# 31. Jänner: Schlagen die Amerikaner gegen den Iran los?


Die Welt fragt bange: Schlägt die USA militärisch gegen den Iran zu? Fast im Stundentakt sind in den letzten Tagen die Spannungen eskaliert: Der irani-sche Botschafter in Bagdad provozierte die Supermacht in einem Zeitungsin-terview, wonach der Iran im Irak künftig kräftig mitmischen werde, militä-risch wie ökonomisch. Angeboten wurde das “Training irakischer Streitkräfte samt Waffenlieferungen”, so Teherans Topdiplomat Hassan Kazemi Qumi, aber auch die Installierung einer Filiale der Iranischen Nationalbank im Her-zen der Irak-Kapitale (siehe Story unten).
Washington reagierte Stunden später: US-Militärs steckten Reportern eine Liste an Beweisen zu, wonach der Iran in die Tötung von GIs involviert sei. Neben finanzieller Unterstützung schiitischer Todesmilizen hätten die Ameri-kaner ausgeklügelte Waffensysteme “Made in Iran” am Tigris sichergestellt – darunter SAM-7-Raketen, immer tödlichere Sprengfallen (“IEDs”), Mörser oder “Rocket Propelles Granades”.
Doch die Taktik einer Propaganda-Offensive gegen einen “Schurkenstaat” (US-Definition) erinnert frappant an das Geheimdienstdebakel über Saddams angebliche Arsenale an Massenvernichtungswaffen vor der Irak-Invasion. Stimmen die Infos diesmal? Die Informanten würden beteuern, so ein TV-Korrespondent im Pentagon, diesmal Handfestes zu haben, inklusive Serien-Nummern. Und: “Die Beweise hätten die Qualität eines rauchenden Colts…”
US-Präsident George Bush warnte in einem Radiointerview: “Sollte der Iran in Anschläge gegen unsere Truppen beteiligt sein, werden wir entschlossen reagieren”. Seit Jahren laufen im Pentagon militärische Planungsarbeiten (OPLAN) für Militäroperationen gegen Teheran. Agenten innerhalb des Irans hätten bereits mögliche Bombenziele ausgekundschaftet, so US-Medien. “Ich habe die Planungen gesehen”, schockte zuletzt Ex-US-Diplomat Wayne Whi-te: Es ginge nicht nur um chirurgische Luftschläge, sondern um die komplet-te Zerstörung der iranischen Kriegsinfrastruktur, “die Luftwaffe, U-Boote, Raketenbasen”.
Zuletzt hatte Bush die “Fünfte Kriegsflotte”, inklusive dem Flugzeugträger “USS Dwight D. Eisenhower”, in den Golf entsandt.

# 29. Jänner: Hillarys Wahlkampf beginnt in Iowa

Es sind 22 Monate bis zur Wahl des Nachfolgers von US-Präsident George Bush, doch die Szene in einem Auditorium in Des Moines (Iowa) erinnerte eher bereits – mit 400 Reporter aus aller Welt vor Ort – an das Finale der Schlacht ums Oval Office: Demokraten-Superstar Hillary Clinton stand vor tausenden Fans, die euphorisch mit “Hillary for President”-Plakate wachelten. “Ich bin dabei, um zu gewinnen”, rief sie in die Menge (auf englisch reimt sich ihr Wahlkampfslogan sogar: “I am in it to win it!”). Beim Absingen der Nationalhymne war Hillary auch noch durch ein offenes Mikrophon höchstpersönlich zu hören. “Sie ist eine großartige Politikerin”, urteilte ein Fan, “aber keine besonders gute Sängerin”. Doch abseits des Bades in der Menge musste sich Hillary harten Fragen der lokalen Parteifunktionäre zu ihrer Stimme zur Autorisation des Irakkriegs im Senat 2002 stellen: “Ich übernehme dafür die Verantwortung”, wehrte sie sich: “Man kann im Leben die Zeit nicht zurückdrehen”. Doch Bush hätte sein Kongress-Mandat grob missbraucht und sei für das Fiakso verantwortlich, so Hillary weiter. Die Senatorin muss in Iowa Boden gut machen: Sie liegt in Umfragen bloß an vierter Stelle, hinter den Rivalen John Edwards, Barack Obama und Iowa-Gouverneur Tom Vilsack.

# 29. Jänner: Massendemos gegen Bushs Irakkrieg

Nach der imposanten Machtdemonstration am Samstag, als 400.000 Menschen in der US-Kapitale ein Ende des Irakkrieges forderten, gerät am Montag der Kongress ins Visier der wiedererstarkten US-Friedensbewegung: 800 Aktivisten wollen Abgeordnete “aufklären”, so “Veterans for Peace”, einer der Protest-Organisatoren. Der Massenaufmarsch auf der “National Mall” im Herzen Washingtons war das bisher stärkste Signal eines breiten Widerstandes innerhalb der Bevölkerung gegen die Eskalationspläne von US-Präsident George W. Bush durch die Entsendung zusätzlicher 21.500 Soldaten in die Bürgerkriegshölle Bagdads.
Die Echos der legendären Vietnam-Kriegsprotest-Ära der Sechziger und Siebziger waren unüberhörbar. “Schweigen ist keine Option mehr”, rief Hollywoodstar Jane Fonda in die Menge, die erstmals seit 34 Jahren an einer Antikriegsdemo teilnahm. Fonda war einst von Hurrapatrioten wegen ihrer Vietnam-Proteste als “Hanoi Jane” denunziert worden. “Durch all die Lügen über mich, wollte ich der Bewegung nicht schaden”, erläuterte Fonda ihre bisherige Abwesenheit von Protesten gegen Bushs Irakkrieg. Und: “Es ist traurig, dass wir aus Vietnam nicht gelernt haben”.
Neben Filmstarkollegen wie Sean Penn, Tim Robbins und Susan Sarandon marschierten auch sechs Kongressabgeordnete mit – ein Signal wachsender Opposition auch im US-Parlament gegen Bushs immer einsameren Irakkurs. Bush reagierte mit einem dürren Statement. Er verwies auf das “Recht zur freien Meinungsäußerung” und verstieg sie in die tollkühne Behauptung: “Ich verstehe, dass die Amerikaner sich nach einem Ende des Irakkrieges sehnen – und meine neue Strategie zielt genau darauf ab”.
Am Tag der Riesendemo wurden im Irak sieben weitere GIs von Sprengfallen zerfetzt. Die Opferbilanz stand damit bei 3.065 gefallenen US-Soldaten und 22.843 Verwundeten. Laut UNO starben im Irak seit Kriegsausbruch 2003 pro Jahr mindestens 35.000 Menschen.

# 28. Jänner: Auftakt der Antiirakkriegs-Protest-Tage

Zehntausende Irakkriegs-Gegner zogen am Samstag über die Washingtoner Pracht-Allee “The Mall”, um den Druck auf US-Präsident George W. Bush zu erhöhen. Die Bilder der Massendemo wirkten wie ein Echo der Vietnam-Kriegsproteste der Sechziger, trotz geringerer Teilnehmerzahlen. Der Aufmarsch hunderter Antikriegsgruppen richtet sich vor allem gegen die Bush-Strategie einer Eskalation im Irak durch die Entsendung 21.500 zusätzlicher GIs sowie dem Säbelrasseln gegenüber dem Iran samt Entsendung zusätzlicher Kriegsschiffe in den Golf.
Doch die heutige US-Friedensbewegung hat längst auch das Lobbying entdeckt: Mit Millionen-Beträgen sollen Kongress-Mitglieder, Demokraten wie Republikaner, unter Druck gesetzt werden, sich vehementer gegen Bushs Irak-Pläne zu stellen. Vor allem nachdem die Debatte im Kongress um eine Resolution gegen Truppenerhöhungen durch taktische Stellungskriege innerhalb beider Parteien festgefahren scheint: Mehrere Resolutions-Anträge wurden eingebracht, Kompromissversuche scheiterten bisher, die ersten Abstimmungen werden nun erst für die Woche nach dem 5. Februar erwartet – nachdem die ersten Zusatztruppen bereits in Bagdad eingetroffen sind.
Bush nützt die Schwäche offenbar aus. Er richtete dem Kongress aus, sich aus militärischen Entscheidungen rauszuhalten. “Ich bin der, der die Entscheidungen trifft”, goss er Öl ins Feuer.

