Stories 2007-11


30. November: Osama Again…


Al-Kaida-Superterrorist Osama bin Laden fordert in einem neuen Tonband die Europäer auf, ihre Unterstützung der USA im Afghanistan-Krieg aufzugeben. “Es wäre besser für euch, eure Politiker, die das Weiße Haus frequentieren, einzubremsen, um das Unrecht zu beenden, das den Unterdrückten angetan wurde”, wendet sich Bin Laden gewohnt schwülstig an die Bevölkerungen Europas. Und: Europa mache sich in diesem “verlorenen Krieg” mitschuldig an Kriegsverbrechen, “da die meisten Opfer Frauen, Kinder und Zivilisten sind”. Die Veröffentlichung des Tape war vor Tagen angekündigt worden. Der Terror-Pate, der von den USA seit dem Horror des 11. September 2001 mit 50 Millionen Dollar Kopfgeld fieberhaft gejagt wird, verteidigt auch die Taliban: Der Angriff der USA und ihren Alliierten wäre völlig unprovoziert gewesen, da die Taliban nichts mit 9/11 zu tun hatten. Bin Laden: “Ich dafür verantwortlich”. Obwohl spezifische Drohungen fehlen, warnen Al-Kaida-Kenner, dass derartige Botschaften oftmals Signale für bevorstehende Anschläge dienten.

30. November: „Republikaner-Star“ Hillary

Die Demokratin Hillary Clinton wurde zum unfreiwilligen Star in der jüngsten TV-Debatte unter Republikaner-Kandidaten. Mit wilden Anti-Hillary-Tiraden positionierten sie sich: Wer sie am ehesten schlagen? Ihr Name fiel öfter als selbst der von Republikaner-Idol Ronald Reagan. Die “CNN/YouTube”-Debatte in Florida war mit Spannung erwartet worden, da einfache Bürger ihre Fragen in Kurzvideos präsentierten. Durch das lebendige Debatten-Format und leichter Nervosität durch den baldigen Start der Vorwahlen in Iowa in fünf Wochen flogen auch prompt die Funken. Am wüstesten geriet das Duell zwischen Frontrunner Rudy Giuliani und seinem stärksten Widersacher Mitt Romney: Romney warf Giulinai vor, er hätte als New Yorks Bürgermeister “Illegale willkommen geheißen”. Romney habe ein “persönliches Einwanderungsproblem”, schoss Giuliani zurück, da der Ex-Massachussetts-Gouverneur bei Renovierunsgarbeiten an seinem Haus eine Firma heuerte, die Illegale beschäftigte. Der Star der TV-Hitserie “Law & Order”, Fred Thompson, der als “neuer Reagan” bei der rechten Parteibasis punkten will, attackierte Romney, früher Abtreibungen befürwortet zu haben. Vietnam-Kriegsheld John McCain wetterte vehement gegen Folterpraktiken, ein unter der blutrünstigen Audienz eingefleischter Konservativer fast aussichtsloses Unterfangen. “Das Rennen ist noch völlig offen”, so Polit-Kommentator Tim Russert: Giuliani führe zwar in nationalen Umfragen, doch liege gegenüber Romney in frühen Vorwahl-Staaten, wie Iowa oder New Hampshire, zurück. Und auch McCain und Thompson will noch niemand abschreiben. Doch anders als Hillary und ihr wichtigster Kontrahent Barack Obama, wirke die Republikaner-Truppe eher wie ein Haufen amateurhafter Provinzpolitiker, kein „Präsidentenmaterial“ weit und breit, so Beobachter.

# 29. November: Nahost-Hürden nach dem Photo-Op

Nach dem Blitzlichtgewitter des pompösen Nahost-Gipfels und dem “Coup” einer Grundlagenerklärung, Palästinenserstaat und permanenten Frieden zwischen Israelis und Palästinensern bis Ende 2008 schaffen zu wollen, beginnt die harte Knochenarbeit der Lösung strittiger Fragen – von der Zukunft Jerusalems bis zum Schicksal jüdischer Siedlungen im Westjordanland. Israels Premier Ehud Olmert und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas trafen sich am “Day After” des “Annapolis-Gipfel” in der US-Kapitale Washington zur ersten konkreten Verhandlungsrunde. Trotz aller, in führenden US-Medien geäußerter Zweifel am letztendlichen Einsatzwillen von US-Präsident George W. Bush, sein persönliches Gewicht im kommenden, grimmigen Verhandlungsmarathon total einzusetzen, bleibt Österreichs Außenministerin Ursula Plassnik, die den historischen Tag im Prunksaal der “Navel Academy” miterlebte, optimistisch: “Es war eine echte Aufbruchsstimmung spürbar”, so Plassnik: Allein der Ton sei plötzlich ein völlig anderer gewesen: “Das Leid stand im Vordergrund”. Der Nahost-Friedensprozess hätte einen gewaltigen Energieschub bekommen. Besonders als Bush die Hände von Olmert und Abbas hielt, sei ein Raunen durch den Saal mit Delegationen aus 50 Staaten gegangen. Allen war klar, dass die USA fortan “ihr volles Gewicht in die Waagschale werfe”, so Plassnik. Doch Zweifel bleiben: “Die Tiefe der amerikani-schen Involvierung bleibt abzuwarten”, so das “Wall Street Journal” kühl. Die umjubelte Grundlagenerklärung war acht Minuten (!) vor dem Gipfelbeginn zustande gekommen – und erst nachdem Bush intervenierte und alle strittigen Passagen entschärft worden waren.

# 28. November: Schmutzkübelkampagne eröffnet

Eine wüste Schlammschlacht war bei den US-Wahlen 2008 ja erwartet worden. Doch dass es so früh so derb wird, verblüfft selbst Polit-Veteranen: Hillary Clinton (60), die Demokraten-Favoritin für das Oval Office, soll eine Lesben-Affäre mit ihrer Assistentin, der bildhübschen Huma Abedin (32) haben, griff die britische Zeitung “Times of London” Gerüchte auf, die von Hillary-Hassern via rechten Internet-Foren verbreitet werden. Hillarys “Mystery Woman” arbeitet seit elf Jahren für die Star-Politikerin. Heute tourt sie als “Chef-Reiseassistentin” nonstop an Hillays Seite durch die USA, durchgestylt mit Kostümen von Oscar de la Renta oder Prada. Üble Gerüchte werden über Abedin, Tochter eines indischen Vaters und einer pakistanischen Mutter, gestreut: Sie habe Kontakte zur Terror-Truppe Al-Kaida, so Blogger. Die Zeitung “L.A. Times” soll inzwischen eine Story über eine ruinöse Affäre eines Hillary-Kontrahenten vorbereiten, so Insider. Einige Blogger tippen auf Barack Obama (46), andere auf John Edwards (54).

# 28. November: Hoffnung in Nahost?

US-Präsident George W. Bush hatte die historische Nahost-Friedenskonferenz bei Washington D.C. mit einem Knalleffekt eröffnet: Flankiert von Israels Premier Ehud Olmert und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas verlas er eine gemeinsame Grundlagenerklärung, wonach durch am 12. Dezember beginnende Verhandlungen ein unabhängiger Palästinenserstaat bis Ende 2008 samt permanentem Friedensvertrag entstehen solle. Die Resolution, die durch heftiges Tauziehen bis zuletzt gefährdet schien, verspricht ein “Ende des Blutvergießens” sowie eine “neue Ära des Friedens”.
Bush, der sieben Jahre lang den israelisch-palästinensischen Konflikt ignorierte, so Kritiker, hielt nun verkrampft Olmerts und Abbas Hände zum Gruppenfoto. Delegationen aus mehr als 50 Ländern, darunter 16 aus arabischen Staaten, wurden im prunkvollen “Memorial”-Saal der “Naval Academy” in Annapolis Augenzeugen. “Ich habe das Recht, zu kämpfen, sodass mein Volk ein neues Morgengrauen erlebt”, sagte Abbas in einer dramatischen Rede: “Ohne Besatzung, ohne Siedlungen, ohne trennende Mauer, ohne Attentate und ohne Belagerung unserer Städte”. Olmert beklagte den “schrecklichen Terrorismus, dem Israel zu erdulden hat”. Teils gewalttätige Demos von is-raelischen Siedlern und palästinensischen Extremisten illustrierten, dass für Olmert und Abbas “die größten Hürden am Weg zum Frieden zu Hause liegen”, so Nahost-Experten im US-TV.
Dazu deutete Abbas zunächst keine Eingeständnisse zu den größten Stolperstein an, die frühere Nahost-Friedensprozesse zum Entgleisen brachten: Der Zukunft Jerusalems, Flüchtlingsfragen, jüdische Siedlungen im Westjordanland und die genaue Grenzziehung eines künftigen Palästinenserstaates. Seine Unterhändler zeigten sich dennoch optimistisch, da fortan wieder die USA als “Schiedsrichter” ein tragende Rolle spiele. Bush selbst will jedoch das endgültige Abringen “schwieriger Kompromisse” (Bush) Außenministerin Condoleezza Rice überlassen.

