# 31. Juli: Obama Paris Spears

Washington. Der Republikaner-Präsidentschaftskandidat John McCain hat per höhnischem TV-Spot seinen Demokraten-Rivalen Barack Obama wegen dessen Starqualitäten mit dem unstabilen Popidol Britney Spears und der seichten Hotelerbin Paris Hilton verglichen. Mit Fotos der Blondinen vermischt mit den tosenden Massen in Berlin wird festgestellt: Obama sei „die größte Celebrity”, doch fehlten ihm „Führungsqualitäten“. McCains Stoßrichtung: Obama sei nichts anderes als ein hohler „Polit-Bimbo“. Der schlug prompt zurück: McCain verliere wegen Obamas jüngsten Triumphen in Übersee die Nerven und suche sein Heil im Dreckschleudern.

30. Juli: Tim Kaine?

Washington. Die Spekulationen, Oval-Office-Favorit Barack Obama könnte Virginia-Gouverneur Tim Kaine als seinen Vize-Kandidaten wählen, heizen sich nach „Geheimtreffen” auf. Der redegewandte Kaine (50) könnte Obama zu einem Sieg in dem wichtigen Schaukelstaat Virginia verhelfen. Dazu passt die Chemie: Beide Mütter stammen aus dem gleichen Ort in Kansas, beide absolvierten Harvard. Kaine spricht dazu spanisch und könnte bei Hispanics punkten. Nachteil: Der Ex-Missionar kann Obamas Manko in Sachen Militärerfahrung nicht kompensieren.

# 29. Juli: Test für den „Big One“

Ein heftiges Erdbeben der Stärke 5,4 (Richter) sorgte für Panik in der kalifornischen Millionenmetropole Los Angeles. Um 11:42 Uhr Ortszeit breiteten sich die Erdstöße vom Epizentrum in Chino Hills, 46 Kilometer südöstlich von Downtown L.A. aus. Wolkenkratzer schwankten. In Büros und auf der Straße suchten Menschen Deckung. “Der Wagen vibrierte und die Ampeln schwangen wild”, so der österreichische Mode-Assecoirs-Designer Sigmar Berg. Die US-TV-Sender unterbrachen ihre Programm binnen Sekunden mit “Breaking News”-Sondersendungen. “Erdbeben! Erdbeben!”, schrie der Abgeordnete Dennis Zine bei einer Sitzung im 27-stöckigen Rathaus.
Öffentliche Gebäude wurden evakuiert. TV-Helikopter zeigten, wie sich verängstigte Bürger in Parkanlagen sammelten. 27 Nachbeben, das stärkste 3,6, führten in den Stunden danach zu anhaltender Nervosität. “Wir dachten, das ist das große Beben”, rief ein Augenzeuge. Die Angst der Kalifornier ist verständlich: Eines der entlang der aktiven “San Andreas Fault”-Bebenlinie rhythmisch wiederkehrenden Megabeben ist überfällig. Bei 99 Prozent liege in den nächsten 30 Jahren die Chance, dass die Region ein Beben über 6,7, gefürchtet als der “Big One”, erleben dürfte, rechneten Wissenschaftler vor.
Erst 1994 hatte das “Northridge”-Beben in L.A. 72 Tote, 9.000 Verletzte und 25 Milliarde Dollar Sachschaden gefordert. 1906 vernichtete ein Megabeben der Stärke 7,9 San Franzisko: 3.000 starben.
Obwohl L.A. diesmal mit dem Schrecken davonkam, liegen in Südkalifornien die Nerven blank. Laut Seismologen spürten 372.000 Menschen “starke Stöße”, sieben Millionen moderate. “Der Boden rollte”, so Yolanda Beckman: “Wir standen breitbeinig da, fühlten uns seekrank”. Die Hunde hätten losgebellt. Erste Schadensberichte folgten: Für Zehntausende fiel der Strom aus, das Handy-Netz brach mitunter zusammen, Wasserrohrbrüche wurden gemeldet, kleinere Risse in Gebäuden und Trümmer auf den Straßen.
“Governator” Arnold Schwarzenegger versprach den Gemeinden Soforthilfe und “prompte Sicherheitsinspektionen von Gebäuden, Brücken oder Dämmen”. Eine Tsunami-Warnung für den Pazifik blieb aus. Ein Top-Seismologe: “Sehen wir es als große Erdbebenübung – für das wirklich große…”

