# 31. März: Bush im Total-Tief und unter Druck der „Dems“


US-Präsident George W. Bush bleibt nur mehr Galgenhumor: “Vor einem Jahr lagen meine Popularitätswerte bei 30 Prozent, mein Vize hatte einen alten Mann ins Gesicht geschossen und meine Kandidatin für den Supreme Court war abgelehnt worden”, so Bush beim jährlichen Korrespondenten-Dinner: “Das waren die guten alten Tage…”
Tatsächlich: Nach der 51-zu-47-Abstimmung im Senat zur Genehmigung von 97 Milliarden Dollar an Kriegsfinanzierung, die jedoch mit fixen Terminen zum Truppenabzug aus dem Irak verknüpft wurden, und der Verabschiedung eines ähnlichen Etat-Gesetzes im Repräsentantenhaus (“House”) bleibt Bush nur mehr ein Veto als letzten Ausweg.
Laut Senat soll der zwingende Truppenabzug schon in 120 Tagen beginnen und nächsten März abgeschlossen sein, laut House die letzten Kampfbrigaden Ende August 2008 heimkehren. Beide Gesetze müssen nach der Osterpause “vereint” werden. “Ich werde keine Abzugs-Deadlines akzeptieren”, polterte Bush. Doch gleichzeitig braucht der einst so selbstherrliche Oberkommandierende rasch neue Budgetmittel: Das Pentagon warnte bereits vor Geldengpässen ab 15. April.
Für den Showdown der nächsten Wochen haben die Demokraten das frühere politische Todschlag-Argument, sie würden die tapferen GIs “im Stich lassen” (Bush), geschickt umgedreht: In den Etats sind Milliarden für bessere Ausbildung und stärkere Panzerungen gegen die tödlichen IEDs (Straßenbomben) inkludiert. Durch die Veto-Drohung sei es Bush, schoss Senats-Führer Harry Reid (D) zurück, “der die Truppen unterminiert”. Dennoch ist ein Kompromiss zu erwarten, so Politologe Bob Shapiro: “Entweder Bush akzeptiert eine Art Abzugsplan, oder die Demokraten verlässt der Mumm, wirklich den Geldhahn zuzudrehen”. Demokraten-Abgeordneter David Obey: “Nicaragua endete mit einem Kompromiss, El Salvador und Vietnam auch – der Präsident wird nachgeben”.
Die Propaganda-Maschinerie der Kriegstreiber läuft jedenfalls wieder auf Hochtouren. Bushs jüngste Bagdad-Offensive (“Surge”) laufe so gut, behauptete Senator John McCain, dass man in einigen Vierteln Bagdads “Spazieren gehen kann”. Das sagte er am Vorabend des blutigsten Tages des Irakkriegs: Bomben zerfetzten in Bagdad und Khalis 180 Menschen.

# 30. März: Arnies umstrittenes Spendensammeln

Eine pompöse Cocktailparty in Governator Arnold Schwarzeneggers Privatvilla im L.A.-Nobel-Suburb Brentwood für großzügige Spender sorgt für Aufregung: Der am 25. April angesetzte “Fundraiser” soll den “California Recovery Team”-Fonds auffüllen, aus dem Arnie Ausgaben für außertourliche Polit-Aktivitäten bezahlt – inklusive den horrenden Kosten seiner Privatjets. Für “Big Spender” der Top-Klasse, die zwischen 100.000 und 250.000 Dollar locker machen, öffnet Arnie und Gattin Maria Shriver die Tore zu ihrer 11,9 Millonen Dollar teueren, 20-Zimmer-Villa im Mandeville Canyon.
Inkludiert in dem Paket, so eine Einladung, sind auch private Treffen mit dem Governator, die Teilnahme an Gruppen-Telefonaten (“Conference Calls”) sowie eine weitere Cocktail Party im Juni. 312.700 Dollar, so Fonds-Dokumente, sind bereits eingezahlt worden, darunter 200.000 Dollar von William Bloomfield Jr., dem größten Putzereibesitzer der Westküste.
Das Spendensammeln ist legal – doch wird in der Kalifornien-Kapitale Sacramento als “Arnie for Sale” massiv kritisiert. “Diese Superreichen erkaufen sich direkten Einfluss”, wettert Experte Robert Stern in der “L.A. Times”: “Toll! Wenn ich ein Problem habe, rufe ich einfach den Gouverneur an”. Zudem hatte Arnie 2003 die “Recall”-Wahlen gewonnen, als er gegen den Einfluss spendabler Lobbygruppen auf seinen Amtsvorgänger Gray Davis wetterte. Einmal stand er sogar mit einem Besen auf den Stufen des Kapitols in Sacramento und wollte “ausmisten”.
Für Schlagzeilen sorgten zuletzt auch Spenden von Managern des Telekom-Giganten AT&T, nachdem durch Gesetzesnovellen deren Zugang zum milliardenschweren Kabel-TV-Markt erleichtert worden war. “Das ist wie ein großes Dankeschön”, so Stern.
Wozu braucht Arnie das Geld? 2,4 Millionen Dollar hat er noch Schulden von seinem sündteuren Wahlkampf im Herbst. Dazu gleichen seine Auftritte kleinen Hollywood-Produktionen: Tonanlagen wie bei Rockkonzerten, Gesprächspartner werden per Live-Video oft auf einer Riesenleinwand zugeschaltet. Doch am teuersten ist das Anmieten der Privatjets: Allein zwischen Santa Monica und Sacramento jettet er zweimal pro Woche. Immerhin: Für die 3.946 Kilo an CO2 pro Flugstunde will Arnie Wälder pflanzen lassen, um seinen Treibhausgas-Ausstoss zu neutralisieren. Und das kostet zusätzlich Geld.

