# 27. Februar: Hersh deckt auf: Wie Bush Al-Kaida unterstützte


Die Regierung unter US-Präsident George W. Bush soll über eine geheimes Programm zur Finanzierung von Geheimdienst-Operationen gegen die schiitische Terror-Bewegung Hisbollah im Libanon indirekt auch Al-Kaida nahestehende Organisationen unterstützen, deckte US-Starreporter Seymour Hersh auf: “Wir zahlen indirekt an Gruppen, die verwickelt sind mit jenen, die 9/11 angerichtet haben”, sagte Hersh.
Die Enthüllungen sind Teil eines breiteren Dossiers im Magazin “The New Yorker”, das wegen neuer Details über das rasante Fortschreiten der US-Planungen für mögliche Militärschläge gegen den Iran die Welt weiter in Atem hält. Die Spannungen zwischen Washington und Teheran sind am Montag gestiegen, nachdem die US-Armee ein Depot mit Waffen iranischer Bauart nördlich von Bagdad fand, darunter Sprengsätze, Raketen und Mörsergranaten.
Pulitzer-Preisträger Hersh liefert in seinem Report eine, einem Agententhriller gleichende Story: Bush & Co würden Gelder ohne Bewilligung des Kongresses an Gegner des wachsenden schiitischen Einflusses im Nahen Osten schicken, darunter die Libanon-Regierung unter Premier Fouad Siniora, um ihm im Machtkampf gegen die Hisbollah zu unterstützen.
“Am ehesten kommt das Geld aus Budgets, die für den Irak vorgesehen sind”, so Hersh. Die Gelder würden aber auch bei drei radikalen Sunnitengruppen landen, “die Verbindungen zu Al-Kaida haben”. Der Skandal erinnert nicht nur an “Iran-Contra”, der wegen der illegalen Finanzierung von Todesschwadronen in Nicaragua Präsident Ronald Reagan fast den Kopf kostete, sagt Hersh. Es gibt auch handfeste Verbindungen: Wie bei Iran-Contra kamen für die Geheimoperationen Finanzmittel auch aus Saudiarabien. Zwei der Chefarchitekten der neuen Strategie, Saudi-Prinz Bandar bin Sultan und der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater, Elliott Abrams, waren auch bei Iran-Contra Schlüsselspieler. Und noch brisanter: John Negroponte sei, so Hersh, als Oberster Geheimdienstchef (“Director of National Security”) wegen der “Schatten von Iran-Contra” aus Gewissensgründen zurückgetreten. Negroponte war während des Iran-Contra-Skandals US-Botschafter in Nicaragua.
Hersh forderte nach der Enthüllung eine “sofortige Untersuchung des Kongresses” wegen der geheimen Zahlungen an Al-Kaida-nahe Terror-Gruppen. Der von Demokraten kontrollierte Kongress könnte mit U-Ausschüssen den Skandal in Bushs Iran-Contra verwandeln, so Kommentatoren.

# 26. März: Bereitet die USA Militärschläge gegen Teheran vor?

Die Planungsarbeiten für US-Militärschläge gegen den Iran laufen auf Hochtouren, berichtet Aufdecker-Legende Seymour Hersh im Magazin “The New Yorker”. Eine “Spezielle Planungsgruppe” innerhalb des Pentagon-Generalstabes hätte demnach seit dem Vorjahr mögliche Bombenziele für massive Luftschläge festgelegt. In den letzten Monaten jedoch, beruft sich Hersh auf Geheimdienstquellen, sei der Plan verfeinert worden und soll innerhalb von 24 Stunden nach einem Angriffsbefehl durch US-Präsident George W. Bush exekutierbar sein.
In den Bombenplan sollen zuletzt auch Ziele inkludiert worden sein, “die bei der Unterstützung von iranischen Operationen innerhalb des Irak eine Rolle spielen”, so der Reporter. Die US-Geheimdienste suchten dazu fieberhaft nach iranischen Waffen und Agenten, die in die Tötung von US-GIs verwickelt sein könnten – Beweise für einen möglichen Krieg. US-Agenten seien bei dieser massiven Jagd sogar oftmals in den Iran vorgedrungen, mehrere hunderte Iraner aufgegriffen und ausgequetscht worden, so Hersh.
Bush hat seit Jahresbeginn zusehends martialische Töne gegen Teheran verbreitet. Dies sei Teil einer völlig neuen Nahoststrategie der Amerikaner, schreibt Hersh: Der wachsende Einfluss des Iran und Syrien in der Region solle dabei, notfalls militärisch, gebrochen werden. Als Architekten der neuen Politik werden Vize Dick Cheney, der US-Botschafter im Irak, Zalmay Khalizad und Saudiarabiens Top-Sicherheitsberater Prinz Bandar bin Sultan genannt.
Zwei US-Flugzeugträger, die “Eisenhower” und “Stennis”, liegen bereits vor der Iranküste. Hersh schreibt über Indizien, dass sie bei der geplanten Ankunft der Schiffe, die sie im Frühjahr ablösen sollen, auch bleiben könnten. Das Pentagon hat den Hersh-Report als “bösartig” zurückgewiesen.

