Stories 2007-07


# 31. Juli: Brennende Fragen über Crescent


“Crescent Security Group”, die kleine, private Sicherheitsfirma unter Boss Franco Picco, für die der Österreicher Bert Nussbaumer und vier weitere, am 16. November im Irak entführten Amerikaner werkten, soll eine der schlimmsten Firmen in der ohnehin fragwürdigen Branche privater Irak-Sicherheitsunternehmen sein, so die US-Zeitung “Washington Post”. Wenige Monate nach dem Kidnapping musste Crescent, gegründet 2003, zusperren, da die US-Armee den Zutritt zu ihren Militärbasen verwehrte. Bei einer Razzia der US-Militärpolizei im Februar waren 143 Bierdosen, illegale Steroide, dazu für private Sicherheitsfirmen verbotene Waffen, inklusive Raketenwerfen gefunden worden. Dazu hatte Crescent eigene Ausweise ausgestellt, die nicht durchleuchteten Irakern Zutritt zu US-Militärbasen gab.
Obwohl die Firma bis zu 800.000 Dollar pro Monat von der US-Regierung kassierte, wurde an Kosten gespart, was das Kidnapping begünstigte: Nur sieben Crescent-Mitarbeiter hatten am Entführungstag einen Riesenkonvoi aus 37 Fahrzeugen begleitetet. Andere Sicherheitsfirmen stellen 20 Leute für zehn Vehikel ab. Dazu hatte Crescent verabsäumt, den Konvoi im Militärkontrollzentrum in Bagdad anzumelden: Dadurch war die Kommunikation nach dem Kidnapping erschwert und wertvoll Zeit verloren gegangen. “Das ist geistesgestört”, so ein Branchenkenner.
Vertrauen konnte Crescent auch einem Großteil seiner eigenen Mitarbeiter kaum, besonders den Irakern: Kurz vor dem Kidnapping war das gesamte Waffenarsenal gestohlen worden, dutzende AK-47-Maschinenpistolen, kugelsichere Westen und Munition. Picco musste Teile des Diebsguts am Schwarzmarkt zurückkaufen. Laut einem Geheimdienst-Report waren zwei der Kidnapper Ex-Crescent-Mitarbeiter, das ganze ein “Inside Job”: Ein Sicherheitsmann, dem die Flucht gelang, sagte aus, er hätte sie eindeutig unter den Entführern erkannt.
Ex-“Sicherheitsdirektor” Scott Schneider beschuldigt jedoch die Entführten: “Die haben einen Fehler nach dem anderen gemacht”. Doch Schneider selbst war gefeuert worden, nachdem eine Vorverurteilung wegen “häuslicher Gewalt” in den USA bekannt wurde. Ex-Mitarbeiter Brad Ford sagte, Crescent sei “die schlimmste Firma, für die er jemals werkte”.
Die Entführten drückten ihre Frustration in Interviews, die alle vier zufällig vor der Entführung einem “Post”-Reporter gaben, aus und beschreiben dazu den Horror ihres Jobs. Sie erzählen aber auch über ihre Motive, als Privatkräfte im Irak zu arbeiten. Jonathan Cote (23) zog es nach Kuwait, da ihm ein Freund über 7.000 Dollar pro Monat Gehalt und Jet-Skiing in Kuwait in den Arbeitspausen erzählte. “Was für ein Irrtum”, sagte er. Die vier Amerikaner hatten alle militärische Erfahrung: Zwei, Cote und Joshua Munns (24), dienten als “Marines” im Irakkrieg, Paul Reuben (40), Dad von 16-jährigen Zwillingstöchtern und John Young (44), Vater einer 15-jährigen Tochter und eines 19-jährigen Sohnes, dienten davor. Doch bei Crescent fehlte ihnen die Kamaderie, die sie von der Armee gewohnt waren. “Bei Crescent gab es nur wenige, für die ich eine Kugel abfangen würde”, so Munns. Cote kritisierte, dass er jegliche Diszipliniertheit, die er als GI gewohnt war, vermisse.
Der “Crescent”-Arbeitsalltag war brutal: Die Boys lebten in einem schlichten Bau in Kuwait City, Doppelbetten, Betonboden. In Khaki-Hosen, schwarzem T-Shirt mit Crescent-Logo warteten sie oft stundenlang im Staub und sengender Hitze vor der kuwaitisch-irakischen Grenze. Und dann die konstanten Attacken. Reuben hatte am Tag des Interviews bereits 73 Tage nonstop gearbeitet: “Die Mörser-Angriffe sind die schlimmsten, die ich jemals erlebte”, zittert er. Nahe der “Tallil Air Base”, wo auch der 37-Fahrzeuge-Konvoi am Entführungstag hinsollte, luden sie im August die Körperreste eines irakischen Kollegen in einen Sarg. “Wir wussten nicht mal wo vorne und hinten ist”, so Cote.

# 31. Juli: Arnie feiert Sechziger inmitten Budget-Showdown

Gerne hätte “Governator” Arnold Schwarzenegger am Montag seinen Sechzi-ger mit einem Deal über das 145-Milliarden-Dollar-Budget Kaliforniens in der Tasche gefeiert – doch das Parlament in der Polit-Kapitale Sacramento machte ihm einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Widerstand kommt vor allem aus Arnies eigener Republikaner-Partei, die auf brutale Kürzungen auch im Sozialbereich bestehen, um das Defizit von nun 700 Millionen auf Null zu drücken. Arnie selbst hätte sich anfangs sogar mit 1,6 Milliarden De-fizit zufrieden gegeben. Der Budget-Showdown zieht sich bereits in die fünfte Woche nach der Dead-line zur Verabschiedung des Kalifornien-Haushalts – und kratzt an Arnies strahlendem Image, das ihm im Vorjahr eine triumphale Wiederwahl be-scherte und zum Star der US-Politik werden ließ, besonders durch seine am-bitionierte Klimapolitik. Seine Popularität fiel zuletzt von 65 % auf 59 % in bloß einem Monat, so eine Umfrage des “Public Policy Institute”. Als Haupt-grund nennen Bürger das Budget-Drama.
Arnie erhöhte zuletzt den Druck, als er warnte, durch die Krise könnten Ge-hälter etwa für Feuerwehrleute mitten in der Waldbrand-Hochsaison ausblei-ben. Kritisiert war auch worden, dass Arnie sich anfangs zu wenig in die Budgetverhandlungen eingebracht hatte – und sich lieber in Österreich, Frankreich und Großbritannien als Umweltretter feiern ließ, wie vor allem konservative Kommentatoren ätzten. Nun hat er seinen Terminkalender für die ganze Woche freigeräumt, um das Budget durchzupeitschen.
Probleme hat Arnie auch mit der latenten Krise um Kaliforniens überfüllte Gefängnisse: Ein Bundesrichter hatte zuletzt seinen Plan zum Knast-Ausbau um 7,8 Milliarden Dollar als “völlig unzureichend” abgeschmettert. Die Bun-desbehörden drohen inzwischen unverholen, Kaliforniens Haftanstalten “zu übernehmen”, was eine Riesenblamage für Arnie wäre.

# 30. Juli: Iraker fordern Absetzung von US-General Petraeus

US-Präsident George W. Bush könnte vor dem nächsten, katastrophalen Rückschlag im Irak stehen: Die Spannungen zwischen Iraks Premier Nuri al-Maliki und den US-Besatzern sind zuletzt derart eskaliert, dass die Iraker hinter den Kulissen bereits ein Absetzen von Irak-General David Petraeus fordern. Der Einsatz von Petraeus wird von Bush stets als wichtigstes Argument genannt, warum seine letzte Offensiv-Strategie (“Surge”) nun funktioniere. Hauptgrund für die Wut von Maliki, einem Schiiten, ist die Bewaffnung von Sunni-Gruppen durch die Amerikaner. Diese Milizen wären beim Kampf gegen Al-Kaida im Irak behilflich, argumentieren US-Militärs. Petraeus braucht die volle Unterstützung des Maliki-Regimes, um bis Mitte September dem Kongress positive “Surge”-Resultate präsentieren zu können. Es komme mitunter zu „Schreiduellen“, berichten Insider der Nachrichtenagentur AP. Dazu beschwere sich Maliki, dass versprochene Waffenlieferungen ausbleiben.

