# 30. Oktober: Master Roves Schlammschlacht


Die Midterm-Wahlschlacht 2006 wird als vielleicht dreckigste und bizarrste in die jüngere US-Geschichte eingehen. Bush & Cos ursprüngliche Strategie, ihren Antiterrorkrieg zu preisen und die Demokraten als Weicheier zu denunzieren, ist gescheitert: Mit dem immer blutigeren Chaos im Irak und dem mit über 100 gefallenen GIs tödlichsten Monat seit einem Jahr gilt Bushs Irakabenteuer auch bei den treuesten Wählern als fehlgeschlagen.
Jetzt greift Bushs Mann fürs Grobe, Karl Rove, noch tiefer in die Schublade der “dirty tricks”:
# In Virginia schickte der nach einer unglaublichen Pannenserie in Bedrängnis geratene Republikaner-Senator George Allen (er hatte u.a. einen Mann indischer Abstammung als “Macaca”, Affen, beschimpft) Passagen von Novellen aus, die sein Kontrahent, Vietnam-Veteran Jim Webb, verfasste: In den Büchern befinden sich zuhauf sexuell Passagen, inklusive einem Vorfall, wo ein Vater den Penis seines jungen Sohnes in den Mund nimmt. Allen bezichtigt Webb auch des Sexismus: “In allen Büchern”, so eine Aussendung, “werden Frauen als unterwürfig, unfähig oder pervers dargestellt”. Webb geriet in die Defensive: Er hätte als “ernsthafter Schriftsteller” bloß Szenen und Charaktäre beschrieben. Zuletzt wurde aber auch bekannt, dass Allens Helfer die Story wochenlang erfolglos großen Medien angeboten hatten – und sie dann, als Verzweiflungsakt, dem rechten Internet-”Drudge Report” zur Veröffentlichung überließen.
# In Tennessee ließ Rove einen Freund, Scott Howell, eine nun klar als “rassistisch” gebrandmarkte TV-Werbung gegen den schwarzen Demokraten-Kandidaten Harold Ford jr. produzieren: Ein weißes Callgirl haucht da “Ruf mich an, Harold” in die Kamera, die Szene soll besonders im US-Süden ausgeprägte, unterschwellige Emotionen gegen gemischtrassigen Sex stimulieren. Der TV-Spot musste nach Protesten zurückgezogen werden, doch das Ziel, der Charaktermordes an Ford, schien erreicht: Er liegt in den Umfragen nun fünf Prozentpunkte zurück.
# Das ohnehin sehr persönlich geführte Senats-Duell in Missouri zwischen Claire McCaskill (D) und Jim Talent (R) wurde prompt von einem Skandal in Hollywood-Dimensionen überschattet: Als der an Parkinson leidende Filmstar Michael J. Fox per TV-Werbung eine Freigabe der Stammzellenforschung durch die Regierung forderte, warf ihm der rechte Radio-Talker Rush Limbaugh prompt vor, er würde das wilde Hin- und Herschaukeln bloß spielen oder hätte “seine Medikamente nicht genommen”.
Schon zu Beginn der heißen Phase des Wahlkampfs war durchgesickert, dass die Republikaner große Summen für das Durchforsten des Privatlebens ihrer Gegner ausgeben – alles von Familiensituationen bis Steuererklärungen. Mangels Politerfolgen erscheint persönliche Diffamierung als letzter Ausweg.

# 30. Oktober: 2,6 Milliarden für den Kongress

Die US-”Midterm”-, oder Zwischen-Wahlen übernächsten Dienstag werden als teuerste, vielleicht schmutzigste und eine der wichtigsten Polit-Schlachten seit Generationen in die US-Geschichte eingehen: Eine Rekordsumme von 2,6 Milliarden Dollar haben Republikaner (GOP) und Demokraten (DNC) für Wahlkampfwerbung ausgegeben. Die regierenden Konservativen haben mehr Geld in ihren Kriegskassen, doch die Opposition holte zuletzt auf, nachdem “Corporate America”, die US-Wirtschaft, auch verstärkt Geld an die Demokraten fließen ließ. Der Grund: Die “Dems” könnten beide Häuser des US-Kongresses zurückerobern. “Man will ja bei den möglichen neuen Herrschern am Kapitol gute Stimmung machen”, schrieb die “New York Times”.
Die Wahlschlacht läuft auf drei Ebenen:
# Im 100-köpfigen Senat müssen die Demokraten sechs Sitze von den Republikanern zurückerobern, was bei nur 33 Rennen einem politischen Erdbeben gleichkommen würde. Laut Umfragen ist ein Plus von vier Demokraten-Senatoren wahrscheinlich, eine mögliche Sensation entscheidet sich in Wahlthrillern in Tennessee, Virginia und Missouri, wo der Wahlkampf auch am dreckigsten geführt wird. Hillary Clintons Wiederwahl als Senatorin ist mit einem Vorsprung von zuletzt 36 Prozent gegenüber ihren eher tölpelhaften Kontrahenten Mark Spencer gesichert – doch sehen alle Hillarys Wahlkampf bereist als Probelauf für ihre mögliche Kandidatur als erste US-Präsidentin. “Nicht dass ich auch nur mit einer einzigen ihrer Positionen übereinstimme”, sagte zuletzt Vize Dick Cheney: “Aber sie hat gute Chancen, gewählt zu werden”. Damit wollte er seiner Parteibasis wohl Angst einjagen. Währenddessen tingelt der schwarze Shootingstar der Demokraten, Barack Obama, zur Promotion seiner Bio durchs Land. Der Senator werde sich, nach aufmunternden Zurufen eine Kandidatur 2008 “ernsthaft überlegen”, sagt er zuletzt. Treten Hillary und Obama beide an wäre die “Mutter aller Primaries”, wie Polit-Junkies bereits aufgeregt jubeln, in eineinhalb Jahren garantiert.
# Im 435-köpfigen Repräsentantenhaus, der zweiten Kammer des US-Kongresses, deuten Umfragen auf eine Machtübernahme durch die Demokraten hin: Ein Plus von 15 Sitzen ist notwendig, die meisten Experten rechnen mit 20 bis 35 zusätzlichen Demokratensitzen. Bloß die Finanzzeitung “Barron´s” tippte auf den Machterhalt der GOP, da sie mehr Geld hätten und besser organisiert sind, ihre Wähler zu den Urnen zu bringen. Tatsächlich: Der Top-Wahlstratege von US-Präsident George Bush, Karl Rove, werkt seit Jahren fieberhaft an einer lokalen Infrastruktur samt ausgeklügelter Datenbank, Spitzname: “The Vault” (der Tresor): Republikanerhelfer wissen exakt an welche Türen sie klopfen müssen, um Bürger für ihre Kandidaten zu begeistern. Roves Strategie hatte Bush 2000 und 2004 zwei knappe Wahlsiege beschert.
# In 36 Staaten werden Gouverneurswahlen abgehalten, inklusive Kalifornien, wo Arnold Schwarzenegger locker die Wiederwahl für weitere vier Jahre, “Governator, Teil II”, schaffen wird. Er hatte eine souveränen Wahlkampf geführt und zuletzt mit hemdsärmeliger Kompetenz Einsatzkräfte im tödlichsten US-Waldbrand seit 2001 dirigiert. Sonst könnten Gewinne der Demokraten, besonders in Schaukelstaaten wie Ohio, demokratischen Kandidaten beim Kampf ums Oval Office 2008 dienlich sein, da Gouverneure ein mächtiges Wort bei der Wahlorganisation mitzureden haben.
Bei Bush und den skandalgebeutelten Republikanern liegen die Nerven jedenfalls blank: Gewinnen die Demokraten zumindest eine Kongresskammer zurück wird Bush in seinen letzten beiden Amtsjahren endgültig zur “lahmen Ente”. Und: Es drohen U-Ausschüsse über alles vom Irakkriegsdebakel, Korruption und Folterpraktiken. “Judgement Day”, Tag der Abrechnung, hat die Opposition den 7. November bereits getauft.

# 28. Oktober: Hillary feiert Bill

Hillary Clinton hatte guten Grund, ausgelassen mit Gatten Bill ihren 59. Geburtstag zu feiern. In ihrem Wahlkampf zur Wiederwahl als New York Senatorin führt sie nach den ersten sechs erfolgreichen Jahren ihrer Solo-Politkarriere mit fast 40 Prozent Vorsprung, in ganz Amerika wird nur mehr über ihren möglichen Kampf um das Oval Office 2008 geredet.
Doch zunächst hilft Hillary mit, eine mögliche Politsensation durch die Demokraten bei den Midterm-Kongresswahlen übernächsten Dienstag Realität werden zu lassen. Die Schlacht läuft auf zwei Fronten:
# 33 der 100 Mitglieder des Senats, dem Oberhaus des US-Kongresses, werden neu gewählt, die Demokraten brauchen ein Plus von sechs Sitzen, um die Republikaner zu stürzen. Besonders vier Rennen, in Missouri, New Jersey, Tennessee und Virginia wurden zu echten Polit-Thrillern: Ihr Ausgang wird alles entscheiden. Letzte Umfragen zeigen, dass die Demokraten leicht vier bis fünf Sitze dazugewinnen könnten – vielleicht aber auch die sechs nötigen.
# Im 435-köpfigen Kongress-Unter- oder Repräsentantenhaus, werden alle Abgeordneten neu gewählt, die Dems brauchen ein Plus an 15 Sitzen, um die Kammer fortan zu kontrollieren. Umfrage-Experten prognostizieren eine Zuwachs von 20 bis 35 Sitzen.
Bloß Republikaner-Strategen beharren, dass ihre Partei überleben wird, wie Bushs Top-Wahlkämpfer Karl Rove zuletzt beteuerte. Das Finanzmagazin “Barrons” prognostizierte ähnliches: “Die Konservativen hätten einfach mehr Geld”.

# 28. Oktober: Feuerwehr Arnie

“Governator” Arnold Schwarzenegger reagierte auf die Killer-Feuer in den Bergen hinter Los Angeles schnell, professionell und mit Mitgefühl: Vier Feuerwehrmänner starben in dem für Brandbekämpfer tödlichsten Buschbrand-Inferno in den USA seit 2001, das von einem Brandstifter in der Nacht auf Donnerstag gelegt worden war. “Wir haben 700 Feuerwehrmänner in die Schlacht geworfen”, sagte Arnie in einer spontan einberufenen Pressekonferenz: “Marias und mein Mitgefühl und Beileid gehen an die Familien der Opfer”, fuhr er fort, Maria ist natürlich seine Frau, JFK-Nichte Maria Shriver. Später veröffentlichte Arnie ein Beileidsschreiben, wo er feststellte, der Vorfall hätte “sein Herz gebrochen” und die Verstorbenen würden stets wegen ihres Mutes und ihrer Aufopferung für die Gemeinde in Erinnerung bleiben.
Politbeobachter in Kalifornien beurteilen Arnies hemdsärmeliges Dirigieren der Horror-Brände als letzte genommene Hürde vor seiner Wiederwahl als Kalifornien-Gouverneur übernächsten Dienstag. Zuletzt führte er in einer Umfrage des “Public Policy Institut” gegen Demokraten-Herausforderer Phil Angelides klar mit 48 zu 30 Prozent. “Der Wahlsieg ist ihm kaum mehr zu nehmen”, sagte Politanalyst Tony Quinn: “Die Wähler haben im Kopf ihre Entscheidung längst getroffen und die Sache abgehakt”.
Arnie setzte sich nach seiner Niederlagenserie im Vorjahr mit einem politischen Schwenk in die Mitte, offener Kritik an US-Präsident George Bush, bahnbrechenden Klimaschutz- und Öko-Initiativen und einem fehlerfreien Wahlkampf samt lockerer Auftritte á la “Tonight”-Talkshow mit Jay Leno durch. Er profitierte aber auch von der Schwäche seines Gegners: Der oberlehrerhafte Angelides verzettelte sich, als er Arnie mit Bush in einem Topf warf und konnte die Kalifornier kaum überzeugen.