# 27. November: Lichter aus am Broadway

Vor dem Beginn der dritten Woche des verheerenden New Yorker “Broadway-Streiks” verhandelten Bühnenarbeiter und Theater-Produzenten wieder: Es war das erste Treffen nach einer Woche. Durch den Streik sind 26 Musicals mitten in der lukrativsten vorweihnachtlichen Aufführungsperiode suspendiert. Hunderte Schauspielern und Helfer sind vorübergehend arbeitslos, tausende Musical-Fans aus aller Welt tobten vor geschlossenen Theatereingängen. Die Produzenten stehen vor einem Box-Office-Debakel. Der Streik soll New Yorks Wirtschaft, samt Ausfällen in den Restaurants rund um den “Times Square”, pro Tag 17 Millionen Dollar kosten.
Die Kontrahenten hatten sich zuletzt eingegraben mit prall gefüllten Streikkassen, 20 Millionen bei den Produzenten, 4,1 Millionen bei der Gewerkschaft: Es geht vor allem darum, wie viele Bühnenarbeiter – die Dekoration bewegen, Lichter fixieren oder Tonsysteme installieren – pro Show beschäftigt werden müssen. Die Gewerkschaft besteht auf einer Fixzahl und auf ein byzantinisch anmutendes Entlohnungssystem: Der höchste Stundensatz von 56 Dollar etwa muss für das Aufwischen der Bühnenoberfläche vor jeder Show bezahlt werden. “Wir wollen jene Zahl an Arbeitern anheuern, die wir brauchen, und sie für jene Arbeit entlohnen, die sie verrichten”, donnerte hingegen Charlotte St. Martin, Chefin der Produzenten-Liga.
Die Gewerkschaft argumentiert, dass die Arbeiter mit Ein- oder Zweistundenjobs nicht überleben können: Die Großzahl lebe in den Suburbs und wollen nächtens “die letzten Züge erwischen”, so Gewerkschafter Bruce Cohen.
Neue Verhandlungen soll es auch an der zweiten Front der Arbeitskriege in der US-Entertainment-Industrie geben: Der Streik von 12.000 Drehbuchautoren, der in die vierte Woche geht, torpediert Hollywood-Produktionen, TV-Serien und -Talkshows. 23 Millionen Dollar kostet dieser Streik pro Tag, so Experten. Zuletzt zog sich Superstar Brad Pitt aus dem Projekt “State of Play” zurück, da er das Drehbuch nicht mochte – und Autoren zum Umschreiben streiken.

# 27. November: Osama, Euro-Edition

Al-Kaida-Superterrorist Osama bin Laden will in einer kommenden Ansprache die Europäer “aufrütteln”, dass sie “ihren Krieg verlieren würden” und sich den Realitäten “einer höheren Wahrheit” beugen sollen. Die Ankündigung des neuen Bin-Laden-Tapes, “adressiert an die Europäer”, wie ausdrücklich festgehalten wird, wurde auf arabischen “Web Sites” angekündigt, wie die US-Internet-Terrorjäger der “SITE Intelligence Group” verkündeten. Es ist noch nicht klar, ob Bin Ladens Rede per Video- oder Audioband verbreitet werden soll. Die tatsächliche Ansprache ist in den nächsten 72 Stunden zu erwarten, so Terror-Experten. Bin Laden, der von den USA nach dem Terror-Horror des 11. September seit sechs Jahren per Kopfgeld von 50 Millionen Dollar gesucht wird, hatte zuletzt mit einer Serie von wüsten Tiraden zum sechsten 9/11-Jahrestag für Aufregung gesorgt. Die Ankündigung der Rede war von der Gruppe “As-Sahab”, Al-Kaidas Propaganda-Arm, hergestellt worden. In einer ersten Reaktion bewerteten Anti-Terror-Spezialisten in den USA, dass Bin Ladens Video am ehesten Propaganda-Zwecken dienen dürfte. In der Vergangenheit waren Videos des Terror-Paten oder seines Vize Ayman al-Zawahiri jedoch mitunter tatsächlichen Terrorattacken vorausgegangen. “Man muss immer befürchten, dass es ein Signal zu einer Attacke sein könnte”, so US-Experten.

# 27. November: Arnie tourt Malibu-Feuer II

Während erste Bewohner der Promistrand-Enklave Malibu verzweifelt die Ruinen der insgesamt 59 abgebrannten Häuser inspizieren, machen 1.700 Firefighters gegen das am Samstag ausgebrochene Brandinferno gute Fortschritte. Kalifornien-Governator Arnold Schwarzenegger, der nach seinem souveränen Einsatz während dem letzten Feuersturm im Oktober als “Action Hero” gefeiert wurde, tourte wieder durch Brandruinen: Er lobte den Großeinsatz mit 45 Feuerwehrwagen, 23 Lösch-Helikoptern und zwei Brandbekämpfungsfliegern. “Es hatte alles viel schlimmer kommen können”, so Arnie. Beim Rundgang durch eine zerstörte Villa tröstete er die Besitzerin: “Das ist alles sehr, sehr traurig”. Das jüngste Malibu-Inferno, getauft “Carrol Fire”, könnte durch eine Freiluftparty ausgelöst worden sein. Der Brand hatte fast 20 Quadratkilometer verkohlt, sechs Firefighters wurden verletzt.

# 27. November: Bushs letzte Nahost-Chance

Der persönliche Charme von US-Präsidenten George W. Bush soll helfen, 60 Jahre an isrealisch-palästinensischen Kriegen zu beenden, so das Drehbuch der White-House-Strategen für den Nahost-Gipfel in Annapolis. Am Tag vor dem Mega-Gipfel mit 40 Staatsvertretern lud Bush, der den Nahost-Konflikt sieben Jahre lang “sträflich vernachlässigte”, so Kritiker, Israels Premier Ehud Olmert und den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas zu intensiven Vieraugengesprächen ins Oval Office. Die Treffen dienen zur letzten Vorbereitung für den Gipfel, so Berater. Am Dienstag will Bush am Gipfelort, der “U.S. Naval Academy” in Annapolis, Maryland, wo sonst 4.400 Marinesoldaten ausgebildet werden, die Konferenz mit allem Pomp eröffnen: “Ich werde alles tun, meine Vision zweier demokratischer Staaten, Israel und Palästina, die in Frieden nebeneinander leben, Wirklichkeit werden zu lassen”, verkündete Bush den Grundtenor seiner Botschaft, die er am Dienstag in seiner Eröffnungsrede ausbreiten will. Trotzdem: Bush will keine seine eigener Ideen in den Prozess einbringen, wie der “Traum vom Freiden” letztendlich zu erreichen sei, erstaunte der Nationale Sicherheitsberater Stephen Hadley: “Es ist Zeit, dass die Parteien mit ernsten Verhandlungen beginnen”, so Hadley, der gleich die Erwartungshaltungen über einen historischen Durchbruch herunterschraubte: “Die Konferenz ist nur ein Startschuss”. Bushs Ideen würden dann viel später einfließen, so Hadley. Sogar die Bedeutung zumindest einer gemeinsamen Erklärung als unmittelbares Ergebnis des Gipfels spielt das White House inzwischen herunter: Das sei keine kritische Komponente für den Erfolg der Konferenz, so Hadley.