# 30. Juli: Neues Dreamteam Bush-Brown?

Die Bürgerkriegshölle Irak dominiert auch das erste Meeting zwischen US-Präsident George W. Bush und dem neuen Briten-Premier Gordon Brown, der “Bush-Buddy” Tony Blair kürzlich ablöste, in Camp David. Es ist der offizielle Startschuss einer neue Ära in den amerikanisch-britischen Beziehungen, die jedoch rasch abkühlen könnten: Britische Regierungsfunktionäre hatten vor dem Gipfel abgetestet, wie die USA auf weitere massive Truppenreduktionen im irakischen Südsektor um Basra reagieren würde.
Schon Ende des Jahres könnten die Briten die gesamte Verantwortung für die Sicherung Basras an die Iraker übergeben. In Kürze sollen sich die 5.500 Briten-Soldaten in ein neues Hauptquartier beim Flughafen außerhalb der Schiiten-Metropole zurückziehen – ein klares Signal “für eine Ende britischer Militär-Präsenz im Irak”, schrieb die New York Times.
Die Taktik könnte auch Konsequenzen für den Entführungsfall des Österreichers Bert Nussbaumer und vier US-Kollegen, die nahe Basra festgehalten werden sollen, haben: Die US-Familien warnten gegenüber ÖSTERREICH, dass ein Briten-Abzug die Befreiung der Geiseln erschweren könnte.
Das Irak-Abenteuer ist der Briten-Armee lange ein Dorn im Auge. 163 Soldaten sind seit Kriegsbeginn gefallen. Zwei Kriege gleichzeitig zu führen, überstrapaziere Großbritanniens Streitkräfte, warnen Militär-Experten: Man wolle sich lieber auf den “sinnvolleren Krieg in Afghanistan” konzentrieren.
Das erste Bush-Brown-Treffen wird keine Wiederholung des “Colgate-Gipfels”, als eine strahlender Blair an Bushs Seite verkündete, beide würden sogar die gleiche Zahnpasta verwenden. Trotz aller Beteuerungen Browns über die “wichtigste bilaterale Beziehung Großbritanniens” erwarten viele unter dem intellektuelleren und pragmatischeren Brown eine Abkühlung zu Amerika, zumindest für die letzte 18 Bush-Monate. Blair war in der Britenpresse als “Bushs Puddel” verunglimpft worden. Brown könnte in die Fussstapfen von Margaret Thatcher oder Winston Churchill treten, die trotz enger Bände zu Amerika ihre eigenen Ziele verfolgten.

# 29. Juli: Arnies erste Liebe packt aus…

“You ahre so sayksie, I must ahsk you owet on a date”, hört die Studentin und Aushilfskellnerin Barbara Baker, 21, glattes blondes Haar und tolle Figur, plötzlich hinter ihr eine tiefe Stimme dröhnen. Sie dreht sich um und starrt auf einen Muskelberg: Arnold Schwarzenegger, 22, Einwanderer aus Thal, Austria, Bodybuilder. Wilde Gedanken schießen ihr durch den Kopf: “Wer ist diese komische, griechische Heldensaga-Kreatur? Was ist das für eine Sucht, so hart an einem so unnötigen Körper zu arbeiten?” Alle diese brennenden Fragen sollten in der folgenden, sechsjährigen Romanze mit dem heutigen “Governator” ausreichend beantwortet werden.
Und Baker, die heute nach einer Karriere als Englisch-Professorin in Texas lebt und bezahlte Vorträge über das “Erfolgsprinzip Arnold” hält, hat in ihrer Bio “Arnold and me” (Verlag: AuthorHouse, 325 Seiten) viele der Geheimnisse über den Beginn der steile Karriere des Steirers in seinem geliebten Kalifornien enthüllt: Wie der “ungehobelte Klotz” mit seinen “unmöglichen Tischmanieren” die Herzen erobert, sich zum besten Bodybuilder der Welt emporarbeitet, die Fundamente für seine Filmkarriere legt. Und das alles mit jeder Menge Hetz und “Maui-wowie” (Marihuana aus Hawaii), derben Schmähs, teils unfassbarem Matchoismus – und enorm viel Sex. Die Beziehung zerbrach letztendlich, “da mein oberstes Ziel die Heirat war”, so Baker, “und ich seine Träume nach immer Höheren nicht einmal richtig verstanden habe”. Ihr wildes Leben mit Arnie hat sie in einem Tagebuch detailliert notiert, das Grundlage für die Enthüllungs-Bio diente.
“Kurz nachdem Bodybuilder Schwarzenegger in den USA gelandet war”, so Baker auf Seite 27, “verlor er prompt einen Wettkampf in Florida: Es gab Tränen, getröstet hat er sich mit den Zimmermädchen im Hotel. Dann kam er nach ,Kahl-ee-forn-ia´, landete am Muscle Beach, damals eine echte Lachnummer am coolen Strand von Santa Monica. Obwohl Arnold sieben Jahre im österreichischen Schulsystem Englisch lernte, waren seine Sprachkenntnisse rudimentär. Dazu kam selbst der in seiner eignen Sprache dicke Akzent. Nachdem vor mir auch seine Girl Friends mit Sprachunterricht ausgeholfen hatten, formierte sich ein Vokabular aus vielleicht 100 Worten, die meisten Kraftausdrücke aus dem Fitness-Raum”.
Arnie holt Barbara zum ersten Date gerade ab, als Neil Armstrong am Mond landet. “Gemeinsam starrten wir in das TV-Gerät, fasziniert von diesem Moment an aufregendem Optimismus. In einfachen Sätzen unterhielten wir uns über die geniale Kraft der Wissenschaft. Sofort zog mich sein unbändiger Enthusiasmus in den Bann”. Die Beziehung vertiefte sich, und obwohl sie meist viel Spass miteinander hatten, so Baker auf Seite 40, “trieb mich sein Zorn beim Autofahren zur Verzweiflung, samt seinem lebensgefährlichen Fahrstil. Zur Verbesserung seines Englisch redete ich nonstop mit ihm und versuchte mich, seinem tiefen Niveau anzupassen. Meinen Wunsch nach Jungfräulichkeit formuliert ich so: Schlafen in Bett ja, Sex, nein! Trotzdem erklärte er mir plötzlich, als wir im Auto nach Hause fuhren: ,Tonight is zie night. Vi vil have sex´”. Doch erst später gibt sie nach, schreibt Baker: “Mitten in meinen wilden Mix an emotionalen Gefühlen über das Aufgeben meines Schwures nach Jungfräulichkeit bis zur Hochzeitsnacht und die Rebellion gegen die ganze, konservative Erziehung durch meine Eltern platzte Arnold: ,Nun, jetzt bist du keine Jungfrau mehr, Bah-Bah-rah!´ Ich mache Liebe zum ersten Mal in meinem Leben und das ist alles was er zu sagen hat?, schoss es mir in Kopf. Er haute sich bloß ab und tat so, als sei das alles nur ein Scherz”. Arnold hätte extrem konservativ über Frauen gedacht, wollte, dass sie zu Hause bleiben und für ihn und seine Freunde aufkochen, so Baker auf Seite 54. Arnolds Deal war nicht übel: “Er erhielt Gratisstunden in Englisch, Etikette, Tischmanieren, wurde bekocht, hatte eine Sekretärin, eine Haushälterin – und leidenschaftlichen Geschlechtsverkehr”. Retour kam blanker Matchoismus: “Ich will eine Frau, die mich 100 Prozent unterstützt und nichts retour erwartet”, wird auf Seite 105 enthüllt.
Verletzt hätten sie vor allem seine derben Witze, besonders, wenn er sie vor seinen Bodybuilder-Buddies runtermachte. Baker: “Er rief in die Runde: ,Ihr wisst ja wie sie ist, wenn sie die Regel hat! Komm Barbara, zeig uns endlich gute Laune´ Ich war zutiefst erniedrigt. Mein Gehirn appellierte an mich: Du musst ihn verlassen! Doch mit seiner entwaffnenden Art, samt dem ,Schtapsel, you know you´re zie best´ ließ ich mich jedesmal wieder breitschlagen”. Einmal trug sie sich sogar mit Selbstmordgedanken, als Arnie Silvester lieber mit Freunden feierte, als mit ihr alleine. “Ich liebe einen Mann, der mich zwar braucht, jedoch nicht so liebt wie ich ihn”, kritzelte sie in ihr Tagebuch: “Er profitiert von meinen Talenten, er kontrolliert mich, ich bin eine Marionette am Faden, die er nach belieben hochhebt oder fallen lässt”.
Schockiert hat Baker mitunter auch Arnies zur Schau getragene, emotionelle Kälte, wohl das Resultat einer schweren Jugend unter einem strengen, prügelnden Vater: “Immer wieder klang eine echte Hassliebe zu seinem Heimatland durch, etwa als er behauptete: ,Kalifornier können Erfolg haben, sie können sich nach oben kämpfen – in Österreich hingegen stecken alle fest´”. Das Verstecken seiner Gefühle hätte fast seine Hollywood-Karriere verhindert, wird auf Seite 154 erläutert: “,Du kannst es!´, redete ich nach einer Schauspielkursstunde auf ihn ein: ,Fühle deinen Schmerz, erinnere dich an die Ablehnung durch deinen Vater, die Passivität deiner Mutter, reiß deine Muskelwand ein und fühle!´Seine Fortschritte waren so zeitlupenartig, dass es fast weh tat”.
Baker schildert aber auch Arnies Zielstrebigkeit, unternehmerischen Instinkt (26-Jährig war er durch Immobilien-Investments bereits Millionär) und Talent zum “Networking”, der Suche nach Persönlichkeiten, die ihm bei seinem Aufstieg vom Muskel-Freak zum Sex-Symbol und Hollywoodstar behilflich sein könnten. Heute nennt sie es “Erfolgsprinzip Arnold”, dass sie gegenüber ÖSTERREICH so erklärt: “Finde deine Stärke und ein Ziel. Fokusiere mit 100% darauf. Verwende alle Ressourcen, nütze jede Chance. Und wenn du es geschafft hast, analysiere deinen Erfolg, um das Modell zu verstehen und später wiederholen zu können”.
Dass seine Beteuerungen “Schatzi, don´t choo voory – I never vud cheat on you” kaum stimmten, erfährt Baker erst nach dem Breakup, im Buch auf Seite 167: “Eine Freundin schenkte mir schließlich reinen Wein ein. ,Er hat dich betrogen, mehrmals´, sagt sie:´Als du verreist warst hatte er hier so richtig wilde Parties´”. Auch danach treffen sie sich zum gelegentlichen Sex, einmal verschwindet Arnie in der Dusche und gesteht, noch ein “Mitternachts-Rendevous” zu erwarten. Zweifel an seinem Aufstieg hatte der Einwanderer nie. Bereits 1980 erzählte er Barbara beim Lunch: “Ten years from now I vil be zie governor of Kahl-ee-fornia”.

