Stories 2003-Q1


# 31. März: Einsamer Bush


US-Präsdident George W. Bush, in den ersten beiden Amtsjahren bereits vollständig ergraut, sehe jetzt ausgemergelt, erschöpft, keinesfalls so agil wie sonst aus, berichtete Handelsminister Don Evans, ein Freund, nach einem Meeting. “Sein Gesicht, seine Körpersprache”, so Evans, “deutet darauf hin, dass er ein paar lange Tage gehabt hat”. Es soll recht gespenstisch sein im White House, der polituschen Kommandozantrale des vielleicht umstrittensten US-Krieges aller Zeiten, berichten Insider: Bush, der seine Reisetätigkeiten dramatisch eingeschränkt und alle sozialen Aktivitäten abgestellt hat, verläßt den Gebäudekomplex selten, einmal pro Tag führt er Spaniel “Spot” zum auf den Südrasen hinter dem Oval Office. Er frühstückt und diniert mit Gattin und First Lady Laura, hält sein striktes, einstündiges Fitness-Regiment ein. Mrs. Bush kümmert sich um die Arrangements für die Produktion der Weihnachtskarten 2003.
Während sich die Augen der Weltöffentlichkeit auf den 56-jährigen Präsidenten der Supermacht USA, mächtigsten Politiker der Erde und “Commander-in-Chief” einer kriegsführenden Nation richten, tauchen auch Fragen über den Privat-Mann Bush auf: Wie sehr beeinflusst seine tiefe Religiösität sein Weltbild? Wie stark ist der Familienrückhalt? Wie hart arbeitet er wirklich? Und war sind seine Freunde, Einflüsterer, Vorbilder? “Ohne Gott säße ich jetzt nicht im Weißen Haus sondern in einer Bar in Texas”, hatte er Kirchenführern anvertraut. 40-jährig habe er den Alkoholismus nur überwunden, weil den Glauben gefunden haben, sagt er bei jeder Gelegenheit. Der vom Alkohollaster befreite Präsident schmökert selbst täglich in der Heiligen Schrift, betet, wie er selbst sagt, um “Stärke, Anleitung und Vergebung”.
Nicht immer war Bush so bieder und fromm: Geboren am 6. Juli 1946 als Sohn des Karriere-Politiker George Herbert Walker Bush, später Präsident Nr. 41, wuchs er in der staubigen Texas-Öl-Stadt Midland und der Metropole Houston auf, rutschte trotz wenig glanzvoler Schulerfolge in die Elite-Uni “Yale”, die in den USA üblichen Gesamtpunktezahlen (“SAT Scores”) waren mit 566 verbal und 640 „math“ dramatisch niedriger als der Durchschnitt seiner Klassenkamaraden (668/718). Ein großartiges Land sei die USA, machte er sich bei einem Besuch an er Uni kurz nach seinem Amtsantritt lustig, “wo ein derart miserabler Student sogar Präsident werden kann”. Besonderer Karriere-Druck lastete nie auf Mr. Bush jr: Bekannt über seine Jugendjahre sind vor allem Gerüchte über Kokain-Konsum, Nackttänze auf Bars, amtsanhängig ist ein wilder Ritt durch einen Vorort samt dem Niedermähen von Mülleimern als Alkolenker.
“Als ich jung und unvernünftig war, war ich jung und unvernünftig”, würgte er jede Debatte im Wahlkampf 2000 ab. Fragen über Drogenkonsum vor seinem 27. Lebensjahr verweigerte er die Beantwortung, danach habe er keinerlei “verbotenen Substanzen” zu sich genommen. Seinem Dad folgt er ins Ölgeschäft, landet als Enterpreuer Misserfolge in Serie. Eines Wunders gleich, endet er bei jedem Crash in einer verteilhafteren Position, erwirbt schließlich Mehrheitsanteile am Baseball-Team “Texas Rangers”. Es folgt seine Politkarriere, wo er 1994 Texas-Gouverneur wurde, 2000 im umstrittensten Nachwahl-Thriller der US-Geschichte in Florida Präsident Nr. 43. Im Sommer 1977 lernte er – beide waren 31 Jahre alt – bei einem Grillfest von Freunden Laura Welch kennen, lud sie am Folgetag zum Minigolfspielen ein, drei Monate später standen sie vor dem Traualtar. “Wir wollten beide dasselbe”, kommentiert sie die Zielstrebigkeit: “Heiraten und Kinderkriegen”. Es folgten die Zwillinge Jenna und Barbara, die zuletzt wegen Verstöße gegen die Altersgrenze beim Alkoholkonsum Schlagzeilen machten. Keinerlei Anzeichen über Fremdgänge wurden bisher publiziert. Sie nennt ihn “Bushie”, rät ihm manchmal an, sich einzubremsen – doch hält sich sonst lieber aus der Politik raus.
Bush, Spitzname “W” oder “Dubya”, hat sich zeitgenössischer Popkultur weitgehend entzogen, schreibt der Journalist Frank Bruni in einem Buch über seine Wahlkampfbeobachtungen. Vom Schauspieler Leonardo DiCaprio hatte er nie etwas gehört, die Kultserie “Sex and the City” hatte er nie gesehen. Käsenuddeln, sein Lieblingsgericht verspeisend, klärte er Reporter auf, dass er “Cats” für “Modernes Theater vom Feinsten” hält. Sein Lieblings-Schauspiler ist der B-Movie-
Muskelprotz Chuck Norris, den Blödelstreifen “Austin Powers” kennt er Dialoge fast auswendig. Bush, der dem Nightlive Washingtons fast vollständig fernbleibt, ist ein fanatischer Sportfan – einmal verschluckte er sich beim Football-Zusehen an einem Brezel, fiel in Ohnmacht und zog sich beim Sturz auf den Tisch ein Cut im Gesicht zu. Richtig wohl fühlt sich der Texaner eigentlich nur auf seiner Riesen-Ranch im Texas-Nest Crawford – wegen den Rekordaufenthalten im Sommer und zahllosen Wochenenden von Journalisten bereits “Western White House” getauft.
Dort läuft der Präsident, wenn nicht gerade Krieg geführt wird, herum wie der “Marlboro Man”: Ausgewaschene Jeans, blaues Denim-Arbeitsshirt, Cowboy-Steifel. Gäste werden stets zur Bush-Lieblingstätigkeit, dem Gestrüpp-Ausreißen, genötigt – inklusive Russen-Präsident Wladimir Putin. Nichts habe er dagegen, wenn man ihn unterschätze, wenn er den “cleveren Stadtleuten” den gesunden Hausverstand der US-Prärie entgegensetzen könne, wie er selbst anmerkt. Bush beginnt – ausser es ist Krieg – seine Arbeitstage frühmorgens um 7 Uhr, legt Wert auf Pünktlichkeit, Briefingpapiere nicht länger als eine Seite, als begeisterter Jogger nimmer er sich Zeit für sein Fitness-Programm, meist um 18 Uhr ist er aus dem Büro drausen – Diner gibts um 19 Uhr, Bettruhe um 22 Uhr. Kein Wunder, dass ihn die Überstunden für Golfkrieg II sichtlich erschöpfen.

