# 28. September: Superstar Arnie


Arnold Schwarzenegger regiert Kalifornien, die sechstgrößte Volkswirtschaft der Erde, von einem weißen Zelt aus – fünf mal fünf Meter groß, gleich vor seinem Gouverneurs-Büro im Erdgeschoß des prächtigen Kuppelbaus des Kapitols in Sacramento. In dem Zelt stehen ein paar Rattan-Stühle, Orchideen, ein Luftbefeuchter, an der Decke hängt ein Ventilator, in einem Regal ein paar von ihm selbst verfasste Bücher, am Tisch ein schwerer Kristall-Aschenbecher. Das Zelt hat Arnie bauen lassen, da er gerne dicke Zigarren raucht, und das in seinem Büro wegen der strikten Nichtrauchergesetze nicht darf. Deshalb ist das Zelt auch sieben Meter von der Mauer des Kapitols entfernt – den Abstand, den ins Freie verbannte Raucher mittlerweile von Gebäuden halten müssen. In sein Zelt lädt Arnie Politiker zu Budgetverhandlungen, Journalisten zu Interviews, Firmenvertreter zu Standortgesprächen, Australiens Premierminister John Howard.
Arnold Schwarzenegger, dessen für weltweites Aufsehen sorgende Wahl zum „Governator“ des 38-Millionen-Einwohnerstaates Kalifornien sich am Donnerstag zum ersten Mal jährt, hat auch eine ordentliche Erfolgsbilanz vorzuweisen. Mit 65 Prozent Zustimmung ist der aus Österreich eingewanderte Ex-Bodybuilder und Hollywoodraufbold populär wie kaum ein wichtiger Politiker in den USA. Mit einem Stakkato an raschen Politerfolgen verblüffte er selbst seine Fans:
# Noch am Tag seiner Inauguration hob er die verhasste Autosteuer auf;
# verhandelte eine Reform der horrenden Kosten für Arbeitsplatzversicherungen (daran waren zuvor gleich mehrere Gouverneure gescheitert);
# Per Volksabstimmung ließ er sich einen 15-Milliarden-Kredit zur temporären Überbrückung der enormen Defizite Kaliforniens genehmigen (das fiskalische Debakel hatte Vorgänger Gray Davis das Amt gekostet);
# Im Sommer drückte er nach einem Verhandlungs-Marathon sein 102-Milliarden-Dollar-Budget durch;
# Mit den durch Kasinos steinreich gewordenen Indianerstämmen schloss Arnie einen Deal ab, wo sie gleich eine Milliarde Dollar in die Staatskasse abführen müssen.
„Seine Zweifler waren rasch belehrt“, sagt Österreichs Generalkonsul Peter Launsky-Tieffenthal: „Er wurde nicht nur innerhalb kürzester Zeit zum Vollblutpolitiker, sondern stieg national auch zum vielleicht zweitwichtigsten Republikaner hinter Präsident George Bush auf“. Deshalb empfängt er Staatsgäste in Serie, seine Auslandstrips nach Israel, Österreich oder Deutschland sorgen längst für mehr Aufsehen als die des Präsidenten. Selbst einst überkritische, liberale Medien schwenkten bald auf Huldigungskurs um: Die New York Times pries den Governator als jemanden, der „fast nichts falsch machen könnte“, der britische Economist schrieb, „es fehle nur mehr, dass er übers Wasser gehen kann“, das linke Kultmagazin „The New Yorker“ schrieb gleich eine 19-Seitige (!) Lobpreisung des Austro-Amerikaners. Da setzte es weit mehr Kritik im Heimatland Österreich: Ein Sturm der Entrüstung begleitete die von Arnie genehmigte, dann aufgeschobene Exekution des angeblichen Mörders Kevin Cooper, Aufregung gab es um seine Beobachtungen von Sowjetpanzern und dem „sozialistischen Austria“ beim Bush-Parteitag in New York.
Arnies Strahlkraft und der unbändige Optimismus als Motor seines kometenhaften Aufstieges haben aber Sacramento in seinen Bann gezogen. „Es ist eine Kombination aus Disziplin, Optimismus, Humor, sowie dem Austeilen von Lob und guten Zigarren“, verriet er der „New York Times“: Die oppositionellen Demokraten, die im Staatsparlament „Legislature“ eine satte Mehrheit halten und Arnies Pläne leicht durchkreuzen könnten, gingen durch ein Wechselbad an Aufmerksamkeit: Einmal schickte er ihnen Geschenke, dann sperrte er sie zum Verhandlungen spät Abends in ein Büro und servierte Rotwein – doch bei Widerstand kreuzte er in den Wahlbezirken der Angeordneten auf und wetterte gegen Politiker-Pfründe. Die Parlamentarier sind mit 20 Prozent Zustimmung alles andere als populär – „ein Auftritt Arnies reicht, um sie um die Wiederwahl zittern zu lassen“, sagt Bob Fairbanks, Politikveteran in der Kalifornien-Kapitale.
Beliebt ist Arnie auch durch seinen ungewöhnlich Regierungsstil: In der 165 Quadratmeter großen Suite 15. Stock des Hyatt Regency Hotels gegenüber dem Kapitol, seiner immer noch temporären Hauptstadtwohnung, treten in der Früh 20 bis 30 Leute an, um den Governator über sein Tagesprogramm zu unterrichten, während der im Jogginganzug auf einem Fitnessfahrrad strampelt. Da Arnie lieber spontan entscheidet und langfristige Planungen hasst, treibt er seinen Stab mehrmals an den Rand des Wahnsinns. Für Heiterkeit in der staubigen Steppenmetropole sorgen immer wieder kleine Arnie-Skandälchen, vor allem über seinen angeblichen Plan, ein Loch in die alten Kapitolmauern sprengen zu wollen, um sein Raucherzelt besser erreichen zu können. Zuletzt kocht in Sacramento die Gerüchteküche, ob der Gouverneur gar wieder in Teil Vier seiner Singnatur-Hollywoodrolle „The Terminator“ mitspielen könnte.
Dabei trachtet Arnie, ganz alter Hollywood-Profi, auf Imagepolitur und die Vermittlung „der richtigen Bilder“: Mitten in den knallharten Budgetverhandlungen ließ er sich in voller Ledermontur bei der Ausfahrt mit seinen alten Rocker-Buddys auf einer prächtigen „Harley Davidson“ fotografieren. Interviews gibt er spärlich, bei öffentlichen Auftritten darf ein ausgesuchter „Pool“-Reporter brav die Gespräche mit Schulkindern, Cafehausbesuchern oder artigen Gewerkschaftern protokollieren. Bei einem Empfang während des Bush-Parteitages am New Yorker Times Square warteten hunderte internationale Reporter stundenlang für ein „eineinhalbminütiges Winken“, so ein Augenzeuge, des Superstars.
Als „Rockstar unter den Republikanern“, so Shaun Bowler, Politologe an der „University of California, Riverside“, stelle Arnie mit einer Aufsehen erregenden Rede am Republikaner-Parteitag in New York selbst Bush in den Schatten: Kaum jemand zweifelte, dass es sich hier eindeutig um „Präsidentenmaterial“ handle, wie ein Delegierter betonte. Doch die damalige Angst der Gründerväter vor einer Machtübernahme Europäischer Monarchen versperrt Arnie den Weg ins Oval Office: Die hatten in den Verfassung gekritzelt, dass jeder Präsident in den USA geboren sein muss. Wenig Chancen werden den auf Schwarzenegger abgestimmten Verfassungsänderungsanträgen eingeräumt. „Senatoren, die selbst antreten wollen, werden dem recht skeptisch gegenüber stehen“, so Bowler: „Und dann könnten auch die Grenzen der Toleranz gegenüber Einwanderern erreicht werden“. Und trotz aller Bush-Huldigungen und seiner rührenden Einwanderer-Story von Thal bis Brentwood vor dem begeisterten Convention-Publikum, verweigert Arnie den Republikaner-Hardlinern oft die Gefolgschaft:
# Besonders im Umweltbereich steuert er auf direktem Konfrontationskurs zu Bush: Zuletzt wurden die ohnehin strengsten Autoabgasvorschriften des Landes nochmals massiv verschärft. Das Ziel: Massive Reduktion von Treibhausgasen und Verringerung des Spritverbrauches;
# Nimmermüde macht Arnie auf die menschlichen Kosten des Irakkrieges aufmerksam: Für jeden gefallenen kalifornischen GI schickt er ein Kondolenz-Schreiben per Email an hunderte Journalisten, zuletzt ließ er Entschädigungen für Familien erhöhen und schickte Kennedy-Gattin Maria Shriver zum Truppenbesuch nach Camp Pedleton.
Doch ohne Verfassungsänderung und Chancen auf das White House, wohin kann Arnies Karriere noch führen? Seine Wiederwahl zum Gouverneur steht 2006 an – offen stehen Positionen als Senator oder auch Regierungsmitglied, wie etwa Außenminister. An Selbstbewusstsein fehlt es dem Steirer jedenfalls nicht: Via „New York Times“ ließ er im Frühsommer den Planern des Parteitages ausrichten: „Wenn sie schlau sind, dann lassen sie mich zur Hauptsendezeit reden“. Zwei Tage später erfolgte die offizielle Einladung – genau, wie gewünscht zur Primetime.

# 27. September: Genug Munition für Bush-Schreck Moore

Bush-Basher-in-Chief Michael Moore hat sich genug Munition für die Endphase des Jahrhundertwahlkampfes zwischen George Bush und John Kerry aufgehoben. Nach dem Siegeszug der Anti-Bush-Doku Fahrenheit 9/11 in Kinosälen rund um den Globus mit Gesamteinnahmen von 118 Millionen in den USA und noch mehr Übersee, rüstet der linke Provokateur zu einer neuen Angriffswelle, nachdem er, wie er auf seiner Website beklagte, die Demokraten echte Lahmärsche seien, die anstatt zu kämpfen, Kerrys Rückfall in den Umfragen prompt als unabwendbare Niederlage beweinen. „Bush ist Geschichte, glaubt mir!“, appellierte er via Website (www.MichaelMoore.com) an die entmutigte Parteibasis: Und die Republikaner würden auch nie aufgeben, „bis zur letzten Stimme mit allen Untergriffen kämpfen“, wetterte der pummelige, Oskar-gekrönte Kultdoku-Filmer. Moore wütet in den nächsten Wochen, als würde er Kerrys Karren gerne im Alleingang aus dem Dreck ziehen:
# Am 5. Oktober veröffentlicht „Simon & Schuster“ das Buch „Will They Ever Trust Us Again“ (auf Deutsch „Verraten und Verkauft, Briefe von der Front”, Piper, ab 11. Oktober). Darin zitiert Moore aus der Flut an „berührenden und Herz zerreißenden Briefen“, wie er sagt, die er von Soldaten im Irak, Veteranen und Familien erhalten hat. Nur die Einleitung ist von Moore, den Rest des Buches bestreiten die bitteren Frontberichte unkommentiert. Als Moore bei einem Vortrag einige Passagen vorlas, war die Ohnmacht und Verzweiflung der jungen GIs im Irak spürbar, die sich großteils missbraucht und verraten fühlten, wie ein Zuhörer meinte.
# Ebenfalls am 5. Oktober kommt das Buch zur Sensations-Doku unter dem Titel „The Official Fahrenheit 9/11 Reader“ in den US-Handel, die deutsche Ausgabe folgt später. Der Verlag verspricht darin unveröffentlichtes Material und Updates vom globalen Siegeszug des Streifens. Mit dem Buch soll der Hunger der Millionen Fans gestillt werden. Auch kritische Reaktionen auf den Streifen will Moore in Form von Rezessionsbadrucken prominenter Zeitungen inkludieren.
# Am gleichen Tag beginnt auch der Verkauf der DVD- und VHS-Version von „Fahrenheit 9/11“, für die Sony die Rechte kaufte. Branchenkenner erwarten einen Sturm auf die Silberscheiben oder Kasetten: 4,5 Millionen Vorbestellungen gingen allen am Internet-Laden Amazon.com ein. Durch die rasche Erschließung des Films für die Wohnzimmer will Moore vor den Wahlen noch mehr Wechselwähler erreichen. Sogar eine Kino-Neuveröffentlichung („Re-Release“) hat Vertreiber Lions Gate gestartet, doch spielte die Kinoversion letztes Wochenende nur mehr 200.000 Dollar ein. Am Vorabend der Wahlen, dem 1. November, hofft Moore immer noch auf eine TV-Ausstrahlung.
Moore selbst bringt sein Bush-Bashing höchstpersönlich unters Volk: Für Vorträge zieht er durch 20 Schaukelstaaten – und beschwört vor meist ausverkauften Hallen, dem Bush-Spuk, der Amerika in „illegale und unmoralische Kriege stürzte“, ein Ende zu bereiten. „Geht zur Wahl“, predigt er bei der Tour, genannt „Lahmärsche erhebt euch“, Land auf Land ab. Gerne liest er provozierend aus „My Pet Goat“, dem Kinderbuch, das Bush sieben Minuten lang nach dem zweiten Jumbo-Crash am 11. September weiterlas. Moores Gegner haben etwas mickrig wirkende Konterschläge fabriziert: „Michael Moore is a Big Fat Stupid White Man“ lautet ein Buch, „Michael Moore Hates America“ ein Film.

# 27. September: Hurrikan-Bombardierung

Neben dem Röhren des Sturmes mit Windspitzen von 192 Stundenkilometer schien vor allem der bläuliche Schimmer über den Nachthimmel gespenstisch, ausgelöst durch Explosionen von Strom-Transformatoren. Knapp vor Samstag Mitternacht war die rotierende Wolkenwand rund um das Auge von Killer-Hurrikan „Jeanne“ am Hutchinson Island vor der Ostküste Floridas an Land gegangen. Für Hunderttausende – darunter viele, die trotzig in ihren Häusern den Sturm auswetterten, und andere, die in Schutzräume geflüchtet waren – begannen Nerven zerfetzende Stunden: Als der Sturm etwa bei der 86-Jährige Pensionisten Julie Monti die Fenster einfach aus dem Rahmen blies, versteckte sie sich in einem Kasten. Als sie die Türen öffnete, starrte sie ins Freie: Das Dach war weg, der Kamin stand wie eine Skulptur allein im Raum. „Ich lief auf die Straße und versuchte, einen Gendarmen um Hilfe zu bitten“, erzählte Monti einem Reporter der New York Times. Doch der hätte abgewinkt: „Da sind Menschen verschüttet, denen muss ich zuerst helfen“. Voll Bitterkeit murmelte Monti, als sie durch den mit Flamingos, Statuen und Möbelstücken übersäten Garten geht: „Ich werde wohl wieder nach New Jersey siedeln – nur weg von hier“.
Die Windböen von „Mean Jeanne“ – „Gemeine Jeanne“, wie sie nach dem „Massenmord“ in Haiti mit bisher 1,500 geborgenen Toten genannt wurde – waren so stark, das ein Mann einfach in die Luft gehoben und in die Auslagenscheibe eines Geschäfts geschleudert wurde. Er überlebte schwer verletzt. Mitten in dem Inferno aus waagrecht peitschenden Regengüssen, wie Geschosse durch die Luft fliegenden Trümmern, akuter Tornadogefahr und Blitzeinschlägen, wurden Einsatzkräfte zu Helden: Eine 90-Jährige Frau in einem Rollstuhl wurde aus einem eingestürzten Wohnwagen geborgen, ein „Coast Guard“-Helikopter fischte in einer tollkühnen Rettungsaktion zwei gekenterte Fischer aus den bis zu acht Meter hohen Wellenbergen. Doch für einige kam jede Hilfe zu spät: Ein 15-Jähriger Bub wurde von einer Palme erschlagen, ein Mann ertrunken in einem mit Wasser gefüllten Graben gefunden, ein anderer in einem Jeep, offenbar wurde er bei der Flucht vor der Flutwelle überrascht. Makaber wirkt die Story eines 60-Jährigen, der nach einer Hurrikan-Party tot in seinem überfluteten Haus gefunden wurde – auch Alkoholeinfluss wurde von der Polizei nicht ausgeschlossen.
„Ich fühle mich wie in Groundhog Day“, hatte Florida-Gouverneur Jeb Bush Galgenhumor gezeigt, als er auf den Film anspielte, wo Schauspieler Bill Murray den gleichen, miesen Tag immer wieder aufs neue erlebt. Bis 1886 mussten Meteorologen zurückblicken, um, wie damals in Texas, eine vergleichbare Hurrikan-Serie in einem Bundesstaat zu finden:
# Mitte August verwüstete der brutale Kategorie-Vier-Sturm Charley die Westküste Floridas und zog eine Schneise der Verwüstung quer durch die Halbinsel (25 Tote in den USA, 7 Milliarden Dollar Schaden);
# Anfang September fraß sich die mit Kategorie Zwei schwächere, doch durch die langsame Bewegung in Sachen Zerstörung gründlichere „Frances“ von der Ostküste aus durch das Urlauberparadies (33 Tote, $4 Mrd. Schaden);
# Dann schlug Monstersturm Ivan nach leichter Abschwächung auf Kategorie Drei an der nördlichen Golfküste zwischen Florida und Alabama auf (43 Tote, $6 Mrd.).
# Am Wochenende traf nun Jeanne fast genau an der gleichen Stelle wie Frances auf die Ostküste Floridas auf – sechs Tote waren bis zum Wochenbeginn gezählt, der Schaden wurde auf weitere acht Milliarden Dollar geschätzt.
„Wir sind seit 1996 in einer aktiven Hurrikanphase“, analysiert „Hurrican Center“-Boss Max Mayfield das Wetterchaos nüchtern: „Die Wassertemperaturen im Atlantik sind höher als normal“. Bis zu 40 Jahre lang könnten solche Zyklen dauern, ohne das mögliche Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigt seien, so Mayfield: „Dazu haben die großen Luftströme die Wirbelstürme wie von Geisterhand allesamt in Richtung Florida dirigiert“. Jeanne etwa, bereits weit draußen im Atlantik an Florida vorbeigezogen, kehrte per 360-Grad-Schleife für einen Floridabesuch um. Auch das Meteorologische Monster Ivan hatte offenbar noch nicht genug: Nach Überflutungen an der Ostküste bis nach New York kehrte er nach Süden zurück und traf, wieder erstarkt als Tropensturm, die Texas-Küste.
Präsident George Bush besucht nun bereits fast jede zweite Woche neue Katastrophenzonen: Die Hurrikanserie hat das größte Bundeshilfsprogramm aller Zeiten ausgelöst, mehr als 1994 beim Killerbeben in Kalifornien oder selbst nach dem Terrorhorror des 11. September. Bush will mitten in der heißen Wahlkampfphase die Fehler von Daddy vermeiden, der Monstersturm Andrew 1992 mit zögerlichen Hilfslieferungen unterschätzte. Die Auswirkungen auf die Wahlschlacht heuer sind völlig ungewiss: Seit Wochen gibt es durch die konstanten, vor Stürmen fliehenden Menschenströme kaum glaubwürdige Umfragen, Mängel in der Versorgung der Sturmopfer könnten leicht in Wut gegen Gouverneur Jeb Bush – und letztendlich seinen Präsidenten-Bruder umschlagen. Immerhin: 31 Prozent tragen sich, laut einer Umfrage der lokalen TV-Station „6 News“, mit dem Gedanken, Florida den Rücken zu kehren.