# 25. Jänner: Die wunderbare Entdeckung des Entführten Shawn Hornbeck

Pam und Craig Akers, eine Mittelklasse-Familie aus einem Suburb von St. Louis, Missouri, hat die Hoffnung nie aufgeben. Mehr als vier Jahre lang nicht. Als ihr Sohn Shawn Hornbeck, damals elf Jahre alt, am 6. Oktober 2002 bei einer Ausfahrt mit seinem Fahrrad spurlos verschwand, suchten sie wochenlang, durchschritten jeden Pfad in der Umgebung, erforschten aufgelassene Minenschächte, lasen auf einer eingerichteten Website die “Geständnisse” perverser Spinner, die in allen kranken Details berichteten, wie Shawn ums Leben gekommen sei. Craig, Stiefvater Shawns seit er ein Jahr alt war, gab seinen Job als Software-Designer auf, trotz schwerer Blutgefäß-Erkrankung im Bein suchte er selbst nach anderen Entführungsopfern. Bis sein Bein amputiert werden musste. Mutter Pam hatte einen kleinen Altar eingerichtet, mit Shawns laminierten “Vermisst-Poster”. Jeden Tag betete sie dort, schwor: “Wir werden dich finden – eines Tages”.
Dann bimmelt im Auto der Familie am 12. Jänner plötzlich das Handy. “Halten Sie bitte am Straßenrand an”, sagte der mit dem Fall betraute Staatsanwalt: “Ihr Sohn lebt! Wir haben ihn gefunden!” Craig lässt das Telefon fallen, starrt zum Himmel: “Ich danke dir, Gott!” Stunden später schreiten die Eltern in einen Raum, ein Junge steht auf, dreht sich um: “Oh mein Gott, das ist mein Sohn!”, ruft Pam. Ihre ersten Worte: “Ich liebe dich! Du bist wieder zu Hause”.
Das Happy End im Entführungsfall Shawn Hornbeck hält Amerika in Atem – fast wie der Fall Natascha in Österreich. Das FBI traute seinen Augen nicht als sie bei der Befreiung eines seit vier Tagen vermissten Teenagers, Ben Ownby (13), auch den seit vier Jahren vermissten Shawn in der Wohnung des Pizza-Bäckers Michael Devlin (41) vorfanden.
Doch wie hat Shawn die vier Jahre überstanden? “Jeden Abend habe ich gebetet, dass ich eines Tages meine Familie wiedersehen werde”, sagte er in einem Aufsehen erregenden Interview mit der Talk-Diva Oprah Winfrey. Devlin hatte dem Teenager offenbar durch Psychoterror und Gewalt gefügig gemacht: Er bedrohte in mit einer Pistole, folterte ihn mit Schlafentzug, weckte ihn alle 45 Minuten auf. Seine Eltern deuteten an, dass er wohl auch sexuell missbraucht worden war.
Shawn erhielt aber auch, anders als die im Kellerverlies eingesperrte Natascha, erstaunlich viele Freiheiten: Er ging mitunter ins Kino, radelte in der Nachbarschaft herum, hatte ein eigenes Handy, zuletzt auch eine Freundin. Shawn durfte Fernsehen nach Belieben, im Internet chatten. Er musste nicht mehr in die Schule gehen, erhielt einen iPod, eine “Xbox 360”-Videokonsole.
Amerika wundert sich: Warum hat der Teenager nie um Hilfe gerufen?
Rechte “Fox”-Moderatoren wie Bill O´Reilly lösten eine Sturm der Entrüstung aus, als sie behaupteten, Shawn hätte seine Gefangenschaft sogar gefallen. Die Realität hat wohl anders ausgesehen: Nachbarn erinnern sich jetzt an Schreie, Winseln und “komische Geräusche”, die aus Devlins Wohnung drangen. “Halt verdammt noch mal die Schnauze”, hörten sie den hünenhaften Devlin brüllen. Dann ein dumpfer Knall.
Shawn konnte mit diffusen Stellungnahmen das Mysterium bisher nicht aufklären. Psychologen meinen, dass es am ehesten eine sehr effiziente Drohung war, die ihm zur Kooperation zwang: “Ich werden deine Eltern töten!” Auch das Stockholm-Syndrom, wo Kidnap-Opfer eine Beziehung zu ihren Entführen entwickeln, wird genannt. Im Oprah-Interview verriet Shawn, dass er geheime Hilferufe absandte: Er schickte etwa Emails an die von seinem Stiefvater eingerichtete Website. Kryptisch nannte er sich Shawn Devlin, sein Vorname und der Familienname seines Tormentors, und fragte: “Wie lange wollen Sie nach ihrem Sohn suchen?” Stunden später folgte per Email die Frage, ob er ein Gedicht für die Familie schreiben dürfe. “Eigenartig” habe Dad Craig diese Mails gefunden, sagt er, sein Gesicht schmerzhaft verzogen voller Bedauern, dass er den Hilferuf damals nicht kapiert hat.
Wie verbrachte er seine Tage, wurde Shawn gefragt. Viel Fernsehen, Videospielen am Computer und jede Menge Schlaf, sagte er: “So konnte ich die Zeit am effektivsten totschlagen”. Doch wenn immer er Nachrichten von vermissten Kids sah, schreckte er auf: “Es traf mich ins Herz”. Meist unkontrolliert losgeheult hätte er dann, so der Teenager. Einmal hätte er fast vor Verzweiflung aufgegeben, so Shawn, doch die Gedanken an seine Eltern ließen ihn durchhalten: “Ich wusste die würden niemals aufgeben, nach mir zu suchen – deshalb sollte ich es auch nicht tun”. Nachsatz: “Ich fühlte ihre Hoffnung und Liebe.”

# 25. Jänner: Bushs lahme State of the Union

George W. Bush versuchte in seiner Rede an die Nation fast verzweifelt seiner völlig darniederliegenden Präsidentschaft einen Stromstoß zu geben. Für Aufsehen sorgten dabei seine Vorschläge, den US-Spritverbrauch in den nächsten zehn Jahren um 20 Prozent zu senken, “um Amerikas Abhängigkeit von ausländischem Öl zu reduzieren”, wie er sagte. Viele Details blieb Bush schuldig, doch sollen PKWs per Gesetz sparsamer gemacht, sowie durch Beimengen von Biosprit á la Ethanol der Benzin-Konsum gesenkt werden. 131 Milliarden Liter an Alternativsprit sollen bis zum Jahr 2017 produziert werden. Auch alternative Energien wie Hybrid-Technologie, Windenergie, oder Verwertung von Holzschnitzel will Bush forcieren.
Der Vorschlag führt prompt zu Beifall von Kalifornien-”Governator” Arnold Schwarzenegger, der den Klimaschutz seit geraumer Zeit massiv vorantreibt. Aber Arnie mahnte auch: “Ich hoffe seine Strategie hat Zähne – und es bleibt nicht nur bei schönen Worten”. Immerhin: Bush gab erstmals in seiner sechsjährigen Amtszeit auch die zu begegnenden Herausforderungen “des globalen Klimawandels” zu. Der ehemalige Ölmann aus Texas hatte bisher zu den vernageltsten Skeptikern des sich abzeichnenden Klima-GAUs gehört. 2001 veranlasste er den Absprung der USA vom Kyoto-Klimaprotokoll.
Bush agierte weniger großspurig als sonst. Er streute Blumen an die neue Chefin des Repräsentantenhauses, “Madame Speaker” Nancy Pelosi und bot den Demokraten als neue Hausherren im Kongress Kooperation auch bei Reformen in Sachen Einwanderung und Gesundheitswesen an. Beim alles überschattenden Thema des Irakdebakels bettelte Bush fast, seinen neuen Plan samt Truppenerhöhungen um 21.500 GIs “eine Chance zu geben”.
Doch die Retourkutsche kam postwendend: Der Außenpolitikausschuss des Senats beschloss bloß Stunden später, eine Resolution gegen Truppenerhöhungen im Irak zur Abstimmung im Senat zuzulassen. Eine Eskalation des Irakkrieges sei nicht im “nationalen Interesse”, so der mit 12 zu neun Stimmen im “Foreign Relations”-Komitee verabschiedete Entwurf. “Bevor wir mehr Truppen in den Fleischwolf schicken”, wetterte der Republikaner Chuck Hagel, “sollten wir uns sicher sein, was wir tun”. Eine Abstimmung im 100-köpfigen Senat ist für nächste Woche geplant. Ein Genehmigung der nichtbindenden Resolution würde Bushs Pläne nicht stoppen – doch wäre eine Riesenblamage für den Präsidenten.

# 24. Jänner: Kann Bush die Amerikaner noch aufrütteln?

In seiner Rede zur Lage der Nation (“State of the Union”) will George W. Bush von seiner Präsidentschaft retten, was noch zu retten ist. Die Chancen dafür sind minimal: Bush ist vor allem wegen dem immer tödlicheren Irak-Debakel am Tiefpunkt seiner Popularität angelangt. 27 GIs starben dort al-lein am Wochenende. Umfragen zeigen, dass über zwei Drittel der US-Bürger aufgehört haben, Bush zuzuhören. Dazu hat Senatorin Hillary Clinton durch ihre Ankündigung, für seine Nachfolge zu kandidieren, ihm komplett die Show gestohlen. Der Präsident steht in seiner siebenten Jahresbilanz-Rede auch noch einem von den oppositionellen Demokraten kontrollierten Kon-gress gegenüber. Die Stimmung dürfte eisig werden. 57 Prozent der Ameri-kaner wollen laut Umfrage des TV-Senders NBC inzwischen, dass der Demo-kraten-Kongress “die Richtung im Land vorgibt”, bloß 22 Prozent Bush. Ge-schwächt ist Bush auch durch eine Revolte innerhalb seiner Republikanerpar-tei: Senator John Warner, einst wichtiger Bush-Alliierter, hat sich nun eben-falls gegen Truppenerhöhungen um 21.500 GIs ausgesprochen. “Unser Sol-daten sind für eine Bürgerkrieg nicht trainiert”, so Warner. Ein Sieg der Geg-ner einer Eskalation im Irak scheint damit im Kongress wahrscheinlich – und Bush wäre komplett isoliert.

# 23. Jänner: Hillary startet ihre Kampagne

Hillary Clinton (59) wird in den ersten Tagen als Präsidentschaft-Kandidatin bestaunt wie das achte Weltwunder: 60 TV-Teams zwängten sich in eine Gesundheitsklinik in Manhattan, als Hillary bessere Krankenvorsorge vor Kids forderte. Doch die Fragen galten dem Hype, dass sie als erste Frau in der US-Geschichte ins Oval Office einziehen will: “Ich will helfen, Amerika wieder auf den rechten Kurs zu bringen”, so Hillary: “Ich glaube, dass ich bestgeeignet bin, das zu tun”.
Hillary will mit einem PR-Blitzkrieg offenbar eine frühe Vorentscheidung erzwingen. Sorgen machen ihr die nächsten Jänner beginnenden Demokraten-Primaries, vor allem Senatskollege Barack Obama, der Dynamik, Jugendlichkeit und Charisma in die Wahlschlacht bringt. “Meine lebenslange Erfahrung macht mich zur geeignetsten Person, die Herausforderungen für unser Land anzunehmen”, sagt sie. Eine klarer Seitenhieb auf Obamas erst zweijährige Senatskarriere. In Serien-Interviews mit TV-Stationen will sie weiter für sich werben.
Doch die Parteibasis fragt weiter bange: Kann sie als Frau und polarisierende Person in Amerika wirklich gewinnen? Ihr Chefmeinungsforscher Mark Penn sagt Ja: “Hillary ist die beste Wahl für die Demokraten”. Penn deutet auf Umfragen hin, wo sie im Duell gegen die beiden wahrscheinlichen Republikaner-Gegner, Senator John McCain und Ex-New-York-Bürgermeister Rudy Giuliani, führt.
In ihrer Villa im New-York-Vorort Chappaqua telefonierte Hillary mit potentiellen “Big Spenders”. Auch hier setzt sie Obama unter Druck: Die Euphorie unter den Superreichen New Yorks und Hollywoods über den farbigen Shootingstar ist groß. Die Top-Produzenten David Geffen, Jeffrey Katzenberg und Steven Spielberg planen sogar einen “Fundraiser” (Spenden-Sammelveranstaltung) für Obama.