# 24. März: Inside dem War Council

US-Präsident George W. Bush hatte am Rückweg vom Azoren-Kriegsgipfel an Bord von Airforce One gerade den Entwurf einer Ultimatumsrede an Iraks Saddam Hussein fertiggestellt, als er sich mit einem Film entspannen will. Kommunikationsdirektor Dan Bartlett empfiehlt – Bush hat alle aktuellen Streifen bereits gesehen – den sechs Jahre alten Thriller „Conspiracy Theory“, eine wirre Story über einen paranoiden Taxi-Fahrer (Mel Gibson), der sich einbildet, von der CIA verfolgt zu werden, was letztendlich dann auch der Fall ist. Bush hasst den Streifen: Langsamer Start, komplizierte Handlung, ein Debakel. Bis zur Landung in Washington muss sich Bartlett das Lamentieren über den Film anhören. Irgendwie passt der Streifen zu Bushes Unmut und Frustration über den unübersichtlichen Showdown am diplomatischen Parkett in der UN-Zentrale in New York: Denn der 56-jährige Texaner liebt einfache Stories, mit klar markierten Bösewichten, leicht planbaren und exekutierbarten Lösungsstrategien.
Bushes Laune bessert sich sichtlich, als die USA und Großbritannien ihre UN-Kriegsresolution zurückziehen, das Ende der Irak-Diplomatie signalisieren und alle Zeichen auf Krieg stehen: „Der Schwenk von Diplomatie auf Kriegs-Countdown bedarf eines ganz anderen Fokus“, sagte ein Insider dem US-Magazin „Time“: „Und es ist ja nicht wirklich ein Geheimnis, dass der Präsident Klarheit liebt“. Im „Situation Room“ des Weißen Hauses versammelt sich abermals das Bush-Kriegskabinett: Vize Dick Cheney, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, CIA-Chef George Tenet, Generalstabschef Richard Myers, Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, Aussenminster Colin Powell, Stabschef Andrew Card.
Per abhörsicherem Videokonferenz-Link wird Viersterne-General Tommy Franks zugeschaltet: Bush hänselt den 190 Meter großen, hühnenhaften Haudegen wegen seines Ungeschicks, die Video-Telefon-Technologie zu beherrschen. „Tommy, keine Angst, wir haben das Vertrauen in dich nicht verloren“. Während alle lachen, verfinstert sich die Mine des Präsidenten: „Habt ihr alles, was ihr braucht, um zu gewinnen“, fragte Bush Franks und weitere Kommandanten. Sie nicken alle. Hast du noch irgendwas zu sagen, fragte der Präsident Franks? Seine Streitkräfte wären „ready to go“, sagt er knapp. Bush gibt den Befehl, die „Operation Iraqi Freedom“ zu exekutieren – als Start hatte man den Freitag beschlossen. „Gott schütze unsere Truppen“, sagt Bush, salutiert vor dem Videoschirm auf und verläßt den Konferenzraum. Es sollte jedoch rasch anders kommen.
Bush und sein Kriegsrat stehen im Zentrum der Irak-Kriegsplanung, die Rangordnung der Schlüsselfiguren wechselt ständig, ihr Zusammenspiel, die Tagungsgorte und Kommunikationskanäle sind ausgetestet. Doch während vor den Augen der Weltbevölkerung die Bomben auf Bagdad fallen, bleiben viele Fragen: Was geht tatsächlich Inside des Bush War Room vor? Wer kann sich am meisten Gehör verschaffen? Wer hat die besten Informationen? Und in welchen Konferenzräumen, Gängen oder Büros fallen mitunter kriegsentscheidende Entscheidungen?
Wie im Afghanistan-Krieg spielt der US-Geheimdienst CIA eine entscheidende Rolle. Ein Coup der Spione hatte vergangenen Mittwoch im letzten Moment den gesamten Plan für den Kriegsbeginn über den Haufen geworfen: Ein ranghoher Offizier im Kreise Saddam Husseins gibt dem CIA den Aufenthaltsort des Diktators für den Nacht des 19. März bekannt – ein Bunker (speziell verstärkt von deutschen Ingenieuren) namens „Dora Farm“ unter unauffälligen Gebäuden in einem Wohnbezirk Bagdads. Tenet rast vom CIA-Headquarter in Langley den „George Washington Parkway“ hinunter zum Pentagon, berät umgehend mit Rumsfeld: Eine Stunde später stürmen Tenet, Rumsfeld und der mitgenommene Myers ins Oval Office. Dort laufen im hoch disziplinierten Bush-White-House Beratungen normalerweise nach striktem Protokoll ab, jedes Regierungsmitglied wartet brav, bis ihm das Wort erteilt wird. Doch jetzt gleicht das Präsidenten-Büro einem Tollhaus: Alle reden durcheinander, zusätzliche Sessel werden vom Gang in den Raum geholt, berichtet „Newsweek“. Es bestünde die einmalige Chance, mit einem „Enthauptungsschlag“ auf Hussein, seine Söhne und die Militärführung den Krieg vor seinem Beginn zu beenden und Tausende, wenn nicht Zehntausende Menschenleben zu retten, argumentierte Tenet aufgeregt. Die Information sei glaubwürdig, man habe sie mit den Ergebnissen von Abhöraktionen verglichen, gleichlautende Meldungen kommen auch von einem jordanischen Diplomaten. Franks wird per Video-Link von seinen Hightech-Kriegs-Hauptquartier in Doha, Katar, zugeschaltet. Bush erkundigt sich nach der Legalität eines derartigen Cruise-Missile-Attentats, dem Potential nach Kollateralschäden, der militärischen Durchführbarkeit mit nur wenigen Stunden an Vorbereitungszeit. Um 19:12 Uhr, dem 19. März, nickt Bush: „Let´s go!“ 40 Cruise Missiles werden abgefeuert, dazu werfen zwei F-117-Tarnkappenbomber 2.000-Pfund-Bomben der Type MK-84 („Bunker Buster“) über den Gebäudekomplex ab.
Den Großteil der Ausarbeitung des Kriegsplanes mit dem Code „OPLAN 1003V“ passierte in Rumsfelds eigenem Pentagon-Kriegsrat, der jeden Morgen, zeitig um 7 Uhr, im dritten Stock in einem abhörsicheren, fensterlosen, mit Video-Telefonen ausgestatten Konferenzraum zusammentritt: Neben Rumsfeld führen dort Vize Paul Wolfowitz, Top-Falke in Sachen Irak-Krieg, das Wort, dazu gesellen sich Stephen Cambone, Untersekretär des Militär-Geheimdienstes, Douglas Feith, ein weiterer Irak-Hardliner, Generalstabschef Meyrs und weitere Top-Militärs. In 40 Minuten debattiert die Runde über Hot Spots rund um den Erdball, jetzt natürlich primär über den Kriegsfortgang im Irak – die Meetings finden inzwischen auch Sonntags statt. Danach gibt es Videokonferenzen mit General Franks: Details über die Verlegung irakischer Raketen-Batterien werden ebenfalls besprochen wie Positionen und Fortschritte der US-Bodentruppen. Danach führt eine kleine Wagenkolonne schusssicherer Minivans mit getönten Scheiben zur Pennsylvania Avenue, Nummer 1600, dem Weißen Haus, für die täglichen Briefings des „Großen Kriegs-Rates“, mit Bush, Cheney, Powell und Rice.
Rumsfeld ist nicht nur in der weltweiten Diplomatie als autoritärer Starrkopf aufgefallen: Sein aggressiver Stil gleich nach seinem Amtsantritt hatte unter den Offizieren fast zum Aufstand geführt. Rumsfeld, Ringer während seiner Zeit als Student in Princeton, bedrohte Vize-Generalstabschef Peter Pace bei einer Sitzung sogar physisch. Der wehrte sich verbal aggressiv, beide sind seither beste Freunde. Auch das Verhältnis zwischen Rumsfeld und seinem Top-General Tommy Franks gilt als schwierig. Franks, ein bei Pressekonferenzen etwas unbeholfener, gutmütiger Familienmensch (seine Enkelkinder nennen ihn „Pooh“, nach „Pooh, dem Bären“) gilt als Anhänger traditioneller Kriegsführung und Strategie, Rumsfeld verfechtet den „Krieg des 21. Jahrhunderts“ mit viel Technologie und wenig Truppen. Rumsfeld soll Franks sogar einmal als „Diavortrags“-General verhöhnt haben. 14 Monate dauerte, berichtet Starjournalist Bob Woodward in der „Washington Post“, das Tauziehen zwischen Franks und Rumsfeld über die endgültige Blaupause für Golfkrieg II – meist in endlos scheinenden Zwei- bis Drei-Stunden-Sessions per Videokonferenz zwischen dem Pentagon und Franks „Central Command“ (CENTCOM) in Tampa, Florida. Über 20 Versionen kursierten insgesamt.
Rumsfeld wollte gleichzeitiges Losschlagen von Boden- und Luftkräften, lehnte die von Franks vorgeschlagenen 14 Tage Vorbereitungs-Bombardierungen ab. Rumsfeld scheint sich derart auf Spezial-Operationen und psychologische Kriegsführung zu verlassen, dass er bloß mit 80.000 Truppen losschlagen wollte (der als Außenminister unzuständige, doch hochangesehene Ex-General Powell mischte sich schließlich ein und überzeugte Bush von einem Minimum von 250.000 Soldaten). Rumsfelds Faszination mit Psycho-Krieg ist in den ersten Kriegstagen erkennbar: Die CIA sammelte die Email-Adressen oder privaten Telefonnummern von Saddams Top-Generälen. Hebt ein Irakischer General das Telefon ab, hört er eine anonyme Stimme: „Gib auf! Es ist ein verlorener Krieg! Rette dich, in dem du desertierst!“ Der mörderische Bombenhagel auf Bagdad „Shock and Awe“ sollte das Regime demoralisieren und zur raschen Aufgabe zwingen. Begonnen hatte der Krieg eigentlich bereits am Mittwoch um 13 Uhr Ortszeit in Washington, so Woodward: 31 Spezial-Operationsteams wurden in den Irak geschickt, um in 48 Stunden unbemerkt geheime Kommandoaktionen durchzuführen. Ihre Hauptaufgabe – Sicherstellung der Ölfelder und Scud-Missile-Abschussrampen – wurde durch den vorverlegten Missile-Schlag gegen Saddam torpetiert. Bald brannten im Südirak Öl-Quellen, nach Abfeueren von Scuds tauchten Franks Generäle bei den täglichen Briefings plötzlich mit Gasmasken am Videoschirm auf.
Präsident Bush, seine Polit-Reisen wegen dem Irak-Krieg allesamt abgesagt, verbringt fast alle Zeit im Weißen Haus: Er frühstückt und diniert täglich mit First Lady Laura, seine Langzeitberaterin Karen Hughes ist temporär zurückgekehrt, berät ihn mitunter sogar bei der Krawattenauswahl vor wichtigen Reden. Sonst kümmert sich Bush um seine Fitneß: Er hat allen Konsum von Süßigkeiten aufgegeben, arbeitet täglich im Fitneßraum am Standfahrrad. Fast hätte die PR-Machinerie des Weißen Hauses einen schweren Fehler gemacht, als Sprecher Ari Fleischer meinte, der Präsident hätte sich die Bombardierung Bagdads nicht im Fernsehen angesehen. Nach fassungslosen Reporterfragen korrigiert er: Bush habe aus einem Nebenraum des Oval Office doch zugesehen – und wäre sehr stolz auf die Truppen gewesen.