# 27. September: Kerry vs. Bush

Eigentlich sind sie Verwandte. Die Töchter von Edmund Reade, geboren 1563, und Elizabeth Cooke, geboren 1578, begannen zwei Familienstammbäume – der eine führt zu George W. Bush, 43. Präsident der USA, der andere zu John F. Kerry, Senator und demokratischer Bush-Herausforderer bei den US-Präsidentschaftswahlen am 2. November. Jetzt, knapp ein Monat vor der Wahlschlacht ist von auch fernen Familienbanden nichts zu merken: Bush vs. Kerry ist längst nichts als Brutalität, der Showdown zwischen dem hemdsärmeligen „Kriegspräsidenten“ gegen den „aristokratischen“ Massachusetts-Senator, wurde nicht nur zur mit 620 Millionen Dollar teuersten sowie „wichtigsten seit Generationen“ (Kerry) – sondern auch zur vielleicht widerlichsten Schlammschlacht aller Zeiten.
Beim ersten TV-Duell in der „University of Miami“ prallen die Kandidaten vor bis zu 100 Millionen TV-Zusehern mit gleich dem wichtigsten Wahlkampfschlager – dem Krieg gegen den Terrorismus – aneinander. Die großen Fernsehdebatten, zwei weitere folgen in den nächsten Wochen, gelten längst bei knappen Wahlkämpfen als wahlentscheidend. Besonders der zuletzt in den Umfragen zurückgefallene Kerry hat im unvorhersehbaren und offenen Wortgefecht eine letzte Chance für eine Comeback. Wochenlang hatten die Verhandler an den Details der Debatten gefeilt – 36 Seiten lang wurde letztendlich der Vertrag, der alles von Redezeit, Raumtemperatur, Bewegungsfreiheit oder Höhe des Pultes regelt.
Kerry hatte zuletzt mit Bush-Attacken auf die tiefe Unzufriedenheit der Amerikaner mit dem Bagdad-Abenteuer gesetzt: Zwar begrüßen laut „Wall Street Journal/NBC“-Umfrage noch 55 Prozent die militärische Beseitigung Saddam Husseins, doch für bereits 52 Prozent ist mit 1,045 toten GIs (Stand: Montag) die Opferzahl bereits zu hoch. Kerry will den Irakkrieg als mutwilligen Bush-Pfusch aus dem Gesamtpaket des Antiterrorkrieges herauslösen, und argumentieren, dass durch Trotz und Arroganz das Gegenteil erreicht wurde: „Unser Feind ist Osama Bin Laden“, wetterte Kerry: „Mit dem Irak hat sich der Präsident verdribbelt – und das Resultat ist verheerend“.
Die US-Streitkräfte sitzen im Irak fest, fast alle Ressourcen wären von der Osama-Jagd abgezogen worden, keine Reserven für künftige Nuklear-Bedrohungen durch den Iran oder Nordkorea vorhanden, der Irak selbst ein blutiges 200-Milliarden-Dollar-Grab, das leicht in einen Bürgerkrieg schlittern sowie die ganze Region destabilisiert könnte und zum „Magneten für islamische Terroristen aus aller Welt geworden ist“, so Kerry. Damit will er verhindern, dass sich Bush mit plumpen Schönreden des Irakfiaskos samt Plattitüden von der „vorpreschenden, unwiderstehlichen Kraft von Demokratie und Freiheit“ über den Wahltermin hinwegrettet – bevor die ganze Wahrheit über die für unrealistisch gehaltenen Irakwahlen und blutige Offensiven der 138.000 in Irak stationierten GIs ans Tageslicht kommt. „Der Präsident lebt in einer Phantasiewelt aus Propaganda“, will ihn Kerry als „Bagdad-Bob“ denunzieren, der damals als irakischer Informationsminister Siegesparolen inmitten vorrückender, amerikanischer Panzerkolonnen ausgab.
Doch Kerrys Strategie birgt enorme Risken: Leicht kann der ohnehin bereits als „liberales Weichei und opportunistischer Wendehals“ gebrandmarkte Senator vom Team Bush als Pessimist, Nörgler, Besserwisser und – in Kriegszeiten am schlimmsten – antipatriotischer Nestbeschmutzer gebrandmarkt werden. Immer länger wird die Liste prominenter Republikaner, die offen deklarieren, eine Wahl Kerrys helfe den Terroristen und provoziere mehr Anschläge. „Unterstütze Terror, Wähle Kerry!“, lauten die Transparente der Panikmacher bei Bush-Wahlkampfauftritten. Den Republikanern nahe stehende Gruppen schalteten bereist erste TV-Spotts, wo Bin Laden und Jumbo-Todespilot Mohammad Atta zu sehen sind. „Würden sie Kerry vertrauen, mit diesen fanatischen Killern abzurechnen?“, fragt eine beschwörende Stimme. Die Strategie hatte bereits bei dem in Vietnam dreifach amputierten Senator Max Cleland funktioniert, der mit ähnlichen Attacken 2002 aus dem Senat gedrängt wurde. Wenn jedoch hier die „Grenze des guten Geschmackes überschritten wird, kann der Schuss leicht auch nach hinten losgehen“, warnt Republikaner-Umfrageexperte Frank Luntz.
Angreifbar ist Kerry durch einen augenscheinlichen Zickzack-Kurs während und vor des Irakrieges: Im Senat wählte er für eine Kriegsautorisierung, dann stimmte er – in den Primaries unter Druck durch Kriegsgegner Howard Dean – gegen die Genehmigung von 87 Milliarden Dollar zur Truppenfinanzierung. Prompt schaltet Rove TV-Spots mit dem Windsurfenden Kerry, der seine Meinung ändert wie die Windrichtung. Bushs Fazit: Dem Senator fehle die Entschlossenheit und Stetigkeit für das Amt des Oberkommandierenden in Kriegszeiten. „Ein Zögerling gewinnt keinen Antiterrorkrieg“, wie es Bush-Sprecherin Nicole Devenish zusammenfasste.
Trotz aller Risken glaubt Team Kerry, das zuletzt mit den prominenten Ex-Clinton-Helfern James Carville, Mike McCurry und Joe Lockhart verstärkt wurde, Bushs Archilesferse gefunden zu haben: Wenn immer das Chaos im Irak so groß wurde, dass es als Topthema in den US-Medien lief, sackte Bush in den Umfragen ab. „Bush hat einen gehörigen Argumentationsnotstand, wenn er den Irakkrieg als notwendigen Teil des Antiterrorkrieges verkaufen will“, sagen Kerry-Berater. Niemand komme am martialischen Klima des Post-Elfter-September-Amerika vorbei, argumentieren Kerry-Strategen ihre letzte Kurskorrektur: Bei den wahlentscheidenden Frauen-Wählergruppen haben etwa die „Security Mums“die zuvor berühmten „Soccer Mums“ abgelöst. Die Hauptsorge der weißen Vorstadt-Mütter ist die Sicherheit – und sie vertrauen bisher eher Bush als besserer Beschützer. Mit ein Grund, warum Kerry zuletzt bei Wählerinnen mit 48 zu 43 Prozent in einer CBS-Umfrage zurückfiel.
Die sonst bei US-Wahlen so entscheidenden Wirtschaftsfragen sind, obwohl eine Mehrheit der Amerikaner sie als ihr wichtigstes Anliegen sieht, zum Nebenschauplatz geworden: Auch da ist Bush mit einer Bilanz von 1,2 Millionen verlorenen Jobs, Anstieg der Armut und Rekorddefizit von 435 Milliarden Dollar angreifbar, doch konterte er mit Lobpreisungen der Wirtschaftserholung seit dem Vorsommer, die hauptsächlich seinen Steuersenkungen zu verdanken seien.
Doch trotz aller Sachargumente könnten im Fernsehland Amerika dann echte Kleinigkeiten das Duell entscheiden: Ex-Vize Al Gore etwa hatte 2000 die erste Debatte verloren, nachdem er bei jeder Bush-Aussage abschätzige Grimassen schnitt. Nun wolle Bush, so sickerte durch, Kerry „zum Schwitzen bringen“. „Frauen wollen keine Schwitzer!“, urteilten die Bush-Strategen. Debattieren haben Bush und Kerry kurioserweise in der Eliteuni Yale vom gleichen Professor, Rolin Osterweis. Während Bush niemals an Debatten-Wettkämpfen zwischen Unis teilnahm, zitiert er immer noch gerne aus Osterweises Unterlagen. Kerry natürlich wurde zum Star des Yale-Debattenteams – gerne erzählten das seine Berater vor dem TV-Duell.

# 20. September: Inside des Bush-Clans

Sharon Bush hatte immer brav die Mantra geglaubt, die gottesfürchtigen Mitglieder des Bush-Clan seien im Kern „herzensgute Leute“. Doch als sie die Sippe mit der Scheidung von Bush-Bruder Neil verließ, lernte Sharon rasch das Gesicht einer eher „schrecklich netten Familie“ kennen: „Sie ließen Neil, mich mit einer Abfertigung von bloß 1.000 Dollar pro Monat abspeisen“, erzählte sie Bestseller-Autorin Kitty Kelley, deren Bush-Bio „The Familiy“ in den US-Wahlkampf wie eine Bombe eingeschlagen hat und die Bestsellerlisten stürmt. „Es blieb mir nichts anderes übrig als mein Haus zu verkaufen“, klagte Sharon: „Ich hatte ja keine Job, da Bush-Gattinnen ja nicht arbeiten…“ Kelley hatte sie dann die explosive Anekdote des in Camp David Kokain-schnupfenden jetzigen US-Präsidenten George W. Bush anvertraut, die sie bei der Buchveröffentlichung aber dann prompt dementierte. „Sie hatte wohl keine Wahl“, sagte Kelley: „Gut wird sie sich an Neils Botschaft auf ihrem Anrufbeantworter erinnert haben, wo er ihr offen drohte, sie könnte sich leicht in einer ,dunklen Gasse´ wiederfinden“.
Während die Amerikaner über den ersten Schock der detailreichen Auflistung von Juniors Drogenexzessen und massenhaften Beobachtungen niedriger intellektueller Neugierde hinweggekommen sind, wird jetzt über die miese Methoden ähnlich der Sharon-Bedrohungen der zur Zeit mächtigsten Politdynastie der Erde diskutiert: „Dadurch sollen Sex-Affären, Drogen-Exzesse und Machtmissbrauch des Clans unter den Teppich gekehrt werden“, so die Autorin, die über einen raschen Verkauf der Startauflage von 700.000 Exemplaren setzt. Unter Kelleys brisantesten Enthüllungen:
# Drogen-, Alkohol- und Medikamenten-Missbrauch ziehen sich wie ein roter Faden durch die Familien-Chronologie: Juniors Exzesse sind ausführlich dokumentiert, im Jahr bevor er ultimativ ausnüchterte, war er so unausstehlich, dass seine Eltern den Kontakt abbrachen und sich Freunde um Gattin Laura Sorgen wegen gewalttätiger Streitereien nach Juniors Saufgelagen machten. Kokainpartner mit Junior in Camp David soll Bruder Jeb gewesen sein, immerhin jetzt Gouverneur des 22-Millionen-Einwohnerstaates Florida. Dessen Tochter Noell landete kürzlich wegen Medikamentenmissbrauch in der Liste hässlicher Verhaftungs-Portraits („Mug Shots“). Dem Leibarzt von Marvin, dem jüngsten und kaum öffentlich auftretenden Bush-Bruder, wurde erst 2003 die Lizenz entzogen, da er ihm illegal Rauschmittel verschrieb. „Die Bush Familie hat ein echtes Problem mit Alkohol“, wird Insiderin Marylouise Oates zitiert.
# Die Sex-Affären des Bush-Clans sorgten zwar nicht für derart spektakuläre Medienbeben wie von (S)Ex-Präsidenten Bill Clinton, doch auch das gerne verbreitete Image treuer Saubermänner wird von Kelley arg zerzaust: Jennifer Fitzgerald, eine 42-Jährige Blondine, etwa verbrachte Weihnachten 1974 mit dem damaligen China-Botschafter George Herbert Walker Bush in Fernost, während Barbara mit den Kindern an der Ostküste weilte (dem späteren Präsidenten war es zudem nicht zu blöd, monatelang mit dem Außenamt über 1,600 Dollar an Reisekosten für Barbaras vorzeitige Abreise aus Peking zu streiten). „Ich fühlte mich oft danach, einfach mit dem Auto in einen Baum zu fahren“, gestand die betrogene Barbara selbst offenen Suizidgedanken. Seniors Affäre wurden nie á la Starr-Report breitgetreten, „da Seitensprünge damals kaum Nachrichtenwert hatten“, so Ex-Washington-Post-Autor Michael Kerman: „Doch alle wussten, dass das Secret Service den damaligen Reagan-Vize zu Damenbesuchen chauffierte“. Sogar, als einmal Feuer ausbrach, und die Feuerwehr so lange am Löschen gehindert wurde bis Bush das Gebäude verließ, gab es Tags darauf nichts darüber zu Lesen.
# Hinter der großmütterlich-gutmütigen Fassade von Barbara Bush verberge sich das hinterhältige Rückrat des Clans, behauptet Kelly in vielen Passagen des 705-Seiten-Großangriffs. Der widerliche Richard Nixon etwa hätte George Bush Senior als Waschlappen und Leichtgewicht verachtet, zitiert Kelley Zeitzeugen Gore Vidal: „Doch Barbara“, so Nixon ehrfürchtig, „die sei so richtig rachsüchtig!“ Hinter den Kulissen tobt daher auch ein brutaler Kampf zwischen der extrovertierten Reagan-Gattin Nancy und der biederen Barbara. „Sie hasste Nancy“, so eine Politikergattin: Und Nancy isolierte die Bushs „wie ansteckende Bakterien“, so ein Insider. Grund für den Showdown, so Kelley, waren abfällige Bemerkungen über den Westernstar Reagan.
# Seniors Job Ende der Siebziger als CIA-Boss kam auch zur Vertuschung an Familienskandalen gelegen: Barbara etwa litt an Depressionen und stand des öfteren vor Selbstmordversuchen, so Kelley, Neffe Prescott S. Bush III kämpfte gegen Schizophrenie, Onkel James Smith Bush, der wegen Betrug in die Philippinen floh, lag im Sterben, Sohnemann „W“ verlor wegen Trunkenheit am Steuer gerade den Schein.

