# 29. Mai: Tränen im Kino: Erster 9/11-Streifen



Im New Yorker Traditionskino “Ziegfield Theatre” liefen auf der Riesenleinwand gerade die letzten Sekunden des Fluges “United 93”, der als vierter Todesjumbo des 11. September mit Kurs auf das Washingtoner Kapitol von Passagieren zum Absturz gebracht wurde. Verwackelte Bilder, Schreie, das Heulen der Jumbotriebwerke im Sturzflug. Dem Inferno an dramatischer Akustik und wilder Bilder folgt plötzlich eine schwarze Leinwand, Totenstille. Flug United 93 ist in einem Acker in Pennsylvania zerschellt. Zu hören ist jetzt im Kinosaal das Weinen, Schluchzen und teils Losheulen von gut 40 Angehörigen der insgesamt 43 Todesopfer des Fluges. Ihre Schreie der Verzweiflung und ohnmächtiger Trauer gehen durch Mark und Bein der über 1.000 Besuchers bei der New Yorker Weltpremiere. Viele Weinen mit.
Es ist schwer vorstellbar, wie Angehörige das Nachstellen, noch dazu mit allen was Hollywood an Dramaturgie- und Filmtechnik zur Verfügung steht, der letzten Minuten im Leben ihrer Gliebten, Kinder, Eltern oder Geschwister durchstehen konnten. Die 9/11-Angehörigen sind insgesamt in den USA eine politische Macht, die Kongress-U-Ausschüsse erzwingen, beim Wiederaufbau des WTC mitreden und vor allem ein gewichtiges Wort bei der cineastischen Aufarbeitung von Amerikas schwärzsten Tag mitzureden haben. Auch deshalb arbeitete Regisseur Paul Greengrass mit den Opferangehörigen eng zusammen – und gewann deren Unterstützung für das Projekt. “Ich denke er hat die Story richtig erzählt”, sagte etwa David Beamer, Vater des mit dem Kampfaufruf “Let´s Roll” berühmt gewordenen Todd Beamer, nach der Premiere: “Wie ich sind der Großteil der Opferfamilien der Ansicht, dass die Zeit reif ist für die Abhandlung im Kino”, so Beamer weiter. Vor der Premiere hatte es Kritik gehagelt, dass eine kommerzielle Ausschlachtung des Terror-Horrortages noch völlig unangebracht sei – ein Manhattener Kino weigerte sich wegen Protesten von Kinogehern sogar, den “United 93”-Trailer zu spielen. “Es war wahnsinnig schwer, sich den Film anzusehen”, sagte Alice Hoagland, Mutter eines Opfers. Doch: “Trotzdem fühlte ich Stolz in mir, dass am Ende von so viel Grauenhaftigkeit eine Heldentat stand”. Doch am schönsten für die Opferfamilien, so Pamela Gould, deren Vater starb: “Das uns die Filmarbeiten zusammengebracht haben – allein das gibt uns Kraft beim Verarbeiten der Trauer”.

# 10. Mai: Die präsidiale Mrs. Flöttl

Eisenhower
Eisenhower-Flöttl-„Palast“ in den Hamptons

Anne Eisenhower ist ein Frau, die alles hat: Den klingenden Namen eines der größten US-Präsidenten, Dwight, ihrem Großvater, ein palastähnliches, zweistöckiges “Sommerhaus” mit kieselgedeckten Zufahrten durch ein Gartenareal in New Yorks Promi-Strandenklave der Hamptons, drei Apartments an der schicken Upper East Side in Manhattan. Sie ist blond, großgewachsen, gertenschlank, die halbe amerikanische Schickeria zählt zu ihrem Freundeskreis. Und sie ist so reich, dass sie sich voll auf die Philantropie (wörtlich: Menschenliebe) konzentrieren kann. Nur ein Faktum trübt Eisenhowers Highlife in der letzten Zeit: Ihr Gatte ist der gefallene Finanzier Wolfgang Flöttl (50), der weit über eine Milliarde Dollar für die Austrobank Bawag in riskanten Karibik-Deals verspielte und gegen den in Wien ein Haftbefehl geprüft wird.
Die 56-Jährige Enkelin des Oval-Office-Chefs Nr. 35 ist die berühmte Frau an der Seite des einstigen Wallstreet-Shooting-Stars, der in New Yorks Bankerkreisen bereits als Austria´s Nick Leeson bezeichnet wird, in Anspielung an den Briten-Broker, der 1995 die britische Barings-Bank versenkte. Als Vorbild muss Flöttl, als der Harvard-Absolvent Eisenhower in den 80igern am Beginn einer gerade abhebenden Karriere ehelichte, wohl den berühmtesten Austro-Amerikaner, Arnold Schwarzenegger, gehabt haben: Der damalige Bodybuilding-Champ hatte die Nicht eines noch berühmteren Präsidenten geheiratet: John F. Kennedy.
Doch die Kernfrage, die in New Yorker Reporterkreisen zirkuliert, ist die: Sind die beiden überhaupt noch zusammen, nachdem zuletzt Trennungs- und Scheidungsgerüchte zirkulierten? Recherchen in der New Yorker Szene ergaben jetzt: Vergangenen Dienstag tauchte das Paar in sichtlicher Eintracht bei einer Cocktailparty zugunsten des Hilfsprojektes “Casita Maria” in einer Boutique der Modestardesignerin Carolina Herrera in der Madison Avenue an der Seite von einhundert Socialites inklusive Prinz Dimitri von Jugoslawien. “Beide wirkten recht entspannt”, erzählt Partyorganisator Nixon Richman, der das Paar schon seit 15 Jahren kennt: “Falls es da Troubles gibt, dann haben sie sich jedenfalls nichts anmerken lassen”. Kurios: Während die Finanzpresse von Bloomberg bis dem Wall Street Journal Flöttl seit Wochen wegen eines Interviews belagern (teils sogar vor seinem Haus), liefen über den Flöttl-Skandal ahnungslose Fashion-Reporter mehrmals an ihm vorbei.