# 22. Jänner: Amerika im Hillary-Fieber

Amerika ist im Hillary-Fieber – die Ankündigung Hillary Clintons (59), als erste Frau ins Oval Office einziehen zu wollen, hat wie eine Bombe eingeschlagen: “Ich bin dabei, und ich bin dabei um zu gewinnen”, hatte die Ex-First-Lady und New-York-Senatorin Samstag früh via ihrer Website verkündet – und jahrelange Spekulationen über ihre ultimativen Ambitionen beendet. Der Ansturm von Bürgern, vor allem Frauen, brachte ihre Website an den Rand des Kollaps, 100 Personen pro Sekunde (!) meldeten sich als Mitglieder an, 10.000 elektronische Unterstützungserklärungen folgten. Ein Internet-Blogger brachte die Euphorie auf den Punkt: Das sind die “News einer ganzen Generation”.
Zusätzlich zu ihrer eher freundlichen Video-Botschaft hatte Clinton in einer weiteren Text-Stellungnahme den immer unpopuläreren “Kriegspräsidenten” George W. Bush massiv ins Visier genommen: Als Senatorin werde sie jede Minuten nützen, schrieb Hillary, “um den Schaden, den der Präsident anrichtet, zu limitieren”. Doch nur ein neuer Präsident könne “die Hoffnung in Amerika und seine Reputation rund um die Welt wieder herstellen”. Allein durch den Zeitpunkt ihrer Ankündigung hatte sie Bush ein blaues Auge verpasst: Niemand redet mehr über seine “State of the Union”-Rede, mit der er am Dienstag weiter für seine Irakkriegs-Pläne werben wollte.
Doch wie sieht Hillarys Plan für eine Rückkehr an die Washingtoner Pennsylvania Avenue 1600 aus, dem White House, wo sie zwischen 1993 und 2001 als First Lady an der Seite des populären wie auch vom Riesen-Sexskandal “Monicagate” umwehten Bill Clinton werkte? Zuerst muss sie sich in den Vorwahlen (“Primaries”), die nächsten Jänner beginnen, gegen weitere Demokraten-Kandidaten durchsetzen – vor allem gegen den farbigen Shootingsstar Barack Obama (45). Prompt sandte “Hillaryland”, wie ihr 35-köpfiger Stab heißt, die Resultate einer “ABC/Washington Post”-Umfrage aus: Darin führt Hillary mit 41 Prozent überlegen das Feld von insgesamt 12 möglichen Demokraten-Kandidaten an, Obama dabei weit abgeschlagen mit 17 Prozent. Doch es hatte auch schon bangere Resultate gegeben: In einer Umfrage im wichtigen Primaries-Staat New Hampshire hatte zuletzt Obama mit 23 zu 19 Prozent die Senatorin abgehängt.
75 Millionen Dollar – vor allem in Hollywood und New York – will Hillary allein heuer für ihre Kampagne sammeln (14,4 Millionen hat sie in der Bank). Dabei geriet sie bereits unter Druck durch Obama: Hedgefonds-Milliardär George Soros hatte bereits für Hillarys Gegner gespendet. Hillary wird jeden Dollar brauchen: Die 652 Tage bis zum Wahltermin am 4. November 2008 dürften – sollte sie beim Parteitag in Denver tatsächlich als offizielle Demokraten-Kandidatin im Konfetti-Regen stehen – wegen der Horden an Hillary-Hassern zur schlimmsten Schlammschlacht aller Zeiten werden. Besonders brutal könnte es werden, sollte “9/11-Bürgermeister” Rudy Giuliani ihre Republikaner-Gegner werden: Zwischen den beiden flogen schon im Jahr 2000 beim Senatswahlkampf die Fetzen.

# 22. Jänner: Hillarys Gegner

Es dauerte nur Minuten, bis Hillarys Hauptgegner in den Demokraten-Primaries, Senats-Kollege Barack Obama (45), auf ihre Kandidaturankündigung reagierte: “Ich sehe sie weniger als Konkurrentin als als Alliierte in dem Kampf, das Land wieder auf Kurs zu bringen”. Schöne Worte, doch der Wahlkampf innerhalb der Demokraten wird brutal werden: Durch seine Kandidatur-Ankündigung letzte Woche hat Obama Fronrunnerin Hillary bereits massiv unter Druck gesetzt – Hillary, so Insider, hätte sich lieber länger Zeit gelassen. Hillary wird gegen Obamas tolles Charisma Fragen über seine Erfahrenheit als Hauptwaffe einsetzen, so Strategen: In Interviews freute sie sich auf eine Debatte unter den Wählern, vor allem auch “über die Erfahrung der Kandidaten”. Obama ist erst seit zwei Jahren Senator. Ein Gerangel zwischen Hillary und Obama wird es auch beim Geldsammeln geben: beide grasen bei ähnlichen Sympathisanten in Hollywood und New York. Neben einer Liste eher aussichtsloser Kandidaten könnte Ex-Senator John Edwards, Kerrys “Running Mate” 2004, für eine Überraschung sorgen. Ex-Vize Al Gore kommt in den Umfragen auf Platz 4, doch er hat bisher eine Kandidatur ausgeschlossen.

# 22. Jänner: Ist Bill Segen oder Fluch?

Der “Bubba-Faktor – Segen oder Fluch?” titelte das rechte Massenblatt “New York Post”: “Bubba” ist der Spitzname von Ex-Präsident Bill Clinton, Polit-Genie und Sex-Süchtiger zugleich – und jetzt der Mann an der Seite Hillarys bei ihrer historischen Kandidatur für das Oval Office. Kaum das Privatleben eines Politikerehepaares wurde so massiv durchleuchtet wie das der Clintons, besonders seit Bill der Oralsexskandal mit der Praktikantin Monica Lewinsky 1998 fast das Amts kostete. Bill ist, als größtes Polit-Talent einer Generation, Hillarys Geheimwaffen als inoffizieller Chefstratege. Dazu kann sie auf sein Netzwerk superreicher Freunde beim Spendensammeln zurückgreifen. Doch es bleibt die Angst: Gerüchte über neue Sex-Skandale könnten Hillarys Hoffnungen zunichte machen. Die Alarmglocken schrillten vor allem vor zwei Jahren, als Bill an der Seite der Frank-Tochter und Kanada-Politikerin Belinda Stronach mehrmals gesichtet worden war.

# 21. Jänner: Obama for President

Hillarys vielleicht größte Hürde am Weg ins Weiße Haus ist der telegene und rhetorisch brillante Aufsteiger Barack Obama, der am Mittwoch seine Kandidatur für das Oval Office verkündete: Obama wird wegen seines unglaublichen Charismas mit Ex-Präsident Bill Clinton oder JFK verglichen, zuletzt schaffte es der Feschak – Sohn eines Kenianers und einer weißen Mutter aus Kansas – mit einem Bild seines durchtrainierten Körpers sogar in die Celebrity-Foto-Sektion des US-Magazins “People”. Und Obama setzt Hillary bereits zu: Im wichtigen Primaries-Bundesstaat New Hampshire hat er mit 23 zu 19 Prozent Hillary bereits überholt, so eine letzte Umfrage, national liegt sie nur mehr knapp voran. Trotzdem hat Obama Aufholbedarf an vielen Fronten: In seiner Kriegskasse liegen gerade fünf Prozent der Summen, auf die Hillary jetzt schon zurückgreifen kann. Obama muss die Superreichen Hollywoods und New Yorks überzeugen, dass er das Zeug fürs Oval Office hat. Dazu ist Obama mit 45 Jahren der jüngste Kandidat im wachsenden Feld der White-House-Aspiranten, mit bloß zwei Jahren im US-Kongress als “Junior Senator” des Bundesstaates Illinois hat er limitierte Polit-Erfahrung. Politologen warnen, dass ihn der erste Fehltritt oder Skandal leicht aus der Bahn werfen könnte: Den Konsum von Kokain als Jugendlicher hat er in einer Bio schon zugegeben, Fragen wirft auch eine Immobilien-Deal in Chicago auf.

21. Jänner: 5. Kriegsflotte vor Irans Küste

Schon das Säbelrasseln gegen den Iran in der kürzlichen TV-Ansprache von US-Präsident George W. Bush wegen der “Einmischung in den Irak”, so Bush, hatte Amerika schockiert. Doch nun warnen Experten, dass die seit Jahren im Pentagon laufenden Planungsarbeiten (OPLAN) für Militäroperationen gegen Teheran als Art Verzweiflungsschlag der unter Druck geratenen Bush-Regierung realisiert werden könnten. “Ich habe die Planungen gesehen”, schockte Nahost-Experte Wayne White, der bis 2005 in der Geheimdienstabteilung des US-Außenamts werkte, gegenüber der Agentur Reuters: Es ginge nicht nur um chirurgische Luftschläge, sondern um die komplette Zerstörung der iranischen Kriegsinfrastruktur, “die Luftwaffe, U-Boote, Raketenbasen”.
Zuletzt hatte Bush die “Fünfte Kriegsflotte”, inklusive einem Flugzeugträger, in strategische Positionen nahe des Mullah-Staates gebracht. Bereits wird spekuliert, dass Bush seine jährliche “State of the Union”-Rede für weitere Kriegshetze gegen Teheran verwenden dürfte: Auch den Krieg gegen den Irak hatte Bush im gleichen Forum bereist 2002 angekündigt. Aufdeckungs-Journalist Seymour Hersh rüttelte die Nation bereits im Jahr 2005 auf, als er über Geheimkommandos berichtete, die längst innerhalb des Irans Ziele für Bombardierungen ausspähen würden. Für weitere Aufregung sorgte das Durchsickern von Pentagon-Planspielen, wonach auch der Einsatz taktischer Atomwaffen gegen Irans Nuklear-Anlagen diskutiert werde. Denn die Uran-Anreicherungsanlage in Natanz, zentral für Teherans geplanten Bau einer A-Bombe, ist durch konventionelle Bomben kaum zerstörbar: Sie liegt acht Meter tief im Fels und hinter 2,5 Meter dicken Stahlbetonwänden. Die Demokraten sind gegen Bush wegen der drohenden Iran-Eskalation bereits in Stellung gegangen: “Der Präsident hat keinerlei Kongress-Autorisation für Militärschläge gegen den Iran”, so Senats-Mehrheitsführer Harry Reid.

