# 31. Jänner: Seuchen drohen in Haiti

Nach dem Horror das Haiti-Bebens (über 200.000 Tote) droht nun der Ausbruch tödlicher Seuchen: Viele der 750.000 Obdachlosen in der Hauptstadt Port-au-Prince, die auf engstem Raum in hunderten Lagern zusammengepfercht dahinvegetieren, könnten durch Epidemien wie Cholera, Malaria, Denguefieber, Tetanus, Masern und Durchfall hinweggerafft werden.
“Wir sehen einen dramatischen Anstieg an Durchfallerkrankungen”, so Paul Garwood, Sprecher der Weltgesundheitsorganisation WHO: “Dazu gibt es Reports über Masern und Tetanus”. Die zwischen den Ruinen entsprungenen Zelt- und Wellblech-Lager sind hygienische und sanitäre Zeitbomben: Kot, Kotze und Speisereste liegen in den engen Gängen, Urin versickert im Boden. In einem Lager gibt es ein Klo für 2000 Beben-Opfer. Die meisten entledigen sich am Straßenrand, gleich neben einem Marktstand. Dazu mangelt es an sauberem Wasser. Opfer Madelaine Bandir: “Wir verwenden selbst schmutziges Wasser, wir haben keine Wahl”.
Das Kinderhilfswerk UNICEF begann mit dem Ausheben von Latrinen für 20.000 Menschen. “Doch in vielen Camps ist nicht einmal Platz dafür”, so Sprecherin Silvia Gaya. In den verfilzten Wasserlachen brüten bereits Moskitos, die tödliche Malaria und Dengue-Fieber verbreiten. Dabei beginnt in acht Wochen erst die Regenzeit, wo sich die Stechmücken am meisten vermehren. Spitäler rapportierten bereits, dass die Hälfte der Kinder-Patienten an Malaria leidet.

# 31. Jänner: „Brangelinas“ mysteriöser Paarlauf

Für das Superstar-Paar Angelina Jolie (34) und Brad Pitt (46), denen das Image über alles geht, schien es höchste Zeit, den schrillen Trennungsgerüchten mit einem Paarlauf zu entgegen: Beide tauchten überraschend bei der Preis-Gala “Directors Guild of America Award” im L.A.-Hotel “Hyatt Regency Century Plaza” auf. Sie schienen, so das US-Magazin People, “vergnügt”. Pitt, mit gestutztem Zottelbart, stellte Kult-Regisseur Quentin Tarantino für seine Leistung im Hitfilm “Inglourious Basterds” vor, Jolie, eingewickelt in ein hochattraktives, graues “Elie Saab”-Kleid, leistete ihm Gesellschaft. Überschwänglich begrüßte sie Tarantino, gab Fans gelassen Autogramme. Es war “Brangelinas” erster gemeinsamer Auftritt nach fast einem Monat. Britenblätter und US-Enthüller wie Bestseller-Autor Ian Halperin hatten intensiv vom Anfang des Endes der vielleicht berühmtesten Hollywood-Beziehung aller Zeiten berichtet. Fest steht: Beide ließen bereits die Aufteilung des 330-Millionen-Dollar-Vermögens sowie das Sorgerecht für die sechs Kinder vertraglich regeln, eine “Routine-Aktion”, wie ihre Sprecher beteuern. Mysteriös beim jetzigen “Brangelina”-Outing: Keiner der anwesenden Fotografen schaffte es, ein Foto der beiden zusammen zu schießen.

# 30. Jänner: Inside Brangelina

„Brangelina“ lässt alle Trennungsgerüchte dementieren. Doch Bestseller-Autor Ian Halperin beschreibt, warum die Beziehung kaputt ist – und wann es offiziell wird.
New York. Superstar-Paar Angelina Jolie (34) und Brad Pitt (46) lassen zwar die Trennungsgerüchte weiter vehement dementieren. Doch sie sind wie vom Erdboden verschluckt: Brads letzte Sichtung war bei einem Wanderausflug (!) im Runyon Canyon nahe LA. Eine Frau sah ihn dort mutterseelenallein Tage vor dem Medien-Inferno über die Konsultationen mit Scheidungsanwälten über die Aufteilung des 330-Millionen-Dollar-Vermögens sowie dem Sorgerecht für die Kinderschar (Maddox, Zahara, Pax, Shiloh, Vivienne und Knox). Jolie soll nach New York zu einem Fototermin für das Magazin Vanity Fair gejettet sein.
„Inkompatibel“ Die Fülle an Skandal-Stories über das Jahrhundert-Liebesdrama lässt sich immer schwerer entgegnen. Auch wenn die US-Presse vorerst schließt, dass sie – noch – zusammen sind. „Doch wie lange halten sie diese Charade noch durch“, urteilt Starautor Ian Halperin, dessen Buch Brangelina Exposed zuletzt für Furore sorgte: „Die Trennung ist unausweichlich, das Paar ist einfach nicht kompatibel”. Dabei, so der Autor: „Die ersten zwei Jahre ihrer Beziehung waren die reinsten Flitterwochen“. Doch dann kam das böse Erwachen: „Sie stellten fest, dass sei einfach nicht zueinander passen“. Auch ihr Sexleben sei praktisch erloschen, wird behauptet.
Brads Schmerz. Halperin nennt zwei Gründe, warum es nicht bereits zum Bruch kam: Brad liebt seine Kinder, vor allem seinen „Engel Shiloh“. Er wisse nicht, „wie er ihnen die Nachricht einer Trennung beibringen soll“. Freunde: „Das würde ihm das Herz brechen“. Und als Paar ist als Brangelina wegen ihrer globalen Hilfsprojekte von New Orleans bisHaiti eine philanthropische Weltmarke. Sie gefallen sich in der Rolle als Weltretter.
Psychopatin. Doch der Leidensdruck muss, so Halperin, vor allem für Pitt gewaltig sein: Jolies Temperament, ihr Jähzorn, ihre psychologische Unstabilität sind Legende (bereits als Teenager wurde sie in einem Schulbericht offiziell als Psychopathin eingestuft). Halperin berichtete von Schreiduellen, Ohrfeigen, Messerwürfen. Er zitiert einen Limofahrer: „Es kam am Rücksitz zum Streit – und ich war mehr über Brads körperliches Wohlergehen besorgt“.
Hinzu kamen die Gerüchte, dass Jolie mit einem für den Dreh des Spionage-Thrillers Salt angeheuerten Russischlehrer eine Sex-Orgie mit Gummileintuch und Sex-Spielsachen absolvierte (er dementiert die Story).
Umarmung mit Aniston? Sie wiederum sei eifersüchtig über Brads intensiven Kontakt zu Ex Jennifer Aniston: Geheime Treffen, nächtliche Telefonate und reger SMS-Verkehr versetzen Jolie in Rage. Und die Tabloids überschlagen sich, dass Brad längst die reuige Rückkehr plane: Beim Haiti-Spenden-Telethon hätte es ein emotionales Treffen gegeben. Verliebt hätten sie sich angestarrt. InTouch zitiert gar Zeigen, die sie am Parkplatz in einem Wagen sitzen sahen – und wie sie sich zur Verabschiedung umarmten. Je größer Brads Probleme mit Angie wurden, desto intensiver der Kontakt zu seiner Ex, beobachtete auch Halperin: Heute betrachte er es als „den größten Fehler seines Lebens“, so Freunde, dass er Aniston damals verließ.
Streit 24/7. Gestritten werde im Hause Brangelina – einst mit ihrer entzückenden Multikulti-Kinderschar die meistbewundertste Familie der Erde – jetzt rund um die Uhr, so Halperin: „Vor dem Personal, vor den Kindern“. Sie schreie ihn an, wenn er die Eier zu weich kocht oder was anbrennen lässt (besonders schmerzhaft für Pitt, da er sich für einen Spitzenkoch hält…). Sie nörgle über sein Übergewicht, mache ihn mitunter als Dummkopf herunter, wettere über seine Saufgelage und das ständige Kiffen. Dazu bemängle sie, „dass er ihr nicht ausreichend bei der Arbeit mit den Kindern hilft“, so Insider.
Zank um Kids. Der Zank dreht sich auch immer häufiger um die Zukunft des Nachwuchses: Jolie will sie als „Kinder der Welt“ großziehen, sie ständig rund um den Planeten jetten lassen. Er poche, so der Autor, auf mehr Stabilität. Doch was treibt die Traumfrau Jolie in den ständigen Frust? Freunde sagen, dass sie trotz all dem Personal zu Hause „alles selber machen wolle“, was sie im ständigen Kinder-Tohuwabohu überfordere. Dazu fühlt sie sich wegen der Paparazzi-Belagerung isoliert: „Sie würde am liebsten mit anderen Müttern am Spielplatz herumhängen“.
Halperin schließt: Waren es bisher die Kids, die eine Trennung verhinderten, könnten sie am Ende doch der Grund sein: „Sie realisieren, dass das ständige Streiten vor den Kindern ihnen nur schaden könnte“. Diskutiert werde nur mehr, wie die Separation mit möglichst geringem Imageschaden finalisiert werden könne.

# 29. Jänner: Was plant Hillary?

US-Außenministerin Hillary Clinton hatte zwar eine gute Ausrede, der hochkarätigen Rede von Präsident Barack Obama zur “Lage der Nation” fernzubleiben. Sie nahm in London an zwei wichtigen “Terror”-Konferenzen zu Afghanistan und dem Jemen teil. Dennoch rotiert in den USA prompt die Gerüchteküche, ob sie Obama für das Oval Office nochmals herauszufordern wolle. “Was heckt sie aus?”, plärrte der Internet-”Drudge Report”.
Je tiefer Obama in seiner Popularität fällt (zuletzt unter 50 Prozent), je mehr Wähler über den ausbleibenden “Wandel” enttäuscht sind, desto schriller geraten die Hillary-Spekulationen: Lebt ihr Traum weiter, doch noch Amerikas erste Präsidenten zu werden? Fordert sie Obama für die Wiederwahl 2012 heraus? Ein “Rematch” des Vorwahl-Dramas 2008, wo Obama nach sechsmonatiger Schlacht knapp mit 2.306 zu 1.973 Delegierten-Stimmen siegte?
“Viele Demokraten sind besorgt über Obamas fallende Beliebtheit”, schreibt Peter Roff vom Magazin “U.S. News & World Report”: Die Verluste zweier Gouverneursposten in Virginia und New Jersey sowie der Sensationssieg des Republikaners Scott Brown bei der Ted-Kennedy-Nachwahl lassen die Demokraten bei den “Midterm”-Kongresswahlen Anfang November ein “Blutbad” befürchten. Die Rufe nach Hillary als Retterin könnten lauter werden.
Die Herausforderung eines amtierenden Präsidenten von “Parteifreunden” wäre keine Premiere: Ted Kennedy trat 1980 erfolglos gegen Jimmy Carter an. Hillary dementiert mögliche Ambitionen, doch signalisierte in einem Interview mit PBS-TV Rastlosigkeit, ließ durchklingen, nicht ewig Außenministerin sein zu wollen. Dennoch warnen Polit-Insider: Ein Dolchstoß gegen Obama würde die Partei zerreißen.

# 28. Jänner: Reaktionen über den IPad

Meist positive Reaktionen in den US-Medien über Apples Wundertablet iPad.
New York. Gelobte wurde die flotte Performance und die aggressive Preispolitik. Der iPad wird, so Michael Miller (PC Magazin), „billiger als erwartet angeboten“. Joel Johnson von der Tech-Website Gizmodo verstieg sich sogar in der Behauptung: „Apple scheint nun mit dem iPad das Ende des traditionellen PC auszurufen“. PC-Hersteller, inklusive Apple selbst, werden sich schwer tun, der einzigartigen Erfahrung am iPad Paroli zu bieten.
App-Vorteil. Walter Mossberg, der legendäre Tech-Kritiker des Wall Street Journal, stricht die auf Laptops nicht erhältlichen 140.000 Applikationen hervor. Gelobt wurde auch die iBook-Software: „Was für eine tolle Art und Weise, ein Buch zu lesen”, jubelte AP-Kritikerin Rachel Wetz. Der iPad werde bisherige E-Readers wie Amazons Kindle vom Markt fegen, wird erwartet. Doch es gab auch Kritik: Die Einschränkung, nur ein Programm offen haben zu können, sei „kaum begreifbar“, so ein Blogger.

# 28. Jänner: Hollywood-Stories

Kaum mehr höher kann es bei der Karriere des Pop-, Model- und Filmstars Beyonce Knowles (28) gehen: Bei den Grammys Sonntag abends in L.A. ist sie für zehn Preise nominiert – darunter Album, Single und Sängerin des Jahres, mehr als alle anderen. Ihre Starpower verhalf auch dem Haiti-TV-Telethon zu Rekordspenden von 59 Millionen Dollar. Einzig ihr Neujahrsauftritt auf der Karabik-Insel St. Barts, wo sie bei einer, von Gadaffi-Sohn Mutasim-Billah organisierten Party sang, sorgte für sauren Beigeschmack.
Powerpaar. Neben der Musikkarriere der R&B-Königin dampfte auch ihre Filmkarriere aus allen Zylindern: 2009 überzeugte sie im Thriller Obsessed. Dazu wurde ihr die Position einer Jurorin bei der neuen TV-Hitserie des Ex-American-Idol-Stars Simon Cowell angeboten. Seit April 2008 ist sie mit dem New Yorker Rapper Jay-Z verheiratet. Als Tandem sind sie das „bestverdienendsten Paar“ der Unterhaltungsbranche: 122 Millionen Dollar scheffelten sie zwischen Juni 2008 und Juni 2009, so Forbes, zweieinhalbmal so viel wie Brangelina. Und Beyonce hat dabei die Hosen an: 87 Millionen der Einnahmen gehen auf ihr Konto.
Baby-Wünsche. Prompt kündigte sie an, nach dem Ende ihrer Konzerttour, die sie in 110 Weltmetropolen führte, eine zumindest sechs Monate lange Pause einzulegen. Sie wolle ihre „Batterien aufladen“. Und sich vielleicht ihren größten Wunsch erfüllen: „Ein Baby“, wie sie dem Magazin Allure anvertraute. Freunde berichteten, dass trotz reger Aktivität im Schlafgemach die Schwangerschaft bisher ausblieb, was zu leichter Frustration geführt hätte. Noch nimmt sie es gelassen: Sie mache sich ohnehin Sorgen, scherzte sie, ihre „festen Kurven zu verlieren“.

Was für ein erstaunliches Comeback für Robert Downey Jr. (44), der nach Jahren an Drogenexzessen, Haftstrafen und Entzug bereits komplett abgeschrieben war. Jetzt steht er mit der von Kritikern gelobten Neuverfilmung der britischen Detektivlegende Sherlock Holmes, der jetzt in heimischen Kinos anlief, am Zenit seiner Karriere: Der Krimiklassiker, wo Holmes und Dr. Watson (Jude Law) ein vom Bösewichts Lord Blackwood angestiftetes Opferritual verhindern sollen, wurde mit US-Einnahmen von 191 Millionen Dollar zum Blockbuster.
In Kürze folgt Downeys nächster Streich: Im Mai landet Iron Man II in den US-Kinos, wo er in der Comics-Verfilmung inmitten eines Starensembles (Mickey Rourke, Scarlett Johansson) einen Superhelden mimt.
Rettung. Seine Rettung verdankt der Ex-Hollywood-Rabauke seiner Frau, der Filmproduzentin Susan Levin (36), die er 2005 heiratete. „Ihr verdanke ich mein Leben“, sage er kürzlich. Tatsächlich stand kaum wer in Hollywood derart am Abgrund: Zwischen 1996 und 2001 dünstete er wegen schwerer Heroinsucht und Waffenbesitz längere Zeitspannen in Haft. Er gab an, bereits als Achtjähriger Drogen genommen zu haben. Nach der letzten Verhaftung 2001 schaffte er den Entzug, seine Filmkarriere hob ab. Die letzte Krönung: Für die Holmes-Rolle kassierte er den Golden Globe. Jetzt fehlt nur mehr der Oscar. (bah)

Inmitten immer schrillerer Trennungsgerüchte stürzen sich die Superstars Angelina Jolie (34) und Brad Pitt (46) zur Ablenkung von dem privaten Drama an Affären, Eifersüchteleien und emotionellen Eruptionen nach dem Zerbrechen ihrer große Liebe voll in ihre Karrieren: Jolie startet in Kürze den Dreh für den Thriller The Tourist. Groß ist die Aufregung bereits über die geplanten heißen Sexszenen mit Traummann Johnny Depp (46). Dann startet die nach wie vor bestbezahlteste Diva die Werbe-Tour für den Agententhriller Salt, wo Jolie eine russische Doppelagentin spielt. Eine vermeintliche Sex-Orgie mit dem Russischlehrer für den Film sorgt zuletzt für Aufregung.
Wohltäter. Noch mehr Filme hat Pitt in der Pipeline: Mit The Tree of Life, The Lost City of Z und MegaMind dominiert er heuer gehörig das Box Office. Dazu hat Pitt zahlreiche, karitative Projekte laufen. Insider erwarten, dass er zur Ablenkung noch mehr Energie in seine Arbeit als Weltretter steckt: Nachdem er bereits Siedlungen im Katrina-gefluteten New Orleans baute, wird eine aktive Rolle auch beim Wiederaufbau der Beben-Desasterzonen Haitis erwartet. Einig sind sich alle: Auch getrennt wird das Paar kaum an Starpower einbüßen.