# 29. März: Das Krebsdrama der Elizabeth Edwards

Elizabeth Edwards verspürte einen stechenden Schmerz in einer Rippe als sie ihr Ehemann, der demokratische Präsidentschaftskandidat John Edwards, umarmte. Der Körper der 57-Jährigen erstarrte vor Angst: War der Brustkrebs, den sie vor zweieinhalb Jahren mit monatelangen Chemo- und Bestrahlungstherapien bekämpfte hatte, zurückgekehrt? Und noch schlimmer: Hatte er sich gar ausgebreitet? Nach 72 Stunden emotionalem Horror und einer Serie medizinischer Tests übermittelten die Ärzte der Edwards-Familie tatsächlich eine devastierende Diagnose: Wiedergekehrter Brustkrebs mit Metastasen-Bildung, “Stufe IV”, die oberste Krebsstufe – behandelbar aber nicht mehr heilbar. Laut Statistik leben nur 25% der Patienten länger als fünf Jahre.
Seit den tragischen News schwappt eine gigantische Sympathiewelle über die krebskranke Politikergattin hinweg – und die Entscheidung, die Schlacht um das Oval Office weiterführen zu wollen, ist Gesprächsthema Nr. 1 in den USA. Mit Standing Ovations wurde Edwards bei einem Auftritt in Cleveland begrüßt. “Euer Beifall ist eine unermessliche Hilfe bei der schwierigen Reise, die vor mir liegt”, rief sie in den Saal. Vielen liefen die Tränen über die Wangen. 12.000 Emails hatte Edwards in den letzten Tagen erhalten, eine Flut an Durchhalteparolen, Krebsüberlebensgeschichten und Behandlungstips.
Doch ebenso emotional wird die Debatte geführt, ob die politischen Ambitionen des Kandidaten John Edwards nicht über das Wohl seiner Familie triumphiert hätten. “Viele sagen, ihre Entscheidung weiterzumachen, ist herzlos und sie sind nichts anderes als ein Opfer von unersättlichem Ehrgeiz”, attackierte TV-Star Katie Couric Edwards in einem CBS-Interview. “Ich möchte dem Land nicht verwehren”, konterte Elizabeth mit fester Stimme, “einen so guten Präsidenten zu erhalten, wie es mein Mann wäre”. Laut “USA Today/Gallup”-Umfrage stehen über 60 Prozent der Bürger auf Edwards Seite – und Couric geriet wegen “unsensibler Verhörtaktiken”, so TV-Kommentatoren, selbst ins Kreuzfeuer der Kritik (besonders, da sie während des Krebstodes ihres Gatten ebenfalls ihre Karriere nicht unterbrochen hatte).
Schon vor dem jüngsten Drama hatte die Art, wie die Edwards Schicksalsschläge meistern, inspiriert. “Ich wusste, die Medikamente werden die wachsenden Zellen in meinem Körper töten”, schrieb Elizabeth in ihrem Bestseller “Saving Grace” über Runde I ihres Kampfes gegen den Brustkrebs, wo die Bekanntgabe ausgerechnet am Folgetag der Niederlage ihres Mannes als “Running Mate” des Bush-Widersachers John Kerry im Jahr 2004 erfolgte: “Ich würde müde sein, Schmerzen haben, mir übel sein, Geschwüre im Mund bekommen. Ich konnte es nicht erwarten, damit zu beginnen: Ich wollte eine Kriegerinn sein!”
Es war nicht das erste Mal in ihrem Leben, dass das Schicksal verheerend zuschlug: Wade, ihr damals 16-jähriger Sohn, wurde 1996 mit einem Jeep durch hohen Wind von einem Highway in North Carolina gefegt und verunglückte tödlich. Der Horror schweißte die Familie samt ihrer Tochter Cate zusammen. Die 14-Jährige Cate schlief fortan mit ihren Eltern im Bett, zwei Jahre lang. Das Ehepaar selbst verbrachte ein halbes Jahr lang praktisch jede Minute zusammen. “Jedes mal, wenn mich diese ohnmächtige Trauer überkam”, schrieb Elizabeth, “wusste ich, dass er nur ein paar Meter von mir entfernt ist”. Mit Worten ließe sich kaum beschreiben, fuhr sie in ihrer berührenden Bio fort, “wie tief mein Sohn in mir als Wesen verankert war – und wie ich unter seinem Verlust leiden werde mit jedem Atemzug bis zu meinen Ende”.
Edwards, der als Senkrechtstarter in der Anwaltsszene Millionen scheffelte, begann seine Polit-Karriere. Und sie wollten mehr Kinder. Nicht nur eines, da sie fürchteten, es würde sich als Ersatz für den verlorenen Sohn fühlen. Gleich zwei Nachzügler waren geplant. Elizabeth, 47 Jahre alt, begann mit Fruchtbarkeitsbehandlungen. 1998, fast zeitgleich mit Edwards Wahl in den Senat, wurde Emma Claire geboren, im Jahr 2000 Jack. Beide Kids verzückten die Nation, als sie bei der Präsentation von Edwards als Kerrys Wahlkampfpartner vor TV-Kameras herumtollten. Wie bei allen von Edwards Kindern gab es Komplikation, da ihre Blutgruppe nicht mit der der Mutter kompatibel war.
Eine Woche vor der Präsidentschaftswahl entdeckte Elizabeth beim Duschen einen Knoten in der Brust. Ärzte rieten sofort zur Biopsie. “Es kann dir nichts passieren”, umarmte sie John: “Nichts wird dir passieren”. Am Wahltag wachte sie auf und hatte Blut im Urin. Eine Woche später begann die brutale Behandlung, ein kleiner Vorgeschmack auf das, was ihr jetzt bevor steht. Edwards kämpfte auch vehement dagegen an, als Opfer gesehen zu werden: Sie schor sich eine Glatze bevor die Haar ausfielen. Kraft schöpfte sie von Emails aus aller Welt. Ihr Haut schälte sich ab durch die Bestrahlung. “Es ist wie ein Marathon”, schrieb sie: “Du spürst, dass dein Körper nicht die Kraft hat es durchzuhalten, doch du weißt, irgendwie müssen die letzten Meilen bis zur Ziellinie geschafft werden”.
Nach der neuen, verheerenderen Krebsdiagnose schwor Elizabeth Edwards vor der Weltpresse, sich vom Krebs nicht besiegen zu lassen. “Ich werde mich nicht in einer Ecke verkriechen”, sagte sie: “Ich will an der Seite meines Mannes für den Traum weiterkämpfen, unserem Land zu dienen”.

# 28. März: Säbelrasseln im Golf

Das Säbelrasseln der USA gegen den Iran erreicht einen neuen Höhepunkt: 10.000 Soldaten der “U.S. Navy” auf zwei Flugzeugträger-Gruppen und 100 Kampfjets demonstrierten in einer Militärübung direkt vor der iranischen Küste ihre Feuerkraft. Es war die größte Truppenansammlung am Persischen Golf seit den Monaten vor der Irak-Invasion 2003. Das Manöver fand bloß vier Tage nach der Entführung von 15 britischen Soldaten durch iranische Eliteeinheiten statt. Briten-Premier Tony Blair verschärfte inzwischen den Ton gegenüber Teheran: Sollten die “Royal Navy”-Soldaten nicht freigelassen werden, könnte der Konflikt in eine “neue Phase” treten, drohte Blair. Die USA haben seit dem Streit um Irans Atomprogramm und die Hilfe für schiitische Todesmilizen im Irak die Flugzeugträger “USS Eisenhower” und “USS Stennis” im Golf zusammengezogen. Militärexperten warnen vor einem “irrtümlichen Lostreten” eines Krieges.

# 24. März: Ed Fagan ist pleite…

Dauerkläger Ed Fagan hat in einen neuen Klienten: Sich selbst. In einem Insolvenz-Verfahren geht es um die Abwendung seiner persönlichen Pleite: Fagan, der mit Holocaust-Klagen gegen Österreich, Deutschland und die Schweiz weltberühmt wurde und derzeit gegen in das Kaprun-Inferno 2000 (155 Tote) verwickelte Firmen in den USA klagt, hat einen Schuldenberg von insgesamt 9,4 Millionen Dollar angehäuft, geht aus Gerichtsdokumenten hervor.
Die Zahlen sind teils beachtlich:
# 1,3 Millionen Dollar soll Fagan der US-Steuerbehörde IRS schulden;
# 3,4 Millionen einem Ex-Klienten in den USA, der ihn wegen Pfusch verklagte;
# drei Millionen Dollar einem Geschäftspartner in der Schweiz, der in Verfahren dort investierte;
# und drei Millionen fordert auch noch Fagans Ex-Gattin.
Fagan erläuterte, er selbst habe das Insolvenzverfahren eingeleitet, um seine maroden Finanzen neu zu regeln und sich gegen aggressivere Gläubiger zu wehren, die ihn seit dem Vorjahr in den Ruin treiben wollen. “Viele diese Beträge sind grobe, nach oben übertriebene Schätzungen”, sagt er. Andere Posten in der Gläubigerliste wurden von ihm beeinsprucht und müssen vor Gericht erst endgültig ausjudiziert werden. “Ich werde allen, denen ich wirklich was schulde, jeden Dollar zurückzahlen”, beteuert Fagan. Auf der Habenseite sieht er potentielle Gewinne in den nächsten Jahren von 45 Millionen Dollar, darunter das Endlosverfahren gegen Kaprun-Firmen, Klagen für die Rückgabe von Welt-Krieg-II-Staatsanleihen oder Kunst-Restitutionsfälle aus der NS-Zeit.