# 26. Oktober: Midterms: Dems als Favoriten

Der Countdown läuft für eine mögliche Demokraten-Übernahme des US-Kongresses übernächsten Dienstag – und in dem 2,9 Milliarden Dollar teuren Wahlthriller wurden in einigen Schaukelstaaten die Dreckschleudern angeworfen. Die Republikaner sind nervös, da durch eine Skandalserie nun auch der Senat in Reichweite der Opposition geriet. Vier Senatsduelle in Schaukelstaaten sind laut Umfragen tote Rennen, und genau dort kommen die “dirty tricks” von Karl Rove, Präsident Bushs “Mann fürs Grobe”, zum Einsatz:
# In Tennessee laufen TV-Spotts, wo der schwarze Demokrat Harold Ford Jr. mit “Call Girls” in Verbindung gebracht wird. “Ruf mich an”, haucht da eine weiße, junge Frau in sexy Kleidung in die Kamera. Ein Sturm der Entrüstung folgte, die Schwarzenorganisation NAACP bezeichnete die Attacke als “puren Rassismus”.
# In Missouri ließ der in Bedrängnis geratene Republikaner Jim Talent via TV-Werbung einen Irakkriegs-Veteranen die Demokratin Claire McCaskill als “Lügnerin” bezeichnen, da ihre Beteuerungen, hinter den GIs zu stehen, nicht ehrlich seien.
# Die Schlacht zwischen Bob Menendez (D) und Tom Kean jr. (R) in New Jersey ist längst zur Dauerprügelei in den TV-Kanälen ausgeartet, mit Anschuldigungen von Mafiamethoden bis Hochverrat.
# In Virginia hat sich Republikaner-Top-Favorit George Allen im Alleingang demoliert: Er bezeichnete einen Mitarbeiter indischer Abstammung seines Kontrahenten Jim Webb als “Macaca”, als Affen.
Wie tief Amerikas Rechte bereits gesunken sind, beweist ein Showdown zwischen dem ultrarechten Radio-Hetzer Rush Limbaugh und Hollywood-Star Michael J. Fox, der in einem TV-Spott für einen Demokraten-Kandidaten Bushs strikte Politik in Sachen Stammzellenforschung kritisiert. Der an Parkinson erkrankte Fox würde das unkontrollierte Zucken “bloß spielen”, behauptete Limbaugh.

# 25. Oktober: Aufmarsch der Hillary-Hasser

Einen Vorgeschmack auf die eklige Schlammschlacht, die auf Hillary Clinton bei ihrem möglichen Kampf um das Oval Office 2008 zukommen könnte, erfuhr sie jetzt im Wahlkampf um ihre Wiederwahl zu Senatorin in New York: Ihr Herausforderer, der Republikaner John Spencer (59), bezeichnete sie in einem Gespräch mit einem Journalisten der Lokalzeitung “Daily News” als “potthässlich”, fragte sich, warum Bill sie überhaupt heiratete und behauptete, sie hätte Millionen Dollar für Schönheitsoperationen ausgegeben.
“Haben Sie mal ein Foto von ihr aus früheren Tagen gesehen? Wuffff!”, sagte er da, seine Frau Kathy an der Seite. “Ich frage mich ernsthaft, warum Bill sie damals geheiratet hat”, führte er seinen primitiven Matcho-Talk fort. Heute sehe Hillary “recht gut aus”, so Spencer, ganz anders eben, da Gesichtschirurgen wohl fest an ihr gewerkt hätten.
Die Kommentare des Vietnamkriegs-Veteranen und Ex-Bürgermeister der New-York-Vorstadt Yonkers, der in den Umfragen 36 Prozent (!) hinter Hillary liegt, lösten einen Feuersturm der Entrüstung aus: Clinton-Sprecher Howard Wolfson stellte klar, dass die Senatorin, die am Donnerstag ihren 59. Geburtstag feiert, niemals Schönheitsoperationen erhielt. Hillary selbst bezeichnete die Aussagen als “sehr traurig”. Ohne ihren Wahlkampf jetzt in eine Debatte über ihr Aussehen verwandeln zu wollen, stellte sie klar: “Ich war als junges Mädchen recht süß, eigentlich”.
Spencer war bereits zuvor mit aggressiven TV-Spots, wo er Hillary mit Superterroristen Osama Bin Laden zusammenschnitt, aufgefallen. In Privatgesprächen mit Reportern ließ er durchblicken, dass Hillary lesbisch sein könnte.
Hillary-Hasser begleiteten die gesamte Laufbahn der Ex-First-Lady, und je höher sie in der Politik hinaus will, desto brutaler die Attacken: Republikaner-Vorsitzender Mark Melman hatte sie kürzlich als “wutschnaubend” verunglimpft, als sie die Irakpolitik von US-Präsident George Bush kritisierte.

# 24. Oktober: Tritt Obama an?

Als wäre mit New-York-Senatorin Hillary Clinton (59) das mögliche Antreten einer Frau und Ex-First-Lady bei den US-Präsidentschaftswahlen 2008 nicht spektakulär und historisch genug gewesen. Doch nun meldete ein weiterer Shooting-Star der Demokraten, der farbige Jungsenator von Illinois, Barak Obama (45), sein Interesse für eine Schlacht um das Oval Office an. “Ich denke darüber nach”, sagt der rhetorisch brillante, äußerst telegene Sohn eines Kenianers und einer Amerikanerin im US-Sender NBC. Die endgültige Entscheidung könnte nach den Midterm-Kongresswahlen am 7. November fallen, fügte Obama hinzu. Obamas Antreten wäre so historisch wie Hillarys: Weder eine Frau noch ein Schwarzer hatten jemals die Supermacht angeführt.
Die Ansage kam überraschend und schickte Schock- und Euphoriewellen durch die Demokraten-Partei, da Obama bisher eine Kandidatur dezidiert ausgeschlossen hatte. Der Meinungsumschwung sei durch einen wachsenden Chor aufmunternder “Obama for President”-Zurufe zurückzuführen, sagte der Politaufsteiger, zuletzt sogar von der farbigen Talk-Königin Oprah Winfrey und Senats-Kollegen Dick Durbin. “So eine Chance gibt es nur einmal in jedermans Politlaufbahn”, sagte Durbin. Obama tourt gerade durch die USA zur Promotion seines Bestsellers “The Audacity of Hope” (Die Dreistigkeit der Hoffnung), hilft Demokratenkandidaten mit seiner Starpower bei den Kongresswahlen und lachte zuletzt von Magazin-Covers, darunter “Time”, “Newsweek“ und sogar “Men´s Vogue”. Viele schwärmen von dem Feschak mit der baritonen Stimme bereits als “farbigen JFK”. Sein einziger Angriffspunkt: Mit bloß zwei Jahren im Senat gilt er als unerfahren, besonders in Sachen Außenpolitik.
Obamas Antreten würde Hillarys Pläne massiv verkomplizieren – schon ein Duell in den Primaries wäre ein quotenträchtiges Jahrhundertmatch: Obama könnte durch seinen konsistenten Widerstand gegen den Irakkrieg bei der linken Parteibasis punkten, die frustriert über Hillarys ursprüngliche Invasions-Genehmigung sind. Dazu würde Obama Hillarys größte Fangruppe, die Afroamerikaner, einkassieren. Auch haben bisher viele Demokraten gefürchtet, dass es die enorm polarisierende Hillary (“Love Her”, ”Hate Her” coverte zuletzt “Time”) in einer nationalen Wahl nicht schaffen könnte. Und “Time”-Starkolumnist Joe Klein fügt ein weiteres Argument an: “Nach fast 20 Jahren Bush und Clinton im Oval Office könnten sich die Wähler nach etwas Neuem sehen”.
Sollte sich Hillary durchsetzen, gäbe es natürlich noch eine weitere Variante: Hillary als Kandidatin und Obama als “Running Mate”, ein wahrlich historisches Dream-Ticket.

# 24. Oktober: Wer ist Barack Obama?

Den Durchbruch als Demokraten-Star schaffte Barack Obama beim “Kerry”-Parteitag in Boston 2004: In einer berührenden und rhetorisch brillanten Rede riss er die Delegierten zu Begeisterungsstürmen hin, wurde praktisch über Nacht zur Mediensensation. Die Wahl zum Senator schaffte der in Honolulu, Hawaii, geborene Sohn des Kenianers Barack Hussein Obama senior und der weißen Ann Dunham aus Wichita, Kansas, per Erdrutsch. Obama, der in Politikwissenschaften mit dem Spezialgebiet “Internationale Beziehungen” promovierte und dazu drei Jahre in Harvard Jus studierte, profilierte sich, nach einer stillen Einarbeitungsphase rasch zum Shootingstar: Er wetterte gegen den Irakkrieg und tourte rund um die Welt, berührend vor allem der Trip in das Heimatland seines Vaters, Kenia. Zuletzt sorgte seine Buchtour samt Interviews in den wichtigsten US-Medien für nationales Aufsehen.

# 22. Oktober: Goldrausch an der Wall Street

Seit eine Studie Durchschnittsgehälter an der Wall Street mit fast 300.000 Dollar bezifferte, ist die mächtige Finanzindustrie New Yorks in die Defensive geraten. Die publizierten Top-Gehälter, fünfmal so hoch wie der Durchschnittsverdienst in der Metropole, hatten Kopfschütteln ausgelöst, besonders nachdem die 187,5-Millionen-Dollar Abfertigung an den Ex-Boss des “New York Stock Exchange”, Dick Grasso, immer noch frisch in Erinnerung ist. Die Banker, Broker und Fondsmanager argumentieren jetzt, dass die meisten weit weniger verdienen, und dafür einige wenige exzessiven Beträge kassieren: So würden sich die in der Studie des obersten New-York-Rechnungsprüfer Alan Hevesi angeführten Durchschnittsgehälter ergeben.
Dazu bringen Großdeals, etwa die Fusion zweier “Fortune-500”-Firmen, der Investmentbank mitunter 25 Millionen Dollar an Profit, ein Teil davon geht dann an das Team als Bonuszahlungen. Laut dem Hevesi-Report erhöhten sich die Bonuszahlungen um 22 Prozent in 2004 und 11,8 Prozent im Vorjahr auf 21,5 Milliarden Dollar, 125.000 pro Person. In einer Blitzumfrage unter Investment-Bankern wurde weiters beteuert, dass hinter den hohen Gehältern auch “harte Arbeit” stecke und ihre Entlohnung ein Bruchteil dessen ist, was sie für ihre Klienten an Gewinn erwirtschaften. Dass der Geldsegen jedoch oft nicht permanent ist, musste Grasso erfahren: Ein Richter ordnete zuletzt die Rückzahlung von 90 Millionen des lukrativen Exit-Pakets an.