# 26. November: Österreicher im Malibu-Feuersturm

Blitzschnell sei alles gegangen, berichte der austroamerikanische Starproduzent und Komponist Peter Wolf (55), als die zweite Feuerhölle innerhalb eines Monates seinen geliebten Heimatort Malibu heimsuchte. “Ich wachte auf, sah die Flammen und diese gewaltige pechschwarze Rauchwolke hinter dem Bergrücken – dazu machte der beißende Rauch das Atmen schwer”, erzählt Wolf. Kurze Zeit später wäre bereits der Wagen des Sheriffs vor seiner Millionenvilla aufgekreuzt. “Verlassen Sie ihr Haus”, lautet die knappe Botschaft: Wolf fand mit seiner Familie Unterschlupf im Haus der Schwiegermutter in sicherer Distanz zum Inferno.
Sigmar Berg (39), ein weiterer “Malibu-Österreicher” und Mode-Accessoires-Designer, hatte sich dem Befehl zur Zwangsevakuierung bis zuletzt widersetzt, obwohl das Feuer diesmal “weit näher kam als noch vor einem Monat”, wie er berichtet: “Die Flammenwand war deutlich zu sehen, bei einer kurzen Erkundungsfahrt musste ich wegen dem beißenden Qualm die Autofenster schließen und die Lüftung abstellen”, so Berg, der erst vor neun Monaten mit Gattin Petra (37) und seinen Kids Adina (6) sowie Luis (3) in die Promi-Strandenklave zog und jetzt gleich zum Auftakt die vielleicht schlimmste Feuersaison aller Zeiten erlebt.
“Wir haben wieder unsere Sachen panikartig gepackt”, berichtet er, während draußen im Garten wie in einem Horror-Film der Aschenregen niederging. Die Familie sei nun “irgendwie schon geübt in dieser Prozedur”, sagt er mit einem Anflug an Galgenhumor. Ende Oktober, beim letzten Inferno, hatte die kleine Adina noch bitterlich geweint, als nicht alle Stofftiere in eine Tasche passten. Doch alarmierend sei, dass bei jedem Feuersturm sofort TV und Internet ausfallen: “Man weiß plötzlich nicht mehr, was genau los ist, wie bedrohlich die Lage wirklich ist”. Nach Gesprächen mit den Nachbarn, darunter Stars wie Chris Carter (Autor der “X-Files”) oder Komponist Hans Zimmer (“Beverly Hills Cops”), entschließt sich Berg doch zum Bleiben: Wir haben eine Fluchtroute zum Meer hinunter ausgekundschaftet, wenn es zu brenzlig wird können wir am Strand flüchten”.
Peter Wolf sinniert inzwischen in seinem Kurzzeit-Exil, dass alles irgendwie ein Roulette ist: “Die beste, feuersicherste Bauweise deines Hauses oder das regelmäßige Entfernen verdorrter Büsche hilft wenig, wenn die Feuerwalzen kommen”.

# 26. November: Malibu-Inferno II

1.700 Feuerwehrleute stemmten sich verzweifelt gegen die Waldbrände, die Malibu, die idyllische Strand-Enklave der Hollywoodstars, neuerlich mit entfesselter Zerstörungskraft heimsuchen: Günstigere Wetterbedingungen und ein Abflauen der “Santa Ana”-Föhnstürme ermöglichte einen Tag nach Ausbruch des Infernos erstmals eine effiziente Bekämpfung mit 45 Feuerwehrwagen, hunderten Mann an “Bodentruppen”, die in lebensgefährlicher Kleinarbeit Glutnester bekämpfen, 23 Lösch-Helikoptern und zwei gigantischen Lösch-Jumbos.
Der Buschbrand hatte sich am Samstag binnen Stunden zu einem völlig unbeherrschbaren Feuersturm ausgeweitet, der, angetrieben von Windböen von bis zu 120 km/h, von den schroffen Bergen über Malibu durch die engen Canyons in Richtung Pazifik raste. 49 Millionenvillen gingen in Flammen auf, als Firefighters noch verzweifelt versuchten, die bis zu 30 Meter hohen Flammenwalzen zu stoppen. Eine Fläche von 18 Quadratkilometern wurde verkohlt zurückgelassen.
Das “Corral Fire”, wie die zweite Brandkatastrophe in Malibu innerhalb weniger als einem Monat getauft wurde, geht nun als zerstörerischstes Feuer seit 15 Jahren in die Annalen des sonstigen Traumortes ein (1993 brannten die Buschfeuer bis zum Strand, zerstörten 268 Villen, vier Menschen starben). Dabei hatte erst Ende Oktober einer der schlimmsten Feuerstürme aller Zeiten Südkalifornien verwüstet: 21 Buschfeuer vernichteteten 1.500 Gebäude, verkohlten 2.000 Quadratkilometer und töteten 14 Menschen.
Das jetzige Feuer soll durch “menschliche Aktivitäten”, so Firechief Michael Freeman, ausgelöst wurden sein. Lokalmedien hatten über eine Freiluftparty spekuliert, da der Ausbruchsort des Feuers ein beliebter Treffpunkt von Jugendlichen sei. Am ersten Tag des Infernos konnten die Firefighters, obwohl alle Ressourcen aus Südkalifornien zusammengezogen wurden, den Brand nur zu 25% unter Kontrolle bringen. Über 20.000 Einwohner Malibus, darunter zahlreiche Hollywoodstars wie Matthew McConaughey, mussten prompt die Flucht ergreifen. Sechs Feuerwehrleute waren beim Kampf gegen die Feuerwalzen verletzt worden.
Trotz leichter Entspannung der Wetterlage warnte Freeman vor einer verfrühten Entwarnung: “Die Situation ist nach wie vor extrem gefährlich”, sagte er, die Brandherde nahe den schicken Villenvierteln könnten “jederzeit wieder aufflammen”. Für Sonntag galt weiterhin mit einem “Red Flag Warning” höchste Feueralarmstufe in Südkalifornien, die Luftfeuchtigkeit liegt unter 8%. Kalifornien-Gouverneur Arnold Schwarzenegger rief prompt den Notstand aus.

# 26. November: Malibu brennt, schon wieder

Die Promi-Strandenklave Malibu bei L.A. wurde neuerlich, bereits zum zweiten Mal innerhalb nur eines Monats, von einem Feuerinferno heimgesucht: Die gefürchteten “Santa Ana”-Föhnstürme trieben die Flammenwalzen des “Carrol Fire” getauften Infernos die engen Canyons die Hänge zum Pazifik hinunter. 35 Villen wurden binnen Minuten im exklusiven Vorort “Malibu Bowl” ein Raub der Flammen. Die Kalifornier, noch geschockt von den schlimmsten Feuersturm ihrer Geschichte Ende Oktober, wachten wieder auf zu dramatischen TV-Live-Übertragungen: Lichterloh brennende Häuser flimmerten über die Fernseher, dutzende Helikopter knatterten über den pechschwarzen Rauchfahnen, Jumbos warfen Löschpulver ab.
Binnen Stunden wurden 1.700 Firefighters zusammengezogen. Meteorologen hatten vor Windböen von 120 km/h gewarnt. Die Behörden erteilten Evakuierungsbefehle für 10.000 Einwohner, praktisch das gesamte West-Malibu. “Die Flammen loderten in Sichtweite”, so der Österreicher, Mode-Assecoirs-Designer Sigmar Berg: “Es regnet Asche, der Rauch ist so beißend, dass man es keine Minute im Freien aushält, TV- und Internet sind ausgefallen – die Lage ist viel ernster als beim letzten Mal”, so Berg, der mit seiner Frau und zwei Kindern erst vor acht Monaten nach Malibu zog. Trotzdem wollte Berg vorerst in seinem Haus bleiben: “Wir haben die Sachen gepackt – und können jede Sekunde los”.
Der austroamerikanische Produzent Peter Wolf musste hingegen seine Villa verlassen – und wartete auf einer Sammelstelle auf eine Entspannung der Lage. 1.294 Hektar der durch die extreme Trockenheit völlig verdorrten Buschlandschaft hatten die Flammen innerhalb von Stunden konsumiert. “Wir haben keinerlei Eindämmung bisher”, warnte Firechief Michael Freeman. Der Brand war um 3:30 Uhr ausgebrochen, in einer Gegend, wo Jugendliche gerne Parties abhalten, berichteten Lokalmedien.
Kaliforniens “Governator” Arnold Schwarzenegger war stündlich über den Fortgang des Infernos unterrichtet worden. Diesmal wurde der totale Luftkrieg gegen die Flammenhölle prompt gestartet, nachdem beim Oktober-Feuer Kritik am zögerlichen Einsatz der Löschflieger, darunter der Jumbo DC-10, laut geworden war. Helikopter tankten sogar in den Swimming Pools der Millionenvillen der Hollywood-Stars auf. Eine Augenzeugin berichtete gegenüber der TV-Station KNBC, dass sie Filmstar Matthew McConaughey zur Flucht überredet hatte.