# 24. März: Krebs-Schock in der Edwards-Familie

Leise sprach Oval-Office-Anwärter John Edwards, 53, vor der Weltpresse, den Kopf gesenkt, seine Stimme im traurigen, resignierenden Tonfall. Es ging nicht um Politik, sondern das Krebsdrama seiner Frau Elizabeth, 57, die an seiner Seite stand – vor jenem Hotel in Chapel Hill, North Carolina, wo das Paar vor 30 Jahren ihre Hochzeitsfeier abhielt. Der im Jahr 2004 diagnostizierte Brustkrebs sei zurückgekehrt, so der demokratische Ex-”Running Mate” des 2004-Bush-Gegners John Kerry: “Er hat sich auf die Knochen ausgebreitet”. Die devastierende Diagnose: Der Krebs sei behandelbar aber nicht mehr heilbar.
Doch Edwards, der im Demokraten-Rennen mit elf Prozent laut “Rasmussen”-Umfrage hinter Hillary Clinton (35%) und Barack Obama (30%) abgeschlagen an dritter Stelle liegt, stellte klar, dass seine Kampagne weitergehe: “Sie wollte weitermachen”, so der Ex-Anwalt: “Warum sollen wir uns jetzt in einer Ecke verkriechen?”. Gattin Elizabeth nickte: “Ich fühle mich nicht kränklich, ich werde an seiner Seite stehen, solange ich kann”. Der über Elizabeth schwappende Sympathiewelle (Hillary bewunderte ihre “Stärke”, Obama “die Liebe zueinander”) könnte einen Umfragen-Sprung auslösen.
Die Ankündigung folgte drei Tagen an emotionellem Horror, als die Edwards auf die Bestätigung der Testresultate warteten: Die Biopsie eines Rippenstücks hatte gezeigt, dass sich trotz zunächst erfolgreicher Chemo- und Strahlentherapie eines Knotens in der Brust, der Krebs offenbar ausgebreitet hatte. Mit Medikamenten, Hormon- und Strahlentherapien könne die Krankheit massiv verlangsamt werden, so Ärzte im US-TV. Doch laut Statistiken leben nur 26,1 % der Patienten länger als fünf Jahre.
Es ist nicht der erste schwere Schicksalsschlag für die Edwards-Familie: Ihr 16-Jähriger Sohn Wade starb 1996 bei einem Autounfall. Sie hatten danach, zusätzlich zu ihrer erwachsenen Tochter Cate, zwei weitere Kids, Emma-Clair und Jack, die im 2004-Wahlkampf die Nation entzückten.

# 23. März: Steyr bemüht sich um Schadenskontrolle

Styer-Mannlicher-Boss Franz Holzschuh bemüht sich wegen angeblich gefundener “HS .50”-Scharfschützengewehre im Irak nun in den USA um Schadensbegrenzung. “Ich teile die Sorge, dass von uns produzierte Waffen in die Hände von Aufständischen gefallen sein könnten”, so ein im einflussreichen “Wall Street Journal” veröffentlichter Leserbrief. Holzschuh verteidigt die ursprüngliche Gewehrlieferung in den Iran, die zur Drogenbekämpfung beitragen hätte sollen – doch aus der laut Reports des Pentagon-Geheimdienstes “Defense Intelligence Agency” Gewehre im benachbarten Irak gelandet sein könnten. “Wir wollen nicht, dass unsere Gewehre im Irak verwendet werden”, so Holzschuh. Zuletzt hatte es in den USA Boykottaufrufe gegen Steyr gegeben.

# 22. März: Arnie vs. Limbaugh – das ist Brutalität!

Der Showdown zwischen Governator und Großmaul hält Amerika in Atem, nachdem Arnold Schwarzenegger den rechten Radio-Talk-Star Rush Limbaugh in einem TV-Interview als “irrelevant” bezeichnete. Limbaugh, der als rechter Polemiker mit Millionenreichweite enormen Einfluss bei der Basis der Republikaner-Partei (GOP) genießt, hatte seit Wochen über Arnies “Ausverkauf konservativer Ideale” durch dessen neuerdings grüne und liberale Politik genörgelt. Darunter:
# Arnies Dauerkritik am Irakkrieg;
# Gesetze zur Reduktion der Treibhausgase bis 2020 auf das Niveau von 1990 und Autoabgase um zehn Prozent;
# die Anhebung der Mindestlöhne;
# die 25 Milliarden Dollar teure Reform des Gesundheitswesens mit Krankenversicherung für alle Kalifornier, die von Konservativen als versteckte “Steuererhöhung” verdammt wird.
“Rush Limbaugh ist irrelevant”, platzte nun dem nach seinem Beinbruch im Weihnachtsskiurlaub fast genesenen und wieder kampflustigen Schwarzenegger der Kragen: “Ich bin nicht sein Diener. Ich diene den Bürgern Kaliforniens”. Limbaugh schoss postwendend in seiner Radio-Talkshow, die auch von TV-Stationen übertragen wird, zurück: “Er ist alles mögliche – aber sicher kein Konservativer mehr”. Hinter Limbaugh hing ein Filmposter des Arnie-Streifens “Total Recall”, umgedichtet in “Total Sellout”, der totale Ausverkauf.
Die Mehrheit der Amerikaner hat Arnie bei diesem Krieg der Wort auf seiner Seite: Zuletzt hatte Limbaugh einen Sturm der Entrüstung entfacht, nachdem er den an Parkison leidenden und für Demokraten-Reformen in der Stammzellenforschung werbenden Hollywood-Star Michael J. Fox vorwarf, die unkontrollierten Körper-Zuckungen zur “Effekthascherei” absichtlich zu übertreiben.
Rechte Republikaner sind wegen Arnies Popularität und nationalen Ambitionen zusehends nervös. Sogar Gerüchte wurden gestreut, der Austro-Amerikaner würde bald ohnehin ins Lager der Demokraten überlaufen. Wegen seinen Öko-Reformen war er als “republikanischer Al Gore” von einem GOP-Abgeordneten verunglimpft worden.
Arnie, der als Klimaretter und Sozialreformer im Herbst triumphal die Wiederwahl schaffte während seine Republikaner-Partei beide Häuser des Kongresses verlor, verkauft seine zentristische, “post-parteiliche Politik”, wie er sie nennt, als Erfolgsrezept für ein GOP-Comeback. Dazu ließ er die Primaries zur Kür der Bush-Nachfolge-Kandidaten auf den 5. Februar vorverlegen, “wodurch der Riesenstaat Kalifornien und indirekt auch Schwarzenegger, so Politologe Shaun Bowler, “zu Königsmachern werden”.

# 21. März: Wo sind die Irak-Geiseln?

Mark Koscielski, Gründer einer privaten Gruppe zur Befreiung der fünf am 17. November 2006 im Irak entführten Geiseln – inklusive dem Österreich Bert Nussbaumer – will im Irak die eingeschlafenen Verhandlungen nun in Eigenregie ankurbeln. Koscielski, ein Waffenhändler aus St. Paul (US-Bundesstaat Minnesota), hatte die Gruppe “www.save5.net” für seinen entführten Freund Paul Reuben gegründet, der wie Nussbaumer und drei weitere Amerikaner als Sicherheitskräfte für die “Crescent Securities Group” werkte. Am 31. März fliegt Koscielski nun nach Kuwait. “Von dort aus will ich im Südirak mit Informanten Kontakt aufnehmen”, sagt er zu ÖSTERREICH: “Ich habe ein paar vielversprechende Spuren, denen ich nachgehen will – mehr kann ich dazu noch nicht sagen”. Die Gruppe war im Dezember gegründet worden und hatte via Internet einen Lebensbeweis für die Geiseln verlangt. Kurz darauf tauchten Videos auf, in denen alle fünf Geiseln um ihre Freilassung flehen. Koscielski, der wegen seiner Hilfsgruppe bereits mehrmals von der US-Bundespolizei FBI kontaktiert worden war, verspricht via Website 150.000 Dollar für die Freilassung der fünf Geiseln. Für ein neues Video als weiteren Lebensbeweis wurden 10.000 Dollar ausgelobt. Koscielski wollte auch Kontakt mit Nussbaumers Eltern aufnehmen. “Meine zahlreichen Emails blieben jedoch unbeantwortet”, sagt er.