# 22. Oktober: Riesenvorsprung für die Dems

In genau 16 Tagen bei den “Midterm”-Wahlen könnte Amerika mit dem Machtverlust der Republikaner im Kongress das größte Politerdbeben der letzten Jahrzehnte erleben: Die Demokraten, die laut TV-Sender NBC mit 52 zu 37 Prozent deutlich führen, werden locker die 15 Sitze zur Übernahme des 435-köpfigen Repräsentantenhauses schaffen, gerechnet wird sogar mit 25 bis 30 neuen Demokratensitzen. Im 100-köpfigen Senat sind die Hürden höher: Die Demokraten müssen fünf Sitze gewinnen bei nur 33 Duellen, aber auch hier liegt eine Sensation in der Luft.
Die Konservativen sind bereits panisch: Der rechte Internet-”Drudge Report” zeigte einen Countdown bis zur Installierung der neuen Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi, eine knallharte und liberale Kalifornien-Demokratin. “Die Konservativen reden über dieses Szenario nur mehr in Weltuntergangstönen”, so Politologe Shaun Bowler zu ÖSTERREICH. Tatsächlich: Bloß die Übernahme einer Kongress-Kammer würde US-Präsidenten George W. Bush nicht nur zur “lahmen Ente” machen, sondern könnte ein Inferno an Untersuchungen – vor allem in Sachen Irakdebakel – sogar zu seiner Amtsenthebung (“Impeachment”) führen.
Die Stars der kommenden Ära gehen bereits in Stellung:
# In Kalifornien steht Arnold Schwarzenegger nach erfolgreicher TV-Debatte und einem souveränen Auftritt bei Talkmaster Jay Leno vor einer Amtsverlängerung, “Governator, Teil II”, so die Medien. Besonders punktete Arnie mit Klimaschutz- und Öko-Initiativen. Schon wird er als neuer, moderater Republikaner-Typus gefeiert.
# Hillary Clinton wird als New-York-Senatorin bestätigt werden, doch alle fiebern längst ihrem möglichen Kampf um das Oval Office 2008 entgegen. 40 Millionen Dollar hat sie gesammelt, 42 Profis werken für sie, alles Anzeichen, dass sie tatsächlich erste Präsidentin der US-Geschichte werden will.
# Dabei steht der Shootingstar der Demokraten, der farbige, rhetorisch brillante und telegene Senator Barak Obama ebenfalls in den Startlöchern: Er lacht vom “Time”-Cover, tourt durchs Land zur Promotion seines Buch-Bestseller – und erhält “Obama for President”-Aufrufe.
Wie kam es zum Sturz von Bush und den Republikanern? “Er hat seine Präsidentschaft auf den Irak verwettet”, so NBC-Kommentator Tim Russert: “Und in dem immer blutigeren Chaos geht sie nun auch unter”. Die Kongress-Republikaner versinken hingegen in einem Skandal-Inferno, News vom Kapitol hörten sich an wie der Polizeifunk, wird geätzt: Neben “Foleygate”, wo Florida-Abgeordneter Mark Foley Sexchats mit jungen Praktikanten unterhielt, gerieten zuletzt die Abgeordneten Bob Ney (Korruption) und Curt Weldon (lukrative Consulting-Verträgen für seine Tochter) ins Visier der Feds. Durch die “Kultur der Korruption”, wie Demokraten wettern, stürzte die Popularität des Kongresses auf 16 Prozent. Den Republikanern bleibt nur mehr die Angstkarte: TV-Spots laufen mit Superterroristen Osma Bin Laden und Warnungen vor kommenden Terror-Attacken. Es sind wohl die letzten Verzweiflungsschläge.

# 21. Oktober: Arnie findet den Groove

Kalifornien-”Governator” Arnold Schwarzenegger hat nun das Geheimnis seines Polit-Comebacks verraten: “Wir haben den Groove wiedergefunden”, sagte er in einem Interview mit dem Renomierblatt “San Francisco Chronicle”, das sich nun ebenfalls in die lange Liste an Kalifornien-Zeitungen einreihte, die per Editorial Wahlempfehlungen für Arnie aussprachen (darunter war zuletzt überraschenderweise auch die enorm Arnie-kritische “L.A. Times”). Die Zeitung lobt den neuen “Geist der Zusammenarbeit”, der in Sacramento für eine der produktivsten Parlaments-Saisonen in der Kalifornien-Geschichte verantwortlich ist – darunter Investitionen in die Infrastruktur, Umwelt- und Klimainitiativen, Anhebung der Mindestlöhne oder Zugang zu Billigmedikamenten für sozial Bedürftige. Ermutigend seien aber auch Arnies “neue konziliante Töne”, so das Blatt, verschwunden Kraftausdrücke á la “Die trete ich in den Arsch”, Beschimpfungen der Demokraten als “Girlie Men” (Weicheier) samt Dauerdrohungen und Ultimaten, die ihm im Vorjahr eine Serie blamabler Volksabstimmungs-Niederlagen einbrachten. Doch Arnie habe aus seinen Fehlern gelernt, loben die “Chronicle”-Chefredakteure, seine radikale Kurskorrektur und Einsicht sei “erfrischend”. Insgesamt habe Kalifornien einen Gouverneur, der “zuhören, fokusieren und führen” könne: “Er verdient die Wiederwahl am 7. November”, schließt der Lobeshymne.

# 20. Oktober: Foleys Priester

Die Identität des Priesters, der den über Sex-Chats mit Minderjährigen gestürzten Republikaner-Kongressmann Mark Foley als Ministrant missbraucht haben soll, scheint geklärt. Vater Anthony Mercieca, 72, gab gegenüber der Florida-Lokalzeitung “Sarasota Herald Tribune” zu, eine “unangemessene Beziehung” zu Foley gehabt zu haben, als der 12 oder 13 Jahre alt war: Er sei mit dem nackten Buben in der Sauna gesessen und habe ihm Massagen gegeben. Er könne sich an zumindest einen sexuellen Verkehr erinnern, so der Priester, als er sich im “Drogennebel” befand. Mercieca sagte auch, dass er in all den 38 Jahren als katholischer Priester niemals versetzt wurde oder Therapie erhielt. Foley, dessen anzügliche Mails zu teils 16-Jährigen Kongresshelfern von der Republikanerführung vertuscht worden sein sollen, hatte zuletzt angekündigt, die Identität des Priesters bekannt geben zu wollen.
Der Skandal “Foleygate” hatte die Republikaner mitten im Wahlkampf um die Kongress-Midterm-Wahlen schwer erschüttert – und eskaliert weiter:
# Inzwischen überprüft der Kongress-U-Ausschuss einen verdächtigen Camping-Ausflug, den ein zweiter Republikaner-Abgeordneter, Jim Kolbe, 1996 durchführte. Ein Ex-Praktikant erzählte dem FBI über “unangenehme Berührungen” durch Kolbe, als er 16 Jahre alt war. Kolbe ist der einzige, sich bekennende homosexuelle Republikaner-Kongressmann.
# Zuletzt kursierten auch Gerüchte über einen dritten Vorfall mit einer 16-Jährigen Praktikantin.

# 20. Oktober: Bushs Vietnam

Lange lebte US-Präsident George Bush in einer Luftblase voller Illusionen über den von ihm befohlenen Irakkrieg: “Kurshalten”, poltert er bei Wahlkampfstopps. Und: “Der Sieg ist in Sichtweite”. Überraschend sind deshalb die Töne, die jetzt aus dem Oval Office kommen: Der Irakkrieg könnte so werden wie Vietnam, sagte Bush gegenüber dem TV-Sender ABC. Er stimmte dem kürzlich publizierten Vergleich zu, dass die Eskalation der Gewalt durch Iraks Aufständische an die “Tet-Offensive” 1968 in Vietnam erinnere, die historisch als klarer Wendepunkt des Krieges gilt. Gleichzeitig beteuerte Bush, dass es unter ihm als Präsidenten keinen kompletten Truppenabzug geben werde. “Sie meinen alle Truppen raus?”, sagte er zum Interviewer, Ex-Clinton-Sprecher und ABC-Moderater George Stephanopoulos: “Nein”.
Die immer blutigere Realität im Irak könnte jedoch den “Kriegspräsidenten”, er sich selbst nannte, rasch zu einer Kursänderung zwingen: Am Dienstag starben elf GIs an einem der tödlichsten Tage für die US-Streitkräfte, 70 sind diesen Monat gefallen, der Oktober könnte zum dritttödlichsten des nunmehr dreieinhalbjährigen Krieges werden. Dazu flimmern in Amerikas Hauptnachrichtensendungen jeden Abend immer schrillere Bilder eines im Chaos versinkenden Landes: Explosionen, Massaker, verkohlte Leichen, vor Trauer brüllende Iraker. Laut CNN-Umfrage halten 64 Prozent der Bürger Bushs Irakkrieg für “einen schweren Fehler”.
Die horrenden Opferzahlen und Enthüllungen über Stümperei und Arroganz von Bush & Co, ausgerollt in Bob Woodwards Bestseller “State of Denial” (Realitätsverweigerung), werden die Republikaner bei den Kongress-Midterm-Wahlen um die Macht bringen: Die Demokraten verwenden in TV-Spots des Irakfiasko als Wahlkampfmunition, 72 ihrer Kandidaten für das Repräsentantenhaus bringen ihre Gegner mit dem unpopulären Bush (35% Zustimmung) in Zusammenhang. Laut einer Umfrage der TV-Anstalt NBC wollen 52 Prozent, dass die Demokraten den Kongress kontrollieren. “Der Irakkrieg überschattet alles”, sagt NBC-Kommentator Tim Russert: “Die gute Wirtschaft? Alles nicht wichtig”.
Im Irak blieben nur mehr “wenige Wochen” Zeit, das völlige Abdriften in einen totalen Bürgerkrieg zu verhindern, sagte Nahostexperte Larry Diamond. Der ist auch Berater des Beratergremiums “Iraq Study Group”, angeführt vom Bush-Familienvertrauten, Ex-Außenminister James Baker. Und der ließ bereits durchblicken, dass nun Szenarien eines raschen US-Abzuges diskutiert werden sollten.

# 19. Oktober: Ministrant Foley

Der über Sex-Chats mit minderjährigen Praktikanten gefallene Kongress-Abgeordnete Mark Foley versucht sich nun, selbst als Opfer darzustellen: Er werde in Kürze den Namen jenes Priesters bekannt geben, der ihn als Teenager sexuell missbrauchte. Die Übergriffe seien passiert, so Foley, als er im Alter zwischen 13 und 15 Jahren als Ministrant in einer Kirche in Miami aktiv war. Die Erzdiözese Miami hatte Foley zunächst nach den ersten Anschuldigungen aufgefordert, den Namen des Kirchenmannes zu nennen. Foley, der sich seit dem Losbrechen des Skandals “Foleygate” – wo die Republikanerführung anzügliche Emails des 52-Jährigen Florida-Abgeordneten vertuschte – an einem unbekannten Ort auf Alkoholentzug befindet, wolle damit eine Phase der “Heilung” beginnen, so sein Anwalt. Für die Katholische Kirche der USA ist der Vorfall peinlich: Sie erholt sich gerade vom Megaskandal über jahrzehntelange Umtriebe pädophiler Priester, die von Bischöfen teils zugedeckt worden waren. Zahlreiche Kirchenführer mussten zurücktreten, ganze Diözesen schlitterten wegen Millionenentschädigungen an die Opfer in den Bankrott. Ob Foley mit seiner Story Sympathie erzeugen kann wird bezweifelt: US-Politologen sind nach wie vor überzeugt, dass der Sex-Skandal den Republikaner bei den “Midterm”-Wahlen in dreieinhalb Wochen enorm schaden wird.