# 24. November: Mord-Metropole no longer

Das Geknalle wilder Schießereien gehörte zum Alltag New Yorks wie die lähmende Furcht seiner Einwohner, zufällig in den Kugelhagel zu geraten. 2.245 Menschen starben noch 1990 in der damaligen “Mordmetropole”, mehr als sechs pro Tag. 2007 soll wieder ein Rekordjahr werden, diesmal ein positives: Weniger als 500 Morde dürfte es heuer geben, die niedrigste Rate seit dem Beginn verlässlicher Statistiken 1963, berichtet die “New York Times”. Sicherer fühlen sich New Yorker aber vor allem, da heute die Gefahr minimal scheint, zufällig Gewalt-Opfer zu werden: Weniger als 100 Opfer kannten ihre Täter nicht, eine, so Kriminologen, äußerst kleine Zahl in einer Metropole mit 8,5 Millionen Einwohnern. Die meisten Morde passierten unter Bekannten, Familienmitgliedern oder rivalisierenden Drogen-Gangs. Die Polizei bezweifelt, dass sie die Rate noch weiter nach unten drücken kann: Das Blutvergießen passiert hauptsächlich in den eigenen vier Wänden der Bürger, so ein Experte: “Sollen wir Cops in jede Wohnungen schicken?”

# 21. November: Showdown in der Entertainment-Industrie

Es spielen sich fast tumultartige Szenen im Manhattaner Theater-Distrikt rund um den weltberühmten Broadway ab. Streikende Bühnenarbeiter, mit Wollmützen und Gore-Tex-Jacken stehen im kalten Nieselregen mit Protest-Schildern um den Hals vor Metallbarrikaden, die einen Theatereingang verriegeln. “Hairspray” prangt darüber der Titel des Musicals. Wütende Touristen fuchteln mit ihren Tickets zur abgesagten Show herum.
Der Streik der Bühnenarbeiter am Broadway hat New Yorks “kommerzielles Theater”, wie die Touristenmagneten der Musicals offiziell heißen, in seine schwerste Krise seit 1975 gestürzt, als 25 Tage lang gestreikt wurde: Nachdem je zwei zwölfstündige Marathon-Verhandlungsrunden zwischen den Theaterproduzenten, teils Entertainment-Riesen wie Disney, und der Bühnenarbeiter-Gewerkschaft zuletzt kollabierten, fallen 19 Produktion zumindest für die ganze “Thanksgiving”-Woche aus, der zweitwichtigsten Aufführungsperiode des Jahres. Der Streik kostet der Metropole täglich 17 Millionen Dollar. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg bezeichnete den Arbeitskampf bereits als “tragisch”, vor allem für den Tourismus.
Noch katastrophaler ist der Fallout im zweiten Showdown innerhalb der US-Unterhaltungsindustrie: Im Hollywood-Autorenstreik um höhere Gewinnbeteiligungen bei den Internet-Umsätzen wurden eine Großbudget-Musicalfilmproduktion mit den Superstars Johnny Depp und Penélope Cruz sowie der Vietnamkriegs-Film “Pinkville” über das “My Lai”-Massaker durch US-GIs von Regisseurlegende Oliver Stone (Bruce Willis, Woody Harrelson) zu den jüngsten Opfern der seit 5. November andauernden Arbeitsniederlegung von 3000 Film- und TV-Schreibern. Die Kosten für Hollywood und die TV-Industrie belaufen sich bereits auf hunderte Millionen Dollar (der Totalschaden im bisher verheerendsten Hollywoodstreik 1988 belief sich immerhin auf 500 Millionen). Es kam zum Drehstopp bei populären TV-Seifenopern wie “Desperate Housewives” oder “24”. Die Shows der “Late Night”-Komödianten wie Jay Leno oder David Letterman sind ebenfalls lahmgelegt. Kalifornien-”Governator” und selbst Ex-Filmstar Arnold Schwarzenegger bemüht sich hinter den Kulissen um eine Einigung: Der Streik “beeinträchtige die Wirtschaft”, so Arnie, und würde tausende Jobs kosten.

# 18. November: Der Euro erobert New York

Der Besitzer des Restaurants “The EU” im Manhattaner Ausgehviertel “East Village”, Jason Hennings, hatte die Aktion einst als Service für seine New Yorker, von Europa-Trip zurückkehrende Gäste erdacht: Das Akzeptieren von Euro-Bargeld. Doch jetzt plötzlich erfreut sich die Praxis größter Beliebtheit auch bei europäischen Touristen. Denen bereite es größtes Vergnügen, so Hennings, “mitten in New York mit ihrer eigenen Währung bezahlen zu können”. Viel Stolz schwingt da wohl auch mit: Denn der starke Euro, inzwischen mit 1,46 am Weg zur Eineinhalb-Dollar-Marke, erobert auch als Bargeld den Big Apple. Einige Geschäfte, vor allem in den populärsten Touristenzonen, hängen bereits kleine Tafeln in ihre Auslagen: “Euros Accepted”. Vorbei sind jedenfalls in den USA die Zeiten, wo die Währung kurz nach ihrer Einführung als “Euro-Dollar” belächelt worden war.
Der österreichische Starkoch Kurt Gutenbrunner, der mit seinen drei Gourmet-Tempeln “Wallsé”, “Café Sabarsky” und “Blaue Gans” Fixstern der kulinarischen Szene ist, würde ebenfalls Euro-Scheine in seinen Lokalen akzeptieren, doch diese Praxis nicht eigens promoten: “Natürlich nehme ich das Bargeld der stärksten Währung der Welt”, sagt er: Doch in der Praxis mache das wenig Sinn, da er wegen der verheerenden Wechselkurse von Euros auf Dollar bei New Yorker Banken nur mit 1 : 1 tauschen könne.
Doch es geht ohnehin mehr ums Prestige. Viele Europäer wollen auch im täglichen Leben den Amerikanern vorführen, dass in naher Zukunft ihr Euro den Dollar als internationale Leitwährung ablösen könnte. Die Auswirkungen der Dollarkrise – ausgelöst durch Amerikas Handelsbilanzdefizit und verlangsamenden Wirtschaftswachstum – sind vielfältig und teils kurios:
# Internationale Stars etwa zeigen der dümpelnden “Greenback”, einst mächtiges Symbol von Amerikas Wirtschaftsdominanz, die kalte Schulter. Supermodell Giselle Bündchen bestand bei ihren jüngsten Honorarverhandlungen mit dem Konsumgüterriesen “Procter & Gamble” darauf, für ihre Werbeauftritte in Euro und nicht mehr in Dollar bezahlt zu werden.
# Rapper Jay-Z wachelte in einem jüngsten Video-Clip mit Euro- und nicht Dollarscheinen.
# Die Dollar-Turbulenzen betreffen aber auch gesamte Staaten: Isreal forderte zuletzt, seine Milliarden-Förderungen durch die USA in Euro ausbezahlt zu bekommen.
# Dazu reduzierten Nationalbanken von Peking bis Qatar den Anteil ihrer, in Dollar gehaltenen Devisen-Reserven.
Für New Yorks Wirtschaft hat der schwache Dollar, abgesehen vom genickten Stolz seiner Einwohner, aber auch enorme Vorteile: Allein britische Urlauber, deren Pfund heute 2,05 Dollar Wert ist, ließen hier im Vorjahr 1,65 Milliarden Dollar zurück. Gleichzeitig leiden Europas Exporteure: “Wir sehen bei den Austro-Exporteuren in die USA in den Statistiken noch keine Einbrüche”, so Österreichs Handelsdelegierter Christian Kesberg: “Viele Exporteure bearbeiten erfolgreich Marktnischen, wo der Preisdruck nicht so hoch ist”. Dennoch: “Leichter ist es für niemanden geworden”. Sorgen macht sich Restaurant-Besitzer Gutenbrunner vor allem um seine exklusive Weinliste, das größte Sortiment österreichischer Weine in den USA: “Ich trachte, dass ich nicht die Preise anheben muss”. Denn dann könne Stolz leicht in Ärger umschlagen, befürchtet er.