# 18. März: Neue (alte) Clinton-Sex-Enthüllungen

Hatte Ex-Präsident Bill Clinton nach seinem Abtritt aus dem Oval Office neue Sex-Affären? Indizien dafür hätten schlimme Konsequenzen: Die historische Kandidatur seiner Gattin Hillary als erste US-Präsidentin würde zum Entgleisen gebracht werden. “Während Clintons Pension gab es andere Ladies”, schreibt jedenfalls jetzt der rechte Autor R. Emmett Tyrrell Jr. im Enthüllungsbuch “The Clinton Crack-up”: “Es waren, so meine Informanten, meist One-Night-Stands mit Hostessen während Clintons Reisen als Vortragender”. Passiert wäre es in: Irland, Frankreich, Australien, Taiwan, Rio und London.
Das Buch dürfte nach seinem Erscheinen am Dienstag für Wirbel sorgen – und ist der Startschuss zur vielleicht schlimmsten Schlammschlacht beim Kampf um das Oval Office 2008. Denn Clinton-Hasser Tyrrell hatte schon in den Neunzigern als Chef des rechten Magazins “American Spectator” massenweise Affären während Clintons Zeit als Arkansas-Gouverneur aufgedeckt. “Bimbo-Eruptionen” hießen die damals, darunter auch die mit der Hausfrau Paula Jones, die Clinton später verklagte und “besondere Merkmale” an Clintons Penis vor Gericht protokollierte.
Ein Polizist soll auch, so eine weitere brisante Passage der Buch-Bombe, ein Gespräch der damaligen First Lady mit ihrer Freundin Nancy Pelosi aufgeschnappt haben, worin sich Hillary beschwerte: “Bill f-cked Denise”. Gemeint war Denise Rich, Gattin des später pardonierten Finanz-Jongleurs Marc Rich.
Die Clintons werden das Buch wohl als Teil einer wiederauferstandenen “rechten Verschwörung” denunzieren. Eine solche hatte Hillary geortet, als der Oralsex-Skandal mit der White-House-Praktikantin Monica Lewinsky losbrach. Doch Hillary ist nervös: Mitarbeiterinnen ihres Wahlkampfteams durchforsten täglich die Klatsch-Blätter nach Indizien für Bill-Seitensprünge.
Die “New York Times” hatte im Vorjahr berichtet, wie panisch Hillarys Team die Auftritte mit der Kanada-Politikerin und Frank-Tochter Belinda Stronach verfolgte. Als “junge Hillary” oder “Pretty Belinda” war Stronach in New Yorker Zeitungen getauft worden. Hillary nahm die Sache ernst, wurde berichtet: Sie schickte Bill-Freund Terry McAuliffe in die Clinton-Villa nach Chappaqua, um mit ihm “ein ernstes Wort zu reden”.

# 17. März: Bagdad und zurück: Die Odyssee des TV-Anchors Bob Woodruff

Es passiert am 29. Jänner 2006. Ich begleite einen Trupp bei einer Mission in Taji, 25 Kilometer nördlich von Bagdad. Aufständischen-Territorium. Die Soldaten sind nervös. “Pass auf die Wagen auf”, rufen sie immer wieder. Ich steige in einen Schützenpanzer um. Meine Kameramann Doug filmt durch die Luke die Umgebung. Ich mache einen Aufsager, der halbe Körper ragt aus dem Panzer. Wir unterhalten uns darüber, dass der Lärm meine Stimme übertönt. Normale Probleme eines Reporters im Kriegsgebiet. Der Fahrer warnt uns: “Hier wimmelt es voller Aufständischer”. Wr fahren durch diesen Palmenhain, eigentlich wirkt alles recht friedlich. Sekunden später: Bummm! Ein Straßenbombe geht hoch. Teile bohren sich in mein Gehirn. Die linke Seite das Kopfes ist komplett offen. Ich erinnere mich an wenig. Doch ich sehe meinen eigenen Körper von oben, ich schwebe in der Luft. Wie im Film. Dann höre ich Rufe: “Bob! Bob!” Ich sehe Doug, blutverschmiert. Dann nichts. Sechs Wochen lang liege ich im Koma. Militärärzte retten in stundenlangen Notoperation mein Leben, fast die halbe Schädeldecke war entnommen worden. Ich wache auf, sehe meine Frau Lee. Sie saß all die Zeit an meiner Bettseite, streichelte mein Gesicht, erzählte mir Geschichten. Stundenlang. “Liebling, wo warst du?”, frage ich sie. Sie weint, umarmt mich. Ich muss das Sprechen neu lernen, meine Kids im Volksschulalter helfen mir. Werde ich in den Irak zurückkehren? Mein Reporter-Instinkt sagt ja, doch ich werde das meiner Familie nicht mehr antun.

# 15. März: Hype ohne Ende um Al Gore

Kaum war Ex-Vize Al Gore mit der Oscar-Statue unter dem Arm für seine Klima-Doku “Eine unbequeme Wahrheit” von der Bühne des “Kodak Theatre” in L.A. abgetreten, begannen in den USA die Spekulationen über Gores Wiedereinstieg in die Politik. Der Tenor unter Polit-Beobachtern: Selbst wenn Gore erst im Herbst in die Demokraten-Vorwahlen einsteigt, hat er beste Chancen gegen Frontrunnerin Hillary Clinton – vor allem, wenn Barack Obama zurückfallen sollte. Gore könnte durch seine konstanten Proteste gegen Bushs Irakkrieg vor allem am linken Parteirand punkten, so Experten. Der Hype um Klimaretter Gore wird dazu noch im Sommer durch seine “Live Earth”-Megakonzerte auf mehreren Kontinenten neue Höhen erreichen. Team Hillary beobachtet Gore genau, vor allem sein Gewicht: Sollte er auf ein “Kampfgewicht” abnehmen, drohe sein Einstieg in die Primaries, so die Berater.