# 25. Februar: Hype um die Oscars!

Mit allem Pomp wird Hollywoods globales Filmimperium nicht nur sein größten Talente und schillerndsten Stars bei den 79. jährlichen “Academy Awards”, besser bekannt als Oscars, feiern, sondern auch sein Comeback – nachdem Anfangs 2006, dem Beginn des heute gefeierten Oscar-Jahres, durch Serienflops am Box Office und Paranoia über eine digitale Zukunft voller Internet-Raubkopien die Stimmung in Tinseltown am Nullpunkt angelangt war.
Jetzt geht es mit den Umsätzen wieder aufwärts (plus 15% in den letzten 12 Monaten) – und es ist ein neues Hollywood, dass sich nun selbstbewusst präsentiert:
# Mit dem globalen Thriller “Babel” in gleich fünf Sprachen und Schauplätzen auf drei Kontinenten, dem spanischen Horrormärchen “Pans Labyrinth” mit sechs Nominierungen oder Helen Mirren als britische Monarchin in “The Queen” ist die Filmszene internationaler denn je. Gleich fünf Afroamerikaner sind für die Toppreise nominiert.
# Dazu waren alle fünf für den “Best Film” nominierten Streifen praktisch außerhalb des milliardenschweren Hollywood-Systems als unabhängige Produktionen mit Minibudgets gedreht worden. Die Studios sprangen erst mit ihren Millionen beim Vertrieb ein. Bestes Zeichen für das Jahr der “Independents”: Martin Scorsese, der Pate des “unabhängigen Kinos”, so Branchenkenner, ist einer der heuer recht spärlichen Top-Favoriten für den Oscar als bester Regisseur.
# Und mit der Klima-Doku “An Inconvinient Truth” könnte Al Gore einen wahrlich einzigartiger Karriere-Sprung vom Ex-US-Vizepräsidenten zum Oscar-Preisträger schaffen.
Wenig geändert haben sich die Superlativen des pompösen Megafestes, dessen Produktion mit 30 Millionen so viel kostet wie ein Blockbuster: Über 40 Millionen Amerikaner und hunderte weitere Millionen in 106 Staaten werden gebannt die von Kult-Komödiantin Ellen DeGeneres moderierte Drei-Stunden-Show verfolgen. Die endlose Parade praktisch aller Hollywood-Größen über den legendären “Red Carpet” vor 133 akkreditierten Fotojournalisten ist mit den sündteueren Designer-Traumkleidern gleichzeitig die glamouröseste Fashionshow der Erde und Trendsetter des Jahres, ein “Superbowl des Style”, wie Designer schwärmen. Drinnen folgen dann vor 3.300 Festgästen im glitzernden “Kodak Theatre” Festgästen die oft tränenreichen Dankesreden für den Empfang der insgesamt 24 goldverzierten Statuen, für alles vom besten Film bis zum cleversten Drehbuch (5.380 wahlberechtigte Mitglieder der “Academy” stimmten ab). Bei den Megafesten – vom traditionelleren “Governor´s Ball” bis zur trendigen “Vanity Fair”-Party – feiert Hollywood bis in den Morgenstunden.
Und richtig spannend soll es heuer auch noch werden. Den kaum in der Geschichte der Oscars gab es ein derartiges Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen gleich so vielen Filmen: Praktisch alle nominierten “Best Picture”-Streifen, “Babel”, “The Departed”, “Letters from Iwo Jima”, “Little Miss Sunshine” oder die “The Queen” haben realistische Chancen, den Top-Preis einzukassieren, so Filmkritiker. Schon vor der Nominierung hatten sich Dramen würdig einer eigenen Hollywood-Produktion abgespielt, als die von den Studios als Oscar-Abräumer konzipierten Streifen implodierten: “The Good German” mit Megastar George Clooney geriert zum Rohrkrepierer, “The Good Shepherd” versetze “die Zuseher in Tiefschlaf”, wie das US-Fachblatt “Entertainment Weekly” ätzte und Megafavorit “Dreamgirls” erhielt zwar acht Oscar-Nominationen, aber keine für den besten Film.
Nun schlägt die Stunde der Underdogs: Dabei war The Queen eher als Bühne für Schauspielwunder Helen Mirren gedacht; Babel wegen seiner mickrigen Ergebnisse am Box Office zu früh abgeschrieben worden – und die mit acht Millionen Dollar Low-Budget-Komödie Little Miss Sunshine scheint sich ohnehin irgendwie ins Kodak Theatre verirrt zu haben. Der Thriller The Departed war selbst vom den Promotern keinesfalls als “Oscar-Film” definiert worden – was möglicherweise aber auch “eine Art Doppel-Bluff” gewesen sein könnte, wie Kritiker heute vermuten.
Auch in anderen Kategorien ist es unübersichtlich denn je:
# Als “Best Actors” liegen Will Smith (The Pursuit of Happyness), Ryan Gosling (Half Nelson), Leonardo DiCaprio (Blood Diamond), Forest Whitaker (The Last King of Scottland) und Peter O´Toole (Venus) laut “Entertainment”-Prognose Kopf an Kopf mit vielleicht Whitaker als leichten Favoriten;
# bei den besten Schauspielerinnen gilt es für Meryl Streep (The Devil Wears Prada), Penélope Cruz (Volver), Judi Dench (Notes on a Scandal) und Kate Winslet (Little Children) vor allem Helen Mirren (The Queen) zu schlagen;
# in “Supporting”-Rollen werden die beiden Dreamgirls-Stars Jennifer Hudson und Eddie Murphy als Favoriten geführt, und als bester Regisseur könnte es nach sieben erfolglosen Oscar-Nominierungen Scorsese endlich schaffen.
Die Millionengeschäfte, das “Business of Oscar”, rund um die begehrtesten Preise der Filmwelt ist atemberaubend. Die Studios geben 25 Millionen Dollar pro nominierten Streifen allein für die Oscar-Promotion aus: Die Stars geben Serien-Interviews oder sitzen in Talk-Shows, “und wenn Best-Actor-Nominee Forest Whitaker in mehr Orten auftaucht als Präsident George Bush”, so die Zeitung “New York Daily News”, “dann ist auch das alles kein Zufall”. Oft artet der Showdown zwischen den Unterhaltungs-Giganten in regelrechten Schlammschlachten aus, fast jener in der Politik würdig. Legendär sind die Ringkämpfe zwischen den beiden Qualitätsstudios Dreamworks und Miramax samt gefürchteter Flüster- und Rufmordkampagnen.
Die beiden heuer mit je zwei “Oscar-Filmen” führenden Studios “FOX Searchlight” und “Paramount” rangelten vehement um die besten Platzierungen ihrer PR-Botschaften. Fox ließ sogar einen klapprigen VW-Bus, gleichaussehend wie der in der schrulligen Komödie Little Miss Sunshine durch L.A. kurven. “Die Oscar-Übertragung ist wie ein dreistündiger Werbespot für die Filmindustrie”, erläutern Filmanalysten. Und oft zahlt es sich aus: Dreamworks Fünffach-Oscargewinner “American Beauty” scheffelte 60 Millionen zusätzliche Dollar nach der triumphalen Nacht.
#Genauso keilen auch die Designer um die Stars, die ihre Kreationen einer globalen Millionenpublikum präsentieren: Das Engagement von “Hotties” wie Reese Witherspoon oder Jennifer Hudson zählt etwa als totaler Coup und kann die Umsätze der Modehäuser gleich um 10 bis 15% nach oben schrauben. Den Designern macht es deshalb wenig aus, Kleider im Wert von 100.000 Dollar an Stars einfach zu verschenken.
Der Medienevent des Jahres könnte heuer auch zur Sternstunde für die schnelleren Web-Reporter werden. Nachdem schon bei den “Golden Globes” allein die Website des Magazins “People” 47 Millionen Zugriffe verzeichnete (20 Millionen hatten den Event im TV verfolgt), rüsteten die großen US-Medienhäuser ihre Webauftritte mit mehr Blogs, Videos und interaktiven Umfragen massiv auf. Firmen zahlen bereits Millionenbeträge als Sponsoren für Web-Spezialberichte, wie der Kosmetikriese L´Oreal etwa auf “VanityFair.com”. Und erstmals wird das Magazin, Gastgeber der wichtigsten Oscar-Afterparty seit 1994, Fotos via Internet bereits veröffentlichen, während die Party noch in Gang ist.
Die neue Coolness der Oscars schlägt auch bis zur Partyszene durch: Die Innenausstattung beim einst recht formellen “Governor´s Ball” gleicht heute mit der lockeren Anordnung an Couches und Sitzecken eher dem Firmensitz des Internetgiganten “Google”. Starkoch Wolfgang Puck ließ 14 “interaktive Küchen” einrichten, wo die Chefs direkt vor den Stars aufkochen. “Die Küche ist heuer der Wohnraum”, schwärmte Puck über das Konzept. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im unter Governator Arnold Schwarzenegger immer ökofreundlicheren Kalifornien auf organischer Kost.
Doch viele der Superstars halten sich wegen der Armada an Papparazzis bei den Riesenfeten, die Top Drei sind “Governors Ball”, die “Vanity Fair”-Party und Elton Johns “AIDS-Foundation”-Fest, ohnehin nur kurz auf und flüchten – auch das ist ein neuer Trend – zu kleineren, bloß durch Mundpropaganda beworbenen Parties. Nach den “Golden Globes” etwa hatten die meisten Stars bei der Privatparty von Sängerstar Prince im “Beverly Hilton”-Hotel gefeiert.