Flottlhaus
Flöttl-Apartment-Gebäude in der Upper East Side

Gesehen war das Paar auch am 11. April bei einer von Kosmetikqueen Estee Lauder ins Leben gerufenen Benefiz-Aktion für die Brustkrebsforschung im weltberühmten Waldorf-Astora-Hotel worden. Dort plauderten Flöttl und Eisenhower seelenruhig mit den vielen Promis, doch als Flöttl fotografiert werden sollte, drehte er sich ängstlich weg, so Szenereporter David Patrick Columbia: “Das war ihm sichtlich unangenehm!”
Anne Eisenhower wurde am 30. Mai 1949 geboren, als ihr Großvater, Weltkrieg-II-Kommandeur und Polit-Aufsteiger Dwight gerade am Weg ins Oval Office war. Zwischen 1953 und 1961 wurde der Republikaner mit dem Spitznamen “Ike” als Schöpfer des Interstate-Highway-Systems nach dem Vorbild der deutschen Autobahnen berühmt und behauptete sich in der Frühphase des Kalten Krieges mit den Sowjets. Enorm populär schaffte er die Wiederwahl locker mit 57,6 Prozent. Nach seinem Abtritt jedoch verblasste sein Erbe rasch unter seinem strahlenden Nachfolger John F. Kennedy. Anne ist die Tochter von John Sheldon Dowd Eisenhower (dessen Bruder Doud Dwight als Vierjähriger starb, ein Trauma, das den Clan lange Zeit verfolgte).
Der Eisenhower-Clan ist wohlhabend, gehört aber nicht in den exklusivsten Club der “Forbes 400 Richest Americans”. Szenebeobachter Columbia regiert verblüfft auf die Frage, ob sie einen Beruf ausübt: “Sie ist eine Eisenhower, das reicht”, sagt er. Eifrig tourt sie durch die zahllosen Benefizveranstaltungen der New Yorker Superreichen. Nachdem Eisenhower und Flöttl in den Achtzigern heirateten, kam das schnelle Geld ihres neureichen Husbands aus Austria hinzu: Ein weißer Rolls Royce, Butler, Yachten, zwei Gulfstream-Jets (30 Millionen Dollar in der Anschaffung, 3.500 Betriebskosten pro Stunde), dazu die Riesenvilla in Bermuda mit den Nachbarn Silvio Berlusconi und Ross Perot. 1992 kaufte Flöttl das Apartment 8/9B an der nobelsten Addresse Amerikas, Park Avenue 740, um acht Millionen, zu den Nachbarn gehörten die Rockefellers, Elisabeth Taylor oder Barbara Streisand. Eisenhower jedoch zeigte die gelassene Bescheidenheit des alten Geldadels. “Es war einfach zu groß für mich”, sagte sie. Das Paar zog niemals ein.
Mit Flöttls Absturz ist viel des Pomps verschwunden. Geblieben ist die Luxusadresse an 775 Park Avenue (mehrere Kamine, vier Meter hohe Räume), und das “Sommerhaus” im Promidorf South Hampton, das gut als Palast zu bezeichnen ist und dessen Wert von Immobilienmaklern auf 24 Millionen Dollar geschätzt wird: Haupthaus, zwei Seitenflügel, Garagen, die durch die weitläufige Gartenanlage kaum auszumachen sind. Beim Lokalaugenschein kommt sie im schlichten Jogging-Anzug von einem Strandspaziergang zurück und verlässt später das Haus, durchgestylt, in einer klassischen Buick-Karosse. Doch der Bawag-Skandals wirft seine Schatten bis in das Idyll. Über die Intercom lässt sie sich verleugnen: “Sie sind nicht hier”, antwortet eine Frauenstimme.
“Sie sind eigentlich ein recht merkwürdiges Paar”, sagt Party-Beobachter Columbia: “Er ist ist sehr scheu, taut kaum auf, niemals gehen die Gespräche über das Formelle hinaus”. Sehr ähnlich sei ihr Verhalten: Sehr zurückgezogen, niemand, dem Small-Talk viel Spass mache. Zuletzt sah Columbia die beiden allein dinierend im Szenelokal “Swifties”. Doch seit Flöttls Fall sogar in die Szene-Kolumne “Page 6” der Lokelpostille New York Post gelangte, wird immer öfter hinter dem Rücken des Paares getuschelt: “Man fragt sich”, so Columbia, “was sie mit einem Mann macht, der das ganze Erbe des angesehenen Eisenhower-Clans in Verruf bringen könnte”. Amtlich wurde die Verbindung zwischen der Präsidentenfamilie und dem Skandalbanker schon bei der Eheschließung: Durchaus unüblich in Amerika nahm sie einen Doppelnamen an – Eisenhower-Flottl.