# 15. März: Giulinai reitet aufs White House

Als hätte Demokraten-Star Hillary Clinton mit ihrem Herausforderer aus der eigenen Partei, dem farbigen Senkrechtstarter Barack Obama, nicht alle Hände voll zu tun. Nun droht ihr auch noch bei der historischen Schlacht um die Bush-Nachfolge 2008 seitens der Republikaner ein übermächtiger Gegner: Rudy Giuliani, der durch seinen hemdsärmeligen Einsatz im Schutt der am 11. September 2001 kollabierten New Yorker Twin Towers als “Amerikas Bürgermeister” zum Helden einer traumatisierten Nation wurde.
Giuliani, 62, der kürzlich sogar vom “Newsweek”-Cover lachte, ist die Überraschung des Rennens um das Oval Office: Im direkten Duell ließ er den einstigen Republikaner-Favoriten, Vietnamkriegshelden John McCain, so das Magazin, mit 59% zu 34% im Staub zurück. Und: Im hypothetischen Duell gegen Hillary führt er in praktisch allen aktuellen Umfragen mit über fünf Prozent.
Giuliani, dessen Dad Harold als 26-Jähriger wegen eines bewaffneten Raubüberfalls sogar im Knast gelandet war, stieg vor 9/11 als knallharter Staatsanwalt und Aufräumer der verkommenen Metropole New York auf. Er halbierte Gewaltverbrechen, vertrieb Prostituierte und Windscheiben-Putzer, polierte den Big Apple zur glitzernden Traumstadt und Weltkapitale der globalen Finanzindustrie.
Doch Giuliani hat auch Schattenseiten, “und die werden ihn rasch einholen”, so der Politologe Bob Shapiro. Ehe Nr. 2 beendete er etwa per Pressekonferenz, während seine Frau und Mutter der Kids Andrew und Caroline, Donna Hannover, “nichts davon wusste”, wie sie, ebenfalls vor TV-Teams, beteuerte (er zahlte schließlich 6,9 Millionen Dollar an sie). “Ich werde ihn sicher nicht unterstützen”, sorgte kürzlich Andrew, 22, für Aufsehen. Grund für die Zerrüttung mit seinem Vater sei Giulianis Gattin Nr. 3, Judith Nathan, eine Pharma-Vertreterin, die sich nach Giulianis Prostata-Krebsoperation 2000 um ihn kümmerte.
Giulianis “Familienwerte” werden als größte Hürde bei den Vorwahlen gewertet, vor allem beim ultrafrommen rechten Republikaner-Parteirand. Sollten sowohl Giuliani als auch Hillary ihre Primaries gewinnen, wartet jedenfalls ein spektakuläres Rematch des Senats-Duells 2000 zwischen den beiden Starpolitikern: Und diesmal kann Hillary nicht hoffen, dass der Haudegen krankheitsbedingt vorzeitig das Handtuch wirft.

# 14. März: Plan B? Ziehen die GIs aus dem Irak ab?


Trotz der martialischen Dauerrhetorik von US-Präsident George W. Bush, der im Irak bis zu einen “Sieg” weiterkämpfen will, arbeitet das Pentagon im Stillen, doch auf Hochtouren bereits an einem Rückzugs-Plan. In dem “Plan B”, berichtet die US-Zeitung “L.A. Times”, sollen die derzeit 141.000 im Irak stationierten GIs graduell aus den Kampfzonen abgezogen werden. Der neue Fokus wäre, so der Rückzugsplan der irakischer Armee.
Die Strategie erinnert frappant an die, vergangenen Herbst präsentierten Ideen der “Baker-Kommission”, die von Bush jedoch glatt ignoriert worden waren: Bush setzte stattdessen auf Truppenerhöhungen von 21.500 GIs und eine Eskalation des fast vierjährigen Irakkrieges (Bilanz: 3.191 gefallene GIs, hunderttausende tote Iraker, 450 Milliarden Dollar Kosten). Im direkten Häuserkampf soll vor allem die Bürgerkriegshölle Bagdad befriedet werden. Zuletzt hatte Bush sogar noch weiteren 4.400 Soldaten den Marschbefehl erteilt. Das Weiße Haus und der neue Irak-Kommandant David Patraeus (siehe Interview unten) verbreiten Jubelmeldungen über die US-Offensive: 16.000 Aufständische seien verhaftet worden.
Doch Bush läuft die Zeit davon: Im Kongress wird ein Plan der Demokraten diskutiert, wonach alle GIs bis Ende August 2008 komplett abziehen sollen. 58% der Amerikaner unterstützen das laut CNN-Umfrage. “Unsere Truppen können keine Polizisten in einem Bürgerkrieg sein”, so Senator Barack Obama. Die “Dems” wollen – eine klare Eskalation ihres Widerstandes gegen Bushs Irakpläne – ihre “Heimholungs-Pläne” mit der Genehmigung weiterer 100 Milliarden Dollar für den Irakkrieg verknüpfen. Das könnte, so Polit-Beobachter, der Auftakt zum Zudrehen des Geldhahnes sein.
Die Enthüllungen über die katastrophalen Zustände in Militärspitälern schadet Bush zusätzlich: 76% der US-Bürger meinen laut jüngster Umfrage, Bush kümmere sich zu wenig um die teils grauenhaft Verletzten seines “Krieges gegen den Terror”.