# 14. September: Kitty Kelleys Bush-Skandalbuch

Blöde Scherze, schlechte Noten, Saufen, Kiffen und Koksen – dazu die Arroganz eines Kindes aus reichen und mächtigen Haus, dem niemand etwas anhaben kann. So erinnern sich Studienkollegen an der Elite-Uni Yale an George W. Bush. „Es scheint“, formuliert etwa Ken White die Bedenken der Bush-Kollegen, „dass er – nach allem was wir über ihn wissen – ähhhhm…, nicht die am besten geeignete Person für das Amt des Präsidenten darstellt“. Bush war durch die Beziehungen seines Politikervaters Herbert Walker Bush in die Uni gerutscht, hatte kaum studiert, sich mit „C“ (genügend) im Kreis der zehn Prozent Schlusslichter durchgemogelt. Schlimmer noch, so Kollege Tom Willner „Er schien an wirklich nichts außer Parties und Sport interessiert gewesen zu sein – er reiste nicht, las keine Zeitungen, sah keine TV-News, ging nicht mal ins Kino“. Wilkner setzt eine Stoßseufzer nach: „Gott helfe uns, dass ein derartiger ungebildeter Tölpel seinen Finger am Atomschalter hat“. „Dümmer als dumm“ sei er gewesen, erinnert sich Zeuge Steve Arbeit: „Es waren nicht nur die verheerenden Noten, die er bekam, es waren seine dummen Sprüche, die mir richtig Angst machten.
Echtes Interesse zeigte Bush jr. abseits der Lehrsäle: Mädchen getraute sich der schüchterne Texaner nur anzusprechen, so Zeuge Torbert Macdonald, wenn er sternhagelvoll war: „Es gab so viele Stories, wo er völlig besoffen zu Verabredungen erschien“. Daneben wurde eifrig gekifft, bald kam Kokain als Modedroge hinzu. „Der ganze Campus war voll davon“, so Student Christopher Byron. Sogar im Keller des Vereinslokals der elitären Burschenschaft „Skull and Bone“ waren Marihuana-Vorräte gelagert, berichtete die Lokalpresse 1967. Derart berauscht riss George nach einen Football-Sieg seines Lieblingsteams den Oberbalken des Tores herunter (Verhaftung Nummer 1), stahl den Weihnachtskranz von einem Unigebäude (Verhaftung 2). Zum dritten Mal wurde er festgenommen, als er 1976 völlig besoffen mit dem Auto Mistkübel umführte. Nicht einmal die Vietnamkriegsproteste oder –debatten will der feiernde Student mitbekommen haben. „Dabei war Vietnam unser aller Horror“, so Byron: „So betrunken kann ja nicht mal Bush gewesen sein, um das nicht zu bemerken“.
Noch nie zuvor war das Leben des US-Präsidenten Nr. 43, kurz „W“, in derart verheerenden Details ausgerollt worden, wie von Serien-Bestsellerbiografin, Kitty Kelley (62), die zuvor mit Bios über Jackie Onassis, Nancy Reagan, Frank Sinatra oder den Briten-Royals Furore machte. In „The Family: The real Story of the Bush Dynasty“ rollt auf 630 Seiten eine Schlammlawine ungekannten Ausmaßes über die mächtige Politdynastie, mit Präsidenten 41, „Herbert Walker“, „W“, Nr. 43, sowie Jeb Bush als Florida-Gouverneur eine dominierende Kraft der US-Politik. Vier Jahre lang hatte sie nach Interviews mit tausenden Zeitzeugen alle Skandale und Skrupellosigkeiten des Clans zusammengetragen – und „kaum ein Zeile ist schmeichelhaft“, urteilt die New York Times in einer ersten Blitzrezession. Der Bush-Stab führte einen wilden Präventivkrieg gegen das Buch, setzte den Verlag und TV-Stationen unter Druck, die Interviews mit der Autorin sendeten. „Reiner Müll“ sie das Buch, urteilte Bush-Sprecher Scott McClellan.
Doch die Debatte um Bushs Drogenvergangenheit, Alkoholismus und mangelnde Intelligenz, die er im letzten Wahlkampf 2000 nur knapp überstand, ist wieder voll entbrannt. Im Elite-Internat in Andover kämpfte er zunächst mit der englischen Sprache. Als er in einem Schulaufsatz nach einem anderen Wort für weinen suchte, formulierte er „Die Lacerates liefen meine Wangen hinter“. Er hielt den Aufsatz mit dem Vermerk zurück: „SCHANDHAFT! Komm sofort zu mir!“ Mangels an Schulerfolg setzte Bush bald auf seinen rohen Texas-Humor, wurde prompt „Die Lippe“ geheißen. Um ins lokale Pub zu kommen, entwarf er gefälschte Ausweise für sich und seine Freunde – sie alle tranken täglich in einem Hinterzimmer. „Eigentlich habe ich schöne Erinnerungen an das letzte Monat in Andover“, erzählt Kollegin Kim Jessup, „außer dem gottverdammten Saufen von George – es war die Hölle!“
In Yale, George rauchte als Möchtegern-Macho filterlose Zigaretten, ist die Liste an Kelleys Zeugen, die mit ihm Kokain nahmen lange: Ein Kommilitone bestätigte den Koks-Verkauf an W. „Ich kann meinen Namen nicht bekannt geben“, so der Mann zu Kelley: „Erstens ist es ein Verbrechen – und dann reden wir über den Präsidenten der Vereinigten Staaten…“ Ein weiterer Student erinnert sich an „Kokain schnupfen mit George“. Der Drogenkonsum ging munter weiter, als ihm Daddy einen sicheren Platz in der „Air Texas National Guard“ verschaffte, während andere seines Alters im Dschungelkriegshorror Vietnams landeten. Dort schlich er sich nächstens unerlaubt ins Freie, um einen Joint zu rauchen oder eine Linie Kokain zu schnupfen, behauptet Kelley. 1972 verpasste er die jährlich vorgeschriebene medizinische Untersuchung und erhielt deshalb auch nicht die Pilotenlizenz für Kampfjets. Die Tests hätten leicht den Drogenmissbrauch nachweisen können, mutmaßen Experten in Kelleys Buch. Vermerke und Memos diesbezüglich wurden aus der Bush-Akte 1997 entfernt, bevor Bush seine Politkarriere in Texas begann. Einer der „Säuberer“ soll Dan Bartlett geheißen haben, so Kelley, heute Kommunikationsdirektor im White House.
Sogar auf Camp David, dem „Wochenendhaus“ der US-Präsidenten, hätte sich Junior mit Kokain vergnügt, während Daddy die Weltgeschicke lenkte. „Und nicht einmal, sondern dauernd“, wie Kelley enthüllt. Als Augenzeugin diente Sharon Bush, die nach einer bitteren Scheidung von Bush-Bruder Neil offene Rechnungen mit der schrecklich netten Familie zu begleichen hat (Neil offerierte ihr 1000 Dollar Unterhalt pro Monat). Jetzt bestreitet sie vehement diese Aussagen. Immerhin hatte ihr Neil Bush während eines brutalen Rosenkrieges eine Drohbotschaft auf dem Anrufbeantworter hinterlassen: „Wenn sie nicht aufhört mit dem was sie tut, wird sie sich in einer sehr dunklen Gasse wieder finden“, so die Botschaft.
Während seiner erfolglosen Business-Karriere im Kaff Midland, Westtexas, wäre der saufende und gerne derbe, sexistische Sprüche klopfende Politiker-Spross eine äußerst unangenehme Erscheinung gewesen. Kelley berichtet auch über eine Abtreibung, die eine Ex-Freundin vornehmen ließ. Das war alles vor seinem 40. Geburtstag, als er, wie er gerne die rührende Geschichte erzählt, den „Weg zu Gott“ fand – und es fortan nüchtern als „Wiedergeborener Christ“, aber eher mit Hilfe des US-Höchstgerichtes sogar bis ins Oval Office schaffte.
Auch mangelndes Mitgefühl und Arroganz würden sich durch Bushs Karriere ziehen, so Kelley: Nachdem die meisten Kinder in Yale aus reichen Häusern stammen, agierten viele mit einer „Ist-doch-egal-wer-mein-Daddy-ist“-Einstellung, so Zeuge Arbeit: „Bei George war es genau das Gegenteil“. In einer Debatte glänzte er mit mangelndem Mitgefühl: „Die Leute sind arm weil sie faul sind“, polterte in der Klasse unter Protestgeschrei seiner Mitschüler. Dann zog er schnell zurück, weil ihm rasch die Argumente zur Unterlegung dieser These ausgingen. Dazu hat kein Gouverneur in der US-Geschichte so viele Exekutionen genehmigt, und derart wenig Zeit zur Prüfung der Gnadengesuche verwendet.
Gerne verkauften sich die Bushs besonders während der Niederungen der Clinton-Sexskandale als biedere Saubermänner und treue Eheleute. Doch Kelley berichtet über eine Abtreibung, die eine Freundin von Bush vernehmen hatte lassen. Als ein Callgirl in Midland eine Affäre mit Bush durchsickern ließ, erhielt sie rasch Besuch von ein paar Unbekannten – und wäre prompt weggezogen, so Autorin Kelley. Als Bruder Jeb stolz den Medien ausrichtete, er wäre seiner Frau stets treu geblieben, konnte es George – in einem Medieninterview (!) – kaum fassen: „Was? Das hat er gesagt? Na da setzt er ja recht hohe Standards für uns alle…“ Kelley enthüllt auch den privaten Email-Verkehr zwischen Senior und den Kids damaligen Gouverneuren, George (Texas) und Jeb (Florida). Erörtert wurden Merkmale am Penis des damaligen Präsidenten Bill Clinton: „Natürlich krümmt sich der nach Links“, lautete der Schluss der humorigen Bush-Männer.
First Lady Laura passt auch in Sachen Drogen zu ihm. Sie hätte während ihrer Schulzeit nicht nur Hasch konsumiert, sondern auch damit gedealt, berichten Zeugen im Buch. Und heute seien George und Laura, so Kelly, „netter zu ihren Hunden als zueinander“. Viel des rauen Auftreten habe W von Mutter Barbara geerbt, hinter deren großmütterlichen Gesicht sich eine richtige „Gifthexe“ verberge – „eine Perlenketten tragende Version der Chicago-Gangster-Queen Ma Baker“, so Kelley. Ausführlich dokumentiert wird auch der Hass des Bush-Clans vor kritischen Reportern: Gerne habe Bush als Gouverneur lästige Journalisten als „Arschlöcher“ beschimpft, hinter ihrem Rücken sogar deren Mütter verflucht.
Für Kelley gehörte neben harten Recherchen auch ein wenig Mut zur Frontalattacke des in Sachen Machterhalt nicht zimperlichen Clans: Als vor vier Jahren Autor James Hatfield eine Verurteilung Bush Juniors wegen Kokain-Konsum aufdeckte, die angeblich aus dem Polizeiakten entfernt worden war, schlug der Bush-Clan mit Enthüllungen über Hatfields eigener krimineller Vergangenheit zurück – der Verleger stampfte das Buch ein. Im Juli 2001 war Hatfield tot in einem Hotel in Arkansas aufgefunden worden. Offizielle Todesursache: Eine Drogenüberdosis.

# 6. September: Ein neues Herz für Clinton

Herzchirurg Craig R. Smith war gerade mit seiner Frau unterwegs in die idyllische Berg- und Seenlandschaft der Adirondacks. Dort hatten sie vor 34 Jahren ihre Flitterwochen verbracht, nun wollten sie ihren Hochzeitstag feiern – als plötzlich das Handy des Arztes läutete. Das Personal seines Spitals, das Columbia-Presbyterian Center in Nordmanhattan, wollte wenig Details geben, deutete jedoch an, es handle sich um „jemanden wichtigen“. Stunden später hielt Smith das Herz von Ex-Präsidenten Bill Clinton (58) in seinen Händen. Der Chef der Herzabteilung, der ein 12-köpfiges Chirurgenteam anführte, hatte Clintons Herz für 73 Minuten gestoppt, eine riskante und nicht unumstrittene Prozedur (beobachtet waren „neurokognitive Effekte“, sprich Gedächtnisverlust, worden). Clinton wurde während dieser Zeit mit einer Herzlungenmaschine am Leben erhalten.
Smith entfernte Venen aus der Brustkorbwand und linken Bein und baute am Herz Umfahrungen, Bypässe im Ärztejargon, für die verstopften Arterien. „Es gab ein paar delikate Momente“, gaben Smith & Co in einer Pressekonferenz später zu, was genau, wollten sie nicht verraten. Da erinnerten sich Medienleute bereits mit Genuss an das Statement Ronald Reagans, als er nach dem Schussattentat in den OP gerollt wurde: „Ich hoffe ihr seid alle Republikaner“ hatte der mit den Ärzten gescherzt. Clinton musste eher auf den ärztlichen Hyppokrates-Eid hoffen: Chirurg Smith ist eingefleischter Republikaner, 2.000 Dollar hatte er für die Wiederwahl von George Bush gespendet.
Experten beschreiben den Moment, wo das Herz des Patienten wieder gestartet wird, schlicht als „nervenzerfetzend“. Alle hofften, dass Clinton am Morgen vor der Operation nicht die New York Times gelesen hatte: Die hatten enthüllt, dass sein Spital mit 3,93 Prozent die höchste Sterberate für derartige Herzoperationen im ganzen Staat New York habe. Der hochkarätige Patient weigerte sich auch, seine Glücksbringer abzulegen: „Es ist ein geflochtenes Armband, dass ihm kolumbianische Indianerkinder gaben“, sagt Ex-Berater Paul Begala. Doch nach vier Stunden war die Vierfach-Bypass-Operation vorbei – und das ganze schockierende Ausmaß seines Zustandes offensichtlich: Alle das Herz mit Blut versorgenden Arterien waren zu 90 Prozent verstopft, Clinton steuerte mit Volldampf auf einen schwerer Herzinfarkt zu.
Die News von Clintons Herzturbulenzen hatte wie eine Bombe am schrillsten Nachrichtentag des Jahres eingeschlagen: Gerade liefen die Horrorbilder des Schulmassakers in Südrussland und steuerte Monstersturm Frances auf Florida zu, als der Internet-Drudge-Report dramatisch das Alarmlicht rotieren ließ über der Riesenheadline: „Clinton mit Herzbeschwerden hospitalisiert, Vierfach-Bypass-Operation geplant“. Die ersten Warnzeichen, Brustschmerzen und Kurzatmigkeit hatte Clinton bereits vor Monaten bemerkt, doch recht beschäftigt mit der Werbetour seiner Megabio „My Life“ (in den USA bisher 1,2 Millionen Exemplare verkauft, weniger als Gattin Hilarys Bio „Living History“), tat er sie als Stresssymptome ab. Vergangenen Donnerstag, Clinton war allein zu Hause in seiner 1,7-Millionen-Dollar-Villa im New-York-Suburb Chappaqua, waren die Schmerzen so stark, dass er sich in einem nahen Spital meldete. Die empfahlen Tests im für Herzoperationen ausgerüsteten Prespyterian-Spital, die er am Folgetag durchführen ließ. Rasch zeigte sich das Ausmaß des Dramas, doch wurde kein bereits passierter Herzinfarkt festgestellt.
„Ich habe vielleicht ein wenig gesündigt“, gestand Clinton vom Krankenbett aus in einem Telefonat mit CNNs Larry King ein und verwies auf seine Vorliebe zu fetten Fast-Food samt Burgers, Pommes Frites, gebratene Kartoffel gefüllt mit Truthahn, sowie trotz Jogging latentem Übergewicht während einem Großteil seiner politischen Karriere. Bei Verlassen des Oval Office 2001 waren seine Cholesterinwerte mit 233 Milligramm per Deziliter über der Grenzwert von 200. Dazu kamen Hobbies wie Zigarrenrauchen, eine Familienchronologie an Herzproblemen und der Stress als mächtigster Politiker der Erde zwischen 1993 und 2001. Auch einen Hauch von Todesangst ließ er durchblicken: „Ich bin nicht der einzige, der vier weitere Jahre will“, sagte er in Anspielung an den Bushs Kampfschrei im Wahlkampf.
Doch wie eine Ironie wirkt, dass Clinton zuletzt abgemagert und fit wie noch wirkte. Mit der sogenannten „South Beach“-Diät, die normale Portionen selbst an Fleisch, Fisch und Geflügfel erlaubt, jedoch „schlechte Karbohydrate“ wie weißes Mehl, Zucker oder gebratene Kartoffel verbannt, hatte Clinton sichtbare Erfolge verzeichnet. Nun nach der schweren Herzoperation wird fortan auf jegliches Fett und salz verzichten müssen. „Unter diesen Vorsichtsmaßnahmen ist seine Lebenserwartung keinesfalls eingeschränkt“, sagt Kardiologe Smith. Es wäre nicht Clinton, wenn sein Gesundheitsdrama nicht auch kuriose Nebentöne zu Tage gefördert hätte: Während erwartungsgemäß Gattin und New York-Senatorin Hillary Rodham Clinton sowie Tochter Chelsea das lange „Labour Day“-Wochenende samt „emotionaler Hochschaubahnfahrt“ an seiner Bettkante und mit Karten- und Brettspielen verbrachten und den Ärzten nach der OP-Odyssee „überglücklich dankten“, so sorgte eine Stellungnahme der Ex-Affäre Monica Lewinsky für Kopfschütteln: Die dralle Ex-Praktikantin, gerade um 750.000 Dollar für eine bezahlte Clintonbeschimpfung im Briten-TV reicher, wünschte ihm via Aussendung eine „rasche Erholung“.
Clinton hatte rund um die Veröffentlichung seiner Bio den Zenit seiner Popularität erreicht, am Demokraten-Parteitag in Boston überstrahlte er selbst Präsidentschaftskandidaten John Kerry. Über 57.000 Glückwunsch-Emails zählte sein Büro bisher, vor dem Spital tauchten Fans mit Plakaten und Blumen auf. Nach dem Triumph im OP wurde rasch die alte Trademark vom „Comeback Kid“ aufgerollt – doch muss er für die nächsten Wochen seine Pläne für Kerry unterstützende Wahlkampfstopps aufgeben. Sonntag spät abends, Stunden vor dem Eingriff, telefonierte das unbestrittene Politgenie 90 Minuten mit dem zuletzt arg ins Schleudern geratenen Bush-Herausforderer. „Nimm ihn auseinander“, so war seine Botschaft: „Mach den Amerikaner klar, dass Bush zu Hause wie Übersee in die falsche Richtung steuert“. Dass die Demokraten trotzdem Clintons Genesung politisch ausnützen könnten deutete Begala an: „Die wichtigste Wahl seit Generationen wäre verdeutlicht, wenn Clinton seine Gesundheit aufs Spiel setzt, nur um Kerry zu helfen“.