# 27. Juli: Superstar Obama

Politrockstar Barack Obama hielt Berlin in Atmen wie kein US-Politiker seit JFK.
Die Intensität der Euphorie bei der Welttour des Oval-Office-Favoriten Barack Obama überraschte selbst hartgesottene Politbeobachter: Über 200.000 jubelten dem schwarzen Demokratenstar vor der Berliner Siegessäule zu. Dreimal so viele wie bei seinem bisherigen Rekord von 75.000 Fans in Oregon. Dicht gedrängt standen sie, voll erfasst von „Obamamania“, jeder zweite eine Handykamera hochhaltend. Bejubelt wurde, so der „Spiegel“ aufgeregt, ein möglicher „Weltpräsident“, der den Bürgern dieser Erde bei der Lösung existenzbedrohender Krisen Hoffnung gibt. Der den Irakkrieg beenden, gegen Völkermorde einschreiten und den Klima-GAU abwenden könne. „Lasst uns für eine neue Welt kämpfen“, rief er in den aufbrausenden Jubel des Köpfemeeres die Berliner Prachtallee hinunter.
US-Flaggen. Als Multikulti-Weltbürger mit Wurzeln in Kenia und Kansas, sowie Lebensstationen in Honolulu, Jakarta und Chicago, will Obama den durch den verachteten Präsidenten George Bush schwer ramponierten Ruf Amerikas reparieren. Die tollen Bilder US-Flaggen schwingender Europäer erstaunten Amerika: „Welch ein Kontrast zu Geisterstädten und wütenden Demos bei Bush-Besuchen”, geriet TV-Kommentator Chris Matthews ins Schwärmen. „Love Parade“ titelte der Internetdienst Drudge Report.
Wo immer Obama mit seinem Kampagnenjumbo einschwebte, sorgte er für Aufregung, oft Ekstase – stets für ein Medieninferno. In Afghanistan munterte er GIs auf, in Bagdad versprach er den US-Abzug in 16 Monaten, in Jerusalem versicherte er samt Gebet an der Klagemauer Israel weiter uneingeschränkten Beistand, in Berlin, Paris und London bereitete er eine neue Ära transatlantischer Beziehungen vor.
Test bestanden. Dabei hatten Wahlkampfprofis Obama vor einem „Minenfeld“ gewarnt: Leicht könnte er sich im heiklen Terrain des Nahen Ostens mit peinlichen Aussagen blamieren, hieß es. Oder auf Fotos mit Kampftruppen so lächerlich wirken, wie 1988 Demokraten-Kandidat Michael Dukakis mit Stahlhelm. Doch Obama blieb fehlerfrei, wirkte präsidial. Die mitgereisten TV-Nachrichtenstars beseitigten mit Jubelberichten Zweifel über mangelnde Führungsqualitäten.
In US-Umfragen verpufft der globale Applaus jedoch: Laut Fox News liegt Obama mit 41 zu 40 Prozent nur knapp vor Republikaner-Rivalen John McCain. Deshalb startet er eine Offensive an der Heimatfront: In „People“ gewährte er mit Gattin Michelle einen einzigartigen Einblick in die Funktionsweise der möglichen „First Family“.