# 28. Juli: Mit Windeln nach Orlando

Es war sicher einer der bizarrsten und peinlichsten Vorfälle in der 49-jährigen NASA-Geschichte: Astronautin Lisa Nowak (44) war mit dem Auto von Houston, Texas, 1.600 Kilometer nach Orlando, Florida, gerast. Sie trug Windelhosen, um Pinkelpausen zu minimieren. In einer Flughafen-Parkgarage attackierte sie Colleen Shipman (30), eine Ingenieurin in einem Luftwaffenstützpunkt, bei einem Entführungsversuch mit einem Pfefferspray. Nowak war zusätzlich bewaffnet mit einer Luftdruckpistole und einem Messer. Wie sich herausstellte, war Shipman der Grund gewesen, warum Astronauten-Kollege William Oefelein (41) eine zweijährigen Affäre mit Nowak beendet hatte. Nowak, verheiratet und Mutter dreier Kids, wurde angeklagt wegen “versuchtem Kidnapping” und “Körperverletzung”. Sie erwartet ihren Prozess. Die groteske Episode hatte nach einem tagelangen Medieninferno die NASA zur Lachnummer werden lassen. Der Amoklauf begann, als Nowak Emails ihrer Liebesrivalin an Oefelein entdeckte: “Ich würde dir das Gewand vom Leib reißen, doch am Boden werfen und wilde Liebe machen wollen”, freute sich Shipman da auf ein bevorstehendes Rendezvous.

# 28. Juli: Besoffen im All?

Houston wir haben ein Trink-Problem! In den USA herrscht wenige Tage vor dem Start der Raumfähre “Endeavour” Aufregung über die Enthüllung, dass NASA-Astronauten vor Weltall-Missionen mehrmals sternhagelvoll waren. Die peinlichen Details stammen aus einem internen NASA-Untersuchungsbericht über die “mentale Stabilität von Astronauten”, der nach dem bizarren Amoklauf der Shuttle-Kommandantin Lisa Nowak, die wegen eines Kidnap-Komplotts einer Liebesrivalin angeklagt ist, in Auftrag gegeben wurde.
Der Report beschreibt “exzessiven Alkoholkonsum” zumindest zweier Astronauten, der ihre Einsatzfähigkeit “enorm herabgesetzt” und ein “Risiko für die Mission” dargestellt habe. NASA-Ärzte hätten darüber Bescheid gewusst, jedoch trotzdem die Starterlaubnis für die torkelnden All-Stürmer erteilt. Das Kippen von Martinis ist ein klarer Verstoss gegen NASA-Regeln: Es herrscht striktes Alkoholverbot 12 Stunden vor “Lift off”.
NASA-Sauforgien sind Legende, beschrieben auch in Tom Wolfes Bestseller “The Right Stuff”. Buzz Aldrin, der zweite Mann am Mond, war, wie später bekannt wurde, Alkoholiker.
Zusätzlich sorgt auch ein Fall an Sabotage für blanke Nerven im Weltraumbahnhof Cape Canaveral: Bei einem Hightech-Computergerät, das in der “International Space Station” (ISS) installiert werden hätte sollen, waren für die Funktionstüchtigkeit entscheidende Kabel innerhalb des Gehäuses von Mitarbeitern einer angeheuerten Fremdfirma absichtlich durchschnitten worden. Die Sabotage wäre jedoch so amateurhaft und offensichtlich gewesen, dass der Schaden vor dem Endeavour-Start am 7. August “sicher entdeckt” worden wäre, beteuerte ein Sprecher der US-Weltraumbehörde. Das Gerät soll Spannungen in einem Verbindungsteil der Station messen und zur Bodenstation funken. Der eklatante Verstoß gegen die Sicherheitsbestimmungen ist jedenfalls ein weiteres “blaues Auge” für die NASA.

# 27. Juli: So will Arnie das Klima retten

Kaliforniens Governator Schwarzenegger hat den Klimaschutz zu seiner wichtigsten Agenda erhoben und mit einer Serie von Initiativen und Gesetzen weltweit für Aufsehen gesorgt: Der “Global Warming Solutions Act” (2006) sieht eine Reduktion des CO2-Ausstosses um 25 % bis 2020 und eine weitere Reduktion von gar 80 % bis 2050 vor. Eine verpflichtende Beimengung von mindestens zehn Prozent Biosprit in KFZ-Treibstoffe bis ebenfalls 2020 soll den Markt für Biosprit verdreifachen. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen sieben Millionen (!) Hybrid-Fahrzeuge auf Kaliforniens Straßen rollen. Durch internationale Deals mit Großbritannien, Kanada oder Australien will Arnie den Handel mit CO2-Gutscheinen – und mit Initiativen wie “eine Million Dächer mit Solaranlagen” oder dem “Wasserstoff Highway” die Verbreitung von Alternativenergien ankurbeln. Arnie legt es sich auch mit Bushs Umweltbehörde EPA an: Die will er klagen, um strengere Autoabgasvorschriften durchsetzen zu können. Andere Staaten, wie Florida, wollen sich anschließen.