# 11. März: Al Gore: So rette ich die Welt

Wissenschaftler schlagen wegen dem rapiden Abschmelzen des Nordpol-Eispanzers Alarm. Nicht nur hat sich der Trend der letzten Jahre bestätigt. Wir laufen Gefahr, durch unsere Aktivitäten innerhalb nur weniger Jahrzehn-te den zentralsten Kühlmechanismus der Erde zu zerstören. Die Erwärmung der Ozeane wiederum führt zu katastrophaleren Hurrikanen, während Wald-brände massiv zunehmen und ganze Landstriche verdorren. Zu Recht sagen die Experten: “Die Debatte über die Existenz der menschengemachten Erd-erwärmung ist vorbei”.
Viele der Wissenschaftler sind auch überzeugt, dass wir uns rasant – bereits etwa in 10 Jahren! – einigen “Tipping Points”, Kipppunkten, nähern, bei de-ren Überschreiten dem Habitat für die menschliche Zivilisation unwiderrufli-cher Schaden zugeführt wird. Die alarmierenden Nachrichten häufen sich in immer kürzeren Abständen: Es wird gewarnt, dass die Freisetzung von Koh-lenstoff- und Methan-Emissionen aus dem zusehends auftauenden Per-mafrostboden in der sibirischen Tundra jener Menge gleichkommt, die sich jetzt in der Atmosphäre befindet. Ein weiteres Forscherteam hat in Grönland in den letzten 12 Monaten eine Serie von 32 “Gletscherbeben” der Stärke 4,6 bis 5,1 nach Richter gemessen, ein Zeichen zunehmender Instabilität des größten Eispanzers der Erde, dessen Abschmelzen den Meeresspiegel al-lein um 20 Fuss (6,1 Meter) anheben könnte. Jeder neue Tage liefert Anzei-chen, dass wir uns in der Phase eines planetaren Notstandes befinden – ei-ner Klimakrise, der mit radikalen Sofortmaßnahmen, vor allem einer drama-tischen Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen begegnet werden muss, um den Thermostat der Erde runterzudrehen und eine Katastrophe zu ver-hindern.
Doch unser Hauptproblem scheint: Selbst das Maximum an Maßnahmen, die heute politisch durchsetzbar scheinen, wäre zu wenig, um die Krise abzu-wenden. Der vor uns liegende Pfad führt durch ein “politisches Niemands-land”, ein unerforschtes Territorium. Doch nicht nur beim Kilma gibt es Kipppunkte, sondern auch in der öffentlichen Debatte: Zuerst bewegen wir uns so langsam wie der Fluss eines Gletschers – doch dann geht alles plötz-lich mit Lichtgeschwindigkeit. Ein kleiner Stein kann einen Erdrutsch auslö-sen. Auch Amerika hat Dammbrüche an Veränderung erlebt, die mit zu-nächst minimal erscheinenden, kleinen Schritte begannen.
In Riesenbundesstaaten wie Kalifornien aber auch 295 Städten wurden be-reits bindende CO2-Reduktion, wie im Kyoto-Klimaprotokoll vorgesehen, per Gesetz beschlossen, von Kirchen bis zu den Chefetagen der größten Indust-rie-Multis appellieren immer mehr Führer an die Bush-Cheney-Regierung, endlich mutige Schritte zur Lösung der Klimakrise zu setzen. Immer mehr Amerikaner sehnen sich nach dem Licht am anderen Ende des Tunnels, einer Zukunft nicht voller Opfer und Gefahren, sondern voller Möglichkeiten: Ein besseres Leben, eine Zukunft mit tolleren Jobs, saubererer Umwelt, größerer nationaler Sicherheit und einer sichereren Welt.
Wir schulden unseren Kindern mehr, als wissenschaftliche Beweise unter den Teppich kehren zu wollen und Wissenschaftler zu verfolgen, die uns vor der drohenden Katastrophe warnen. Besonders in einer Zeit, wo die Zukunft der gesamten Menschheit auf dem Spiel steht. Und trotz unserem gegenwärti-gen Durchschreiten moralischer Talsohlen sind wir weltweit immer noch die wichtigste Führungsnation. Im Kampf gegen die Klimakrise muss die USA Leadership demonstrieren. Die aufstrebenden Giganten Indien und China werden auf die notwendigen Kursänderungen verzichten, solange Amerika nicht als Vorbild agiert.
Was sind die konkreten Schritte? Zuerst müssen wir den CO2-Ausstoß ein-frieren – gefolgt von dramatischen Reduktionen. Eine hehre Debatte über künftige Reduktionen, während der Ausstoß weiter ansteigt, ist ein rück-sichtsloser und illusorischer Ansatz. Irgendwie ist das fast noch schlimmer, als gar nichts zu tun: Man macht sich vor, dass etwas passiert während das Gegenteil wahr ist. Für die USA bedeutet das, dem Rest der Welt beim Han-delssystem für CO2-Emissionen beizutreten und die festgelegten Obergren-zen zu akzeptieren, wie es im Kyoto-Protokoll vorgesehen ist.
Die Abwesenheit der USA bedeutet heute, dass 25% der Weltwirtschaft fehlt. Das ist, als würde man versuchen, einen Kübel mit einem großen Loch im Boden zu füllen. Da es unwahrscheinlich ist, dass Kyoto in den USA noch ra-tifiziert wird, sollte alle Energie in die Verhandlungen zur Teilnahme der USA in das strengere Folgeabkommen gesteckt werden.
Wichtig ist auch, dass wir nicht nach einem einzigen alleinigen Wundermittel suchen. Der effektivste Ansatz ist stets ein Mix aus multiplen Lösungen. Ich bin überzeugt, dass weltweit ein Konsensus über effiziente Ansätze beim Kampf gegen die Klimakrise gefunden werden kann, viele der Ideen domi-nieren bereits heute die Debatte. Andere werden in Theorien stecken, die wir jetzt noch nicht einmal kennen.
Als Sofortmaßnahme liegt das größte Potential beim Energiesparen: Da Li-mits beim Freisetzen von Treibhausgasen, vor allem in Amerika, bisher igno-riert wurden, gibt es noch billige und einfache Wege, die Verschwendung einzudämmen. Viele Technologien sind so veraltet und so verschwenderisch, dass allein der Einsatz künftiger Technologien einen Riesenunterschied machen wird. Das beste Beispiel ist der Verbrennungsmotor, wo – unglaublich aber wahr – 90% der Energie vergeudet werden. Wissenschaftler gingen noch weiter und errechneten Energieeffizienz beim Transport eines Passa-giers in einem Auto. Das Ergebnis: Nur ein Prozent der Gesamtenergie dient zur Verfrachtung der Person.
Solche Zahlen verdeutlichen, wie wir unsere Wirtschaft effizienter machen und das Verschleudern von Treibhausgasen massiv reduzieren können. Dazu gibt es Fabriken, deren Abwärme völlig vergeudet wird: Auch dort können künftig Milliardenbeträge gespart – und CO2-Abgase minimiert werden.
Wir müssen der Industrie nur Anreize bieten zum Sparen. Vorbild ist die Computerbranche, wo, bekannt als “Moore´s Law”, immer kleinere, sparsa-mere aber zugleich auch leistungsfähigere Prozessoren geschaffen werden. Vielleicht sehen wir eine neue Version von “Moore´s Law”, mit rapide stei-gender Energieeffizienz gepaart mit sinkenden Kosten.
Dann sollten wir unsere Energieversorgungsnetze von wenigen großen Ein-speiseren auf viele kleinere Minikraftwerke – Wind, Solar, Biomasse was immer – umstellen: Ein System, wo alles von kleinen Windrädern bis photo-voltaische Zellen Strom ins Netz speist. Nicht nur würde der CO2-Aussstoß sinken, die Netz wären auch sicherer vor Anschlägen. Gleichermaßen macht uns eine weitverbreitete Produktion von Ethanol oder Biodiesel unabhängiger von ausländischem Öl und sicherer vor Terrorattacken oder Schäden an Großraffinerien durch Hurrikane.
Genau wie das Internet eine neue, auf Information basierende Wirtschaft schuf, so könnte durch “Electranet”, einem “schlaueres Netz”, wo jedermann als wiederverwertbaren Energieträgern Strom produzieren und einspeisen kann, auch eine dynamische Ära erneuerbarer Energieträger eingeleitet wer-den. Das gleiche schlaue Netz könnte Verbrauchern auch detailliert wissen lassen, wie sie ihre Energie verwenden und wo es Potential zum Sparen gibt. Amerikas versagende Autogiganten könnten von einem Umbau in wegwei-sende Inovationsstätten profitieren, wo fortan Strom- und Hybrid-Autos ge-baut und zehntausende Jobs in einer globalen Zukunftsindustrie geschaffen werden könnten. Der Aufstieg alternativer und erneuerbarer Treibstoffe wird auch den Prozess schwindender Jobs und Einkommen in ländlichen Regionen umkehren.
Zusätzlich sollte der Kahlschlag in den Wäldern gestoppt und der Erntezyklus in der Holzindustrie verlängert werden: Ältere Bäume verarbeiten mehr CO2. Dazu kommen 2,5 Billionen der jährlich zehn Billionen emittierten Tonnen an CO2 allein vom Abbrennen der Wälder. Die dreckigste Energiequelle ist die Kohle: Da die wahren Kosten für die Schäden durch den Ausstoß an Umwelt-giften heute nicht einberechnet sind, gilt sie als “billig” und ist noch dazu in gigantischen Mengen verfügbar. Die Technik der CO2-Sequestrierung, wo die Treibhausgase in den Boden gepumpt werden, kann nur durch eine höhere Besteuerung von CO2-Emissionen für die Kraftwerksbetreiber als rentabel erscheinen.
Alle diese Reformideen sind keine politischen Aufgaben, sondern moralische. Das Überleben unserer Zivilisation hängt davon ab. Einfach gesagt: Es ist falsch, die Bewohnbarkeit unserer Planeten und die Überlebenschancen jeder uns folgenden Generation zu zerstören. Die Chinesen beschreiben das Wort “Krise” mit zwei Symbolen, das erste heißt Gefahr, doch das zweite “Gele-genheit”. Die Klimakrise bietet auch Chancen – auf besser Jobs, neue Tech-nologien, höhere Profite und bessere Lebensqualität.

