# 24. Februar: Norman Finkelsteins Frontal-Attacke gegen Israel


Es ist ein kleines, fensterloses Büro im Verwaltungsgebäude der Chicagoer “DePaul University”, die Regale sind vollgerammelt mit dicken Ordnern – hunderte Berichte von Menschenrechtsorganisationen, die Gewaltorgien im Israelisch-Palästinensischen Kampf minutiös dokumentieren. “Die meisten und brutalsten Übergriffe hat Israel zu verantworten”, sagt Politik-Assistenzprofessor Norman Finkelstein gewohnt provokant, seine Stimme heiser, das Gesicht scharfkantig. Mit seinem Buch “Holocaust Industrie”, wo der 52-Jährige, dessen Eltern selbst den Holocaust überlebten, Judengruppen glatte Erpressung mit dem einstigen Nazi-Horror vorwarf, hatte Finkelstein für weltweite Schlagzeilen gesorgt. Das Buch war zum Bestseller geworden und ist seither Hassobjekt strammer Israel-Apologeten.
Nun liefert er mit dem Titel “Antisemitismus als politische Waffe” eine neue Frontalattacke gegen Israel-Fans, Zionisten und US-Judenorganisationen:
# Judenorganisationen in den USA würden Israel-Kritiker mit Antisemitismusvorwürfen mundtot machen, wird behauptet;
# Dazu dokumentiert Finkelstein, meist basierend auf Reports von Menschenrechtsgruppen wie “amnesty international” oder “Human Rights Watch”, Israels Übergriffe wie Folter, gezielte Tötung von Palästinenserführern, die Vertreibung von Hunderttausenden seit der Gründung Israels sowie die Zerstörung deren Dörfer;
# Und breiten Raum reserviert Finkelstein für eine regelrechte Abrechnung mit Alan Dershowitz, Harvard-Rechtsprofessor und Promi-Verteidider (O.J. Simpson, Mike Tyson), in dessen “Plädoyer für Israel” praktisch alle Handlungen des Judenstaates gerechtfertigt wurden. Finkelstein argumentiert gegen Dershowitz mit scharfer Polemik, aber auch akribischem Zerpflügens aller “Halb- und Unwahrheiten” (Finkelstein) in Dershowitzs Buch.
# Für Finkelstein, der sich selbst als “echter Linker” bezeichnet, führe der harte Kurs Israels und vieler US-Lobbies zu einem Anstieg des Antisemitismus und sei für eine endgültige Zweistaatenlösung in Nahost “kontraproduktiv”.
Finkelsteins Gegner schießen nun neuerlich aus vollen Rohren gegen den “sich selbst hassenden Juden”, wie sie ihn gerne nennen: Die New Yorker “Anti Defamation League” (ADL) beschimpft ihn als “Holocaust-Leugner”, Anti-Israel-Propagandisten und Terroristenfreund, Dershowitz bezeichnet ihn als “Darling der extremen Rechten in Deutschland”. Deklarierte Todfeinde Israels greifen gerne seine Argumente auf: Die iranische Agentur “IRNA” berichtete zuletzt ausführlich über Finkelsteins These, dass der Holocaust als Instrument eingesetzt wird um Israel-Kritiker zum Schweigen zu bringen.

# 14. Februar: USA rüsten gegen den Iran auf

Das Militärtestgelände der “Eglin Air Force Base” in Florida war großflächig geräumt worden. Der dumpfe Knall war dann Kilometer weit zu hören, eine Druckwell zu spüren und eine kilometerhohe, pilzförmige Wolke am Horizont zu sehen. “Massive Ordnance Air Blast” (MOAB) hatten die Militärs die mit 9,5 Tonnen Sprengstoff größte konventionelle Bombe getauft, im Militärjargon heißt sie fast liebevoll “Mutter aller Bomben”. Der damalige Floridatest passierte knapp vor der Irakinvasion, am ehesten zur weiteren Demoralisierung von Saddam Husseins Truppen. Die Bombe kam im Irak nie zum Einsatz. Militärexperten sind sich sicher, dass die satellitengesteuerte Waffe, die wegen hohen Gewicht von einem Riesentransportflieger abgeworfen werden muss, als Abschreckung frisch im Arsenal für eine mögliche Attacke gegen eine weiteren Staat aus der von US-Präsident George W. Bush ausgerufenen “Achse des Bösen” bleiben soll: Den Iran.
