nr. 1 am Kyoto-Klimaschutz-Protokoll. Fortan drückten sich Lobbyisten von “Big Oil” im Oval Office die Türklinken in die Hand und steuerten Amerikas Energiepolitik – so progressiv ungefähr wie in den Sechzigern. Nicht das Bush angesichts des drohenden Klima-GAUs nicht aktiv wurde: Warnende Wissenschaftler ließ er unter Druck setzen, die Begriffe “Klimaerwärmung” aus den Regierungs-Reports redigieren. Während Bush & Co den Kopf im Ölschlick stecken hatten, versuchten andere die Nation wachzurütteln: Arnie wurde mit progressiven Klimaschutzgesetzen triumphal wiedergewählt, Al Gore wegen seiner Klimadoku sogar für den Friedensnobelpreis nominiert. Bush gibt heute die Existenz eines Klimawandels zu, doch warnt, dass Änderungen Arbeitsplätze kosten könnten. Er hat gar nichts verstanden.

# 11. Jänner: Bushs Sturheit massiv unterschätzt

Die Welt hat sich wohl zu früh gefreut, als die Demokraten die Macht im Kongress übernahmen. Angenommen wurde, dass der entfesselte “Kriegspräsident” George W. Bush nun an die Leine genommen werde. Diese Hoffnung wuchs, als ihm die Irak-Experten der “Baker-Kommission” mit ihrem Report die politische Rückendeckung für einen halbwegs ehrenhaften Abzug der ausgemergelten US-Truppen aus dem Bürgerkriegsland lieferten. Doch Bushs Sturheit wurde massiv unterschätzt: Immerhin hat er seine ganze Präsidentschaft auf den Irak verwettet – und träumt weiter vom “Victory”. Es ist allzu menschlich, sich Niederlagen nicht eingestehen zu wollen: Doch es sind nicht seine Kids, die für seine Eitelkeit dort sterben.

# 6. Jänner: Arnies nationale Ambitionen

Die Verfassung werden die Amerikaner für Arnold Schwarzenegger wohl nicht ändern, sodass ihm die größte Trophäe jeder US-Politkarriere, das Oval Office, als Nicht-in-Amerika-Geborener verwehrt bleiben wird. Dennoch mischt er immer mehr auch national mit: Vor allem als Vorbild, wie die von Hardlinern devastierten Republikaner ein Comeback schaffen könnten. Die Bush-Partei erlebte an den Urnen zuletzt ein Waterloo, doch Arnie triumphierte: Er rettete die Umwelt, investierte in Zukunftsprojekte, zog überparteiliche Kooperation sturer Ideologie vor. Schon jetzt redet er ein Wort bei der Schlacht ums Oval Office in 2008 mit: Umwelt, Frieden, Pragmatismus, das sind Dinge, die er von den Kandidaten hören will. Arnie hat Ambitionen, die über Kalifornien hinausgehen: 2010 könnten sie ihn in den Senat führen.