# 9. März: Von Einwanderer zu Einwanderer

Kaliforniens “Governator” Arnold Schwarzenegger könnte als Amerikas berühmtester Einwanderer zur treibenden Kraft beim Kampf um eine Immigrations-Reform werden. Arnie fordert eine pragmatische Lösung, einen Kompromiss als Teil seiner zentristischen “post-parteilichen Politik”, die er Land auf Land ab predigt. “Die Grenzen sollen gesichert werden”, so der Austro-Amerikaner: Doch auch ein Gastarbeiter-Programm sowie die Aussicht für die elf Millionen Illegalen auf Einbürgerung sei nötig.
Arnie, der George Bush in Sachen Umwelt und Irakkrieg bei jeder Gelegenheit prügelt, ist hier im Gleichklang mit dem US-Präsidenten: Bush wird seine, durch Widerstand des rechten Republikaner-Parteirandes eingefrorenen Reformideen bei seiner einwöchigen Lateinamerika-Tour bei einem Stopp in Mexiko Stadt mit Gegenüber Felipe Calderon besprechen. Vor allem der Bau eines Grenzzaunes an der 3141 Kilometer langen Grenze hat die Beziehungen getrübt. Arnie, der nach seinem Wiederwahltriumph als moderater Republikaner immer öfter bei nationalen Themen mitredet, weiß: Die Einwanderungsreform ist der vielleicht einzige Programmpunkt, den Bush – geschwächt durch das Irak-Fiasko und abgeschrieben als “lahme Ente” – in Amtszeit II noch durchbringen könnte.
Doch die Debatte ist längst vergiftet: Der tägliche Strom an Illegalen durch die Steppe des Bundesstaates New Mexico ist für Konservative ein “Affront gegen die Rechtsstaatlichkeit”. Privatmilizen wie das “Minuteman Project” machen in Eigenregie Jagd auf Illegale. Rechte Provinz-Politiker wollen nun sogar das Recht auf Staatsbürgerschaft für alle in den USA Geborenen aushebeln. Doch auch die 42 Millionen “Latinos” zeigen Kampfwillen: Bei den Massendemos im Vorjahr schwenkten sie provokant Mexiko-Fahnen. In einigen Fastfood-Läden im Süden kann mit Pesos bezahlt werden.
Trotz aller Kompromissbereitschaft bleibt Arnies Verhältnis zu den Mexikanern zwiespältig: Oft hatte er ihren “mangelnden Anpassungswillen” bemängelt. Eines ist für ihn als Gouverneur eines Bundesstaates mit einem Drittel Lations jedoch klar: Ohne sie würde die Wirtschaft kollabieren.

8. März: Spy-Gate: Der Fall des Scooter Libby

Die Vierfachverurteilung von Lewis “Scooter” Libby, dem Ex-Stabschef von Vize Dick Cheney, wegen Meineides und Justizbehinderung in der CIA-Affäre hat die US-Kapitale Washington erschüttert: US-Präsident George Bush versinkt wegen dem Spruch der Geschworenen, wonach Libby im Skandal um das Outing der CIA-Agentin und Frau eines Bush-Kritikers Ermittler angelogen hat, im nächsten Skandal. Im Sperrfeuer der Opposition ist auch Cheney: Seine ehemalige rechten Hand, Libbys Spitzname war “Cheneys Cheney”, ist der erste verurteilte amtierende White-House-Beamte seit 130 Jahren – und im Verfahren wurden die miesen Tricks des Chefarchitekten des Irak-Fiaskos dokumentiert. “Es ist für Cheney der Anfang vom Ende”, so Kommentator Andrew Sullivan: “Auch Impeachment ist denkbar”.
Im Zentrum des Skandals steht dazu der wundeste Punkt der gesamten Bush-Ära: Haben Bush und Co die Amerikaner “in den Krieg gelogen”, wie essogar Rechtsaußen Pat Buchanan zuspitzte. Ex-Botschafter Joe Wilson war vor dem Irakkrieg in den Afrikastaat Niger geschickt worden, um angebliche Saddam-Käufe von Rohuran (“Yellow Cake”) für den möglichen Atombombenbau zu überprüfen. Wilson enttarnte die Story als Fälschung, doch Bush & Co warnten weiter in schrillsten Tönen vor Atompilzwolken über US-Metropolen. Als Wilson die Wahrheit in einem Kommentar darlegte, verbreitete das White House, darunter auch Bushs rechte Hand Karl Rove, gegenüber Reportern, dass Wilsons Frau Valerie Plame als Undercover-Agentin für die CIA arbeitet.
Verurteilt wurde Libby jedoch, da er die ermittelten “Feds” über Medienkontakte anlog. Geschworener Denis Collins hielt Libby eher für den “Sündenbock: “Was ist mit Rove und all den anderen Guys?” Cheneys Kommentar, wonach er “tiefe Traurigkeit über das Urteil empfinde”, provozierte eine wütende Reaktion von Wilson: “Er soll lieber betroffen sein, was er tausenden Truppen angetan hat, die in einem auf Lügen basierenden Krieg ihr Leben ließen”. Rechtsexperten glauben, dass Libby auf einen Bush-Pardon setzt und deshalb keine weiteren Details der Lügenmaschinerie innerhalb des Cheney-Büros verraten wird. “Doch ein Pardon selbst würde als Skandal aufgefasst werden”, so Ex-Republikaner-Abgeordneter Joe Scarborough.
Der Mediensturm um die Libby-Verurteilung kommt für Bush, der unter 30% Popularität fiel, zum ungünstigsten Zeitpunkt: Tief sitzt der Schock über die katastrophalen Zustände im “Walter Reed” und anderen Militärspitälern. Im Irak starben am Tag des Urteilsspruchs neun GIs und 120 irakischer Pilger. 60 Prozent wollen, dass die Truppen innerhalb eines Jahres abziehen. In Kongress könnten nun Untersuchungen im Kriegslügenskandal folgen. “Doch die Demokraten halten sich zurück, da viele selbst für den Krieg stimmten”, so Politologe Shaun Bowler.

# 7. März: Vergessenen Helden: Der „Walter Reed“-Skandal

Sergeant Daniel Shannon traf eine Kugel aus einer AK-47 bei einem Feuergefecht im irakischen Ramadi genau ins linke Auge. Er überlebte wie durch ein Wunder das schwere Gehirntrauma, eine schwarze Klappe hängt nun über dem verlorenen Auge. Doch das echte Martyrium begann für den GI erst im “Walter Reed”-Militärspital nahe D.C.: Nach bloß einer Woche Behandlung wurde ihm eine Karte in die Hand gedrückt. Alleine sollte er sein neues Quartier finden: “Ich war desorientiert und irrte herum”, erzählte Shannon mit bitterer doch fester Stimme dem Kongress-U-Ausschuss im Skandal um Mäuse-, Moder- und Kakerlaken-infizierte Militärspitäler: “Dann wartete ich vergeblich auf zusätzliche Behandlung, Formulare gingen verloren”.
Die schockierenden Aussagen von Shannon und anderen Opfern, “live” übertragen auf vielen News-Kanälen, haben in den USA einen neuen Sturm der Entrüstung über den Umgang mit den 30.000 im Irak- und Afghanistan-Krieg verwundeten GIs entfacht: Vor allem US-Präsident George W. Bush, der sich im “Walter Reed” gerne mit den Vielfachamputierten zu Fototerminen traf, gerät unter Druck. “Die Situation ist inakzeptabel”, verteidigte er sich bei einer Rede vor Veteranen. Und: Ex-Präsidentschaftskandidat Bob Dole (R) soll eine Untersuchungskommission leiten, so Bush.
Doch bei neuen Senats-Hearings folgten scharfe Attacken: “Wir Schulden als Nation jenen, die bei der Verteidigung unserer Freiheit so große Opfer bringen, eine ordentliche Betreuung”, mahnte Demokraten-Star Hillary Clinton. Der “Betrug an den Helden”, so TV-Kommentatoren, wird bereits mit dem kolossalen Versagen der Bush-Regierung nach dem Monster-Hurrikan “Katrina” verglichen. Und der Skandal sei Teil der schlechten Kriegsplanung, wetterte Demokraten-Senator Carl Levin, “da ein schneller Triumph mit einem Minimum an Verletzten erwartet worden war”.
Jetzt platzen die 154 Militärspitäler durch eine Flut an Verwundeten aus allen Nähten, Walter Reed sei nur die “Spitze des Eisberges”, so Abgeordneter Tom Davis. Die Kosten explodieren: Die Betreuung zehntausender, lebenslanger Pflegefälle könnte, so Experten, an die 1.000 Milliarden Dollar kosten.