# 6. September: 9/11 +3

Survivors
9/11-Überlebende von links: Carrie Sullivan, Elia Zedeno, Gerry Bogacz

Elia Zedeno, eine Angestellte der Hafenbehörde „Port Authority“, marschierte eines Tages eine New Yorker Avenue entlang, als eine Mann neben ihr vorbeilief. „Instinktiv begann ich ebenfalls zu laufen“, erzählt sie fast heiter über den absurden Vorfall: „Dann drehte ich mich um – und niemand sonst rannte…“ Gerry Bogacz, ein Börsenanalyst, stand zu Kriegsbeginn gegen den Irak stumm vor dem Zaun rund um Ground Zero, dem nun weltberühmten Areal der kollabierten Twin Towers. „Ich war wütend und verzweifelt“, sagt er und senkt den Kopf: „Und irgendwie fühlte ich mich mitschuldig an dieser Tragödie“. Carrie Sullivan, eine Angestellte, fällt auf grundlos in tiefe Depressionen: „Warum hassen uns Menschen so sehr, dass sie uns das antun“, kann sie sich nicht von solchen Gedanken befreien. Und: „Warum musste ich als 23-Jährige in ein paar Minuten meinen ganzen jugendlichen Optimismus und Unbeschwertheit verlieren“.
Die drei berichten mir stellvertretend für eine kleine Gruppe an New Yorkern, für die als Überlebende des sich am Samstag zum dritten Mall jährenden Terror-Horrors des 11. September (3.000 Tote) das Trauma kaum ein Ende nehmen will. Zwar hat sich die Acht-Millionen-Weltmetropole wirtschaftlich wieder aufgerappelt: Viele der 138.000 verlorenen Jobs sind nachbesetzt, der Tourismus mit 39 Millionen Besuchern dieses Jahr höher als vor der Jumbo-Attacke, das schrille Partyleben des Big Apple mit neuen Discos, Designerbars und hippen In-Vierteln längst wieder etabliert. US-Präsident George W. Bush verwendete bei seinem Parteitag in der Vorwoche den Mythos einer Comeback-City als Beispiel Amerikanischen Kampfgeist – und als glorreiches Bespiel eigener Leadership als resoluter Kriegsherr (was ihm prompt einen Elf-Punkte-Vorsprung vor seinem Demokraten-Herausforderer John Kerry bescherte).
Zedeno, Bogacz und Sullivan finden in diesem Klima immer weniger Gesprächspartner. „Oft fühle ich, dass ich Familie und Freundeskreis mit meinen 9/11-Stories auf die Nerven gehe“, sagt Bogacz und die anderen nicken. So haben sie das „World Trade Center Survivors Network“ gegründet, wo Erinnerungen an den Horror-Tag wieder und wieder nacherzählt werden können. Wie etwa Zedeno, die viele der insgesamt 84 Todesopfer der Port Authority kannte, beim Abstieg aus dem getroffenen WTC-Turm Eins plötzlich in einer Skylobby die Explosion von Einschlag des zweiten Jumbos in den Nachbarturm hörte – und alle panisch zu laufen begannen: „Ich wollte losschreien“, sagt sie und beißt die Zähne zusammen: „Verdammt! Lasst mich raus aus diesem Gebäude!“ Wie sie endlich ins Freie taumelte, und der Südturm einstürzte, sie die Druckwelle auf den Boden schleuderte: „Wir hielten uns an den Händen und suchten völliger Dunkelheit des Staubinfernos Zuflucht in einem Gebäude“, erinnert sie sich als wäre es gestern gewesen. Wie Bogacz, der auch beim Busbomben-Terroranschlag 1993 im Nordturm werkte, immer wieder die morbiden Gedanken hatte, wie es sich anfühlen müsste, wenn es den Terroristen tatsächlich gelungen wäre, den Turm einfach umkippen zulassen. „Und dann schwankte plötzlich nach dem Einschlag des Gebäude so schlimm“, sagt der Überlebende, „dass ich mir nur mehr dachte: Oh nein, jetzt passiert es wirklich!“ Wie er nach dem Einschlag losbrüllte: „Raus auf die Stiegen!“, wie er verzweifelt ein Telefon suchte, um seiner Frau und neunjährigen Tochter zu sagen, dass er noch am Leben ist.
Zur Dauertherapie treffen sich die Leidensgenossen in einer Art 9/11-Vereinslokal, dem „September Space“ gleich hinter dem Madison Square Garden. „Die meisten Hilfsprojekte konzentrierten sich auf die Hinterbliebenen der Opfer“, sagt Gründerin Lisa Orloff: „Doch rasch wurde klar, dass auch die Helfer Hilfe brauchen“. In dem 300 Quadratmeter großen Räumlichkeiten können 9/11-Veteranen plaudern, Billard spielen, sich mit Yoga erholen. Auch soll der Geist der einzigartigen Rettungs- und Wiederaufbau-Aktion mit über 100.000 Freiwilligen weiterleben, so Orloff: „So gerne sich Politiker wie Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani oder Präsident Bush heute feieren lassen“, kritisiert sie, „so sehr waren es einfache Bürger, die New York durch seine bittersten Stunden halfen“.
Wenig hilfreich für Überlebende, wie auch bereits großteils über die Tragödie hinweg gekommenen New Yorker ist das pausenlose Stakkato an Terroralarmen: Hunderttausende flohen vor dem Sirenengeheul und Hubschraubergeknatter, als 36.000 Cops und tausende zusätzliche Eliteeinheiten von 66 Behörden zu Bushs Parteitag die Stadt in eine absurd-futuristische Festung verwandelten. „So ein schlechtes Geschäft hatten wir noch nie“, ärgert sich der Österreicher Kurt Gutenbrunner, der mit dem Wallsé und Cafe Sabarsky zwei Top-Lokale betreibt und am 11. September mit zwei Kleinkindern die Flucht aus seinem nahen Apartment in „Battery Park City“ antreten hatte müssen: „Wie soll sich die Stadt erholen, wenn Politiker die Tragödie so schamlos ausnützen und die Bürger einschüchtern“.
Tatsächlich hatte das neu gegründete Heimatschutzministerium sechs mal die Terrorvorwarnstufe auf Orange gesetzt, der zweithöchsten auf der oft verhöhnten Farbenskala – 35 explizite Warnungen gab es durch Bush & Co, alles von Atompilzwolken bis Limousinen- und Apartmentbombern. „Da laufen bei uns dann immer die Telefone heiß“, berichtet Dr. John Draper, Psychologe bei der Beratungsstelle „LifeNet“. Die Zahl der Anrufe ist immer noch doppelt so hoch wie vor dem 11. September, gut 600 Menschen suchen pro Monat Hilfe. „Viele realisiere erst jetzt, dass auch sie nicht alleine mit ihrem Trauma fertig werden“, sagt Draper und verweist auf einen tragischen Dominoeffekt: „Viele können sich nicht mehr konzentrieren, verlieren ihren Job, schlittern in Alkohol- und Eheprobleme“. Verschlimmert wird die Situation durch das rapide abnehmendem Interesse ihrer Umgebung: „Die Reaktion ist dann meist“, filtert Draper die Quintessenz vieler Anrufe heraus: „Reiß dich doch zusammen, es ist drei Jahre her – längst Zeit, drüber hinweg zu kommen“. Rückfälle gäbe es auch für viele Opferfamilien, die bisher durch viele Formalitäten abgelenkt waren, sagt der Psychologe: „Jetzt, nachdem das Geld ausbezahlt und alles abgeschlossen ist, kommt die Zeit eines echten Neubeginns – und viele sind dazu nicht fähig…“
Gespalten wie die Nation scheinen auch New Yorker über die politische Vereinnahmung des Terror-Infernos durch Bush. Eine Umfrage der New York Times zeigte, dass eine knappe Mehrheit der 9/11-Opferfamilien die Strategie verdammt, doch überraschend viele doch Verständnis zeigten. „Der Präsident hat uns aufgerichtet, als er auf der Trümmerhalde stand“, sagt der pensionierte Feuerwehrmann Bob Beckwith, der in diesem historischen Moment neben ihm stand. Auch die Gewerkschaft des „Fire Department New York“ (FDNY), das 343 an diesem Tag verlor, hat eine Bush-Wahlempfehlung abgegeben. Für viele scheint immer noch das Hauptmotiv, Rache zu sein.
Für Überlebende Sullivan ist genau die „eskalierende Spirale der Gewalt“ die tragischste Konsequenz des 11. September. „Die ganze negative Energie, die uns traf, haben wir mit den Kriegen besonders im Irak zurückgespielt“, sagt sie: „Und wie in einem Ping-Pong-Spiel wird die nächste Welle wieder uns treffen“.

# 30. August: Bush schlachtet 9/11 aus

Die beiden Szenen waren symbolisch und hätten widersprüchlicher kaum sein können. Da stand Vizepräsident Dick Cheney auf Ellis Island vor der Skyline Manhattans und hielt sich nicht lange auf, den Grund für die Wahl New Yorks als Schauplatz des Republikaner Parteitages zu benennen. Mit Präsident George W. Bush hätte die Amerikaner in jenen bitteren Tagen nach dem Terror-Horror des 11. September einen „besonnen Mann“ gesehen, einen „steten und ruhigen Führer, fest entschlossen fortan die Bürger zu verteidigen“. Flankiert war Cheney in der grellen Spätsommersonne mit dem heldenhaften Ex-Bürgermeister New Yorks, Rudy Giuliani, der später Bush sogar mit Briten-Weltkrieg-Zwei-Premier Winston Churchill verglich.
Ein paar Kilometer über den Hudson-Fluss marschierten währenddessen 400.000 Menschen im Herzen Manhattans gegen den so gepriesenen Antiterrorkrieger, der für die Hälfte der Amerikaner und weitgehend dem Rest der Erde längst meistgehasster Präsidenten seit Generationen ist. „Lasst Bush fallen und nicht Bomben“, stand auf einem Transparent, „Zieht seine Kinder zur Armee ein“, „Schlimmster Präsident aller Zeiten“ oder „Impeach the Leach“ (Enthebt den Blutegel des Amtes“ auf anderen. „Er hat uns im Irak in einen mutwilligen Krieg geführt“, poltert Geschäftsmann Alan Siegel, eigens aus Boston angereist: „Und nun zahlen wir die Zeche“. Ohren betäubende Buhrufe hallen durch die Hochhausschluchten, als die Menge – die größte in der Weltmetropole seit den Atomabrüstungsmärschen 1982 – am Bush-Parteitagsveranstaltungsort „Madison Square Garden“ vorbeizieht. Durch die Bilder der friedlich marschierenden und meist einfachen Bürger repräsentierenden Massen hat die US-Opposition ein kräftiges Lebenszeichen gesetzt – und eine Warnung an Bush geschickt.
In der vier Tage lang mit 20.000 Menschen voll gerammelten Basketball-Halle schickten die Republikaner mit einer Litanei an Bush-Huldigungen ihren Kandidaten ins Rennen gegen Demokraten-Herausforderer John Kerry. Eine Siegerstrategie mit mehreren Facetten hat Bushs Politguru Karl Rove entworfen:
# Hemmungslos wird das Al-Qaida-Blutbad 50 Blocks südlich des Garden vor fast genau drei Jahren ausgenützt. Rührend schilderte First Lady Laura, was „ihrem George“ an jenen Horrortagen so durch den Kopf ging. Giuliani huldigte Bushs Entschlossenheit beim Kampf gegen das Netzwerk Osama bin Ladens. Fast wie eine Trauerfeier für die fast 3.000 Opfer des schlimmsten Terrorakts gegen das US-Festland wirkte mitunter die „Bush Convention“. Vor allen der rechte Infokanal Fox News Channel lieferte eine Endlosschleife der berühmten Bilder, als Bush mit der Arm um die Schulter des Feuerwehrmannes Bob Beckwith auf der Trümmerhalde Ground Zeros Rache schwor. Convention-Chef Ed Gillespie verteidigte die Starrolle der Tragödie: „Das wäre so, als hätten die politischen Kontrahenten während des amerikanischen Bürgerkriegs das Thema nicht angesprochen“. Der 11. September sei Teil der neuen Realität.
# In Sachen Irak deutet Bush eine zumindest rhetorische Kursänderung vom sturen Schönreden des Fiaskos an: In Serieninterviews zum Auftakt der Politshow gestand er ein, den Aufstand nach dem Saddam-Sturz „unterschätzt“ zu haben, dann verblüffte er mit der wirren Erklärung, der Irakkrieg sei ein „katastrophaler Erfolg“ gewesen, da durch den schnellen Militärtriumph die Feinde geflohen wären, „um später den Kampf wieder aufzunehmen“. Sogar den Grundpfeiler seiner Mission im Oval Office, den Krieg gegen den Terrorismus, hält er plötzlich nicht mehr für gewinnbar. Nur die Bedingungen können geschaffen werden, „Terror weniger akzeptabel zu machen“, sagt Bush im Frühstücks-Fernsehen. Doch trotz aller Einsicht tickt im Irak die Zeitbombe der stetig steigenden Opferbilanz unter jungen GIs: Mitten in der Wahlkampfendphase könnte sie symbolische Marke von 1000 Opfern erreichen.
# Das Klima aus Terror-Angst und horrender Sicherheitsauflagen scheint Bush ebenfalls ins Konzept zu passen: Lieber stellen sich die Amerikaner in Krisenzeiten mehrheitlich hinter ihren Präsidenten, als mit Kerry einem Newcomer die Chance zu geben. Wie in einem, von zehntausenden, schwer bewaffneten Eliteeinheiten bewachten Bunker ließ sich Bush von den 4.900 Delegierten feiern. Ständig fliegen die schweren, mit zwei Rotoren bestückten Chinook-Helikopter den Hudson Fluss auf und ab – das dumpfe Geknatter gepaart mit ständigem Sirenenlärm lässt die geduldigen New Yorker wie in einer Kriegszone leben. „Niemals lässt sich nachweisen“, sagt Anwalt Joel Siegel am Rand der Anti-Bush-Demo, „wie viel davon der Sicherheit dient oder was reine Panikmache ist“. Der mit 36.000 New-York-Cops und Einsatzkräften von 66 weiteren Behörden einmalige Aufmarsch an Sicherheitskräften lieferte mitunter auch klassische Schildbürgerstreiche: Hunderte der insgesamt 15.000 Journalisten wurden kaum zum, in der „Gefrierzone“, so der Polizeijargon, gelegenen Pennsylvania Hotel vorgelassen, wo sie sich ihre Akkreditierungen abholen hätten sollen. Die Schauspielerin
Rosario Dawson wurde samt ihrem Regisseur bei den Dreharbeiten verhaftet, als zufällig in ihrer Nähe demonstriert wurde.
# Auch wollte Bush nach dem brutalen Negativwahlkampf gegen Kerry letztendlich doch seine Agenda für mögliche weitere vier Jahre im Oval Office ausrollen – eine Liste nicht unüblicher Wahlversprechen, von besserer Gesundheits- und Pensionsvorsorge, bis Ausbildung und wirtschaftliche Sicherheit.