# 21. März: Die Hurra-Patrioten

Sie verwandelten den „Centennial Olympic Park“ in Atlanta in ein buntes Fahnen-Meer: Zehntausende, „Stars and Stripes“-Flaggen schwingender, Präsident George W. Bush unterstützender, die Armee glorifizierender Patrioten wollten in der „Rally for America“ den Friedensdemonstranten endlich Paroli bieten. „Wir unterstützen unser Land und unseren Präsidenten“, sagt Mary Martin fast mit Tränen in den Augen: „Man braucht einen großartigen Leader, um durchzustehen, was er gerade durchmacht“. Ihre mitgebrachte Plakattafel bringt die Meinung der Pro-Amerika-Demonstranten auf den Punkt: „Gott segne unser Land, Präsidenten und die Truppen! Boykottiert Frankreich und die Hollywood-Linken“. Noch nie in ihrem Leben habe sie für etwas demonstriert, doch Berichte über Kriegsgegner hatten sie in Rage gebracht, sagt die 45-jährige Angestellte.
Amerika versinkt in einer Welle an Hurra-Patriotismus: Laut Gallup unterstützen inzwischen 60 Prozent der US-Bürger den Irak-Krieg „stark“, weitere 16 Prozent stimmen zu, nur mehr 20 Prozent sind dagegen. Präsident Bush – vor Wochen noch im Umfrage-Sumpf wegen stotternder US-Wirtschaft und Argumentationsnotstand in Sachen Irak-Krieg – erhält als „Commander-in-chief“ wieder 62 Prozent Zustimmung. „Im Krieg scharen sich die Amerikaner immer um ihren Präsidenten“, ist der Chef des Quinnipiac-College-Institutes Maurice Carroll wenig überrascht. Doch in der Sternenbanner-Euphorie, die über den 290-Millionen-Einwohner-Riesenstaat schwappt, sind Andersdenkende vermehrt blankem Hass und kontinuierlicher Propaganda ausgesetzt – meist mit dem Todschlag-Argument, Kriegs-Kritiker sind keine Patrioten oder würden die Truppen nicht unterstützen. Zeitungen und Radiostationen ziehen Entertainer und Intellektuelle durch den Dreck, fordern unverholen das Boykott ihrer Filme, Musik oder Büchern. Verständnis für das „Bedürfnis der US-Bürger“, etwa französische Waren zu boykottieren, zeigte sogar Präsidentensprecher Ari Fleischer im Weißen Haus.
Als erster die Stimmung verkannt hatte der demokratische Senats-Minderheitsführer Tom Daschle, als er die Bush-Kriegserklärung negativ kommentierte: Zu tiefst sei er traurig, „dass wir in den Krieg ziehen weil der Präsident so jämmerlich am diplomatischen Parkett versagte“. Ein Sturm der Entrüstung erhob sich über dem Kapitol in Washington: Der erzkonservative Republikaner-Führer im Repräsentantenhaus, der Texaner Tom DeLay, empfahl Daschle das „fermez la bouche“, Schnauze halten auf Französisch – in Anspielung auf die „Feiglinge aus Paris“ (in der Kapitol-Cafeteria hatten da Parlamentarier-Patrioten „French Fries“ bereits auf „Freiheits-Fritten“ umgetauft). Pech, dass Daschles Demokraten bereits im Herbst im Kongress Bush einen Kriegs-Authorisierungs-Blankoschek ausgestellt hatten, um das Irak-Thema vor dem Midterm-Parlaments-Wahlen vom Tisch zu birngen. Die Wahlen verloren sie trotzdem.
Der „Daschle-Skandal“ zeigte Wirkung: Selbst kriegskritische Demokraten fokusieren fortan auf ihre „totale Unterstützung der Männer und Frauen in Uniform“. Kleinlaut nahmen sie den Antrag des Präsidenten zur Kenntnis, sich 100 Milliarden Dollar für den Irak-Krieg genehmigen zu lassen (fünf mal so viel, wie das nach dem 11. September völlig devastierte New York an Bundeshilfe erhielt). Bloß der greise, und mit 86 Jahren kaum mehr um seine Politzukunft zitternde Demokraten-Senator Robert Byrd wetterte: „Heute habe ich um mein Land geweint“, rief er in den Senats-Saal: „Dahin ist das Image Amerikas als Hüter des Friedens“. Misstrauen und Zweifel wehen der Supermacht rund um die Welt entgegen, so Byrd.
Die großen TV-Networks CBS, NBC, ABC und Fox haben Millionen investiert und sich monatelang auf Golfkrieg II vorbereitet, berichten als handle es sich beim Sterben in Nahost um ein Sport-Großereignis, mit einer Extraportion Patriotismus: Die berühmte NBC-Show „Good Morning America“ exportierte ihr Erfolgsrezept im Hintergrund winkender Zusehermassen vor das Armee-Kommandozentrum in Katar – hinter Anchor Matt Lauer wacheln seither jeden Morgen Soldaten in Kampfuniform mit Gruß-Plakaten. Die neue PR-Taktik das Pentagon, 500 Journalisten in die Truppenverbände „einzubetten“, resultierte in einer Flut von TV-Bildern marschierender, wartender, sich vorbereitender, betender, nervöser, ihre Familie vermissender, vormarschierender, Waffen nachladener, über den Wüstensand rasender US-Soldaten. Insgesamt fast 100 Millionen Amerikaner verfolgten am Mittwoch schließlich zur Hauptsendezeit den Kriegsbeginn – einem ersten chirurgischen Luftschlag gegen den angeblichen Aufenthaltsort Saddam Husseins und seines Führungsstabes. Einige der zugekauften Militär-Experten verfielen in plumpe Propaganda und Fehlinformation: Irak-Contra-Skandal-Haudegen Oliver North berichtet für das rechte Fox-TV von Medien-Tycoon Rupert Murdoch über „Gerüchte“, wonach das Personal der französischen Botschaft Saddam beim Vernichten von Dokumenten behilflich sei. „Das ist ein unfassbare Beleidigung“, echauffierte sich die Sprecherin der französischen Botschaft in Washington: „Unser Personal hat den Irak längst verlassen“. Freudig berichtete North später, dass das US-Militär die Massenbombardierung Bagdads „Shock and Awe“ als „Urbanes Erneuerungsprojekt“ bezeichnet. Auf CNN bezeichnete ein General das Inferno als „Symphonie“.
Murdochs Massenzeitung „New York Post“ liefert seit Wochen eine regelrechte Hetzkampagne gegen Kriegsgegner – ins Visier geriet alles von Paris bis Hollywood: Zum Boykott der „Wiesel“ liefert das Blatt Produktlisten zum Ausschneiden – französischer Wein, Champagner, Käse bis Handtaschen. Boykottiert sollen aber auch Werke kriegsgegnerischer Filmstars werden. „Unterstützen Sie nicht diese Saddam-Lovers“, titelte die sonst harmlose Klatsch-Kolumne „Page Six“: Mit Tim Robbins, Sean Penn und Laurence Fishburn würden gleich drei Irak-Beschwichtiger durch das Fernbleiben vom Film „Mystic River“ bestraft werden, empfiehlt das Kampfblatt amerikanischer Hurra-Patrioten. Weiter Tips zum Boykott: Susan Sarandons jüngster Film, Sheryl Crows Konzerte, Fred Dursts CDs. „Seit wann haben den Bürger dieses Landes kein Recht mehr auf eine andere Meinung“, schrieb am Folgetag Dani Pitney in einem Leserbrief. „Was kommt als nächstes“, fragte Laura DiCerto: „Bücherverbrennungen?“
Die Angst vieler Kriegsgegner vor Repressalien erinnert einige bereits an die Kommunistenhatz der 50iger unter Joseph McCarthy. Die Country-Band „Dixie Chicks“ erzürnte die Fans, als sich Leadsängerin Natalie Maines bei einem Konzert in Großbritannien „beschämt“ fühlte, das Präsident Bush, wie sie, aus Texas kommt. Radiostationen boykottierten die Hits des Trios, eigene „Chicken Partys“ wurden organisiert, wo mitgebrachte CDs unter Freudengeheul zerstört werden. Die Verkaufszahlen fielen um 20 Prozent in einer Woche, Maines entschuldigte sich. Der TV-Star Martin Sheen, Volksheld als „Präsident“ im Serien-Hit „West Wing“, erzählt gerne über das Unbehagen seiner Bosse bei NBC über seine offene Ablehnung des Irak-Krieges und harscher Kritik an Bush. Die Kreditkarten-Firma VISA zog sogar einen TV-Spot mit Sheen und seinem Sohn als Stars zurück. Die Künstlergewerkschaft „Screen Actors Guild“ warnte die Hollywood-Produzenten bereits vor Schwarzen Listen, die in der McCarthy-Ära Karrieren zerstörten.
Die bereits nach dem 11. September unter dem Deckmantel des Anti-Terrorkriegs begonnene, und von Rechtsaußen John Ashcroft vorangetriebene Einschränkung der Bürgerrechte unter dem „Patriot Act“ eskaliert: Zuletzt mussten sich alle in den USA lebenden Bürger aus dutzenden moslemischen Staaten bei der US-Einwanderungsbehörde INS melden, andernfalls würde man sie verhaften und deportieren. Jetzt interessiert sich die Bundespolizei FBI vor allem für die US-Iraker. Adel Fergany, Präsident des „Islamic Center“ in Pittsburgh, Pennsylvania, berichtete über mehrmalige Besuche von FBI-Agenten in den Moscheen, obwohl der Verein „volle Kooperation“ versprochen hat. Die USA hat prompt zum Kriegsbeginn die Terror-Alarmstufe auf „orange“, der zweithöchsten auf der fünfstufigen Bedrohungs-Farben-Skala erhöht: Die zivile Generalmobilmachung gegen den drohenden Vergeltungsterror heißt national „Freiheits-Schild“, in New York „Operation Atlas“. Mit eingeschränkt wurden auch “aus Sicherheitsgründen” Genehmigungen für Antikriegs-Demos, Zehntausende am Samstag von einem Großaufgebot der New-York-Cops abgedrängt und an der Teilnahme eines Friedensmarsches gehindert. Der New Yorker Kongressabgeordnete Jerry Nadler wetterte: „Der 11. September dient nicht nur als Ausrede für den Irak-Krieg, sondern auch für Angriffe auf die Bürgerrechte, die Arbeiterschaft und die Überreste des Sozialstaates“.