# 17. November: Hillary schlägt zurück

Hillary Clinton hat sich in der mit Hochspannung erwarteten Demokraten-TV-Debatte in Las Vegas mit einer kämpferischen Performance behauptet. Die Demokraten-Vorwahl war in den letzten Wochen durch einen schwachen Auftritt der Frontrunnerin Hillary in der letzten TV-Diskussion und einer Serie an Miniskandalen wieder spannend geworden. Doch jetzt ging sie gekonnt in die Gegenoffensive: Kontrahenten John Edwards warf sie vor, sie mit “Dreck zu bewerfen” und sich mieser Republikaner-Tricks zu bedienen. Barack Obama kritisierte sie, da unter seinem Krankenversicherungsplan 17 Millionen Amerikaner leer ausgehen würden. Der Schlagabtausch zwischen Hillary, Obama und Edwards war mitunter recht laut geworden. “Diese Runde geht eindeutig an Hillary”, so Polit-Kolumnist David Yepsen: Ihr Status als Oval-Office-Favoritin sei damit wiederhergestellt.

# 17. November: Öko-Krieger Arnie und Gore

Mehrmals hat Kaliforniens grüner “Governator” Arnold Schwarzenegger angekündigt, das Abwenden eines Klima-GAUs zum Top-Thema der Schlacht um das Oval Office 2008 machen zu wollen – auch wenn er als in Österreich Geborener laut US-Verfassung weder als Präsident noch Vize selbst antreten kann. Jetzt macht Arnie offenbar ernst: Nächsten Monat will er gemeinsam mit dem frisch gekrönten Nobelpreisträger und Klimaguru Al Gore bei einem überparteilichen Forum zu Energie- und Klima-Fragen im US-Bundesstaat New Hampshire auftreten.
Vor allem Zeitpunkt und Ort lassen die Politpresse rotieren: In New Hampshire findet im Jänner eine der wichtigsten “Primaries” der Präsidentschafts-Vorwahlen zur Bestimmung des Demokraten- und Republikanerkandidaten statt. Das Auftauchen der beiden Klima-Gurus mitten in der heißen Vorwahlphase in New Hampshire wird als Sensation gewertet: Nach Gores Nobelpreisgewinn war massiv über einen “Quereinstieg” des Ex-Vize in den Kampf um die Bush-Nachfolge spekuliert worden. Auch bei Arnie wollen Gerüchte nicht verstummen, dass er auf eine internationale Rolle etwa als Klima-Emissär schielt. Auch eine Teilnahme der Frontrunner Hillary Clinton (D) und Rudy Giuliani (R) bei dem Forum wird erwartet. Im Detail: Gore soll eine Diskussionsrunde innerhalb der “Dems” führen, Arnie die der Republikaner.
Schwarzenegger betreibt in Kalifornien die vielleicht progressivste Klima-Politik der Erde: Per Gesetz soll der CO2-Ausstoß bis 2020 um 25% gesenkt werden. Zuletzt ließ er die US-Umweltbehörde EPA verklagen, um strengere Abgasvorschriften für PKWs und LKWs durchzusetzen. Doch auch der latenter Kritik an seinem persönlichen, CO2-intensiven Fuhrpark aus Privatjets und SUVs will er begegnen: Seine Reisen sollen künftig in einer Klima-Registratur dokumentiert und zum Ausgleich Waldstücke gepflanzt werden.

# 16. November: Suche nach Nussbaumer

Die Familien der vier, mit dem Österreicher Bert Nussbaumer (26) vor exakt einem Jahr im Südirak entführten US-Guards der Sicherheitsfirma “Crescent Security” haben eine Offensive zur Rückführung der fünf Geiseln gestartet: 90.000 Flugzettel, bedruckt mit den grimmigen Bildern der Fünf aus dem von ihren Entführern angefertigten Video sowie Botschaften in arabisch und englisch, liegen im Nahen Osten zur Verteilung bereit, so US-Familienhelfer Mark Koscielski. “Im Namen Allahs dem Gnädigen, ersuchen wir um Hinweise über den Verbleib unsere Söhne, Brüder und Väter”, ist auf dem Flugblatt zu lesen. Insgesamt werden 150.000 Dollar Lösegeld für die Freilassung der Geiseln versprochen. Koscielski hat neuerlich die US-Regierung ersucht, ihm und sechs weiteren Freiwilligen Einreisevisa in den Irak auszustellen, um die Flugblätter in drei irakischen Städten verteilen zu können.

15. November: Billionen-Grab Irak

Die “Kriege gegen den Terror” von Präsident George W. Bush werden für die USA zum größten Milliarden-Grab ihrer jüngeren Geschichte: Die Totalkosten für die Einsätze in Afghanistan und dem Irak zwischen 2002 und 2008 sollen sich laut einem Kongress-Report auf 1,6 Billionen Dollar belaufen. Der Betrag ist doppelt so hoch wie die 804 Milliarden, die Bushs White House bisher einräumte.
In dem von den Demokraten erstellten Kongress-Bericht wurden “versteckte Kriegskosten” addiert: Durch steigende Ölpreise etwa – das Fass kostete zu Kriegsbeginn 37 Dollar, heute über 90 – hätten US-Konsumenten 124 Milliarden mehr an den Zapfsäulen gelassen. Allein Zinszahlungen für die Kriegsfinanzierung sollen bis 2017 550 Milliarden ausmachen. Die sündteuren Kriege hätten die US-Gesamtverschuldung erstmals über neun Billionen gedrückt. Hinzu kommt die medizinische Betreuung der bis heute allein im Irak verletzten 28.385 GIs. Um die politische Sprengkraft zu erhöhen, rechneten die “Dems” aus: Pro Familie belaufen sich Kosten auf 20.900 Dollar. Auf das Jahr 2017 hochgerechnet sollen Bushs Kriege sogar 3,5 Billionen Dollar kosten. Makaber: Bloß 60 Milliarden Dollar hatte Bush vor der Irak-Invasion geschätzt.
“Die Kosten für unser Land in Leben und Dollar sind auf tragische Weise inakzeptabel”, wetterte Demokraten-Senator Chuck Schumer. Bush-Sprecherin Dana Perino verurteilte jedoch den “politisierten Bericht”, der von den jüngsten “positiven Entwicklungen” ablenken solle. Senats-Führer Harry Reid will die Genehmigung weiterer 50 Kriegsmilliarden inzwischen von der Festlegung fixer Abzugsfristen für die 160.000 im Irak stationierten GIs abhängig machen – um Bushs “sturem Kriegskurs” zu beenden.