# 27. Juli: Arnie trifft UN-General

Wenn es um den Kampf gegen den drohenden Klima-GAU geht, ist Kaliforniens “Governator” Arnold Schwarzenegger der Mann, den es zu treffen gilt: Nach Briten-Ex-Premier Tony Blair, Australiens John Howard oder New-York-Bürgermeister Michael Bloomberg trifft er nun UN-Sekretär Ban Ki-Moon: Der hatte den globalen Klimaschutz zur Top-Priorität erklärt. Und Arnie in Kalifornien mit einem CO2-Reduktionsziel von 20 % bis 2020 und 80 % bis 2050 per Gesetz das strengste Klimaschutz-Programm aller westlicher Staaten implementiert. Was ihm Arnie zeigt, will der UN-General im September bei einer Klima-Konferenz mit Regierungsvertretern der wichtigsten Verschmutzerländer diskutieren.
Doch Arnies globaler Glanz wird kurz vor seinem 60. Geburtstag, den er Montag ohne Pomp im kleinen Familienrahmen feiern will, durch heftige Kritik in Kalifornien gerade mächtig getrübt. Während in der Kapitale Sacramento vier Wochen nach der Deadline noch immer über Kaliforniens 147-Milliarden-Dollar-Budget gerungen wird, die Gefängnisse aus allen Nähten platzen (“Häftlinge sterben durch Inkompetenz unnötig”, so ein Parlamentarier) und die Wirtschaft durch fallende Immobilienpreise ins Stottern gerät, eile Arnie von einer Jubelveranstaltung zur nächsten.
Nicht nur in Kalifornien: Seit Mai düste er nach Utah, Kanada, Österreich, Frankreich, Großbritannien, Florida und Las Vegas, meist als “Retter der Welt” (US-Magazin “Newsweek”) zur Propagierung seines Klimaschutzprogrammes. Doch auch an dieser Front setzte es zuletzt herbe Kritik: Der Leiter genau jener Behörde, der Arnies Ideen implementieren hatte sollen, wurde aus dem Amt gedrängt. Während Arnie öffentlich CO2-Reduktionen predigte, hatte er sich in 18 Monaten kein einziges Mal mit seinem Klimaschutz-Mann Robert Sawyer getroffen. Dazu hätten rechte Ideologen in Arnies Team Sawyer gedrängt, Öko-Standards aufzuweichen: Über eine “üble Doppelstrategie” beschwerte sich der.
Arnie zeige plötzlich wenig Interesse an der “harten Knochenarbeit des Regierens”, schimpfte die Zeitung “L.A. Times”. Bei den festgefahrenen Budget-Verhandlungen scherzten Abgeordnete bereits in Anspielung an den Kultfilm “E.T.”: “Arnie, phone home…”, sinngemäß “Arnie, melde dich!” Zuletzt gab es auch Proteste, wonach sich Arnie seine teueren Weltreisen per Privatjet von Spendern bezahlen lässt, die ihre Zuwendungen von der Steuer abschreiben können – wie sonst nur bei Spenden für echte Wohltätigkeitsorganisationen wie etwa die Heilsarmee.

# 25. Juli: „Whats up?“ Die YouTube-Debatte

Demokratenstar Hillary Clinton setzte sich bei der große “historischen” Vorwahl-TV-Debatte, organisiert vom Nachrichtenkanal CNN und – erstmals – der populären Internet-Website “YouTube”, mit einem souveränen Auftritt gegen ihre stärksten Herausforderer, den farbigen Senkrechtstarter Barack Obama und Senatskollegen John Edwards weitgehend durch.
Doch der echte Star war das neue Medium, das Amateurvideo-Portal “YouTube”, die um 1,6 Milliarden Dollar vom Suchgiganten “Google” gekaufte, viertpopulärste Website der Erde. Einfache Bürger konnten so über 3000 kurze Videos mit ihren Fragen einschicken: Darunter befanden sich teils witzige “Mini-Produktionen” mit frechen Fragen (“Sind sie schwarz genug?”, etwa an Barack Obama, dessen Vater aus Kenia ist und seine Mutter eine Weiße aus Kansas) und schockierenden Requisiten (einer zeigte bei einer Frage nach Waffengesetzen seine Maschinenpistole her, die er “legal” erstanden habe).
Die Debatte war im Vorfeld als “historisch” und “revolutionär” gepriesen worden, als neue Sternstunde des Internet, wo einfache Bürger-Reporter vielleicht mehr direkte Antworten aus den geschliffenen Politikern herausbringen könnten, als Profi-Journalisten. “Viele von uns zittern bereits um den Job”, sagte die Star-Journalistin Andrea Mitchell im TV-Kanal NBC. Tatsächlich: Einige der wirklich brisanten, direkten und frechen Bürger-Fragen hatten Hillary & Co mitunter ins Schwitzen gebracht. Aus den 3.000 Videos war per Zufallsprinzip ausgewählt worden. Keiner der cleveren Politiker-Berater konnte ahnen, was wirklich gefragt werden würde – anders als bei den traditionellen Debatten, wo sich die Politiker auf die erwarteten, “heißesten Themen” gut vorbereiten können.
Und obwohl die YouTube-Videos den Unterhaltungswert der sonst langatmigen Polit-Debatte enorm steigerten und für die neue, junge ”Internet-Generation” attraktiver machten, gelang es den Politikern dennoch klare Antworten zu vermeiden. Sogar zu 95 %, wie Medienkritiker David Hinckley in der “Daily News” mitstoppte: “Die Taktik, die Fragen höflich zur Kenntnis zu nehmen und dann einstudierte Phrasen loszulassen, konnte auch durch das neue Medium nicht verhindert werden”, so Hinckley. Die rechte “New York Post” machte sich über das ausgestrahlte Video eines über den Klimawandel besorgten Schneemannes lustig und beschimpfte CNN prompt als “Crazy News Network”.

# 25. Juli: Die kuriosesten Fragen

Die Debatte begann gleich mit einem prägnanten “What´s up?”, der beliebtesten Redewendung der jungen Internet-Generation. “Was nützt all das Geschwafel über diese Themen, wenn, nachdem die Kandidaten gewählt sind, ohnehin nichts wirklich passiert?”, wollte ein Student wissen. Ein anderer, ob sich einer der Kandidaten als “liberal” bezeichnen würde. “Progressiv” wäre der bessere Begriff, antwortete Hillary Clinton, die sich diese Etikette ungern umhängen ließ. Ob Barack Obama, Sohn eines schwarzen Vaters und einer weißen Mutter “schwarz genug” und Hillary durch all ihre harte Rhetorik “feminin genug” sei, wollte ein “YouTuber” wissen. “Wenn ich ein Taxi in New York suche, bin ich schwarz genug”, schoss Obama schlagfertig zurück (eine Anspielung darauf, dass Schwarze oft endlos auf Cabs warten). Hillary stellte klar, dass sie als nichts anderes als “eine Frau” kandidieren werde. Berührend die Frage eines Lesben-Paares aus Brooklyn, ob sie unter einem der Demokraten-Kandidaten heiraten dürfen? Die Frontrunner drückten hier herum, wollten eher deren Rechte gegenüber Verheirateten gleichstellen, doch schreckten vor einer “Ehe-Erlaubnis” zurück. Als einer in seinem Video seine Maschinenpistole als “mein Baby” vorstellt, schüttelte Senator Joe Biden bloß den Kopf: “Der hat ja einen Knall…” Unter die Haut ging auch die Frage eines Mannes, dessen Sohn im Irak gefallen war. Hillary versprach einen Truppenabzug, sollte sie ins Oval Office einziehen.

# 25. Juli: Unbequeme Wahrheit für Al Gore…

Al Gore droht eine andere “unbequeme Wahrheit” als der drohende Klimakollaps. In den USA tauchen Reports auf, wonach der Organisator des kürzlichen “Live Earth”-Megakonzertes selbst von seinem Kampf gegen den Klimakollaps profitiere. Für eine 75-Minuten-Rede an der “University of California” kassierte er zuletzt 100.000 Dollar und bestand darauf, dass die Presse seine Rede nicht mitschneiden dürfe und alles Werbematerial zuerst von seinem Stab “genehmigt” werden müsse, berichtet die Website “The Smoking Gun”. Gore agiere eher wie ein Unternehmer als selbstloser Retter der Erde, so einige Kommentatoren. Der rechte, extrem “Gore-feindliche” Kanal “Fox” berichtete auch, dass die Gore-Behauptung, jeglicher CO2-Ausstoß für seine Doku “Eine unbequeme Wahrheit” sei durch den Kauf von CO2-Gutscheinen neutralisiert worden, nicht ganz stimmen könne. Denn nur 40 Tonnen wurden als Ausgleich gekauft, um bloß 480 Dollar. Das sei viel zu wenig, so Fox: Der Spielfilm “Syriana” hätte etwa 2040 Tonnen CO2 verbraucht.