# 27. Jänner: Medienkrieg um Brangelina

Die Trennungsgerüchte zwischen dem Superstar-Paar Angelina Jolie (34) und Brad Pitt (46) löst unter den US-Tabloids den totalen Medien-Hype aus. Seit Britenblätter “Brangelinas” Einschaltung von Scheidungsanwälten zur Regelung des 350-Millionen-Dollar-Vermögens und dem Sorgerecht für die sechsköpfige Kinderschar vermeldeten, sprudeln neue Details über das Liebesdrama:
# “In Touch” lässt ein Zimmermädchen von der “Brangelina”-Front rapportieren. Sie behauptet: Brads Ex, Jennifer Aniston, führte zum Untergang des Traumpaares. Ungeniert sollen Brad mit ihr zur Sache gehen: Beim der Haiti-Spenden-”Telethon” hätte er sich für ein paar Minuten hinter die Bühne verzogen. Nach Monaten in separaten Schlafräumen und dem Vorgaukeln einer Romanze vor TV-Kameras wolle Brad, so das Magazin, “nun keine Lüge mehr leben”. Vor allem: Er suche einen Neuanfang mit Aniston. Seit drei Jahren sei die Liebe zwischen Brad und Angie graduell erloschen, heißt es: Jetzt sei jeder öffentliche Auftritt nur mehr “orchestriert”. Brad halte den Alltag kaum mehr aus, so die Nanny: Jolie nörgle ununterbrochen, rufe ihn ständig am Handy an. Beim Auflegen zieht er Grimassen. Oft herrsche sie ihn an, auch vor den Kids.
# “OK!”-Magazine dreht das Drama bereits nach vorne: Pitt soll bereits bei seiner Ex, Jennifer Aniston angedockt haben. “Sie sind wieder zusammen”, wurde getitelt: Demnach hätten sie bei der Haiti-Nacht auch am Buffet heftig geturtelt. Brad betrachte die Trennung von Jen als “größten Fehler” seines Lebens. Er sei “besessen” von ihr, so Freunde. Reports von geheimen Treffen, romantischen Anrufen und amourösem SMS-Verkehr dominierten das ganze letzte Jahr. Brad wäre so nervös über sein Aussehen vor dem “Haiti”-Treffen gewesen, dass er das Abrasieren seines Zottelbartes überlegte. Pitt behielt dazu bewusst das alte, 18 Millionen Dollar teure Malibu-Haus, wo sie als Ehepaar lebten. Der Zustand seiner Beziehung mit Jolie? “Sie streiten nur mehr”, so zitierte Freunde: “Vor den Kindern, vor ihrem Personal, zu jeder Tageszeit”.
# “US Weekly” titelt: “Brads Misere!” Brad sei laut dem Report ein gelassener Typ, doch sie treibe ihn mit ihrer Hyperaktivität und Perfektionismus an den Rand des Irrsinns. Ein Insider: “Sie schreit ihn an, wenn er die Eier zu weich kocht”, lasse ihm ständig wissen, dass er einfach “nichts richtig machen” könne. Auch intellektuell hält sie sich für überlegen. Pitt sei so sauer, dass er sie hinter ihrem Rücken eine “Schlampe” heiße. Sie keife ihn sogar an, dass er zu wenig Zeit mit seinen Töchtern verbringe. Doch das Blatt behauptet auch, dass sie noch zusammen sind – und der Gang zum Anwalt nur vorbeugender Natur war. Und, überraschend: Der heftige Zank hätte sogar ihr Sexleben wieder beflügelt, so das Magazin.
# Der “Star” lässt Jennifer Aniston zu Wort kommen: “Ich nehme Brad jederzeit zurück, ich liebe ihn immer noch”, hätte sie Freunden gebeichtet. Weiters: Pitt wäre in Tränen ausgebrochen, als Jolie ihm ihre Affäre mit dem Russischlehrer beim Dreh zum Thriller “Salt” beichtete. Er flüchtet nach San Francisco, rief Tage später Aniston um 3 Uhr früh an.
# Das seriösere “People” beharrt, das das Inferno an Trennungs-Stories überzogen und auf teils falschen Gerüchten beruhe. Mit dem Gang zum Anwalt wollte das Paar bloß Ordnung in ihren Finanzen schaffen. Freunde zu dem Magazin: “Alles ist in bester Ordnung”.

# 28. Jänner: Obamas State of the Union

US-Präsident Barack Obama versprühte bei seiner 71 Minuten langen Rede an die Lage der Nation das alte Feuer des “Yes we can”-Kandidaten. Doch er gestand auch die Ernüchterung des Regierens in der zerstrittenen Kapitale Washington D.C. ein, gab zu, dass er viele Wähler enttäuschte: “Ich habe den Wandel versprochen”, rief er in den Saal, wo First Lady Michelle, beide Kongress-Kammern und die US-Regierung lauschten: “Und ich weiß, dass jetzt immer mehr zweifeln, ob Wandel überhaupt möglich ist”.
Doch er portraitierte sich selbst als Außenseiter in den zynischen Machtspielen Washingtons, als Verbündeter der darbenden Mittelklasse: Er appellierte an seine eigenen Demokraten, mit mehr Courage die Gesundheitsreform durchzuboxen. Scharf schoss er auf die Republikanern, die mit ihrer “kurzsichtigen” Blockade-Politik eigene Wähler im Stich ließen. Und er wetterte gegen Lobbyisten mächtiger Interessensgruppen, deren Einfluss er mit strengen Regeln eindämmen wolle. Kämpferisch: “Ich werden nicht aufgeben”.
Das wichtigste Ziel der fulminanten Rede war, das Vertrauen mit dem Amerikanern nach einem Jahr an großen Worten doch mageren Resultaten zurückzugewinnen. Vor allem will er die mit zehn Prozent hohe Arbeitslosigkeit bekämpfen: Er forderte vom Kongress die Verabschiedung eines 150 Milliarden Dollar teueres Job-Paketes. “Jobs sind die Top-Priorität in 2010”, rief Obama. 30 Milliarden sollen für Kredite für Kleinbetrieben lockergemacht werden. Harte Worte hagelte es für die Banken: Wer so hohe Boni bezahlt, so Obama, könne mit der Abfuhr einer Bankensteuer sicherstellen, dass Steuerzahler alle Rettungsgelder zurück erhalten. Am Ende gab es noch ein Signal an Obamas treueste Fans: Er will, dass Homosexuelle fortan in der US-Armee offen dienen können.

# 27. Jänner: Elin sagt Scheidung ab

Elin Nordegren (30) will die geplante 300-Millionen-Dollar-Scheidung mit dem sexsüchtigen Stargolfer Tiger Woods (34) jetzt doch absagen – oder zumindest vorerst auf Eis legen. Das Paar lebt getrennt, seit Ende des Vorjahres Woods Sexeskapaden mit 14 Mätressen und Prostituierten aufgeflogen waren. “Sie ging selbst als Kind durch eine Scheidung”, erzählt eine Bekannte dem US-Magazin “People”: “Sie weiß, wie traumatisierend das ist – und will es ihren eigene Kindern ersparen”. Der Golfchamp und das Ex-Schwedenmodel haben die Tochter Sam (2) und den Baby-Buben Charlie (elf Monate). Kurz: Nordegren, die extrem abgemagert ist, wolle “die Familie zusammenhalten”.
Kürzlich besuchte sie Woods in der Entzugsklinik “Gentle Path” im US-Staat Mississippi. Dort lässt er sich von seiner Sexsucht kurieren. Das Treffen, genannt “Familien-Woche”, ist Teil des Heilprogramms. “Es ist die härtesten Momente”, so ein Ex-Patient: “Die betrogene Frau stößt sieben Tage lang zu den Therapiesitzungen hinzu – und am Ende muss er ein vollständiges Geständnis ablegen, jedes herzzerreißende Detail”. Bei Woods könnte angesichts seines Harems diese Sitzung länger gedauert haben.
Der Golfer träumt, so Insider, bereits von seinem Comeback: Die Rettung seiner Ehe ist dabei zentraler Bestandteil. Kaum zu glauben: Anfangs wehrte er sich vehement, sich einer Sex-Therapie unterziehen zu lassen.

# 27. Jänner: Obama verspricht Jobs

Barack Obama versprach bei der großen Kongressrede, Arbeitsplätze zu schaffen.
Washington. US-Präsident Barack Obama versuchte mit einer zündenden „Rede an die Nation“ vor beiden Kongresskammern sein Polit-Comeback: Er drängte, die ins Stocken geratene Gesundheitsreform abzuschließen, kündigte Hilfen für die Mittelklasse an, präzisierte Maßnahmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen – und versprach eine Einwanderungsreform.
Alte Magie? Doch vor allem wollte er das Vertrauen der desillusionierten Wähler wiedergewinnnen, „die alte Magie aufleben lassen“, so Politologen. Tatsächlich: steckt Obama 373 Tage nach der Inauguration tief in der Krise: Die hohe Arbeitslosigkeit (zehn Prozent), die explodierende Staatsverschuldung und die Wut über Banker-Boni ließ Obamas Popularität unter 50 Prozent stürzen. Laut NBC/WSJ-Umfrage sehen 58 Prozent die USA am falschen Kurs. Obama kündigte neue Projekte an: Acht Milliarden Dollar sollen in ein Schienennetz für Hochgeschwindigkeitszüge investiert werden.

# 26. Jänner: Populismus als Retter?

US-Präsident Barack Obama will sich mit Populismus aus dem Polit-Tief befreien.
Washington. Am Vortag der Kongress-Rede zur Lage der Nation (State of the Union) heute um 21 Uhr (Donnerstag, 3 Uhr MEZ) begegnet Obama dem Polit-Tief mit populistischen Vorschläge: Nun will er innerhalb von drei Jahren 447 Milliarden Dollar an Ausgabensteigerungen bei Regierungsprogrammen einfrieren.
Obama will damit Wechselwähler zurückerobern, die sich um das explodierende Budgetdefizit sorgen. Doch Ökonomen warnten: Die Kürzungen könnten 350.000 Jobs kosten. Dabei will Obama bei seiner Kongressrede voll auf die Schaffung von Arbeitsplätzen fokussieren. An der Gesundheitsreform will er ebenso festhalten, auch wenn es ihm die Wiederwahl koste: „Ich wäre lieber ein guter Präsident für eine Amtszeit, als ein mittelmäßiger für zwei“, sagte er ABC-TV.

# 25. Jänner: Nur mehr Spenden können helfen

Die harten Haitianer haben sich zuerst selbst gerettet – doch jetzt brauchen sie Hilfe.
New York. Niemand auf dieser Erde ist so hart im Nehmen wie die Haitianer. Dennoch brauchen sie nach der Beben-Tragödie alle Hilfe. Eine Woche lebte ich in der Hölle von Port-au-Prince. Nie vergessen werde ich den Überlebenswillen, die Ausdauer, die Geduld der Menschen: Stoisch hockten sie in den Parks, kochten Essensreste, gaben ihren Kindern die letzten Tropfen Flüssigkeit. Im Schutt wühlten sie nach Brauchbaren für den täglichen Überlebenskampf.
Rettung. Tagelang sahen die Haitianer keine Seele der internationalen Hilfsarmee. Doch kein Wort der Beschwerde war zu hören, kein Mobbing westlicher Reporter, keine „Help, Help“-Sprechchöre wie einst in New Orleans. Mit einer der korruptesten Regierungen und dem Erdulden bitterster Armut haben diese tollen Menschen wohl gelernt: Wir sind auf uns alleine gestellt!
Dennoch können langfristig nur Spenden und internationale Hilfe die neun Millionen Haitianer retten. Das Ausmaß der Zerstörung wäre selbst für eine Industrienation überwältigend: 150.000 Tote sind geborgen, vielleicht 100.000 verwesen weiter in den Ruinen. Mit den wachsenden Müllberge sitzt die Zweimillionenstadt auf einer tickenden, hygienischen Zeitbombe. Jederzeit könnten Seuchen ausbrechen. Bisher blieb es trocken. Doch jeden Tag könnten tropische Regenschauer die Camps in einen stinkenden Morast aus Müll, Kot und Urin verwandeln. Für die geplanten Zeltstädte in den Vororten sind weitere Millionen nötig. Und dann der Wiederaufbau – mit 60 Prozent der Gebäude zerstört vielleicht der aufwendigste aller Zeiten.

# 25. Jänner: Brangelina on the Rocks

Neue Enthüllungen im Trennungsdrama des berühmtesten Hollywood-Paares Angelina Jolie (34) und Brad Pitt (46): Jolie soll beim Dreh für den Agententhriller “Salt” eine wilde Sex-Affäre mit ihrem Russischlehrer gehabt haben, schrieb das US-Magazin “InTouch” zuerst. Jetzt liefert ein Zimmermädchen, das das Hotelzimmer im New Yorker “Waldorf Astoria”-Hotel nach der “Russischstunde” aufräumte, neue, bizarre Details. Der Raum war “total verwüstet”, offenbar der Schauplatz einer Orgie, so Anna Kowalski: Das Bett bespannt mit einem schwarzes Gummileintuch, Sex-Spielzeug überall, das Badezimmer halb überflutet, dazu Kerzen und Orchideen.
Jolie wilde Sex-Gewohnheiten sind Legende: Gerne erzählte sie, wie sei frühere Partner beim Liebesspiel mit Messern aufschlitzte. Auffällig: Jolie hatte kürzlich in einem Interview mit dem deutschem Magazin “Das Neue Blatt” die Treue in ihren Beziehungen als nicht “essentiell” erachtet. Howard Samuelson, der Jolie eigentlich einen forsche Russendialekt beibringen sollte, dementierte das erotische High Noon im Hotel.
Jolies Partner Pitt sei jedoch explodiert. Laut Britenpresse haben beide bereits hochkarätige Scheidungsspezialisten in L.A. eingeschaltet: Gerungen wird um die Aufteilung des auf 330 Millionen Dollar geschätzten Vermögens (samt dem Provence-Schloss “Chateau Miraval”) und dem Sorgerecht für die drei leiblichen Kinder (die Zwillinge Vivienne und Knox, sowie Shiloh) und die drei adoptierten (Maddox, Pax und Zahara).
Trotz aller Dementis sehen “Brangelina”-Watcher tatsächlich das endgültigeLiebesfinale. Seit einem Jahr hätten sie keinen Sex mehr gehabt, so Bestseller-Autor Ian Halperin: “Sie treibt ihn mit Jähzorn, Depressionen und Exzentrik in den Wahnsinn”. Er flüchte ins Saufen und Kiffen. Bei einem Streit im New Yorker Restaurant “Alto” fordert er, so Tabloids: “Lass dich psychiatrisch behandeln!” Immer stärker interveniere Pitts Familie, vor allem Bruder Doug (41). Deren Botschaft: Verlasse sie, bevor es zu spät ist.

# 25. Jänner: Obama kämpft um Polit-Comeback

US-Präsident Barack Obama kämpft nach einer grauenhaften Woche bei der großen Kongressrede am Mittwoch um sein Polit-Comeback.
Washington. Mit dem Sensationssiegs des Republikaners Scott Brown für den Senatssitz des verstorbenen Ted Kennedy büßten Obamas Demokraten die 60-Stimmen-„Supermehrheit” im Senat ein. Damit wackelt die Gesundheitsreform. Obamas will bei seiner ersten State of the Union-Rede (Lage der Nation) Mittwoch Abends vor beiden Kongresskammern nun mit einem neuen Fokus auf die Arbeitsplatzschaffung und Hilfestellungen für Mittelklassefamilien wieder Tritt fassen.
Kalt erwischt. Konkret: Laut New York Times will Obama neue Steuererleichterungen für die Kinderbetreuung und Spar-Fonds für die College-Kosten vorschlagen. Dazu wolle er, so ein Berater, „Ideen zur Reduktion des Defizits präsentieren“. Der Präsident war in Massachusetts vom wachsenden Volkszorn kalt erwischt worden: Im Kampf um die Krankenkassen-Reform übersah er den wachsenden Unmut über die Milliarden-Boni der Wall-Street-Banken, während die Amerikaner weiter unter hoher Arbeitslosigkeit (zehn Prozent) leiden, ihnen Privatpleiten und die Zwangsversteigerungen ihrer Häuser drohen.
Wieder kampflustig. Obama kontert mit kämpferischen Populismus: Er will die Banken mit strikten Regeln an die Kandare nehmen, energischer gegen Washingtons Machtkartelle „kämpfen“. Um ein totales Debakel bei dem Konkress-Midterm-Wahlen im November zu verhindert, reaktivierte er sein Wahlkampf-Genie aus dem Jahr 2008, David Plouffe.

# 24. Jänner: Wunder in Port-au-Prince

Immer noch Wunder in der Ruinen der Todesstadt Port-au-Prince: Französische Rettungsteams holten elf Tage (!) nach dem Haiti-Horrorbeben den 23-jährigen Wismond Exantus aus dem Schutt des kollabierten Hotels Napoli. Er war in erstaunlich guter Verfassung, bedankte sich bei den Rettern. Hunderte Schaulustige klatschten frenetisch Beifall, als der junge Haitianer auf einer Trage zur Ambulanz gebracht wurde. Ausgerechnet kurz nachdem die Haiti-Regierung die Suche nach Überlebenden für beendet erklärte, waren Wismonds Klopfzeichen gehört worden. Überlebt hat er unter einem Tisch in einem Hohlraum, fand dort Kekse, Bier und Cola. “Gott gab mir Kraft”, erzählte er fröhlich im Spital. Doch Makaber: Tagelang hört er das Klopfen anderer Überlebender. Nach und nach verstummten jedoch die Lebenszeichen.
Wismonds Wunderrettung versprüht Optimismus in der devastierten Metropole – wo auch sonst Zeichen einer leichten Normalisierung feststellbar sind: Menschentrauben bildeten sich vor Banken, als Überlebende dringend benötigtes Bargeld abhoben. Restaurants und Supermärkte öffneten, aus Angst vor Plünderungen wurden sie streng bewacht. Elektriker werkten fieberhaft an gekappten Stromleitungen. 30 Prozent der Tankstellen sind in Betrieb.
Grimmig jedoch weiter die Schätzungen über die Opferbilanz: 150.000 Leichen sollen allein in Port-au-Prince geborgen worden sein, so Marie-Laurence Jocelyn Lassegue, Chef jenes Ministeriums, das die Toten in Massengräber am Stadtrand schaffte. Eine völlig unbekannte Zahl an Toten verrottet dabei weiter in den Trümmerhalden zerstörter Gebäude. Lassegue tönte gegenüber der US-Agentur AP düster: “Niemand kann auch nur schätzen, wie viele dort beerdigt sind: 200.000? 300.000?“. Der Leichengestank, der seit dem Beben über der Stadt weht, lässt das Schlimmste befürchten. Auch die Opferbilanz in der Provinz ist noch kaum abschätzbar.
Schleppend läuft die internationale Hilfswelle an. US-Soldaten gaben in dem gefürchteten Slum “Cite Soleil”, der von Plünderungen und Gewaltorgien terrorisiert wurde, 2.000 Essensrationen, 75.000 Energieriegel und 9.000 Wasserflaschen aus. Entnervend weiter die Nachbeben: US-Geologen registrierten seit dem 7,0-Megabeben am 12. Jänner 52 Erdstöße mit einer Intensität von über 4,5. 609.000 Menschen soll laut der US-Entwicklungshilfe noch obdachlos sein.
Die Welle der Hilfsbereitschaft rund um den Globus sprengt alle Rekorde: Beim TV-”Telethon” der größten Musik- und Hollywoodstars am Freitag kamen 58 Millionen Dollar zusammen, so die Veranstalter.

# 24. Jänner: Osama spukt wieder

Kommen nach dem „Unterhosen-Bomber“ nun die Terror-Bräute? Die USA und Großbritannien befürchten eine neue Al-Kaida-Angriffswelle.
New York. In Großbritannien wurde die zweithöchste Terror-Warnstufe ausgerufen, nachdem Geheimdienste vor Einsatzbefehlen für Frauen mit westlichen Pässen für Attacken gegen Ziele im Westen warnten. Die Armada der Bomber-Bräute sei im Jemen ausgebildet worden. Ex-US-Terrorzar Richard Clark warnt: „Al Kaida kann weiter auf gut ausgebildete Terroristen zurückgreifen, die eine völlig weiße Weste haben“.
Osama Bin Laden: Detroit-Bomber ist ein „Held“
Al-Kaida-Terrorchef Osama Bin Laden bekannte sich unterdessen in einem von der TV-Anstalt Al-Jazeera gesendeten Tonband zum fehlgeschlagenen Anschlag auf einen Delta-NW-Airbus am Christtag bei Detroit. 289 Passagiere entgingen dem Tod, als der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab (23) bei der Zündung eines in seiner Unterhose versteckten Sprengpulvers scheiterte. Er sei „ein Held“, jubelte Bin Laden: Der Superterrorist, den die USA seit dem 11. September 2001 mit 50 Millionen Dollar Kopfgeld jagt, warnte vor neuen Attacken gegen Amerika.
Größer ist die Terror-Panik in England: Experten warnen vor Anschlägen gegen die am Mittwoch und Donnerstag beginnenden Konferenzen in London über Afghanistan und den Jemen. Regierungsmitglieder aus 60 Staaten haben ihr Kommen zugesagt, darunter US-Außenministerin Hillary Clinton. Das Antiterror-Zentrum das Britengeheimdienstes MI5 beobachtete verstärktes „Geschnatter“ in den Al-Kaida-Kommunikationskanälen, ein Zeichen kommender Attacken. Konkret wird befürchtet, dass Terroristen einen Flug von Neu Delhi (Indien) entführen und London attackieren könnten.