# 17. Oktober: Hillary ist wegen Bill nervös…

New Yorks Senatorin Hillary Clinton weiß, dass ihr Gatte, Ex-Präsident Bill Clinton, beides sein kann: Fluch und Segen. Sein Rat als Politgenie könnte sie bis ins Oval Office bringen, seine Sucht nach Sex und Affären ihre Träume zerstören. Hillarys Team ist deshalb derart nervös über mögliche neue Bill-Seitensprünge, dass sie – so jüngste Enthüllungen in einem Buch der Top-Journalisten Mark Halperin (TV-Station ABC) und John Harris (Washington Post) – im Vorjahr Bills besten Freund und treuesten Ex-Mitarbeiter, Terry McAuliffe, zu ihm schickten, “um einen ernstes Wort mit ihm zu reden”. Zu dieser Zeit kursierten in der Klatschpresse gerade wieder wilde Stories über mögliche neue “Bimbo Eruptionen”, wie Bills frühere Affären-Serien getauft wurden. Genannt worden war damals auch Kanada-Politikerin Belinda Stronach. Clinton habe McAuliff versichert, so die Autoren weiter, dass es sich dabei bloß um Gerüchte handelt. Die Nervosität blieb, da er das anfangs immer beteuerte, wie auch beim Oralsex-Skandal mit der Praktikantin Monica Lewinsky, der ihm 1998 fast das Amt kostete. Hillary kassierte inzwischen eine in Jubeltönen gehaltene Wahlempfehlung durch die Zeitung “New York Times”: Sie sei eine “exzellente Senatorin” schrieb das Renomierblatt, “die selbst die obskursten Probleme des Staats mit meisterhaften Bravado gemeistert hat”. Bei ihrer möglichen Kandidatur für das White House 2008 sah das Blatt große Hürden auf sie zukommen, die sie mit ihrer “eisernen Disziplin” aber meistern könne.

# 15. Oktober: Governator goes New York

Kalifornien-Governator Arnold Schwarzeneggers neues Leibthema ist es ihm Wert, seinen Wahlkampf kurz zu unterbrechen: Am Montag war er nach New York gejettet, um mit Amtskollegen George Pataki und New-York-Bürgermeister Michael Bloomberg “die Umsetzung von Kaliforniens wegweisenden Marktsystem zur Reduktion der Treibhausgase zu diskutieren”, wie er erklärte. Arnie paraphierte auch ein Gesetz, wobei sich Kalifornien der von New York mit weiteren sechs Nordost-Bundesstaaten gegründeten “Regionalen Treibhausgasinitiative” (RGGI) anschließt, wo der Handel mit Emissionen über eine Art Börse vorgesehen ist.
Durch den gigantischen Klimadeal soll es kalifornischen Kraftwerken und Industriebetrieben erleichtert werden, “die neuen Vorschriften zur Reduktion der Treibhausgase zu erreichen”, sagte Arnie. Im Vormonat hatte er ein Gesetz unterschrieben, dass eine Verringerung der CO2-Ausstösse um 25 Prozent bis 2020 vorschreibt, dem ersten derartigen Gesetz in den USA. “Wir haben in diesen Bereich die weltweite Vorreiterrolle übernommen”, tönt Öko-Arnie fortan bei jedem Wahlkampfstopp.
Durch die Allianz des Riesenbundesstaates Kalifornien (37 Millionen Einwohner) mit den sieben Nordost-Bundesstaaten inklusive New York (34,5 Millionen zusammen) steigt der Druck in der Klimadebatte auf US-Präsident George Bush massiv, der auf freiwillige Beiträge von Bürgern und Industrie sowie weitere Studien zur Erforschung der Klimaerwärmung setzt. Pataki sagte, die Zusammenarbeit werde Washington zwingen, “endlich zu handeln”. Bush war 2001 aus dem von Vorgänger Bill Clinton unterschriebenen Kyoto-Klimaprotokoll, dem 160 Nationen beitraten, plötzlich ausgestiegen.
Die Arnie-New-York-Show begann mit dem Eröffnen der Technologiebörse Nasdaq am “Times Square”, wo die Kalifornische Firma “Clear Edge, Inc.” einen Index der Investments umweltfreundlicher Firmen einrichtete. Dann besuchte Arnie den Handelsraum für CO2-Gase bei der Investmentbank “Credite Suisse”: Beim Handel mit Treibhausgas-Emissionen legen Behörden zuerst Obergrenzen fest, Firmen oder Kraftwerke, deren Emissionen diese übersteigen, müssen Kredite von anderen kaufen, die unter den Grenzen bleiben. Durch dieses marktwirtschaftliche System können ökofreundliche Betriebe mit Klimaschutz Geld verdienen.
Weiteren Rückenwind für seine Wiederwahlkampagne erhielt Arnie nun ausgerechnet von der ihm besonders kritisch eingestellten “L. A. Times”. Per Editorial empfahl die Zeitung, die für die meisten Arnie-Enthüllungen inklusive der Grapsch-Affäre von Frauen verantwortlich war, nun seine Wiederwahl: Er sei ein “solider, pragmatischer Gouverneur”, der Kalifornien “moderat regierte” und “Teil II” verdiene, so die Zeitung.

# 13. Oktober: Foleygate


US-Präsident George Bush stellte sich voll hinter den durch den Republikaner-Kongress-Sexskandal “Foleygate” schwer unter Beschuss stehenden Parlamentspräsidenten, “Speaker” Dennis Hastert. Bush pries Hastert bei einem gemeinsamen Auftritt in dessen Wahlbezirk Chicago, ausgerechnet als die Aussage eines Kronzeugen der Affaire – in der Ex-Kongressmann Mark Foley unter möglicher Duldung der Republikaner-Führung jahrelang Sex-Computerchats mit minderjährigen Kongress-Helfern unterhielt – vor dem Kongress-U-Ausschuss seine Politkarriere beenden könnte: Ex-Foley-Stabschef Kirk Fordham sagte in seinem, fünf Stunden dauernden Auftritt vor den untersuchenden Angeordneten aus, er habe Hasterts Büro zum ersten Mal 2003 über Foleys “Besorgnis erregendes” Verhalten informiert. Demnach war Fordham zugetragen worden, dass Foley spät Nachts und völlig besoffen in die Wohnquartiere der Teenager eindringen hatte wollen.
Hastert bestreitet bis heute, von Fordhams Warnungen gewusst zu haben. Laut Hastert hätte er erst im Vorjahr über “überfreundliche” Emails erfahren, doch keinesfalls so drastisch, wie die nun aufgetauchten Sexprotokolle von Foleys Internetverkehr mit den jungen Männern. Der Skandal “Foleygate” könnte die Republikaner um die Macht im Kongress bei den “Midterm”-Wahlen in weniger als vier Wochen bringen. Zuletzt zogen die Demokraten in Umfragen um bis zu 23 Prozent davon.
Inzwischen tauchten neue Ex-Praktikanten als Zeugen auf, die Foley gesehen haben wollen, wie er im Saal des Repräsentantenhauses einen der jungen Helfer an das Hinterteil fasste.
Die Opposition versucht nun auch, das Weißen Haus mit dem Skandal in Verbindung zu bringen: Präsidentenberater Karl Rove hätte demnach Foley aufgefordert, seine Politkarriere im Kongress fortzustetzen, nachdem sich der Anfang des Jahres ins Privatleben zurückziehen habe wollen. Foleys Wahlbezirk in Florida galt als heiß umkämpft, und Rove wollte dort kein Risiko mit einem neuen Kandidaten eingehen. Ein Freund Foleys berichtete der Zeitung “The New Republik”, Foley habe ihm erzählt, dass ihn die “Rove-Bande” unter massiven Druck gesetzt hätte, bei der Midterm-Wahl wieder anzutreten.

# 13. Oktober: Debatte um Flugverkehr nach New-York-Crash

In New York ist nach dem spektakulären Hochhaus-Flugzeugcrash eine wilde Debatte um Flugverbote nahe der Manhattan-Skyline entbrannt: “Es ist nun für jeden offensichtlich”, polterte Demokraten-Kongressmann Anthony Weiner, “dass der Luftraum über dem dichtbesiedeltstem Flecken der Erde mehr dem Wilden Westen gleicht”. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte prompt nach dem Unfall, als der “Cirrus SR-20”-Propellerflieger des Baseball-Spielers Cory Lidle samt Fluglehrer am Mittwoch in den 30. Stock eines Appartement-Gebäude an der Upper East Side krachte, temporäre Einschränkungen verhängt: Fortan müssen alle Maschinen, die niedriger als 450 Meter fliegen, eine Genehmigung der Fluglotsen einholen.
Geschockt mussten die New Yorker feststellen, dass Privatpiloten – auch jene die bloß für den Sicht- und nicht Instrumentenflug ausgebildet sind – völlig frei über die Wasserstraßen rund um Manhattan nur wenige hundert Meter an Büro- und Wohntürmen vorbei fliegen dürfen. Diskutiert wurde auch die Terrorgefahr, da Angreifer Kleinflugzeuge mit Sprengstoff vollpacken und in Skyscraper steuern könnten.
New Yorks Gouverneur George Pataki zeigte sich geschockt über die laxen Regeln. “Als hätte er noch nie eine Privatmaschine am East River gesehen”, ätzte Weiner daraufhin. Ex-Flugsicherheitschef Jim Hall fragte wütend: “Warum wurde diese Praxis nicht vor Jahren gestoppt?”. Sentor Chuck Schumer hatte eine Flugverbotszone, ähnlich dem 27-Kilometer-Radius über Washington, bereits im Vorjahr gefordert, als ein besoffener Teenager ein Flugzeug stahl und rund um Manhattan pilotierte.
Nur New-York-Bürgermeister Michael Bloomberg, selbst begeistertet Flieger, will keine Änderungen: “Man kann nach einem Autounfall ja auch nicht den ganzen Straßenverkehr verbieten”, verwundete er die, durch den kurz an 9/11 erinnerenden Crash noch entnervten New Yorker.