# 10. März: Volldampf in den Krieg!

Wenige Minuten vor seiner Pressekonferenz zur abendlichen TV-Hauptsendezeit flüsterte George W. Bush seinem treuen Stabschef Andrew Card ins Ohr: „Lass mich bitte ein paar Minuten allein“. Verdattert sah er Bush in seinem privaten Studierzimmer hinter dem Oval Office verschwinden. Zehn Minuten muss sich der 57-jährige Texaner, 43. US-Präsident und Sohn von Nummer 41, recht einsam vorgekommen sein: Fast die ganze Welt hatte er gegen Amerika aufgebracht, bald werde er den ersten unprovozierten Krieg der US-Geschichte anordnen und die gesamte globale Nachkriegsordnung samt UNO und NATO aufs Spiel setzen. Gesammelt und konzentriert marschierte er über den roten Teppich durch das Weiße Haus, stellte sich 100 Vertretern der Weltpresse: Eine ruhige, leise, besonnene Stimme hatten ihm seine Top-Berater verschrieben, kein polterndes „Tod-oder-lebendig“-Western-Getöse – Marke besonnener Staatsmann, statt leichtfertiger Kriegstreiber.
Kaum ein Zweifel liess er dann, dass seine Entscheidung, die USA mit UNO-Mandat aber auch ohne in die Krieg gegen Saddam Husseins Irak zu führen, längst gefallen ist. Der Irak bedrohe die USA, die Invasion, oder „Befreiung“, wie er es gerne nennt, sei ein Akt der Selbstverteidigung – dazu der felsenfeste Glaube, dass ein demokratisierter Irak als „Nebenprodukt“ den ganzen ölreichen Nahen Osten reformieren helfen könne. Den größten Gamble der jüngeren Menschheits-Geschichte bezeichnen Politologen den drohenden Irak-Krieg, dessen Ausgang die Rolle der USA in der Welt und den Kurs amerikanischer Innenpolitik auf Jahre hinaus bestimmen könnte. Doch warum setzt Bush seine Präsidentschaft, bei der er nach Erfolgen im Antiterrorkrieg und dem Meistern des 11. September bei der Wahl 2004 gute Chancen auf eine zweite Amtszeit hat, aufs Spiel? Ist es eine persönliche Familien-Vendetta gegen Saddam, den sein Vater im ersten Golfkrieg versäumte auszuschalten und der einen Mordanschlag gegen Senior anordnete? Ist es Öl? Oder tatsächlich Angst vor dem Terror mit Massenvernichtungswaffen?
Unerschütterlich scheint Bushes Glaube in die von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, Vize Dick Cheney oder Strategen wie Richard Perle skizzierten Positiv-Szenarien: Der Krieg werde kurz, die Verluste unter US-Soldaten und der Zivilbevölkerung gering sein, Franzosen und Russen würden sich kleinlaut um Verträge zum Wiederaufbau des Landes rangeln, die US-Wirtschaft im Siegestaumel in eine neue Boomphase treten. Und die Schurkenstaaten dieser Erde brauchten in Zukunft keinen Zweifel mehr an der Entschlossenheit Amerikas haben. „Seine innere Ruhe basiert auf der absoluten Überzeugung, dass er sich am richtigen Kurs befindet“, sagt Perle: „Er weißt genau was er tut, weiß genau wohin er geht“.
Bush, angetreten nach dem Nachwahlskandal in Florida ohne klares Mandat, bedankte sich zunächst bei seinen Wahlkampfspendern mit Big-Business-freundlichen Gesetzen und Regierungsteam, umgab sich mit ihm intellektuell haushoch überlegenen Beratern. Erst der Terror-Horror der Anschläge auf New York und Washington gab seiner Präsidentschaft Sinn und Zweck und ihm ein persönliches Lebensziel: „Die Nation muss verstehen“, sagt er zwei Tage nach dem Twin-Tower-Inferno, „dass der Kampf gegen den Terror fortan der Fokus dieser Administration ist“. Bush mutierte praktisch über Nacht zum entschlossenen Kriegsherren, die Entscheidung gegen den Irak vorzugehen, soll bereits in den Tagen gefallen sein, als die Trümmerhalde auf Ground Zero noch lichterloh brannte. Dazu gesellt sich eine für das Weiße Haus zuletzt ungewohnte Frömmelei: 40-jährig hatte Bush, der zuvor im Clan eher als Versager aufgefallen war, beim Kampf gegen den Alkoholismus seinen Glauben gefunden, sagt er bei jeder Gelegenheit. Jetzt agiert er als strenger Christ mit täglichem Gebet und Bibelstudium und sieht in seiner Präsidentschaft sogar so etwas wie Gottes Willen, „ihn das Land verteidigen zu lassen“ und als Führer von „God´s own Country“ (Selbstverständnis der USA) „die Welt zum Frieden zu führen und die Freiheit in alle Teile des Erdballs zu bringen“, wie er selbst sagt. Sein Weltbild ist geprägt von starken Kontrasten, dem biblischen Kampf zwischen gut und böse, Freund und Feind, schwarz und weiß. Das Militär der Supermacht will er unter der „Bush-Doktrin“ vorsorglich gegen Staaten losschlagen lassen, die in der Zukunft die USA mit Terror bedrohen könnten. Nie wieder wolle er vor einem rauchenden Trümmerhaufen stehen, sagen Berater. Fieberhaft studiert Bush jeden Tag die Terror-Bedrohungs-Matrix der Geheimdienste. „Der Preis für das Nichtstun ist höher als der für Aktion“, sagte er schließlich bei seiner Kriegsgetrommel-Pressekonferenz.
Fassungslos reagieren viele Polit-Beobachter auf das offensichtliche Ignorieren möglicher Worst-Case-Szenarien für den drohenden Golfkrieg II: Ein blutiger, sich lange hinziehender Krieg, der den Grundstein für mehr Terrorismus legt, eine Ölkrise samt weltweiter Rezession provoziert, eine Radikalisierung des Nahen Osten samt dem Sturz treuer Regime auslöst, zur Entfremdung der USA mit seinen Schlüsselpartnern und dem Zusammenbruch sogar wertvoller Handelsabkommen führen könnte. Atemberaubend scheint auch Bushes fehlender Wille zur Einhaltung diplomatischer Spielregeln und dem Herausfordern der wichtigsten Welt-Institutionen der letzten 50 Jahre. Die USA hätten es bisher nicht einmal geschafft, den Public-Relation-Krieg gegen Saddam Hussein zu gewinnen, schreibt „Time“-Kolumnist und Clinton-Bestseller-Autor Joe Klein. Und das Herausfordern der treuesten Alliierten zu einem öffentlichen Showdown in der UNO sei „bemerkenswert“, so Klein. Präsidenten tun üblicherweise genau das Gegenteil. Genau in diesem Punkt hatte Bush bei seiner Pressekonferenz das besonnene Staatsmann-Rolle auch aufgegeben. „Die sollen ihre Karten auf den Tisch legen“, forderte er Frankreich, Russland und andere kritische Nationen im Sicherheitsrat heraus – als sitze er beim Pokerpiel in einem Saloon in Texas.
Als sich das “War Team” im Oval Office für den Fotoshoot von Vanity-Fair-Star-Fotografin Annie Leibovitz vergangenen Herbst aufstellte, wurde Einheit und Schlagkraft demonstriert: Der Afghanistan-Krieg schien gewonnen, Staatsfeind Osama bin Laden in der Falle, die Popularitätswerte für US-Präsident George W. Bush in mit über 90 Prozent in stratosphärischen Höhen – seine engsten Berater sich ergänzend in mustergültigem Teamwork. Vize Dick Cheney als cooler Chefberater, Donald Rumsfeld, durch seine humorigen Medienauftritte hochpopulärer Verteidigungsminister, Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice als “mächtigste Frau Washingtons” (Newsweek) kaum von Bushes Seite weichend, Collin Powell, legendärer Ex-General und nun Chef-Diplomat. Powell ist zu diesem Zeitpunkt noch hoch im Kurs: Trotz eines Infernos an fragwürdigen US-Alleingängen im ersten halben Jahr der Bush-Präsidentschaft – von der Aufkündigung des Kyoto-Klimaprotokolls, Streichung von Hilfsgeldern für Familienplanungs-Projekte in der Dritten Welt, dem Boykott von UN-Programmen und wirrer Kalter-Kriegs-Rhetorik – konnte Powell, auch durch den Schock des 11. September, aber meist mit gekonnter Diplomatie den Großteil der Welt hinter den USA zum Antiterrorkrieg formieren.
Doch der massive Schwenk in der US-Aussenpolitk kam in der State-of-the-Union-Rede im Jänner: Nicht mehr der Krieg gegen den Al-Qaida-Terror schien Top-Priorität, sondern der Kampf gegen Staaten mit potentiellen Massenvernichtungswaffen – der “Axe des Bösen”, eine Wortkreation von Bush-Redenschreiber Mike Gerson, allen voran der Irak, gefolgt von Nordkorea und dem Iran. Die Hardliner, das A-Team, so im White-House-Jargon, hat sich durchgesetzt: Rumsfeld war der Irak seit Amtsantritt ein Dorn im Auge – nur wenige Stunden nach dem Jumbo-Anschlag auf das Pentagon, so CBS, hatte er von seinem Stab einen fertigen Angriffsplan verlangt (laut Starjournalist Bob Woodward hatten Rumsfeld und besonders sein Vize Paul Wolfowitz für Golfkrieg II plädiert, weil sie ihn für leichter gewinnbar hielten als den Angriff auf Taliban und Al-Qaida in Afghanistan…). Auch Cheney, als damaliger Verteidigungsminster immer noch verärgert über den unkompletten Sieg in Golfkrieg I, sowie Rice argumentierten, den Terror-Krieg in die zweite Phase zu führen. Die neue strategische Bush-Doktrin ist später in der “National Security Strategy” nachzulesen: Die Supermacht USA setzt fortan auf Präventiv-Kriege, falls sie sich durch Staaten mit atomaren, chemischen oder biologischen Massenvernichtswaffen (ABC-Waffen) bedroht fühlt. Rice, Cheney und Ramsfeld hatten Bush einen drohenden 11. September mit ABC-Waffen vor Augen geführt.
Powell schien wieder im “Gefrierkasten”, wie er laut Woodward gegenüber seinem Vice Richard Armitage gerne scherzte: “Man holt mich nur raus, wenn man mich braucht – sonst bin ich auf Eis gelegt”.
Bushs Popularität sinkt mit abnehmenden Erfolgen im Krieg gegen Al-Qaida, dem spurlosen Verschwinden Bin Ladens und blamablen Enthüllungen über das Versagen der Geheimdienste vor dem 11. September – sein innenpolitischer Top-Stratege Karl Rove sieht die Bush-Wiederwahl-Kampagne 2004 gefährdet. Rove, Spitzname “General Rove”, ist die graue Eminenz des White House, gegencheckt Innen- und Aussenpolitik (!) bei Wechselwählern in wahlentscheidenden Schaukelstaaten. “Wer bestimmt eigentlich die Aussenpolitik der USA, du oder Rove?”, wird Powell von seinen Freunden gehänselt. Rove hatte im Jänner den Republikanern auf einem Kongress angeraten, die Bush-Erfolge in Afghanistan parteipolitisch zu nützen. In einer zufällig im Washingtoner Lafayette Park gefundenen Computer-Diskette rät Rove in einer Power-Point-Präsentation, in den Midterm-Wahlen den Krieg weiter innenpolitisch auszuschlachten. Drei Monate davor bricht dann plötzlich ein heftiges Kriegsgetrommle gegen den Irak aus, Bushes Popularität schnellt nach dem Sommerloch wieder nach oben. Stabschef Andrew Card führte in einem Esquire-Interview die Kriegsrethorik darauf zurück, dass man aus einem “Marketingstandpunkt” heraus im Spätsommer “neue Produkte” einführen müsse. “Ich will der Regierung nicht vorwerfen, Krieg für innenpolitische Zwecke zu missbrauchen”, sagte Ex-Vize Al Gore kryptisch: “Eine solche Anschuldigung wäre zu fürchterlich”. Die Republikaner gewinnen die Kongress-Wahlen Anfang November, nachdem Bush mit martialischen Tönen durchs Land getingelt war.
Powell hat die Welt vorerst vor einem US-Alleingang bewahrt – bei einem Abendessen mit dem Präsidenten, in dem er, so Woodward, vor den tragischen Konsequenzen der “Texas-Macho-Masche” – Holt die Kanonen, sattelt die Pferde! – für die internationale Sicherheitspolitik warnte. Bush entscheidet sich für den Schritt vor die UNO am 12. September, nach fünf Wochen Dauerdiplomatie werden per Resolution 1441 neue Waffeninspektionen im Irak beschlossen. Doch der drohende US-Alleingang ohne UNO-Genehmigung scheint nur aufgeschoben, nachdem die Hardliner im Bush-Kabinett nicht locker lassen: Rice verlangte von UN-Chef Kofi Annan, dass die Inspektoren lieber abtrünnige irakische Wissenschaftler als Waffenverstecke finden sollen, Rumsfeld stellt täglich immer neue Brüche der UN-Resolutionen fest. “Ein US-Alleingang würde einen schlimmen Präzedenzfall setzten, die internationale Sicherheitspolitik unterminieren – und die Welt zu einem wesentlich gefährlicheren Ort machen”, warnt der berühmteste TV-Journalist der USA, Ex-CBS-Anchor Walter Cronkite: “Wir stehen an einer historischen Weggabelung”, sagt der 86-jährige, der es wissen muss, nachdem er 60 Jahre lange über praktisch jedes weltpolitische Ereignis berichtete.
Der Präsidenten, der beim Amtsantritt seine Aussenpolitik auf der “Bescheidenheit wahrer Größe” aufbauen wollte, scheint jetzt mit der genau gegenteiligen Strategie oft zu bekommen, was er will, wie sich das konservative “Wall Street Journal” freut: Die Aufkündigung des ABM-Raketenvertrages mit Russland zwecks Aufbau eines Starwars-Raketenabwehrschirmes (knapp vor Weihnachten ordnete Bush eine Baubeginn für 2004 an) führte keinesweg zu einem neuen Kalten Krieg, die Angriffe auf Jassir Arafat zu dessen internationalen Isolation, das Irak-Kriegsgeschrei zu einem neuen Anlauf, die über ein Jahrzehnt andauernder Demütigungen der UNO durch Saddam Hussien zu beenden. Geheimnis des Erfolges ist, glaubt Powerfrau Rice, allen wissen zu lassen, “was nicht verhandelbar ist”. Doch Kritiker, wie der Ex-Clinton-Sicherheitsberater James Steinberg warnen, “dass die Welt nicht auf Dauer eingeschüchtert werden kann”.
Obwohl die Amerikaner sich wenig um die Befindlichkeiten des Restes der Welt wegen der Wildwest-Politik des Texaners kümmern, ist eine blinde Unterstützung des Irak-Krieges keine ausgemachte Sache: 72 Prozent der US-Bürger glauben laut einer Umfrage der “L.A. Times”, Bush habe keine Recht in den Krieg zu ziehen, falls die UNO keine Beweise für die Existenz von Massenvernichtungswaffen finde. Widerstand in den USA selbst kommt von Friedensaktivisten, über deren Aktivitäten jedoch in europäischen Medien mehr berichtet wird als in der amerikanischen Presse. Hinzu kommen protestierende Hollywood-Stars, wie der durch Bagdad tingelnde Rebell Sean Penn, der laut dem örtlichen “Iraq Daily” den Schurkenstaat für massenvernichtungswaffenfrei erklärte. 108 Stars und Artisten, darunter Kim Basinger, Matt Damon oder Samuel L. Jackson, schalteten Ganzseiten-Inserate mit dem Titel “Sieg ohne Krieg” und dem Tenor, dass das Kriegsgetrommle in Washington “gefährlich” und “unnotwendig” sei.
Dabei ist es nicht das stumpfe Stereotyp des häßlichen Amerikaners, das viele Erdenbürger erzürnt, sondern ganz detaillierte Kritik an der spezifischen Polit-Strategien der US-Regierung in Washington, behauptet der Star-Autor Mark Hertsgaard in seinem Buch “The Eagle´s Shadow: Why America Fascinates and Infuriates the World” (erscheint im Frühjahr auch auf Deutsch im Carl Hansen Verlag). Hertsgaard tourte ein halbes Jahr rund um den Globus für seine Amerika-Image-Recherchen: Überall werde die “Arroganz der Supermacht” angeprangert, jedoch Bush & Co verantwortlich gemacht. “Die Amerikaner selbst scheinen zu glauben, man hasse sie wegen allgemeiner Klischees, wie Reichtum und Macht, oder Freiheit – nichts davon ist wahr”, sagt Hertsgaard. Und die Weltmeinung, so wie er sie recherchiert hat, scheint in den USA niemanden zu interessieren. “Anders als Übersee, wo das Buch hervorragende Kritiken erhielt, wird es hierzulande ignoriert oder kritisiert”. Und Pläne, wie zuletzt des Pentagon, die Weltmeinung per Propaganda zu ändern? Das sei genau die amerikanische Antwort: “Wir sind das Land der Werbekönige an der Madison Avenue und Hollywood”, sagt der Autor: “Wenn es ein Problem gibt, wollen wir es mit Public Relations lösen – bei Leuten eine günstigere Meinung zu ertricksen”.