# 22. Jänner: Haiti – eine erste Bilanz

Keine Entspannung auch am Tag Zehn nach dem Haiti-Todesbeben: Die Lage unter den 1,5 Millionen Obdachlosen, die zwischen den Ruinen der Hauptstadt Port-au-Prince in hastig errichteten Lagern unter verheerenden sanitären Zuständen dahinvegetieren, verschärft sich: Trotz verbesserter Logistik am Flughafen, der zum “Flaschenhals” der internationalen Hilfsoperation wurde, der Wiedereröffnung des Hafen-Piers und der Freigabe weiterer Landepisten fehlt es in den Camps am Notwendigsten: Vor allem an Wasser und Nahrung. “Wir haben Hunger, wir verdursten”, rufen verzweifelte, bereits abgemagerte Bebenopfer TV-Teams zu. 500 solcher Horror-Camps wurden bisher entdeckt mit insgesamt 472.000 Beben-Flüchtlingen. “Die Menschen zeigen einen gigantischen Überlebenswillen”, so Fredy Rivera vom “Hilfswerk Austria International”.
Die größte Hilfsaktion seit der Asien-Tsunami begann mit einem Fehlstart: Die durchschnittliche Wartezeit auf ärztliche Behandlung liegt immer noch bei 12 Tagen. Tausende Opfer, die nur mehr durch Amputationen infizierter Gliedmaßen gerettet werden könnten, sind dem Tod geweiht. Dabei operieren ärztliche Hilfstrupps rund um die Uhr: “Ärzte ohne Grenzen” etwa führt 130 Eingriffe pro Tag durch. Wegen dem anfänglichen Chaos am Flughafen warten immer noch 1.400 (!) Hilfsflüge auf eine Landeerlaubnis.
Vor allem Seuchen werden befürchtet: Der Großteil der Leichen, die tagelang auf den Straßen lagen, sind zwar entfernt. 80.000 Opfer wurden in Massengräbern am Stadtrand bisher beigesetzt. Doch der Müll türmt sich immer höher. Und im Schutt der Gebäude verrotten weiter zehntausende Tote. Die Obdachlosen hinterlassen Kot und Urin. Oft gleich daneben werden auf Straßenmärkten Geflügel und Gemüse verkauft. “Nur einer braucht sich mit der Cholera infizieren und ein Massenausbruch ist garantiert”, so der US-Doktor Anthony Paul.
In ihrer totalen Verzweiflung versuchen die Haitianer die Flucht aus der Todesstadt: 200.000 zwängten sich laut Hilfsorganisationen in Busse, hunderte ruderten sogar mit Booten auf die See, 8.000 stürmten ein Fährschiff. Die Haitianische Regierung plant die Umsiedlung von 400.000 Menschen in Vororte. “Dort sollen sie erstmals angemessene Betreuung erhalten”, so Präsentensprecher Fritz Longchamp. Doch beginnen soll die Völkerwanderung erst Ende des Monats. Der Bau der Auffanglager werde “einige Zeit in Anspruch nehmen”, sagt Longchamp. Insgesamt schätzen Experten den Finanzbedarf zum Wiederaufbau von Port-au-Prince auf sieben Milliarden Euro.
Die Schätzung der Todesopferzahl der schlimmsten Bebentragödie aller Zeiten steht weiter bei 200.000. Die Suche nach Überlebenden durch 1.600 Rettungsspezialisten in den Ruinen ist aussichtslos geworden: Der Donnerstag war der erste Tag, wo niemand mehr gerettet werden konnte. Immerhin: 190 Menschen schenkten die Teams das Leben, darunter der “Wunderknabe von Haiti”, der siebenjährige Kiki Joachin. Er hatte acht Tage in einem Hohlraum überlebt, ohne einen Tropfen Wasser. Sein völlig eingefallenes Gesicht strahlte bei der Rettung, das Foto rührte die Welt. Doch inmitten des Horrors auch Zeichen einer leichten Normalisierung: Vor den Banken bildeten sich Menschenschlangen für die ersten Geldüberweisungen. 13.000 US-Soldaten liefern Wasser und Nahrung in die Stadt, eine C-17-Cargomaschine warf Hilfsgüter in den schwer zugänglichen Beben-Regionen ab. Sogar einige Friseur-Salons öffneten ihre Pforten.

# 22. Jänner: Mein Haiti-Tagebuch

Fünf Tage in der Beben-Hölle von Port-au-Prince: Korrespondent Herbert Bauernebel hielt die erschütterndsten Szenen fest.
Port-au-Prince. Nach dem Flug aus New York in die Dominikanische Republik startet der Trip nach Haiti.
Tag 1: Mit dem Propeller-flieger ins Bebenzentrum
Hektik am Privatflughafen in Santo Domingo (Dominikanische Republik). Hunderte Reporter ringen um Flüge nach Port-au-Prince. Ich habe Glück, 500 Dollar in Cash kostet das Ticket. Einfachflug. Sieben Kollegen passen in die Piper-Propellermaschine. Ich werde auf den Kopilotensitz eingewiesen: „Meine Damen und Herren, hier spricht ihr Kopilot“, scherze ich. Gekicher. Doch wir alle sind nervös. Niemand weiß, was uns nach der Landung erwartet. Bei der Anreise aus New York hörte ich nichts als Horror-Stories über Mörderbanden.
Eine Stunde lang kreisen wir über dem demolierten Port-au-Prince-Flughafen. Drei US-Soldaten mit Funkgeräten agieren als Lotsen. Der Pilot bittet mich, nach anderen, ebenso kreisenden Jets Ausschau zu halten. Um 10:20 Uhr melde ich mich per SMS in Wien: „Bin in Port-au-Prince“.
Prompt geraten wir ins erste Handgemenge. Zwei Haitianer streiten, wer unser Übersetzer sein darf. Sie ziehen an unseren Armen. Was für ein Start! Mit zwei Kollegen ergattere ich ein Taxi. Die Fahrt offenbart erstmals das ganze Ausmaß des Grauens: Ein kollabiertes Gebäude neben dem anderen, überall Leichen, herumirrenden Menschenmassen, schlimmer, als ich es mir ausmalte.
Wir erreichen das Luxus-Hotel La Villa Creole im Stadtteil Petionville. Ein Glückstreffer: Das Hauptgebäude ist zwar halb eingestürzt, doch der Rest der Anlage und der Poolbereich sind unversehrt, wirken sogar idyllisch. Es gibt Wasser, Nahrung, Strom.
Ich besichtige das erste Lager. Im Park vor der Villa des Premiers haben einige hundert der 1,5 Millionen Obdachlosen Zuflucht gefunden. Dort hockt Evelyn Pierre. Sie ist 27, ihre Brüste sind geschwollen. Ihr Baby wurde vor ihren Augen von einem Ziegel erschlagen. Ihr Mann starb am Arbeitsplatz. Nicht einmal Tränen hat sie mehr. Gerne würde ich ihr helfen. Aber wie?
Tag 2: Das Elend in den Lagern ist unerträglich
Ich liege im Poolbereich des Hotelareals. Es ist kühl, 15 Grad. Ich zittere unter der dünnen Decke. Als „Bett“ dienen Sitzpölster. Der Sternenhimmel ist idyllisch. Plötzlich: Die Erde vibriert! Ein Nachbeben! Alle schießen hoch. Selbst nach dem kleinen Erdstöße kann ich mir jetzt den Horror besser vorstellen.
Am meisten leiden in den Lagern die Kinder. Eine Frau kümmert sich auf einem staubigen Fußballfeld im Parc St. Theresa um dutzende ihrer Enkel. Sie war Straßenverkäuferin, zehrt jetzt vom eigenen Bestand. Ein paar Getränke hat sie noch. Und Lolipops. Niemand kam ihr bisher zu Hilfe. Die Kinder starren mich an, berühren meine Haut. Sie sind fasziniert. Sie bitten um Wasser. Doch wenn ich einer Familie helfe, würden mich sofort Hunderte umringen. Ein junger Mann wird aggressiv: „Her mit dem Handy!“ Es ist Zeit zu gehen. Die Zustände sind bestialisch: Überall im Lager liegt Kot, es stinkt nach Urin. Nackte Frauen „duschen“ mit brauner Brühe. Ich habe Respekt vor den Haitianern: Stoisch, fast stolz, absolvieren sie ihren täglichen Kampf ums Überleben.
Ich stehe vor der Ruine des Hotel Montana, einst als feinste Absteige die gesellschaftliche Drehscheibe der Metropole – jetzt ein Betongrab für Hunderte. Eine US-Retterin hockt am Boden, bricht unter Tränen zusammen. Überall Leichen, stammelt sie.
Tag 3: Die Massengräber vor Port-au-Prince.
Wo landen die Toten eigentlich? Ich fahre an den Ortsrand zum Nest Titanyen. Dort treffe ich Lastwagenfahrer Joseph Mario (34). 14 Stunden pro Tag pendelt er zwischen der Stadt und den Steppen außerhalb. Seine Fracht: Leichen. Er kippt sie in die frisch gegrabenen Löcher. 150 Tote pro Fahrt. Im Schnitt. Seine eigene Frau starb in seinen Armen. Doch fast pflichtbewusst sagt er: „Ich begrabe meine Brüder hier“. Irgendwer müsse es ja tun. Der Ort ist entsetzlich, der süße Leichengestank unausstehlich. In den Gruben stapeln sich, grotesk verrenkt die Leichen. Mir ist übel.
Ich telefoniere mit meiner Frau Estee, die in New York mit unseren Kindern Max (7) und Mia (2) bangt. Als Familienvater sind solche Einsätze noch schwerer. Der Anblick toter, verwundeter oder hungernder Kinder zerreißt mir das Herz. Estee erzählt mir, dass Mia aus Solidarität ebenfalls am Boden schlafen wollte. Ich drücke Tränen vor Rührung – und Heimweh. Im Hotel treffe ich einen US-Arzt: Er erzählt, wie er den ganzen Tag Gliedmaßen amputierte. In einem normalen Spital ließen sich die Wunden leicht behandeln, doch hier fehlte es am Nötigsten. Die Wahl: Amputation oder Tod durch Blutvergiftung.
Tag 4: Ermordete mit gespaltenem Schädel.
Schlaflose Nacht Nr. 3: Albträume, Hundegebell. Am Weg zum UN-Zentrum liegen an der Delmas-Straße zwei Ermordete. Ein Frau und ein Teenager. Sein Schädel ist offen, Blut und Gehirn rinnt auf den Asphalt. Diebe hätten sie abgeschlachtet, heißt es. Minuten später sehe ich einen Jugendlichen splitternackt durch die Straße irren. Sein Penis baumelt bei jedem Schritt. Er hat offenbar den Verstand verloren. Überall türmt sich der Müll, es stinkt nach Leichen, Kot, Urin, Schweiß. Was für ein Inferno! Dann nehmen wir auch noch die falsche Abzweigung, landen im Bandenviertel der Stadt. Tausende laufen mit Stöcken herum. Der Weg für unser Auto wird immer enger, die Massen aggressiver. Ich habe Todesangst, drehe um. Vorsichtig: Wenn ich jemand anfahre, würde mich die Masse wohl lynchen. Im Hotel muss ich mich übergeben.
Am Nachmittag dann doch ein Wunder: 117 Stunden nach dem Beben stehe ich vor der Ruine des UN-Hauptquartiers, als der Däne Jens Christensen von US-Suchtrupps geborgen wird. Er überlebte in Zimmer 309, Ich rufe ihm zu: „Wie geht es dir?“ „Toll“, ruft er zurück. Doch gleich daneben wieder unerträgliche Tragik: Auf einem Plastiksessel sitzt der UN-Mann Marc-Andre Franche. Seine Freundin liegt seit Dienstag im Schutt. Er weint bitterlich, als sie den geretteten Dänen vorbeitragen. Gibt es doch noch Hoffnung? Im Hotzel klappt das Internet wieder: Ich sehe endlich meine Familie im Skype-Video-Chat. Mia will den Computer umarmen..
Tag 5: Die vergessenen Opfer von Leogane
Wie kann ich schlafen? Horrorbilder spuken durch meinem Kopf. Immer die gleichen: Die aufgedunsenen, gelb-braunen, halb verfaulten Köpfe. Die Arme, die aus dem Schutt ragen. Die Blicke der Kinder. Dazu hallen Schüsse durch die Nacht. Eine Story noch – und dann nichts wie weg! Wir fahren ins Epizentrum des Bebens, der 50.000 Einwohnerstadt Leogane. Am Weg sehen wir einen Toten mit abgetrennten Füßen. Die Stadt sieht aus wie nach einem Flächenbombardement. Es gibt kaum Hilfe hier. Ein Mann kurvt mit seiner schwangeren Frau, die sich das Bein brach, auf einem Motorrad umher. Er sucht ärztliche Hilfe. Später führt uns ein Ärzteteam aus Alabama in eine Zeltstadt. Als Schienen für Knochenbrüche bringen sie Holzplanken mit. Eine junge Frau röchelt unter einer Zeltplane. Ein „Anfall“, diagnostiziert eine Ärztin. Die US-Ärzte können nur ihren Namen notieren für die spätere Abholung. Doch sie könnte schon tot sein, als wir das Lager verlassen.
Es reicht: Mit einem Kollegen nehme mir ein Taxi an die Grenze. „DR!“ (für Dominikanische Republik) texte ich nach der Überquerung der Grenze an Estee. „Thank God“, schreibt sie zurück. Ich bin sicher.

# 22. Jänner: Obama vs. den Banken

US-Präsident Barack Obama will die US-Finanzindustrie an die Kandare nehmen. Größe und Risiko der Banken sollen massiv beschränkt werden.
Washington. Mit dem geplanten, strengsten Korsett an Regeln seit der „Great Depression“ der Dreißiger sollen künftig Bundesbehörden die Größen von Banken sowie deren eingegangenes Risiko beschränken können. Verbieten will Obama auch den hochprofitablen Handel der Banken mit niedrig verzinsten Krediten, die sie von der Notenbank als Hilfe erhielten. „Die Krise wurde durch Bankenexzesse ausgelöst“, zürnte Obama. Die Botschaft: Nie wieder dürfe Bankergier die Wirtschaft in den Abgrund reißen.
Obama scheut vor Kampf gegen Banken nicht zurück
Vor allem die Rückkehr der Wall Street „zu alten Praktiken“ habe Obama bei seinen Reformbemühungen bestärkt: Die mit Steuergeldern gerettete Investmentbank Goldman Sachs etwa schütte gerade 16 Milliarden Dollar an Boni aus. Und er warnte: Sollten Lobbyisten die neuen Regeln bekämpfen, werde er gerne „in die Schlacht ziehen“. Obama will mit populistischeren Tönen wieder Tritt fassen: Mit dem Sieg des Republikaners Scott Brown in Massachusetts zur Ted-Kennedy-Nachfolge hatten die Wähler „Obama-Müdigkeit“ gezeigt. Die Finanzindustrie reagierte entsetzt: Der Dow-Aktienindex kippte um 210 Punkte.

# 18. Jänner: Wunder im UN-Headquarter

Mitten im Horror von Port-au-Prince doch noch Wunder: Unvorstellbare 117 Stunden nach dem Killer-Beben wird aus den Ruinen des komplett zerstörten UN-Hauptquartiers im ehemaligen Hotel “Christopher” der Däne Jens Christensen von US-Suchtrupps geborgen. Er war in Zimmer 309, als die Naturgewalt zuschlug. Nach einer ersten Notversorgung in einem nahen Zelt geben ihn die Feldärzte das O.K. zum Abtransport. “Es geht mir gut”, sagt er, als ihn Retter zur Ambulanz tragen. Einige UN-Mitarbeiter klatschen. Die Wunderrettung ist ein Indiz, dass es in der größten Tragödie der Vereinten Nationen weiter Hoffnung auf Überlebende gibt: 150 waren beim Kollaps in dem Gebäude – jeden Tag steigt die Todesopferzahl rapide.
“Ich hörte plötzlich dieses Geklopfte”, erzählt der UN-Mitarbeiter Ryan, der nimmermüde die Geröllhalde auf der Suche nach Lebenszeichen abschritt. Sofort alarmierte er den eingetroffenen Suchtrupp aus Virginia. “Wir mussten einen Luftschaft zu ihm graben, langsam erweitern”, so Dennis Kean, Chef der Truppe. Sechs Stunden dauerte die Operation. Kean: “Wir sprachen ihm Mut zu, ließen eine Wasserflasche hinunter”. Die Rettung passierte unter extremer Lebensgefahr. Aus den Tiefen des unstabilen Labyrinths der Stahlbeton-Trümmern musste der Däne geborgen werden. Jedes kleinste Nachbeben kann den Trupp töten, sagt der Einsatzleiter.
Vor der Ruine sitzt währenddessen auf einem Plastiksessel der UN-Entwicklungshelfer Marc-Andre Franche. Seine Freundin, die bildhübsche Kollegin und Freundin Alexandra Duguay, liegt ebenfalls unter der Betonwüste. Er weint bitterlich, als sie den geretteten Dänen vorbeitragen. Sicher enttäuscht, dass es nicht seine geliebte Partnerin war – doch auch wieder hoffnungsfroh. Selbst an Tag Fünf nach dem Beben sind Opfer noch am Leben. “Ich warte weiter hier”, sagt er erschöpft.