# 13. Oktober: Arnie wettert gegen Irakkrieg

Dass Kaliforniens “Governator” Arnoold Schwarzenegger US-Präsident George W. Bush in seinem Wahlkampf zur Gouverneurswiederwahl in weniger als vier Wochen meidet wie der Teufel das Weihwasser, war offensichtlich. Immerhin war die Hauptstrategie seines demokratischen Herausforderers Phil Angelides, Arnie mit dem – besonders in Kalifornien mit Zustimmungsraten um weniger als 30 Prozent – enorm unpopulären Bush in einen Topf werfen zu wollen. Das sei völlig “verrückt” protestiert Arnie nun in einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview mit Talk-Meister Jay Leno: “Ein Vergleich mit Bush wäre so, als würde man mich mit den Oscars in Zusammenhang bringen”, sagt Arnie unter aufbrausenden Gelächter.
Schwarzeneggers Action-Filme wurden an den Kinokassen zwar stets zu Hits, doch für den begehrtesten Hollywood-Filmpreis war er nie nominiert worden.
Offenbar bereut Arnie seine Auftritte an der Seite Bushs während dessen letzten Wahlkampfes in 2004: Am Bush-Parteitag in New York nannte er die Demokraten wegen deren Wirtschaftspolitik “Girlie Men”(Weicheier), bei einem Auftritt im letztendlich wahlentscheidenen Schaukelstaat Ohio huldigte er Bush als “Führer”.
Doch nun fand Arnie auch starke Worte gegen den Irakkrieg: Man müsse dort so schnell wie möglich raus, sagte er zu Leno, in dessen Talkshow er 2003 völlig überraschend seine Kandidatur bekannt gab: “Es wurden Fehler gemacht, unsere Jungs sollen so schnell wie möglich abgezogen werden”. Es breche ihm das Herz, da er andauernd Kondolenzschreiben an die Familien gefallener Soldaten verfassen muss. Tatsächlich: Arnie ist der einzige Gouverneur eines US-Bundesstaates, der bei jedem getöteten Kalifornier eine Pressemitteilung aussendet. Er besuche regelmässig Armeespitäler, sagte unter tosenden Applaus: “Das sind die wahren Action-Heros, die haben ihr Leben riskiert”.
In der Debatte, ob Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zurücktreten soll, wolle er Bush nicht dreinreden, so der Gouverneur. Zum Mega-Kongress-Skandal “Foleygate” um den Ex-Kongressmann Mark Foley, der Sexchats mit Minderjährigen unter der Duldung der Republikanerführung unterhielt, sagte Arnie, dass “der Schutz der Kinder” oberste Priorität habe. Praktikanten in der Hauptstadt Sacramento seien alle älter als 18 Jahre.

# 12. Oktober: Mini 9/11

“Es war eine echte Schrecksekunde”, sagt Andreas Launer, Vizekonsul am Österreich-Konsulat in der 69. Straße, bloß wenige Blocks von dem von einer Privatmaschine, Type “Cirrus SR-20”, des Baseballstars Cory Lidle getroffenen Apartmenthochhaus entfernt: Binnen Minuten wären dutzende Helikopter über dem Bezirk geknattert, dazu das “durchdringende Sirenengeheul” hunderter heranrasender Einsatzfahrzeuge, was zunächst alles beängstigend an den 11. September erinnerte.
Susanne Barton, eine Mitarbeiterin des Konsulats, lief panisch auf die Straße, da zunächst auf CNN fälschlicherweise ihre Adresse als Flugzeug-Crash-Ort genannt worden war. Getroffen wurde jedoch das Nachbarhaus, ein fünfzigstöckiger Skyscraper namens “Belaire Condominium”, 524 East 72. Straße, gleich am East River. “Meine drei Katzen waren zu Hause”, erzählt Barton am Telefon, nachdem sie nach einer stundenlangen Odyssee durch tausende Einsatzkräfte und mit Flugzeugteilen übersäte Straßen spät Abends zu Hause ankam. “Die Katzen waren völlig verängstigt”, sagt sie, “der Knall war ja durch die halbe Stadt zu hören”. Alle dachten natürlich sofort an einen neuen Terroranschlag, so Barton.
Wenige Blocks entfernt rannte Ali Sene, Angestellte des französischen Konsulates, aus dem Gebäude. Ihre viereinhalbjährige Tochter Chiara hielt sich im Kindergarten nur wenige Blocks von dem rauchenden Appartementturm entfernt aus. Als der Einschlag durch die Hochhausschluchten hallte, wurden die Kinder prompt im Eiltempo evakuiert. “Ich wusste zunächst gar nicht”, erzählt Sene immer noch geschockt, “wo ich nach meiner Tochter suchen soll”. Hektische Telefonate führten dann zu einer Wiedervereinigung.
Für einige Stunden kam das pulsierende New York zum totalen Stillstand: Menschentrauben bildeten sich vor Schaufenster-Fernsehern, wo alle erdenklichen Einstellungen des Feuers und des Chaos liefen, teils weinende Passanten suchten nach Infos auf Handies und Blackberrys, oder Telefonierten mit Freunden und Familienmitgliedern in aller Welt – falls die völlig überlasten Netze das überhaupt zuließen. Am weltberühmten “Times Square” starrten Tausende gebannt in eine Riesenleinwand, als ein Augenzeuge aufgeregt herumfuchtelt: “Das Flugzeug ist regelrecht ins Wohnzimmer von jemanden geflogen”. Dann folgte ein kompletter Verkehrsinfarkt. “Praktisch alle Geschäftsmeetings wurden abgesagt”, erzählt Filmemacher Ily Huemer, der an einem Immobilienprojekt arbeiten wollte, und sich wundert, dass selbst das katastrophenerprobte Post-9/11-New York derart leicht zum Erliegen kommen könne.
Mit New York hielt die ganze Nation kurz den Atem an. Das Luftabwehrkommando “NORAD” – das am 11. September blamabel versagte – ließ über den wichtigsten US-Metropolen Kampfflieger aufsteigen. In Kalifornien fasste sich Gouverneur Arnold Schwarzenegger bei einem Wahlkampfstopp am Airport in San Franzisko auffallend kurz – ein geplantes Treffen mit Österreichs US-Botschafterin Eva Nowotny, die im Rahmen ihres einwöchigen Aufenthaltes an der US-Westküste mit Arnie die Austro-Kalifornische Zusammenarbeit weiter ankurbeln wollte, kam nicht zustande.
Wenig später rasten F-16-Kampfjets im Tiefflug über den Airport in San Franzisko. Militärmaschinen wurden neben New York auch über Los Angeles, Washington D.C., Chicago und Seattle gesichtet. In den Airporthallen wurde per Non-Stopp-Durchsagen die zweithöchste Terrorwarnstufe “Orange” ausgerufen. Für wenige Stunden wurde klar, wie tief der Schrecken des 11. September den Amerikaner noch in den Knochen sitzt.

# 8. Oktober: Foleygate

Der zurückgetretene Florida-Kongress-Abgeordnete Mark Foley, 52, hatte Sex mit einem ehemaligen Praktikanten, berichtete die Zeitung “L.A. Times” in ihrer Sonntagsausgabe. Auch wenn der “One-Night-Stand” in Foleys Washingtoner Wohnung stattfand, als der junge Mann bereits 21 Jahre alt und damit volljährig war, lässt die jüngste Enthüllung den Mega-Republikaner-Skandales “Foleygate” weiter eskalieren.
Die Story verdeutlicht vor allem, dass Foley offenbar während seiner ganzen, 12-Jährigen Kongresskarriere offen Interesse an den oft erst 16-Jährigen Kongress-Helfern zeigte und dass das auch ein offenes Geheimnis im Kongress war. Republikaner-Kongresschef Dennis Hastert beteuert hingegen bis heute, nichts über Foleys Sex-Chats mit Minderjährigen gewusst zu haben. Doch die Praktikanten nannten Foley “Triple F”, für “Florida Fag Foleys” (Floridas homosexueller Foley).
Im Sex-Chat mit dem neuen Zeugen, der seine Identität unter allen Umständen bewahrt haben will, machte Foley unter seinem Computer-Kürzel “Maf54” dem Teenager damals sexuelle Komplimente, merkte an, dass er eine “Erektion unter seiner engen weißen Hose” bemerkt hatte. Obwohl Foley, der sich seit zehn Tagen in einer Alkoholentzugsanstalt verschanzt hält, bisher kein Gesetzesbruch bewiesen werden konnte, zeigt der neue Fall, wie er seine Rolle als mächtiger Kongress-Mann gegenüber den jungen Helfern ausspielte. Das alles wäre in einer Zeit passiert, “als ich gerade über meine sexuelle Ausrichtung verwirrt und sehr empfänglich für seine Annäherungsversuche war”, sagte der Zeuge.
Anderen Opfern habe Foley, so Chat-Protokolle, Karrierehilfe mit Sex als Gegenleistung versprochen. “Ich mache dich erfolgreich”, schrieb er einem Helfer, “wenn es dich nicht stört, das ich deinen Penis ab und zu halte”. Der Sex-Skandal dürfte laut einer jüngsten “Newsweek”-Umfrage den Republikanern bei den Midterm-Wahlen die Kontrolle des US-Kongresses kosten: 53 Prozent wollen jetzt, dass die Demokraten den Kongress übernehmen – bloß 35 wollen die Republikaner weiter an der Macht sehen.