20. Juli: New Yorks verrottete Infrastruktur

Es waren Szenen, als hätte New York gerade ein neues 9/11 erlebt: Der Knall einer gigantischen Explosion, der Hunderttausende in Midtown Manhattan Todesangst erstarren ließ; eine gigantische, weiße Rauchsäule, höher als die Wolkenkratzer; Massen an Büroarbeitern, die um ihr Leben rannten; blutüberströmte Opfer, die von Helfern aus der Katastrophenzone geführt wurden; ein riesiger Krater und zerbrochene Fensterscheiben in den umliegenden Gebäuden bis in den 16. Stock hinauf.
Die Acht-Millionen-Metropole, so schwer devastiert durch den Twin-Tower-Horror des 11. September (2.750 Tote), hielt, Mittwoch, exakt um 17:57 Uhr, die Luft an – besonders nach den intensiven Warnungen der US-Behörden vor möglichen neuen Al-Kaida-Terrorattacken. Doch die Entwarnung kam rasch. Bürgermeister Michael Bloomberg bestätigte, dass es “nur” ein Unfall war: Eine 83 Jahre alte, 60 Zentimeter dicke Dampfleitung, war 4,5 Meter unter der 41. Straße nahe dem weltberühmten “Chrysler Building” explodiert und ließ 200 Grad heißen Dampf aus dem Boden schießen. Trümmer wurden wie bei einem Geysir 40 Meter hoch in die Luft geschleudert. Kaltes Wasser durch die Wolkenbrüche zuvor könnte in die Leitung gedrungen sein und die Explosion verursacht haben, mutmaßte Bloomberg.
Erste Messungen ergaben, dass Teile des Schutts mit krebserregenden Asbest verseucht sind – Luft-Proben blieben jedoch asbestfrei, so die Behörden. Mehrere Blocks des Büroviertels bleiben evakuiert. Eine 60-jährige Frau starb an einem Herzinfarkt, 35 wurden verletzt, zwei schwer, darunter der Fahrer eines roten Abschleppwagens, der im fünf mal acht Meter großen Krater steckte. Er hat Verbrennungen an 80 % seines Körpers. “Es war wie in einem Horrorfilm”, so eine Augenzeuge in einem nahen Gebäude: “Draußen der Rauch, dazu das Schrillen der Alarmanlage des Gebäudes, Menschen schrieen in Panik”.

# 18. Juli: Republikaner in der Krise

Während die Demokraten Triumphe beim Spendensammeln feiern und über Dreamteams spekulieren, läuten bei den Republikanern die Alarmglocken: 80 Millionen Dollar lukrierten die Dems zwischen April und Juni, bloß 50 Millionen fielen für die Konservativen ab. Doch die Probleme enden nicht hier: Ex-Frontrunner John McCain steht wegen seiner sturen Unterstützung von Bushs katastrophalen Irakkurs und miserablen Wahlkampfmanagement knapp vor der Pleite (zuletzt kündigte sein gesamtes Presseteam). Beim jetzt führenden Rudy Giuliani zerlegen gerade die New Yorker Feuerwehren mit massiver Kritik seinen Mythos als Retter der Stadt nach 9/11. Dem Mormonen Mitt Romney werden ohnehin kaum Chancen gegeben, die Vorwahlen bei der christlich-fundamentalen Parteibasis zu überleben. Als Retter könnte, wie einst Ronald Reagan, ein TV-Star einspringen: Der erzkonservative Ex-Senator aus Tennessee und Held in der Fernsehserie “Law & Order”, Fred Thompson, dürfte in Kürze auch offiziell in den Ring steigen, nachdem er seit Wochen bereits durch die USA tourt.

# 18. Juli: Demokraten-Dreamteam Hillary/Obama?

Es sind zwar noch exakt 474 Tage bis zur US-Präsidentschaftswahl zur Kür des Bush-Nachfolgers Anfang November 2008. Doch erstmals gibt es bereits Rufe nach einem Demokraten-”Dreamticket”: Frontrunnerin Hillary Clinton solle Barack Obama als “Running Mate”, als Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, an ihre Seite holen, argumentiert Anna Quindlen, Starkolumnistin des Wochenmagazins “Newsweek”. Das natürlich nur für den Fall, sollte der farbige Senkrechtstarter der Ex-First-Lady in den im Jänner beginnenden Primaries unterliegen. Hillary führte zuletzt in nationalen Umfragen mit meist 15 % bis zu 20 % Vorsprung.
Hillary/Obama wäre tatsächlich ein historisches Duo: Die erste Frau als Kandidatin für das Oval Office in der US-Geschichte, dazu gleich mit dem ersten farbigen Vize. Doch es gibt Warnungen: Die bereits polarisierende Hillary sollte mit einer derart kühnen Wahl das konservative Amerika nicht komplett vor den Kopf stoßen. Quindlen kontert: “Mit den Stimmen von Wählern, die sich von Obama abschrecken lassen, könnte sie so und so nicht rechnen”.
Allein die kombinierten Kriegskassen würde das Dreamteam fast unschlagbar machen: Nach einer Serie an Rekorden beim Spendensammeln liegen bei Hillary 33 Millionen Dollar und bei Obama 34 Millionen am Konto – den bei den Republikanern führenden Ex-New-York-Bürgermeister Rudy Giuliani mit bloß 14,6 Millionen ließen sie im Staub zurück. Der ehemalige Republikaner-Favorit John McCain ist überhaupt fast pleite.
Natürlich will noch niemand Obama in der Vorrunde abschreiben: Zweimal hat er Hillary beim Geldsammeln – vor allem bei Kleinspendern, die via Internet ihre Börsen öffneten, bereits knapp geschlagen. Und Obama ist wegen seines unbändigen Charismas der bessere Wahlkämpfer. Doch sollte er unterliegen, wäre der Vizeposten ideal: Nur 45 Jahren alt könnte er nach acht Jahren als Hillarys Vize dann selbst Präsident werden.

# 14. Juli: Bushs Irak-Kurs: „Wie ein Sprung aus dem 100. Stock…“

Der Krieg um den Irakkrieg zwischen US-Präsident George W. Bush und dem von den oppositionellen Demokraten kontrollierten Kongress eskaliert total: Bush versucht verzweifelt, seine vor sechs Monaten gestartete Strategie einer Militäroffensive (“Surge”) samt 21.500 zusätzlichen GIs zu retten. In einem Zwischenbericht über politische, wirtschaftliche und militärische Fortschritte der Irak-Regierung sah Bush Grund für Optimismus: Amerika werden “siegreich sein”, sagte er. Doch nur bei acht der 18 Meilensteine, die Iraks Regierung unter Nuri al-Maliki erreichen hätte sollen, gäbe es, so das Irak-Zeugnis, “befriedigende Fortschritte”. Und am schlimmsten bestellt ist es ausgerechnet um die wichtigsten Punkte: Der geforderten politischen Versöhnung der Bürgerkriegsfraktionen und der Fähigkeit der Irakarmee selbst für Ordnung zu sorgen.
Top-Demokraten reagierten mit Häme auf Bushs immer absurdere “Realitätsferne”: Das sei wie bei einem Selbstmörder, ätzte Senator Joe Biden, der aus dem 100. Stock springe und am halben Weg nach unten rufe: “Es ist alles in Ordnung!” Die Favoritin für die Bush-Nachfolge 2008, Hillary Clinton, legte nach: “Er kann die Wahrheit nicht mehr übertünchen – die Surge-Strategie ist ein Rohrkrepierer”. Senatorin Barbara Boxer dachte wegen Bushs Sturheit sogar über die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens nach.
Bush retournierte das Feuer: Die Abgeordneten sollen den Krieg nicht dirigieren sondern nur finanzieren, schnappte er. Darauf reagierte das Repräsentantenhaus postwendend: Mit 223 zu 201 Stimmen wurde neuerlich ein Gesetz verabschiedet, das einen Abzug der 160.000 im Irak stationierten GIs bis April 2008 vorsieht. Der Senat soll nächste Woche abstimmen. Bush droht prompt, jedes Gesetz mit fixen Abzugsfristen per Veto zu Fall zu bringen. Es ist, so Historiker, der wüsteste Showdown zwischen Oberkommandierenden und Kongress seit Vietnam.
Die Dems hoffen, mit ihrer neuen Offensive mehr Republikaner zur Abkehr von Bushs sturem Kriegskurs zu bewegen. Immerhin: Sieben ehemalige Bush-Verbündete hatten in den letzten Tagen eine neue Strategie gefordert. Das White House stemmt sich verzweifelt gegen die drohende Republikaner-Revolte: Dem Surge solle eine Chance gegeben werden, wurde appelliert – zumindest bis Mitte September, wenn Irakgeneral David Petraeus dem Kongress seinen Fortschritts-Report präsentiert.
Doch viel Zeit bleibt Bush nicht mehr: Er selbst gab zu, dass Amerika “kriegsmüde” sei. Fast 70 % hatten zuletzt einen Truppenabzug befürwortet. Das ultimative Endspiel wird für September erwartet, wenn Bushs eigene Partei unter dem Druck ihrer Wähler komplett gegen den einsamen Kriegsherren im Oval Office rebellieren könnte.