# 13. November: Hillarys Maschinerie stottert

Die einst gut geölte Wahlkampf-Maschinerie von Oval-Office-Favoritin Hillary Clinton ist ins Stottert geraten: Obwohl sie sieben Wochen vor dem Start der Vorwahlsaison in Iowa am 3. Jänner in einer “ABC/Washington Post”-Umfrage noch mit 49 % deutlich vor ihrem stärksten Demokraten-Kontrahenten Barack Obama (26 %) führt, erscheint sie – besonders nach einer miesen Performance in der jüngsten TV-Debatte – plötzlich als kein unbezwingbarer Koloss mehr. Der Trend zeigt nach unten: Im wichtigen Primaries-Staat New Hampshire reduzierte sich ihr Vorsprung gleich um neun Prozent. Gleichzeitig holt Obama auf, vor allem in Iowa zeichnet sich ein Thriller ab.
“Verwundet”, knallte der Internetdienst “Huffington Post” über Hillarys gesenkten Kopf. Unter dem Trommelfeuer von Obama & Co, die “nun Blut geleckt haben”, so Beobachter, macht sie Fehler: Angerührt spielt sie die “Frauenkarte” aus, als sie andeutete, ein “nervöser alter Männerklub” würde über sie herfallen. Und Gatte Bill ist zuletzt auch keine Hilfe: Der verglich die Attacken gegen Hillary mit der brutalen “Swiftboat”-Rufmordkampagne der Republikaner gegen Ex-Kandidaten John Kerry 2004 und provozierte wütende Reaktionen der Hillary-Kontrahenten.

# 13. November: American Gangster

Die Szene ist so überraschend wie blutrüstig, der Kinosaal zuckt zusammen. Frank Lucas (Denzel Washington), “Heroin-König” der Siebziger in Harlem, führt seine Brüder in einem Café ins Drogengeschäft ein. Auf der Straße sieht er einen seiner Gegenspieler. Er steht seelenruhig auf, setzt ihm eine Pistole an den Kopf: “Willst du mich auf offener Straße erschießen?”, provoziert ihn sein Gegner. Der Knall lässt Passanten panikartig Deckung suchen. Franks Kontrahent gleitet mit einem Loch im Kopf zu Boden. “Mitten ins Gesicht”, so beschreibt Regisseur-Legende Ridley Scott den Stil, wie er Kaltblütigkeit und Gelassenheit eines der größten US-Kriminellen cineastisch umsetzte.
“American Gangster” – die “True Story” des Drogen-Königs Lucas, der während des Vietnamkrieges pures Heroin in Särgen gefallener GIs in die USA schmuggelt und den Cop Richie Roberts (Russell Crowe) zur Strecke bringt – wird von US-Kritikern als einer der Oscar-verdächtigen “Filme des Jahres” gefeiert. Tatsächlich hat Hollywood mit den Oscar-gekrönten Washington und Crowe, sowie Kult-Regisseur Scott (Gladiator, Black Hawk Down) und Starproduzent Brian Grazer (Da Vinci Code, A Beautiful Mind) seine größten Geschütze aufgefahren. Die Produktionskosten: 93 Millionen Dollar. “Gangster” wurde zum Hit im US-Boxoffice: 46,3 Millionen Dollar flossen am Eröffnungswochenende in die Kinokasse. Der Epos wird bereits in einem Atemzug mit legendären Gangster-Klassikern á la “Godfather”, “The Departed” oder “French Connection” genannt.
“Es ist eine faszinierende Story”, schwärmt Washington: Einen “Hauch von Geschichte” hätte er gespürt, als er zur Rollenvorbereitung den wirklichen George Lucas, heute eine gebrochene Gestalt im Rollstuhl, traf: “Ich fühlte mich wie eine kleines Kind, das mit dem Feuer spielt – so nahe an dieser mystischen Figur”. Doch wird der Drogenboss, dessen billiges doch potentes Heroin New York devastierte, nicht glorifiziert? Das liege in der Natur des Filmemachens, so Washington: “Auf der Leinwand ist jeder glorreich”. In einer Schlüsselszene für Lucas-Jäger “Richie” retourniert der Drogenfahnder fast eine Million Dollar, die er in einem Gangster-Auto findet. Seine korrupten Kollegen hassen ihn fortan. Es liege “wohl in den Genen”, erklärt Crowe die Motive des “ehrlichen Cops”: “Ich würde auch das Geld anderer nicht einstreifen”.
Zwei Stunden gilt es, in der streckenweise überlangen Inszenierung auszuharren. Doch dann lässt Scott ein fesselndes Finale auf das Publikum los. Das erste Zusammentreffen von Crowe und Washington, wo der Cop den Gangster zum Auspacken über alle Bestochenen innerhalb des korrupten “New York Police Department” (NYPD) überredet, gerät zu einer der brillantesten Filmszenen der jüngeren Hollywood-Geschichte. Lucas packt schließlich aus: Zwei Drittel der New Yorker Drogencops werden wegen Korruption angeklagt.

12. November: Hoffnung lebt im Fall Nussbaumer

Die Hoffnung, dass der vor fast genau einem Jahr im Südirak gemeinsam mit vier US-Kollegen entführte Guard der Bewachungsfirma “Crescent Securities”, Bert Nussbaumer (26), noch lebt, ist knapp vor dem Jahrestag aufrecht. Indizien über Fortschritte zur Befreiung der Fünf sind jedoch rar. “Mehrmals wurde uns von unabhängigen Quellen bestätigt, dass sie von einer Extremistengruppe nahe Basra gehalten werden”, so US-Helfer Mark Koscielski, ohne genaue Details zu nennen.
Der Waffenhändler aus Minneapolis, der sich einschaltete, um seinem Freund Paul Reubens, einem der Entführungsopfer, zu helfen, ist heute nach zwei ”Fact Finding”-Trips in den Nahen Osten die zentrale Drehscheibe für die Bemühungen der US-Familien in dem Geiseldrama. Die abgestellten Regierungsteams zur Geisel-Fahndung in Österreich wie in den USA geben sich wortkarg über den Fortgang ihrer Ermittlungen. Doch in letzter Zeit hatte zumindest Sharon Debrabander, Mutter der Geisel Paul Young, das Gefühl erhalten, “dass jetzt doch was weiterzugehen scheint”, wie sie sagt. Am Vorabend des Jahrestages der Entführung, dem 16. November – als Nussbaumer & Co bei der Bewachung eines Riesenkonvois aus 37 Vehikeln in einen Hinterhalt gerieten (ein “Inside Job”, nachdem mehrere Entführer als ehemalige Crescent-Angestellte erkannt worden waren) – halten die US-Familien eine Pressekonferenz ab, um den Druck auf die US-Regierung, mehr zur Freilassung der Geiseln zu unternehmen, zu erhöhen. “Wir werden auch Geld sammeln”, sagt Debrabander: “Damit wollen wir ihnen nach der Befreiung den Neustart in ihr Leben erleichtern”.

# 11. November: Geölte SanFran-Bay

Kaum hat Kalifornien-”Governator” Arnold Schwarzenegger das Feuer-Inferno bewältigt musste er prompt nach der schlimmsten Ölpest seit 1988 neuerlich den Notstand ausrufen: Furchtbare Szenen verendender, mit ihren ölverkrusteten Flügel zuckender Vögel halten die Bewohner rund um die malarische San-Franzisko-Bucht in Atem, nachdem das 246 Meter lange Containerschiff Cosco Busan mit Kurs auf Südkorea den Pfeiler der weltberühmten “Bay Bridge” rammte und 219.000 Liter Treibstoff ausliefen.
Für Retter und Aufräumungsteams ist es ein Wettlauf gegen die Zeit: Mit schwimmenden Plastikbarrieren und elf Booten versuchten sie verzweifelt, die Ausbreitung des Ölteppich zu stoppen. 15 spezielle Tierschutz-Teams behandelten 94 schwer verletzte Vögel und entsorgten 28 bereits verendete. Trotz der hektischen Arbeit in der “Bay” erreichte der Ölfilm bereits die Farallon-Inseln, eine Zwischenstation der Zugvögel am Weg in den Süden. Sogar 60 Kilometer nördlich in Tomales Bay wurden tote Vögel entdeckt. 19 Strände mussten prompt gesperrt werden.
“Der Schaden für die Umwelt und die Tierwelt ist enorm”, sagte Arnie: “Wir müssen rasch handeln”. Doch der Vorfall ist längst ein Politskandal: Die US-Küstenwache hatte vier Stunden mit der Meldung zugewartet, dass weit mehr Öl austrat als die ursprünglich gemeldeten 140 Liter. Chaotisch schienen auch die Funk-Gespräche zwischen der Küstenwache und dem Lotsen des Frachters abzulaufen, bevor der Mittwoch, exakt 8:30 Uhr, den Pfeiler rammte. “Die Katastrophe trifft immerhin ein extrem zerbrechliches Ökosystem, welches die ganze Bay Area so lebenswert macht”, wetterte Senatorin Barbara Boxer (D): “Die Versäumnisse sind unverzeihlich”. Eine massive Klagswelle wird erwartet. Die Reinigungsarbeiten könnten laut Experten Jahre dauern. Bei der letzten Horror-Ölpest in der “Bay” waren 1988 1,5 Millionen Öl aus einer Raffinerie ausgeflossen.