# 18. Jänner: Schüsse in der Nacht

Um 17:30 Uhr senkt sich die Sonne über der dem “Ground Zero” des Jahrhundertbebens der Stärke 7.0 letzten Dienstag, Haitis Kapitale Port-au-Prince. Bald danach gellen Schüsse durch die Nacht. Das Morden und Plündern beginnt. In der Zwei-Millionen-Stadt Port-au-Prince herrscht totale Anarchie. Die lokale Polizei hat komplett die Kontrolle verloren. Amerikanische Truppen und UN-Blauhelme können nur zentrale Punkte der völlig zerstörten Stadt bewachen.
Vom Hotel La Villa Creole, von dem aus ich operiere, sind die Schüsse gut zu hören. Sie beginnen kurz nach acht Uhr, enden irgendwann vor dem Morgengrauen. Mehrmals fahre ich hoch. An Schlaf ist kaum zu denken. Doch dabei sind wir in diesem “Reporter-Hotel” noch in einer fast glückliche Lage: Zwei, mit Schrotflinten bewaffnete Guards stehen vor den verschlossenen Eisentoren. Dass die Gangs die Anlage bei der Suche nach Essen und Nahrung stürmen könnten, wird noch für unwahrscheinlich gehalten.
Dramatisch die Lage jedoch draußen, in den mit Menschen und Müll gefüllten Straßen. “Ich habe furchtbare Angst”, sagt Ines Chery (54). Sie sieht nach dem harten Leben in Haiti und dem Horror des Bebens eher aus wie 65. Sie fährt fort: “Ich muss stark bleiben – für meine Tochter”. Die achtjährige sitzt hinter ihr am Boden. Ihr Körper ist von verkrusteten Wunden übersät. Sie lag stundenlang unter den Trümmern, ihre Mutter selbst hat sie gerettet. Die Frau hat keine Ahnung, was aus ihr werden soll. Doch zuerst will sie in der eskalierenden Gewaltorgie des immer verzweifelteren Port-au-Prince überleben.
“Sie sollten das nicht macht”, zürnt neben ihr Andreus Fleurimond: “Das sind doch alles unsere Brüder”. Der sichtlich zerschundene Mann überlebte in einer Gruppe von sieben Verschütteten in einem Haus. Er hofft, dass die Gewalt in Kürze aufhört und der Wiederaufbau seines Heimatlandes beginnen kann. Und dann: “Die Welt muss uns dabei helfen”. Die Zeit dränge, sagt er. Lange könne die Bevölkerung hier nicht mehr durchhalten.

# 17. Jänner: Im „Ground Zero“ des Megabebens

Die Stadt mit einst gefälliger Kolonial-Architektur, gut 20 Kilometer südwestlich von Port-au-Prince, liegt im Epizentrums des Haiti-Horrorbebens. In diesem “Ground Zero” der tödlichen Naturgewalt entfalteten die Erdstöße der Stärke 7.0 die verheerendste Kraft. Es sieht aus wie nach einem Flächenbombardement: Kleinere Häuser einfach umgeworfen, die Strommasten eingeknickt, in vielen Straßen nichts als Schuttberge. 60 Prozent der Gebäude sind zerstört. Jeder Bewohner hat jemandem im Beben verloren.
Sherie Lucenat (22) liegt auf einer Holzbank in auf einem Gelände einer Missions-Schule in der Haiti-Stadt Leogane. Sie ist im siebenten Monat schwanger. Ihr Bein ist gebrochen, geschient mit einer zwei, aus einer Karton-Schachtel geschnittenen Streifen. Ihr Gatte Antoine (28) hält sie umarmt. Seit Tagen hat sie Schmerzen. Schlimmer jedoch die Furcht, dass Baby zu verlieren. Dazu Hunger und Durst. Antoine präsentiert den letzten, verknitterten Geldschein. Leise sagt fleht er: “Bitte helft uns”. Sie schaut ängstlich.
Und hier läuft die internationale Hilfe erst an, tausende Verletzte sind wegen mangelnder ärztlicher Betreuung in Lebensgefahr. Meist irren sie herum, schleppen sich vor geschlossene Spitäler, jagen jedem Gerücht über mögliche Notlazarette nach. Die Schwangere mit dem gebrochenen Bein führte ihr Mann etwa auf dem Motorrad zur Mission, nachdem im Radio über eine kubanische Hilfsaktion berichtet wurde. Tatsächlich sollen hier Kinderärzte, Chirurgen und Praktiker – am Tag Sechs nach dem Haiti-Beben – ihre Arbeit aufnehmen. Keine Sekunde zu früh: Infizierte, aufgedunsene Gliedmaßen müssen amputiert werden. Sonst droht der Tod.
Es trifft vor allem die Kinder: Der kleine Cederson Pierre (5) hat ein gebrochenes Bein, notdürftig eingewickelt. “Er hat seit Tagen furchtbare Schmerzen, brüllt oft wie am Spieß”, sagt sein Vater. In einem Fußballstadium ist eine Zelt- und Wellblechsiedlung entstanden. “Wir suchen hier jeden Tag nach Leuten, die dringend ins Spital müssen” rein”, sagt Anthony Paul von der US-Hilfsgruppe NAPS: “Wir suchen. Es sind die vergessenen Opfer der Bebentragödie, erklärt er: “Hier sind die Schäden zehn mal stärker als in Port-au-Prince”. Doch dort konzentrieren sich die Rettungsarbeiten. Längst ist auch ihnen das Material ausgegangen: Als Schienen für Knochenbrüche bringen sie Holzplanken.
Eine junge Frau liegt unter einer Zeltplane am Boden, ihr Atem ist schnell, der Puls rasend, sie röchelt. “Ein Anfall”, ruft eine der Team-Ärztinnen. Erzählt hätte sie, dass sie fallende Gebäudeteile am Kopf trafen. Sie könnte in akuter Lebensgefahr sein. Doch die Spitäler würden sie “ohne sichtbare Blutungen” gar nicht aufnehmen, so Paul. 32 Grad hat es in der Mittagssonne, unter der Plane weit mehr. Unter den bestialischen hygienischen Zustünden droht der Ausbruch von Seuchen, vor allem der Cholera. Dabei sei es ein Glück, dass es noch nicht regnete nach dem Beben. “Die Wut steige unter den vergessenen Opfern von Leugane, so der Pastor Alfonse Diendesi: “Wir fühlen uns um Stich gelassen”.

# 17. Jänner: Die Totengräber von Port-au-Prince

Seit Mittwoch pendelt Joseph Mario (34) über 14 Stunden pro Tag mit einem Laster zwischen der devastierten Haiti-Metropole und einer Steppe am Fuß der Hügelkette. Gut 20 Kilometer weit ist die Strecke. Mario arbeitet für das Infrastruktur-Ministerium Haitis. Jetzt transportiert er Leichen. “Wir fahren zu den Sammelstellen”, sagt er ruhig und recht sachlich: “Dort laden wir sie mit Gabelstaplern in den Laster”. 100 bis 150 Tote würden reinpassen.
Nahe dem Nest Titanyen haben Bagger Löcher in die trockene Erde gegraben. Dort kippt er die Toten der großen Erdbeben-Tragödie 2010 in die Grube. “Bis sie voll ist – dann kommen die Planierraupen”, sagt er. Die grauenhafte Arbeit verrichtet er, obwohl er seine Frau im Killerbeben verlor. “Sie starb in meinen Armen”, sagt er.
Die Abladestelle ist tatsächlich ein Ort des unvorstellbaren Grauens: Eine Grube ist halbvoll, grotesk verrenkt stapeln sich die bereits schwer verwesten Leichen. Süßer Gestank weht über das gerade entstandene Massengrab. Vier verschiedene Abladeplätze sind sichtbar, in der Mitte steht der Bagger – zum Ausheben neuer Löcher. Und dem Zuplanieren der bereits gefüllten. Keines der Opfer wurde identifiziert, erklärt Fahrer Mario: “Es gibt einfach keine Zeit dafür, die Toten müssen raus aus der Stadt”.
Übersetzer Noel Myford erklärt, warum die Menschen Haitis nicht auf einer Identifizierung bestehen: “Wenn Verwandte und Geliebte nicht mehr auftauchen, sind sie offenbar tot – den Meisten reicht das, um mit der Trauer beginnen zu können”. Bei der Rückfahrt kommen acht weitere Laster entgegen, alle voll mit Toten. Hunderte dieser LKWs sollen im Einsatz sein. Die Schätzungen für die Opferbilanz liegen immer noch bei über 100.000.
Fahrer Mario ist nach dem kurzen Gespräch ein Bild des Elends: “Ich trage meine toten Brüder Haitis hier zu Grabe”, sagt er. Niemals werde er diese Bilder aus dem Kopf bekommen. Wie hält er das alles aus? Jemand muss es ja machen, sagt er: “Wir fahren, bis das letzte Todesopfer aus der Stadt geschafft ist”.

# 17. Jänner: Chaos am Haiti-Flughafen

Die internationale Hilfe ist in der Stadt des Todes, Haitis devastierter Hauptstadt Port-au-Prince, zwar voll angelaufen. Doch für die Million Obdachlosen und 150.000 Verletzten bliebt die Lage aussichtslos. Plünderungen, Handgemenge, Gewalt und verzweifelte Rufe nach Hilfe mehren sich dramatisch. Am Port-au-Prince-Flughafen “Aeroport Toussaint Loverture” parken gewaltige Transporter: Zwei Maschinen der US-Luftwaffe, einer der Argentinischen Streitkräfte. Sie liefern Hilfsgüter an, nehmen beim Rückflug Evakuierte mit. 180 Tonnen an Hilfsgütern wurden insgesamt angeliefert.
Eine Zeltstadt für die internationalen Hilfstrupps entstand. Briten, Deutsche, Franzosen, sogar der Kleinstaat Qatar organisieren Rettungsmissionen. Doch der Flughafen wird immer mehr zum Flaschenhals: “Das Material geht raus, es erreicht die Menschen”, beharrt UN-Sprecher David Wimhurst. Doch er gibt zu, dass es nicht am Hilfsmaterial sondern der Infrastruktur und Logistik mangelt: “Die Haitianische Regierung hat zwar überlebt, doch ihre Gebäude sind ausgelöscht”. Dazu arbeitet die UNO-Selbst unter einem gewaltigen Trauma: 60 Tote sind nach dem Kollaps ihres Hauptquartiers bestätigt, über 200 weiter vermisst. “Wir waren wie eine große Familie”, sagt Wimhurst: “Jeder kennt jemanden, der vermisst ist”. Es sei schwer unter solch ohnmächtiger Trauer zu arbeiten. In Eile wurde neben dem Flughafen aus Containern ein neues Hauptquartier gebaut.
Bei den wenigen auslaufenden Hilfslieferungen spielen sich bei einem der 14 Verteilerpunkten in Downtown, dem zerstörtesten Teil der Stadt, dramatische Szenen ab, wie ABC-TV berichtete: Der Laster, vollgeladen mit Energieriegel und Essenrationen bleibt bei einer Straßensperre aus Leichen stecken, wird sofort umringt von den hungrigen Massen. Sie brüllen: “Wir sind hungrig, wir haben nichts!” Der Laster muss flüchten, die Lage wird zu brenzlig. Völlig verzweifelt die Situation auch in den Spitälern: “Meist bleiben uns nur mehr Amputationen”, so ein Arzt von der Hilfsorganisation “Hope for Haiti”: Es gäbe viel zu wenige Operationsräume, Patienten, die in normalen Bedingungen leicht genesen können, verlieren nun Gliedmaßen. Der Arzt: “Wir haben kein Wahl, sie würden sonst an Blutvergiftung sterben”.

# 16. Jänner: „Hey, gib mir dein Handy“

Es gibt Momente, wo ich kaum mehr kann. Das Schicksal einer 24-Jährigen ist schwer zu verdauen. Sie heißt Evelyn Pierre, ihre Brüste sind geschwollen, die Milchdrüse produziert weiter. Ihr Baby, ein zehn Monate altes Mädchen, zehn Monate alt, wurde erschlagen vor ihren Augen. Ihr Gatte starb am Arbeitsplatz. Ich kann die Tränen kaum zurückhalten, denke an meine beiden Kinder, Max (7) und Mia (2). Unvorstellbar der Schmerz, ein Kind zu verlieren. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es wird schon werden? Lächerlich angesichts ihrer Aussichtslosigkeit: Völlig allein in einer zerstörten Stadt, in einem Land ohne Zukunft. Ohne Hilfe, ohne Geld, ohne Gewand. Sogar ohne Schuhe.
Ich setze mich in die Wiese, kurze Pause. Neben mir reibt ein rührender Ehemann Öl auf die eitrigen Wunden seiner schwer verletzten Frau. Was für ein Alptraum! Dabei bewundere ich die Kraft, die Ausdauer, die Geduld dieser von Schicksalsschlägen geplagten Haitianer. Stoisch, fast stolz, absolvieren sie ihren täglichen Überlebenskampf: Die Suche nach Wasser, nach Nahrung. Vielleicht einen Stofffetzen zum Zudecken in den kühlen Nächten im Freien. Doch ich weiß: Die Geduld wird nicht ewig wahren. Hunger und Durst lassen die bereits Emotionen hochgehen. Bei Interviews in einem Lager fragt mich ein großgewachsener Haitianer. “Hey, wie kannst du mir persönlich helfen?” Und er präzisiert prompt: “Gib mir dein Telefon!”
Mein Übersetzter Noel ein toller, junger Haiti-Student, deutet ihm: “Mach nichts verrücktes hier”. Er gibt mir die Hand, sagt “OK, Man”. die Situation ist entschärft. Doch wie lange halten sich die Opfer noch zurück? Denn selbst nach stundenlangen Fussmärschen durch die, mit den herumirrenden Menschen verstopften Straßen habe ich keinerlei Hilfsorganisation gesehen. Außer im kollabierten Montana-Hotel, wie gleich vier internationale Hilfstrupps nach den Leichen suchen. Es fällt schwer, nicht zynisch zu werden: Klar, zuerst kommen die Wohlhabenden dran. Noel ließen sie nicht rein. Er soll das wohl nicht sehen. Er ist entrüstet, ruft ein Haiti-Radiostation an. Ich bitte ihn, sachlich zu bleiben. Jeder Funken kann das Fass hier zur Explosion bringen.
Seit zwei Tagen schlafe ich am Gelände des Luxus-Hotels La Villa Creole. Die erste Nacht am Pool, die zweite in der Parkanlage – hauptsächlich aus Sorge wegen der Nachbeben. Und die sind tatsächlich entnervend: Um 4 Uhr, Freitag früh, schossen alle hoch, als die Erde heftig rüttelte. Am Nachmittag der nächste Treffer: Diesmal plötzlich, kurz und von der Seite. Jemand brüllt: “Alle raus!” Dann wieder Stille. Das Hotel ist längst ein kurioses Medienzentrum für die Weltpresse. Hinter dem völlig kollabierten Hauttrakt tippen Reporter in die Laptops, Satellitenmodems stehen herum. der Kampf um sporadische Internet-Verbindungen tobt. Aber es ist, trotz der Zerstörung und dem Chaos fast eine Oase – Verglichen mit dem Horror vor den Toren.

# 15. Jänner: Sie graben mit bloßen Händen

Die Lage in der völlig devastierten Haiti-Kapitale Port-au-Prince spitzt sich zu: Für zwei Millionen Menschen wird Wasser und Nahrung knapp. Eine Sprecherin in der UN-Hungerhilfe berichtete gegenüber Agenturen, dass ein Lagerhaus der Organisation geplündert wurde. In Downtown Port-au-Prince, dem ärmsten und zerstörtesten Teil der Stadt, beobachtete ein “Time”-Reporter, wie Banden Straßensperren aus Geröll und Leichen errichteten. “Die Geduld der Massen geht langsam zu Ende”, so Shaul Schwarz von dem US-Magazins.
Die Lage ist brenzlig bestätigt ein Lokalaugenschein: Vor der Regierungsvilla des Premiers Jean-Max Bellirive wurde im Gartenareal ein notdürftiges Auffanglager für Verletzte und Obdachlose eingerichtet. Darunter befinden sich auch Schwerverletzte, die dringend ins Spital müssten.
Marimen Gedeon (52) war von Gebäudeteilen getroffen worden und hat tiefe Wunden an den Beinen, Armen und im Gesicht. Sie sind eitrig und infiziert. Sie hat Fieber, die Brust schmerzt. Einen Sohn und eine Tochter hat sie in der Tragödie verloren. Ihr Mann reibt ihr, rührend aber hilflos, eine ölige Chreme auf die Wunden. Eine Helferin des “Haitianischen Olympischen Komitees” nimmt ihre Daten auf. Name, Grad der Verletzungen. Sie werden sie abholen, wenn ein Platz in einem Spital frei wird, verspricht sie ihr. Wann? Sie hat keine Ahnung. Alle lokalen Spitäler sind seit dem Megabeben am Dienstag komplett überfüllt, die Infrastruktur anreisender, internationaler Hilfsorganisationen noch im Aufbau.
Rund um sie Bilder der Verzweiflung: Eine junge Frau starrt stoisch vor sich hin, ihre Augen leer. Sie hat in dem Horror ihr Baby verloren, ihr Mann starb am Arbeitsplatz. Sie hat ein zerfetztes Kleid am Leib, alles was ihr blieb. “Was soll aus ihr werden?”, sagt der Haitianische Überlebende Noel Myford (24), der uns in der Desasterzone begleitet: “Was soll aus Haiti werden?” Im Park waschen sich Frauen, Kinder weinen, Verletzte starren vor sich hin. Fliegen und Mücken sitzen auf den teils eitrigen Wunden.
Und immer noch liegen die Leichen in den Straßen: Gut 30 entlang einer Bergstraße, die durch einen besonders arg verwüsteten Teil von Port-au-Prince führt. Dort kollabierte auch das unter Touristen und Geschäftsleuten so populäre Hotel Montana, wo die Österreicherin Regina Tauschek verletzt wurde und Nächte in einem Auto verbrachte. Meist ragen unter den weißen Tüchern der Toten die Füße hervor, einige haben noch staubverkrustete Sandalen an. Die Seuchengefahr steigt. Der Gestank der Leichen ist an vielen Orten bestialisch. Einheimische graben mit primitiven Werkzeugen wie Hämmern und Schaufeln nach den Toten. 7.000 Leichen wurden in einem Massengrab beerdigt. Die Haiti-Behörden begannen, bei den Sammelstellen persönliche Daten von Familienangehörigen über die Zahl der vermissten einzuholen. Eine erste grobe Totenliste soll erstellt werden. Der Premier schätzt die Zahl der Toten weiter auf 100.000. Haitis Rotes Kreuz spricht von 50.000 Toten.
Die internationale Hilfe läuft an – doch langsam: Der schwer beschädigte Flughafen kann die Welle an Hilfsflügen kaum bewältigen. Als Fluglotsen fungieren US-Soldaten mit Funkgeräten. Privatflüge wurden gestoppt. Am Landweg kämpfen die Hilfskonvois wegen Hangrutschen und schwer passierbarer Straßenstellen. Es mehren sich die Berichte, dass Haitis Not leidende Bevölkerung zornig wird, wonach sich die Welt eher auf die Evakuierung ihrer Staatsbürger konzentriere und die nur ihre Leute aus den Ruinen befreit hätte. Die USA eskaliert die Hilfe: Freitag traf der Flugzeugträger USS Carl Vinson ein. 18 Helikopter sollen bei der Verteilung der Hilfsgüter und Evakuierungen helfen.