# 13. Juli: Al Kaidas Comeback?

Osama bin Ladens Al-Kaida-Terrornetzwerk stehe vor einem spektakulärem Comeback, warnen US-Geheimdienste in alarmierenden Tönen: Nach fast sechs Jahren des “Krieges gegen den Terror” unter US-Präsident George W. Bush hätte, so die CIA, Al Kaida wieder eine “operative Stärke” erreicht ähnlich der vor den verheerenden Jumbo-Attacken des 11. September auf die New Yorker Twin Towers und das Pentagon (2.993 Tote). Al Kaida hat damit anfängliche Rückschläge wie den Verlust Afghanistans als Trainings- und Operationsbasis sowie die Tötung und Verhaftung zahlreicher Führer, allen voran 9/11-Mastermind Sheikh Khalid Mohammed, wettgemacht.
“Al Kaida ist stärker als noch vor einem Jahr und hat sich neu gruppiert – in einem Ausmaß, wie wir es seit 2001 nicht mehr gesehen haben”, so ein durchgesickerter Top-Secret-Report. Und: Al Kaidas Kapazitäten, Attacken gegen die USA und Europa zu planen, seien enorm gestiegen. Beobachtet wird mehr Training, vor allem in der unzugänglichen Bergwelt an der Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan, verstärkte Geldflüsse und mehr Lärm in den Kommunikationskanälen. Bestes Beispiel sind die immer häufigeren Videobotschaften von Bin Ladens Stellvertreter Ayman al-Zawahiri, der inzwischen fast wie ein TV-Kommentator zu Aktuellem Stellung nimmt – wie die Briten-Ehrung für Autor Salman Rushdie oder den mit 70 Toten blutigen Sturm auf Islam-Fanatiker in der “rote Moschee” in Islamabad, Pakistan.
Das Alarmschlagen der Geheimdienste ist der letzte Höhepunkt einer wachsenden Terror-Panik in den USA – vor allem der Angst vor einem “spektakulären Anschlag” diesen Sommer. Nervös geworden auch durch die Autobomben-Panik in London und die Flughafen-Attacke in Glasgow warnte US-Heimatschutzminister Michael Chertoff jetzt vor einem “hohen Risiko für neue Attacken”. Das spüre er “in der Magengrube”, fügte er an und wurde prompt zur Witzfigur. Die oppositionellen Demokraten prangerten postwendend Bushs Versagen im Krieg gegen Al Kaida an. Denn das Comeback der 9/11-Terroristen wird von Experten auch auf den Irakkrieg zurückgeführt. “Elitetruppen wurden von der Jagd auf Al-Kaida abgezogen, und sitzen im Irak fest”, so Kommentatoren im US-TV.
Der Zeitpunkt des Reports ist für Bush verheerend: Gerade veröffentlicht das White House einen Zwischenbericht über Fortschritte im Irak, die Bush im Rahmen seiner Militäroffensive (“Surge”) versprochen hatte. Trotz ernüchternder Bilanzen von Irakkennern berichtet Bush nun von der Erfüllung der Hälfte von insgesamt 18 Meilensteinen, die die Irakregierung zu komplettieren hatte. Der rosige Report wird einen neuen Feuersturm in Washington auslösen.

# 13. Juli: Sex and the City, the movie: Ist Mr. Big mit von der Partie?

News über den Start der Dreharbeiten für den lange erwarteten “Sex and the City”-Kinostreifen im Herbst haben Fans der Kultserie in wahre Euphorie versetzt. Alle vier Darstellerinnen der notorischen Manhattan-Girls – Sarah Jessica Parker als in Liebesbelangen komplizierte Kolumnistin “Carrie”, Cynthia Nixon als sarkastische Anwältin und Single-Mum “Miranda”, Kim Cattrall als sexsüchtige PR-Agentin “Samantha” und Kristin Davis als Upper-East-Side-Konservative “Charlotte” – wurde nach jahrelangen Verhandlungen letztendlich mit lukrativen Deals an Bord gebracht.
Doch nun wird beim “Cosmopolitan”-Schlürfen an den schicken Bars des Meatpacking Districts aufgeregt diskutiert: Ist auch Carries “On and Off”-Liebe “Mr. Big” mit von der Partie des bereits enorm gehypten Films?
Immerhin: Beim Finale der letzten Staffel rettete Mr. Big, wie das Massenblatt “New York Daily News” in einem aufgeregten Artikel anmerkt, vor 10,6 Millionen TV-Zusehern seine Carrie in Paris aus den Fängen eines egomanischen Künstlers, gespielt von Michail Barischnikow. Carrie, die während allen 41 Episoden der Serie des US-Bezahlkanals HBO (basierend auf dem Bestseller der Autorin Candace Bushnell) zwischen 1998 und 2004 erfolglos nach der “wahren Liebe” sucht, ist zuletzt zu sehen, wie sie völlig verliebt mit Mr. Big telefoniert.
Doch Insider meinen, dass Mr. Big, Chris Noth (52) im wirklichen Leben, bis jetzt noch nicht unterschrieben hat und seine Teilnahme an dem Streifen in den Sternen steht. “Wir warten noch auf ein entsprechendes Angebot”, teilte sein Manager der “Daily News” mit. Argumentiert wird in der New-York-Presse sogar, dass ohne Teilnahme der bekanntesten Figuren der Serie das “Sex Movie” ein Flop werden könnte. Und Mr. Big entpuppte sich mit Abstand als populärster von allen “Carrie-Männern”. “Er ist wie der fünfte Beatle”, so ein Fan. Es sickerte auch durch, dass er im Film-Drehbuch von Michael Patrick King eine tragende Rolle spielt – und nicht bloß als Stimme am anderen Ende eines Handy-Talks.
Vom notorischen Damen-Quartett hatte es bei Cattrall der meisten – vor allem finanziellen – Überzeugungsarbeit für die Filmteilnahme bedurft.