# 12. März: Die Schattenmänner hinter dem Irak-Krieg


Sie sind die Schattenmänner hinter der Irak-Politik des US-Präsidenten George , neokonservative Chefpropnenten einer neuen Ära amerikanischer Aussenpolitik, wo die Supermacht ihre Stärke rund um den Globus ungehemmt ausübt. Ganz oben auf dieser Liste steht Richard N. Perle, offizielle Chairman des “Defense Policy Boards”, eines Beratergrämiums des Pentagon und Weißen Hauses besetzt mit pensionierten Generälen, ehemaligen Nationalen Sicherheitsberatern, Verteidigungsministern oder CIA-Größen. Seit Jahren fordert Perle, der auch im Aufsichtsrat der “Jerusalem Post” sitzt, “Regime Change”, also die Beseitigung Saddam Husseins – besonders nach dem 11. September hat er das Ohr von Donald Rumsfeld und Paul Wolfowitz im Pentagon, Vize Dick Cheney und letztendlich von Bush. Seine Ideen “versorglicher Kriege” gegen Schurkenstaaten fand sich auch in der National Defense Strategy wieder, besser bekannt als Bush-Doktrin. Aufdeckerjournalist Seymour Hersh zitiert einen Geheimdienstoffizier, der von Perls Fähigkeit schwärmt, “für eine radikale Änderung der Regierungspolitik” verantwortlich zu sein,
Obwohl er eigentlich bloß ein einfacher Bürger ist (der Posten im Defense-Board ist ein unbezahlter Ehrentitel). Perle, der im Reagan-Verteidigungsministerium diente und jetzt über das “American Enterprise Institute” die Kriegs-Lobbyarbeit in Washington über ein Netzwerk oft fragwürdiger Nahost-Experten vorantreibt, scheint auch seinen politischen Einfluss mit persönlichen Wirtschaftsinteressen zu verknüpfen. Im Jänner traf er als Managing Partner der Venture-Kapital-Firma “Trireme”, berichtet Hersh im “New Yorker”, den legendären Saudi-Geschäftsmann und Schlüsselfigur im Iran-Contra-Skandal Adnan Kashoggi und zwei saudische Geschäftsleute zum Dinner im Marsailles. Es ging um Investitionen für Homeland-Security-Aufträge des Saudischen Königskhauses, dazwischen wurde eifrig über das Schicksal Saddam Husseins geplaudert. Perls Trireme-Partner Gerald Hillman, der bei andere Gelegenheit gegen bestehende Ölverträge im Irak wetterte (“Die Russen und Franzosen müssen da rausgeworfen werden”), skizzierte bei dem Dinner sogar einen Vorschlag, unter welchen “US-Bedingungen” Saddam Hussein ins Exil gehen könnte – Ideen, die später in arabischen Zeitungen als “Angebot Washingtons, Krieg zu vermeiden“ auftauchten, wo Hillmans Plan plötzlich offizieller Charakter zugeschrieben wurde.
Währenddessen zählt in Washington mit einer Auflage von nur 55.000 Exemplaren das ultrakonservative Wochenmagazin “The Weekly Standard” zur einflussreichstem Medium der USA. Ein Mitarbeiter Cheneys kommt sogar jeden Montag in die Redaktionsräume, um 30 Hefte persönlich abzuholen. Chefredaktuer Bill Kristol, Washington-Veteran seit 18 Jahren und Stabschef von Bush-Senior-Vize Dan Quale, kämpfte ebenfalls erfolglos während der Clinton-Jahre für eine militärische Intervention im Irak, jetzt fühlt er sich rehabilitiert. “Der Bus ist jetzt vollbesetzt und wir fahren in die richtige Richtung”, sagt er in Anspielung auf den Höhenflug der neokonservativen Falken unter Bush II. 1997 gründete er das Projekt “New American Century”, das im Grunde unilaterale Aussenpolitik mit der USA als Weltpolizei propagiert. Als Co-Autor von “The War over Iraq: Saddam´s Tyranny amd America´s Mission” lieferte er fast das Skript für den jetztigen Showdown mit Saddam.
Im Weekly Standard publiziert auch Robert Kagan, ein weiterer Proponent amerikanischer Hegemonie, dessen dünnes Buch “Of Paradise and Power: America and Europe in the New World Order” für Aufsehen sorgte: “Beim setzen Nationaler Prioritäten, Bestimmen von Bedrohungen, Definieren von Herausforderungen und Implementieren von Aussen- und Verteidigunspolitik teilen sich die Wege Europas und Amerikas”, schreibt der in Brüssel lebende Kolumnist. Der Grund: Amerika ist mächtig, Europa nicht. “Starke Nationen sehen die Welt naturgemäß anders, bemessen Risiken und Bedrohungen unterschiedlich”, urteilt Kagan. Und: Der Irak werden in Washington deshalb als Bedrohung angesehen, weil nur die USA in der Lage seien, ihn auch ausschalten zu können.

# 20. Februar: Legende Steven Spielberg

Ein wenig peinlich sei es schon gewesen, scherzte Hollywood-Legende Steven Spielberg in der milden Wintersonne Kaliforniens vor dem „Kodak Theatre“ am weltberühmten Hollywood Boulevard in Los Angeles. Denn alle hätten verblüfft über die Tatsache reagiert, dass der berühmteste Regisseur vielleicht aller Zeiten nicht schon längst mit einem der inzwischen 2.200 in den Asphalt gravierten Star-Sterne verewigt worden war. „Jetzt, wo es Wirklichkeit wird“, sagte Spielberg dann bei der Einweihungsfeier vor zwei Wochen, „fühle ich mich wie ein Relik im ältesten Museum, das Hollywood anzubieten hat“. Jetzt müsse er sich ebenfalls wie alle seiner Starkollegen Sorgen um freilaufende Pudel machen, die sein Denkmal entweihen könnten.
Der 56-jährige Filmemacher, mehrfach Oskar-preisgekrönt und verantwortlich für acht der 30 erfolgreichsten Movies aller Zeiten, hat gut lachen. Von den Ärzten nach dem Verlust einer Niere 2000 das kurzfristige Leisertreten verschrieben, läuft sein Comeback nun auf Hochtouren: Mit der unterhaltsamen Komödie „Catch me if you can“ landete er einen Überraschungs-Coup, als er den zweiten, zeitgleich erschienenen und wesentlich intensiver gehypten Streifen seines Titelhelden Leonardo DiCaprio – Altmeister Martin Scorseses episches Werk „Gangs of New York“ – im US-Boxoffice weit zurückließ (119 Millionen Dollar Einspielergebnis bisher). Filmexperten erwarten für „Catch“ und der düsteren Zukunftsvision „Minority Report“ mit Tom Cruise in der Hauptrolle heuer zwei Nominierungen für die am 23. März vergebenen Oscars.
Fast erinnert das Duell mit Scorsese an die Zeiten von Spielbergs kometenhaften Aufstieg vor fast drei Jahrzehnten. Nach seinem ersten Preis als 13-jähriger für einen 40-Minuten-Film („Escape to Nowhere“), seinem ersten Spielfilm als 16-jähriger („Firelight“) mit einen 100-Dollar-Profit im örtlichen Kino in Arizona, kam er 1974 nach Hollywood, wo herausragende Artisten wie eben Scorsese, Robert Altman, Francis Ford Coppola oder Brian De Palma regierten. „Spielberg hatte die Vision“, schreibt der „Chicago Sun-Times“ Filmkritiker Roger Ebert, „dass mit alten B-Movie-Geschichten gepaart mit A-gradiger Cinematographie und ausgefeiltesten Spezialeffekten riesige Audienzen geschaffen werden können“. „Jaws“ (Der Weiße Hai) 1975 war der erste dieser Spielberg-Triumphe, der die gesamte Filmindustrie revolutionierte und den modernen „Great American Blockbuster“ schuf, der wegen dem Potential enormer Einspielergebnisse auch ausufernde Produktionsbudgets erlaubt. Und Spielberg wurde mit der folgenden Indiana-Jones-Trilogie, Unheimliche Begegnung der Dritten Art, E.T. oder Jurassic Park zum Multi-Milliardär.
Mit „Catch me if you can“ habe Spielberg nach einer Schaffensphase düsterer und depremierender Aufarbeitung der Vergangenheit, darunter das Sklavendrama „Amistad“ oder dem World-War-II-Epos „Der Soldat Ryan“, und der Zukunft, wie den schwerer verdaulicheren und im Boxoffice mäßig erfolgreichen „A.I.: Artificial Intelligence“ oder „Minority Report“, den unterhaltsamsten Film seit Jahren geschaffen, jubelten in den USA die Filmkritiker. DiCaprio flieht von seinem idyllischen Leben in den Suburbs der 50iger, nachdem die Ehe seiner Eltern zerbricht und sein Vater (Christopher Walken) von der Steuerbehörde IRS verfolgt wird. Mit der unwissentlich von seinem Vater anerzogenen Gabe zu Identitätswechsel und Fälschung entwischt er seinem von Tom Hanks verkörperten FBI-Verfolger immer wieder.
Mit dem Streifen gelang Spielberg auch ein Erfolg für das 1994 gemeinsam mit Ex-Disney-Animationschef Jeffrey Katzenberg und Musikindustrie-Wizard David Geffen gegründete Filmstudio „Dreamworks SKG“ (SKG steht für Spielberg, Katzenberg und Geffen) gegen Erzrivalen „Miramax“, das mit „Gangs of New York“ Box-Office und Oscars abräumen wollte. Nach einem ruppigen Start für Dreamworks samt Film-Flops und einem öffentlichkeits-unwirksamen Streit mit Umweltschützern um den Bau eines 200 Millionen Dollar teuren Produktionsstudios in Los Angeles setzte es ab 1998 dann doch Erfolge in Serie: „Deep Impact“ spülte 348 Millionen Dollar in den Kassen, „American Beauty“ gewann dem Studio den ersten Oscar für „Best Picture“, vier weitere und 336 Millionen Dollar Umsatz, Gladiator räumte ebenfalls mit fünf Preisen und 445 Millionen Einspielergebnis ab. 2001 setzte Dreamworks, an dem Spielberg 22 Prozent Anteil hält, mit 1.500 Mitarbeitern 2,2 Milliarden Dollar um. Im Vorjahr mussten anfangs das Debakel mit dem mit 80 Millionen Dollar Produktionskosten sündteurem Sci-Fi-Langweilers „The Time Machine“, sowie Enttäuschungen über die wenig begehrten Streifen, Jackie Chans „The Tuxedo“ oder Woody Allens „Hollywood Ending“, weggesteckt werden. Doch mit „Catch me…“ und dem 126-Millionen-Dollar-Überraschungscoup „The Ring“, der fast nur durch Mundpropaganda zustande kam, gab es ein Happy End für Dreamwoks.
In Forbes rangiert der siebenfache Familienvater Spielberg mit der etwas unaufregenden Austrahlung auf Nummer 80 von Amerikas Superreichen, mit einem Wert von 2,2 Milliarden Dollar. Dabei ist Dreamworks nur ein Pfeiler des Spielberg-Imperiums, dass sich auf Produktions- und Distributions-Firmen, Musik-Verlage, TV- und Videogames-Produktionen und sogar Restaurant-Ketten ausdehnt. Anhand des Hits „Jurassic Park“, der 951 Millionen Dollar einspielte, hatte „Business Week“ den Geldstrom offengelegt: Dabei ging 50 Prozent des Umsatzes an das Filmstudio „Universal“, Spielbergs 17,5-Prozent-Anteil brachte ihm die ersten 83 Millionen. Die zur Gänze in seinem Besitz befindliche Firma „Amblin“ erhielt 50 Prozent der Nettogewinne, weitere 121 Millionen. Aufgerundet wurde mit Gewinnanteilen für Video-Verkäufe (60 Millionen), TV-Rechte (20) und dem Verkauf von jeder Menge Plastik-Dinos (10 Millionen). Mit insgesamt 294 Millionen Dollar hatte sich somit der Saurier-Schrecken für den Filmemacher ausgezahlt.
Doch längst geht es bei Spielberg nicht mehr ums Geldscheffeln. Über 100 Filme sieht sich der Meister jedes Jahr an, scheint sich fast jede Szene zu merken, immer auf der Suche nach weiterer Perfektion. Sogar die Liste schlechter Kritiken rattert er fast auswendig herunter: „Ich würde zu schnell schneiden, meinen die einen“, sagte er kürzlich in einem Interview: „Andere bekritteln den Einsatz zu weiter Linsen, die schlechte Verfilmung von Frauen – oder ich sei mehr verliebt in die Kamera als in die Story“. Irgendwie hätten seine Kritiker in vielen Punkten recht, gibt er zu.
Doch die Liste seiner Stärken ist um einiges Länger – vor allem die der rigorosen Qualitätskontrolle bei jedem Film. Niemals vergessen werde Filmkritiker Ebert, als den erfahrensten Kinobesucher der Erde beim Cannes Film Festival bei der Vorführung von E.T. die Tränen herunter liefen. Neun Milliarden Dollar haben die 40 insgesamt von ihm produzierten und/oder unter seiner Regie geschaffenen Streifen eingespielt. Dieses Jahr arbeitet er weiter an früheren Erfolgsprojekten: Jurassic Park IV als Producer oder dem Riesenprojekt Indiana Jones, Teil 4, das 2005 Blockbuster-Geschichte schreiben soll. Doch auch in seiner Tätigkeit als Wohltäter scheint Spielberg Trends zu setzen. Das Projekt „Shoah Visual History Archive“, wo 50.000 Holocaust-Überlebende aus 57 Staaten interviewt worden waren, scheint Nachahmer zu finden: In Chicago begann das „HistoryMakers“-Projekt der Professorin Julianne Richardson, wo die Erlebnisse von 5.000 Afro-Amerikanern dokumentiert werden sollen.