# 25. Februar: Hillary und Obama rangeln um die Hollywood-Millionen


Eigentlich sollte ganz Hollywood über die heute vergebenen Oscars reden – doch der brutale Showdown zwischen den beiden Demokraten-Stars Hillary Clinton und Barack Obama um die Millionen der Filmmogule sorgt für fast noch mehr Gesprächsstoff. Die beiden Favoriten in den Demokraten-Vorwahlen (“Primaries”), in denen Anfang 2008 der Kandidat oder die Kandidatin für das Antreten zur finalen Schlacht um das Oval Office gekürt wird, hatten sich die letzten Tage derart heftig beflegelt, dass Kolumnisten bereits stöhnen: Wie soll das Land eine derartige Schlammschlacht 21 Monate bis zur Kür des Bush-Nachfolgers im November nächsten Jahres verkraften?
Die Vorgeschichte: Hollywood-Mogul David Geffen hatte in einem Interview Bill und Hillary Clinton deftig beschimpft, ihn als “rücksichtlos”, sie als “zu polarisierend” und beide als “Lügner” bezeichnet. Hillary attackierte jedoch nicht Geffen sondern Rivalen Obama, der sich am gleichen Tag in Geffens Villa mit der halben Hollywood-Elite zum Spendensammeln traf und 1,3 Millionen Dollar einfuhr. Er solle das Geld von “Rufmörder” Geffen zurückgeben, so das Hillary-Camp. Obama sei ein “Heuchler”, wenn er saubere Politik predige und dann Geld von jemanden nehme, der “persönliche Zerstörung” betreibe. Obama ätzte zurück, dass die Clintons einst keine Probleme hatten, 18 Millionen von Geffen einzustreifen, als sie noch Freunde waren und er gar im “Lincoln Bedroom” des Weißen Hauses übernachten durfte.
Der überraschenden Amoklauf Hillarys, die bis vor kurzem als “praktisch unschlagbar” in den Primaries gewertet wurde, wird als Zeichen der Nervosität gewertet. Tatsächlich müssen die Bilder von der Geffen-Party weh getan haben: Obama, wegen seiner Jugend und Charisma als “farbiger JFK” getauft, an der Seite von Tom Hanks und Morgan Freeman, Gattin Michelle neben Jennifer Aniston. Hollywod galt als Hillarys wichtigster Geldhahn.
Der Start von Hillarys historischer Präsidentschafts-Kandidatur sorgt auch an anderen Fronten für Kopfschütteln unter Polit-Beobachtern: Zuletzt hatte sie sich in einen Kleinkrieg um die Debatte über ihre Senatsstimme in 2002 zur Autorisation des Bush-Irakkrieges eingelassen, als sie sich weigerte, sich dafür bei der Parteibasis zu entschuldigen. Hillary will wohl vermeiden, 2008 als wankelmütig, ihre Meinung nach den Wind hängend, angreifbar zu sein (die “Flip-Flop-Debatte” hatte 2004 John Kerry die Wahl gekostet). Doch diese Strategie sei nach hinten gerichtet, wettert Time-Kolumnist Joe Klein: “Warum kann sie nicht sagen, dass sie damals danebengehaut hat?”