# 8. Juli: So will Al Gore die Welt retten


Ausschließlich Ökokrieger wolle Al Gore künftig sein, stellte der Ex-Vize und “Life Earth”-Organisator im US-TV klar. Er konterte damit den massiven Spekulationen, dass er doch noch in die Wahlschlacht um die Bush-Nachfolge 2008 einsteigen könnte: “Ich habe den Enthusiasmus für die Poli-tik verloren”, so Gore. Stattdessen werde der durch seine Oscar-preisgekrönte Doku “Eine unbequeme Wahrheit” zum unumstrittenen Guru des Kampfes gegen den Klima-GAU aufgestiegene 59-Jährige künftig alle seine Kraft aufwenden, um die Menschheit wachzurütteln: “Es geht um nichts weniger, als unser Überleben”, warnte er. Und: “Wenn nicht ich, wer sollte es sonst tun?”
Die Mega-Konzertserie sei gleichzeitig der Startschuss zu “einer intensiven, mehrjährigen Dauerkampagne”, so Gore, um gemeinsam mit den Aktivisten-Gruppen “Save Our Selves” (S.O.S) und “Alliance for Climate Protection” ü-ber die verheerenden Realitäten schmelzender Polkappen, versinkender Küs-tenregionen, Dürre oder Monsterstürme “aufzuklären” und Lösungsansätze zu präsentieren. Detailliert hat Gore einen “Sieben-Punkte-Plan” vorgelegt, darunter – am dramatischsten – die Forderung nach einer Senkung des CO2-Ausstosses im Westen um 90% sowie um 50 % global innerhalb einer Generation.
Doch mit Gore im globalen Rampenlicht haben die Spekulationen über ein Polit-Comeback in den USA neue schrille Höhepunkte erreicht: Immerhin liegt er – trotz aller Dementis, anzutreten – auf Rang Drei in den Demokra-ten-Umfragen hinter Hillary Clinton und Barack Obama. Politologen speku-lierten, wonach Gore im Herbst einsteigen könnte, sollte Obamas Kampagne implodieren. “Gore kann vor allem durch seinen Widerstand gegen den Irak-krieg bei den Parteilinken punkten, die heute Obama unterstützen”, so NBC-Kommentator Tim Russert. Doch noch ist mit Obama zu rechnen: Hillary hängt ihn im Zweierduell mit 56 % zu 33 % zwar deutlich ab (“Newsweek”), doch sammelte Obama zwischen April und Juni eine Rekordsumme von 32,5 Millionen Dollar an Spenden, fünf mehr als Hillary.
Auch ohne in den Ring zu steigen hat Gore geschworen, eine dominante Rol-le im Wahlkampf zu spielen: “Ich werde sicherstellen, dass der Kilmaschutz das Top-Thema sein wird”, polterte er. Als Alliierte hat er Kaliforniens “Go-vernator” Arnold Schwarzenegger und New Yorks Milliardär-Bürgermeister Michael Bloomberg. Hillary & Co dürften auch um seine exzellenten Connec-tions in Hollywood buhlen: Dort hat der Klimaretter Guru-Status und inspi-rierte Superstars á la Leonardo DiCaprio fortan in “Prius”-Hybrid-Autos her-umzukurven. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass Gore in einer künftigen Regierung eine Rolle spielen könnte – als Klimabotschafter der USA etwa.

# 6. Juli: Trouble um Gore jr.

Es war eine unbequeme Wahrheit, die Klimaretter Al Gore akzeptieren musste: Sein Sohn Al Gore III (24) war wegen Raserei, Marihuana- und Medikamenten-Missbrauch in Südkalifornien verhaftet worden. Cops stoppten den Herausgeber eines Jugendmagazins, nachdem er mit seinem ökofreundlichen Hybrid-PKW “Toyota Prius” mit 160 km/h über einen Highway gerast war. Die Polizisten bemerkten prompt starken Dunst der populären Marihuana-Sorte “Ganja”. Gefunden wurden weniger als 28 Gramm, dafür ein Sortiment an Medikamenten, darunter die Beruhigungsmittel Valium und Xanax, das Schmerzmittel Vicodin, sowie Adderal, ein Mittel gegen “Attention Defict Disorder” (ADD), worunter auch etwa Paris Hilton leidet. Gore wurde gegen 20.000 Dollar Kaution auf freien Fuß gesetzt. Laut einer ersten Reaktion seines Vaters wird er “weitere Behandlungen” erhalten. Es ist bereits die dritte Verhaftung von Gore Junior: 2002 war er nach einer Alkofahrt aufgegriffen worden, im Folgejahr wegen Marihuana-Besitz, nachdem er ohne Licht fuhr. 2000 rast er mit 151 km/h ins Radar. Die Verhaftung ist eine große Blamage für den Gore-Clan wenige Tage vor den “Live Earth”-Konzerten.

# 5. Juli: Angst in den USA am „Fourth of July“ durch Briten-Panik

Durch die Atobomben-Panik in Großbritannien begehen die Amerikaner ihren “Fourth of July”-Nationalfeiertag mit den üblichen Feuerwerken und Grillfes-ten – doch gleichzeitig unter den vielleicht strengsten Sicherheitsauflagen seit den Wochen nach dem 11. September:
# Eine Armada an Cops kontrollierte stichprobenartig PKWs (41 Millionen US-Bürger planten eine Reise länger als 80 Kilometer);
# Auf die 4,7 Millionen Flugpassagiere warteten strenge Sicherheitskontrol-len, teils durch mit Maschinengewehren bewaffneten Polizisten;
# Die “Coast Guard” patrouilliert besonders die Wasserwege rund um New York, wo drei Millionen das legendäre Riesen-Feuerwerk bestaunen werden.
Zum Einsatz kamen auch Terrorabwehr-Eliteteams, Codename “VIPER”, samt Spürhunden. Das FBI hatte zuletzt Spezialgeschäfte aufgefordert, den “verdächtigen Ankauf” von Gaskanistern oder Propangas-Flaschen zu mel-den, die jüngsten Terror-Waffen in London und Glasgow.
Neben dem Briten-Bomben sorgen in den USA auch kursierende Geheimdos-sier des Heimantschutz-Ministeriums für Nervosität, wo vor “spektakulären Anschlägen” diesen Sommer gewarnt wird.

# 7. Juli: Die „Bill & Hillary“-Show

Sie wirkten verliebt wie in den Flitterwochen: White-House-Favoritin Hillary Clinton strahlte zufrieden, als Gatte Bill seine Hände zärtlich auf ihre Schultern legte. Beide trugen warme Sommertöne, sie in pink, er in Korn-gelb. 3.000 Bürger im wichtigen Vorwahl-Staat Iowa erlebten den ersten Wahlkampfauftritt des populären, doch wegen früherer Sexaffären befleckten Ex-Präsidenten an Hillarys Seite.
Hillary setzt, so Politologen, damit ihre Geheimwaffen relativ früh in der Wahlschlacht für das Oval Office 2008 ein – was riskant sein kann:
# Bill gilt zwar als strategisches Politgenie sowie brillanter Wahlkämpfer und erfreut sich, vor allem innerhalb der Demokraten-Partei, stratosphärisch hoher Beliebtheit;
# Doch die für das Wahlkampffinale wichtigen Wechselwähler könnten durch Erinnerungen an die Skandalserie der Clinton-Jahre, besonders den Jahrhundert-Sexskandal Lewinsky-Gate, abschreckt werde, warnen Wahlbeobachter. Dazu könnte der charismatischere Bill seiner Gattin leicht die Show stehlen.
Iowa, wo nächsten Jänner die Vorwahlen beginnen, gilt damit als Test-Ballon für die Schlagkraft der “Bill & Hillary”-Show: “Die Brücke ins 21. Jahrhundert, die mein Mann begann zu bauen”, rief sie etwa in den Menge: “Ich werde sie fertigstellen”. Obwohl Hillary in nationalen Umfragen deutlich mit 35 % zu 21 % vor ihrem stärksten Herausforderer, dem farbigen Senkrechtstarter Barack Obama führt (“Quinnipiac”-Umfrage), liegt sie in Iowa hinter John Edwards, der Nr. 3 in nationalen Umfragen, und Obama zurück. Bills überraschender Einsatz soll wahrscheinlich auch dem Hype um Obamas Spendenrekord dämpfen: Der hatte zwischen April und Juni 32,5 Millionen Dollar gesammelt – um fünf Millionen mehr als Hillary.