# 8. Oktober: Pretty Belinda

“Pretty Belinda”, wird sie in Kanada genannt, und das bezieht sich nicht nur auf ihr Aussehen: Den “pretty” aufregend ist die ganze Karriere von Belinda Stronach, 40. Aufgewachsen bei Toronto inmitten des explodierenden Reichtums von Daddy Frank, Austro-Einwanderer und Gründer des Autoteilgiganten “Magna”, schaffte es Belinda, trotz Abbruch ihres Wirtschaftsstudiums, innerhalb des Konzerns rasch an die Spitze, wurde vom US-Magazin “Fortune” zur zweitwichtigsten Geschäftsfrau der Welt ausgerufen, “Time” listete sie mehrmals unter den 100 einflussreichsten Erdenbürgern. Dann sorgte sie, was selbst dem dominierenden Frank verwehrt blieb, für politische Schlagzeilen im Ahorn-Staat in Serie: Sie schaffte zwei Wahlen ins Parlament, zuerst als Konservative, dann als Liberale, “eine Sensation”, wie die Lokalpresse staunte, war als Chefin der Konservativen im Gespräch und amtierte als Sozialministerin in einer Liberalen-Regierung.
Doch nun sorgt die Powerfrau, mit glattem, blonden Haar und selbstbewussten, leicht verschmitztem Lächeln auch in Sachen Sex-Skandale für Superlativen: Ihre angebliche Affäre mit dem Eishockey-Haudegen Tie Domi, 37, wurde zum Image-GAU, als Domis, seit 13 Jahren mit ihm verheiratete Gattin Leanne, die Starpolitikerin in den Scheidungspapieren erwähnte. Kaum war die Causa, wohl mit “Stronach-Millionen”, wie die Klatschpresse munkele, außergerichtlich verglichen, führte das Enthüllungsbuch “Belinda: The Political Life of Belinda Stronach” des “National Post”-Kolumnisten Don Martin gleich zu neuen Debatten: Sex sei “besser als Golf”, überraschte sie den Autor mit lockerer Freizügigkeit: “Ich mag Männer”, sagte sie, “ich bin niemand, der am Freitag zu Hause sitzt und häkelt”. “Sie lässt keinen Zweifel daran”, so Martin im Gespräch mit ÖSTERREICH, “dass sie sich einer guten Gelegenheit nicht verschließt”. Die recht gesunde Einstellung zum Sex resultierte in einer langen Liste an Affären, Liebschaften und Ehen:
# Tie Domi, der als Ex-Eishockey-Star der “Ahornblätter” eher als Raufbold und Dauergast auf der Strafbank berühmt wurde, lernte sie bei einem Wahlkampfauftritt im Jänner kennen. Bald gab es erste Reports über eine “intime Beziehung”, eine Freundin von Domis Frau hätte die beiden, “Händchen haltend” die New Yorker Fifth Avenue hinunter schlendern sehen. Im Juli warf Leanne ihren Gatten aus dem Haus, weil sie, so Familienbekannte, seine “ewigen Lügen” über Belinda nicht mehr ausgehalten habe. Maximale Aufmerksam schaffte Leanne, als sie Belinda in einem 20-Seiten-Gerichtsdokument gleich 13 mal als Scheidungsgrund anführte. Das werde eine “große Delle” in ihrer Reputation hinterlassen, so Martin: “Es ist eine Sache, glamourös zu sein, mit berühmten Leuten herumzuhängen, eine andere, eine Ehe zu zerstören, wie ihr vorgeworfen wird”. Zusätzlich fragen sich viele, was eine Frau ihrer Statur mit diesem “Schlägertypen” (Martin) wolle.
# In Sachen Belindas berühmtester Freundschaft, jener zu Ex-US-Präsident Bill Clinton, fand Martin zwar keine “Smoking Gun”, einen handfesten Beweis, dass hier mehr ist als sie als zugegeben. Doch recherchierte er öftere Treffen als bisher bekannt, inklusive einem Get-Together bei der Aufzeichnung einer Larry-King-Show, dann auf der Bühne mit den Rolling Stones, dazwischen einige Dinner. Auffallend sei, dass ihr Bodyguard absolutes Schweigegebot hatte, so Martin: “Und der wüsste natürlich alles”. Tabloid-Berichte über Bill & Belinda schickten Schockwellen durch die Demokraten-Partei. Hillary Clinton soll sogar Mitarbeiter beauftragt haben, Medienberichte auf “allfällige, verdächtige Anzeichen” täglich zu scannen.
# Belindas Liebesleben ist immer gut für Dramen, ihre letzte, bestätigte Beziehung mit Konservativen-Politiker Peter MacKay endete 2005 im vielleicht wildesten Polit-Thriller, den Kanada je erlebte. Wenige Stunden vor einem Misstrauensabstimmung gegen Liberalen-Premier Paul Martin eröffnete sie ihrem Boyfriend “so gegen Mitternacht”, wie das Enthüllungsbuch jetzt neue Details liefert, dass sie zu den Liberalen wechsle – und mit ihrer Stimme den Untergang Martins verhindern und mit einem Ministerposten belohnt werde. Wie ein Vulkan sei MacKay da explodiert, enthüllte Autor Martin, versuchte sie umzustimmen, während sie flehte, dass ihre Beziehung ihren politischen Coup überleben könne. “Doch MacKay ist ein derartiges, politisches Tier”, so Autor Martin, “dass er das ablehnte”. Um 4 Uhr früh hätte Belinda dann kalte Füsse bekommen, ihren Pressesprecher aus dem Bett geklingelt und um mehr “Bedenkzeit” gebeten. Doch diese Option gab es nicht, und so endete das Kapital MacKay. Der reagierte dann kindisch: Seine Schmährufe im Parlament wurden so nervtötend, dass sich Stronach einen weiter entfernten Sitzplatz zuweisen ließ. Einmal wachelte MacKay mit einer Krawatte, die Belinda im schenkte. Dabei hat er, politisch zumindest, heute gut lachen: MacKay ist heute Außenminister, während Belindas neue Partei die Wahlen verlor und ihre Polit-Karriere feststecke, wie es Politologe Nelson Wiseman beurteilt: “Es bieten sich keine Leadership-Posten an – und ob sie ewig einfache Parlamentarierin bleiben will, darf bezweifelt werden”.
# Vor ihren Turbulenzen im Liebesleben hatte Belinda bereits zwei Ehen hinter sich: Mit dem Magna-Manager Don Walker hat sie zwei Kinder, Sohn Frank jr. und Tochter Nikki, Ehe Nr. 2 absolvierte sie mit der norwegischen Eislauflegende Olav Koss.
Selbstbewusst verteidigte sie sich während des Medienfeuerwerks rund um ihre angebliche Affäre mit Domi: In unserer Matchowelt würde sie mit einer Scheinmoral verfolgt, weil sie als Frau erfolgreich und selbstbewusst ihr Leben bestreitet. Aber auch weibliche Kolumnistinnen fanden das Wehklagen über “Sexismus” für übertrieben.

# 8. Oktober: Arnie auf Siegeskurs

Es sieht nach “Governator, Teil II” aus: Arnold Schwarzenegger hat sich in der mit Spannung erwarteten großen (und einzigen) TV-Debatte gegen Herausforderer Phil Angelides in Sacramento exakt einen Monat vor den kalifornischen Gouverneurswahlen gut behauptet. Und nachdem der demokratische Schatzmeister keine Aufsehen erregenden Treffer gegen Arnie landen konnte, meinten Politologen nach der Debatte unisono, dass Schwarzenegger seinen, zwischen 10 und 17 Prozent liegenden Vorsprung in den Umfragen locker über die Ziellinie bringen kann. Arnie hat vor allem finanziell enorme Vorteile: Von Juli bis September gab er 14,4 Millionen Dollar für Werbung aus, Angelides bloß 3,4.
Nach Arnies kontroversiellen Kommentaren über “mangelnden Anpassungswillen der Mexikaner”, hatten die Demokraten zunächst noch gehofft, Angelides könnte eine Aufholjagd gelingen. Doch das TV-Duell vor 300 Gästen – in vorderster Reihe Arnies Promifamilie mit JFK-Nichte Maria Shriver, sowie deren zwei Töchter und zwei Söhne – begann so lahm, dass der Moderater die beiden aufforderte, “sich an die Gurgel zu gehen”.
Schwarzenegger, der vor drei Jahren bloß Träume über die Reformierung Kalifornien und einen Besen, mit dem er Ausmisten wollte, vorzuweisen hatte, griff diesmal mit gekonnten Runterrattern von Erfolgszahlen auf seine Bilanz zurück: Er habe die Wirtschaft in Schwung gebracht, das Budgetdefizit von 16 auf vier Milliarden Dollar getrimmt, Bau- und Ökooffensiven gestartet – und nachdem, wie er zugab, Fehler des Vorjahres, alles “zu schnell machen zu wollen”, setze er jetzt wieder erfolgreich auf Kooperation mit dem von Demokraten dominierten Parlament.
Er warnte auch, dass Angelides Milliarden an zusätzlichen Steuern einheben wolle, ein Dauerbrenner bei allen Republikaner-Kandidaten: “Ich sehe es im Funkeln Ihren Augen”, spottete Arnie: “Sie lieben das Anheben von Steuern – nur wollen sie das jetzt nicht zugeben”. Arnies Geheimwaffe war, wie schon so oft, sein Humor: “Das hört sich ja an wie Onkel Teddy beim Thanks-Giving-Dinner”, quittierte er eine Angelides-Tirade über den Irakkrieg, dem Versäumnis, Geld für den Schutz von Häfen auszugeben und der Kritik an Arnies Plänen, dass Pensionssystem zu reformieren. Onkel Teddy ist natürlich Senator Ted Kennedy, eine Ikone unter Demokraten.
Angelides wirkte streckenweise schulmeisterlich, versuchte Arnie – eher krampfhaft – mit dem im liberalen Kalifornien besonders verhassten US-Präsidenten George Bush in einen Topf zu schmeißen, und sich selbst – durch mangelndes Charisma eher unglaubwürdig – mit Bill Clinton zu vergleichen. Doch zum Schluss brachte er Arnie mit einer direkten Frage etwas außer Tritt: “Warum, Gouverneur, haben sie einer Polizistenwitwe die Pension gekürzt?” Da stotterte Arnie dann etwas verlegen und versicherte, größte Hochachtung für dem Polizisten-Beruf zu haben, “weil ja auch mein eigener Vater Polizist war”. Angelides kritisierte Schwarzenegger auch, dass er die Studiengebühren angehoben haben.
Arnies Wahlkampf-“War Room” wollte sicherstellen, dass seine Argumente nicht untergingen: In gleich zehn Emails binnen weniger Minuten wurden Journalisten mit seitenlangem Zahlenmaterial und Fakten beliefert. Der Zeitpunkt der Debatte war kritisiert worden, da zeitgleich der Baseballschlager “Los Angeles Dodgers” gegen die “New York Mets” lief. 40 TV- und 21 Radio-Stationen übertrugen dennoch die Politdebatte, die Zuseherzahlen dürften jedoch weit hinter den Sportübertragungen zurückliegen. Arnie kann das recht sein.

# 8. Oktober: Arnie kommt nach Österreich

Kalifornien-”Governator” freut sich auf eine Reise nach “Austria”, sollte er seine Wiederwahl in exakt einem Monat schaffen. Das kündigte Arnie bei einem Wahlkampfstopp in Los Angeles an. Nach immer wieder geäußerter Kritik Schwarzeneggers an den Umständen in seinem Heimatland – zuletzt bei der großen TV-Debatte am Samstag in Sacramento gegen Herausforderer Phil Angelides, wo der Gouverneur sagte, “sein Erfolg wäre nur in Kalifornien möglich gewesen” – und Attacken aus Österreich wegen umstrittener Entscheidungen Schwarzeneggers vor allem in Sachen Todesstrafe, beantwortet Arnie die Frage, ob er eine weitere Amtszeit auch zur Reparatur seiner Beziehungen mit Österreich verwenden werde: “Ich habe gute Verbindungen zu den Menschen dieses Landes und werde im Herzen immer Österreicher bleiben”, so Arnie: “Und ich freue mich auf einen baldigen Besuch”.
Ob er nach der erfolgreichen TV-Debatte nun auf Siegeskurs sei, wurde gefragt: Er fühle sich “großartig”, so der Gouverneur, der in Umfragen mit zehn bis 17 Prozent vor Angelides liegt, und er freue sich, noch mehr für Kalifornien erreichen zu können. Der Wahlkampf erschöpfe ihn keineswegs, fuhr er fort, da er sich privilegiert fühle, mit all den “good news” durchs Land zu tingeln: Die Wirtschaft werde angekurbelt, neue Jobs entstehen, im Umwelt- und Klimaschutz gäbe es neue Initiativen, ratterte Arnie seine Errungenschaften herunter. Ein Kind aus der Nachbarschaft wollte schließlich wissen, ob er hierher zurückkomme, auch wenn er Präsident sei? “I´ll be back”, wiederholte er seinen legendären Terminator-Spruch: “Aber nur als Gouverneur”.

