# Dean wütet IV:


Dienstag im Morgengrauen war Killer-Hurrikan Dean mit voller Wucht in die Küste der mexikanischen Yacatan-Halbinsel gekracht. Der Jahrhundertsturm der Top-Kategorie Fünf und einer Ausdehnung so groß wie ganz Texas fegte mit Dauerwinden von 268 Stundenkilometer und Böen von über 300 km/h über die Städte Chetumal, Felipe Carrillo Puerto und Costa Maya hinweg. Live-Wetterradar-Animationen der US-TV-Stationen zeigten das Auge des Hurrikans um 12:30 Uhr MEZ genau über dem Stadtkern von Chetumal. Wie sich das am Boden anfühlen muss, rekapitulierten Hurrikan-Veteranen im US-TV: Der Wind heult mit einem ohrenbetäubenden Krach wie das Düsentriebwerk eines Jumbos, Gebäudeteile rasen vertikal durch die Luft, das Bersten von Glas und Knicken der Bäume ist zu hören.
Die vom Monstersturm aufgepeitschte Sturmflut könnte eine Höhe von bis zu sechs Meter erreichen und ein Drittel von Chetumal (100.000 Einwohner) unter Wasser setzen, warnten Meteorologen. “Diese Sturm hat das Potential, wahrlich katastrophale Schäden anzurichten”, sagte Bobbie Berg von US-Hurrikanzentrum. Dean ist der erste, an Nordamerikas-Atlantikküste krachende Kategorie-Fünf-Hurrikan seit “Andrew”, der 1992 Südflorida verwüstete.
70.000 Touristen waren zuvor aus den populären Touristenzentren der “Riviera Maya” geflüchtet, vom Tulum, mit seinen weltberühmten Maya-Ruinen und Traumstränden bis zur Partystadt Cancun. Die Ressorts kamen jedoch mit einem blauen Augen davon, berichteten dort stationierte CNN-Reporter. 20.000 Urlauber waren in Cancun zurückgeblieben, 400 Notunterkünfte eingerichtet worden. Verheerende Schäden wurden jedoch in Felipe Carrillo Puerto (70.000 Einwohner) erwartet: Der Großteil der Häuser sind dort traditionelle “Palapas”, einfache Hütten mit Strohdächern.
Die Opferbilanz war schon vor Deans Yucatan-Aufprall nach einem tödlichen Marsch durch die Karibik auf 12 gestiegen: Fünf Todesfälle wurden zuletzt auf Jamaika mit Dean in Verbindung gebracht, sieben starben in der Dominikanischen Republik, Martinique, Dominica und St. Lucia. Auf der Yucatan-Halbinsel wurden landeinwärts durch sintflutartigen Regen verheerende Überschwemmungen befürchtet. Mit Horror erinnert sich Lateinamerika an Monstersturm Mitch, der 1998 11.000 Menschen in Honduras und Nicaragua tötete. Mexikos Staatschef Felipe Calderon verließ einen Nordamerikagipfel mit US-Präsident George W. Bush und Kanada-Premier Stephen Harper in Kanada überstürzt und eilte ins Katastrophengebiet. 10.000 Truppen der Nationalgarde wurden mobilisiert.
Weiter im Fadenkreuz des meteorologischen Monsters: Die Ölinstallationen in der Bucht von Kampeche. 14.000 Ölarbeiter sind evakuiert worden, 407 Ölquellen wurden zugedreht. Der Förderausfall beträgt 2,7 Millionen Barrel pro Tag, so Mexikos Ölfirma Pemex. Im Golf von Mexiko dürfte sich der durch das Überqueren der Landmasse der Yucatan-Halbinsel geschwächte Dean wieder intensivieren und dann nochmals in die mexikanische Golfküste krachen. Ein Schwenk nach Norden in Richtung Texas, wo Bush vorsorglich bereits den Notstand ausrief, halten Meteorologen inzwischen für extrem unwahrscheinlich.

# Dean wütet III:

Killer-Hurrikan Dean hat im Karibik-Inselstaat Jamaika verheerende Verwüstungen hinterlassen: In der Hauptstadt Kingston wurden Dächer abgetragen, Strommasten stürzten auf die Straßen, umgeblasene Bäume machten Hauptverkehrsadern unpassierbar. Die schlimmsten Schäden gibt es an der Südküste Jamaikas, das vom Hurrikan-Auge gestreift wurde. Sonntag abends war der Monstersturm mit Dauerwinden von 240 km/h – der gefährlichen, zweithöchsten Kategorie Vier – an Jamaika vorbeizogen. Aus diesen Provinzen wurden Überflutung, Erdrutsche, eingestürzte Häuser, verschüttete Straßen gemeldet. 125.000 Menschen sind noch ohne Strom. Das Handynetz brach weitgehend zusammen.
Deans Opferzahl stieg auf acht Tote, nachdem der Sturm bereits zuvor eine Schneise der Zerstörung durch zahlreiche Karibikinseln, darunter St. Lucia, Martinique oder Domenica schlug. Jamaikas Premier Portia Simpson Miller hatte Stunden vor dem Sturm die Bürger noch angefleht, in den 1.000 eingerichteten Schutzräumen Zuflucht zu suchen. “Das ist mein letzter Appell”, flehte Miller: “Es wird sehr gefährlich”. Doch nur 5000 Menschen suchten in 240 Schutzräumen Schutz: “Ich passe lieber auf mein Hab und Gut auf”, sagte ein Kingston-Einwohner im Radio. Nach Monstersturm Ivan 2004 war es zu massiven Plünderungen und blutigen Straßenkämpfen zwischen Verbrecher-Banden und der Polizei gekommen. In der Sturmnacht wurden prompt erste Schießereien mit Plünderern vermeldet. 14.000 Touristen wetterten den Sturm ebenfalls aus.
Meteorologen erwarten, dass sich Dean – mit einer Ausdehnung so groß wie ganz Texas ein wahres Ungetüm – weiter intensivieren dürfte: Dauerwinde von 260 km/h und Windböen von über 300 km/h wurden prognostiziert. Damit wäre Dean ein Jahrhundertsturm der Top-Kategorie Fünf. Im weiteren Visier sind zunächst die kleinen Cayman-Inseln. 1.500 Touristen wurden dort evakuiert. Am dramatischsten könnte die Lage jedoch in den Ferienparadiesen der Yucatan-Halbinsel werden, von Cancun die “Riviera Maya”-Küste hinunter bis nach Belize. Viele Urlauber in der Region versuchten Plätze auf den letzen, der täglich 297 Flüge aus der populären Ferienregion zu ergattern. Andere flüchteten mit Bussen landeinwärts. Doch 40.000 Touristen blieben laut dem Provinz-Gouverneur zurück. Dean könnte am Dienstag als einer der verheerendsten Hurrikane der Mexiko-Geschichte gegen die Küste krachen.