# 5. Juli: Doris Sad-Day

Der rasende Ehemann der jungen, bildhübschen, aufstrebenden Starsängerin riss das Steuer herum. Der Wagen stoppte ruckartige am Straßenrand. Er hielt den Lauf einer Pistole, die er bereits vor Wochen im Handschuhfach versteckt hatte, an den Bauch seiner hochschwangeren Frau. “Ich töte dich und das Baby”, schrie er: “Und dann blase ich mein Gehirn raus”. In letzter Sekunde schaffte sie es, ihm das Familienmassaker auszureden. Doris Day, bedroht von ihrem ersten Gatten, überlebte – und wurde zum Star in 40 Blockbuster-Movies und Filmgöttin Hollywoods.
Abseits ihres Images als die nette Blondine von Nebenan und angebetete Darstellerin heiler Familienwelten enthüllt jetzt eine Skandal-Bio von Großbritanniens führendem Celebrity-Biografen David Bret die dunkle, tragische Seite der Kino-Ikone. Am dramatischstens: Days fast makaberer Hang zu miesen Männern, die zu vier Ehedebakeln und Orgien aus Sex und Gewalt führten. Unter den weiteren Enthüllungen in “Doris Day: Reluctant Star” (Verlag: JR Books, 272 Seiten), die im Juli in Großbritannien erscheint:
# Gatte Drei, zugleich ihr Manager, hatte sie um 120 Millionen Dollar betrogen.
# Day soll ein mental unstabiler Hypochonder gewesen sein, die lieber den obskuren Methoden der neugeistlichen “Christliche Wissenschaft”-Sekte vertraute als echten Ärzten.
# Und Day hatte eine Sexaffäre mit einen Schauspieler, dessen spätere Karriere in der Politik weit mehr Strahlkraft haben sollte: Ronald Reagan, US-Präsident Nr. 40 von 1981 bis 1989.
In der mitreißenden Lektüre beschreibt Bret die größte Ironie im Leben des Megastars. Doris Kappelhoff, das blonde Mädchen aus dem Cincinnati-Suburb Evanston, hatte mithören müssen, wie ihr Vater, ein strikter, katholischer Musiklehrer, ihre Mutter betrog: “Doris hörte den Sex im Nebenzimmer und weinte sich in den Schlaf”. Nach nichts hätte sie sich daher mehr gesehnt als der perfekten Familien-Idylle in ihrem eigenen Leben, so Bret: “Stattdessen stolperte sie von einem Ehefiakso ins nächste”. Am schlimmstem sei Gatte Nr. Eins, Al Jorden, der Trombonenspieler aus ihrer Teenie-Band gewesen, den sie 17-Jährig heiratete. Autor Bret: “Er prügelt sie, er beschimpfte sie vor allen als dreckige Hure, er betrog sie. Doch nach jeder Prügelorgie warf er sie aufs Bett und hatte leidenschaftlichen Sex mit ihr”. Bei einem durch Jordens Draufgängertum verursachten Bootsunfall kam sie fast ums Leben. Als sie schwanger wurde, schickte er sie zu einem Hinterhof-Abtreiber. Days Mutter droht ihm: “Wenn das Kind abgetrieben wird, lasse ich dich töten!”
Sohn Terry kam im Jänner 1942, seine Mutter gerade mal 18 Jahre alt, zur Welt. Er sollte praktisch im Alleingang von seiner Oma großgezogen werden, während die aufstrebende Sängerin und Schauspielerin Musik- und Filmhits mit zunehmender Intensität und Magnitude landete. Hinzu kamen aber auch weitere Horror-Ehen – nachdem sie sich von Jorden scheiden ließ und der sich eine Kugel in den Kopf jagte. Zunächst landete sie mit dem Saxophonisten George Weidler vor dem Traualtar: “Der beschaffte für seine Braut eine schäbige Bude nahe eines Trailerparks in einem verkommenen L.A.-Suburb voller Drogendealer – kaum ein guter Start ins Eheleben”, schreibt Bret. Weidler schein nur um einen Spur weniger abscheulich als sein Vorgänger, wenn auch nicht so handgreiflich: “Er hatte Affären, teilte ihr unverblümt mit, dass er sie nie geliebt hätte und hasste ihren Sohn”. Der Bund dauert bloß acht Monate. Weidlers fatales Erbe: Er hatte Day für die fanatische Lehre der “Christlichen Wissenschaft” begeistert, die medizinische Behandlung strikt untersagt.
Trotz der Scheidung trafen sich Day und Weidler weiter zum Sex – während sie gleichzeitig mit drei weiteren Männern schlief: Ihrem Manager Marty Melcher, den Film-Kostar Jack Carson, sowie dem weiteren Schauspielkollegen Steve Cochran, Boyfriend der legendären Joan Crawford (die Day nie verzieh, dass sie “ihren Mann stahl”, so Bret).
Eine weitere Affäre hatte sie mit Reagan. Was sie beeindruckte? Er wäre ein guter Tänzer gewesen und habe die Fähigkeit besessen, eine “intelligente Konversation” zu führen. Geheiratet hat sie jedoch als Gatten Nr. Drei Manager Melcher, exakt an ihrem 27. Geburtstag: Sie versprach ihm auch, ihr halbes Dutzend an Sex-Beziehungen aufzugeben. Auch diese Ehe sollte sich, so der Biograf, als “katastrophaler Fehler erweisen”: Melcher schlug sie, betrog sie. Terry beschimpfte er als “Sissy”, als Weichling, schlug ihn, jahrelang. Aus Furcht, Terry wäre schwul, schickte er ihn in eine Militärakademie, die “einen Mann aus ihm machen sollte”, so Bret. Doch am schlimmsten: Gemeinsam mit einen windigen Ganoven saugte er Days Millionenhonorare auf Geheimkonten in der Schweiz ab – und ließ sie nach seinem Tod 1968 mittellos zurück.
Days Karriere war auch überschattet von massiven mentalen Problemen, deren professionelle Heilung ihr der Sektenglaube untersagte. Bret: “Sie litt an schwerer klinischer Depression, die erst nach vier Jahren behandelt wurde. Konstante Panikattacken machten ihr Leben zur Hölle”. Ihre letzte Ehe führte sie zusammen mit dem elf Jahre jüngeren Restaurantmanager Barry Comden. Heute lebt Day 84-jährig völlig zurückgezogen im kalifornischen Carmel. Gerüchte gäbe es dort, so Bret, dass sie mitten in der Nacht streunende Hunde und Katzen einsammle:“Sie scheint damit endlich was zu tun, was sie wirklich glücklich macht”.