# 6. März: Barbara Prammer in New York

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer sitzt im 31. Stock von Österreichs UNO-Botschaft vor der spektakulären Skyline Manhattans und schwärmt von Hillary Clinton, die als erste Frau in der US-Geschichte echte Chancen hat, ins Oval Office einzuziehen: “Das ist enorm aufregend, ein wirklich großer Schritt vorwärts für die Rolle der Frauen in der Politik”. Prammer ist zur 51. Frauenkonferenz der Vereinten Nationen an den New Yorker East River gereist, als eine von 35 Parlamentspräsidentinnen weltweit. Der Club hatte mit Nancy Pelosi, der ersten “Madam Speaker” der US-Geschichte, zwar kürzlich prominenten Zuwachs erhalten, doch sind es bisher bescheidene 13,4% der insgesamt 262 Parlamentskammern in den von der “Interparlamentarischen Union” (IPU) als demokratischen anerkannten 189 Staaten. Prammer: “Das ist noch keinesfalls befriedigend – doch immerhin, die Tendenz ist steigen”. Pelosi übrigens, hatte sich entschuldigen lassen.
Prammer argumentierte dafür, dass Parlamente vermehrt auch in der Außenpolitik mitreden sollten: “Abgeordnete haben oft weit mehr internationale Kontakte, die viel tiefer in die Bevölkerungen hineinführen”. Bei einem Meeting mit dem neuen UN-General Ban Ki-moon regte sie die Installierung einer Art “Frauenministerin der UNO” an, die das “volle Vertrauen des Generalsekretärs genießt” und trachtet, dass alle UN-Maßnahmen auch auf Frauen Rücksicht nehmen. Und, so Prammer: “Ich werde hier auch für einen Gipfel in Wien im Jahr 2008 werben zum Thema Kindersoldatinnen”.

# 5. März: Demokraten-Duell um farbige Wähler

Der farbige Demokraten-Kandidat für das Oval Office, Barack Obama (45), gedachte am Sonntag in einer gewohnt eloquenten Rede in der “Brown Chapel” in Selma, Alabama, an die Prügelorgie gegen schwarzen Bürgerrechtskämpfer vor 42 Jahren. Die Polizei hatte mit Schlagstöcken vor laufenden TV-Kameras 600 Demonstranten mit unfassbarer Brutalität zurückgedrängt, der “Bloody Sunday” wurde zum Wendepunkt im Kampf der Schwarzen um Bürgerrechte. Es hätte ein Heimspiel für Obama sein sollen: Der erste farbige, chancenreiche Kandidat für das mächtigste Politamt der Erde trifft auf die Führer der Schwarzen-Bewegung.
Doch bloß die Straße runter, in der “First Babtist Church”, trat Obamas Widersacherin und Frontrunnerin um das Demokraten-Ticket für den Kampf um das Weiße Haus 2008, Hillary Clinton, auf. Und noch überraschender: Gatte Bill stand an ihrer Seite, der bei Farbigen derart beliebt ist, dass sie ihn liebevoll “Amerikas ersten schwarzen Präsidenten” tauften. US-Medien überschlugen sich über die Schlacht um Schwarzenwähler mit Superlativen: Erstmals stiegen sich die Demokraten-Stars Hillary und Obama beim Wahlkämpfen im gleichen Ort praktisch auf die Zehen, erstmals setzte Hillary ihre Geheimwaffe, Politgenie Bill, ein.
Schwarze Wähler können die Demokraten-Primaries entscheiden: In South Carolina sind es 50%, in Alabama sogar 60%. Für ihre Führer ist der Shwodown zum Dilemma geworden: “Ich wollte Barack Obama unterstützen”, so Bürgerrechts-Führer John Lewis zur New York Times: “Bis Bill Clinton anrief”. Hillary ist nervös geworden: Laut einer Umfrage des Institutes Zogby führt sie mit 33% das Demokratenfeld zwar noch an, doch Obama rückt mit 25% rapide näher . Unter Schwarzen hat der Senkrechtstarter Hillary mit 36% zu 27% erstmals sogar überholt.
Dabei geht auch für Obama an dieser Front nicht alles reibungsfrei: Zuletzt war aufgeregt debattiert worden, ob er als Sohn einer weißen Mutter und einem schwarzen Vater aus Kenia auch “schwarz” genug sei, um automatisch unterstützt zu werden. Die Vorfahren seiner Mutter Ann Dunham wurden zusätzlich als Sklavenhälter geoutet.
Hillary oder Obama, wer immer gewinnt dürfte auf Ex-New-York-Bürgermeister Rudy Giuliani prallen: Laut Newsweek-Umfrage hat der im hypothetischen Zweier-Duell Vietnamhelden John McCain mit 59% zu 34% deutlich abgehängt, das Wort “Vorentscheidung” wird bereits geflüstert.
Einen Vorgeschmack, wie dreckig das Superwahljahr 2008 werden könnte, lieferte inzwischen die ultrarechte Autorin Ann Coulter bei einer Republikaner-Konferenz: Sie verhöhnte den burschikosen Demokraten-Kandidaten John Edwards als “Schwuchtel” – unter dem Gejohle der Zuhörer.

# 1. März: Obama holt auf!

Senkrechtstarter Barack Obama holt gegen die bisherige Oval-Office-Favoritin Hillary Clinton auf: Ihre als erste Frau historische Kandidatur für den mächtigsten Politposten der Erde ist gleich bem Start ins Wanken geraten. Obama, der als farbiger Senator wegen Charisma, Jugendlichkeit und Frische seit Monaten für Furore sorgt, liegt in der jüngsten Umfrage des Institutes “Zogby” mit 25% nun fast Kopf-an-Kopf mit New-York-Senatorin Clinton, die das Feld der Demokraten-Kandidaten mit 33% anführt. Erstaunlich: Obama hat in sechs Wochen elf Prozentpunkte zugelegt.
In den Demokraten-Primaries, die im Jänner 2008 in Iowa beginnen, bestimmt die Parteibasis, wer ins Rennen um die Bush-Nachfolge geschickt wird. Viele Demokraten machen sich Sorgen, ob Hillary in der Schlacht um das Weiße Haus – vor allem in Kriegszeiten – auch Chancen hat. Und auch da beinhaltet die Umfrage Hiobsbotschaften: Gegen die beiden möglichen Republikaner-Gegner, “9/11-Bürgermeister” Rudy Giuliani oder Vietnam-Kriegshelden John McCain, würde sie im hypothetischen Duell unterliegen, Widersacher Obama jedoch triumphieren.
Es war ein bisher holpriger Start von Hillarys Jahrhundert-Kandidatur:
# Als Hollywood-Mogul David Geffen, der für Obama 1,3 Millionen an Spenden sammelte, ihre Chancen wegen einer “zu polarisierenden” Persönlichkeit anzweifelte, verlor Hillary die Nerven: Sie attackierte Obama und nicht Geffen.
# Stur verweigert sie eine Entschuldigung für ihre Stimme im Senat zur Autorisierung von Bushs Irakkrieg in 2002 wie vom linken Rand der Parteibasis gefordert.
# US-Medien enthüllten zuletzt, dass sie ihre Rolle in einer Cinton-Hilfsorganisation im Report an die Ethik-Kommission des Kongresses verschwieg: Fünf Millionen Dollar waren seit 2001 gespendet worden, die Beträge sind von der Steuer absetzbar. Senatoren müssen alle steuerrechtlich relevanten Geschäfte offenlegen.
Und noch eine Entwicklung gibt Anlass zur Sorge für Hillary: Seit dem Oscar-Triumph vom Ex-Vize Al Gore wird in Politzirkeln nur mehr über dessen möglichen Einstieg in das Präsidentschaftsrennen geredet. Gore könnte das ganze Feld aufmischen, so der Tenor.