# 15. Jänner: Ein Tag in der Hölle

9:05 Uhr: Verwundete
Gleich vor dem Luxus-Hotel La Villa Creole wird das Meer der Verletzen täglich größer. Sie liegen auf Matratzen, Decken, andere sitzen auf dem Hotelmobiliar. Dazwischen Blutlachen. Ein alte Frau, gut 75 Jahre alt, liegt auf einer Bare am Boden. Sie röchelt. Ihre Augen sind nach oben verdreht. Sie hat Schürfwunden im Gesicht. Offenbar auch Knochenbrüche, ihr Arme sind grotesk verdreht. Eine der freiwilligen Krankenschwestern, die sich mit von der Hotelführung beschafften Medikamenten um die Verwundeten kümmern, schüttelt nur mehr den Kopf: “Wir haben sie stabilisiert, ihr Schmerzmittel gegeben, mehr können wir nicht tun”. Sie wirkt fast wütend: Der Berufsethos sagt ihr, dass die Frau in ein Spital gehört. Es ist zum Verzweifeln: Helfer wie Überlebend sind erschöpft. In der Hotellobby stapeln sich die Boxen mit eingetroffenen Medikamenten. Sogar ein provisorischer Arzneischrank wurde aufgestellt. “Hope for Haiti” steht auf eine gepinselten Schild. Hoffnung für Haiti.

10:30 Uhr: Flüchtlingslager
Madelaine Bandir (52) hockt auf einer abgewetzten Matte in einem der unzähligen, in praktisch alle Freiflächen der Stadt aus dem Boden geschossenen, provisorischen Flüchtlingslager. Es ist der Fussballplatz am Parc St. Theresa. Zwei verrostete Tore, kein Rasen. Das Feld ist voller Zelte, provisorischer Vorhänge zum Schutz vor der Sonne. Darunter ein Meer des Elends: Kinder, die nackt, herumlaufen. Kot liegt überall in den schmalen Gängen, es stinkt nach Urin, verrotteten Essensresten, Schweiß. Im Elfmeterraum “duschen” zwei nackte Frauen. Das Wasser kommt aus einem Kübel. Obdachlose Bandir ist umringt von Kindern: Sie selbst hat zehn, jetzt kümmert sie sich um die Enkel, ein Baby hält sie im Arm. “Wir sind hungrig und durstig, vor allem die Kinder”, sagt sie. Seit Dienstag hockt die Großfamilie hier, sie leben von dem, was di Bandir früher auf der Straße verkaufte: In einem Plastikkübel liegen die verbliebenen Getränke: Fünf Bierflaschen, vier Sprite, drei Fruchtsäfte. Zum Essen sind nur mehr die Lolipops über. Ob sie jemals jemand sah, der zur Hilfe kam? Sie schüttelt den Kopf. Wie lange sie hier noch durchhalten? “Das weiß nur Gott”, sagt sie leise.

12:45 Uhr: Tankstelle
Die Geduld, die stoische Ruhe, mit denen die Haitianer eine der größten Erdbebentragödien aller Zeiten ertrugen, neigt sich dem Ende zu. Vor allem vor den Tankstellen kommt es zu Handgemengen. Am der “Total”-Tankstelle in der Avenue Pan American stehen gut einhundert Überlebende, die Körper aneinander gedrängt mit Kübeln, Gallonen, gar Plastikflaschen vor der Tankstelle. Es wird geschubst, geschrien. Ein einsamer Polizist steht daneben, er muss nicht eingreifen – noch. Berichte von den ersten Ausbrüchen der Gewalt mehren sich: Zu Handgreiflichkeiten – fast kleinen Unruhen – kam es bei der ersten Ausgabe internationaler Hilfslieferungen.

13:45 Uhr: Hotel Montana
Das “Montana” war das feinste Hotel der Stadt, eine gesellschaftliche Drehscheibe, voll mit Politikern, Diplomaten, Geschäftsleuten, Journalisten: Jetzt ist es bekannt in aller Welt als “Hotel des Todes”. Der Zimmer-Trakt ist ein Berg aus Betontrümmern, die Nebengebäude, das Restaurant, die Fitnessanlage sind komplett verwüstet. Davor stehen Koffer. Die Eigentümer wahrscheinlich tot. 80 Toten wurden bisher gefunden, 120 sind vermisst. Eine Helferin eines Suchtrupps aus dem US-Staat Virginia hockt am Boden, streichelt den Hund. Tränen schießen aus ihren Augen. “Schreckliches” habe sie gesehen, mehr will sie nicht sagen. Doch dazwischen auch Wunder: Ein 60-Jähriger Amerikaner wurde 48 Stunden nach dem Beben lebend aus dem Trümmern geholt.

15:20: Überall Leichen
Am Tag Vier nach dem Horrorbeben nimmt die Zahl der auf Straßen herumliegenden Leichen zwar geringer. Doch viele sind immer noch nicht abgeholt. An der “Bourdon”-Straße liegt ein bereits sichtlich verweste Leiche. Sie ist eingewickelt in weißen Säcken, ein Schwarm Fliegen sitzt im Gesichtsbereich. Das Blut ist ein einigen Stellen durchgesickert. Es stinkt bestialisch. Passenten halten sich die Nase mit Tüchern zu. Das Abholen der Toten passiert meist in Eigenregie. Morne Cecir (45) hat einen Leichenwagen gemietet, holt ihre tote Schwester und deren zwei Kleinkinder ab. “Ich habe alles verblieben Geld dafür ausgegeben”, sagt sie. Geld, dass sie selbst zum Überleben in Port-au-Prince braucht. “Ich kann sie nicht drinnen lassen”.

17:10 Uhr: Überall Schutthalden
Es war einst das beste Kinderspital der Stadt, nun ist es ein bizarre, grotesker Trümmerhaufen. Mit Hämmern und Schaufeln wird nach Toten gegraben. Doch die meisten liegen weiter unten, unter Tonnen an Schutt. Ohne schweren Baumaschinen ist nichts zu machen. Im Schutt: Krankenunterlagen, Kinderzeichnungen. Doch Haitianer suchen auch bereits nach Brauchbarem für ihren eigenen Überlebenskampf: Deckenresten, Holzlatten.

# 14. Jänner: Christop Waltz vor Golden Globe

Fast ist es ihm unangenehm, irgendwie unheimlich. Noch kaum in der Geschichte der “Red Carpet”-Saison schien jemand so fix auf Oscar-Kurs wie Österreichs Parade-Schauspieler Christoph Waltz (53). In seiner diabolischen Rolle als SS-Standartenführer und Judenjäger Hans Landa im Nazi-Epos “Inglourious Basterds” des Kultregisseurs Quentin Tarantino ist Waltz auch am Sonntag – der Vergabe des wichtigsten Oscar-Barometers, den “Golden Globes” – Top-Favorit. “Natürlich ist all der Oscar-Talk eine enorme Ehre für mich”, sagte er kürzlich, “aber ich versuche, nicht daran zu denken”,
Bei den “Globes” ist Waltz als “Bester Nebendarsteller” favorisiert. Allein die Konkurrenz, darunter Matt Damon oder Woody Harrelson, illustriert den Höhenflug des Wieners. Beim Filmfest in Cannes im letztem Frühjahr war der Absolvent des Max-Reinhardt-Seminars, zuvor eher eine lokale Berühmtheit durch TV-Rollen, über Nacht zur Weltsensation geworden. Vor allem: Er spielte Superstar Brad Pitt an die Wand, kassierte an der Cote d´Azur den höchsten Schauspielerpreis. Seither räumte er bei Filmfesten von New York, Boston, Hollywood, Las Vegas, Austin, Detroit bis Toronto ab. Tarantino selbst schwärmte: “Das ist der beste Charakter den ich jemals schuf oder schaffen werde – und Christoph hauchte der Rolle mit Perfektion Leben ein”.
Nach den “Globes” gilt die Nominierung für die Oscars am 2. Februar als sicher. Die heiß begehrtesten Preise der Filmbranche werden im “Kodak Theatre” am 7. März vor 4.500 Stars und einem globalen Milliarden-Publikum vergeben. Ein Waltz-Triumph könnte Österreichs Filmbranche den nächsten Turboschub geben – nach dem Oscar für das Duo Stefan Ruzowitzky (Regie) und Karl Markovics (Hauptrolle) vor zwei Jahren für das Weltkriegs-Drama “Die Fälscher”. Zwei der wichtigsten Filmkritiker der New York Times, A.O. Scott und Manohla Dargis, sehen Waltz als Top-Favoriten für die 3,86 Kilo schwere Goldstatue.
Nun hebt neben dem Abkassieren von Preisen und Herunterschrauben der Erwartungshaltungen Waltzs Karriere ab: Nach der Rolle als L.A.-Gangsterkönig im Superaction-Film “The Green Hornet” (u.a. Cameron Diaz) übernimmt Waltz nun die Rolle des legendären Begründers der Psychoanalyse, Sigmund Freud. Der Film kommt 2011 in die Kinos.

# 14. Jänner: Hollywood-Stories

Die Südafrika-Beauty Charlize Theron (34) verblüfft Fans mit einer schwer vorstellbaren Erkenntnis: „Wenn ich in der Früh aufwache“, erzählte sie dem Magazin LOOK, „sehe ich aus wie im Film Monster”. Die Rolle in dem Streifen (2003) brachte Theron zwar den Oscar ein, sonderlich ansehnlich war sie darin jedoch nicht. Weiters verrät Theron, zuletzt Star in den Filmen The Burning Plain oder Astro Boy, erstmals Details ihrer neunjährigen Beziehung zum irischen Schauspieler-Freund Stuart Townsend (37). Sie ist vor allem bereit für die Rolle ihres Lebens: „Ich spüre es in jedem Knochen meines Körpers, dass ich ein Mutter sein will“.
Schwangere. Vielleicht brachte sie auch ihre letzte Rolle auf den Geschmack, als sie im Film The Road eine Schwangere mimte. Immer öfter würde Theron –die mit ?? im TV zu sehen ist – mit Partner Townsend die Babyperspektiven besprechen, verriet sie. Und: „Wenn es morgen passiert, absolviere ich Luftsprünge“. Theron, die einst mit einem One-Way-Ticket in L.A. landete, hat alles erreicht: Das Magazin Esquire kürte sie zur „Sexiest Woman Alive“. Ihr Reichtum wird auf 30 Millionen Dollar geschätzt.
Leben auf der Farm? Doch ob alle ihre Sehnsüchte in Erfüllung gehen? „Ich träumte immer davon, meine Kinder auf einem Bauernhof großzuziehen – so wie ich aufwuchs”, sagte sie. Neben den Baby-Fantasien konzentriert sich sie zusätzlich zur Filmkarriere (diskutiert wird Teil II des Italian Job) auf Wohltätigkeitsprojekte: Zuletzt entwarf sie Designer-Schuhe, im Sommer half sie bei der Organisation eines Benefiz-Fußballspieles in L.A.. Die Erlöse beider Aktionen kamen hilfsbedürftigen Kids in Südafrika zu Gute. Auf eine Traumhochzeit müssen ihre Fans jedoch vergeblich warten: „Ein Brautkleid ist nichts für mich”, winkte sie ab.

Hollywood-Star Sandra Bullock (45) ist plötzlich, völlig überraschend die Queen des Box-Office: Keine Filmstar spülte mehr Geld in die Kinokassen wie Bullock, so ein jüngste Umfrage: Drei Filme produzierte sie in 2009, alle wurden zu Blockbusters. Als bestes Zugpferd für Studioumsätze ließ sie selbst männliche Superstars wie Johnny Depp oder George Clooney weit zurück. Mit dem Sportdrama The Blind Side stellte sie gar einen Rekord auf: Mit über 208 Millionen Dollar Einnahmen ist des lukrativste Film mit nur einem, weiblichen Topstar im Darsteller-Ensemble. Doch der Erfolg bleibt nicht auf das kommerzielle beschränkt: Bei den Golden Globes am Sonntag ist sie als “beste Schauspielerin” in den Kategorien Film und Musical gleich zweimal nominiert.
Es sie Sandra Bullocks “bestes Jahr aller Zeiten”, jubelte CNN. Und das trotz dem emotionalem Stress durch einen brutalen Sorgerechtsstreit an der Seite ihres Gatten, dem volltätowierten Monster-Trucker und TV-Star Jesse James (40): In einem ekeligen Gerichtsdrama errangen James und Bullock das Sorgerecht für den fünfjährigen James gegen die Mutter, Porno-Darstellerin Janine Lindemuller (41). Sie galt als jähzornig und gewalttätig, verbrachte sechs Monate in Haft wegen 294.000 Dollar Steuerschulden. Obwohl sie sogar an einem Buch über Lesbensex in der Haftanstalt tippte, wollte sie Sohn James an ihre Seite. Bullock stand ihrem Gatten in dem Gerichtssaal-Drama inmitten eines Paparazzi-Sturmes bei. Ihre größte Herausforderung: Der Tochter einer deutschen Opernsängerin (sie spricht passabel Deutsch) war das grelle Rampenlicht stets zuwider, schätzt ihre Privatsphäre über alles. Nach dem Justizkrimi kümmere sie sich, so Freunde, um Stiefsohn James als wäre er ihr eigener. Bescheiden sagte sie über ihr Traumjahr: “Ich bin fassungslos”, sagt sie. Und: “Wir trinken alle keinen Alkohol, sonst könnten wir drauf anstoßen”.

Hollywood-Star Sandra Bullock (45) ist plötzlich die Queen des Box-Office: Kein Filmstar spülte mehr Geld in die Kinokassen, so ein jüngste Umfrage: Drei Filme produzierte sie in 2009, alle wurden Blockbuster. Als Top- Zugpferd für Studioumsätze ließ sie männliche Superstars wie Johnny Depp oder George Clooney zurück.
Mit The Blind Side stellte sie gar einen Rekord auf: Mit bisher 208 Millionen Dollar Einnahmen wurde das Sportdrama zum lukrativsten Film mit nur einem weiblichen Topstar. Doch der Erfolg bleibt nicht auf das kommerzielle beschränkt: Bei den Golden Globes am Sonntag ist sie als „Beste Schauspielerin“ in den Kategorien Film und Musical gleich zweimal nominiert.
Kampf gegen Pornostar. „Sandra Bullocks bestes Jahr aller Zeiten“, jubelte CNN. Der Erfolg kam trotz emotionalem Stress durch den brutalen Sorgerechtsstreit an der Seite ihres Gatten, dem volltätowierten TV-Monster-Trucker Jesse James (40): In dem Gerichtsdrama erkämpften James und Bullock das Sorgerecht für seinen fünfjährigen Sohn James gegen die Mutter, Pornostar Janine Lindemulder (41). Die gilt als gewalttätig, verbrachte sechs Monate in Haft wegen 294.000 Dollar Steuerschulden. Obwohl sie sogar an einem Buch über Lesbensex in der Haftanstalt werkte, wollte sie Sohn James an ihrer Seite. Bullock stand ihrem Gatten in dem Gerichtsdrama inmitten das Paparazzi-Sturmes bei. Dabei ist der Tochter einer deutschen Opernsängerin das grelle Rampenlicht zuwider, sie schätzt ihre Privatsphäre über alles. Nun kümmere sie sich rührend, so Freunde, um Stiefsohn James. Bescheiden sagte sie über ihr Traumjahr: „Ich bin fassungslos“. Und: „Wir trinken keinen Alkohol, sonst könnten wir drauf anstoßen”.
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Genau ein Jahr nach dem tragischen Tod seines Sohnes Jett (16) an einem Anfall in den Bahamas ringt Filmstar John Travolta (55) ums Comeback: Mit der Komödie Old Dogs ist er in Austro-Kinos zu sehen. Der Film, zerrissen von US-Kritikern, wurde immerhin zur Familientherapie: An seiner Seite spielen Ehefrau Kelly Preston (47) und Tochter Ella Bleu (9). In den USA startet weiters in Kürze der Actionfilm From Paris with Love.
Horrorjahr. Insider sind erstaunt, wie sich der Pulp-Fiction-Star nach dem Alptraumjahr aufrappelte: Neben dem tragischen Tod seines Sohnes musste er auch noch einen bizarren, gescheiterten Prozess erdulden. Rettungsfahrer wollten ihn nach Jetts Kollaps um Millionen erpressen. Travolta überstand schwere Depressionen. wäre Wochen nicht aus dem Bett gekommen. Vor Weihnachten bedankte er sich bei seinen Fans: „Eure Liebe hat mich gerettet“.

Die Beziehung zwischen Sex-Bombe Megan Fox (23) und ihrem Schauspieler-Boyfriend Brian Austin Green (36) gedeiht weiter prächtig: Das Paar kaufte sich jetzt in einer schicken L.A.-Gegend eine Villa um 2,9 Millionen Dollar. Das 75 Jahre alte Haus hat vier Schlafräume, Taressen und Swimming-Pool.

# 14. Jänner: Eine erste Fahrt durch die Ruinenlandschaft

Eine Fahrt durch die Stadt offenbart das ganze Ausmaß des  Grauens: Vierstöckige Gebäude sind zusammengeklappt wie Kartenhäuser. Immer noch liegen Leichen auf den Straßen. Ein ist bedeckt mit einem weißen Tuch, Fliegen sitzen auf dem verwesenden Körper. Stoisch ziehen die herumirrenden Menschenmassen vorbei. Vor einer Geröll-Halde liegt eine weitere Leiche, ihr Beine schauen unter dem Tuch hervor. Es ist ein Frau.
Doch sonst versuchen die Haitianer, völlig alleingelassen, in der Apokalypse überleben. Sie stellen sich zwei Stunden um die letzten Reste an Benzin an, der Preis ist von fünf Dollar die Galone auf über zehn explodiert. Gekocht wird in rostigen Woks. Das Wasser ist knapp, nur mehr eine Flasche pro Person pro Tag wird verkauft. „Plünderungen halten sich jedoch in Grenzen – noch“, so der Noel Myford (24), der den Einsturz seines Arbeitsplatzes, ein Internet–Cafe überlebte. Er zeigt schwer ertragbare Fotos von den ersten Stunden nach dem Killer-Beben: Tote Babies, das Gesicht staubverkrustet, blutverschmiert. Es lag auf dem Gehsteig. Den Großteil der Leichen haben Überlebende selbst abtransportiert, sogar in Taxis. Myford: „Wir haben gar nichts, keine Armee, keine Rettungsteams – wir sind völlig auf uns alleine gestellt, immer noch“. 
Tatsächlich: Während einer 45 Minuten langen Fahrt durch das Katastrophengebiet ist keine Polizist, kein Regierungshelfer, auch die eintreffenden internationalen Hilfstrupps verlieren sich rasch im Chaos nach der Wegfahrt vom Flughafen. Die Bewohner durchwühlen selbst den Schutt: Die meisten suchen nach totgeglaubten Familienangehörigen, doch andere Durchstöbern die herumliegenden Bankonto-Unterlagen der völlig kollabierten Citibank. Dutzende riskieren ihr Leben, als sie in den unstabilen Resten eines Elektronikgeschäftes nach Handys suchen. Die Luxus-Hotels im Reichen-Stadtteil Betonville helfen wie sie können: Der Gästetrakt ist zwar halb eingestürzt, doch vor den Toren ist ein Zeltlager mit Verwundeten entstanden. Ein 12 Monate altes Mädchen schreit in der Mittags-Gluthitze. Praktisch alle Freiflächen wurden zu Zeltlagern für die Obdachlosen umfunktioniert. Wer dort kein Zelt findet, schläft auf der Straße: „Sie decken sich dann mit Zeitungen zu“, so Myford.       