# 3. Februar: Der Todesflug der Columbia

Über dem Texas-Bezirk Nacogdoches hatte es Leichenteile herabgeregnet. Als Sonntags im Nest Plainview die drei Söhne der Hausfrau Tammy White – vier, sechs und acht Jahre alt – mit ihren Dreiradler ihre Morgenrunde drehten, entdeckten sie ein verkohltes Bein. “Seither stellen sie viele Fragen”, schüttelt White den Kopf. Es blieb nicht der einzige grauenhafte Fund: Im Garten eines Nachbarn landete ein völlig verformter Körperoberteil, samt Kopf. Andere fanden ein Herz, Finger, ein Körperrumpf. Später rollten langsam Leichenwagen durch die Siedlungen. Da blieb der US-Raumfahrtbehörde NASA nur mehr die Bestätigung der Horror-Funde: “Menschliche Überreste aller sieben Astronauten wurden gefunden”, sagte Projektleiter Ron D. Dittemore. Rick Husband (45), Laurel Clark (41), Michael P. Anderson (43), die aus Indien stammende Kalpana Chawla (41), William McCool (41), David Brown (46) und der erste Isreali im All, Ilan Ramon (48) starben einen schnellen, doch grauenhaften Tod, als ihre Raumfähre “Columbia” am Samstag, 9 Uhr Ortszeit, 62 Kilometer über Texas verglühte.
“Ground Zero”, in Anlehung auf das Trümmerfeld der New Yorker Twin Towers nach dem 11. September, heisst inzwischen das 600 Quadratkilometer große, sich über 16 Counties in Texas und Louisiana erstreckende Trümmerfeld, wo tausende Freiwillige, Polizisten, Gendarmen, die Nationalgarde und die Bundespolizei FBI die Reste des aus 2,5 Millionen Teilen zusammengebauten, 2.000 Tonnen schweren, 56,14 Meter langen Raumschiffes einsammelten: Keramische Hitzeschutz-“Fliesen”, glänzende Metallkugeln, Teile des Triebwerkes, ein Stoff-Wappen mit dem Namen der Crew, ein Helm eines Raumfahrers. Nichts seit dem Jumbo-Terror-Horror vor sechzehneinhalb Monaten hat die Amerikaner so schockiert wie die TV-Bilder der in einem Feuerschweif verglühenden Columbia: “Todeskomet”, titelte die “New York Post”, “Shuttle zerbricht, 7 Tote” knallte das Renomier-Blatt “New York Times” quer über Seite Eins, die Magazine “Time” und “Newsweek” druckten die schaurig schönen Bilder der glühenden Trümmer gegen den tiefblauen Himmel auf ihre Cover, in den rund um die Uhr laufend TV-Sondersendungen trugen die Anchors bald Trauerkleidung.
Für die Nation der Pioniere und Weltall-Fans ist die Columbia-Tragödie der zweite schwere Rückschlag in 42 Jahren bemannter Raumfahrt, nachdem vor fast genau 17 Jahren Spaceshuttle “Challenger” 72 Sekunden nach dem Start in einem gigantischen Feuerball explodierte. 111 Shuttle-Missionen verliefen hingegen meist ohne nennenswerte Probleme, ein tränenunterdrückender Präsident George W. Bush versprach den Fortbestand der Missionen und sogar 500 Millionen Dollar mehr für das 14-Milliarden-Dollar-NASA-Jahresbudget: “Die Menschheit wird in die Dunkelheit ausserhalb unseres Planeten gelockt durch den Entdeckergeist”, versuchte er die paralysierte 290-Millionen-Einwohner-Nation aufzumuntern – und stellte Tags darauf fest, dass keine Änderungen in seinen Kriegsplänen gegen Iraks Saddam Hussein zu erwarten sind.
Doch immer neuere Details des Protokolles eines Todesfluges und die fieberhafte Suche nach den Ursachen wird Amerika noch wochenlang in Atmen halten. Das Drama hatte wahrscheinlich schon beim Start der Columbia, der ältesten und 1981 debütierenden Raumfähre, am 16. Jänner seinen Lauf genommen: Sekunden nach dem Lift-Off löste sich von den 15. Stockwerken hohen Trägerraketen 80 Sekunden nach dem Start ein Stück Isolierschaum und traf die linke Tragfläche der Columbia – vielleicht sogar genau die Klappen für das Landefahrwerk, eine “Archillesferse” des Shuttles, wie ein pensionierter NASA-Experte zuletzt CNN anvertraute. Die Dichtungsmasse ist beim Auftragen weich wie Rasierschaum, doch wird steinhart, “wie ein altmodischer Ziegel”, so der Ex-NASA-Techniker Seymour Himmel. Entgegen den Informationen in den an Familien und Politiker ausgegebenen Broschüren wurden nicht die neuen ultraleichten, von der Firma Lockheed Martin hergestellten Trägerraketen sondern ältere, schwerere Modelle eingesetzt. Erst am Folgtag hatten NASA-Experten im “Johnson Space Center” in Houston beim genauen Studium der Videoaufzeichnungen den Vorfall entdeckt: Das Stück fällt hinunter, beim Aufprall ist an der Unterfläche eine weisse Rauchwolke zu sehen – ein Indiz für eine Beschädigung der für den Wiedereintritt in den Athmosphäre so überlebenswichtigen 24.000 Keramik-Fliesen (einige bis zu 12 Zentimeter dick, jede einzelne 4000 Dollar teuer) zum Schutz gegen die bis zu 1.650 Grad Celsius heissen Temperaturen.
US-Medien fragen schon jetzt aufgeregt: Waren die Astronauten all die Wochen im All bereits zum Tod verurteilt? Probleme mit den Schutzfliesen sind nicht neu: Ausgerechnet Columbia hatte bei der Überstellung am Rücken einer Boeing 747 40 Prozent der wichtigsten 5.000 Stücke verloren – sah nach der Landung aus “wie ein gerupftes Huhn”, wie sich ein NASA-Veteran erinnert. Bei ihrem ersten Flug 1981 verlor das Spaceshuttle 12 der Ziegel. Doch in letzter Zeit hatte die NASA Probleme mit den Hitzeschild als bewältigt und als “Ding der Vergangenheit” eingestuft, wie Projektleiter Dittemore beteuert. NASA-Experten klassifizierten den Startvorfall prompt als harmlos, “keine Konsequenzen” für den Vorbestand der Mission seien zu erwarten, die Crew wurde nicht darüber informiert.
Wenig hätte auch unternommen werden können:
# Die sieben Astronauten waren nicht trainiert für Allspaziergänge, um möglichen Schaden im All zu begutachten – es hätte auch keine Ersatzziegel an Bord gegeben;
# die Raumfähre hatte keinen Roboterarm, mit dem per Videokamera die Tragfläche untersucht werden hätte können;
# Columbia hatte auch zu wenig Treibstoff an Bord, um an der “International Space Station” (ISS) andocken zu können.
# Einzig ein Umstieg in die rasch und ohne Tests gestartete Raumfähre “Atlantis” schien theoretisch möglich, um die Astronauten aus ihrer potentiellen Todesfalle zu retten.
Unbeschwert fuhren die Astronauten aber mit ihren Wissenschaft-Experimenten fort – neben einer Serie hochtechnischer Forschungsarbeit wurden auch Projekte von US-Volksschulen umgesetzt – mit an Bord waren Insekten, Pflanzensamen, sogar eine Probe eines Teiches im New Yorker Central Park. Gewitzelt hatten die Astronauten, wie problemlos alle Experimente und der Trip insgesamt verliefen. Viel Zeit in den 16 Tagen im All blieb zum Bestaunen des spekatkulären Ausblicks auf die vorbeiziehenden Kontinente und Weltmeere. Die US-Inderin Chawla hatte bereits von ihrer letzte Mission geschwärmt, wie sehr sie die “Gewitterwolken-Türme, das Glitzern der Lichter großer Metropolen” faszinierten. Sie flog einmal noch über ihre Heimat Indien, sah die Himalaya-Bergkette – bevor sie starb.
Wirklich groß ist die Nervenanspannung im durch Filme weltberühmten Kontrollraum in Houston eigentlich nur in den ersten Startsekunden, wohl auch wegen der Erinnerungen an die so plötzlich explodierte “Challenger”. Statistisch hatte die NASA danach die Chancen auf eine Tragödie auf 1 : 148 heraufgeschraubt, die Landung des Shuttle galt jedoch mehr als Routine als der Start. “Weil keine Triebwerke laufen”, sagt der pensionierte Astronaut Mike Mullane, “ist es mehr ein passiver Moment – ohne die fast todesangstähnliche Anspannung beim Start”. Dennoch werden beim Wiedereintritt in die Erdathmosphäre Kräfte wie in einem Inferno frei: Die gesamte, während den Erdumrundungen gespeicherte kinetische Energie muss abgebaut werden, die Fähre von 25-facher Schallgeschwindigkeit auf die 400 Stundenkilometer beim Aufsetzen auf der Landepiste des “Kennedy Space Centers” in Florida abgebremst werden. An Bord treffen die Astronauten die letzten Vorbereitungen: Sie lösen ihre Schlafgurte, verstauen ihr Gepäck und Geräte, schnallen sich zuletzt in ihren Cockpit-Sitzen fest. Sechs Stunden dauert das alles.
Um 8:15 Uhr US-Ostküstenzeit, Samstag 1. Februar, leitet Columbia mit einem Zwei-Minuten-38-Sekunden-Triebwerkstoß die 61-minütige Landephase ein. Das Shuttle fliegt verkehrt am Rücken 175 Meilen über dem Indischen Ozean. Die Fähre dreht sich langsam in Flugrichtung, Nase steil nach oben, die Unterfläche wird zum Schutz vor der dichter werdenden Athmosphäre – rund um das Raumschiff bildet sich ein dünner Film, zunächst rosa, dann rot zuletzt grell weiß schimmernder, heisser Luft. Tony Beasley, ein Astronom des “California Institute of Technology” wartet in den frühen Morgenstunden auf den auch im Normalfall spektakulären Shuttle-Überflug. Doch irgendwie sieht er, wie Teile wegfliegen, samt greller Blitze. In Mission Controll zeigen alle Instrumente noch auf “O.k.”. Doch plötzlich um 8:53 Uhr, Columbia ist noch über Kalifornien, reißt der Datenstrom für die Hydraulik ab, die Temperatur im linken Rad steigt um 11 bis 16 Grad Celsius innerhalb von fünf Minuten. Um 8:54, Columbia zieht über Ost-Kalifornien nach Navada, steigt die Temperatur oberhalb der linken Tragfläche um 33 Grad, um 8:58, Columbia hat New Mexiko erreicht, zieht die Fähre plötzlich nach links, der Autopilot muss gegensteuern. Eine Minute später, das Shuttle fliegt jetzt mit “Mach 18” (fast 20.000 Stundenkilometer) in 63.000 Meter Höhe über West-Texas, zieht es wieder nach Links – aus heutiger Ermittlungssicht ein Zeichen, möglicher, fehlender Hitzeschutz-Fließen. Zusätzlich waren auf der linken Seite einge Hitzesensoren nach und nach ausgefallen.
Charlie Hobaugh, der “Communicator” in Houston, informiert die Crew: “Columbia, Houston”, sagt er ruhig: “Wir haben eure Reifendruckwerte-Nachricht empfangen”. “Roger”, antwortet Astronaut Husband, gefolgt von einem “Uh…” und dann noch ein schnelles “Buh..” Dann nur mehr gespenstisches Rauschen, auch der Datenstrom zu Columbia ist abgerissen. “Columbia, Houston”, sagt Hobaugh: “Com Check.” Statik, krächtzen. “Columbia, Houston. UHF com check”, setzt der Kontrollraum nach, nachdem die Frequenz gewechselt worden war. Wieder keine Antwort – und trotz mehrmaliger, weiterer Versuche ist den Veteranen im Kontrollraum längst klar, “dass sie einen sehr schlechten Tag erleben”, wie es Flugdirektor Milt Heflin ausdrückte. Die Astronauten sind wohl schneller gestorben, als die in der Challenger, deren Kommandomodul die durch einen defekten Dichtungsring ausgelöste Explosion überstand und die bewusst den 41 Sekunden dauernden Fall in den Atlantik miterlebt hatten. Ein Zerbersten der Fähre bei dieser Höllengeschwindigkeit bedeutet einen Tod in Sekundenbruchteilen. An der Landepiste in Florida warteten Familienmitglieder, Politiker und Schaulustige vergeblich auf die beiden üblichen Überschall-Knalls, wenn das Shuttle im Landeanflug unter die Schallgeschwindigkeit zurückfällt. Selbst als noch die Landeuhr den Countdown fortzählt, werden die Angehörigen in einem Bus weggeführt.
Nun soll der pensionierte Navy-Admiral Harold W. Gehman Jr, der bereits den Terror-Anschlag auf den Zerstörer “Cole” im Jemen im Jahr 2000 untersuchte, als Leiter einer unabhängigen Untersuchungs-Kommission die Ursachen für das Columbia-Desaster finden: Tausende Techniker brüten über den vor dem Crash übermittelten Daten – immer stärker wird jedoch auf eine mögliche Beschädigung beim Start fokusiert, die eine fatale Kettenreaktion wegbrechender Hitzeschutz-Fliesen ausgelöst haben hätte können. Andere Unglückszenarien nennt Edward Crawley vom “Massachusetts Institute of Technology”:
# eine Explosion des der Treibstoff-Tanks;
# ein Verlust der Navigationskontrolle;
# ein Computer-Fehler oder –ausfall;
# eine Auflösung des gesamten Hitzeschutz-Systems.
Ins Kreuzfeuer wütender Fragen scheint jedoch nun auch die Raumfahrtbehörde NASA zu kommen: Wie hatte man nach dem Studium von ein paar Videotapes die Start-Kalamität als “harmlos” abtun können? Warum wurde niemals in die Raumfähren ein Fluchtsystem, etwa per Not-Kapsel, eingebaut? Und warum wurden aus einem Sicherheits-Gremium, das NASA vor einem Jahr wegen der Budgetkürzungen vor Sicherheitslücken in der Shuttle-Flotte warnte, fünf von neun Mitgliedern kurzerhand abgesetzt? NASA-Chef Sean O´Keefe versprach im Vieraugengespräch mit Präsident Bush die “lückenlose Aufklärung” der Tragödie. Doch der zweite Shuttle-Crash stellt nun das gesamte Programm in Frage. Sicherheitsexperten hatten in einem Report der “Washington Post” den festen Glauben der NASA an die verbesserte Sicherheit als “Illusion” bezeichnet, das Shuttle als veralteten All-Laster verhöhnt – wegen Geldmangel für Neuentwicklungen habe NASA zuletzt versucht, die Lebensdauer der alternden Flotte um 25 Jahren zu verlängern.