# 7. Oktober: Foleygate

Immer mehr Opfer des pädophilen Ex-Senators Mark Foley, der mehr als ein Jahrzehnt lang Cybersex mit minderjährigen Kongress-Boten (“Pages”) unterhielt, meldeten sich am Tag 7 des Republikaner-Sexskandals “Foleygate”: Ihre Stories verdeutlichen, wie der 52-jährige Kongress-Mann seine Macht gegenüber den Teenagers ausspielte und sie mit dem Versprechen von Hilfestellungen bei einer möglichen Karriere in Washington D.C. in den Sex-Talk via Computer lockte: Foley sei gleich zur Sache gekommen, erinnert sich ein damals 17-Jähriger Praktikant gegenüber dem TV-Sender ABC: “Er fragte, “ob ich meine Kollegen nackt gesehen habe und wie große ihre Penise sind”. Dann meinte Foley, er könne in seinem Haus übernachten, falls er Oralsex an ihm praktiziere.
Ein weiteres Opfer berichtet, dass Foley sogar mitunter sein Schlafquartier aufsuchte und ihm Fahrten durch D.C. zu Veranstaltungen in seinem flottem BMW anbot. Dafür bat Foley mitunter um die Zusendung eines Fotos des erigierten Penis des damals 17-Jährigen. Ein dritter Kronzeuge des Foley-Fiaskos, das die Republikaner bei den “Midterm”-Wahlen in einem Monat um ihre Herrschaft im US-Kongress bringen könnte, hätte sich während seines Computer-Verkehrs mit Foley gerne über Politik unterhalten, doch der wiederum sei “nur a Snex oder meinen Penis” interessiert gewesen, sagte der junge Mann.
Im “Page”-Programm des Repräsentantenhauses verrichten ausgewählte High-School-Kids einfache Büroarbeiten, transportieren Akten zwischen den Abgeordneten-Büros oder bringen Gesetzestexte in den Parlamentssaal zur Abstimmung.
In der berühmten Larry-King-Show auf CNN packte einer der beiden bisher einzigen Foley-Opfer aus, die ihre volle Identität preisgaben: Tyson Vivyan, 26, werkte 1997 neun Monate lang am Kapitol und erhielt rasch nach seinem Abgang die ersten “Instant Messages” (IM) von Foley unter den Codewort “Maf54”. Vivyan hatte zunächst keine Ahnung, wer ihm hier plötzlich hochnotpeinliche Fragen über seine sexuelle Orientierung stellte – und fand Foleys Initialen MAF, geboren 1954, im Kongress-Verzeichnis. Der Chat ging weiter: Vivyan wollte über Politik reden, Foley über Sex. Warum er nicht zur Polizei ging? “Ich hätte mich mit einem mächtigen Abgeordneten angelegt und meine Karriere gefährdet”, sagt er. Einem anderen Opfer versprach Foley, er werde ihm helfen, jener “gestylte Elite-Typus” zu werden, der der Teenager gerne sein wollte. “Ich werde dir zum Erfolg verhelfen”, tippte Foley fröhlich, “solange es dich nicht stört, dass ich deinen Penis ab und zu halte”.
Der pädophile Computersex offenbart auch, wie Foley per Internet mitten in intakte Familien hineinlangte: Als ein Teenager die Länge seines Penis mit 19 Zentimeter angibt und Foley mit einem begeisterten “ummmmmmmmmmmmmm – wundervoll” quittiert, wird der Chat plötzlich unterbrochen: “Meine Mamma ruft”. Nach der Wiederaufnahme fragt Foley: “Ich hoffe, sie bekommt nichts mit?” “Nein, nein”, antwortet der Junge: “die ist zu doof für Computer…”. In anderen Chats unterhielt sich Foley über seine Vorlieben beim Onanieren und schrieb dann: “O.k., ich möchte dich nicht länger von deinen Hausaufgaben abhalten”. Doch nicht alle Republikaner teilen die Aufregung über Foley: Das seien eben “kokette Kids”, die Foley in die Falle gelockt hätten, sagte der Republikaner Chris Cannon und löste gleich den nächsten Skandal aus.

# 6. Oktober: Foleygate

Amerika erlebte Tag 6 des immer weitere Kreise ziehenden RepublikanerKongress-Skandals “Foleygate” um Sex-Chats des Ex-Florida-Angeordneten Mark Foley mit jugendlichen Kongressboten – und auf Hochtouren soll die Aufklärung jetzt anlaufen: Der Ethikausschuss des Repräsentantenhauses setzte den Republikaner Doc Hastings und den Demokraten Howard Berman als Chefs eines U-Ausschusses ein, der einen möglichen “Cover-up” (Vertuschung) des Skandals untersuchen und nach möglichen weiteren Opfern unter den oft erst 16-Jährigen Helfern (“Pages”) suchen soll. Sofort wurden 48 Vorladungen an mögliche Zeugen und Aufforderungen zur Übergabe brisanter Dokumente ausgesandt. “Wir wollen der Sache rasch auf den Grund gehen”, sagte Hastings. Ob es Reports vor den “Midterm”-Wahlen am 7. November – wo die wegen Foleygate und der Irakmisere schwer unter Beschuss stehenden Republikaner die Macht an die Demokraten verlieren könnten – geben wird, wurde von US-Politologen jedoch bezweifelt.
Parlamentspräsident “Speaker” Dennis Hastert hält unterdessen mit einer veränderten Strategie an seinem Amt fest: Hatte er anfangs sogar eine Verschwörung von Medien und Demokraten geortet – “Oktober-Überraschung”, wie das Auftauchen verheerender News knapp vor Wahlen genannt wird – entschuldigte er sich gestern in einer in ganz Amerika mit Hochspannung erwarteten Pressekonferenz für die laxe Vorgangsweise gegenüber Foley trotz jahrelanger Warnungen über “unangebrachte Emails” an Jugendliche. “Ich übernehme die volle Verantwortung”, so Hastert. Einen Rücktritt als Speaker lehnte er jedoch ab.
Aufklärung über die jüngsten Vorwürfe, dass der, als zweiter in dem Skandal zurückgetretene Ex-Foley-Mitarbeiter und Stabschef eines Top-Republikaners, Kirk Fordham, Hasterts Büro bereits vor drei Jahren über Foleys Vorlieben unterrichtete, verweigerte Hastert unter Verweis auf die angelaufenen FBI-Ermittlungen. Dass die auf Hochtouren laufen, zeigte sich, als kurz danach Kronzeuge Fordham gerade ein Interview mit FBI-Beamten beendete.
US-Präsident George Bush, dem eine Abwahl der Republikaner in zumindest einer Kammer des US-Kongresses seine verbliebenen zwei Amtsjahre massiv erschweren und ein Inferno an U-Ausschüssen auslösen könnte, hält weiter zu Hastert: Vor einem Transparent mit der Aufschrift “Lasst kein Kind zurück” stehen (der Slogan eines Bildungsprogrammes wirkte mitten im Medientrommelfeuer von Sex-Mails an Jugendliche etwas fehl am Platz) begrüßte Bush Hasterts Kommentare
Die US-Fernsehanstalt ABC, die den Sexskandal ins Rollen brachte, enthüllte die Existenz dreier weitere Opfer. Einen Zeugen habe Foley nach einem Foto seines erigierten Penis gefragt. Bekannt ist inzwischen auch die Identität jenes Boten, dessen ursprünglicher Sex-Talk den Skandal ins Rollen brachte: Jordan Edmund, 21, werkt heute im Wahlkampfteam eines Oklahoma-Politikers und heuerte den Staranwalt Stephen Jones an, der einst Oklahoma-City-Bomber Timothy McVeigh vertrat. Edmund, ein strammer Republikaner, ließ durchsickern, dass er nicht “schwul” sei. Er wollte Foley als eine Art “Scherz” beim Sexchat zu immer wüsteren Kommentaren hinreißen – die Protokolle wurden dann unter den Jugendlichen ausgetauscht. Auf diesem Weg sollen sie auch in die Hände der Medien gelangt sein.

# 5. Oktober: Republikaner vor der Abwahl

Amerika erlebte Tag 6 des immer weitere Kreise ziehenden RepublikanerKongress-Skandals “Foleygate” um Sex-Chats des Ex-Florida-Angeordneten Mark Foley mit jugendlichen Kongressboten – und auf Hochtouren soll die Aufklärung jetzt anlaufen: Der Ethikausschuss des Repräsentantenhauses setzte den Republikaner Doc Hastings und den Demokraten Howard Berman als Chefs eines U-Ausschusses ein, der einen möglichen “Cover-up” (Vertuschung) des Skandals untersuchen und nach möglichen weiteren Opfern unter den oft erst 16-Jährigen Helfern (“Pages”) suchen soll. Sofort wurden 48 Vorladungen an mögliche Zeugen und Aufforderungen zur Übergabe brisanter Dokumente ausgesandt. “Wir wollen der Sache rasch auf den Grund gehen”, sagte Hastings. Ob es Reports vor den “Midterm”-Wahlen am 7. November – wo die wegen Foleygate und der Irakmisere schwer unter Beschuss stehenden Republikaner die Macht an die Demokraten verlieren könnten – geben wird, wurde von US-Politologen jedoch bezweifelt.
Parlamentspräsident “Speaker” Dennis Hastert hält unterdessen mit einer veränderten Strategie an seinem Amt fest: Hatte er anfangs sogar eine Verschwörung von Medien und Demokraten geortet – “Oktober-Überraschung”, wie das Auftauchen verheerender News knapp vor Wahlen genannt wird – entschuldigte er sich gestern in einer in ganz Amerika mit Hochspannung erwarteten Pressekonferenz für die laxe Vorgangsweise gegenüber Foley trotz jahrelanger Warnungen über “unangebrachte Emails” an Jugendliche. “Ich übernehme die volle Verantwortung”, so Hastert. Einen Rücktritt als Speaker lehnte er jedoch ab.
Aufklärung über die jüngsten Vorwürfe, dass der, als zweiter in dem Skandal zurückgetretene Ex-Foley-Mitarbeiter und Stabschef eines Top-Republikaners, Kirk Fordham, Hasterts Büro bereits vor drei Jahren über Foleys Vorlieben unterrichtete, verweigerte Hastert unter Verweis auf die angelaufenen FBI-Ermittlungen. Dass die auf Hochtouren laufen, zeigte sich, als kurz danach Kronzeuge Fordham gerade ein Interview mit FBI-Beamten beendete.
US-Präsident George Bush, dem eine Abwahl der Republikaner in zumindest einer Kammer des US-Kongresses seine verbliebenen zwei Amtsjahre massiv erschweren und ein Inferno an U-Ausschüssen auslösen könnte, hält weiter zu Hastert: Vor einem Transparent mit der Aufschrift “Lasst kein Kind zurück” stehen (der Slogan eines Bildungsprogrammes wirkte mitten im Medientrommelfeuer von Sex-Mails an Jugendliche etwas fehl am Platz) begrüßte Bush Hasterts Kommentare
Die US-Fernsehanstalt ABC, die den Sexskandal ins Rollen brachte, enthüllte die Existenz dreier weitere Opfer. Einen Zeugen habe Foley nach einem Foto seines erigierten Penis gefragt. Bekannt ist inzwischen auch die Identität jenes Boten, dessen ursprünglicher Sex-Talk den Skandal ins Rollen brachte: Jordan Edmund, 21, werkt heute im Wahlkampfteam eines Oklahoma-Politikers und heuerte den Staranwalt Stephen Jones an, der einst Oklahoma-City-Bomber Timothy McVeigh vertrat. Edmund, ein strammer Republikaner, ließ durchsickern, dass er nicht “schwul” sei. Er wollte Foley als eine Art “Scherz” beim Sexchat zu immer wüsteren Kommentaren hinreißen – die Protokolle wurden dann unter den Jugendlichen ausgetauscht. Auf diesem Weg sollen sie auch in die Hände der Medien gelangt sein.