25. Februar: Ist Arnie ein Hillary-Fan?

Trotz aller Enttäuschungen in Hollywood scheint Präsidentschaftshoffnung Hillary Clinton einen unerwarteten Fan gewonnen zu haben: “Governator” Arnold Schwarzenegger. Die ganze Debatte um ihre Stimme zur Autorisierung des Irakkrieges sei völlig nebensächlich, so der Republikaner in einem Interview mit dem neuen Polit-Internetportal “The Politico”: “Sie soll an ihren bisherigen Errungenschaften im Senat gemessen werden”. Und genau dort, im Senat könnte Arnie nach Ablauf seiner zweiten, und wegen Zeitlimits letzten Gouverneurs-Amtszeit 2011 auch landen: Denn er schloss eine Fortführung seiner Politkarriere im Senat oder anderen öffentlichen Positionen erstmals nicht mehr kategorisch aus. “Ich will mir alle Optionen offen halten”, sagte er. Nur eines verneinte Arnie klar: Gattin Maria habe keinerlei Ambitionen, ihm ins Gouverneurs-Büro in Sacramento nachfolgen zu wollen: “Sie hat großartige politische Instinkte”, sagte Arnie, “doch keiner Interesse, in die Politik einzusteigen”. Zuletzt war in Kalifornien heftig über das mögliche Entstehen einer Schwarzenegger-Polit-Dynastie spekuliert worden.

22. Februar: Briten ziehen aus dem Irak ab

Das White House reagierte auf die Ankündigung eines stufenweisen Abzuges britischer Soldaten aus dem Irak mit einem besonders dreisten Dreh: “Wir sind sehr befriedigt”, erklärte der Sprecher des US-Präsident George W. Bush in Kriegsfragen beratenden “National Security Council”, Gordon Johndroe, “dass sich die Lage in Basra ausreichend verbessert hat, sodass den Irakern mehr Kontrolle übertragen werden kann”. Bush selbst, von Briten-Premier Tony Blair am Dienstag per Telefonat höchstpersönlich vom Abmarsch aus dem Irak informiert, sehe, so Johndroe, darin ein “Zeichen eines Erfolges”. Denn wenn die US-GIs Bagdad durch ihre Großoffensive Bagdad befriedet hätten, könnten auch sie mit dem Abzug beginnen.
Doch Bush & Co sind recht einsam mit ihrer rosigen Sichtweise: Die “Breaking News” aus der Kapitale ihres engsten Irak-Verbündeten schlugen in der TV-Hauptsendezeit Dienstag Abends wie ein Bombe ein. “So einsam waren wir noch nie”, wetterte Polit-Kommentator Joe Scarborough am TV-Sender NBC. Der innenpolitische Druck auf Bush, der nach der Verabschiedung einer Resolution im Repräsentantenhaus gegen seine neuen Kriegsstrategie und einem zunehmenden Aufstand innerhalb seiner Republikanerpartei wegen der Truppen-Eskalationspläne (plus 21.500 GIs) zuletzt ins Wanken geriet, steigt nun noch dramatischer.
Heftige Reaktionen sollten seitens der den Kongress kontrollierenden Demokraten in den nächsten Tagen folgen. Präsidentschaftshoffnung Hillary Clinton hatte zuletzt den Beginn eines US-Truppenabzuges innerhalb der nächsten 90 Tage gefordert. Nur rechte Kampfblätter halten mit Bush noch Kurs: Die “New York Post”, die Kriegsgegner stets als Feiglinge denunziert, titelte mit einer Umfrage, wonach 57 % der US-Bürger den Job im Irak “zu Ende führen wollten”. Und 53 % glauben sogar noch an einen Sieg.