# 27. Jänner: Woodward zielt auf Bush

Es ist der kompletteste und vielleicht schockierendest Einblick in das Krisenmanagement eines kriegslüsternden Präsidenten, und dominiert seit zwei Monaten (!) die US-Bestseller-Listen: “Bush at War” (Bush im Krieg) von “Washington Post”-Starjournalisten und Watergate-Aufdecker Bob Woodward beschreibt die ersten 100 Tage nach dem Horror des 11. September, konfuse Planungs-Sessions mit jovialem Macho-Gerede, haarsträubende Machtkämpfe unter seinen engsten Regierungsmitgliedern und Beratern, basierende auf – ein Journalisten-Coup – den Protokollen des Washingtoner Sicherheitsrates. Präsident George Bush erscheint in Woodwards Enthüllungen in durchaus wohlwollendem Licht, vielleicht auch als Dank für ein Vierstunden-Interview und direkten Zugang zu Info-Quellen. Fast gelähmt durch den Schock über die Jumbo-Attacken wurden Sitzungen mit Gebeten eröffnet, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bat Gott um Geduld, “unsere Begierde nach Taten zu zügeln”. Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza “Condi” Rice hätte Bush wie eine Henne ihr Küken bemuttert, zur Entspannung nach all der Kriegsplanung am Klavier patriotische Lieder gespielt. Am Beratungstisch übertraf sich die Bush-Runde mit martialischen Tönen: Bereits 24 Stunden nach der Attacke konstatierte Außenminister Colin Powell, dass Bush das endlose Reden satt habe, und “endlich jemanden umbringen” wolle. US-Bomber sollten “die Heilige Hölle auf ihre Feinde herabregnen lassen”, auf die Taliban, “diese Parasiten”. Gerne prahlte der CIA-Mann Cofer Black, dass nach dem Ende der Schlacht, die Fliegen auf den Augäpfeln der Feinde spazieren gehen würden (“Flies-on-the-eyeball-guy” lautet fortan sein Spitzname). Den Kopf von Staatsfeind Osama bin Laden wollte Black dem Präsidenten in einer Schachtel präsentieren.
Heute wichtiger erscheinen Woodwards Einblicke in die damaligen Planungsspiele in Sachen Irak. Am 12. September fragte Rumsfeld erstmals: Warum sollen wir nicht auch gegen den Irak losschlagen? Am Folgetag in Camp David steigert er die Anti-Irak-Rhetorik, assistiert von Vize Paul Wolfowitz (der später der Chefrunde mit seinen Irak-Tiraden derart auf die Nerven fiel, dass ihm der Präsident Redeverbot erteilte). Vize Dick Cheney konnte damals, wie auch Bush, nicht von einem sofortigen Irak-Schlag überzeugt werden. “Wenn wir jetzt gegen Saddam Hussein losschlagen”, argumentierte Cheney, “büßen wir unseren Image als Good Guys ein”. Trotzdem befahl Bush die Ausarbeitung von Angriffsplänen (was er Powell Monatelang verheimlichte) – und hatte sich offenbar fest vorgenommen, sich den Irak in Phase II des Anti-Terrorkrieges vorzunehmen.
Trotz dem damaligen Vorwurf an die Medien, in der Anfangsphase des Afghanisten-Kriegs ungeduldige Panikmache und unangebrachte Vietnamvergleiche zu verbreiten, saßen die größten Skeptiker meist rund um den Präsidenten. Rumsfeld und CIA-Chef George Tenet stritten sogar, wer überhaupt für den Krieg zuständig sei, Vize-Außenminister Dick Armitage verwendete gar das Kürzel “Fubar” – „Fucked up beyond any recognition”. Erst die Anregung eines Feldoffiziers, die Taliban-Bodentruppen zu bombardieren und das Aushändigen der CIA von 70 Millionen Dollar an die Warlords hätte die Wende gebracht. Animiert beschreibt Woodward auch die schwierige Rolle des “zögernden Kriegers” Powell im Bush-Kriegsteam. Man stecke ihn in den “Eiskasten”, beschwerte sich der General, um ihn nur dann rauszuholen, wenn man ihn braucht. Erst als vergangen Sommer Bush und Cheney solo gegen den Irak losziehen wollen, suchte er ein Dinner mit Bush im White House. Er ringt Bush das versprechen ab, zuerst vor die UNO zu gehen, und fährt dann auf Urlaub.

# 14. Jänner: Case closed…

Die Szene hätte aus einem der Wirtschafts-Thrillers Hollywoods entstammen können: Beim Lunch in einem Nobel-Restaurant in Manhattan saß Steve Case, Vorstandsvorsitzender der größten Medien- und Entertainment-Konglomerats der Erde “AOL Time Warner”, gegenüber Gordon Crawford, seinem als Top-Manger der “Capital Group” größten, institutionellen Aktionär. Der 44-jährige Case kämpfte zwischen Salat und Dessert verzweifelt um sein Überleben an der Spitze des Giganten, argumentierte aufgeregt, dass die Probleme beim Internet-Provider AOL längst im Griff sind, Untersuchungen der US-Behörden wegen Bilanzfälschung im Sand verlaufen würden – und insgesamt dem Unternehmen immer noch eine glorreiche Zukunft bevorstehe. Crawford zeigte sich unbeeindruckt, kündigte an, mit seinen 7,6-Prozent Aktienanteil bei der Jahreshauptversammlung gegen Case zu votieren und einen regelrechten Aktionärsaufstand zu provozieren.
Diese Dehmütigung wollte sich Ex-Pizzahut-Manager Case, der von der Gründung eines obskuren Internet-Chat-Services 1992 mit “America Online” zum Propheten der Internet-Ära aufstieg, nicht antun: Diese Woche kündigte er seinen Rücktritt als “Chairman” an. “Case closed” titelten Zeitungen nicht ohne Häme: Denn der Sturz des milchgesichtigen Online-Visionärs ist nur das letzte persönliche Drama der vielleicht desaströsesten Firmen-Fusion in der Wirtschaftsgeschichte: Unter dem Jubel der Fachpresse und “High Fives” unter den Managern hatte am Höhepunkt der Internet-Spekulationsblase AOL als Anbieter eines konsumentengerechten Internet-Services in einem 154-Milliarden-Dollar-Merger den Mediengiganten “Time Warner” mit Top-Magazinen wie Time, People, Fortune, dem Filmstudio “Warner Brothers”, PayTV-Kanäle wie HBO bis dem legendären News-Kanal CNN eingekauft. Mit AOL als Wachstumsmaschine und der Qualität der honorigen Magazin-Verlage und TV-Sender werde durch die Internetrevolution bald das größte und profitabelste Unternehmen der Erde entstehen, träumten die Chefarchitekten Steve Case und Gerald Levin – an der Südwestecke des Zentralparks wurde mit dem Bau 60-stöckiger Zwiillingstürme als Headquarter begonnen.
Schlimmer hätte drei Jahre später die Realität des Platzens der New-Economy-Blase und aller Synergie-Träume AOL Time Warner kaum einholen können: Die damals vereinten Aktienwerte stürzten von einem High von 58.51 auf 15 Dollar, der Marktwert von 260 auf 66,5 Milliarden Dollar, zusätzlich sitzt der Levin als CEO nachgefolgte Richard Parson auf einem Schuldenberg von 26 Milliarden Dollar. Vor allem die Aktionäre “Time Warners” wären Opfer des “Verkaufsgeschickes von Case und der Blauäugigkeit von Levin” geworden, schreibt die New York Times: 48 Dollar wären die alten Time-Warner-Aktien wegen der florierenden Geschäfte der Magazin-, TV-, Film- und Musikdivisonen heute Wert, wurde errechnet, gut die Hälfte die des Angeschlagenen Online-Dienstes AOL. Beide Grundpfeiler des gemeinsamen Geschäftsplanes kollabierten:
# Anstatt mit wie Ende der 90iger mit 50 Prozent jährlich Mitglieder-Zuwachs zu expandieren, erreichte AOL September 2002 mit 35,3 Millionen und nur mehr einem Jahreswachstum von acht Prozent einen Plafond, doch der Umsatz kollabierte wegen Zusammenbruch des Online-Werbemarktes von 2,3 auf 1,6 Milliarden Dollar – anstatt die Trägerrakete zu sein, wurde AOL mit minus 40.2 Prozent zum Bremsklotz.
# Die Erwartungen bei Cross-Marketing und Synergie-Effekte in dem verfächerten Medium-Imperium erwiesen sich als übertrieben. “Die Merger-Fans können zwar Leute zu ihren neuen Mega-Brands locken”, schreibt David Ignatius in der “Washington Post”, “doch sie können nienmanden zwingen, etwas zu kaufen, was er nicht mag”.
Bis zuletzt hielt Case an seinem Traum fest: Aller kreativer Entertainment-Content – Bücher, TV-Shows, Musik, Filme, Cartoons oder Magazine – werden früher oder später voll digitalisert über Internet-Plattformen wie AOL über Breitband-Verbindungen abgerufen werden können. Doch das verläuft eher als Evolution statt einer alles hinwegfegenden Revolution – zu langsam jedenfalls, um Wallstreet-Broker zu überzeugen: 100.000 Amerikaner entschließen sich pro Monat für die Schnellanbindung ans Internet zu meist doppelten Monatsgebühren. “Ihr werdet alle arbeitslos”, wollte Case Manager des Filmstudios aufrütteln: “Das Internet stiehlt eich euer Copyright-Material: Was werdet ihr dagegen tun?” Statt alarmiert waren sie bloß über ihn verärgert.
Nach dem Abgang von Case als nächster gefallener Internet-Guru in Medien-Imperien (nach Jean-Marie Messiers bei Vivendi Universal, Thomas Middlehoff bei Bertelsmann und zuletzt auch Thomas Motola bei “Sony Music Entertainment) hat CEO Parson selbst eine Fusions-Rücknahme und Abnabelung von AOL samt Namenswiederherstellung auf Time Warner nicht ganz ausgeschlossen. Viele sehen bereits Haudegen Ted Turner, dem Chefarchitekten der Abtritte von Levin, Bob Pittmann und nun Case als Retter. Der CNN-Gründer litt bereits unter dem ersten Merger, als er CNN und sein TV-Imperium “Turner Media” an Time Warner verkaufte (“Ich hätte lieber die übernehmen und Levin feuer sollen”, sagte er immer wieder). Nach dem AOL-Fiasko hat er der größte Einzelaktionär einen Großteil seines Privatvermögens verloren – von acht Milliarden Dollar auf nunmehr zwei. Ob jemand bereits an ihn herangetreten sei, wollte die Zeitung “Atlanta Journal-Constitution” wissen: “Niemand hat mit mir noch gesprochen”, sagte er knapp.