# 21. Jänner: Hillary: „I am in, to win!“

“I´m in!” (Ich bin dabei!) prangte Samstag plötzlich auf der Website von Hillary Rodham Clinton: Die knappe Botschaft signalisierte den Einstieg der Ex-First-Lady und New-York-Senatorin in die Schlacht um die Nachfolge von George Bush im Oval Office 2008. In einer Video-Botschaft auf “HillaryClnton.com” forderte die 59-jährige die “korrekte Beendigung” von Bushs Irak-Debakel, eine “Wiederherstellung von Amerikas Reputation rund um die Welt” sowie eine Erneuerung des “Amerikanischen Traumes”.
Die US-Medien, die seit Jahren wegen der Jahrhundertstory einer Hillary-Kandidatur und der Chance auf die erste Frau im Oval Office rotieren, überschlagen sich seither: Und mit dem ungewöhnlichen Timing ihrer Ankündigung, so der Moderator des TV-Senders NBC Joe Scarborough, schaffte sie es, zum Top-Thema in den Polit-Talkshows und auflagenstärksten Zeitungen am Sonntag zu werden.
Wie sieht Hillarys möglicher Weg zurück ins White House aus? Die Senatorin erwartet eine harte Vorwahlrunde in den Demokraten-Primaries gegen Senatskollegen Barack Obama, der als “farbiger Kennedy” für Euphorie sorgt (siehe Kasten). Sollte sei die schaffen, wartet am ehesten einer der Republikaner-Matchos, Vietnamheld John MCCain oder “9/11-Bürgermeister” Rudy Giuliani, auf sie. Doch nur eines ist heute sicher: Es werden, sollte sie zur Demokraten-Kandidatin gekürt werden, 22 qualvolle Monate bis zum Urnengang Anfang November 2008. Hillary-Hasser dürften ihren Wahlkampf in die teuerste und wüsteste Schlammschlacht wohl aller Zeiten verwandeln.
Hillarys Plus ist: Sie hat schon heute 14,4 Millionen Dollar in ihrer Kriegskasse, dazu, auch aufgrund des Netzwerkes ihres Ex-Präsidenten-Gatten Bill Clinton “praktisch unbegrenzte Möglichkeiten, Geld zu sammeln” (Scarbourough). Und mit acht Jahren im White House als Topberaterin ihres Gatten und über sechs Jahren im Senat hat sie enorme politische Erfahrung – dazu mit ihrem Ehemann das vielleicht größte Politgenie der US-Geschichte am Frühstückstisch sitzen.
Doch innerhalb der Demokraten wird auch bange gefragt: Ist Amerika reif für seine erste Präsidentin, noch dazu die polarisierende Hillary, die laut dem US-Magazin “Time” von der Hälfte der US-Bürger “geliebt”, von der anderen “gehasst” wird. “Fast alle Amerikaner haben sich ihre Meinung über Hillary bereits gebildet”, so Gallup-Boss Frank Newport zu ÖSTERREICH: “Das ist ihre größte Hürde”.

# 20. Jänner: Eine Frau fürs Oval Office

Hillary Rodham Clinton, 59, wollte den Amerikanern wohl einen Vorgeschmack liefern, wie es wäre, wenn sie als erste Frau in der US-Geschichte die Supermacht führen würde: Im Irak traf sie sich mit Generälen, Zivilverwaltern, Mitgliedern der Irak-Regierung, reiste weiter nach Afghanistan zu Gesprächen über die Stabilisierung des Landes, konferierte mit Pakistans Präsident Pervez Musharraf, forderte nach ihrer Rückkehr die Entsendung eines US-Sondergesandten, um die Spannungen zwischen den beiden Staaten zu entschärfen. Im Hillary-Fieber in den US-Medien wurde die als hochkarätig gepriesene Nahost-Mission von Außenministerin Condoleezza Rice fast zur Fussnote.
Seit Jahren wird über “Hillary for President” in der Weltpresse aufgeregt spekuliert – doch nun nimmt die Jahrhundert-Story Konturen an: In den nächsten Tagen, schlimmstenfalls Wochen, so brodelt die Gerüchteküche in der US-Kapitale Washington, dürfte Hillary, Ex-First-Lady und erfolgreiche New-York-Senatorin, ihr Antreten für die Schlacht um das Oval Office zur Nachfolge des “Alptraum-Präsidenten” (Der Spiegel) George Bush bekanntgeben.
Gut vorbereitet ist die längst:
# 14 Millionen Dollar liegen in der Kriegskasse, eine bestens geölte Spendensammel-Maschinerie durch ein Netzwerk sympathisierender Superreicher (darunter auch viele “Friends of Bill” ihres Ex-Präsidenten-Gatten) sorgt für Nachschub fast auf Knopfdruck;
# Ihre Wahlkampfbüros hat sie nach ihrem Senats-Wiederwahltriumph im November mit 67 zu 31 Prozent nie aufgelöst, “Hillaryland”, so der Spitzname ihrer Operatipn, beschäftigt 35 Politprofis, Meinungsforscher, Strategen, Medienleute und Fundraiser-Experten;
# In den letzten Wochen führte sie dutzende Gespräche mit hochkarätigen Demokraten über ihre Chancen, potentielle Wahlkampfthemen, aber auch politische Sprengfallen, in die sie tappen könnte.
Insgesamt ist Trend ist auf Hillarys Seite: Frauen sind in der US-Politik am Vormarsch, obwohl die Politik den gesellschaftlichen Realitäten zunehmender Gleichberechtigung noch hinterherhinkt, wie Ex-US-Botschafterin in Wien, Swanee Hunt, gegenüber ÖSTERREICH erklärt: “In Sachen politischer Frauenrechte sind wir im Weltranking auf den beeindruckenden 67. Platz vorgeprescht”, sagt die heutige Schöpferin globaler Frauenprojekte sarkastisch. Immerhin, Nancy Pelosi ist seit dem Demokraten-Wahltriumph bei den “Midterm”-Kongresswahlen als erste “Madam Speaker” Chefin des 435-köpfigen Repräsentantenhaus. Und die so resolute wie liberale Pelosi, 66, Kongress-Abgeordnete aus San Franzisko seit 20 Jahren und Mutter von fünf Kindern, ist näher am Oval Office als jemals eine Frau zuvor: Laut US-Verfassung übernimmt der “Speaker” die Macht, sollte Präsident und Vize ausfallen (siehe Kasten).
Für Hunt ist das nach Madeleine Albright als erste Außenministerin ein weiterer Meilenstein am Weg zum ultimativen Polit-Preis für Frauen, dem Oval Office, der mächtigsten Polit-Position am Planeten Erde: Auch deshalb scheint Euphorie und Medienhype über Hillarys wahrscheinliches Antreten keine Grenzen zu kennen. Chancen hat sie gute: Zunächst muss sie sich in den Demokratenvorwahlen (“Primaries”) gegen den farbigen Demokraten-Shootingstar Barack Obama, der kürzlich seine Kandidatur ankündigte, durchsetzen. Das dürfte eine harte Vorrunde werden: Denn der als “schwarzer JFK” umjubelte Vollblutpolitiker hat laut jüngster “Rasmussen”-Umfrage mit 21 zu 22 Prozent fast mit Hillary gleichgezogen (noch vor Wochen hatte sie mit 37 zu 17% deutlich geführt). Doch das Hillary-Camp hofft, dass ihre Erfahrung und Geldsammelmaschinerie letztendlich den Ausschlag geben werden. Im Rennen gegen die möglichen Republikanergegner, Vietnam-Kriegsheld John McCain oder “9/11-Bürgermeister” Rudy Giuliani, hat sie laut Umfragen gleichgezogen. Es wird eine Tortur, keine Frage: Rechte Hillary-Hasser werden die historischen Wahlkampf in eine der wüstesten Schlammschlachten aller Zeiten verwandeln.
Doch zuvor will der Star der Demokraten Bushs sturem Irak-Kurs effektiv Paroli bieten: “Wir brauchen endlich einen Kurswechsel im Irak”, donnert sie nach ihrer Rückkehr aus der Bürgerkriegshölle Bagdads. Sie sprach sich vehement gegen den Bush-Plan aus, 21.500 zusätzlich GIs zu entsenden, und forderte sogar Truppen-Obergrenzen, um eine Eskalation des “gescheiterten Krieges” zu verhindern. Wie knallhart Hillary auch in den bereits begonnenen Irak-Hearings im Senat sein wird, demonstrierte sie einst mit einer Tirade gegen den bereits geschassten Verteidigungsminister Donald Rumsfeld: “Nichts was Sie jemals angekündigt haben ist eingetroffen”, wetterte sie: “Warum sollen wir Ihnen noch ein Wort glauben?”
Doch zu streng darf sie nicht wirken, denn ihr größtes Handikap ist, dass sie von Wechselwählern als zu harsch angesehen wird. Wegen Hillarys Potential zur Wählerpolarisierung (“Love her, hate her”, titelte zuletzt “Time”) macht sich neben aller Euphorie auch Skepsis unter Demokraten breit, ob sie tatsächlich im konservativen Amerika die Sensation schaffen könnte: “Sie ist die erste Frau, die sich für das Oval Offive bemüht und sie ist Hillary Clinton”, sagte Parteistratege Dick Harpootlian zur Agentur AP: “Das sind unüberwindbare Hürden”. Ihr Stab kontert: Sie hätte in New York auch in der konservativen Provinz gepunktet und bei ihrer Senatswiederwahl 73 Prozent (!) der Frauenstimmen eingefahren.
Als ich nach einem Hillary-Auftritt in Manhattan Bürger befrage, gehen die Meinungen weit auseinander. Ein ältere Frau, die ihren Namen nicht verraten will, schimpft: “Sie ist viel zu liberal, ich mag weder ihre Politik noch sie als Person”. “Sie ist intelligent, charmant und kümmert sich um Dinge, die wichtig sind, wie Gesundheitsvorsorge oder Jobsicherheit”, sagt hingegen die 22-Jährige Studentin Alison Kelly als North Carolina. Nachsatz: “Meine Stimme hat sie sicher”.

# 19. Jänner: Titanic Bush – verlassen von der eigenen Partei

“Der Kollaps” titelte das Onlinemagazine “Slate” über einem Bild von US-Präsidenten George W. Bush mit gesenktem Kopf, nachdem sich im Kongress wegen seinen Eskalationsplänen im Irak eine regelrechte Republikaner-Revolte zusammenbraut. Untertitel: “Verlassen von seiner eigenen Partei”. Tatsächlich: Republikaner-Senator und Vietnam-Veteran Chuck Hagel – einer der vehementesten Bush-Kritiker in Sachen Irak-Politik – präsentierte gemeinsam mit den demokratischen Mehrheitsführern im Kongress eine Resolution, die sich gegen Bushs geplante Truppenverstärkungen um 21.500 GIs ausspricht. Obwohl die Resolution Bush nicht stoppen kann, soll sie den immer stärker unter Druck geratenden Präsidenten weiter isolieren und bloßstellen. Die Abstimmung soll nächsten Dienstag erfolgen, genau wenn Bush seine “State of the Union”-Rede hält. Demokraten-Präsidentschaftshoffnung Hillary Clinton, gerade zurück aus dem Irak, forderte zusätzlich ein Gesetz zur Begrenzung der Truppenzahlen im Irak. “Es ist Zeit für einen Kurswechsel”, polterte die Senatorin. Kalifornien-”Governator” Arnold Schwarzenegger hat inzwischen eine höchst populistische Lösung gefunden: Er fordert eine Truppenabzug, aber erst nach einem Sieg der Amerikaner – eine Szenario, das Experten für wenig realistisch halten.