# 10. Februar: Extra! Extra! Anna Nicole Smith ikst tot!

Das Drama um das mögliche Millionenerbe des Donnerstag plötzlich verstorbenen Ex-Playmate Anna Nicole Smith, 39, nahm am Tag Zwei eines einzigartigen Medieninfernos eine Wende ins schlichtweg Bizarre: Während Smiths Anwalt und Boyfriend, Howard Stern, 38, und Fotograf Larry Birkhead, 34, um die Vaterschaft der fünf Monate alten Smith-Tochter Daniellynn rangelten, bezweifelte ein dritter Player, der Gatte von Hollywoodstar Zsa Zsa Gabor, Frederick von Anhalt, 59, die Vaterschaft beider. “Ich könnte der Vater sein”, sagte er in der CNN-Talkshow “Larry King”: “So wie 30 andere Männer auch – sie hat eben gerne ihren Spaß gehabt”. Sowohl Stern als auch Birkhead seien voller “Scheiße” schimpfte Anhalt.
Anhalt behauptete weiters, dass Smith einen Deal mit Stern machte, um ihrer Tochter “einen Vater zu geben”. Ein Richter in L.A. lehnte inzwischen einen von Birkhead geforderten “Notfall”-DNA-Test zur Bestimmung der Vaterschaft ab. Bis zu einem Hearing am 20. Februar soll jedoch Smiths Leiche in Miami, wo sie kollabierte und starb, für DNA-Tests “zur Verfügung stehen”, so der Richter. Birkheads Anwalt Debra Opri warnte inzwischen, dass Stern – der “eine Nichte im gleichen Alter und ähnlichem Aussehen” habe – die “Babies vertauschen könnte”.
Sterns Mutter und Schwester hätten, so Medienberichte, das Sorgerecht über Daniellynn in den Bahamas bereits angetreten. Dort hätte während der Zeit des Smith-Todes die Mutter der Bahamas-Einwanderungsministerin Shane Gibson auf das Kleinkind aufgepasst. Doch nun ließ sich der Aufenthaltsort von Daniellynn nicht mehr feststellen. “Niemand hat das Baby seither gesehen”, wurde aufgeregt aus den Bahamas berichtet, wo sich Smith die letzten Monate vor ihrem Tod aufgehalten hatte.
Bei dem Drama um Halbwaise Daniellynn geht es um viel Geld: Die Smith möglicherweise zustehenden 89 Millionen Dollar aus ihrer Kurzheirat mit dem 89-jährig verstorbenen Öl-Magnaten J. Howard Marshall könnten an das Kleinkind übergehen. Daniellynn ist die einzige Hinterbliebene: Smiths Sohn Daniel, 20, war vor fünf Monaten ebenfalls plötzlich an Medikamentenmissbrauch verstorben.
In Südflorida machen inzwischen hunderte Reporterteams Jagd auf einen Mann: Howard Stern. Zum letzten Mal wurde er Donnerstag nach Smiths Tod gesichtet, seither ist er untergetaucht. Birkhead-Anwältin Opri goss Öl ins Feuer: “Stern war ein übler Einfluss auf Anna Nicole – nun ist sie tot, ihr Sohn ist tot, und wir wollen nicht, dass dem Baby auch noch was passiert”.
Neue, mysteriöse Details über die letzten Minuten des Busenwunders werden diskutiert: Als die sie begleitende Krankenschwester feststellte, dass Smith nach ihrem Kollaps nicht mehr atmete, rief sie ihren Boyfriend, den ebenfalls für Smith arbeitenden Bodyguard zu Hilfe, der Wiederbelebungsversuche anstellte. Anstatt die Notrufnummer “911” rief die Nurse Anwalt Stern an. Sie hinterließ eine Nachricht. Erst als Stern zurückrief, wurde der Notarzt verständigt. “Hier ist wertvolle Zeit verstrichen”, so ein Zeuge.
Nach einer ersten Obduktion heizte Experte Joshua Perpers das stündlich eskalierende Spekulations-Inferno in den US-Medien weiter an, als er von einem “plötzlichen, unerwarteten und bisher unerklärlichen Todesfall” sprach. Es wurden zwar vorerst keine Spuren illegaler Drogen im Blut oder Pillen im Magen gefunden, doch sind genauere Untersuchungen mit “aufwendigen Labortestes”, so Perper, notwendig. Ausschließen wollte der Mediziner bloß recht offensichtliche Ursachen eines Verbrechens: Eine Schädelfraktur durch eine Schlag auf den Kopf, eine Schuss- oder eine Stichwunde. Was “chemische Gründe” betreffe, bedürfe es noch mehr Tests, so Perper.
Besonders nachdem Sohn Daniel zuletzt an einer tödlichen Kombination von Antidepressiva und dem Opioid Methadon ebenfalls kollabierte und verstarb, wird in den stundenlangen Sondersendungen im US-TV weiter aufgeregt gefragt: Kann das alles ein Zufall sein? Stern ist dabei ins Visier der Medien geraten. Im Zimmer des “Hard Rock Hotel and Casino” in Miami, wo Smith kollabierte, waren Medikamente gefunden worden. Nicht deren Legalität sondern die große Menge gibt Anlass zu Spekulationen. Noch dazu waren die Pillen auf Stern ausgestellt. An den in den USA üblichen, blassorange-durchsichtigen Pillen-Plastikbehältern klebt die Apotheke stets den Namen des Rezept-Einreichers.
Die Polizei hat hingegen “foul play”, ein Verbrechen, bisher ausgeschlossen: Smith hatte in den letzten Tagen über eine Darmgrippe geklagt. Freundin Khristine Eroshevich berichtete, sie hätte ihr über ein Fieber von 40,5 Grad erzählt und wäre per Eisbad “notgekühlt” worden. Einen Tag vor ihrem Tod stürzte sie in der Badewanne. Nach Daniels Tod soll Smith Medikamente gegen Depressionen genommen haben. Dazu gab es Gerüchte um Selbstmordversuche: Im Dezember war Smith, so “Entertainment Tonight” (ET), mit dem Kopf nach unten im Pool ihrer Villa in den Bahamas aufgefunden worden. Stern konnte sie im letzten Moment wiederbeleben. Immer wieder hätte sie davon geredet, Daniel nachfolgen zu wollen, so Eroshevich: “Es war en konstanter Kampf zwischen diesen Trieben und dem Instinkten einer Mutter, sich um ihr Neugeborenes zu sorgen”.
Neue Details verdeutlichen, wie brutal der Krieg um das Sorgerecht um Daniellynn bereits vor Smiths Tod geführt wurde: Als Birkhead etwa Smith per Handy-SMS zum DNA-Test aufforderte (“Tue, was richtig ist!”) kam prompt zurück: “Träum weiter” gefolgt von ein paar “Fuck you!”, so Insider. Smith hatte laut ET per Testament einst Daniel das Gesamterbe zugesprochen. Inwieweit sie es nach dessen Tod abänderte, blieb bisher unklar. Einer Freundin vertraute sie bloß an, dass sie neben ihrem Sohn in den Bahamas begraben werden wolle.
Die Intensität des Medienhypes hatte sogar in den an Celebrity-Megastories gewöhnten Amerika zu Kopfschütteln geführt, eine derartige Tsunami an Sensations-Reports das Land seit dem Michael-Jackson-Verhaftungsdrama oder Clintons “Monicagate”-Sexskandal nicht mehr gesehen. Stundenlange Sondersendungen füllen die Hauptsendezeiten im TV, “als wäre das die wichtigste Story im Sonnensystem”, so Medienbeobachter. Auch das Internet glüht: Das Video-Beiträge über Smith waren die bei weitem populärsten auf CNN.com, “Goggle News” listete 2.159 Stories auf. Ein rasches Ende des Smith-Medienwahns ist nicht in Sicht: Der Unterhaltungskanal “E! Channel” sendet heute eine Zweistunden-Doku über das Leben von Anna Nicole Smith.