# 13. Jänner: Horror in Haiti

New York. Chaos, Tote, Verwüstung und Verzweiflung in Haiti nach dem Horror-Beben der Stärke 7.0. Die Zweimillionen-Metropole Port-au-Prince liegt in Trümmern. Tausende Tote werden befürchtet. Haiti, das Armenhaus der Karibik, ist mit der „unvorstellbaren Katastrophe“, so Haitis US-Botschafter Raymond Joseph, völlig überfordert: Erste Plünderungen werden gemeldet. „Die Spitäler können die Verwundeten nicht aufnehmen”, so Senator Louis-Gerard Gilles: „Wir können nur mehr beten“. Die größte internationale Hilfsaktion seit der Asien-Tsunami 2004 rollt an. US-Präsident Barack Obama kündigte Soforthilfe an. 48 Tonnen Hilfsgüter sind am Weg.
40 Sekunden bebte die Erde: „Ende der Welt!“
Port-au-Prince, Dienstag, 16:53 Uhr Ortszeit. 16 Kilometer vom Stadtkern entfernt bebt die Erde in geringer Tiefe von 14.000 Metern. 40 Sekunden lang. Zeugen via Internet: „Der Boden wellte sich, Menschen stürzten, Häuser krächzten, kollabierten”. Von einer Anhöhe aus fängt eine Haitianerin die Apokalypse mit ihrer Handy-Kamera ein. Eine gigantische Staubwolke weht über Port-au-Prince, ein Szene wie aus einem Hollywood-Katastrophenfilm. Sie kreischt: „Das ist das Ende der Welt“.
Darunter totale Panik: „Menschen stoben in alle Richtungen“, so Reuters-Reporter Joseph Guyler Delva. Viele schreien: „Jesus! Jesus!“ Es folgen Szenen des Grauens nach dem schwersten Beben dort seit 200 Jahren: Kaum ein Gebäude blieb stehen, Menschen laufen blutüberströmt durch die Ruinenlandschaft. Verwesungsgestank. Schreie dringen aus den Trümmern. Menschentrauben bilden sich. Sie beten, singen Haitis Nationalhymne. Im totalen Stromausfall während der ersten Nacht ist es stockdunkel, zu sehen nur das Lodern der Brände.
Zeuge: „Sie legten die toten Kinder auf die Straße“
„Das ist schlimmer als in einer Kriegszone“, so US-Missionar Frank Thorp, der mit bloß Händen seine eingeklemmten Frau bergen konnte: „Menschen verbluten“. An einer Straßenecke stapelten Helfer Leichen: „Alles Kinder“, weinte er auf NBC-TV. Nachbeben terrorisieren die Überlebenden: 12 wurden verzeichnet, das stärkste 5,9.
60 Prozent der Häuser in der Haiti-Metropole galten als unstabil. Doch auch Großgebäude krachten, darunter das UN-Hauptquartier, aus dem 9.000 UN-Blauhelme dirigiert werden. Die bisherige Bilanz: 16 Tote, darunter der UN-Sonderemissär Hedi Annabi. Am Nationalpalast, Sitz des Präsidenten René Préval, der unverletzt blieb, fiel die Kuppel herunter. Ein Spital stürzte ein, wie auch das Top-Hotel Montana, voll mit Touristen. 200 Menschen werden dort vermisst. Die US-Helferin Dixie Bickel überlebte in dem von ihr betriebenen Waisenheim. Sie fragte im US-TV: „Wie viele Vollwaisen werden nach dieser Tragödie hinzukommen?”

# 13. Jänner: Demokraten im Schleudern

Boston. Die Demokraten-Partei von US-Präsident Barack Obama zittert um ihre Supermehrheit im Senat von 60 Stimmen. Denn das Rennen um die Nachfolge der letzten Sommer verstorbenen Senats-Legende Ted Kennedy wird – ausgerechnet im mehrheitlich demokratischen Bundesstaat Massachusetts – völlig überraschend zum Thriller: Die demokratische Ex-Staatsanwältin Martha Coakley liegt wenige Tage vor der Sonderwahl nächsten Dienstag Kopf an Kopf mit dem republikanischen Lokal-Senator Scott Brown.
„Völlig unerwartet“. Laut Rasmussen ist Coakley nun nur mehr 49 zu 47 Prozent voran, vor einer Woche führte sie noch bequem mit zehn Prozent Vorsprung. „Niemand erwartete bei der Kennedy-Nachfolge Probleme für die Demokraten“, wundern sich Politologen im US-TV. Jetzt schrillen in Obamas White House die Alarmglocken. Befürchtet wird eine Denkzettelwahl – mit weitreichenden Konsequenzen: Coakleys Niederlage würde den Verlust der Demokraten-„Supermehrheit“ im Senat bedeuten. Die oppositionellen Republikaner könnten dann fortan Obama-Reformprojekte torpedieren.

# 12. Jänner: Bills Freundinnen…

Das Skandalbuch Game Change über Dramen des 2008-Wahlkampfes enthüllt einen neuen Sexskandal von Bill Clinton: War es Belinda?
New York. Helle Aufregung über mögliche Sex-Skandale von Ex-Präsident Bill Clinton (63) – immerhin jetzt Gatte von US-Außenministerin Hillary Clinton. Die Time-Autoren Mark Halperin und John Heilemann behaupten im Buch Game Change: Das Team der damaligen Präsidentschaftskandidatin Hillary wäre zur Überzeugung gelangt, dass Clinton – der wegen dem Oralsex mit der White-House-Praktikantin Monica Lewinsky 1998 fast aus dem Oval Office flog – im Jahr 2006 tatsächlich eine Affäre hatte.
Chronologie: Hillary ließ Bills Sexleben ausleuchten
US-Medien tippen auf Belinda Stronach (43), Tochter des Autoteil-Magnaten Frank, Magna-Vize-Vorstandsvorsitzende und kanadische Ex-Ministerin.
Die Skandal-Chronologie, laut der Buch-Bombe: Gleich am Beginn von Hillarys Kandidatur für das Weiße Haus wurden innerhalb ihres Stabes schädliche Enthüllungen über mögliche, außereheliche Affären ihres Gatten diskutiert. Es wurde sogar ein eigener „War Room“ innerhalb ihres „War Rooms“, dem Kampagnen-Krisenzentrum, eingerichtet. Die alleinige Aufgabe des Teams: Die Durchleuchtung von Bills Privatleben.
Rasch wurden sie fündig: Drei Namen tauchten auf
Prompt wären die Hillary-Detektive auf mehrere Namen gestoßen:
# Allen voran Belinda: Clinton nannte sie stets „eine gute Bekannte“, gemeinsam arbeiteten sie an karitativen Projekten. Doch mehrmals wurden sie auch abends fotografiert, einmal beim Verlassen des „B.L.T. Steak“-Restaurants in Manhattan. Massenblätter tauften sie „Bubbas Blondine (Bubba ist Clintons Spitzname) oder „junge Hillary“. Selbst die Renommiermedien New York Times und Vanity Fair schrieben über die Liebesgerüchte.
# Tagesgespräch war auch eine mögliche Affäre mit der sexy Hollywood-Aktrice Gina Gershon (47): Mit ihr könnte er sich, beschreibt das Buch die Nachforschungen, bei Trips nach Kalifornien vergnügt haben.
# Die Langeweile als Polit-Pensionisten könnte Clinton auch mit der geschiedenen Society-Dame Julie Tauber (48) im Wohnort Chappaqua bei New York verkürzt haben, hieß es.
Kein One-Night-Stand, sondern echte Romanze
Das Buch über die intensiven Recherchen des Hillary-Stabes: Die Geschichten um besonders eine Frau wurden konkreter. Und nach diskreten Nachforschungen kam das Team zum Schluss, dass sie stimmen mussten: Bill hatte tatsächlich eine Affäre. Und schlimmer noch: Es handelte sich nicht um einen frivolen One-Night-Stand, sondern um eine länger andauernde, romantische Liebesbeziehung. Die Informanten der Autoren wollten ihren Namen jedoch nicht nennen. Klar: Ein Outing von etwa Kanada-Powerfrau Belinda Stronach würde einen internationalen Skandal provozieren.

# 12. Jänner: Mord in Miami

Die Suche nach dem Mörder des Playboy-Modells Paula Sladewski (26) heizt sich in der Florida-Metropole auf. “Hier läuft ein bestialischer Killer herum”, warnte ein Polizeisprecher. Die verkohlte Leiche der Blondine – die 2003 für das Sexmagazin modelte und im Film “Playboy: The Ultimate Playmate Search” mitspielte – war nach einem Neujahrs-Partywochenende am 3. November in einer Mülltonne entdeckt worden.
Erstmals zu sehen ist das Video einer Überwachungskamera, das Sladewski beim Verlassen der Disco “Club Space” um exakt 7:21 Uhr zeigt. Ihre Schwester Kelly Farris konnte sie auf dem Band eindeutig identifizieren. Zeugen sahen dazu, wie sie Hand in Hand mit einem “Schwarzen” über den Parkplatz marschierte.
Zunächst war Sladewskis Freund, Kevin Klym (34), verdächtigt worden. In SMS-Nachrichten hatte sie einst prophezeit: “Er wird mich einmal noch umbringen”. Doch Klyn konnte der Polizei glaubhaft nachweisen, dass sich das Paar nach einem Streit im Suff auf der Tanzfläche trennte. Er ließ sie im Club zurück, da sie beharrte, bleiben zu wollen.
Die größte Hoffnung der Polizei bei der Großfahndung nach der “Bestie” (Lokal-Medien) sind die beiden Türsteher: “Die sahen, mit wem sie wegging”, so der von Klym geheuerte Privatdetektiv David Wasser zu ABC-TV. Sladewskis Bruder Thomas zürnte dennoch Boyfriend Klyn: “Er hat sie im Stich gelassen”.

# 12. Jänner: Obama im Popularitäts-Sinkflug

US-Starpräsident Barack Obama steuert knapp vor dem Jahrestag der triumphalen Inauguration in ein neues Umfragetief: Laut Meinungsforschern für den TV-Sender CBS sind nur mehr 46 Prozent mit seiner Amtsführung zufrieden – erstmals stürzte er in der CBS-Umfrage unter die 50-Prozent-Marke. Überraschend: Obama schadet weniger die Blamage der Sicherheitspannen vor der Detroit-Terrorattacke und die TV-Bilder vom Golfspielen im Hawaii-Urlaub während der Krise als die miese Wirtschaftslage: Nur 41 Prozent trauen ihm zu, die Wirtschaft aus der Krise zu führen und Arbeitsplätze zu schaffen. Noch schlimmer steht es um Obamas Kernprojekt der Gesundheitsreform: Nur mehr 36 Prozent goutieren seine Pläne.

11. Jänner: Hamilton-Scherzinger kaputt

Vielleicht brachte das Traumpaar am Ende doch die große Distanz (und der Jetlag) auseinander: Starsängerin Nicole Scherzinger (31) lebt in Los Angeles, während ihr Boyfriend, das britische Formel-Eins-Ass Lewis Hamilton (25), in der Schweiz residiert. Jetzt ist die 20 Monate lange Beziehung kaputt. “Beide wollen sich fortan auf ihre Karrieren konzentrieren – und verbleiben gute Freunde”, verlauteten sie. Hamilton braucht ohnehin einen klaren Kopf: Mit dem Comeback von Michael Schumacher wird der Kampf um die Formel-Eins-Krone heuer härter denn je.
Das Paar hatte sich bei den MTV-Awards im November 2007 kennengelernt, die Romanze startete 2008. Der hawaiianische Beauty und Frontsängerin der burlesquen Pop-Girl-Gruppe “Pussycat Dolls” war an seiner Seite, als Hamilton nach einer Serie spektakulärer Grand-Prix-Siege den Formel-Eins-Pokal in Brasilien kassierte. Doch im Vorjahr wurden Risse sichtbar. Beide führten ihre florierenden Karrieren an weit entfernte Orte, eine letztlich fatale “Long Distance”-Beziehung. Scherzinger, die früher mit Musiker Nick Hexum und Schauspieler Talan Torriero liiert war, tourte mit einer Konzerttour den Planeten. Hamilton steuerte seine Boliden in Weltmetropolen im Kreis.
Letzten Herbst platzten erste Trennungsgerüchte. Er wolle sich nicht “niederlassen” und eine Familie gründen, hieß es. “Das ist doch alles Quatsch”, schnappte er noch. Doch als er im Dezember in der Schweiz – wo er sich aus Flucht vor Steuerlast und Paparazzi-Presse niederließ – seinen 25. Geburtstag feierte, blieb sie in L.A., werkte am Solo-Album “My Name is Nicole”. Für Scherzinger soll es der große Durchbruch sein, sie kollaboriert mit den Superstars Will.I.Am, A.R. Rahman und Lady Gaga. Ihre einst überschwänglichen Liebeserklärungen für den Asphalthelden scheinen nun übertrieben: “Lewis ist wunderbar”, säuselte sie, “ich denke, er könnte für mich der Auserwählte sein”.

# 11. Jänner: Aufregung um Obama-Buch

Helle Aufregung um ein Hinter-den-Kulissen-Buch über den Wahlkampf 2008: Am saftigsten sind die Enthüllungen über Bill Clinton.
New York. Arg in Bedrängnis durch Details des Skandalbuches gerät Ex-Präsident Bill Clinton, Gatte der damaligen Gegnerin Barack Obamas, Hillary. Clinton machte in einem Telefonat mit Senats-Legende Ted Kennedy Obama herunter: „Der hätte uns vor ein paar Jahren gerade mal den Kaffee geholt“. Die rassistische Bemerkung erzürnte Kennedy derart, dass er prompt Obama statt Hillary unterstützte.
Negro. Andere Enthüllungen im Buch Game Change zweier Time-Reporter:
# Hillarys Stab kam bei intensiven Recherchen über mögliche Skandale zum Schluss, dass Bill im Jahr 2006 eine Affäre hatte. Über deren Namen wird seither heftig spekuliert.
# Sorgen auch im Camp von John McCain: Sein Stab war so überzeugt, dass ihn seine Frau Cindy betrügt, dass sie konfrontiert wurde.
# Hillary selbst war anfänglich glücklich, als ein Vertrauter die „Drogenvergangenheit“ Obamas anprangerte. Obama selbst hatte in seiner Bio den Konsum von Marihuana und härteren Drogen eingestanden. „Das sollten wir ausschlachten“, forderte Hillary.
# Unter Druck auch Senats-Führer Harry Reid: Der hatte, so das Buch, Obama gute Chance eingeräumt, da er nicht ganz so schwarz sei und keinen „Negro-Dialekt“ spreche. Reids Rücktritt wurde gefordert.
# Hillary selbst warnte Obama, als er sie zur Außenministerin machte, vor ihrem Gatten. Sie fragte, ob sich Obama den „Zirkus“ mit ihm antun wolle. Und: „Ich habe ihn nicht unter Kontrolle“.

# 9. Jänner: Ein Test des Nackt-Scanners

Die Welt rüstet nach dem Schrecken durch Detroit-Jumbobomber Umar Farouk Abdulmutallab (23) bei der Flughafen-Sicherheit auf. Versteckter Sprengstoff soll vor allem durch den verstärkten Einsatz von Nacktscannern entdeckt werden. Doch die Debatte sprang von den USA nun auch nach Österreich über: Gestritten wird um die Effektivität de Scanner und Verletzungen der Privatsphäre. US-Präsident Barack Obama ordnete zuletzt den Einsatz von 300 Geräten im Jahr 2010 an, die EU zog nach.
Zwei verschiedene Technologien werden angewandt: Bei der “Backscatter”-Technik prallen niedrig dosierte Röntgen-Strahlen von der Person zurück, durch die ein Bild des Körpers ohne Kleidung entsteht. Beim Millimeter-Wellen-Scanner wird extrem hohe Radiofrequenz eingesetzt.
Ich testete bei der US-Flughafensicherheitsbehörde TSA in Washington eines der “Backscatter”-Geräte:
# Die Maschine besteht aus zwei blauen Boxen. Sie ist hergestellt von der Firma “Rapiscan Systems”. Elektronische Animationen vermitteln Passagieren die Instruktionen. Vereinfacht: “Gehe hinein, dreh dich nach links, Hände über den Kopf”.
# Schuhe können angelassen werden, sonstige Gegenstände wie Schlüssel, Brieftaschen oder Handy landen wie gehabt im normalen Handgepäck-Scanner. “Nicht weil das Gerät sie nicht erkennen würde”, erklärt TSA-Sprecherin Kristin Lee: “Wir wollen auf echte Problemstellen fokussieren”.
# Zwischen den beiden “Schränken” wird die Position eingenommen. Der Körper ist der Wand zugewandt, Hände über dem Kopf. Mittels der Röntgen-Strahlen vermisst die Maschine den Körper.
# Bei der Backscatter-Technologie ist der Vorgang völlig geräuschlos, fast gespenstisch. Nur die TSA-Agentin auf der anderen Seite teilt mit, wann die Prozedur abgeschlossen ist. Bei den Millimeter-Scannern ist das Surren der um den Körper rotierenden Antenne zu hören.
# Am Bildschirm hat die Software den Körper rekonstruiert. Doch es sind keine Röntgenbilder, die auch ins Innere des Körpers sehen können, sondern nur 3D-Animationen. Nicht zu sehen sind Tätowierungen, Herzschrittmacher, Narben. Auch: Verschluckt ein Selbstmordbomber seine Ladung, bleibt der Scanner wirkungslos, wird beim Test erklärt.
# Klar zu sehen sind jedoch “Anomalien” an der Körperoberfläche: Etwa Spritzen, wie sie der Unterhosen-Bomber als Zünder verwendete oder am Körper befestigte Packungen mit Sprengpulver. Das Problem: Die Maschine “entschärft”, so Lee, die Datenmengen mit angewandten Algorithmen im Genitalbereich. Ob daher die in der Unterhose versteckte Sprengladung des Al-Kaida-Terroristen gefunden worden wäre, will die TSA nicht sagen.
# In den USA werden wegen Bedenken über die Privatsphäre die Bilder auch weit entfernt von Scanner und Passagier von Drittpersonen ausgewertet. Und, so die Sprecherin: “Die Bilder werden gelöscht, sobald eine Person als unbedenklich eingestuft wird”.
Das Gesundheitsrisiko ist gering: 0,005 Millirem an Strahlung bekommt ein Passagier pro Scan, weniger als beim Handygebrauch.