Giuliani
„9/11-Bürgermeister“ Giuliani als Star des Bush-Parteitages in NY

All vier Jahre würde die Republikaner-Partei ihr „mitfühlendes Gesicht“ präsentieren, ätzte Ex-Präsident Bill Clinton am Vorabend des Parteitages. Als Starredner fungierten tatsächlich die moderateren Konservativen – von Rudy Giuliani, dem tüchtigen Olympia-Organisierer Mitt Romney, dem hochpopulären Vietnamkriegshelden John McCain. Kaliforniens „Governator“ Arnold Schwarzenegger präsentierte sich erstmals als Politiker einer fast 20 Millionen großen, nationalen TV-Audienz: Der nach dem schwer erkämpften Budgetdeal mit 65 Prozent Zustimmung hochpopuläre Austro-Amerikaner spielte die Rolle des große „Uniter“, einem Brückenbauer zwischen den Demokraten seiner Kennedy-Gattin und dem moderaten Republikaner-Flügel.
Demokrat Kerry ist zuletzt in seiner Kampagne etwas außer Tritt geraten: Schon vor dem erwarteten Bounce (Sprung) von Bush ist er in den Umfragen knapp zurückgefallen. Immer offener wird die Taktik angezweifelt, als sich Kerry beim Boston-Parteitag fast ausschließlich als Vietnam-Held verkaufte – um dann prompt durch eine wirkungsvolle Veteranen-Verleumdungskampagne angepatzt zu werden. „Kerry hätte lieber seine Visionen seine Amtszeit ausrollen sollen“, sagt Ex-Clinton-Berater Dick Morris. Nun habe Bush die Chance mit dem Parteitag und dem dritten Jahrestag des 11. September deutlich davon zu ziehen, glaubt Morris: „Der Vorsprung ist dann für Kerry im Endspurt schwer einzuholen“.

# 23. August: Bushs Taktik


Es sind diese Auftritte vor ausgesuchten Zuhörern, wo sich US-Präsdient George W. Bush am wohlsten fühlt. Eine kleine Gruppe biederer Midwesterner hat sich etwa die im idyllischen Nest Lakefront Park in Wisconsin versammelt. Der durch Wundböen aufgepeitschte Lake Croix dominiert die Gegend, Adler kreisen gelassen über dem Gelände. Bush hat sein Ärmel aufgekrempelt, wahlkämpft im Texas-look, Blue-Jeans, Cowboy-Stiefel und dicke Gürtelschnalle. Was seine Gegner zum Kochen bringt, wird von dieser Gruppe dankbar angenommen: Nach jedem der selbst simpelsten Aussagen folgt eine lange Gedankenpause, ein Kopfnicken, dazu die gerunzelte Stirne – ähnlich einem Lehrer, der seinen Schülern bedeutet: „Habt ihr das auch verstanden?“
Bush schwadroniert über Freiheit, dem Kampf gegen die Terrorbösewichte, Patriotismus, Ehre, Steuersenkungen. Als Zeichen der Volksnähe haben die Wahlkampfstrategen seines „Consiglieris“ Karl Rove Fragestunden („Ask the President“) ins Leben gerufen. Doch Kritik und Debatte braucht der Präsident hier nicht zu fürchten: Alle Teilnehmer wurden strikt auf ihre Bush-treue abgeklopft, beim Kartenverkauf sogar deren Sozialversicherungsnummern überprüft. So sind viele Wortmeldungen gar keine Fragen sondern nur Glückwunschbotschaften und rührende Versprechen, für Bush „täglich zu beten“. Bush & Co sind berühmt für ihre perfekte Choreografie guter TV-Bilder: Nichts darf stören, alles muss wie geplant ablaufen – Bush-Demonstranten werden aus „Sicherheitsgründen“ oft hunderte Meter weit vom Auftrittsort ferngehalten.
Ab nächsten Montag kommt für die Regisseure der Bush-Wiederwahlkampagne ihr wichtigster Moment: Beim viertägigen Republikaner-Parteitag („Convention“) im New Yorker Basketball-Stadium „Madison Square Garden“ will Bush seine Agenda im Showdown gegen Demokraten-Herausforderer John Kerry ausrollen, sich als resoluter Kriegsherr und Beschützer der US-Bürger vor Osama bin Ladens Al-Qaida-Terroristen profilieren. Bushs Rede nächsten Donnerstag – exakt zwei Monate für dem Präsidentschaftswahltermin 2. November – soll den Texaner aus der statistischen Schwankungsbreite im bisherigen Kopf-an-Kopf-Rennen gegen Kerry katapultieren. Laut CBS-Umfrage führt Kerry mit 46 Prozent knapp vor Bush mit 45 Prouent. Um einen drohenden „Bounce“ (Sprung) in den Umfragen zu unterminieren, haben die Demokraten New-York-Senatorin Hillary Clinton als Anführerin eines „Truth Squads“ für prompte Entgegnungen nominiert.
In der teuersten Wahlschlacht aller Zeiten – über eine Milliarde Dollar haben Bush (242 Millionen), Kerry (233,5) sowie Republikaner- (245,3) und Demokraten-Partei (145,2) bisher gesammelt – scheint ein zentraler Pfeiler der Bush-Strategie das vehemente Attackieren seines Gegners: Die großteils von texanischen Bush-Freunden finanzierte Gruppe „Swift Boat Veterans for Truth“ rüttelte per Buch und TV-Spotts an Kerrys Fundament für eine siegreiche Kampagne gegen Bush – seine beim Demokratenparteitag in Boston vor einem Monat ausgerollte Heldengeschichte als hochdekorierter Vietnamheld. Die Antikerry-Veteranen beschreiben den Senator als Lügner, der sich Orden erschwindelt, Verletzungen zwecks eines raschen Heimreisetickets aufgebauscht habe – und „Verräter“ wegen seiner Rolle als prominenter Kriegsprotestierer. Obwohl die 1968 bis 1969 an Kerrys Seite kämpfenden Kameraden ihn unterstützen, dominieren die Vietnamdebatte um die fiesen TV-Spots, getauft „Adgate“, seit Wochen die US-Presse. „Wenn die ganze Kampagne großteils auf Kerrys Biografie als Kriegsheld aufgebaut ist“, sagt ein Demokraten-Stratege in der „New York Times“, „dann können diese Attacken seine Chancen dramatisch verringern“.
Schon mehrmals war der Bush-Clan mit Charakter-Mord an Politgegnern erfolgreich:
# 1988 wurde Michal Dukakis vom Team Bush I wegen eines skurrilen Fotos, das ihn mit Stahlhelm im Panzer zeigt lächerlich, sowie für den Mord eines Knastfreigängers als Gouverneur von Massachusetts verantwortlicht gemacht und als „weltfremder Liberaler“ stigmatisiert;
# 2000 streuten Roves Helfer im Primary-Shodwdown von Bush jr. mit einem weiterem Vietnam-Kreigshelden, John McCain, Gerüchte, der fünfeinhalb Jahre im Dschungel als Kriegsgefangener gehaltene Senator habe „Schlangen im Kopf“ (Übersetzt: Er sei verrückt!“), habe in Vietnam ein Kind gezeugt und sei insgesamt durch seine „unkontrolliertes Temperament“ ungeeignet als US-Staatschef.
Die Republikaner-Partei zeigt sich bei der New Yorker Bush-Politshow zumindest vier Tage lang weltoffen – während die ultrakonservativen Ideologen, die seit dreieinhalb Jahren im Oval Office die Strippen ziehen, versteckt werden: Die Bühne gehört New-York-Terrorheld Rudy Giuliani, dem gemäßigten Senator John McCain oder Kaliforniens moderaten Governator Arnold Schwarzenegger. „Wenn es dem Präsidenten peinlich ist, mit uns gesehen zu werden“, warnte jedoch der fromme Christengruppenlobbyist Paul Weyrich in einem offenen Email-Brief, „dann ist es uns vielleicht zu peinlich, ihn wieder zu wählen“. Tatsächlich ist verwunderlich: Der einzige echte Sozialkonservative außer Bush mit einem Auftritt zur Hauptsendezeit ist eine Demokrat – Senator Zell Miller aus Georgia.
Die innenpolitische Bilanz des 43. US-Präsidenten wird kaum eine triumphale Rolle beim Bush-Politfest spielen: 1,2 Millionen Jobs gingen verloren (die größte Arbeitsplatzvernichtung seit der Großen Depression der 30iger Jahre, die dem damaligen Präsidenten Herbert Hoover prompt das Amt kostete). Freilich zog das Platzen der Internet-Spekulationsblase und der Terrorhorror des 11. September die US-Wirtschaft in die Rezession. Doch Bushs Therapie der Steuersenkungen wird durch schleppende Jobzuwachszahlen der angesprungenen Wirtschaft zusehends kritisiert: Von dem 290 Milliarden Dollar an „Tax Cuts“ ging ein Drittel an Superreiche (das Top-Prozent der Steuerzahler mit Jahressalär von über 1,2 Millionen Dollar), wie das seriöse Kongressbudgetbüro verlautete. „Wie sollen die den Arbeitsmarkt ankurbeln?“, fragt der prominenteste Bush-Wirtschaftskritiker Paul Krugman. Dazu wurden im Juli bloß 36.000 neue Jobs geschaffen – weit abseits der von Bush gewohnt fröhlichen Zahlenwerk von prognostizierten 300.000 pro Monat. Das Budgetdefizit explodierte durch niedrigere Steuern gepaart mit den horrenden Kosten der Kriege in Afghanistan und Irak auf 445 Milliarden Dollar. Bush-Vorgänger Bill Clinton hatte bei der Amtsübergabe im Jänner 2001 noch satte Überschüsse gefeiert.
Bush konzentriert sich daher eher auf seine Rolle als „Kriegspräsident“, wie er sich selbst zu Jahresbeginn im US-TV deklarierte: Gebetsmühlenartig preist er seine Anti-Terrorkriegs-Startegie, wo „unsere tapferen Soldaten Kriege in Übersee führen, anstatt hier in den USA“, so der Oberkommandierende. Und: Wenn Amerika in diesem Jahrzehnt Schwäche zeige, „würde die ganze Welt in eine Tragödie schlittern“. Dann depürte er Alliierte im „alten Europa“ mit Plänen über einen riesigen Truppenabzug aus Deutschland. In Südkorea sollen ebenfalls Truppen abziehen, „gerade als Diktator Kim Jong-Ill im Norden an einem Nuklear-Arsenal bastelt“, wie McCain bemängelte. Und, als hätte die US-Armee keine andere Sorgen, propagierte Bush zuletzt wieder das Weltall-Raktenabwehrsystem „Star Wars“. Ein „Triumph der Hoffnung und Vision über Pessimismus und Skepsis“ wäre das, fügte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld an.
Bush-Wahlstrategen sind nervös, nachdem laut Umfragen dieser zentralste Pfeiler der Kampagne wackelt: 58 Prozent sind zwar noch mit Bush im Umgang mit Terrorbedrohungen zufrieden (laut „Pew Research Center“), doch nur mehr 42 Prozent mit seiner Außenpolitik. Und noch alarmierender: Die alles entscheidenden Wechselwähler lehnen immer stärker in Richtung Kerrys Positionen.
Ängstlich verfolgen Demokraten auch eine weitere augenscheinliche Strategie der Bush-Regierung, die auch in Michael Moores „Fahrenheit 911“ prominent durchleuchtet wird: Panikmache durch pausenlose Terror-Alarme. Sechsmal wurde die Terrorwarnstufe seit Einführung der Farbenskala im Jahr 2002 bereits auf „Orange“, der zweithöchsten, angehoben, 35 Mal setzte es durch Bush, Vize Dick Cheney, die Minister Donald Rumsfeld (Verteidigung), John Ashcroft (Justiz), Tom Ridge (Heimatschutz), sowie FBI-Direktor Mueller und der einstige CIA-Chef George Tenet „explizite Warnungen“ – alles von „Pilz-förmigen Wolken“, Apartment-Bombern, Giftgaswolken, AKWs als Anschlagsziele, Bomben-bepackte „Strech Limos“. Stets sei neuer Al-Qiada-Terror „unabwendbar“, „unmittelbar bevorstehen“, „verheerend“. Besonders instrumentalisieren lasse sich für die Bush-Propoganda der Geheimdienst CIA, behauptet Bestsellerautor James Bamford, der in „Pretext for War“ vor allem mit Tenets Irak-Massenverichtungswaffen-Flop und dem ärmlichen Zustand des amerikanischen Spionagegeschäfts abrechnet. „Tenet mochte Bush persönlich recht gerne“, sagt der Experte: „Deshalb bestätigte er lieber die vorgefassten Meinungen von Bush & Co als auf seine eigenen, viel skeptischeren Agenten zu hören“. (Zuletzt versaute die Alarmierungsfreude der Bush-Krieger sogar mögliche Fahndungserfolge gegen Al-Qaida: Nach der Warnung vor Attacken gegen US-Finanzinstitutionen sickerte der Name Naeem Noor Khan durch, eine 25-Jähriger Computerexperte, der angeblich von pakistanischen Agenten bereits „umgedreht“ worden war und als Maulwurf arbeitete – bis Ridges Terrorwarnung. Nach dem Getöse in Washington mussten auch die Briten rasch acht Top-Verdächtige verhaften, die sie eigentlich gerne länger beobachtet hätten).
Kopiert hat die Bush Wahlkampagne den vom Clinton Team erfundenen „War Room“, wo dutzend Bushkampagnen-Kommunikationsprofis die Medien mit Infos, Dementis, Zahlenmaterial, Politiker-Zitaten und angeblichen Kerry-Fehltritten füttern. An einer Wand in einem düsteren Raum des Bush-Hauptquartier im Arlington, Virginia, hängen 15 TV-Monitore, wo die wichtigsten Kanäle verfolgt werden. Jeden Morgen werden hunderte Tageszeitungen zerpflügt. Mit „enthüllten“ Meinungsänderungen, Kursschwenks oder widersprüchlicher Rhetorik soll Kerry als opportunistischer Wendehals bei den Medien angeschwärzt werden – eine Schatztruhe stellten dabei Kerrys 6.000 Abstimmungen in 19 Senats-Jahren dar, die entweder leicht aus dem Zusammenhang gerissen werden können oder tatsächliche Polit-Schwenks dokumentieren. Die Emails haben Titel wie „Extreme Makeover“ (Totalverkleidung) oder „Boston Fog“ (Vernebelung). Für die O-Ton-hungrigen 24-Stunden-Kabelkanäle steht stets ein Kampagnen-Berater, Bush-freundlicher Abgeordneter oder Think-Tank-Experte zum Kerry-Prügeln bereit. Natürlich hat Kerry auch einen „War Room“, doch so richtig in Schwung kam der erst in den letzten Wochen.
New York schien bei der Parteitags-Planung zunächst der ideale Ort zur Erinnerung an Bushs Sternstunde erinnern wollte: Drei Tage nach dem Anschlag auf die Twin-Towers und das Pentagon stand er mit einem Megafon neben Feuerwehrmann Bob Beckwith 40 Blocks südlich der Convention-Halle auf der Trümmerhalde „Ground Zeros“ – und schwor Vergeltung für die 3000 Opfer des größten Terrorattacke auf das US-Festland. Doch nun wirkt der Auftritt nach dem Irakfiasko und Vorwürfen einer Instrumentalisierung des 11. September für Bushs aggressive Innen- und Außenpolitik eher wie ein billiger Polit-Stunt. Zuletzt sorgte für Aufregung, dass Bush in der liberalen Metropole nicht einmal übernachten wolle.
Straßen-Schlachten scheinen vorprogrammiert: Bis zu einer halben Millionen Demonstranten wollen dem meistverhasstesten Präsidenten seit Richard Nixon und seinen 4.900 erzkonservative Republikaner-Delegierten einen „unvergesslichen Aufenthalt“ bereiten. Aktivist Jamie Moran ließ sich von Informanten eine Flut an Infos zuschicken: Moran weiß, in welchem Hotel die Delegierten wohnen, wo sie feiern, welche Broadway-Theaterkarten sie gekauft haben. Sie sollen „gewaltfrei“, wie er mir betont, von Demonstranten zur Rede gestellt werden. Über die Bush-Partei wird die geballte Kreativität New Yorks hereinbrechen: Ein Massen-Kotzen in einem, römischer Architektur nachempfundenem Vomitorium („vomit“ für Kotzen) wird organisiert, Prozessionen mit flaggenumhüllten Särgen über die Brooklyn-Bridge ziehen, um an die gefallenen GIs in Irak und getötete Zivilisten zu erinnern, eine Menschenkette um Ground Zero mit exakt 2.749 Glocken für die New Yorker 9/11-Opfer bimmeln.
Den Demonstranten stehen gegenüber 36.000 Cops des wegen mangelnder Zimperlichkeit gefürchteten „New York City Police Department“ (NYPD), die im Klima der Terror-Hysterie die volle Wucht der durch den „Patriot Act“ erweiterten Staatgewalt einsetzen werden. Am Sonntag vor dem Parteitag sollen mindestens 250.000 Menschen marschieren – die Organisatoren „United für Peace and Justice“ hatten schon im Vorjahr mit der Riesendemo gegen den Irakkrieg in New York für Aufsehen gesorgt. Doch Angst vor Ausschreitungen hat auch die Linke: „Wir würden Bush ins offenen Messer laufen“, sagt John Mailer, Sohn des rebellischen Kultautors und Chefredakteur beim Szeneblatt „High Times“: „Die wichtigen Wechselwähler mögen keine Gewalt“. 1968 versank der Demokarten-Parteitag in Chicago im Chaos der Straßenschlachten zwischen Vietnamkriegsgegnern und Brutalo-Cops: Prompt gewann Republikaner Richard Nixon später die Wahl.
Mit der Machtübergabe im Irak ist es – trotz kontinuierlicher Verluste unter den US-Gis (950 Tote seit Kriegsausbruch) und dem blutigen Showdown mit Radikalkleriker Muqtada al-Sadr in Nadschaf und Bagdads Sadr City – der Bush-Regierung zumindest gelungen, Irak-Stories aus weitgehend aus den Frühstücks-TV und Hauptnachrichtensendungen fernzuhalten. Bush hat Grund, wegen dem Irak nervös zu sein: Viele Politologen halten die Präsidentschaftswahl schlicht für eine Abstimmung darüber, ob die Irak-Invasion die richtige Entscheidung war. Zuletzt hatte das in Umfragen eine Mehrheit der US-Bürger verneint.