# 6. Februar: Bush bettelt um Irak-Milliarden

US-Präsident George Bush gab sich bei einem Treffen mit Demokraten-Abgeordneten des Kongress-Unterhauses ungewohnt streichelweich. Er freue sich über “lebhafte Debatten auch in Kriegszeiten”, sagte Bush. Niemals würde er heute den Patriotismus von Kriegskritikern in Frage stellen – vergessen offenbar die Zeiten, als er in seinen Wahlkämpfen die Opposition als Weicheier und gar Fahnenflüchtlinge denunzierte.
Bushs Schmusekurs hat einen Grund: Gleich 245 Milliarden Dollar will er sich von den von den Demokraten beherrschten Kongress für die Kriege im Irak und Afghanistan absegnen lassen, damit wäre seine Kriegskasse bis Ende 2008 aufgefüllt. Die Zahlen sind atemberaubend, über “große Nummern” staunte die Chefin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi. Unter der Rubrik Verteidigung sind in Bushs, am Montag eingereichten Haushaltsplan (2.900 Milliarden Dollar total) gleich 716 Milliarden vorgesehen. Zusätzlich zu den immer schneller in der Bürgerkriegshölle Bagdads versickernden Milliarden ist gleich eine Erhöhung des Pentagon-Budgets um 11,3 Prozent auf 481,4 Milliarden Dollar vorgesehen. Damit hätte sich der Verteidigungsetat der USA unter Bush fast verdoppelt.
Kriegsgegner im Kongress werden die Gesamtkosten von Bushs Krieg gegen den Terror seit 2001 in der Höhe von 750 Milliarden Dollar anprangern, um vor allem den Irakkrieg als Fass ohne Boden zu illustrieren.
Auch ohne der Budgetschlacht dürfte es eine schlimme Woche für Bush werden: Im Senat begann die Debatte um Resolutionen, die sich gegen die vorgeschlagenen Truppenerhöhungen von 21.500 GIs (48.000, wenn die Nachschubtruppen hinzugerechnet werden) aussprechen. Eine Verabschiedung der Resolution wäre eine der größten Ohrfeigen für Bush bisher – und der mögliche Auftakt für schärfere Maßnahmen, wie das Zudrehendes des Geldhahnes für den Irakkrieg. Washington-Insider vermuten, Bush wolle sich auch deshalb so viel Geld wie möglich genehmigen lassen.