# 3. Juli: Was macht eigentlich Bush senior?

Als Gastgeber des Bush-Putin-Gipfels in seinem Sommerhaus in Kennepunkport stand Ex-Präsident George H. W. Bush, 83, im Rampenlicht der Weltpresse – und soll sogar aktiv mitdiskutiert haben. Doch was macht Senior, oder “Nr. 41”, so sein Spitzname als 41. Oval-Office-Amtsinhaber (1998 bis 1993) heute? Bush lebt mit Gattin Barbara weitgehend zurückgezogen in Houston oder Kennebunkport. Jährlich hält er sein eigenes Angler-Tournier in den Florida Keys. Für Aufsehen sorgte er, als er seinen 80iger mit einem Fallschirmsprung feierte. Gemeinsam mit Ex-Präsident Bill Clinton sammelte er Spenden für die Opfer der Tsunami und Hurrikan Katrina. Die beiden Ex-Präsidenten wurden enge Freunde, und als “Odd Couple” in den US-Medien gefeiert. Die Beziehung von Nr. 41 zu Nr. 43, seinem amtierenden Präsidentensohn, soll jedoch durch Meinungsverschiedenheiten vor allem über das Irak-Desaster gelitten haben. Und Senior weiß, dass Junior die Polit-Marke “Bush” für immer ruiniert hat: Deshalb brach er auch zuletzt bei einer Rede zum Abtritt von Sohn Jeb als Florida-Gouverneur unter Tränen zusammen.

# 3. Juli: Die Bush-Putin-Buddy-Show

Zumindest Gastgeber sind sie gute, die Bushs: George Bush senior als Hausherr und Junior als US-Präsident empfingen Russlands Präsidenten Wladimir Putin in der Bush-Villa in Kennebunkport an der idyllischen Atlantikküste Maines mit einem Gourmet-Dinner samt Hummer, mariniertem Schwertfisch, Heidelbeeren und Nusskuchen. Dazu gab es Ausflüge zum Angeln und eine flotte “Speedboat”-Fahrt über die tiefblaue See. Die Russen waren überrascht über Bushs Charmeoffensive. “Mit so viel Gastfreundschaft und Herzlichkeit haben wir nicht gerechnet”, sagte Putins Sprecher Dimitry Peskow zur “Associated Press”. Blank lagen die Nerven hingegen bei den Sicherheitsteams beider Präsidenten: Das Bush-Anwesen liegt direkt an einer Straße auf der Halbinsel “Tuckers Point”.
Bush wollte mit der Höflichkeitsorgie ein Ende der neuen Eiszeit zwischen den beiden “Global Players” einleiten – und, konkreter, Putin auf härtere Wirtschaftssanktionen als Protest gegen die Nuklear-Ambitionen von Irans starkem Mann Mahmud Ahmadinedschad einschwören. Russland zeigt sich trotz weiterer Urananreicherungen des Irans entgegen dem Weltwillen skeptisch, vor allem wegen seiner engen Wirtschaftsbeziehungen (eine russische Firma hatte etwa Irans ersten Atomreaktor gebaut). Doch Moskau gab sich zuletzt auch frustriert über Teherans provokanten Konfrontationskurs.
Putin wiederum versuchte, Bush von seinen Plänen zum Bau von Radarstationen für ein US-Raketen-Abwehrsystem in Polen und Tschechien abzubringen. Das System soll künftige Atomraketen von Schurkenstaaten á la Iran neutralisieren. Russland befürchtet jedoch, seine Sicherheit werde dadurch bedroht”, so Peskow. Putin hatte Bush zuletzt beim G8-Gipfel überrascht, als er Aserbaidschan als Alternativstandort für die Radarstationen vorgeschlagen hat. Wachsender Widerstand gegen Bushs Raketenträume komme, berichtete die “L.A. Times”, nun aber auch aus Polen und Tschechien. Und in der US-Kapitale Washington hat das Projekt, vor allem im Kongress, immer weniger Fans: “Die haben das miserabel verkauft”, wird argumentiert.
Am Themenplan des “Hummer-Gipfels”, wie das Treffen in der US-Presse getauft worden war, dürfte auch Russlands Widerstand gegen eine Unabhängigkeit des Kosovo gestanden sein.
Der Gipfel zog auch Demonstranten an: 1.700 Bush-Gegner, von denen einige eine Freiheitsstatue im Sarg trugen, forderten Bushs Amtsenthebung und einen Abzugs der GIs aus der irakischen Bürgerkriegshölle.

# 2. Juli: Kommentar: Bush hat alles verspielt

Sollte George Bush Amtskollegen Wladimir Putin beim Angeln vor Daddys Landhaus an der Atlantikküste ein paar Zugeständnisse abringen, kann es nur die Idylle gewesen sein: Vielleicht schmeckt dem Kreml-Herrscher der Hummer wirklich so gut, dass er Bushs geplante Radaranlagen für eine Raketenabwehrsystem vor seiner Haustüre schluckt. Denn mit Sachargumenten kann sich Bush brausen gehen. Der Texaner hat – vor allem durch seinen mutwilligen Irakkrieg – alles verspielt: In den USA ist er eine “plattgewalzte Ente”. keine einzige Reform wird er in den letzten 18 Monaten seiner Horror-Präsidentschaft mehr durchbringen. Und rund um die Welt hat er alle Glaubwürdigkeit verspielt: Warum soll sich der autoritäre Putin Bushs Jammern über die Russen-Demokratie anhören, wenn in “Guantanamo Bay” im Gulag des Antiterror-Krieges noch immer Häftlinge im rechtsfreien Raum schmoren?

# 2. Juli: Durchbruch beim „Hummer“-Gipfel?

“Hummer- Gipfel” wird das Treffen zwischen den Staatschefs der USA und Riussland, George W. Bush und Wladimir Putin, bereits genannt. Die entspannte Atmosphäre in idyllischen Sitz des Bush-Clans in Kennepunkport, Maine, mit Blick auf den Atlantik und Gelegenheiten für Ausflüge zum entspannten Angeln, soll ein Tauwetter bei den zuletzt extrem frostigen Beziehung einleiten. Bush steht auch sein Vater, der Hausherr des Prachtanwesens und Ex-Präsident, zur Seite. Es ist eine große Ehre für Putin: Noch keinen Staatsgast zuvor hatte Bush in Dads Villa geladen.
Es soll ein “entspanntes Treffen” werden, heißt es: Beide haben bloß zwei Berater mitgebracht, eine fixe Agenda gibt es auch nicht. Die vor allem vom Texaner so oft hervorgekehrte, kumpelhafte Beziehung zum Kreml-Herrscher – inklusive fröhlicher Ausfahrten im Pickup-Laster auf Bushs Ranch, oder einer alten Wolga-Limo nahe Putins Datscha – scheinen inzwischen zu wenig, um die tiefe Kluft zwischen den beiden Global Players zu überbrücken.
Dabei begann alles recht erfreulich: Beim ersten Treffen in Slowenien 2001 erstaunte Bush mit einem Blick in Putins “Seele”, wonach der nur das beste für sein Volk wolle. Der Schock über 9/11 brachte die Staaten noch näher zusammen: 2002 paraphierten Bush und Putin in Moskau ein Abkommen zur Reduzierung ihrer Atomwaffen-Arsenale.
Doch fortan ging es bergab: Washington kündigte wegen seiner Pläne eines “Star Wars”-Raketen-Abwehrschirms internationale Verträge. Durch die Irak-Invasion eskalierten die Spannungen weiter, 2004 hagelte es gegenseitige Vorwürfe wegen der Einmischung in die “Orange Revolution” in der Ukraine. Dann machte sich Bush Sorgen um eine Einschränkung der russischen Demokratie. Putin konterte mit Seitenhieben auf den Terror-Knast in “Guantanamo Bay”, Kuba.
Doch das wirkt bloß wie ein Vorgeplänkel verglichen mit dem jüngsten Showdown um die US-Pläne zur Errichtung von Radar-Anlagen für ein Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien. Russland drohte, seine Atom-Raketen wieder auf Europa zu richten und blockiert die Unabhängigkeit des Kosovo. Auch über das Vorgehen gegen Irans Nuklear-Ambitionen gibt es Zoff.
Doch trotz allem Getöse, so Politologen, werden die Präsidenten – beide am Ende ihrer Amtszeiten – nicht mit dem Zulassen eines neuen Kalten Kriegs in den Geschichtsbüchern landen wollen. Und Bush kann nur mehr in der Außenpolitik auf Erfolge hoffen: Denn zu Hause ist er längst eine “lahme Ente”, seine Präsidentschaft gilt nach einer Serie peinlicher Niederlagen, zuletzt bei der Einwanderungsreform, als gescheitert. Bushs Popularität erreichte laut “Newsweek” mit 26 % einen Tiefststand.

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