# 16. August: Killer „Charley“

Jim Reed ist professioneller „Storm Chaser“, ein Sturmjäger, den es freiwillig in Dienste der Wissenschaft und eigener Neugierde ins Zentrum gefährlicher Stürme zieht. Doch dann hockte er plötzlich hinter einer wackeligen Holzwand, hielt die Videokamera mit zittriger Hand auf einen steten Strom waagrecht vorbei fliegender Trümmerteile: Wellblech, Palmenwedel, Holzteile, Glassplitter zerborstener Fenster. Dazu ein Ohren betäubendes Röhren, „als würde man neben einem startenden Jumbo stehen“, wie er sich erinnert. Fast gelähmt vor Todesangst dachte Reed nur mehr: „Hierher zu kommen, war ein schrecklicher Fehler“. Sein Partner, ein Meteorologe, kauerte unter ihrem Geländewaagen.
Reed überlebte – und seine Videoaufnahmen bieten die dramatischsten Bilder der Wucht von Hurrikan „Charley“, dem schlimmsten, die Küste Floridas heimsuchenden Wirbelsturm seit Killersturm Andrew 1992. Eine erste Bilanz ist verheerend: 16 Tote waren bis zum Wochenbeginn geborgen, Zehntausende verloren ihr Haus, auf über 20 Milliarden Dollar soll sich der Gesamtschaden belaufen. Am Sonntag tourte Präsident George W. Bush durch die an eine Kriegszone erinnernden, 320 Kilometer lange und 50 Kilometer breite Verwüstungsschneise, die Charley von Punta Gorda im Westen quer über die Florida-Landzunge nach Daytona Beach im Osten zog. Der Präsident und Florida-Gouverneurs-Bruder Jeb reagierten prompt – gut erinnern sie sich an Daddys Trouble im August des Wahljahres 1992, als er zu zögerlich auf Andrew reagierte und Ostflorida ins Chaos versank.
Ground Zero der Zerstörung durch das Meteorologische Monster wurde die idyllische, bei Pensionisten besonders beliebte Gemeinde Punta Gorda, 100 Kilometer südlich von Tampa an der Florida-Golfküste. Mit Windspitzen bis 230 Stundenkilometer war der Sturm über den Ort sowie Port Charlotte auf der anderen Seite der Flussmündung gerast, „ein Lärm wie bei der Schlacht zwischen Deutschen und Amerikaner im zweiten Weltkrieg“, wie sich Andree Cates an seine Erfahrungen als Achtjähriger nahe Rheims erinnert. Der Chef der Notruf-Abteilung von „Charlotte County“, Wayne Sallade, hatte sich im örtlichen Gefängnis verschanzt, als verzweifelte 911-Notrufe bei ihm eingingen. „Mein Mann hat einen Herzinfarkt, sagte eine Frau“, erinnert sich Sallade: „Ich könnte sie nur auf spätere Hilfe vertrösten“.
Als die Überlebenden aus ihren meist notdürftigen Unterschlüpfen hervor krochen, starrten sie in eine Apokalypse: Palmen, wie Mikadostäbe wild durcheinander geworfen, aufgerissene Häuser, die wie Puppenhäuser den Blick in Schlaf- und Wohnzimmer freigaben, umgestürzte Autos, LKWs and ganze Wohnwagen, ans Land gespülte Boote. Dazwischen herumirrende Verletzte, verzweifelte Hilfe-Schreie aus den Trümmern.
Einige Überlebende sind traumatisiert vom Anblick der Toten: Als Cindy Vallier am Samstag zu ihrem verwüsteten Haus zurückkehrte, sah sie sofort die Leichen eines alten Ehepaares in deren Vorgarten liegen, notdürftig verhüllt mit Decken. Daneben lag der zerbeulte Rollstuhl des alten Mannes. Die beiden waren von einem umgestürzten Müllwagen zerquetscht worden – ihr Sohn wurde über die Straße in ein anderes Haus geschleudert, krachte mit dem Gesicht zuerst in eine Wand und überlebte schwer verletzt.
Cherley hatte Meteorologen wie Einwohner völlig überrascht: In nur 90 Minuten intensivierte sich der Wirbelsturm von einer moderaten Kategorie Zwei auf die Killer-Stufe Vier, der zweithöchsten in der fünfteiligen Hurrikan-Skala. In einem sich rasch entfaltenden Drama im US-TV hielt am Freitag Nachmittag die Nation den Atem an: Um 11 Uhr hatte es noch geheißen, Charley werde mit Winden um 160 Stundenkilometern bei Tampa an Land gehen – doch dann kamen die „Breaking News“: Um 14 Uhr wurde Charley aufgewertet auf Kategorie Drei (Windschätzungen: 200 km/h), knapp nach 15 Uhr auf Kategorie Vier mit Winden um 230 km/h. Lokalsender berichteten jetzt von „akuter Lebensgefahr“ für alle im Visier des Sturmes, der noch dazu nach Osten dreht und auf Punta Gorda zuhält, wo die Evakuierungen noch nicht so weit fortgeschritten waren und viele Pensionisten leben. Sherrifs versuchen noch in letzter Minute Menschen zur Flucht zu bewegen. „Verlassen Sie die Gegend! SOFORT!“, riefen die in ihr Megafon. Dann drehte der Sturm plötzlich nach rechts, zielte auf das Gebiet um Fort Meyers. TV-Kommentatoren raten den Einwohnern nur mehr, sich in die stabilsten Teile ihrer Unterkunft zurückzuziehen und zu beten. Journalisten, die den Aufprall in alter Tradition amerikanischer Hurrikan-Berichterstattung filmen wollten, kamen fast ums Leben: „Live“ sahen Millionen, wie Teile eines Wellblechdaches auf ein Team der Lokalstation WKMG in Port Charlotte fielen.
Charley reiht sich damit in die Liste großer, das US-Festland heimsuchender Killerstürme ein: Niemals wird Florida Hurrikan Andrew vergessen, ein Monstersturm der Top-Kategorie Fünf, der in Ostflorida nördlich von Miami 26 Menschenleben forderte, 250.000 Menschen obdachlos machte und mit 25 Milliarden Dollar Schaden zur teuersten Naturkatastrophe aller Zeiten wurde (dutzende Versicherungsfirmen wurden in den Ruin getrieben). Hugo krachte 1989 wie Charley als Kategorie-Vier-Sturm in die Küste von South Carolina, verwüstete Charleston und tötete 60 Menschen. Der tödlichste Sturm der US-Geschichte wütete 1900 in der Texas: In einer Zeit ohne genauer Wetterprognosen machte ein Kategorie-Vier-Sturm ohne jegliche Vorwarnung die Inselstadt Galveston dem Erdboden gleich. Am Folgetag war die Trümmerstadt „von Leichen übersäht“, berichteten Augenzeugen. Die Opferbilanz wurde auf 7.200 bis 10.000 geschätzt. Doch Meteorologen erinnert Charley frappant an „Donna“: Auch der kreuzte 1960 die schmale Florida-Landzunge von West nach Ost und wütete dann entlang der Ostküste von Georgia bis Massachusetts. Sogar im Neu-England-Staat Rhode Island wurden noch Hurrikan-Windstärken von 208 Stundenkilometer gemessen.
Die dramatische Eskalation und das unvorhergesehene Abdrehen des Sturmes lösten wilde Debatten und Kritik an Behörden wie Meteorologen aus: Wie eine Ironie wirkte, dass Hunderttausende aus Tampa – wo der Einschlag erwartet worden war – nach Orlando flüchteten und sich plötzlich mitten in der Verwüstungsschneise von Charley wiederfanden. Währenddessen saß CNN-Mann Andersen Cooper am Pier in Tampa und wunderte sich über den angenehmen Abend in der Geisterstadt mit gerade mal „einer milden Briese“. Obwohl Meteorologen den Kurs von Wirbelstürmen mit noch nie da gewesener Präzision prognostizieren können, gelten Vorhersagen von Windstärken immer noch als Schwäche: Zu wenige Daten über einen möglichen Schwall besonders warmen Meerwassers als zusätzlicher Impuls, Änderungen der den Hurrikan beeinflussenden Windrichtungen oder „Chaos“ in der Wolkenwand rund um das Auge, so Top-Meteorologe Max Mayfield vom „National Hurricane Center“, waren etwa bei Charley vorhanden – alles Faktoren, die das rasche Anwachsen in ein tödliches Monster verursachten. Trotzig verteidigten sich die Wetterleute: „Viele haben sich an unsere Präzision gewöhnt und sind dann selbst bei kleinsten Kursänderungen überrascht“. Immerhin: Die Evakuierungsbefehle galten nicht nur für Tampa sondern die ganze untere Westküste Floridas – inklusive Region um Punta Gorda. Gouverneur Bush, Mitglied einer insgesamt recht wissenschaftsskeptischen Familie, merkte salbungsvoll an, „dass hier Gott seine Macht demonstrierte hatte“.

# 2. August: Fahrenheit 9/11 – Moores Frontalangriff gegen Bush

Die gestohlene Wahl:
Brutal ist die zusammengeraffte Chronologie skandalöser Ereignisse in Florida 2000, als Bush, so Moore, „die Wahl gestohlen hatte“: Der „Putsch“ (Moore) habe lange vor den Wahlen begonnen, als Florida-Innenministerin und Kovorsitzende der Bush-Präsidentschaftskampagne, Katherine Harris, vier Millionen Dollar an die Firma „Database Technologies“ zum „Ausmisten“ der Wählerlisten beauftragte: Die wegen wirklicher und angeblicher Vorstrafen von der Wahl ausgeschlossenen waren meist Schwarze (31 Prozent), die fast ausschließlich Demokraten wählen. Zehntausende wurden am Wahltag vor den Wahllokalen abgewiesen, viele völlig zu Unrecht. Andere stoppten Gendarmen bei auffallend häufigen Straßenkontrollen meist in Schwarzenvierteln.
Beim rechten Fox News Channel leitete dann ein Mann namens John Ellis die Wahlberichterstattung, als der Kanal plötzlich, obwohl alle Zählergebnisse auf ein „too close to call“ deuteten, Florida Bush zusprach – und den Texaner zum Sieger erklärte. Die anderen TV-Kanäle folgten wie die Lemminge, so Moore. Und wer ist John Ellis? Erraten, ein Cousin ersten Grades von George W. und Jeb Bush. Bei dem ganzen tragikomischen Stimmauszählungs-Marathon und juristischem Showdown in Florida war Al Gore deshalb immer hinten nach, wenn immer er Aufwind erhielt, scheuten die Republikaner nicht davor zurück, auch mal zur Einschüchterung einen wütenden Mob in ein Wahl-Bezirkslokal zu schicken. Harris ließ einen Bush-Vorsprung von 537 Stimmen ratifizieren, das US-Höchstgericht stoppte schließlich alle weiteren Nachzählungen – und sprach mit 5 zu 4 Stimmen Bush den Sieg zu.
Dramatisch fängt Moore dann die Szene ein, als farbige Abgeordnete des Repräsentantenhauses dann bei einer gemeinsamen Sitzung mit dem Senat zur offiziellen Vergabe der Wahlmännerstimmen einen letzten Aufstand versuchen: Ironischerweise unter dem Vorsitz des laut Moore „echten Präsidenten“ Al Gore versuchen sie eine Debatte zu erzwingen. Doch Gore selbst muss ihnen das Wort verbieten, da kein einziger der 100 Senatoren eine Antrag auf Diskussion unterschrieben hatte. Ein schwarzer Abgeordneter nach dem anderen muss nach verzweifelten Appellen das Rednerpult räumen – eine unter die Haut gehende, gespenstische Szene, die an vergangen geglaubte Zeiten der Rassenunterdrückung erinnert.