# 8. November: Bushs neuer Pudel

Frankreich-Präsident Nicholas Sarkozy, der beim ersten offiziellen Gipfel mit seinem US-Gegenüber George W. Bush endgültig die durch den Irakstreit demolierten franko-amerikanischen Beziehungen reparieren will, hat wohl etwas übertrieben: Strahlend, im schwarzen Frack ließ er sich vor einem Dinner im White House von Bush freundlich auf die Schulter klopfen. “Im Namen aller Franzosen”, hob er dann das Glas, “will ich das Herz der Amerikaner zurückerobern”. Bush, dessen Fans am Höhepunkt der Francophobie vor der Irak-Invasion 2003 sogar die “French Fries” (Pommes) auf “Freedom Fries” umtaufen ließen, bedankte sich: “Bienvenue á la Maison-Blanche”.
Im Gleichschritt wollten fortan Paris und Washington gegen Tyrannei und Unterdrückung kämpfen, so der recht allgemeine Tenor. “Sarkozy fühlt l´amour in den USA”, titelte “L.A. Times”.
“Bushs neuer Pudel”, spottete prompt der deutsche “Spiegel” – in Anspielung auf Ex-Briten-Premier Tony Blair, dem seine Nähe zum unpopulären Bush das Amt kostete. Dennoch ließ sich “L´Américain”, “der Amerikaner”, so Sarkozys Spitzname, in seiner Umgarnung von Bush & Co nicht bremsen: Er hätte nie “wirklich verstanden”, sagte er provokant, “warum Europa und die USA gestritten haben”. Es ging natürlich um den Irak, der offiziell gleich gar nicht auf die Tagesordnung des harmonischen Bush-Sarkozy-Paarlaufes kam, wie US-Medien hämisch anmerkten. Anstatt der davongelaufenen Frau Cecilia präsentierte Sarkozy sein neues Multikulti-Regierungsteam, inklusive der marokkanisch-stämmigen Justizministerin Rachida Dati und der im Senegal geborenen Sozialministerin Rama Yada, die er als “meine Condi Rice” vorstellte.
Bei einer Tour zum Heim von US-Gründer George Washington am “Mount Vernon” wurde kurz über Krisenherde beraten, inklusive einer härteren Gangart gegen den Iran, Reaktionen zum Putsch in Pakistan oder die Zukunft des Kosovo. Sarkozy setzte seine Charmeoffensive mit einer Rede vor beiden Kammern des US-Kongresses fort.

# 6. November: Bush meets Erdogan

US-Präsident George W. Bush versucht in einem seiner schwierigsten Gipfeltreffen seit langem, Türkei-Premier Recep Erdogan von einem Einmarsch türkischer Truppen in den Nordirak zur Bekämpfung der Rebellen der kurdischen Arbeiterpartei PKK abzubringen. Insider beschreiben die Stimmung im Oval Office als grimmig. Bush, der neben dem Türkei-Showdown plötzlich auch die explosive Lage in Pakistan auf seinen Krisenkalender geknallt bekam, warnt Erdogan eindringlich: Militäraktionen könnten “eine der wenigen ruhigen Zonen im Irak destabilisieren”. Das Gespräch wird von Experten als “letzten Chance” gesehen, die Türkei von Militäraktionen abzuhalten.
Erdogan ist unter enormen politischen Druck zu Hause: 30 türkische Soldaten sind bei grenzüberschreitenden Kommando-Operationen durch PKK-Guerillas zuletzt getötet worden. Ankara zog zehntausende Truppen an der türkisch-irakischen Grenze zusammen und ließ sich vom Parlament vorab einen Einmarsch in den Nordirak genehmigen. “Unsere Geduld geht zu Ende”, warnte Erdogan. Bush versucht nun zu retten, was zu retten ist: Das NATO-Mitglied Türkei ist auch ein unverzichtbarer Partner bei seinem “Krieg gegen den Terror”. Zusätzlich zur Kurden-Krise hatte eine Resolution des US-Kongresses, wo Massaker an Armeniern vor fast 100 Jahren als “Völkermord” verurteilt wurden, eine neue Eiszeit ausgelöst. Die Türkei drohte unverholen, der USA den Zutritt zur “Incirlik Airbase”, einem zentralen Umschlagplatz für den Nachschub in den Irak und nach Afghanistan, zu verwehren. “Unsere Beziehungen werden gerade ernsthaft getestet”, nahm sich Erdogan am Weg nach D.C. kein Blatt vor den Mund. Bush will Erdogan mit dem “Teilen” von US-Geheimdienst-Informationen über die PKK ködern. Iraks Kurden-Regionalminister, Nechirvan Barzani, hat inzwischen regionale Gespräche zwischen der USA, der Türkei, Iraks Kurden-Verwaltung in Erbil und der Zentralregierung in Bagdad vorgeschlagen.

# 6. November: Politikbeginn in der Badewanne

Kalifornien-”Governator” Arnold Schwarzenegger sorgt mit kuriosen Enthüllungen über den Beginn seiner Polit-Karriere für Aufsehen: Die startete nämlich, als er sich gemeinsam mit “Kennedy”-Gattin Maria Shriver im häuslichen Sprudelbad (“Jacuzzi”) entspannte, verriet er jetzt bei einem Vortrag. “Maria, ich habe da so eine Idee”, hätte er begonnen: “Was hältst du davon, wenn ich als Gouverneur kandidiere?” Es wäre nur ein kurzer Wahlkampf, warb er bei seiner Gattin, die ironischerweise einst den Austro-Bodybuilder heiratete, um dem Kennedy-Business der Politik zu entfliehen: “Zwei Monate, und dann bin ich Gouverneur! Wäre das nicht toll?” Trotz der romantischen Situation wären Shriver die Tränen über die Wangen gelaufen, so Arnie, der sie 14 Tage lang “bearbeiten” musste. Dort hätte er jedenfalls das Verhandeln gelernt, so Arnie, “die Gabe, Demokraten und Republikaner zusammenzubringen – dort in meinem Jacuzzi”.