# 5. Oktober: Foleygate

Die Alarmglocken über das merkwürdige Verhalten von Florida-Kongress-Abgeordneter Mark Foley, 52, gegenüber jugendlichen Kongressboten (“Pages”) hätten schon in den 90igern schrillen müssen: Zwei damalige Teenager berichteten über den Austausch von Emails und Computer-Chat-Nachrichten (IM) im Jahr 1997. “Wir redeten über Politik, aber sehr rasch wurde der Kongressmann anzüglich”, sagt einer auf CNN. Dass Foley homosexuell war und eine Vorliebe für die meist 15- bis 18-Jährigen Pages hatte, war Dauerthema am Kapitiol. Bei einer Abschiedsfeier einer Page-”Klasse” in 2002 war der Vorsitzende des – ausgrechnet! – Ausschusses zum Schutz von Kindern vor sexuellen Übergriffen derart gerührt, dass er Tränen vergoss. Naive Beobachter hielten das damals noch für rührend. Ein Jahr davor hingegen soll Foley, stockbesoffen, von der Kapitol-Polizei gestoppt worden sein, als er in die Quartiere eindringen wollte, wo die Pages schlafen. Immer wieder hagelte es Beschwerden über Foleys “überfreundliches” Benehmen gegen über den Kids, die sich auch untereinander gewarnt hatten.
Jetzt hat das FBI im Skandal “Foleygate”, einem der größten und widerlichsten am Kapitol seit Jahrzehnten angeordnet, alle Foley-relevanten Akten und Computer-Daten zu übergeben. Darunter sind jene deftigen Chats, die Amerika erschüttern und der Republikaner-Partei (GOP) wohl bei den Midterm-Wahlen in viereinhalb Wochen die Kontrolle des US-Kongresses kosten werden (siehe Story unten). “Bist du jetzt geil”, fragte da Foley unter seinem Schirmnamen “Maf54” einen, wie sich jetzt zeigte, 18-Jährigen Page. In anderen IMs wollte er “Höschen ausziehen”, einmal tippte er in den Hallen des Repräsentantenhauses, während er auf die Abstimmung zur Irakkriegsfinanzierung wartete: “Ich vermisse dich”, so Foley und lud den Teenager zu “ein paar Drinks” ein. Maf54: “Bist du alt genug?” Teenager: “Shhh…” Maf54: “O.k”. Foley, der Alkoholtherapie begann, beteuerte, dass es nie echte Beziehungen gab, doch die Chat-Protokolle scheinen das zu widerlegen.
Stürzen könnte die GOP aber über den “Cover-up”, “die Vertuschung des Skandals zum reinen Machterhalt”, wie die Demokraten wettern. Parlamentspräsident, “Speaker” Dennis Hastert kämpft ums politische Überleben: Am Mittwoch behauptete Foleys Ex-Mitarbeiter Kirk Fordham, Hasterts Büro bereits vor drei Jahren informiert zu haben. Damit läuft die in den USA typische Skandalmaschinerie unter dem Motto “Wer wusste was wann?” auf Hochtouren: Hasterts Kollegen in der Republikaner-Führerschaft, John Boehner und Roy Blunt, haben ihm bereits das Messer in den Rücken gerammt: Er dachte, “man hätte sich längst darum gekümmert”, so Boehner, er hätte das “ganz anderes gehandhabt”, so Blunt. Auf der Republikaner-Titanic rettet sich offenbar jeder wie er kann. Als letzte, hilflose Verteidigungsstrategie versuchte die GOP: Die Demokraten stünden hinter der Enthüllung des Skandals, eine als “Oktober Überraschung” konzertierte Aktion zur Beeinflussung der Wahl.

# 4. Oktobert: Foleygate

Der Mega-Skandal um Ex-Abgeordneten Mark Foley – der “Computer-Sex” mit 16-Jährigen Kongressboten (“Pages”) hatte und wo nun auch tatsächlich Affären vermutet werden – wird die Republikaner, so Politbeobachter unisono, um die Macht im US-Kongress bringen. Laut NBC/WSJ-Umfrage wollen zwei Drittel einen Wechsel. Die religiöse Parteibasis sei, so Politkommentator Joe Scarborough, wegen “Foleygate”, dem “widerlichsten Skandal wohl aller Zeiten am Kapitol” in totaler Aufruhr, die größte Stärke der Republikaner, die moralische Integrität, zerstört. Die nächste Parlamentspräsidentin werde die Demokraten Nancy Pelosi, ist sich Scarborough sicher. Die Demokraten schießen wegen der jahrelangen Skandalvertuschung aus allen Rohren: “Die Republikaner ignorierten das Wohl von Jugendlichen”, heißt es in einem neuen TV-Spot, “um ihre Macht zu retten”. “Speaker” Dennis Hastert kämpft ums politische Überleben: Mehrmals sei Hastert über Foleys ekelige Emails an Teenager informiert worden, an keines der Gespräche könne er sich “erinnern”. Die Verteidigungsstrategie ist hoffnungslos: Entweder hat Hastert den Skandal absichtlich vertuscht, oder – ebenso schlimm – ihm sind Emails á la “Ich zieh dir das Höschen runter” nicht im Gedächtnis geblieben. Zuletzt wurde bekannt, dass Foley – der via Anwalt ausrichten ließ, er sei als Bub von einem Priester missbraucht worden – unter seinem Schirmnamen “Maf54” von der Parlamentshalle aus vor einer Abstimmung über die Irakkriegsfinanzierung sich mit einem Page via Computer über “sexuelle Orgasmen” unterhielt. “Ich muss jetzt abstimmen gehen”, tippte er.

# 2. Oktober: Woodward rechnet mit Bush & Co ab

Bob Woodward ist, seit er mit “Washington-Post”-Kollegen Carl Bernstein im Watergate-Skandal US-Präsident Richard Nixon zum Rücktritt trieb, eine Ikone im US-Journalismus, seine Bücher werden von den Mächtigen gefürchtet, mitunter beeinflussen seine Enthüllungen auch Wahlen. US-Präsident George W. Bush schien daher Anfangs gut beraten, Woodward mit exklusiven Zugang zu seinen Top-Beratern und stundenlangen Interviews zu ködern. Die Strategie klappte für Woodwards erste “Bush-Bücher”, “Bush at War” (2002) und “Plan of Attack” (2004): Die 60-Jährige Journalistenlegende zeichnete, trotz Auflistung heiterer bis peinlicher Momente rund ums Oval Office, insgesamt das Bild eines entschlossenen Kriegsführers, der samt einem eingespielten Team den nach dem 9/11-Terror-Horror ausgerufenen “Krieg gegen den Terror” exekutiert. Bush-Kritiker bezichtigten Woodward prompt, Bush hätte ihn “eingekauft”.
Das kann ihm bei seinem jüngsten Werk “State of Denial” (Simon & Schuster), sinngemäß “Realitätsverweigerung”, niemand vorwerfen. Auf 536 Seiten rechnet Woodward derart brutal mit einem desinteressierten, ahnungslosen und mit Jubelmeldungen über den Fortschritt im Irak die Öffentlichkeit gezielt hinters Licht führenden Präsidenten ab; einem so selbstherrlichen wie sturen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der die Besatzung des Iraks durch das Ignorieren der von seinen Generälen empfohlenen Truppenstärken zur Stabilisierung des Landes nach dem Saddam-Sturz fast im Alleingang verbockte; oder der CIA-Warnungen über 9/11 in den Wind schlagenden Bush-Vertrauten Condoleezza Rice, die innerhalb des Matcho-Kriegsteams zur fast tragische Figur wurde und deren Anrufe Rummy heute nur beantwortet, wenn es ihm Bush befiehlt. Selbst Bush-Kritiker staunen über den beschriebenen Grad an Dilettantismus und Größenwahn.
Die Enthüllungen:
# Woodward grub eine Grafik aus, die einen stetigen Anstieg der Attacken gegen US-GIs im Irak zeigt, mit zuletzt über 4.500 im Juli, dazu eine pessimistische Einschätzung der Geheimdienstler, dass sich die Lage 2007 verschlimmern wird. Doch gleichzeitig ließ Rumsfeld dem Kongress ein Dokument übermitteln, wo vom “Abebben der Gewalt Anfang 2007” fabuliert wird. Auf schlechte Nachrichten wird der Stempel “Top Secret” geknallt während der Öffentlichkeit “rosige Szenarien” vorgegaukelt werden, fasst Woodward zusammen.
# Zwei Monate vor dem 11. September, enthüllt Woodward, hätten CIA-Chef George Tenet und sein Top-Terrorexperte Cover Black die damalige Nationale Sicherheitsberaterin Rice in den schrillsten Tönen gewarnt, dass Al-Kaida bald im großen Stil in den USA losschlagen könnte. “Es ist mein sechster Sinn”, klagte Tenet über schlaflose Nächte: “Ich fühle es, es kommt, und es wird gewaltig werden”. Rice wiegelt jedoch ab. Ob die Warnungen deutlich genug waren, wollte man später wissen. “Das einzige, was wir nicht gemacht haben war, an der Pistole, die wir an ihre Schläfe hielten, abzudrücken”, erinnert sich der oft theatralische Black.
# Rumsfeld, der, wie Woodward in vielen plastischen Details illustriert, den Irakkrieg fast eigenhändig versenkte, wurde so unerträglich, dass Ex-Stabschef Andrew Card wie auch First Lady Laura bei Bush für seinen Rauswurf plädierten. “Ich weiß nicht, warum ihn das nicht aufregt?”, klagte Laura einmal gegenüber Card.
Wird der Woodward-Blockbuster, der sich “im Rekordtempo”, so eine “Simon & Schuster”-Sprecherin verkauft (nach den 900.000 Exemplaren als Startauflage wird bereits nachgedruckt) die kommenden Kongress-”Midterm”-Wahlen beeinflussen? Präsidenten-Beobachter David Gergen sieht den sich in dem Buch weiter auftuenden “Glaubwürdigkeitsverlust” für Bush als Gefahr für die Republikaner. Politische Sprengkraft hat auch die Rice-Enthüllung: Denn sie hat nicht nur damals nicht regiert, die Bush-Regierung hat wohl auch vergessen, die 9/11-Kommission über das Meeting zu informieren. Die Demokraten riefen bereits “Cover-up”, Vertuschung.

# 2. Oktober: Foleygate

Das schlimmste bei Polit-Skandalen ist immer der “Cover-up”, die Vertuschung und nicht das Vergehen – das weiß man spätestens seit Ex-Präsident Richard Nixon im Watergate-Skandal eher über seine Lügen als den von ihm veranlassten Einbruch in ein Demokraten-Wahlbüro stürzte. So ist es auch beim jüngsten Sex-Skandal, der den US-Kongress 36 Tage vor der “Midterm”-Wahl erschüttert: Zuerst trat Republikaner-Abgeordneter Richard Foley, 52, zurück, nachdem sexuell anzügliche Emails, SMS und Instant Messages mit einem 16-Jährigen Kongress-Helfer auftauchten. “Ich würde dir gerne dein Höschen runterziehen”, schrieb er da unter den Schirmnamen “Maf54”. Doch nun sind wegen eines vermuteten “Cover-up” des Skandals, prompt getauft “Foleygate”, die drei Top-Republikaner im Repräsentantenhaus, “Speaker” Dennis Hastert, John Boehner und Roy Blunt, unter Druck geraten: Sie hätten schon vor zehn Monaten nach Beschwerden anderer Teenager über Foleys “überfreundliche” Nachrichten Bescheid gewusst. Sie warnten Foley, eine Untersuchung blieb aber aus. Demokratin Jane Haman forderte Rücktritte: “Die Vertuschung war wohl wichtiger, als der Schutz der Kinder”. Am Kapitol brannten die Nacht über die Lichter in den Republikaner-Büros: Hastert & Co verlangten von Justizminister Alberto Gonzales – bei ihrer Flucht nach Vorne – strafrechtliche Voruntersuchungen. Doch Foleygate ist mitten in der heißen Wahlkampfphase “wie ein Schlag in die Magengrube”, so ein Republikaner. Und: Panik habe die Partei erfasst. Das Republikaner-Hauptklientel, die Religiösen Rechten, könnten angewidert den Urnen fernbleiben. Foley, der sich auf Alkoholentzug begab, ist auch ein besonders übles Beispiel an Doppelmoral: Er setzte sich für Gesetze zum Schutz von Kindern vor Sex-Übergriffen ein und nannte Bill Clintons Oralsexskandal Monicagate “ekelerregend” und “abstoßend”.