Urlaubender Bush:
Ohne klares Mandat, einer chaotischen Inaugurationsfeier, wo Bush vor Eier werfenden Demonstranten die Flucht auf der Pennsylvania Avenue an einem düsteren Jännertag antreten muss, beginnt die Ära Bush II mit einem Fehlstart: Nach der Notlandung eines US-Aufklärungsmaschine verkompliziert Bush & Co mit dumpfen Drohungen die Freilassung der Crew, dann verlieren die Republikaner durch das Abspringen von Senator Jim Jeffords auch noch die Mehrheit im Oberhaus des US-Kongresses. Bushs Popularität sinkt stetig. Moore fragt dann provokant in der Doku: „Und was macht ein derart erfolgloser Präsident? Richtig: Urlaub!“. Mit fröhlicher Musik unterlegt zeigt Moore die Bilder des relaxten, mit Daddy fischenden, das Gestrüpp seiner Crawford-Ranch ausmistenden, Golf spielenden US-Staatsoberhaupt. Die Statistik ist tatsächlich verheerend: Während den ersten acht Amtsmonaten befand sich Bush 42 Prozent der Zeit auf Urlaub.
Leider sei das nicht nur peinlich, sondern auch fatal gewesen, urteilt Moore: Am 6. August nämlich wird ihm, im als „Western White House“ verspotteten Urlaubssitz im texanischen Nest Crawford, ein Geheimdienst-Memo unterbreitet, mit dem unmissverständlichen Titel „Osama bin Laden entschlossen, innerhalb der USA anzugreifen“: Darin ist von einem bevorstehenden Großangriff des Al-Qaida-Netzwerkes die Rede – Bush sieht keinen Grund für zumindest einen eilig einberufenen Krisenstabes der Antiterrorexperten, Justizminister John Ashcroft fokussiert weiter auf Mafia- und Drogen-Delikte, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bastelt am Starwars-Raketenschirm zum Schutz der USA vor anfliegenden Nuklearraketen.
Zur Schlüsselszene von „Fahrenheit 9/11“ ist das von Moore ergatterte Videoband, als Bush am 11. September vor 16 Tafelklasslern in einer Schule in Saratosa, Florida, sieben Minuten lang (!) mit einem Kinderbuch in der Hand sitzen bleibt – obwohl ihm gerade Stabschef Andrew Card vom Einschlag des zweiten Jumbos in den Südturm des „World Trade Center“ in New York berichtet hatte. Provokant mutmaßt Moore, was sich Bush in diesen Minuten gedacht haben könnte: Hätte ich die Warnungen ernster nehmen sollen? Anstatt zu urlauben lieber handeln? Stecken gar meine saudiarabischen Freunde dahinter? In den Tagen darauf fand Bush jedoch die Mission seiner Präsidentschaft: Der Antiterrorkrieg zuerst gegen Afghanistans Taliban-Regime verschaffte ihm teils stratosphärische Popularitätswerte (über 90 Prozent).

Politik der Angst
Moore beklagt, wie Bush & Co den Schock der Bürger nach dem Terror-Horror, der fast 3000 Menschenleben forderte, und die vor allem auch durch die Anthrax-Panik eskalierende Angst vor weiteren Al-Qaida-Attacken zusehends für seine eigene Politik instrumentalisierte: Mit dem ohne nennenswerter Debatte im US-Kongress verabschiedeten „Patriot Act“ begann zunächst ein Generalangriff auf die Bürgerrechte. Nachdem Abgeordnete gegenüber Moore zugeben, niemand habe den Gesetzentwurf des bigotten Hardliners Ashcroft vor der Abstimmung jemals gelesen, fährt Moore mit einem Eischremewagen um das Kapitol-Gebäude und verliest Passagen per Megafon. Moore versucht mit dem Aufzählen völlig absurder Sicherheitsmaßnahmen zu beweisen, dass es mehr um orwellsche Taktiken einer „Politik der permanenten Angstmache“ gehen müsse als der Abwendung von Al-Qaida-Terror: Genüsslich zeigt Moore wie eine Frau eine Flasche Babymilch bei der Sicherheitsschleuse am Flughafen abgeben darf, während Feuerzeuge mit an Bord gehen dürfen – mit denen etwa der „Schuhbomber“ Richard Reed seinen Turnschuhsprengsatz bei einem Transatlantik-Flug zu Weihnachten 2001 leichter zünden hätte können, als den Zündhölzern. Gezeigt wird auch, wie etwa die Bundespolizei FBI einen Undercover-Agenten in einer völlig harmlosen Friedensgruppe in Fresno, Kalifornien, einschleust.
Später entwirft das neu gegründete Ministerium für Heimatschutz die berühmte Terror-Farbenskala, die verdächtig oft ausgerechnet bei großer Bedrängnis der Bush-Präsidentschaft nach oben geschaltet wird: Da verkündete etwa Heimatschutzminister Tom Ridge die Wahrscheinlichkeit eines Al-Qaida-Anschlages zur Störung der US-Wahlen mit möglichen Angriffszielen der Parteitage in Boston und New York – ausgerechnet zum Zeitpunkt, als Bush-Gegner John Kerry durch die Nominierung seines Vize John Edwards die Medienberichterstattung dominierte. Detaillierter war der dieswöchige Terroralarm, bei dem die Farbtafel wieder einmal auf Orange, der zweithöchsten Stufe angehoben wurde: Im Visier der Al-Qaida-Killer seinen wichtige US-Finanzinstitutionen geraten, so Ridge, inklusive der Börse an der New Yorker Wall Street, dem Citigroup-Gebäude, einem Hochhaus des Finanzriesen Prudential sowie die Zentralen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds in Washington. Doch warum die Terrorpanik nach wochenlangen Ermittlungen just knapp nach Kerrys triumphalen (und Terror-freien…) Parteitag in Boston ausgelöst wurde, macht die Opposition stutzig.

Arme GIs
Moore unterstreicht, dass Kids aus ärmlichen Verhältnissen Bushs Kriege exekutieren. Er folgt zwei Armee-Rekrutierern, wie sie in einem Arbeiterbezirk seiner Heimatstadt Flint, Michigan, nach Militär-Rekruten suchen: In Interviews geben die zu, dass sie vor allem die Chance auf ein Uni-Studium zur Armee lockt. Die Statistik belegt: 35,5 Prozent der 1,4 Millionen aktiven Soldaten gehören Minderheiten an, bloß 3,6 Prozent haben ein Uni-Diplom, 47 Prozent sind jünger als 25. Im Irak kämpft nur ein einziges Kind eines der insgesamt 535 Kongress-Abgeordneten – im Film versucht Moore Politiker zu überzeugen, ihre eigenen Kids nach Bagdad zu schicken.

# 26. Juli: 9/11-Report: Was geschah wirklich am 11. September

Dienstag, 11. September 2001. Der Morgen über dem Osten der USA graut wohltemperiert und fast wolkenlos. Millionen Menschen machen sich fertig, zur Arbeit zu gehen – viele von ihnen im New Yorker World Trade Center, andere im Pentagon, Virginia. Touristen standen Schlange vor dem Weißen Hause für eine Tour. Präsident George W. Bush verweilte in Saratosa, Florida, um eine Grundschule zu besuchen. Er lief seine morgendliche Jogging-Runde. Für jene, die zu Flugplätzen fuhren hätten die Wetterbedingungen für eine angenehme und störungsfreie Reise nicht besser sein können. Unter den Passagieren sind Mohammad Atta und Abd al-Asis Umari, die an Bord eines Linienfluges von Portland, Oregon, nach Boston gehen“.
Was sich wie der Beginn eines Stephen-King-Thrillers liest, sind die Anfangszeilen des 9/11-Reports der zehnköpfigen Kommission zur Untersuchung des mit fast 3.000 Opfern tödlichsten Terrorattacke auf die USA: Nach 18-monatigen Recherchen, dem Durchforsten von 2,5 Millionen Aktenseiten, Interviews mit 1.200 Personen in zehn Staaten (am prominentesten Bush und Vize Dick Cheney) lieferten je fünf Republikaner und fünf Demokraten unter Ex-New-Jersey-Gouverneurs Thomas H. Kean den wahrscheinlich finalen Eintrag in die Geschichtsbücher. Auf 527 Seiten decken sie unfassbare Missstände innerhalb der Regierung, der Geheimdienste, der Einsatz- und Streitkräfte der an diesem Tag recht wehrlosen Supermacht auf:
# 40 Milliarden Dollar geben die USA pro Jahr für 12 verschiedene Geheimdienste aus. Doch die behinderten sich eher gegenseitig, anstatt den Horrorplan von Superterroristen Osama Bin Laden zeitgerecht aufzudecken. Dazu gab es auch einen „Mangel an Vorstellungskraft“, so die Kommission. Drei Namen der insgesamt 19 Todesflieger wurden später in den Datenbanken der CIA und FBI gefunden. Versagt haben auch die Einwanderungsbehörden: 13 der Terroristen erschlichen sich Visa mit teils plump gefälschten Pässen und recht phantasievoll ausgefüllten Antragsformularen.
# Die Behörden – alles von der Bush-Regierung, der Luftfahrtbehörde FAA, der Luftabwehr bis zur New Yorker Feuerwehr – versanken in den chaotischen Stunden des Horrortages in einer teils makaber-humoristisch anmutenden bürokratischen Lähmung. Zum Abfangen der Todesjumbos losgeschickte F-15 mussten nach dem Herumirren über dem Luftraum von Long Island nachtanken, andere flogen in die falsche Richtung. Der Schießbefehl auf verdächtige Jumbos erreicht Piloten erst, als der Spuk bereist vorbei ist.
# Verheerend für Bush sind peinliche Details, wie ernste Warnungen vor dem Terror-GAU in den Wind geschlagen wurden – und danach wie im Wahn an einer Vergeltung gegen Iraks Saddam Hussein gewerkt wurde. Kean & Co enthüllte, dass es keinerlei „zielgerichtete Zusammenarbeit“ zwischen Bin Laden und Al-Qaida gab und eher der Iran bei dem Komplott behilflich war, nachdem Teheran zehn Terroristen unbehelligt zu ihrer Befehlsausgabe in Al-Qaida-Camps in Afghanistan reisen ließ. In einer Fußnote auf Seite 470 wird eine der vielen falschen Behauptungen entkräftet: „Die meisten Behauptungen über Verbindungen zwischen dem Irak und Al-Qaida in Sachen chemischer Kriegsführung und Sprengstofftraining kam von einem Zeugen, der seine Aussagen später vollständig widerrief“.
Der 9/11-Report beschreibt das Protokoll des Grauens derart packend, dass er über Nacht zum Bestseller in den Buchhandlungen wurde (100.000 Exemplare waren in den ersten 24 Stunden abgesetzt). Alle 19 Terroristen schaffen es am Morgen des 11. September in fünf verschiedenen Flughäfen – Portland, Boston, Newark und Dulles – durch die Sicherheitskontrollen, obwohl neun von ihnen aufgrund bestehender „Pre-Screening“-Sicherheitsprotokolle auffallen und extra durchsucht werden. Sogar einige der Teppichmesser, die späteren Mordwaffen, werden entdeckt: Die Klingen sind zehn Zentimeter lang, erst ab zwölf werden Messer einkassiert. Verwackelte, erst in der Vorwoche veröffentlichte Videoaufnahmen, zeigen die fünf Al-Qaida-Killer des Pentagon-Jumbos am Airport in Dulles bei Washington D.C. beim Durchschreiten der Detektoren, zwei werden extra gescannt, ihre Taschen geöffnet – alle dürfen zum Flugsteig.
Erste Anzeichen, dass an diesem Tag wenig nach Plan verlaufen werde, erkennen Fluglotsen im „Boston Center“: „American Airlines, Flug 11“, Boston nach L.A., antwortet nicht mehr. Der „Transponder“, der exakte Positionen von Jumbos vermeldet, ist abgeschaltet. Um 8:24 Uhr krächzt aus dem Funk plötzlich eine mysteriöse Meldung: „Wir haben einige Flugzeuge. Bleiben sie ruhig, dann wird ihnen nichts geschehen. Wir kehren zum Flughafen zurück“. Fatal ist, dass der Lotse den ersten Teil des Satzes, „Flugzeuge (!), Mehrzahl – das verräterische Kürzel über den Beginn eines groß angelegten Terrorschlages gegen die USA – nicht richtig verstanden hat. Der Fall wird als Flugzeugentführung behandelt, ein weiterer Funkspruch bestätigt: „Keiner bewegt sich“, ist Atta zu hören. Die Piloten sind da bereits tot, mit den legal an Bord gebrachten Messern erstochen.
Bestehende Protokolle sehen bei Jumbo-Entführungen einen langatmigen Behördenweg vor. Die Planer hatten angenommen, Zeit zu haben: Eine Landung der Jumbo sei zu erwarten, Erpressungsversuche, langatmige Verhandlungen, schlimmstenfalls die Erstürmung der Maschine. Flugkontrolleure der Luftfahrtbehörde FAA arbeiten in 22 regionalen Zentren. Die Luftwaffe hat nach dem Ende des Kalten Krieges im ganzen Land auf nur sieben Stützpunkten je zwei F-15-Jets startklar, „Norad“ (North-American Aerospace Defense Command) heißt das Militärkürzel. Die ersten entführten Jumbos fallen in den Sektor Neads. Ein Lotse missachtet die Vorschriften und unterrichtet die Militärs: „Hallo, hier Boston Center, wir haben ein entführtes Flugzeug, das sich auf New York zu bewegt, und wir brauchen eure Burschen, um … wir brauchen eine F-16, oder so was zum Hochjagen, um uns da rauszuhauen“. Neads antwortet verblüfft: „Ist das eine Übung?“ Die Militärs machen zwei Jets von der Otis Air Force Base startklar.
Aber wohin sollen die Maschinen fliegen? Flug AA 11 ist vom Radarschirm verschwunden. Als ihn Lotsen in New York wieder finden, ist es längst zu spät: Mit fast 800 Stundenkilometer rast die Boeing 767 zwischen den Stockwerken 92 bis 96 in den WTC-Nordturm. Das gespenstische Knirschen des Skyscrapers stellt den Startschuss zu 102 Horror-Minuten dar, die den ganzen Erdball in Lähmung versetzen. Sieben Minuten danach steigen die F-15 auf, von der zweiten entführten Maschine, United Airlines 175, die in Richtung WTC Südturm fliegt, wissen sich nichts. In Florida erzählt Stabschef Andrew Card dem Präsidenten, dass eine kleines, zweimotoriges Flugzeug in das World Trade Center gestürzt ist“. Im TV laufen Bilder, die den gigantischen Krater an der Spitze des 443 Meter hohen Turms zeigen. 16 Kinder warten auf Bush, er geht ins Klassenzimmer und nimmt sich ein Buch.
Als dürfte die USA an diesem Tag kein Glück haben, überwacht ausgerechnet der gleiche Fluglotse beide New-York-Todesflüge. Während er fieberhaft nach AA 11 sucht, fällt ihm nicht auf, dass gerade UA 175 den Transponder ausschaltet. Wertvolle Minuten sind verstrichen. Eine neue Lotsin übernimmt den Flug, versucht andere Regionalzentren zu warnen – wird am Telefon vertröstet: Man berate über Flugzeugentführungen und wolle nicht gestört werden. Da starren Kollegen im Zentrum New York bereits fassungslos auf ihre Radargeräte: UA 175 ist wieder aufgetaucht, befindet sich über New York im steilen Sinkflug – Kurs WTC, Südturm. Um 9:03 Uhr erreicht sie ihr Ziel: Der gewaltige Explosionslärm hallt durch die Hochhausschluchten von Lower Manhattan. Andrew Crad flüstert Präsident Bush in Saratosa ins Ohr: „Ein Angriff auf Amerika hat begonnen!“. Sieben Minuten lang bliebt Bush ratlos in der Klasse sitzen – eine makabere Schlüsselszene aus Michael Moores Kultdoku „Fahrenheit 9/11“.
In Boston hat ein schlauer Techniker genau in diesem Moment Attas ersten Funkspruch entschlüsselt. Stolz meldet er seinen Vorgesetzten: „Hey … Sind sie noch dran? So wie es aussieht, sagt dieser Typ auf dem Band ´Wir haben Flugzeuge…´“. „Sie haben was“, fragt eine weibliche Stimme, genervt. „Flugzeuge, Plural“, ruft der Techniker. „Da ist noch ein Flugzeug?“, fragt die Frau. Der Mann: „Ein zweites ist gerade ins WTC gestürzt.“ Die zwei WTC-Türme stehen in Flammen, Menschen springen hunderte Meter in die Tiefe, um dem schrecklichen Flammentod zu entgehen – für die FAA-Bosse ist die Lage jetzt ernst genug: „Wir müssen das Militär nun dringend heranziehen“. Die F-15 werden nach New York geschickt, durch das ziellose Herumkreuzen müssen sie erst mal wieder aufgetankt werden.
Nicht viel besser geht es an diesem Horrortages den Behörden in der angegriffenen US-Kapitale Washington. Um 9:10 Uhr bemerken Lotsen in Indianapolis, dass Flug AA 077 von der Flugroute ausschert. Die FAA-Leute wissen nichts von der Katastrophe in New York, sie starren auf Radar- statt TV-Schirme. „Niemand in den Chefetagen“, wundern sich die Autoren des 9/11-Reports, „kam auf die Idee, andere Jumbos vor der Entführungswelle zu warnen“. Die Systeme arbeiten gespenstisch parallel: Um 9:09 Uhr wird der Verlust als Crash gemeldet, als wären nicht gerade zwei entführte Jumbos ins New Yorker WTC gerast. Erst um 9:24 Uhr geht der Bericht weiter an die FAA-Zentrale in Washington. Langsam dämmert den Lotsen, dass die Maschine gar nicht abgestürzt ist.
Nun wird sie von Leuten in Dulles gesehen – als unbekanntes Flugobjekt, „das sich mit hoher Geschwindigkeit ostwärts bewegt“, wie sie zu Protokoll geben. Piloten der Luftabwehr erfahren von der fliegenden Bombe zufällig, dann fliegen sie ostwärts in Richtung offenes Meer. Niemand weiß warum. Einer der Piloten hatte geglaubt, ein russisches U-Boot hätte eine Missile abgefeuert und deshalb sei er im Einsatz. Bald sehen die Piloten Rauch über der Einschlagstelle im Pentagon aufsteigen. Die letzte fliegende Bombe wird von den Passagieren selbst entschärft: Der Flug UA 93 endet über Pennsylvania mit einem erst jetzt veröffentlichten Gespräch, nachdem sich Fluggäste vor der Cockpit-Türe zum Angriff sammeln. Pilot Ziad Jarrah fliegt wilde Kurven, um sie zu Fall zu bringen. Dann fragt er: „Ist es soweit? Ich meine, soll ich es runter bringen?“ „Ja, bring sie runter“, sagt ein anderer. Der Jumbo zerschellt.
Während Bush mit „Air Force One“ von Geheimbasis zu Geheimbasis fliegt, geht die Debatte über die Autorisierung zum Abschuss verbleibender Todesjumbos weiter. „Der Vizepräsident hat uns ermächtigt, verdächtige Flugzeuge zu verfolgen und abzuschießen“, ordnet eine Norad-Kommandant die Fluglotsen zum sofortigen Vermelden verdächtiger Jumbos an. Doch ein Lotse widerspricht lapidar: „Sorry, aber mein Boss hat nein gesagt…“