Da der Einsatz von Atomwaffen “politisch nicht realistisch” sei, wie die das Internet-Militärforum “Milnet” ausführt, könnten zehn der Riesenbomben einen ähnlich devastierenden Effekt auf ein Ziel, eine iranische Atomanlage etwa, haben. Martialische wie Töne haben in der US-Kapitale Washington wieder Hochsaison, seit der Showdown zwischen Bush und Irans neuem Hardline-Präsident Mahmud Ahmadinedschad über das Nuklear-Programm des Mullahstaates eskaliert. Die USA werde eine iranische A-Bombe “nicht zulassen”, polterte der selbstdeklarierte Kriegspräsident kürzlich, während er neben aller diplomatischen Bemühungen der letzten Jahre eine militärische Option nicht vom Tisch nehmen wollte. Vice Dick Cheneys Rhetorik hatte zuletzt ähnliche schrille Töne erreicht wie gegen Saddam in den Monaten vor der Irak-Attacke. Und laut ein Report der Britenzeitung “Telegraph” werken Pentagon-Top-Planer im “Central-” sowie “Strategic Command” unter direkter Order von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld rund um die Uhr an präzisen Angriffsplänen für Luftschläge gegen Irans Atomanlagen (inklsuive Logistik und Waffen-Beladung von Kampfbombern), als “letztes Mittel”, um Teherans Dr. Seltsam zu stoppen.
Laut dem US-Verteidigungsexeperten William Arkin hat der Plan sogar schone einen eigenen Code: “Conplan 8022-02”. Darin wird detailliert beschrieben, wie die US-Armee die Herstellung von Nuklearwaffen durch Schurkenstaaten mit Waffengewalt verhindern will.
Und dabei erscheint Bushs so lange wegen ihrer politischen Sprengkraft im Nahen Osten fast als pur abwegig qualifizierte Militäroption inzwischen als “unabwendbares Szenario”, so Nahost-Experte Ted Carpenter vom Think-Tank “Cato Institute”: “Wer glaubt denn noch, dass der Iran durch Diplomatie von der Entwicklung von Nuklearwaffen abgehalten werden kann?” Besonders Ahmadinedschads Tiraden gegen Israel, die Wiederaufnahme der Plutoniumanreicherung (Zentrifugen in Natanz wurden bereits mit Gas gefüllt) – samt Israels Drohungen eines Alleingangs mit noch größerer politischer Sprengkraft – geben Bushs Kriegern Auftrieb. Während Carpenter im Gleichklang mit fast allen Washington-Insidern eine Invasion des Iran durch US-Bodentruppen für keine praktische Option hält (“Dazu wären wohl über eine halbe Million US-GIs nötig, die auch wegen der Irakbesatzung einfach nicht zur Verfügung stehen”), bleibt die Liste militärischer Schritte lange: “Luftschläge sind denkbar”, so der Experte, “Sabotage, der Einsatz verdeckt operierender Kommandoeinheiten, oder eine militärisch durchgesetzte Seeblockade”.
Bereits vor einem Jahr hatte der nach dem Aufdecken des “Abu Ghraib”-Folterskandals weltberühmte Enthüller des Magazines “The New Yorker”, Seymour Hersh, bereits laufende Kommandoaktionen innerhalb des Irans skizziert. Demnach spähten seit Sommer 2004 “geheime Aufklärungsteam” nach Angriffszielen, so Insider zu Hersh. Darunter: Atomanlagen, Forschungszentren, Luftabwehrinstallationen, Raketensilos, chemische Fabriken und militärische Kommandozentren. “Eine in Südasien stationierte Kommandoeinheit arbeitet Hand in Hand mit pakistanischen Wissenschaftlern und Technikern, die in Irans Ankauf von Nukleartechnologie verwickelt waren”, sagt Hersh: “Mit diesen Infos hätten die Agenten den Iran von Afghanistan aus penetriert, um nach Untergrund-Labors und Lagerstätten zu suchen”. Rumsfeld hatte, so der Aufdecker, von dem für die Region zuständigen “U.S. Central Command” in Tampa, Florida, ein Update eines Invasionsplanes verlangt: In farbenprächtigen Powerpoint-Computer-Präsentationen wurden Einmarschrouten vom Irak, Afghanistan und Basen in den Territorien zentralasiatischer US-Verbündeter präsentiert, neue Optionen, die es allesamt vor dem 11. September nicht gab.