# 7. Jänner: Blondine in der Mülltonne

Die Suche nach dem brutalen Mörder des Ex-Playboy-Models Paula Sladewski (26) in Miami heizt sich auf. Die Leiche der hübschen Blondine war letzten Sonntag bis zur Unkenntlichkeit verbrannt auf einer Müllkippe in der Florida-Metropole entdeckt worden. Die Verstümmelung war derart entsetzlich, dass sie bloß anhand ihrer Zahnabdrücke identifiziert werden konnte. Die Gerichtsmedizin absolvierte eine erste Obduktion zur Feststellung der exakten Todesursache. Der Mord hat Amerika erschüttert. Sladewskis Mutter brach unter Tränen im TV zusammen: “Sie war so voller Leben, jeder der sie traf, liebte sie”. Sie flehte um Hinweise bei der Suche nach dem Killer.
Neue Details des feuchtfröhlichen Neujahrsurlaubes des Paares aus Michigan – der mit einem Besuch eines “Lady Gaga”-Konzerts zu Silvester fröhlich begann und nach einer durchtanzten Nacht im Nightclub “Club Space” in Downtown Miama tragisch endete – tauchen auf. Die Polizei hatte zunächst ihren Freund Kevin Klym (34) als Hauptverdächtigen im Visier. In SMS, die das Model früher an ihren Ex schickte, befürchtete sie: “Er wird mich noch umbringen”. Dazu hatte er sie mehrmals misshandelt. 
Doch die beiden wurden nach einem Streit im Vollrausch in der Disco getrennt, Klym rausgeworfen. Er wartete auf sie draußen. Die Türsteher teilten ihm nach fünf Minuten mit: “Sie will bleiben”. Er nahm ein Taxi zurück ins Hotel. Sladewski, die 2003 für den Playboy modelte, wurde dann gesehen worden, wie sie um 7:20 Uhr morgens die Disco mit jemand anderen verließ. Stunden später wurde ihre verkohlte Leiche entdeckt. Ihre Schwester Kelly glaubt an ein Zufallsverbrechen: “Jemand hat sie wohl vergewaltigt – und danach verbrannt”.

# 9. Jänner: 20 Selbstmord-Bomber am Weg?

Neuer Schock bei den Ermittlungen gegen “Unterhosen-Bomber” Umar Farouk Abdulmutallab (23): Der Nigerianer, der am Christtag mit verstecktem Sprengstoffes “Delta NW”-Flug Nr. 523 vor Detroit vom Himmel holen wollte, erzählte Ermittlern, so CBS-TV, dass neben ihm 20 weitere Selbstmordbomber für Attacken gegen Passagierflugzeuge ausgebildet werden würden. Der junge Al-Kaida-Terrorist – der sich bei seinem ersten Auftritt vor einem Detroit-Gericht für “nicht schuldig” bekannte – konkret: Es seien junge Männer wie er und sie trainierten in geheimen Al-Kaida-Trainingslagern im Jemen. Der Druck steigt damit beim internationale Aufrüsten zwecks strengerer Sicherheitskontrollen auf Flughäfen, vor allem mittels der umstrittenen Nacktscanner. Die generelle Flugpanik wächst ebenso: F-16-Kampfjets eskortierten einen “AirTran”-Flug von San Francisco nach Atlanta zu einer “Notlandung” in Colorado Springs. Ein besoffener Passagier verweigerte Instruktionen, die Toilette zu verlassen. Auch in London wurden drei Männer verhaftet, die auf einem Flug von Dubai randalierten.
Festgenommen wurde nun auch jener Mann, der wegen eines Abschiedskusses in eine gesicherte Zone des Großflughafens in Newark eindrang – und in einer grotesken Sicherheitspanne letzten Sonntag die Sperre eines ganzen Terminals für sechs Stunden auslöste. Im Chaos saßen 10.000 Fluggäste fest. Der US-Medizinstudent Haisong Jiang (28) war auf einem Überwachungsvideo erkannt worden, als er unter einem Absperrungsband durchschlüpfte. Die Polizei holte ihn von seinem Zuhause in New Jersey ab.
Brisante Details gibt es auch im Terror-Anschlag eines Al-Kaida-Doppelagenten, der in einem Afghanistan-Außenposten sieben CIA-Agenten tötete. Der Jordanier hatte das Vertrauen der Geheimdienstler gewonnen, nachdem er detaillierte Fotos über den Aufenthaltsort der Al-Kaida-Führung versprochen hatte. Gerade als er durchsucht werden sollte, zündete er den Sprengsatz.

# 9. Jänner: Arnies Budget-Probleme

Neues Jahr, neue Budgetschlacht für Kalifornien-”Governator” Arnold Schwarzenegger: Zur Schließung eines wieder klaffenden Budgetloches von fast 20 Milliarden Dollar kündigte Arnie in seinem letzten Amtsjahr (er muss im Jänner 2011 abtreten) eine neue Runde schmerzhafter Sparmaßnahmen an: Nachdem ein Gericht seinen zuletzt verordneten Zwangsurlaub für 140.000 Beamte als rechtswidrig erklärte, will er nun deren Gehälter um fünf Prozent kürzen. In dem am Freitag präsentierten Budgetentwurf sind tiefe Schnitte im Gesundheits- und Sozialsystem, Kürzungen von Umweltprogrammen, Entlassungen von Häftlingen und die Rücknahme lukrativer Steuererleichterungen für Firmen geplant. Sogar nach Öl will Arnie vor der idyllischen Küste von Santa Barbara bohren lassen. Die US-Rezession hat Kalifornien (die achtgrößte Volkswirtschaft der Erde) voll erwischt: Die Arbeitslosigkeit liegt bei 12,3 Prozent.

# 8. Jänner: Bis zur Unkenntlichkeit verkohlt

Grauenhafter Mord in Miami (Florida): Die Polizei konnte anhand der Zahnabdrücke das 26-Jährige Model Paula Sladewski als Mordopfer identifizieren. Ihre Leiche war in einer Mülltonnen gefunden worden. Der Fund hatte Amerika entsetzt: Sladewskis Körper war bis zu Unkenntlichkeit verkohlt. Die Verbrennungen waren so verheerend, dass die Polizei drei Tage zur Identifikation benötigte. Selbst hartgesottene Kripo-Beamte schnauften: “Wer das gemacht hat, ist ein Monster”.
Die Polizei hat vor allem den Freund der jungen Frau – die im Jahr 2003 für das Sex-Magazin Playboy posierte – im Visier: Der 34-Jährige Kevin Klym hatte sie bereits früher misshandelt, brach ihr einmal sogar die Nase. Knapp vor ihrem Tod am Sonntag schickte sie noch eine panische SMS an Verwandte ab: “Er will mich umbringen”, so der alarmierende Inhalt. Ihr Vater ist nicht überrascht, dass die Polizei den Prügel-Freund verdächtigt: “Sie hatten eine furchtbare, gewalttätige Beziehung”, sagte er.
Das Playboy-Model galt als vermisst, seit sie eine populäre Miami-Disco am Sonntag um 7 Uhr früh verließ. Silvester hatte sie zwei Tage zuvor noch ausgelassen bei einem Konzert von Popstar “Lady Gaga” gefeiert. Klym behauptet, sie hätten sich nach einem Streit im Vollrausch aus den Augen verloren. Zeugen sahen sie tatsächlich mit jemand anderen abziehen. Die Kripo ermittelt: Tötete sie ihr Freund später wegen rasender Eifersucht? Oder fiel sie selbst in die Hände eines Mörders? Die so bestialisch getötete, bildhübsche Blondine hatte einst auch eine Rolle im Film “Playboy: The Ultimate Playmate Search”. Ihre Mutter flehte unter Tränen für Hinweise nach der Ergreifung des Killer: “Sie hatte ihr ganzes Leben vor sich”.

# 8. Jänner: Terror-Panik in den USA

Die USA ist weiter gelähmt durch die Terror-Panik. Präsident Barack Obama kündigte inzwischen eine forschere Terroristenjagd an.
Washington. Immer groteskere Details über das Terrorchaos in den USA nach der missglückten Attacke auf den Detroit-Flug durch „Unterhosen-Bomber“ Umar Farouk Abdulmutallab (23). Wie jetzt bekannt wurde, war ein Terminal des Flughafens Newark (bei New York) am Sonntag für sechs Stunden wegen eines Abschiedskusses gesperrt worden. Ein Mann, wie auf einem Video zu sehen, schlüpfte unter einem Absperrungsband in die gesicherte Zone. Der Wachebeamte telefonierte am Handy. 10.000 Passagiere saßen fest.
Krieg. US-Präsident Barack Obama übernahm in einer energischen TV-Rede die „volle Verantwortung“ für die Lücken im US-Terrornetz, durch die der Detroit-Bomber schlüpfte. Obama: „Wir befinden uns im Krieg“. Geheimdienste, Ministerien und die Terrorabwehr müssten Hinweise künftig „aggressiver“ verfolgen. Doch Obama warnte vor einer „Bunkermentalität“, wo Amerika seine Grundwerte aufweiche.
Report. Freigegeben wurde ein Report über die Pannenserie vor der Jumbo-Attacke. Schockierend: Das Außenamt übersah, dass Abdulmutallab ein gültiges US-Visum besaß, da sein Name falsch in den Computer getippt wurde. Der Bomber wurde in einem Gerichtssaal in Detroit dem Richter am Freitag vorgeführt.

# 7. Jänner: Hollywood-Stories

Jennifer Aniston (40) ist oben auf: In der Liste der Top-Verdienerinnen hat sie Erzfeindin Angelina Jolie fast überholt, liegt auf Rang Zwei. Ihr Honorar pro Film: 25 Millionen Dollar. Und neben ihrer florierenden Karriere (drei Filmhits kommen heuer ins Kino) verbreitert sie ihren Aktionsradius: Aniston, die im ORF im Thriller Entgleist zu bewundern ist, startet ein mexikanisches Restaurant in New York, hieß es. „Ich liebe mexikanische Küche“, erzählte sie dem Daily Mirror.
Drei Neue? Enttäuschend jedoch ihre Suche nach Mr. Right. Das Magazin Star servierte gleich drei mögliche Neue auf: Aniston soll in den letzten Wochen abwechselnd mit Sänger Josh Groban (28), den sie über ihren Yoga-Lehrer kennenlernte, geturtelt haben, sowie den Schauspielern Josh Hopkins (39), mit dem sie bei ihrer Weihnachtsfeier anbandelte und Sam Rockwell (41), den sie aus einer früheren Beziehung kennt.
Adoption? Tatsächlich: Seit ihm Jolie Göttergatten Brad Pitt am Filmset ausspannte, geriet die Filmblondine in Sachen Romanzen komplett aus dem Tritt: Die Schauspieler Vince Vaughn oder Gerard Butler, Model Paul Sculfor oder Musiker John Mayer – nichts hielt lange. Peinlich schienen auch die Tabloid-Stories über liebestolle SMS und Geheimtreffen mit Ex Pitt. Ihre Kinderträume hat sie trotz allem nicht aufgegeben. Männer braucht sie dazu nicht: Sie wolle ein Kindes aus Mexiko adoptieren, hieß es.

Wieder Aufregung um Hollywoods Skandalnudel Anne Heche (40): In ihrem jüngsten Film Spread turnt sie am Pool auf Kostar Ashton Kutcher (31) in derart akrobatischer Sex-Stellung herum, dass seine Frau Demi Moore schwer verärgert war. Panisch wollte Kutcher beruhigen: „Demi und ich sind beide im Filmgeschäft, wir wissen, was das beinhaltet“.
Verwirrt. Heche – am Samstag im Film Volcano auf Fox zu sehen ist – wurde schn bisher weniger wegen ihrer Schauspielkunst als dem turbulenten Privatleben berühmt. Nach einer Serie an Beziehungen mit Hollywood-Männern (inklusive Steve Martin) verliebte sie sich 1997 in TV-Serien-Kostar Ellen DeGeneres. Die Frauenliebe zerbrach dramatisch, Heche irrte 2000 halbnackt und verwirrt durch einen Suburb in Kalifornien. Sie wandte sich wieder Männern zu: Heute hat sie zwei Kinder, Sohn Homer (7) aus einer gescheiterten Beziehung – und den Baby-Buben Atlas mit Kostar James Tupper.
Hechs Karriere kommt wegen privater Instabilität kaum vom Fleck: Ihr einziger Film 2009, Spread, wurde nur in wenigen Kinos gezeigt, ihre TV-Show Men in Trees 2008 eingestellt. Sie selbst führt ihre Probleme auf die Misshandlung durch den Vater zurück: Der trichterte ihr ein, „dass sie als Halbschwester von Jesus der Erde Liebe predigen sollte“.
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Es waren für Charlie Sheen (44, Wall Street) wohl wirklich lausige Weihnachtsferien – und sichtlich getrübt tauchte er am Set seiner Hit-TV-Serie Two and a Half Men in L.A. auf. Nachdem er seine Frau Brooke Mueller (32) am Christtag mit einem Messer bedrohte und verhaftet wurde, trennen ihn von ihr und den beiden zehnmonatigen Baby-Zwillingen Bob und Max 1.400 Kilometer. Denn sie verblieb vorerst im Ferienhaus im Nobel-Skiresort in Aspen (Colorado).
„Bad Boy“. Für Sheen, der durch Drogen- und Gewaltexzesse schon vor dem jüngsten Amoklauf als Hollywoods „Bad Boy“ verschrien war, will sich voll in die Arbeit stürzen und wieder Tritt fassen. Immerhin: Seine TV-Serie hat mit 11,1 Millionen Zusehern Traumquoten. Ob er seine Ehe retten kann, ist jedoch ungewiss. Dazu könnte er wegen „gefährlicherr Drohungen“ für acht Jahre hinter Gittern landen.

An guten Neujahrsvorsätzen mangelt es dem gefallenen Jungstar Lindsay Lohan (23) nach ihrem Annus horribilis 2009 nicht (Break-up mit DJ-Freundin Samantha Ronson, dem Ungaro-Modefiasko und Saufgelegen): „Macht euch bereit für mehr, aber positiven Lindsay-Wahnsinn 2010“, postete sie vergnügt von einer Jacht vor der Karibikinsel St. Barts, wo sei Neujahr feierte, via Twitter. Tatsächlich: Lindsay sah, nach der Flut beängstigender Auftritte im Vorjahr wieder recht fit und zielstrebig aus.

Zuletzt hatte der Playboy Jude Law (37), gerade versöhnt mit Ex Sienna Miller, die Geburt seines vierten Kindes aus der Kurzzeit-Affäre mit US-Model Samantha Burke (25) weitgehend ignoriert. Doch jetzt will er Tochter Sofia – mehr als drei Monate nach der Geburt – zum ersten Mal sehen. Die Mutter ist überglücklich.

# 7. Jänner: Obama ringt um Schadensbegrenzung nach Terror-Murks

US-Präsident Barack Obama ringt weiter um Schadensbegrenzung nach dem Murks der US-Terrorabwehr vor dem fast geglückten Anschlag auf einen “Northwest”-Jumbo bei Detroit zu Weinachten. Wieder wandte er sich via TV an die Amerikaner: Obama bezeichnete das Versagen der US-Behörden als “inakzeptabel”. Er versprach rasche Reformen. Angeordnet wurden neben strengeren Flughafenkontrollen der verstärkte Einsatz von Sicherheitskräften (“Air Marshalls”) auf internationalen Flügen. Verdächtige sollen auf Terror-”Watch Lists” akkurater erfasst werden.
Ein dazu publizierter Schockreport protokoliert, wie der Nigerianers Umar Abdulmutallab (23) vor der Jumbo-Attacke den US-Behörden durch die Lappen ging. Obwohl der Geheimdienst CIA, die Lauschbehörde NSA und die US-Botschaft in Nigeria Reports über die Umtriebe des jungen Al-Kaida-Terroristen verfassten, wurden die Infos nicht abgeglichen – und Abdulmutallab landete nur in der Terror-Datenbank (550.000 Namen), nicht jedoch auf der Flugverbotsliste (ca. 4.000 Namen). Obamas Top-Sicherheitsberater Jim Jones: “Die Versäumnisse sind schockierend”. Enthüllt wurde etwa, dass US-Grenzer noch während des Fluges auf Abdulmutallab aufmerksam wurden, so die L.A. Times. Doch statt die Crew zu warnen, wollte der Grenzschutz ihn erst nach der Landung vernehmen. Der “Unterhosen-Bomber”, angeklagt wegen versuchtem Massenmord an 289 Menschen, wird heute in Detroit unter gewaltigen Mediengetöse dem Richter vorgeführt.

# 7. Jänner: Abdulmutallab droht Lebenslang

US-Staatsanwälte klagten den Bomber in sechs Punkten an. Es droht lebenslang.
New York. Hochspannung vor der heutigen Gerichtsvorführung des „Unterhosen-Bombers“ Umar Abdulmutallab (23): In einem Gerichtssaal in Detroit wird der nigerianische Bankersohn mit der gerade präsentierten Anklage konfrontiert. Das Milchgesicht des Al-Kaida-Terroristen, der beinahe am Christtag mit einer versteckten Bombe 289 Menschen an Bord von Delta-Northwest-Flug Nr. 253 tötete, wird nur kurz zu sehen sein.
Medienhype. Experten: Er werde die Verlesung der sechs Anklagepunkte – darunter versuchter Mord und Gebrauch einer Massenvernichtungswaffe – stoisch zur Kenntnis nehmen. Der Medienhype ist dennoch groß: Die Weltpresse rangelt um Plätze im Justizsaal. Abdulmutallab droht lebenslang.
Mit der extraharten Anklage soll er unter Druck gesetzt werden: Packt er über seine Al-Kaida-Hintermänner aus, könnte er eine reduzierte Haftstrafe erhalten. Die siebenseitige Klageschrift enthält brisante, neue Details: Neben dem Sprengstoff PETN war auch das explosive „Triacetone Triperoxide“ (TATP) in die Untergatte eingenäht. Bekannt wurde auch, dass US-Grenzer Abdulmutallabs Namen auf einer Liste Terrorverdächtiger fanden, so die L.A. Times. Doch der war schon an Bord. Statt die Crew zu warnen, wollte der Grenzschutz ihn nach der Landung vernehmen.

# 6. Jänner: Elin spindeldürr

Bilder der völlig abgemagerten Gattin des “Sex-Golfers” Tiger Woods (33), Elin Nordegren (30), schockierten in den USA: Zurück aus dem Skiurlaub im französischen Ressort Chamonix wurde sie jetzt beim Herumtollen mit den Kindern Sam (2) und Baby Charlie (zehn Monate) vor der Woods-Luxusvilla in Florida gefilmt. Sie wirkte spindeldürr, nur mehr Haut und Knochen. “Der Stress muss ihr arg zusetzen”, so Insider im US-TV: “Sie hat wohl fast zehn Kilo verloren”.
Elin wolle, sind sich Woods-Beobachter einig, an der Scheidung festhalten. Zuletzt soll sie sogar einen Privatdetektiv angeheuert haben, um den exakten Wert seines Vermögens zu ermitteln. Das Ex-Schwedenmodel will die Hälfte, kolportierte 300 Millionen Dollar. Doch es gibt auch Anzeichen eines leichten Tauwetters nach dem Inferno seiner peinlichen Sex-Affären mit 14 Mätressen und Prostituierten. Sie hätte mit ihm während der Weihnachtsferien telefoniert, berichtet die britische “Daily Mail”. Die Kinder vermissten ihn, so ihr Motiv. Sie suche eine “stabile Lösung für die Zukunft”, sagen Freunde. Doch: Zur Zeit halte sie Woods für “mental zu unstabil” für den Umgang mit den Kindern. Prompt droht eine weitere Eskalationsstufe des Skandals: Porno-Produzenten wurde ein Sex-Tape angeboten, wo Woods mit einer seiner Gespielinnen fest am Werk sein soll.