# 5. Februar: Hillary wettert gegen Bushs Irakfiasko

Demokraten-Star und Präsidentschaftshoffnung Hillary Clinton ballte die Faust und rief in den Saal: Wenn der Kongress oder US-Präsident George W. Bush den Krieg im Irak nicht beende, “dann werde ich es tun, sobald ich Präsidentin bin!” Der Schlachtruf folgt einer Tirade gegen Bush bei ihrem Wahlkampfauftakt in Iowa letzte Woche: Es sei SEIN Krieg, wetterte sie, und er solle “das Land davon befreien”, bevor er das Oval Office im Jänner 2009 verlässt.
Hillarys Inferno an scharfen und teils sogar populistischen Attacken gegen Bush & Co in Sachen Irakdesaster ist Teil einer kühl kalukulierten Strategie: Um die Primaries innerhalb ihrer Partei zu gewinnen, muss sie sich gegen vehementere Kriegsgegner wie den farbigen Senkrechtstarter Barack Obama oder Ex-Kerry-Running-Mate John Edwards durchsetzen. Vor allem am Linken Parteirand hat die Wut gegen Bushs Irak-Fiasko zuletzt den Siedepunkt erreicht.
Hillarys größtes Handikap: Sie hatte 2002 im Senat für eine Autorisation des Irakkrieges gestimmt und bisher noch nicht offen eingestanden, dass sie diese Stimme bereue. Vorsichtig gab sie bloß zu, dass es im Leben eben “kein Zeitzurückdrehen” gebe. Das Befrieden der Demokraten-Parteibasis berge jedoch “enorme Risiken” beim Kampf gegen Matcho-Republikaner á la Vietnamkriegsheld John McCain und “9/11-Bürgermeister” Rudy Giuliani, erzählte mir kürzlich Politologe Bob Shapiro von der New Yorker “Columbia”-Uni: Es sei “ein schwieriger Spagat”, so Shapiro: Tritt sie zu hart auf, könnte sie als Art rachsüchtige Furie gesehen werden; ist sie zu weich, wird sie angreifbar durch ihre Republikaner-Gegner, die sie als ungeeignet für den Posten des “Commander-in-Chief” in Kriegszeiten denunzieren könnten.
Einen Vorgeschmack darauf gab es bereits: Bush & Co protestierten, dass Hillary mit ihrer vehementen Irakkriegs-Kritik die Truppenmoral unterminiere. Und Republikaner-Oval-Office-Kandidat Mitt Romney stellte fest, dass ihre Stellungnahmen gegenüber der wachsenden Gefahr durch den Iran zu “zögerlich” seien.

# 3. Februar: US-Geheimdienste: Bushs „Antiterrorkrieg“ fördert Terror

Als könnte es nicht noch schlechtere Nachrichten geben für US-Präsident George W. Bush. Der mit Spannung erwartete Report von 16 US-Geheimdiensten, das “National Intelligence Estimate” (NIE), warnt in schrillen Tönen vor noch mehr Chaos im Irak: Durch die Polarisation und Gewaltbereitschaft innerhalb der Bevölkerung würden “religiöse Konflikte, Attacken durch Aufständische sowie politischer Extremismus weiter eskalieren”, so das 90-Seiten-Dokument. Und: Sollte es in den nächsten 12 bis 18 Monaten keine Fortschritte geben, “wird es mit Sicherheitssituation weiter so schnell bergab gehen, wie Ende des Vorjahres”. 2006 starben laut UNO 35.000 Iraker. Das tägliche Blutbad in Bagdad wird noch nicht offiziell als Bürgerkrieg bezeichnet, doch beinhalte “Schlüsselelemente eines solchen Konfliktes”, so die Geheimdienstler: Denn die Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten habe die durch Aufständische und Al-Kaida-Terroristen bereits weit überstiegen. Das NIE gilt in den USA als wichtigste Geheimdienststudie – und diente 2002, damals voller falscher Annahmen über Saddam Husseins angebliche Massenvernichtungswaffen-Programme, als Grundlage für die Irak-Invasion.