# 19. Jänner: Neue Vorwürfe gegen die Bawag


Aus New York kommen neue Details über den Refco-BAWAG-Wirtschaftskrimi, nachdem sich die Staatsanwaltschaft in Lower Manhattan in einer überarbeiteten Anklageschrift gegen Ex-Refco-Boss Phillip Bennett und zwei Mitangeklagte in die Betrügereien des gefallenen US-Investmenthauses und der Austro-Bank weiter vertiefte. Unter den Enthüllungen:
# Wie Refco die durch Investment-Flops des Finanzjongleurs Wolfgang Flöttl angefallenen Löcher in der BAWAG-Bilanz versteckte: 350 Millionen Euro hätte, so das Dokument (Zahl: S3 05 Cr. 1192), die BAWAG durch einen “Investment-Berater” (Flöttl) durch Spekulationen 2000 verloren. “Um den Verlust zu verschleiern, verschob Refco die Beträge auf eines seiner Konten und legte sie in wertlosen Anleihen oder sonstige Investments an, deren fiktiver Gesamtwert über die Zeit 500 Millionen Euro erreichte”, so die US-Staatsanwälte. Die BAWAG hätte durch die “Phantom-Bonds” (US-Medien) bilanztechnisch bis 2005 profitiert.
# Die 55-seitige Anklage zeigt auch, wie die BAWAG fingierte Kredite zum Verstecken der Refco-Schulden vor den Rechnungsprüfern in der Höhe von insgesamt 1,4 Milliarden Dollar erteilte, “ein Betrag, höher als bisher bekannt”, so Prozessbeobachter in den USA. Jeweils zum Ende der Jahresbilanz borgte die BAWAG Refco zwischen 2000 und 2004 jeweils meist 300 Millionen Dollar, um Außenstände kurzfristig zu abzudecken und deren Existenz zu verheimlichen. Deshalb wurden nicht einmal die üblichen Kreditformular ausgefüllt, so die Ermittler.
Gleichzeitig investierte die BAWAG in mehreren Transaktionen in 2003 und 2004 467 Millionen Dollar in Refco, erhielt dafür die Rechte für 47% des Erlöses beim Refco-Verkauf an die Investmentfirma “Thomas H. Lee Partners”. Als Lee 2004 die Mehrheit an Refco um 1,9 Milliarden Dollar erwarb, erhielt die BAWAG 842 Millionen Dollar – doch die ganze Lee-Transaktion kam freilich nur unter dem Vorspielen falscher Tatsachen zustande, da der Schuldenberg mit BAWAG-Hilfe aus den Büchern geräumt worden war.
Die BAWAG, kürzlich an den US-Hedge-Fond “Cerberus” verkauft, hat sich per 675-Millionen-Dollar-Vergleich von einer Strafverfolgung durch die “Feds” freigekauft. Doch die neuen Details vom East River werden sicher die Ankläger-Kollegen in Wien interessieren, die den Bawag-Riesenprozess gegen Ex-Boss Helmut Elsner, Banker Flöttl und sieben weitere Bawag-Bosse vorbereiten. Die schlechte Nachricht für Elsner & Co: Je mehr sich die US-Ermittler in den Krimi vertiefen, desto haarsträubender scheint das kriminelle Ausmaß des internationalen Finanzskandals.

# 18. Jänner: Wer ist Barack Obama?

Schon die Art und Weise, wie der farbige Shooting-Star der Demokraten, Senator Barack Obama, seine Kandidatur zur Bush-Nachfolge 2008 ankündigte, verdeutlichte seine größte Stärke: Frischen Wind in die Schlacht um das White House zu bringen. Fast wie ein Teenager auf U-Tube stellt er einen Videoclip auf seine Senats-Homepage, erklärte, leger mit offenem Hemdkragen, dass er ein Explorationskomitee gründen werde, als ersten Schritt vor der offiziellen Ankündigung seines Wahlkampfes am 10. Februar.
Der telegene und rhetorisch brillante Obama, von US-Medien als “schwarzer JFK” bezeichnet und größtes Polit-Talent seit Ex-Präsident Bill Clinton, zeigte sich in dem Statement selbst überrascht, dass ihn derart viele zu einer Kandidatur ermunterten und versprach ein neue Politik: “Trotz all unserer Probleme haben sich die Politiker in Washington unfähig gezeigt, zusammenzuarbeiten”, so Obama. Nichts würde durch den Einfluss von Geld und Lobbyisten weitergehen, fuhr er fort: “Wir alle sind hungrig nach einem neuen Zeitalter in der Politik”.
Obama, in Honolulu, Hawaii, als Sohn eines kenianischen Vaters und einer weißen Mutter aus Kansas geboren, ist eines der faszinierendsten Polit-Märchen der jüngeren US-Geschichte: Als einfacher Senator des Bundesstaates Illinois wurde er als Hauptsprecher am Parteitag von Oval-Office-Kandidaten John Kerry 2004 in Boston praktisch über Nacht zum Superstar, zum Hoffnungsträger der Demokraten.
Doch Obama, verheiratete mit der bildhübschen Anwältin Michelle und Vater zweier Kids, Malia (7) und Sasha (5), muss die Amerikaner vor allem überzeugen, dass er, 45-Jährig, nicht zu jung und mit, bloß zwei Jahren im US-Senat, nicht zu unerfahren ist, vor allem in Kriegszeiten, die Bush seinen Nachfolgern hinterlassen wird.
Gefragt wird auch, ob Amerika reif für seinen ersten schwarzen Präsidenten sei. Obama, der in den Demokraten-Vorwahlen wohl gegen Senatskollegin Hillary Clinton antritt (siehe Interview), kann vor allem durch seinen konsistenten Widerstand gegen Bushs Irak-Debakel punkten: “Dieser Krieg hätte nie geführt werden dürfen”, wetterte er.
Obama liegt in Umfragen noch deutlich hinter Hillary zurück, zuletzt national 17% zu 37%, doch halten Politologen ein Aufholen für denkbar.

# 18. Jänner: Obama sammelt Millionen

Punkt eins an der Tagesordnung des frischgebackenen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama: Geldsammeln. Denn hier liegt Obama noch weiter hinter seiner wahrscheinlichen Hauptgegnerin in den Demokraten-Vorwahlen, Hillary Clinton, zurück als in den Umfragen: Hillary hat, nach ihrem mit 35 Millionen Dollar teuersten Senatswahlkampf in den US-Geschichte, immer noch 14,4 Millionen Dollar in ihrer Wahlkampfkriegskasse, Obama dagegen fast mickrige 756.000. Experten erwarten, dass viele der Kandidaten, vor allem die Republikaner Rudy Giuliani und John McCain schon bis zum Start der Primaries im Jänner 2008 an die 100 Millionen Dollar sammeln könnten.
Hillary hat ein gut geöltes Netzwerk an Spendern installiert, dass weitgehend auf der regelrechten Sammel-Maschinerie von Gatten Bill aufbaut – am wichtigsten dabei die Superreichen New Yorks und Hollywoods. Obama muss sich an ähnliche Spender wenden, und könnte, so ein Report der “L.A. Times”, Hillary vor allem innerhalb der sehr liberalen Players der Unterhaltungsindustrie in Los Angeles – inklusive Supermarktmagnat Ron Burkle, sowie die Hollywood-Moguls Haim Saban und Stanley Bing – Spenden streitig machen: Die Linken nehmen Hillary immer noch ihre anfängliche Unterstützung für Bushs Irakkrieg übel, einen Waffengang, den Obama von Anfang an verdammte. In New York könnte deshalb Obama auch bei Superinvestor George Soros abräumen, der in den letzten Jahren Millionen in linke Gruppen, die Bush mit TV-Spots bekämpften, steckte.

# 17. Jänner: O.J.: „If I Did It!“

Kaum hatte sich der Sturm der Entrüstung über das Buch “If I Did It” von Ex-Footballstar O.J. Simpson gelegt, wo er den Doppelmord an seiner Ex-Frau Nicole Brown und deren Freund Ron Goldman im Konjunktiv beschreiben hatte wollen, sorgt eine neues O.J.-Buchprojekt für Schlagzeilen: Diesmal will der 1995 in einem Jahrhundertprozess des Doppelmordes freigesprochene Simpson das Leben mit seiner ermordeten Frau beschreiben, berichtet der US-Fernsehsender ABC. Angeblich sei das neue Buch-Projekt “geschmackvoller”, so seine Anwälte: “Es wird eine spannende Abhandlung seines Lebens mit Nicole”. “If I Did It” war kurz vor der Publikation nach einem Aufschrei in der Öffentlichkeit eingestampft worden, die Herausgeberin Judith Regan sogar gefeuert worden. Das US-Magazin “Newsweek” hat nun jedoch die Mordnacht-Passage veröffentlicht: Demnach hätte er sie zu Hause mit Freund Goldman überrascht, sie hätte ihn wie eine “Todesfee” attackiert und dann wären die Dinge “ordentlich schiefgelaufen”, wie genau, könne er nicht beschreiben. Nach einem “Blackout” hätte er sich mit einem blutigen Messer wiedergefunden, so das Buch-Exzerpt.

# 17. Jänner: Verfassungsänderung für Arnie?

Darf Kalifornien-”Governator” Arnold Schwarzenegger doch noch US-Präsident werden? Die Hürden scheinen fast unüberwindbar – doch nach seinem Wiederwahltriumph scheint immerhin wieder Schwung in die Debatte zu kommen, durch eine Verfassungsänderung auch Nicht-in-den-USA-Geborenen die Kandidatur für das Oval Office zu ermöglichen. Zuletzt setzte sich die Zeitung “L.A. Times” in einem Leitartikel für eine Änderung der Gesetze ein, da die alten Bestimmungen “überholt” seien und es eigenartig sei, dass Arnie als “derart erfolgreichen und ambitionierten Politiker” eine Kandidatur verwehrt bleibe. Eine Verfassungsänderung war unter dem Titel “Arnold´s Law” 2005 bereits im US-Kongress andiskutiert worden, doch dann, als Arnies Popularität kurzfristig stürzte, wieder eingeschlafen.