# 6. Jänner: Obams Rüffel

US-Präsident Barack Obama liest nach Jumbo-Debakel Antiterrorteam die Leviten.
Washington. Nach dem gewaltigen Rüffel für die Geheimdienste wegen des „desaströsen Versagens“ vor der Al-Kaida-Attacke auf eine US-Fluglinie kündigt Obama Reformen bei der US-Terrorabwehr – und neue Sicherheitsmaßnahmen im internationalen Flugverkehr an. Details folgten in Kürze, so Obama.
„Murks“. Deutlich wurde er bei einem Treffen im Kriegsbunker Situation Room unter dem White House beim Krisentreffen mit 20 Chefs von Geheimdiensten, Ministerien und Terrorabwehr-Agenturen. Der Geheimdienst CIA und die Lauschbehörde NSA hatte den Unterhosen-Bomber Umar Abdulmutallab im Visier, sein Vater sogar die US-Botschaft gewarnt. Doch das „Terrorzentrum“ versagte beim Zusammensetzen das Puzzles.
Obama tobte: „Hier wurde richtig Mist gebaut“. Und der Anschlag hätte „vereitelt werden können“. Köpfe sollen vorerst keine Rollen, so US-Medien. Doch Obama machte deutlich, dass er keine Stümpereien mehr dulde. Und er setzt auf Transparenz: Untersuchungsberichte über die Pannenserie sollen bald via Internet veröffentlich werden.

# 6. Jänner: Angriff auf Al-Kaida-Stellungen

Der Gegenangriff auf Al-Kaida-Stellungen im Jemen, wo die Weihnachts-Terrorattacke auf einen US-Jumbo durch “Unterhosen-Bomber” Umar Farouk Abdulmutallab vorbereitet wurde, läuft voll an: Jementische Sonderkommandos stürmten das Versteck einer Zelle, die Anschläge gegen westliche Botschaften in der Hauptstadt Sanaa planten. Zwei Al-Kaida-Kämpfer wurden getötet, drei weitere verhaftet. Darunter: Der Führer der Gruppe, Terrorchef Mohammed Ahmed al-Hanak.
Jemen ist jetzt die heißeste Front im Krieg gegen den Terror. Die USA wollen die Militärhilfe von 67 Millionen Dollar in 2009 heuer vervielfachen. Das US-Militär sei bereits “federführend”, so ABC-TV, bei Kommandoaktionen (im Vormonat wurden sogar Cruise Missiles abgefeuert). Der Jemen wurde, so Experte Rohan Gunaratna, der das Buch “Inside Al Qaeda” schrieb, zum “idealen Ausweichquartier” für Al-Kaida-Kämpfer, die wegen Offensiven in Pakistan und Afghanistan unter Druck geraten. Die Regierung des 23-Millionen-Armenstaates kontrolliere nur “ein Drittel des Landes”. Dazu gibt es Krieg im Süden und eine Rebellion im Norden. Stammeskriege zerreißen den Staat. Der Westen müsste der Jemen-Regierung massiv unter die Arme greifen, so der Kenner, in den Ausbau von Armee, Polizei und Infrastruktur investieren. Die größte Gefahr: “Der Jemen liegt viel näher zu Europa, ein Anstieg der Attacken dort ist nicht auszuschließen”.

# 5. Jänner: Obamas Krisengipfel

US-Präsident Barack Obama startet nach einer Krisensitzung durch beim Kampf gegen den Terror: Der Antiterror-Apparat soll reformiert werden.
Washington. Nach der gescheiterten Terrorattacke auf Delta-Northwest-Flug Nr. 523 vor Detroit trommelte Obama 20, bei der Terrorabwehr relevante Führer zu einer Krisensitzung im „Situation Room“ im White House zusammen. Am Tisch Chefs der Antiterrororganisationen, der Geheimdienste CIA und NSA, der Bundespolizei FBI, sowie Außenministerin Hillary Clinton, Pentagon-Chef Robert Gates und Justizminister Eric Holder.
Flugverbotsliste. Als Sofortmaßnahme soll die „Flugverbotsliste“ erweitert und durchforstet werden. Striktere Regeln für Flüge in die USA gelten bereits, darunter das Filzen aller Passagiere aus 14 „Terror-Staaten“. Einen Obama-Rüffel setzte es aber auch wegen der haarsträubenden Pannen vor dem Terrorflug des Al-Kaida-Bombers Umar Farouk Abdulmutallab (23), der trotz Vorabwarnungen Sprengstoff in seiner Unterhose an Bord schmuggeln konnte: Im Visier ist vor allem Dennis Blair, Chef der „National Intelligence“ und Michael Leitner, der das „National Counterterrorism Center“ führt. Diese Behörden wurden nach 9/11 kreiert, um Infos einzelner Agenturen zu einem Bild zu verschmelzen, Sie versagten kläglich.

# 4. Dezember: Elin entspannt auf Skipiste

Das Jahr 2009 war für Elin Nordegren (30) sicher zum Vergessen: In einer entwürdigen Barrage an Sex-Enthüllungen kollabierte ihre Ehe mit Stargolfer Tiger Woods (33), der sie mit 14 Geliebten und Prostituierten betrog. Doch die starke Elin lässt sich nicht unterkriegen, zeigt sogar Galgenhumor. Als sie Freunde fragten, was Tiger ihr zu Weihnachten schenkte, lachte sie, so das Britenblatt “News of the World”: “300 Millionen Dollar, danke Tiger!”
Klar scheint, dass sie den Riesenbetrag noch nicht kassierte. Doch: Das Vermögen des Golf-Champs (14 “Majors”-Tourniersiege) wird auf 600 Millionen geschätzt. Und Elin will nicht nur eisern die Scheidung sondern auch die Hälfte des Vermögens. Der Schritt ins neue Leben startete mit ihrer Flucht aus der 2,4-Millionen-Dollar-Villa in Tampa (Florida) samt den Kleinkindern Sam (2) und Charlie (zehn Monate). Jetzt tauchte sie vergnügt auf der Skipiste im französischen Traumort Chamonix auf, mietete mit ihrer Zwillingsschwester Josefin, ihrem Mann und vier Freunden ein Luxus-Chalet (12.500 Dollar pro Woche). Ausgelassen feierte sie in Edellokal “Munchie” Silvester und ihren 30. Geburtstag. Ein Kellner: “Sie war echt fröhlich”.
Doch wo ist Tiger Woods? Seit seinem bizarren Autounfall Ende November, ausgelöst durch das Schwingen der Golfschläger durch die rasende Elin, ist er spurlos verschwunden: Tabloids glaubten ihn auf Sex-Therapie in Arizona, einer Karibikkreuzfahrt, sogar nächtens am Golfplatz. Jetzt soll er ins New Yorker Trump-Hotel am Central Park eingecheckt haben. Und gleich die nächste Enthüllung: Ashley Samson – die Freundin der Tiger-Lieblingsgeliebten Rachel Uchitel, die den Sexskandal mit ihrem Auspacken gegenüber dem “National Enquirer” ins Rollen brachte – enthüllte: Woods habe ihr einst 200.000 Dollar Schweigegeld angeboten, doch sie lehnte ab.

# 4. Jänner: Obama sichert Flughäfen

Wieder Sicherheitspanne auf einem US-Flughafen, als ein Mann einen Checkpoint ignorierte. Für US-Reisende gelten nun Extra-Kontrollen.
New York. Behörden schlossen Sonntag Abends den Airport in Newark bei New York, nachdem ein Unbekannter durch eine Ausgangstüre neben den Sicherheitsschleusen in den gesicherten Teil des Terminal C der US-Fluglinie Continental marschierte. Die US-Flugsicherheitsbehörde TSA drückte – elf Tage nach der vereitelten Jumbo-Attacke von Detroit – den „Panik-Knopf“: Der Terminal wurde sechs Stunden lang gesperrt, im totalen Chaos alle bereits durchleuchteten Passagiere evakuiert, Fluggäste sogar aus den Jumbos geholt. Zeugen im US-TV: „Die Massen drängten sich sogar in der klirrenden Kälte vor dem Gebäude“. Fieberhaft wird nach dem Mann gesucht, doch Experten glauben an einen harmlosen Irrtum.
EU plant raschen Großeinsatz der Nacktscanner
Die neue Panne kam nur Stunden nachdem die TSA neue, strikte Sicherheitsregeln für alle Flüge in die USA verlautete: Alle Reisenden aus 14 „Terror-verdächten Staaten“ (Iran, Sudan, Jemen, Nigeria, Pakistan, Afghanistan u.a.) werden am Körper abgetastet, ihr Reisegepäck komplett durchsucht. Für alle anderen Passagiere am Weg nach Amerika, darunter auch Österreicher, soll die Zahl zufälliger Extra-Checks erhöht werden. Die Europäische Union reagierte ebenso: Der rasche, flächendeckende Einsatz von Nacktscannern und sogar die Schaffung einer Anti-Terrorkoalition aus bestimmten EU-Ländern wird überlegt.
US-Präsident Barack Obama kehrte aus dem Hawaii-Urlaub zurück. Durch eine Krisensitzung heute mit den Geheimdiensten will er künftige Pannenserien verhindern (siehe rechts). Dazu soll die Offensive gegen Al-Kaida-Kämpfer im Jemen, die Jumbo-Bomber Umar Abdulmutallab trainierten, eskaliert werden: Nach den USA und Großbritannien schloss in der Hauptstadt Sanaa nun auch Frankreich seine Botschaft – aus Angst vor Vergeltung.

Geheimdienst-Reform. Obama will heute beim Krisengipfel mit den Bossen der US-Geheimdienste das kolossale Versagen vor der Jumbo-Attacke zu Weihnachten analysieren – und über Reformen beraten. Bekannt wurde, dass der Geheimdienst CIA, die Lauschbehörde NSA und das US-Außenamt alle Hinweise auf die Attacke erhielten. Doch das „National Counterterrorism Center“ versagte beim Zusammenführen der Infos. Köpfe sollen keine rollen, doch ein wütender Obama fordert rasche Besserung.

# 3. Jänner: Jemen als Terror-Front: Kampf gegen Al-Kaida

Die USA und Großbritannien rüsten nach dem Jumbo-Schrecken zum Kampf gegen Al-Kaida im Jemen.
New York. Nach dem Anschlagsversuch auf einen Delta-Northwest-Jumbo vor Detroit durch Selbstmordbomber Umar Farouk Abdulmutallab (23) ist der Jemen die heißeste Terrorfront. US-Präsident Barack Obama machte es per Videoansprache offiziell: Al-Kaida-Terroristen im Jemen hätten den Nigerianer „ausgebildet“ und die Unterhosen-Bombe „hergestellt“.
Nach hektischen Telefonaten zwischen Obama und Briten-Premier Gordon Brown wurde die Finanzierung und der Aufbau einer polizeilichen Anti-Terroreinheit beschlossen. Für Ende des Monats ist eine internationale JemenKrisensitzung anberaumt.
„Ohnmacht“. Die chaotischen Zustände dort, wo auf jeden Bürger drei Waffen kommen, bieten Al-Kaida-Kämpfern, oft vertrieben durch Offensiven in Afghanistan, einen neuen Zufluchtsort: Stammeskrieger und Rebellen kämpfen um den 23-Millionen-Einwohner-Wüstenstaat. Die schwache Regierung in Sanaa scheint „ohnmächtig angesichts der Gewalt“, so Terrorexperte Steven Emerson. 300 Al-Kaida-Kämpfer sollen in dem zerklüfteten Terrain operieren.
Offensive. US-General David Patraeus traf sich mit Jemen-Präsident Ali Abdullah Saleh zur Abstimmung der Großoffensive. CBS-TV berichtete, dass die US-Streitkräfte federführend bei Antiterror-Operationen sind. Im Vormonat wären Stellungen der Al-Kaida-Filiale „Arabische Halbinsel“ (AQAP), die sich später zur Detroit-Attacke bekannte, sogar mit Cruise Missiles beschossen worden. Im Visier stand auch der Radikal-Imam Anwar al-Awlaki, der den Jumbo-Bombenplan genehmigte. 150 starben, al-Awlaki überlebte jedoch. Patraeus: Durch den Schlag wurde eine Terrorattacke gegen die US-Botschaft vereitelt. Dennoch: Aus Angst vor Vergeltung schlossen die USA und Großbritannien ihre Vertretungen.

# 1. Jänner: Psychogramm eines Bombers

“Unterhosen-Bomber“ Abdulmutallab wäre fast der ärgste Terrorakt seit dem 11. September gelungen: Wie wurde er zum Terroristen?
New York. Ausdruckslos sei sein Blick gewesen, so Zeugen, starr, stoisch. Umar Farouk Abdulmutallab (23) sitzt auf Sitzplatz 19A im „Delta Northwest“-Airbus. Flug Nr. 253. Es ist kurz nach Mittag, Christtag. Der aus Amsterdam kommende Jumbo befindet sich mit 278 Passagieren im Sinkflug auf Detroit. Aus seinem Schoß schießen Stichflammen. 80 Gramm des Sprengstoffs PETN hatte der Al-Kaida-Bomber in seiner Unterhose eingenäht, eine Säurespritze dient als Zünder. Doch das Pulver brennt nur, detoniert nicht. Er wird überwältigt, der Jet landet, entgeht um Haaresbreite der blutigsten Terrortragödie seit 9/11.
Frenetisch wird jetzt das Psychogramm des Jung-Terroristen zusammengeflickt: Wie konnte ein Student, der als Sohn des steinreichen Bankers Alhajui Umaru Mutallab (70) aus gutem Haus stammt und eine Eliteausbildung in London erhielt, in die Fänge mörderischer Islamextremisten gelangen? Immerhin ist er noch am Leben und kann viele Fragen selbst beantworten, wird in einem Bundes-Gefängnis im Ort Milan (US-Staat Michigan) verhört.
„Traumschüler“. Geboren ist er 1986 in der Nigeria-Metropole Lagos. Sein Vater gehört als Boss der First Bank PLC zu den reichsten Männern des Afrika-Staates. Abdulmutallab besucht eine britische Privatschule im Togo, Lehrer erinnern sich an einen „Traumschüler”, höflich, zielstrebig. Es ist ein Leben im Überfluss, Bilder zeigen ihn als Teenager beim Besuch des Buckingham-Palast, am Tretboot im See. Im Jemen studiert er Arabisch, ab 2005 am Londoner University College Maschinenbau. Seine Studentenbude? Ein Luxusapartment um 4,5 Millionen Euro im schicken West End.
Doch der Teenager fühlt sich einsam, wie Einträge unter dem Kürzel „Farouk 1986“ in Webforen illustrieren: „Ich habe keine Freunde, bin fernab meiner Heimat in einem Land mit wenigen Muslimen“. Und obwohl es meist um pubertäre Sex-Fantasien und emotionale Tumulte geht, schreibt er auch: „Ich träume vom Dschihad, wo die Muslimen siegen – und die Welt beherrschen werden“.
Muslimentracht. Die Radikalisierung des jungen Mannes mit dem oft traurigen Blick schien früh begonnen zu haben: In der Schule verteidigte er die Taliban, so Geschichtslehrer Mike Rimmer. In London organisiert er als Präsident der „Islamischen Gesellschaft“ Demos gegen die USA wegen dem Anti-Terrorkriegen. Alles friedlich, noch. 2008 besucht er an ein Seminar eines islamischen Institutes im texanischen Houston teil. Studenten erinnern sich an einen Einzelgänger, der bei den Diskussionen “kaum Fragen stellte”. Auffällig: Jetzt trägt er bereits traditionelle Muslimen-Tracht. Inspiriert bei der Transformation vom Musterschüler zum Terroristen soll ihn der Hass-Prediger Anwar al-Awlaki haben: Der floh aus den USA in den Jemen als bekannt wurde, dass in seiner Moschee in Virginia drei der 9/11-Attentäter beteten. Dort stieg er auf zum Terror-Paten, inspirierte auch den Amokläufer Nidal Malik Hasan, der am US-Armeestützpunkt Fort Hood im November 13 Soldaten abknallte. Abdulmutallab reiste im Spätsommer in den Jemen, tauchte ein Monat lang bei einem Al-Kaida-Führer unter, wie er dem FBI laut US-Medien gestand: Dort wird er zum „Heiligen Krieger“ ausgebildet. Er soll direkten Kontakt zu Awlaki gehabt haben, der den Jumbo-Komplott ausdrücklich genehmigte und ihm Mut zusprach: „Du wirst zur Speerspitze der muslimischen Welt“.
Abschied per SMS. Mitte November meldet sich der nun entschlossene Attentäter bei seinem Vater. Er wollte sich verabschieden: Er hätte eine „neue Religion gefunden, den echten Islam“, erklärte er per SMS, bat seinen Vater um Vergebung, doch stellte klar, dass er nicht mehr umzustimmen sei: „Vergiss mich einfach, ich komme nicht wieder”. Der Vater ist so verstört, dass er – erfolglos – CIA und US-Botschaft warnt. Abdulmutallab kehrt am 7. Dezember aus dem Jemen nach Nigeria zurück, kauft neun Tage später das Ticket nach Detroit: 3.000 Dollar bezahlt er bar. Rückflug bucht er keinen.

# 1. Jänner: Unterhosen-Bomber: Obama will Geheimdienstreform

Immer schriller die Enthüllungen über die Pannen der US-Geheimdienste im Fall des „Unterhosen-Bombers“. Obama will Totalreform.
New York. Der Vater des Nigerianers Umar Farouk Abdulmutallab (23), der einen Jumbo der US-Fluglinie Delta Northwest vor Detroit sprengen wollte, erhielt im November einen Anruf von seinem Sohn. Der war in den Jemen gereist und hatte sich „mit islamischen Extremisten getroffen“, wie der Vater befürchtete. Abdulmutallab sagte, dass es sein „letztes Telefonat“ sein werde, so ABC-TV.
„Abschied“. Seine „Weggefährten“, wie er die Anschlagsplaner der Terrorgruppe Al-Kaida bezeichnete, würden in Kürze die SIM-Karte aus seinem Handy entfernen. Der Vater war so besorgt über den „Abschied“, dass er den CIA-Boss in der nigerianischen Kapitale Abuja über die Terror-Umtriebe seines Sohnes unterrichtete. Die CIA tippte zwei Reports: Einer wurde in die Zentrale nach Langley geschickt, der zweite blieb als Entwurf in der Schublade. Dabei muss die CIA gleich eine zweite tödliche Blamage verdauen: Beim jüngsten Taliban-Anschlag in Afghanistan (sieben Tote) war der Selbstmordbomber auf die Basis als Informant „eingeladen“ worden. Er wurde deshalb nicht durchsucht.
Lücken. US-Präsident Barack Obama, der das Versagen der Terrorabwehr zugab, erhielt erste Untersuchungs-Zwischenberichte, die vor „andauernden, großen Lücken“ warnen. Obama rief die Geheimdienstchefs zum Krisengipfel am Dienstag ins Weiße Haus.
Dazu müssen weitere Rückschläge im Antiterrorkrieg verdaut werden: Der neue Terror-Pate im Jemen, Imam Anwar al-Awlaki, der dem „Unterhosen-Bomber“ half, überlebte einen kürzlichen US-Raketenangriff. Er rief einen Reporter an: „Ich bin am Leben“. Zuletzt hatte es geheißen, er wäre bei dem Luftangriff auf ein Al-Kaida-Versteck getötet worden.