# 19. Juli: Kanns Kerry?

Senator John Forbes Kerry, „JFK II“ und Bush-Gegenkandidat beim November-Showdown um das Oval Office, bemüht sich redlich, doch das Wahlkämpfen ist nicht seine Stärke: Als ich ihn bei einem Auftritt vor der Schwarzen-Bürgerrechtsgruppe NAACP in Philadelphia beobachte, hat er nicht nur eine ihm recht wohl gesonnene Audienz, sonder eine durch die skandalöse Absage von Präsident George Bush tief verärgerte. Die 3.000 im Grand Ballsaal des Conventions Centers toben bei jeder von Kerrys Anspielungen an den Bush-Affront für farbige Wähler. „Ein Präsident ist so mächtig, dass er es sich leicht einrichten kann wo und wann er auftritt“, poltert Kerry und verspricht unter aufbrausendem Beifall: „Nach dem 2. November wird der US-Präsident mehr Zeit für euch haben!“
Doch meist, wenn er das Publikum bei der Deklaration seiner Visionen – bessere Gesundheitsvorsorge, globale Diplomatie anstatt leichtfertiger Kriege, mehr Jobs und soziale Gerechtigkeit – mitziehen will, bleibt der Applaus meist dürftig. Am Schluss muss NAACP-Boss Julian Bond sogar noch nachhelfen: „Gebt dem Senator eine ordentlich Runde Applaus“, ruft er. „Er hat viel mehr Charisma als ich dachte“, ist Dr. Delrio Legons-Berry, eine Medizinerin aus Philadelphia, trotzdem zufrieden mit dem Auftritt des Politikers: „Ich war noch ein wenig am Überlegen – doch jetzt hat er meine Stimme sicher“. Weniger nervös sind die Demokraten über Kerrys schüchterne Kampagne, nachdem er viel seiner Noblesse im Umgang mit dem knallharten Bush-Team abgelegt hat: Er nennt Bush indirekt eine Lügner, eine Präsidenten, der nur eine Ohr für die Reichen und Mächtigen habe, einer der GIs in die Krieg schickt, weil er „will“ und nicht weil er „muss“.
Nach der Kür des charismatischen Sunnyboys John Edwards liegt Kerry in Umfragen meist knapp in Führung, mit 49 zu 45 Prozent etwa laut „Time“. Bei den „Conventions“ (Nominierungsparteitag) nächste Woche will er sich der Nation vorstellen (Spielberg-Freund James Smoll hat sein Leben im Hollywood-Style dokumentiert), den neu gefunden Aufhänger seiner Kampagne „Gestärkt zu Hause, respektiert in der Welt“ vermarkten – und gegen Bush mal deutlich davon ziehen, bevor der Präsident in New York End August beim Republikaner-Parteitag zurückschlagen kann. Die Conventions sind sorgfältig choreographierte Polit-Spektakel: Vier Tage lang werden Demokraten-Stars von Bill & Hillary Clinton, Jimmy Carter, Al Gore bis sogar Reagan-Sohn Ron – den 192 Zentimeter großen, schlaksigen Massachusetts-Senator preisen – bevor er mit seiner Grundsatzrede die heiße Phase des Wahlkampfes eröffnet. Vorbild für Boston ist Bill Clintons Parteitag 1992: Mit 24 Prozent Vorsprung katapultierte sich der auf permanenten Siegeskurs gegen Bush senior.
Doch Amerikas Linke und die Welt fragen sich bange: Kann es Kerry schaffen? Und wie würde der Langzeitsenator als Präsident Nr. 44 regieren? Seine Bio und Polit-Bilanz bieten Anhaltspunkte:
# Kerry hat bisher Kampfstärke demonstriert. Und, fast wie einst „Comeback-Kid“ Clinton, konnte er seine im Herbst 2003 als gescheitert betrachtete Kampagne retten und bei den Primaries in Iowa und New Hampshire auf Siegeskurs bringen. Und mit 20-Jahren im Senat ist er ein Polit-Profi, der „kaum Fehler begeht“, wie selbst der konservative Kolumnist Robert Novak einräumt. Dazu sprengt Kerry als formidabler Spendensammler alle Rekorde: 180 Millionen Dollar sammelte er in nur wenigen Monaten und stellte damit Waffengleichheit mit Bush her.
# Bushs Außenpolitik prangert Kerry gerne als die „arroganteste, unfähigste, rücksichtsloseste und ideologisch eingefärbteste in der moderne Menschheitsgeschichte“ an. Kerrys eigene Bilanz hingegen bietet wegen der wechselnden und widersprüchlichen Ansichten eine breite Angriffsfläche für die Bush-Wahlkampfkrieger: Kerry stimmt gegen Golfkrieg I, forderte dann jedoch den Abschuss von Saddams Helikoptern beim Niederschlagen des Kurden und Schiitenaufstandes. Dann autorisierte Kerry Bushs Irakkrieg, doch stimmte später gegen eine 87-Milliarden-Dollar-Antrag zur Finanzierung der Besatzungstruppen. Kerry hat einen Abzug der GIs aus dem Irak gegen den Widerstand der Parteilinken bisher ausgeschlossen – doch er will durch die Einbindung von NATO und UNO Amerikas Präsenz reduzieren. Deutlich rückt er von Bushs globalen Rambokurs ab. „Amerika ist sicherer, wenn es in der Welt respektiert und nicht gefürchtet wird“, sagt Kerry.
# Der Senator ist weit liberaler als etwa Zentrist Clinton, ist etwa gegen die Todesstrafe (mit der Ausnahme von Terroristen…). Die Konservativen-Zeitung „National Journal“ hatte sein Senats-Abstimmungsverhalten mit einem Score von 96,5 Prozent als „liberalstes aller Zeiten“ klassifiziert.
Doch was steckt hinter John Kerry, dem Menschen? Sein Familienstammbaum ist so schillernd wie kaum ein Präsidentschaftsanwärters zuvor – umspannt mehrer Jahrhunderte, Kontinente und Religionen. Kerrys Großvater Frederick etwa hieß einst Fritz Kohn, war wie seine Frau Ida Löwe jüdisch und managte die Schuhfabrik seines Onkels, Alfred Frankel, in Mödling. Doch Kohn hatte genug vom latenten Antisemitismus der vorigen Jahrhundertwende, änderte seine Namen auf Frederick Kerry, seine Religion auf katholisch. Am 18. Mai 1905 erreichte er mit dem Dampfer „Königen Luise“ den Hafen New Yorks. In Boston brachte er es rasch zu neuem Wohlstand. 1921 verfasste er nach schwerem Asthmaleiden und finanziellen Rückschlägen plötzlich ein Testament, fuhr in das schicke Copley Plaza Hotel, dem Intreff der Reichen, zog in der Hoteltoilette eine Pistole aus der Jackentasche und schoss sich in den Kopf. Die Gäste im noblen Speisesaal zuckten beim lauten Knall zusammen. John Kerry selbst erfuhr Details über sein jüdisches Erbe und dem tragischem Suizid erst durch die Recherchen des „Boston Globe“ 2003 (!). „Er war völlig überrascht, er hatte wirklich keine Ahnung“, sagt Milliardärs-Gattin. Heinz-Ketchup-Erbin Teresa Heinz Kerry. „Wie oft war schon in diesem Hotel, völlig ahnungslos“, sagte Kerry fassungslos zu den Reportern. Fredericks Sohn Richard, Kerrys Dad, heiratete mit Rosemary Forbes in eine fast royale Familie. Der Winthrop-Zweig ihrer Mutter Margaret reicht zurück bis John Winthrop, einem 1588 in England geborenen Puritaner, der zum ersten Gouverneur der „Massachusetts Bay Colony“ wurde. Die Forbes-Vaterlinie geht zurück bis „Reverend“ John Forbes, der 1973 vom Britischen Empire den wichtigen Posten in der Kolonie „East Florida“ erhielt.
Durch seine elitäre, abgeschirmte und oft in Übersee verbrachte Kindheit und Jugend wollten die Bush-Krieger Kerry als „blaublütig“ und „nicht im Takt mit den einfachen Bürgern“ etikettieren: Er absolvierte Internate in der Schweiz, das elitäre „St. Paul´s“ in New Hampshire, dann, wie Bush, die Eliteuni Yale. Kerry geht nach Vietnam, der Horror seines Einsatzes als Kapitain des „Swift“-Bootes, Nr. 44, sollte sein Leben und spätere Polit-Karriere prägen: In den Freifeuer-Zonen darf auf alles geschossen werden, was sich bewegt, ist er traumatisiert. Mit großem Bravado erhält er Verdienstkreuze in Serie und rettet mehreren Kameraden das Leben, darunter James Rassman, den er auf einem Wahlkampf-Podium in Iowa tränenreich umarmte.
Doch national berühmt wird Kerry erst als Vietnam-Kriegsgegner, als er als im Frühjahr 1972 als Zeuge im Senat Gräuel und Sinnlosigkeit des Südostasien-Militärabenteuers anprangert samt Verbrechen der US-GIs: „Sie haben vergewaltigt, Ohren abgeschnitten, Menschen geköpft, Genitalien verkabelt und Stromstösse erteilt, Gliedmaßen abgetrennt, Dörfer niedergebrannt“, so Kerry. Nach Aktivitäten in der Friedensbewegung der 70iger, eine Jusstudium und einer Karriere als Staatsanwalt, schafft er 1984 den Einzug in den Senat – und macht sich einen Namen als knallharter Aufdecker.
Kerry hat trotz dem Aufwachsen in der Oberschicht Neu Englands in den Geldadel geheiratet, zuerst Julia Throne, die an Depressionen litt und von der er sich trennte (und als Katholik zwecks Kommunions-O.K. sogar um Annullierung ansuchte) – und 1995 Heinz-Ketchup-Erbin Teresa: Gemeinsam sind die Heinz-Kerrys jetzt eine Milliarden Dollar schwer, so reich wie kein White-House-Anwärter zuvor. Um den einfachen Bürger mit dem persönlichen Arsenal an Golfstream-Privatjets, Riesenhäusern in Amerikas exklusivsten Gegenden oder Designer-Anzügen nicht völlig vor den Kopf zu stoßen, greift Kerry gerne auf die Kindheit seines „Running Mate“ John Edwards zurück: Der hat zwar als Staranwalt Millionen gescheffelt, doch kann zumindest rührende Geschichten als Sohn eines Stahlhütten-Arbeiters in der Provinz South Carolinas erzählen.

# 12. Juli: Ein Running Mate für Kerry

So viel Grund zum Jubeln hatten Amerikas Demokraten seit Jahren nicht mehr. Inmitten einem Menschenmeer von 3.000 jubelnder Frauen in einem Hangar am Hudson-Fluss in New York steht Präsidentschafts-Kandidat John Kerry. Dann springt sein frisch gekürter „Running Mate“, John Edwards, plötzlich auf die Bühne – und schrilles Kreischen wie bei einem Popkonzert braust auf. Mindestens 250 Dollar haben die Mitglieder Kerry-freundlicher Frauenorganisation für die Wahlkampfkasse bezahlt – jetzt kommen sie voll auf ihre Rechnung. „People Magazine hat John Edwards zum sexiesten Politiker gewählt“, wiederholt Kerry einen seiner neuen Standard-Pointen: „Und ich, immerhin, lese People-Magazin“.
Tatsächlich glauben die Demokraten nach der Edwards-Nominierung noch fester an eine Machtübernahme im Oval Office am 2. November: Kerry habe Selbstbewusstsein demonstriert, da er einer Charme-Infusion aus Eitelkeit nicht im Wege stand, selbst wenn Sunnyboy Edwards den oft hölzernen, schlaksigen Massachusetts-Senator an Charisma weit überstrahlt. Dazu rollte Kampagnenmanager eine exzellent choreographiertes, regelrechtes Liebesfest in den US-Medien aus: Da standen die Edwards- und Kerry-Familien zusammen im üppigen Grün des Garten eines Anwesens der Kerry-„Ketchup“-Milliardärsgattin Teresa Heinz, der vierjährige Edwardsspross Jack wurde prompt von Kerry als neuer Kampagnen-Manager gekürt und mediengerecht auf den Arm genommen. Gemeinsam mit der sechsjährigen Emma-Claire bekamen die Amerikaner die „süßesten Kinderbilder“ seit den JFK-Kids John und Caroline serviert, urteilte „Time“. Dann wurden John & John beim American-Football spielen gefilmt, in Serieninterviews betonten die Ex-Gegenspieler aus den Vorwahlen gerne: „Wir verstehen uns wirklich prächtig“ oder „das Vertrauen zwischen uns wächst täglich“.
Enttäuscht sind die Demokraten jedoch, dass sich Kerry durch den erhofften, so genannten „Bounce“ (Sprung nach oben) in den Umfragen noch nicht aus der statistischen Schwankungsbreite im Showdown mit Amtsinhaber George W. Bush katapultieren hatte können: Mit 49 zu 45 Prozent führt Kerry laut einer Time-Umfrage nach wie vor nur ganz knapp. Doch Politologen machen die historische Polarisierung der USA verantwortlich: „Fast nichts kann an der bitteren Teilung des Landes zwischen Republikanern und Demokraten rütteln“, sagt „Columbia“-Politologe Bob Shapiro.
Wer ist John Edwards, der bei einem Kerry-Wahltriumph künftige US-Vizepräsident? Aufgewachsen in schlichten Verhältnissen im Nest Robbins, South Carolina, schaffte es Edwards als erster in seiner Familie zum Studium, als Anwalt sollte er künftig Millionen scheffeln und Riesenentschädigungen für Klienten in zahllosen Verfahren gegen Corporate America erstreiten. Bloß fünfeinhalb Jahre diente Edwards im Senat, seine angeblich „mangelnde Erfahrung“ wurde prompt von Bush angeprangert. Auf die Frage, was Edwards von Vize Dick Cheney unterscheide, schnappte Bush: „Cheney könnte Präsident sein!“ Ins nationale Rampenlicht schaffte es Edwards in den Demokratenvorwahlen als „bester Wahlkämpfer seit Generationen“, so Demokraten-Guru James Carville. Als ich ihn bei einem Auftritt im Dorf Gorham im Norden New Hampshires beobachte, entfaltet er sein rhetorisches Repertoire: Sofort stellt er wie der Kumpel von nebenan eine Verbindung mit den Bürgern her, wettert gegen die Ungerechtigkeiten eines zweigeteilten Amerikas, eines für die Reichen, das andere für den hart arbeitenden Rest des Landes. Beobachtet wurde nun der erste Ansteckungseffekt auf Boss John Kerry: Mit Edwards an seiner Seite agierte er bereits viel lockerer.