# 16. Jänner: Inside Bushs Kopf

In dem Interview in der populären TV-Nachrichten-Sendung “60 Minutes” wollte US-Präsident George W. Bush eigentlich das Volk von seinen Irak-Plänen, inklusive Truppenerhöhungen von 21.500 GIs, überzeugen. Doch wie seine Fernsehansprache an die Nation ging auch diese Offensive in die Hosen: Gealtert, demoralisiert, einsam und starrsinnig sah der einst so selbstherrliche “Kriegspräsident”, wie er sich nennt, aus, als er mit dem Reporter durch den Wald rund um den Wochenendsitz “Camp David” schritt: Nachdem er Fehler in Serie in Sachen Irak-Invasion zugab stellte er klar, dass es trotzdem im Irak volle Kraft voraus heißt – notfalls gegen den Willen praktisch aller.
“Natürlich verstehe ich, dass sie mich stoppen wollen”, sagte Bush in Anspielung auf die wütenden Proteste aus dem nun von den Demokraten kontrollierten US-Kongress trotzig: “Aber ich habe meine Entscheidung getroffen – und wir marschieren vorwärts”.
Mit “George, allein zu Hause” könnte die Einsamkeit des “Commander-in-Chief” im Oval Office beschrieben werden. Die Liste jener, mit denen sich Bush & Co in diesem “historischen Showdown” (L.A. Times) auf Konfrontationskurs befindet, wird immer länger:
# 66 % der Bürger lehnen laut CNN-Umfrage Bushs neue Irak-Strategie komplett ab;
# die Demokraten, die durch den Frust der US-Bevölkerung über die Irakkriegs-Katastrophe (über 3.000 Tote GIs, 360 Milliarden Dollar Kosten) bei den “Midterm”-Kongresswahlen im Herbst an die Macht gespült wurden, starteten mit Hearings die Phase der brutalen Abrechnung mit Bushs sturer wie stümperhafter Kriegspolitik;
# Dazu sieht sich Bush einer Revolte innerhalb seiner eigenen Republikaner-Partei ausgesetzt: Senator Chuck Hagel nannte die Bush-Pläne als “schlimmsten außenpolitischen Murks seit Vietnam”, dutzende weitere Abgeordnete “springen vom sinkende Schiff ab”, schrieben US-Medien;
# Auch die Irak-Regierung, denen der Löwenanteil der neuen Offensive gegen Aufständische und Todesmilizen zufällt, verweigern bisher die Kooperation, berichtete die “New York Times”.
Für die Stars der Demokraten bietet sich auch eine gute Chance, sich mit Anti-Bush-Tiraden zu profilieren: New-York-Senatorin Hillary Clinton, deren historische Präsidentschaftskandidatur immer wahrscheinlicher wird, absolvierte eine Fact-Finding-Mission in die Kriegsregion und bezeichnete die Lage im Irak als “herzzerreißend” (siehe auch Story Seite ??). Ihr Rivale, der farbige Shootingstar Barack Obama, wetterte im US-TV, dass Bush endlich “die Hände gebunden werden müssen”.
Doch so einig die “Dems” in ihrer Opposition zu den Bush-Plänen sind, so sehr streiten sie, wie er gestoppt werden kann:
# Im Senat beginnt in den nächsten Tagen die Debatte über eine “nicht-bindende”, also symbolische Resolution gegen Bushs Irak-Pläne. Dadurch soll der Druck auf Bush erhöht und die Republikaner gezwungen werden, Farbe zu bekennen;
# Doch viele Demokraten scheuen noch davor zurück, mit dem Zudrehen des Geldhahnes, wie von Parteilinken á la Ted Kennedy verlangt, aktiv in die Irakkriegspolitik einzugreifen.
Dazu wächst die Sorge, das Bush als Verzweiflungsschlag mit dem Iran eine neue Front eröffnen könnte – nachdem die Drohungen gegen Teheran täglich schriller werden: Hartnäckig weigert sich das White House, Militärschläge auszuschließen, behauptet sogar, eine Autorisation durch den Kongress dafür zu haben, was die Dems dort vehement verneinen. “Es geht die Angst um, dass wir langsam in einen Krieg gegen den Iran schlittern könnten”, so TV-Kommentator Chris Matthews.

# 13. Jänner: Bush: „Gebt mir eine letzte Chance!“

In dem Interview in der populären TV-Nachrichten-Sendung “60 Minutes” wollte US-Präsident George W. Bush eigentlich das Volk von seinen Irak-Plänen, inklusive Truppenerhöhungen von 21.500 GIs, überzeugen. Doch wie seine Fernsehansprache an die Nation ging auch diese Offensive in die Hosen: Gealtert, demoralisiert, einsam und starrsinnig sah der einst so selbstherrliche “Kriegspräsident”, wie er sich nennt, aus, als er mit dem Reporter durch den Wald rund um den Wochenendsitz “Camp David” schritt: Nachdem er Fehler in Serie in Sachen Irak-Invasion zugab stellte er klar, dass es trotzdem im Irak volle Kraft voraus heißt – notfalls gegen den Willen praktisch aller.
“Natürlich verstehe ich, dass sie mich stoppen wollen”, sagte Bush in Anspielung auf die wütenden Proteste aus dem nun von den Demokraten kontrollierten US-Kongress trotzig: “Aber ich habe meine Entscheidung getroffen – und wir marschieren vorwärts”.
Mit “George, allein zu Hause” könnte die Einsamkeit des “Commander-in-Chief” im Oval Office beschrieben werden. Die Liste jener, mit denen sich Bush & Co in diesem “historischen Showdown” (L.A. Times) auf Konfrontationskurs befindet, wird immer länger:
# 66 % der Bürger lehnen laut CNN-Umfrage Bushs neue Irak-Strategie komplett ab;
# die Demokraten, die durch den Frust der US-Bevölkerung über die Irakkriegs-Katastrophe (über 3.000 Tote GIs, 360 Milliarden Dollar Kosten) bei den “Midterm”-Kongresswahlen im Herbst an die Macht gespült wurden, starteten mit Hearings die Phase der brutalen Abrechnung mit Bushs sturer wie stümperhafter Kriegspolitik;
# Dazu sieht sich Bush einer Revolte innerhalb seiner eigenen Republikaner-Partei ausgesetzt: Senator Chuck Hagel nannte die Bush-Pläne als “schlimmsten außenpolitischen Murks seit Vietnam”, dutzende weitere Abgeordnete “springen vom sinkende Schiff ab”, schrieben US-Medien;
# Auch die Irak-Regierung, denen der Löwenanteil der neuen Offensive gegen Aufständische und Todesmilizen zufällt, verweigern bisher die Kooperation, berichtete die “New York Times”.
Für die Stars der Demokraten bietet sich auch eine gute Chance, sich mit Anti-Bush-Tiraden zu profilieren: New-York-Senatorin Hillary Clinton, deren historische Präsidentschaftskandidatur immer wahrscheinlicher wird, absolvierte eine Fact-Finding-Mission in die Kriegsregion und bezeichnete die Lage im Irak als “herzzerreißend” (siehe auch Story Seite ??). Ihr Rivale, der farbige Shootingstar Barack Obama, wetterte im US-TV, dass Bush endlich “die Hände gebunden werden müssen”.
Doch so einig die “Dems” in ihrer Opposition zu den Bush-Plänen sind, so sehr streiten sie, wie er gestoppt werden kann:
# Im Senat beginnt in den nächsten Tagen die Debatte über eine “nicht-bindende”, also symbolische Resolution gegen Bushs Irak-Pläne. Dadurch soll der Druck auf Bush erhöht und die Republikaner gezwungen werden, Farbe zu bekennen;
# Doch viele Demokraten scheuen noch davor zurück, mit dem Zudrehen des Geldhahnes, wie von Parteilinken á la Ted Kennedy verlangt, aktiv in die Irakkriegspolitik einzugreifen.
Dazu wächst die Sorge, das Bush als Verzweiflungsschlag mit dem Iran eine neue Front eröffnen könnte – nachdem die Drohungen gegen Teheran täglich schriller werden: Hartnäckig weigert sich das White House, Militärschläge auszuschließen, behauptet sogar, eine Autorisation durch den Kongress dafür zu haben, was die Dems dort vehement verneinen. “Es geht die Angst um, dass wir langsam in einen Krieg gegen den Iran schlittern könnten”, so TV-Kommentator Chris Matthews.

# 12. Jänner: Der „Surge“

Die TV-Rede von US-Präsident George W. Bush war eigentlich gedacht, mit einen letzten Anlauf die Amerikaner durch die Präsentation eines neuen Schlachtplanes – 21.500 mehr GIs, 1,2 Milliarden Dollar Wirtschaftshilfe – für seinen Irakkrieg zu gewinnen. Doch mit dem erstmaligen Zugeben von Fehlern, als er Anfangs zu wenig Truppen schickte, beschleunigt er seinen Untergang: “Dafür übernehme ich die volle Verantwortung”, so ein sichtlich ramponierter Bush. Es war ein erstaunlicher Moment für den einst selbstherrlichen Oberkommandierenden, der bisher Kriegskritiker als Weicheier denunzierte.
Die Reaktionen auf die 20-minütige Rede fielen verheerend aus: “Sorry… Aber ich schicke 21.500 mehr von euch in den Krieg”, fasste das Massenblatt “New York Daily News” die Stimmung im Land zusammen. “Der Präsident zerrt uns weiter am falschen Pfad entlang”, eröffnete Demokraten-Star Hillary Clinton das Feuer: “Die Amerikaner wollen endlich einen Kurswechsel”. In Serieninterviews erklärten die “Dems” ihre Position: Nur durch einen stufenweisen Truppenabzug können die Iraker derart unter Druck gesetzt werden, sodass sie das Heft in die eigene Hand nehmen.
Dazu kommt eine Rebellion gegen Bush in seiner eigenen Republikaner-Partei: Zwei Senatoren stellten sich bereits offen gegen Truppenerhöhungen. Die Dems wollen nun durch eine symbolische Kongress-Abstimmung über den Bush-Plan seine Parteifreude zwingen, Farbe zu bekennen. Schärfere Aktionen, wie das Zudrehen des Geldhahnes, könnten in diesem Showdown “epischer Dimensionen”, so die “New York Times”, folgen.
TV-Kommentatoren schüttelten nach der Rede fassungslos den Kopf: Hingewiesen wurde, dass selbst nach dem “Surge” die Gesamtzahl der US-GIs mit 153.000 niedriger ist als 2005, als das Abrutschen in den Bürgerkrieg begann. Hinzu kommt, dass die Truppen selbst im Irak nicht einmal erwünscht seien. Alarmglocken schrillten wegen Bushs Drohungen gegen den Iran: “Er droht mit der Kriegsflotte statt einen Dialog zu beginnen”, so Kommentator Chris Matthews: “Das ist eine gefährliche Eskalation”.