Alarmierend scheint für viele, wie der allseits als “Rummy” bekannte Verteidigungsminister, die totale bürokratische Kontrolle über militärische Kommandoaktionen übernahm: Eine früher als “Grey Fox” bekannte Undercover-Einheit der US-Streitkräfte war schon 2002 dem “Special Operations Command” (SOCOM) in Tampa unterstellt worden, das Befehle direkt von Rumsfelds Stehschreibtisch im Pentagon erhält. Die Geheimaktionen der Militär-Elite-Einheiten müssen, anders als die der CIA, nicht an die Geheimdienstkomitees beider Häuser des US-Kongress rapportiert werden. Nicht einmal regionale Armeekommandanten werden in die Aktionen von Rummys Geheimrambos eingeweiht.
Diskutiert wird eine lange Liste möglicher US-Militäraktionen gegen den 68-Millionen-Einwohner-Staat, eben so lange ist die der Gegenargumente – wobei ein Invasion des Irans kaum mehr genannt wird mit 140.000 festgefahrenen Soldaten im Irak:
# Sabotage: Laut einem in 2004 ausgeheckten Plan, sollten “Spezialeinheiten” in “covert operations” (Geheimoperationen) Unfälle in Atomanlagen provozieren. “Da ist dann plötzlich von einem Gasaustritt in Natanz, einer ihrer Anlagen, zu lesen”, wird ein Kriegsplaner in den US-Medien zitiert. Auch sollen die Iraner in die Irre geführt werden. Rumsfeld höchstpersönlich hat genehmigt, dass Spione als Geschäftsleute auftreten dürfen, um Deals zur Beschaffung von Atommaterial aufzuspüren (ein früheres CIA-Komplott, wie dem Iran in Wien falsche Baupläne zugespielt wurden, scheiterte kläglich).
# Luftangriffe: Gezielte Bombardements von 20 der Iranischen Atomanlagen könnten deren Programm um zehn Jahre zurückwerfen, kalkulieren US-Planer des “Strategic Command” (STRATCOM) in Omaha – wie einst Isreals Attacke auf den irakischen Atomreaktor Osirak 1981 das von Saddam Hussein. Die Langstreckenbomber B2 sollen demnach nach Transatlantikflügen aus Missouri mit Auftanken in der Luft bis zu 18 Tonnen an Präzisionsbomben über iranischen Zielen abwerfen, F-117 “Stealth”-Jets die Radaranlagen zerbomben. Dazu kommen Cruise Missiles von U-Botten und Zerstöreren in der Region, sowie Bomberstaffeln von Flugzeugträgern oder der dem Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean. “Ein derartiger Angriff würde tatsächlich für die Atompläne Teherans einen deftigen Rückschlag bedeuten, doch könnte der politische Preis einer völligen Destabilisierung der Region durch Iranische Gegenschläge viel zu hoch sein”, analysiert Carpenter: “Und die Iraner haben von Israels Schlag gegen den Irak gelernt und viele ihrer Aktivitäten tief in den Untergrund verlagert”.
# Superbombe: Die USA sollen auch deshalb fieberhaft an neuen “Bunkerbrechern” arbeiten, massive Sprengsätze, die selbst tiefliegendste Installationen zerstören könnten. Laut der Britischen “Sun” werken die Waffendesigner an einer Verfeinerung der MOAB-Riesenbombe: Die MOP, englische Abkürzung für “massive Eindringwaffe”, 14 Meter lang und 13,6 Tonnen schwer, soll bis zu 20 Meter tief in den Boden eindringen und in einem Radius von 800 Meter alles zerstören. Sogar der Einsatz von Mini-A-Bomben ist in den Plänen erwähnt. “Doch durch die hohe Zahl von Zivilopfern kann hier kaum jemand mehr von chirurgischen Luftschlägen sprechen”, sagt Carpenter.
Ein Report der renommierten “Oxford Research Group” warnt inzwischen in düstersten Tönen vor Militärschlägen gegen den Iran. 10.000 Todesopfer seien zu befürchten und “ein breiterer Nahostkrieg mit dem Iran, Israel, dem Ibanon und anderen Golfstaaten als potentiellen Parteien”, so Studienautor Paul Rogers. Dazu würde sich der Iran aus dem Atomwaffensperrvertrag zurückziehen und ein globales Nuklearwettrüsten provozieren. Inzwischen wird auf die “Oxford”-Gruppe gehört: 2003 hatten sie prognostiziert, dass Saddams Armee schnell besiegt werden würde – doch die Besatzer in einem langjährigen Guerillakrieg festsitzen würden.