# 5. November: Ein Jahr zur Bush-Ablöse

In exakt einem Jahr wählen die Amerikaner ihr 44. Staatsoberhaupt – und es könnte erstmals eine Präsidentin werden: New-York-Senatorin Hillary Clinton führt knapp vor dem Auftakt der Primaries-Saison am 3. Jänner in Iowa gegen ihre parteiinternen Kontrahenten, den schwarzen Senator mit “Rock Star”-Charisma Barack Obama und dem Feschak John Edwards mit bis zu 30 % Vorsprung. Auch ihren möglichen Republikaner-Gegner, New Yorks Ex-”9/11”-Bürgermeister Rudy Giuliani, lässt sie laut einer jüngsten Umfrage mit 51 % zu 43 % im Regen stehen. Hillary kann auch voll auf politische Frauenpower zählen: Bis zu 18 Prozent an “Republikaner-Frauen” könnten für die Ex-First-Lady stimmen. Damit wäre sie praktisch unschlagbar. “Hillary ist die Kandidatin, die es zu schlagen gilt”, so TV-Kommentator Tim Russert.
Doch es werden lange 365 Tage bis zum, mit einer Frau und einem Schwarzen in der “Pole Position” historischen Urnengang am 4. November 2008 zur Nachfolge des unpopuläreren “Kriegspräsidenten” George W. Bush. Die teuerste und brutalste Schlammschlacht aller Zeiten wird erwartet: Hillary und Obama füllten ihre Kriegskassen durch eine Rekordspendenflut von 90 sowie 80 Millionen Dollar. Dazu werden rechte Clinton-Hasser das Privatleben des für sie “sexsüchtigen” Hillary-Gatten Bill in allen schlüpfrigen Details sezieren. Bestseller á la “For Love of Politics” der Autorin Sally Bedell Smith liefern erste Munition.
Auch Hillarys Demokraten-Gegner blasen zum Generalangriff: In der jüngsten TV-Debatte wurde sie von Obama und Edwards derart intensiv mit Vorwürfen bombardiert, sie schmiere das Wahlvolk mit ihrer geschliffenen Rhetorik bloß an, dass sie erstmals Schwächen zeigte. Und in Iowa führt sie nur knapp mit 29 % zu 27 % vor Obama. “Verliert Hillary dort, ist alles wieder offen”, so Russert.
Bei den Republikanern zeichnet sich ein Duell zwischen Giuliani und dem Ex-Massachusetts-Gouverneur Mitt Romney, der in Iwoa führt, ab. Der als “neuer Reagan” gefeierte Hoffnungsträger der Konservativen, “Law & Order”-TV-Star Fred Thompson, entpuppt sich als Rohrkrepierer: Zuletzt wurden Reisen in einem Privatjet eines Beraters kritisiert, der 1979 als Drogen-Dealer verurteilt worden war.
Wer immer sich durchsetzt: Nach sieben Bush-Jahren ist die Stimmung im Land massiv gegen die Republikaner gerichtet. 72 % (!) der US-Bürger sind unzufrieden. Deren größte Sorge: Die blutige und teure Irakmisere.

# 3. November: Rummys Schneeflocken

“Schneeflocken” nannten die Mitarbeiter die Memos von Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, da bis zu 60 pro Tag in den Etagen des Pentagon “einschneiten”. Die fast 20.000 Memos – kurz, prägnant und provokant – bieten einen tiefen Einblick in die wirre Welt des Bush-Kriegers, dessen selbstherrlicher Stil das Irak-Debakel mitverursachte. Nun hat die US-Zeitung “Washington Post” sie ausgegraben. Moslems etwa, sinnierte “Rummy”, scheuten “körperliche Arbeit”: Sie würden lieber Koreaner oder Pakistani holen, “während ihr Jugendlichen arbeitslos bleiben”. Die könnten dann leicht von Radikal-Islamisten rekrutiert zu werden. Offen wurde die Angstkarte ausgespielt: “Redet über Somalia, die Philippinen”, schrieb er an Militäranalysten: “Die Amerikaner sollen realisieren, dass sie von Extremisten umzingelt sind”. Kurz: Die Bedrohung müsse “verstärkt vermittelt werden”. “Pessimistische Medien-Reports” setzten ihm zu: Mit einem neuen Team wollte er endlich “Zurückschlagen”: “Ich muss mich immer verteidigen”, lamentierte Rummy: “Wir können nicht endlos Treffer einstecken”. Er forderte “Bumper Stickers”, einfache Propaganda-Slogans, wie Auto-Aufkleber. Auch einsam muss er sich gefühlt haben: Europa und die UN würden “die Bedrohung in ihren größeren Zusammenhängen einfach nicht verstehen”.

# 2. November: Kein Geld für Starwars

Geht es nach dem US-Kongress, ist für US-Präsident George W. Bush der Traum eines “Starwars”-Raketenabwehr-Schildes über Osteuropa vorerst ausgeträumt. Ein Gesetzesantrag zur Finanzierung von Militärprojekten, den die Demokraten als Kongress-Mehrheit zur Abstimmung bringen wollen, enthält keinerlei Gelder für Bushs geplante Radar-Installation in Tschechien und zehn Raketenabschuss-Rampen in Polen zum Abfangen möglicher Nuklear-Raketen aus Schurkenstaaten á la Iran oder Nordkorea.
Es gäbe nicht einmal “die Grundzüge eines Abkommens” zwischen den USA und Polen, begründete der Demokraten-Abgeordnete John Murtha die Verweigerung der Budgetmittel. Das Pentagon prognostizierte Gesamtkosten für die Anlagen in Tschechien und Polen von 3,5 Milliarden Dollar, Bush hatte für das laufende US-Fiskaljahr, das am 30. September 2008 endet, 310 Millionen Dollar an Budgetmitteln angefordert.
Bushs “Starwars”-Offensive hatte zu schweren Spannungen zwischen den USA und Russland geführt: Beim “Lobster”-Gipfel in Bushs Elternhaus im US-Bundesstaat Maine diesen Sommer hatte der US-Präsident vergeblich versucht, seinen russischen Gegenüber, Wladimir Putin, zu überzeugen. Es folgte sogar ein neues Wettrüsten, als Moskau ankündigte, sein Atomarsenal modernisieren zu wollen. Bush könnte nun versuchen, die Raketenschirm-Budgetmittel an andere Finanzierungsgesetze “dranzuhängen”, so Washington-Insider.

# 2. November: Thriller in Iowa

Iowa ist berühmt für seine Schweinezüchter, Milchbauern und endlosen Kornfelder. Bloß 2,9 Millionen Einwohner leben in dem, bretterebenen, kleinen US-Bundesstaat im Mittleren Westen. Es ist das Herz Amerikas, abseits der Weltmetropolen á la New York oder L.A.. Doch politisch ist Iowa eine Supermacht: Hier fällt die erste Vorentscheidung bei den Präsidentschaftswahlen. Am 3. Jänner 2008 brechen geschätzte 120.000 Bürger in dicken Wintermänteln zu Schulen, Kirchen oder Bibliotheken in 1.784 Wahlbezirken auf. Nach lebhaften Debatten formieren sie sich zu kleinen Grüppchen an Fans der jeweiligen Demokraten- oder Republikaner-Kandidaten.
Der antiquierte “Iowa Caucus” ist als erster Test der Kandidatenstärken das wichtigste Stimmungsbarometer der folgenden Primaries-Saison: Selbst Außenseiter, denen die Millionen für teure TV-Werbungen in Riesenstaaten wie New York oder Kalifornien fehlen, können nach einer Top-Performance in Iowa das Feld von hinten aufrollen. Immerhin: 13 der letzten 14, letztendlich gekürten Parteien-Kandidaten starteten mit einem Sieg in Iowa.
Deshalb läuft der Wahlkampf in Iowa am intensivsten. “Für was steht die Republikaner-Partei”, ruft da Iowa-Frontrunner und Ex-Massachussetts-Gouverneur Mitt Romney, neben “9/11-Helden” Rudy Giuliani Top-Favorit in den Republikaner-Vorwahlen, in einen Hotelsaal: “Freiheit! Werte! Stärke!” Demokraten-Favoritin Hillary Clinton tuckerte den Sommer über in einem “Mittelklasse-Express” getauften Bus vorbei an endlosen Kornfeldern in selbst kleinste Nester. Blaue Hillary-Schilder gehen bei ihrem Eintreffen hoch. Sie erzählt vor Scheunen mit frisch lackierten, roten Dächern von Müttern, die “drei Jobs haben müssen, um ihre Familie zu ernähren”. Die Zuhörer, meist Ältere, sind gerührt: “Sie setzt sich für die einfachen Leute ein”, so der Tenor.
Iowa dürfte bei dem “Dems” jedoch zum Thriller werden: In der jüngsten Umfrage der “University of Iowa” führt Hillary nur knapp mit 29 % zu 27 % vor Top-Rivalen Barack Obama. Die Kandidaten haben daher viel in den Aufbau regelrechter Mini-Armeen zur Mobilisierung der Bürger investiert: Diese “Bodentruppen” soll am 3. Jänner die “Iowaner” aus den warmen Stuben treiben. Fast übertrieben hat es Obama: Der ging einen Nachmittag lang selbst von Tür zu Tür.

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