11. Jänner: Bushs Eskalation des Irakkrieges

US-Präsident George Bush plant – wie er in einer TV-Ansprache aus dem Oval Office einer skeptischen Nation Mittwoch Abends erläutert – eine massive Eskalation des nun fast vier Jahre dauernden Irak-Krieges: Fünf zusätzliche Brigaden, 20.000 Soldaten, sollen in brutalen Haus-zu-Haus-Kämpfen mit Aufständischen und Todesmilizen die Sieben-Millionen-Einwohner-Metropole Bagdad “zurückerobern”, 4.000 weitere GIs werden in die sunnitische Unruheprovinz Anbar entsandt. Ab November jedoch, so will Bush auch den Druck auf Iraks Premier Nuri al-Maliki erhöhen, soll die Verantwortung für die Sicherheit aller Provinzen an irakische Truppen übergeben werden.
Der Widerstand gegen Bushs neuen Irak-Plan formiert sich an allen erdenklichen Fronten – vor allem unter den neuen Herrschern im US-Kongress, den Demokraten: Nancy Pelosi, Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus, verdammte in einem Radio-Interview Bushs Plan als “Verzweiflungsschlag”: “Er hat im Irak komplett versagt”, wetterte sie: “Die Amerikaner wollen endlich einen Kurswechsel”. Der Präsident gefährde mit seiner Sturheit Amerikas Sicherheitsinteressen, da die Armee am Zermürbungskrieg im Irak “zerbreche”, so Pelosi. Generäle warnten, dass die US-Streitkräfte Bushs neue Truppenwünsche nur mit Müh und Not erfüllen können: 435.000 Soldaten haben bereits zwei bis drei Einjahres-Kampfeinsätze hinter sich.
Senatoren-Legende Ted Kennedy will per Gesetzesantrag Bush dazu zwingen, sich die Irak-Eskalation vom Kongress absegnen zu lassen: “Keine weiteren Truppen ohne unser explizites O.K.”, donnerte Kennedy vor der Weltpresse. Dazu planen die Demokraten eine Serie von Gesetzesinitiativen gegen den Bush-Plan. Das Ziel: Die Republikaner sollen gezwungen werden, Farbe zu bekennen, um eine Revolution innerhalb der Bush-Partei zu provozieren. Erst dann sollen brutalere Schritte erwogen werden, wie das Zudrehen des Geldhahnes.
16 Mal hat sich Bush in seiner Amtszeit per Primetime-TV-Rede an die Amerikaner gewandt, doch so schwer war es wohl noch nie: 61% der Bürger sind gegen die Entsendung zusätzlicher GIs in die Bürgerkriegshölle, 74% lehnen Bushs Irak-Politik komplett ab. Ein Grund dafür sind auch die eskalierenden Kosten: Nach Ausgaben von 500 Milliarden Dollar für Bushs Antiterrorkriege werden “hunderten weitere folgen”, warnte auch der US-Rechnungshof.

# 10. Jänner: Krieg um den Krieg

Es herrscht Krieg über den Krieg in Washington: US-Präsident George W. Bush, der Mittwoch Abends in einer TV-Rede eine Eskalation des Irak-Krieges durch Truppenverstärkungen um 20.000 GIs verkünden wird, läuft in ein Sperrfeuer aus dem US-Kongress. Die neue Demokraten-Chefin des Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, will Bush gar den Geldhahn zudrehen: “Wir unterstützen die Truppen, die jetzt im Irak sind – bei Zusätzlichen hat Bush enormen Erklärungsbedarf”. Senatoren-Legende Ted Kennedy fordert sogar das Einholen einer komplett neuen Kongress-Genehmigung für das Fluten der Bürgerkriegshölle in Bagdad mit noch mehr GIs: “Der Präsident ignoriert den Willen der Amerikaner nach einem Kurswechsel – er muss gestoppt werden”.
Die Verweigerung der Kriegsfinanzierung – in Kürze wird das Pentagon um weitere 100 Milliarden Dollar ansuchen (Gesamtkosten für Bushs Antiterrorkrieg bisher: 500 Milliarden) – ist der einzige Weg, wie die Dems Bush als Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte stoppen könnten. Doch das politische Risiko ist dabei enorm: Leicht kann den Dems vorgeworfen werden, kämpfende US-Truppen im Stich zu lassen – eine Art Dolchstoß-Legende, die für die um die Bush-Nachfolge 2008 kämpfenden Demokraten á la Hillary Clinton zum Eigentor werden könnte.
Um den Druck auf Bush weiter zu erhöhen, starten noch diese Woche Kongress-Irak-Hearings in Serie: Durchleuchtet werden sollen Kriegslügen, die unfassbare Inkompetenz beim Wiederaufbau sowie Kriegsgewinnler-Vorwürfe an US-Firmen mit Verbindungen ins White House. Das Volk haben die Dems auf ihrer Seite: 63% wollen laut jüngster Gallup-Umfrage, dass sie “die Richtung im Land vorgeben”. Bloß 32% wollen das von Bush.
Die Wut über Bushs sturen Kurs steigt unterdessen: “Entweder ist er zynisch, und will das Eingestehen der unabwendbaren Niederlage seinem Nachfolger überlassen”, so New-York-Times-Kolumnist Paul Krugman: “Oder er glaubt wahnhaft an einen Sieg – wie ein Kasino-Spieler, der seine Einsätze am Weg in den Ruin immer mehr erhöht”.

# 6. Jänner: Governator II

Arnold Schwarzenegger (59) ist nach seinem Oberschenkelbruch beim Schifahren ausgerechnet zu seiner Angelobung für die Amtszeit “Governator II” stark gehandikapt – doch Ambitionen, Rhetorik und Pomp der Mega-Party in der Kalifornien-Kapitale Sacramento (Kosten: Eine Million Dollar) sollen alles überstrahlen: “Wie wird das Kalifornien der Zukunft aussehen?”, ruft er in die Menge tausender Festgäste im “Memorial Auditorium”, seine Familie, JFK-Nichte Maria Shriver und die vier Kids, Katherine (17), Christina (15), Patrick (13) und Christopher (9) hängen an seinen Lippen: “Unser Volk wird sich guter Gesundheit erfreuen, da wir die Luft säuberten, ihre Kinder eine exzellente Ausbildung erhalten, da wir in Schulen investierten, Krankheiten heilbar sein, da wir Führer in der Stammzellenforschung wurden”.
Herauszuhören sind aber auch Seitenhiebe des Republikaners gegen US-Präsident George Bush: “Keine einzelne Ideologie kann die wichtigen, vor uns liegenden Probleme lösen”, donnert Arnie: “Wir brauchen die besten Ideen und kreatives Denken von allen und ein Ende des Verharren in der Vergangenheit”. Arnie wird den 38-Millionen-Einwohner-US-Bundesstaat, zugleich die sechstgrößte Volkswirtschaft der Erde, bis 2010 regieren.
Seine Agenda ist ehrgeizig:
# Nach Gesetzen zur Reduzierung der Treibhausgase um 25 Prozent bis 2020 sollen nun konkrete Schritte zur Umsetzung folgen: 95 Millionen Dollar hat Arnie bereits in die Forschung für Alternativenergien gesteckt, dazu kommen Börsen zum Handel mit Treibhausgasen und Sparmaßnahmen;
# Arnie will nach einem vorübergehenden Hinrichtungsstopp durch einen Bundesrichter, die Methode der Giftinjektion durch ein Expertengremium verbessern lassen. Eine Abkehr ist nicht zu erwarten.
# Hinzu kommen massive Infrastrukturprojekte, alles von Schulen, Bahnen, Straßen und Dämme sowie eine Programm, dass 6,5 Millionen unversicherte Bürger zu einer Krankenversicherung verhelfen soll.

# 4. Jänner: Kongress reloaded

Die neue Ära in Washington nach der Machtübernahme der Demokraten in beiden Kammern des US-Kongresses nach 12 Jahren Republikanerherrschaft beginnt heute mit einem hundertstündigen Feuerwerk an Angelobungen, Reden und ersten Gesetzesinitiativen. Die “Dems” mit ihren Superstars Hillary Rodham Clinton im 100-köpfigen Senat und Nancy Pelosi als erste “Madam Speaker” des 435-köpfigen Repräsentantenhaus sehen sich aber auch prompt auf Kollisionskurs mit US-Präsident George W. Bush, der nächste Woche unter dem gestern durchgesickerten Slogan “Surge and Excellerate” (Verstärken und Beschleunigen) eine Truppenerhöhungen im Irak um 30.000 Mann verkünden will. Bush ignoriert damit den Willen der US-Bürger, die seiner Republikaner-Partei wegen dem Irakdebakel bei den “Midterm”-Wahlen eine klare Abfuhr erteilten und wird einen “politischen Feuersturm lostreten”, so TV-Kommentator Chris Matthews: “Die Amerikaner wollen raus aus dem Irak und hoffen auf die Demokraten”. Die können Bush zwar nicht stoppen, doch als Mehrheit fortan die Themen für die Kongressanhörungen (“Hearings”) festsetzen, um den Druck zu erhöhen. Thema Nr. 1: Der Irak. Senator Joe Biden wird als neuer Vorsitzender des Außenpolitikausschuss Außenministerin Condoleezza Rice vorladen, im Militär-Ausschuss muss bereits nächsten Donnerstag Verteidigungsminister Robert Gates dem scharfzüngigen Vorsitzenden Carl Levin Rede und Antwort stehen. Pelosi plant inzwischen rasche Erfolge bei Gesetzen, die der unter Bush ignorierten Mittelklasse zugute kommen, darunter eine Anhebung der Mindestlöhne und günstiger Studienkredite. Zu einer 180-Grad-Politkehrtwende wird es auch in Sachen Umwelt kommen, nachdem die liberale Kalifornierin Barbara Boxer den zuständigen Ausschuss übernimmt, sowie im Sozialbereich mit Legende Ted Kennedy als neuen Ausschuss-Chef, einem der erbittertsten Bush-Gegner.
Hillary Clinton hingegen, die gleich in vier wichtigen Senats-Komitees sitzt, wird sich bei ihrer Oppositionsarbeit natürlich auch für künftige Ambitionen profilieren wollen: Ihrer geplanten Kandidatur für das Oval Office 2008. Vor allem im Militärausschuss hat sie ihrer Kritik an der Ausführung des Irak-Krieges, den sie einst unterstützte, bei Showdowns mit Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld freien Lauf gelassen. Sie hat sich jedenfalls klar gegen Truppenerhöhungen ausgesprochen: “Im Irak gibt es keine militärische Lösung”, sagte sie, “sonder nur eine politische”.