# 6. Jänner: Die irren Menschenkloner

Modern schien in dem versteckten Labor in einer Schule im Nest Nitro, West Virginia, nur die Ausrüstung. Fliegen surrten im Raum 201 der Schule, gemietet um 350 Dollar pro Monat, wahrscheinlich von einem nahen Misthaufen. Die Log-Bücher des angeblichen Forschungs-Projektes zeigten nur ein paar Seiten handgeschriebener Absätze, “von keinem offensichtlichen Wert”, wie die untersuchenden Beamten der US-Arzneimittelbehörde FDA trocken feststellten. Ein Eintrag las sich: “Wir gingen zum örtlichen Schlachthaus und kauften Kuh-Eierstöcke” – wohl zum Herumexperimentieren mit der künstlichen Befruchtung von Kuh-Eiern. Dabei sollte genau an diesem Ort Geschichte geschrieben worden sein: Dr. Brigitte Boisselier, Bischöfin und Chemikerin der UFO-Sekte der “Raelianer”, hatte dort im Sommer 2001 an Techniken zum Klonen des ersten Menschen gearbeitet. Die US-Behörden waren zunächst alarmiert über die 1997 von den Raelianern gegründete und von Boisselier geleiteten Klon-Firma “Clonaid”, doch nach der Inspektion wurde weitere Ermittlungen eingestellt, Clonaid schloss das Labor und verlegte seine Forschungstätigkeit ins Ausland.
Tatsächlich unglaublich schien daher die spektakuläre Ankündigung der Geburt des ersten von Clonaid-Wissenschaftlern produzierten Klon-Babies “Eve” durch Boisselier (Eltern beide Amerikaner – Mutter 31jährig; Vater 37jährig und unfruchtbar), und das eines zweiten Mädchens (die Eltern ein lesbisches Paar) in den Niederlanden diese Woche. Die versprochenen DNA-Tests bei “Eve” sind auf Eis gelegt, angeblich wegen dem Widerstand der Eltern durch einen für den 22. Jänner beginnenden Sorgerechts-Prozess im “Broward County” in Florida, initiiert vom US-Anwalt Bernard Siegel. Der zunächst mit den geplanten Tests beauftragte, “unabhängige” Ex-ABC-Journalist Michael Guillen sorgt nun sogar selbst für fragwürdige Headlines, da er die Exklusivrechte an der Klon-Story den großen TV-Networks um 100.000 Dollar verkaufen hatte wollen. Beim angeblichen Klon-Baby Nummer 2 ist von Tests inzwischen gar nicht mehr die Rede. “Das Baby ist am Weg zu einem anderen Planeten”, macht sich Panos Zavos, Konkurrent im Wettlauf um das erste Klon-Baby lustig.
Kurzfristige Nutznieser der losgetretenen Klon-Hysterie ist durch die enorme Publizität der Auftraggeber, “Raelianer”-Sektenführer Claude Vorilhon, 56, einem Ex-Rennfahrer und Journalisten, der 1973 auf einem französischen Vulkan Ausserirdischen begegnete und deren frohe Klonbotschaft fortan verbreitet. In Serien-TV-Interviews erklärte er, wie ihm der Anführer Yahweh (Hebräisch für “Gott”) der Ausserirdischen namens “Elohim” in perfektem Französisch offenbarte, dass sie die Menschheit vor 25.000 Jahren per Klonen kreierten – und Vorilhon fortan als “Rael” ihr Prophet auf Erden sein solle. “Ich musste meine Familie verlassen und auf Reisen gehen”, erläutert er sein Schicksal. 1991 gründete “Seine Heiligkeit”, wie er angesprochen werden will, die Firma “Clonaid”, um durch Klontechnolgie “ewiges Leben” zu erlangen (oder zumindest 10.000 Jahre in der ersten Phase). Jahrlang als Briefkastenfirma auf den Bahamas verwaist, wurde Clonaid und die Sekte erst im März 2001 bei einem Kongress-Hearing ins internationale Rampenlicht katapultiert. Die damals eingegangene Spenden sollen den Wissenschafts-Coup zum ersten Klonbaby ermöglicht haben. Für Vorilhon erst der Anfang: Per “Accelerated Growth Process” sollen Erwachsenen-Klone schon in ein paar Stunden zu haben sein. Die Publizität und der mögliche Zulauf spendabler UFO-Fans (40.000 Mitglieder sollen es heute laut Sektenangaben sein, 3.000 meinen hingegen Außenstehende) käme auch für das zweite, wichtige Sekten-Ziel gelegen: Dem Bau einer Botschaft für Ausserirdische, am besten im “Heiligen Land”, Israel. Zehn Millionen Dollar sind hierfür veranschlagt, Konstruktions-Details hätte Guru Vorilhon von den Aliens bei seiner Erstbegegnung erhalten: In einem Ort mit mildem Klima, sieben Gästezimmer mit eigenem Klo, ein Konferenzzimmer für 21, dazu ein Swimming Pool und eine hohe Mauer zum Schutz vor Schaulustigen — samt einer Landeplattform für eine fliegende Unterasse von maximal 12 Meter Durchmesser. Nach jahrelangem Schriftverkehr lehnte das Büro des Isrealischen Premiers 1993 ab, seither läuft die Suche nach Alternativplätzen. Unter der Kategorie Realitätsverlust werden die Raelianer von Sektenforschern auf eine Stufe mit dem tragischen Kult “Heaven´s Gate” gestellt, wo 1997 39 Mitglieder Selbstmord begingen, weil sie mit einem UFO zum Hauptquartier der ausserirdischen Menschen-Schöpfer am Planeten Pluto reisten. Ein tragisches Ende erwartet wird bei Rael nicht erwartet: Vorilhon sei ein Playboy und habe die “Zeit seines Lebens”, sagt Realianer-Buchautorin Susan Palmer. Dazu kommen Seminare, die oft in blankem Gruppensex enden.
Mit jedem weiteren Tag handfester Beweise über ihre Klon-Triumphe schlittert die Sekte jedoch immer tiefer in eskalierende Betrugsvorwürfe und –ermittlungen. Auch aus den erhofften Einnahmen durch eine 200.000-Dollar-Klon-Gebühr, die angeblich 2.000 Menschen bereit wären zu zahlen, dürfte nichts werden. Und saß Vorilhon am Tag der Klonbaby-Verkündigung im CNN-Interview noch neben Boisselier auf einer Couch und sah sie stolz und huldigend an, so distanziert er sich jetzt von ihr immer deutlicher. Die Raelianer hätten rein gar nichts mit Clonaid zu tun sagt er jetzt – und wenn sich alles als Lüge herausstellt, sei das “Boisseliers Problem”. Wegen der explosiven Rechtslage in Florida in Sachen Sorgerecht habe er Boisselier höchstpersönlich von Tests abgeraten: “Der Verlust ihrer wissenschaftlichen Reputation ist weniger wichtiger als die Gefahr, dass die Behörden das Baby den Eltern wegnehmen”. Doch welche wissenschaftliche Expertise in der Klon-Technologie hat Boisselier vorzuweisen? Mit einem Chemie-Doktor-Titel arbeitete sie bis 1993 bei der französischen Flüssig-Stickstoff-Firma “Air Liquide”, wurde gefeuert, als sie den Raelianern als “Bischöfin” beitrat, die letzten zweieinhalb Jahre leitete sie Clonaid, unterrichtete nebenbei auch Chemie “Hamilton College” in Clinton, Bundeststaat New York, einer Provinz-Uni abseits weltberühmter US-Forschungsstätten. Wegen ihrer UFO-Sektenmitgliedschaft verlor Boisselier auch das Sorgrecht für ihre jüngste Tochter, die heute 13-jährige Iphigenie. Sie zog mit ihrer älteren Tochter Marina ins kanadische Montreal nahe zu Vorilhons Sektenhauptquartier “UFO Land”. Marina sorgte bereits im Vorjahr für Aufsehen, als sie sich als “williger Bauch” für künftige Klonbabies anbot. “Ich möchte Menschen helfen”, sagte sie stolz. Mutter Boisselier wollte mir gegenüber dazu nicht Stellung nehmen, “über meine Tocher sage ich überhaupt nichts”, meinte sie knapp.
Anstatt neuer Details über die angebliche Geburt der Klonbabies tauchen jetzt immer heftigere Betrugs-Verdachtsmomente gegen Boiesselier auf: Das Geheim-Labor in West Virginia war von Mark Hunt, einem reichen Anwalt aus Charleston, finanziert worden, der Boisselier 500.000 Dollar zum Klonen seines verstorbenen, zehnjährigen Sohnes Andrew übergeben hatte. Als er nach einem halben Jahr die unwissenschaftlichen Zustände in dem desolaten Labor erkannt, distanzierte er sich von “Forschungsdirektorin” Boisslier – von der Vorauszahlung muss wohl noch einiges übrig geblieben sein, Hunt blieb der Verkauf der fast wertlosen Geräte.

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