# 4. Jänner: Pomp zu Arnies Inauguration

Sänger von Paul Anka, José Feliciano bis Donna Summer, halb Hollywood, 10.000 Festgäste auf Bällen, Empfängen, Parties und sogar einem Open-Air-Volksfest – der wiedergewählte “Governator” Arnold Schwarzenegger lässt es zur Angelobung für Amtszeit II ordentlich krachen. Die Megaparty beginnt heute und hat am Freitag, mit dem neuerlichen Ablegen des Amtseides im “Memorial Auditorium” in Sacramento, ihren Höhepunkt. Einziger Wermutstropfen: Arnie wird nach seinem Oberschenkelbruch bei einem Skisturz mit Krücken erscheinen. Doch es regt sich auch Kritik am Pomp: Nur eines von sechs Festen ist für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Dazu wurden Millionen für die teuerste Inaugurationsparty in der Kaliforniengeschichte von 60 Großfirmen gesammelt, der Öl-Multi Chevron etwa spendeten 50.000 Dollar. Die würden versuchen, sich Arnies Wohlwollen zu erkaufen, so Kritiker.

# 4. Jänner: 2 Frauen gegen Bush

Hillary Rodham Clinton, 59, steht vor den vielleicht turbulentesten Jahren ihres Lebens. So widmete die New-York-Senatorin die Feiertage der puren Entspannung: Mit Sonnenhut und Badeschlapfen in der Hand schlenderte sie im aprikotfarbenen, luftigen Leinenhemd Händchen haltend mit Gatten Bill durch den weißen Sand des Karibikparadieses von Anguilla. An Komfort sollte es nicht Fehlen: Der Preis pro Nacht für die Villen im schicken “Covecastles”-Ressort startet bei 2.300 Dollar.
Zu bereden gab es bei den Strandspaziergängen genug: Soll sie in die Schlacht um das Oval Office 2008 einsteigen, eine zweijährige Tortur bis an die Grenzen des Zumutbaren, besonders nachdem durch rechte Hillary-Hasser eine der wüstesten Schlammschlachten aller Zeiten droht? Und wie kann sie als größter Star der Demokraten, die durch eine Wählerrevolte gegen den im Irak-Debakel versinkenden Präsidenten George W. Bush bei den “Midterm”-Wahlen an die Macht im US-Kongress gespült wurden, dem sturen Irak-Kurs des “Kriegspräsidenten” effektiv Paroli bieten?
Wenn die Demokraten heute offiziell die Kontrolle beider Kongress-Kammern übernehmen kann Hillary als treibende Kraft im 100-köpfigen Senat auf eine zweite starke Frau zählen: Nancy Pelosi, die als erste “Madam Speaker” in der 230-Jährigen US-Geschichte den Vorsitz im 435-köpfigen Repräsentantenhaus übernimmt. Es sind zwei starke Frauen gegen Bush – und die Erwartungshaltungen sind hoch: Der erteilte Wählerauftrag umfasst alles von der Sehnsucht nach einer Rückkehr der GIs aus der Irak-Hölle bis zum Aufräumen des korrupten Kongresses. “Wir werden die Ärmel aufkrempeln”, sagte Hilary selbstbewusst.
Notiert wird aber auch, dass mit den beiden Demokraten-Powerfrauen nun auch in den USA langsam die Politik den gesellschaftlichen Realitäten zunehmender Gleichberechtigung folgt. Auch wenn es ein weiter Weg ist, wie Ex-US-Botschafterin in Wien, Swanee Hunt, erklärt: “In Sachen politischer Frauenrechte sind wir im Weltranking auf den beeindruckenden 67. Platz vorgeprescht”, sagt die heutige Schöpferin globaler Frauenprojekte sarkastisch. Immerhin, die resolute, liberale Pelosi, 66, eine Kongress-Abgeordnete aus San Franzisko seit 20 Jahren und Mutter von fünf Kindern, ist näher am Oval Office als jemals eine Frau zuvor: Laut US-Verfassung übernimmt der oder die Vorsitzende des Repräsentantenhauses (“Speaker”) die Macht, sollte Präsident und Vize ausfallen.
Für Hunt ist das nach Madeleine Albright als erster Außenministerin ein weiterer Meilenstein am Weg zum ultimativen Polit-Preis für Frauen, dem Oval Office, der mächtigsten Polit-Position am Planeten Erde: Auch deshalb scheint Euphorie und Medienhype über Hillarys als praktisch sicher geltende Kandidatur keine Grenzen zu kennen. Vor allem auch weil sie gute Chancen hat: Zunächst dürfte sie sich in den Demokratenvorwahlen (“Primaries”) trotz dem Aufstieg des farbigen Senatskollegen Barack Obama durchsetzen, zuletzt führte sie in vier wichtigen Vorwahlstaaten. Im Rennen gegen die möglichen Republikanergegner, Vietnam-Kriegsheld John McCain oder “9/11-Bürgermeister” Rudy Giuliani, hat sie gleichgezogen.
Doch vorher wird sich Hillary im Senat als knallharte Gegenspielerin zu einem immer entrückteren Präsidenten in Szene setzen: Die Demokraten haben fortan den Vorsitz in dem vor allem in Sachen Irakkrieg zentralen Außenpolitik-Ausschuss und planen weitreichende Hearings zum Irakkrieg, ähnlich denen während des Vietnam-Debakels, die damals die Nation im Atem hielten. Hillary hatte, zwar nicht Vorsitzende doch unbestrittener Star des Gremiums, zuletzt vor allem gegen den bereits geschassten Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Zähne gezeigt und eine Vorgeschmack auf künftige Tiraden gegen Mitglieder von Bushs Kriegskabinett geliefert. “Nichts was Sie jemals angekündigt haben ist eingetroffen”, wetterte sie: “Warum sollen wir Ihnen noch ein Wort glauben?”
Eine ähnliche Abrechnung ist unter Pelosi im Kongress-Unterhaus zu erwarten. Gerne erzählt die stets in eleganten Gucci-Kostümen auftretende Politikerin: “Ich hatte fünf Kinder in sechs Jahren – ich weiß wie man sich durchsetzt”. Falls sie bei Debatten im Stimmengewirr unterzugehen droht, verwendete sie, wie sie oft scherzt, ihr “Mutter-von-Fünf”-Organ, um sich Gehör zu verschaffen. Doch die Demokraten werden die Bush-Abrechnung nicht übertreiben wollen, so Politologen, um sich ihre Chancen bei der Wahlschlacht um seine Nachfolge 2008 nicht zu verderben: Das Betreiben eines Amtsenthebungsverfahrens (“Impeachment”) gegen Bush wurde bereits ausgeschlossen.
Hillarys größtes Handikap ist ohnehin, dass sie von Wechselwählern als zu harsch angesehen wird. Wegen Hillarys Potential zur Wählerpolarisierung (“Love her, hate her”, titelte zuletzt “Time”) macht sich neben aller Euphorie auch Skepsis unter Demokraten breit, ob sie tatsächlich im konservativen Amerika die Sensation schaffen könnte: “Sie ist die erste Frau, die sich für das Oval Offive bemüht und sie ist Hillary Clinton”, sagte Parteistratege Dick Harpootlian zur Agentur AP: “Das sind unüberwindbare Hürden”. “Hillaryland”, wie ihr bereist 35-köpfiger Stab genannt wird, kontert: Sie hätte in New York auch in der konservativen Provinz gepunktet und bei ihrem Senatswahltriumph 73 Prozent (!) der Frauenstimmen eingefahren.
Als ÖSTERREICH nach einem Hillary-Auftritt in Manhattan Bürger befragt, gehen die Meinungen weit auseinander. Ein ältere Frau, die ihren Namen nicht verraten will, schimpft: “Sie ist viel zu liberal, ich mag weder ihre Politik noch sie als Person”. “Sie ist intelligent, charmant und kümmert sich um Dinge, die wichtig sind, wie Gesundheitsvorsorge oder Jobsicherheit”, sagt hingegen die 22-Jährige Studentin Alison Kelly als North Carolina. Nachsatz: “Meine Stimme hat sie sicher”.

# 3. Jänner: Marschbefehl

Volle Kraft voraus heißt es wohl bei der mit Spannung erwarteten, neuen Irak-Strategie von US-Präsident George W. Bush: Mitte nächster Woche, so der Britensender BBC, wolle Bush die neuen Kriegspläne ausrollen, die Truppenverstärkungen von 8.000 bis 30.000 Mann zu den heute 140.000 im Irak stationierten GIs vorsehen dürfte. Der neue Plan, getauft schwülstig “a new way forward” (ein neuer Weg vorwärts) könnte auch weitere Milliarden an Wiederaufbauhilfe beinhalten. Mit dem neuen Irak-Plan, der zu den Empfehlungen der “Baker-Kommission” im kompletten Widerspruch steht, provoziert Bush einen Showdown mit den Demokraten, die am Donnerstag offiziell nach ihrem “Midterm”-Wahltriumph die Macht im US-Kongress übernehmen: Der Star im Senat, New-York-Senatorin Hillary Clinton, hat sich bereits strikt gegen die Entsendung weiterer Truppen ausgesprochen: “Es gibt keine militärische Lösung im Irak sonder nur eine politische“, sagte sie. Geplant sind auch Senats-Hearings zu Bushs Irak-Debakel, ähnlich der während des Vietnam-Krieges, die die Nation in Atem hielten. Die Heimatfront ist für Bush ebenfalls komplett weggebrochen: Über 70 Prozent sind laut jüngsten Umfragen gegen den Irakkrieg, eine überwältigende Mehrheit will einen Truppenabzug. Dazu hat die Opferzahl die 3.000er-Marke überschritten – und auch in finanziell wird Bushs Irakabenteuer immer mehr zum Fass ohne Boden: 100 Milliarden Dollar fordert das Pentagon für 2007, heuer werden die Kosten des Irakkriegs die von Vietnam mit 580 Milliarden übersteigen. Ein Nachbeben hat auch die hastige Hinrichtung Saddam Husseins: “Die hätte ein Meilenstein werden sollen”, so TV-Kommentator Tim Russert: “Doch was die Amerikaner sahen war ein blutdürstiger und rachsüchtiger Lynch-Mob, für den es sich kaum lohnt, US-GIs zu opfern”.