# Dean wütet II:

Vor dem Eintreffen des Killer-Hurrikans Dean versuchten tausende Touristen auf der Karibik-Insel Jamaika panikartig, Plätze auf den letzten startenden Jumbos zu ergattern. Die Mehrzahl der drei Millionen Einwohner hatte Supermärkte gestürmt, sich mit Wasser, Konservendosen, Taschenlampen, Batterien und Kerosin eingedeckt. Wegen der bis zu sechs Meter hohen Sturmflut waren Evakuierungen der Küstenregionen angeordnet worden.
Sintflutartiger Regen und verheerende Windböen des Monstersturmes, um dessen Auge Winde von 233 km/h toben, suchten den Inselstaat am Sonntag heim. Schon zuvor hatte Dean Karbikinseln verwüstet: Sechs Tote gab es in der Dominikanischen Republik, Martinique, Dominica und St. Lucia. Bilder von TV-Helikoptern zeigten zerstörte Dörfer, vernichtete Bananen-Felder und Erdrutsche. Panik herrscht auch im Staaten, die Dean als nächstes ins Visier nehmen könnte – darunter die Cayman-Inseln, Belize und die mexikanische Yucatan-Halbinsel mit der populären Ferienregion “Riviera Maya”.
Dort könnte Dean als Hurrikan der Top-Kategorie Fünf mit Windböen von über 300 km/h einschlagen. “Das ist komplette Zerstörung”, warnte US-Meteorologe Bobbie Berg. US-Präsident George W. Bush rief für Texas vorsorglich den Notstand aus. Ein “Landfall” dort gilt jedoch als unwahrscheinlich. NASA hatte dennoch die frühe Heimkehr des Space Shuttle “Endeavor” angeordnet, da eine Beeinträchtigung des Kontrollzentrums in Houston befürchtet wurde.

# Minendesaster: Katrina in den Bergen?

Das Bergwerksdrama in der “Crandall Canyon Mine” in Utah wird zusehends zum Politskandal. Die Hinterbliebenen trauern um die drei Todesopfer, die bei Rettungsarbeiten von sechs, am 6. August verschütteten Kumpel nach einem “seismischen Stoss”, so Behörden, in einem Stollen starben. Die Rettungsaktion ist nun suspendiert – die Hoffnung, die anderen lebend zu finden minimal.
US-Medien fragen nun aggressiv: Wie kam es zu der Tragödie? Durchleuchtet wird der Chef der US-Bergbaubehörde Richard Stickler, der von US-Präsident George W. Bush sogar gegen den Widerstand seiner eigenen Republikaner-Parteifreunde im Kongress durchgeboxt wurde. Stickler, ein Ex-Werkwerks-Boss, weigerte sich, selbst nach dem “Sago”-Minenunglück (2006, elf Tote) die Sicherheit für Kumpel zu verbessern. Schon werden Vergleich gezogen zu Ex-FEMA-Chef Michael Brown, der durch extreme Unfähigkeit nach Monstersturm “Katrina” den Hut nehmen musste.
Vehement kritisiert wird auch Minenbesitzer Bob Murray: Bereits im März hatte es in der Mine einen Teilkollaps gegeben, ein sicheres Zeichen, dass der Berg zusehends unstabil wurde. Während der Rettungsarbeiten verwies er pausenlos auf seismische Stöße. Das seien die “schwierigsten Bergbaukonditionen”, sagte er. Dann theatralisch: “Der Berg lebt!” 12 Bergleute verweigerten die Arbeit aus Angst um ihr Leben. Vor dem Unglück registrierten die “Feds” 64 Gesetzesverstöße. Passiert ist nichts. Immerhin hatte Murray über 100.000 Dollar an die Republikaner gespendet.

# Dean wütet I:

Hurrikan Dean hat die Karibik-Insel Jamaika im Visier – und dürfte sich zu einem der stärksten Wirbelstürme, die die Karibik jemals gesehen hat, auswachsen. “Mean Dean” (gemeiner Dean), so der Spitzname des Killer-Sturms, zog zuletzt mit 200-Stundenkilometer-Winden und ersten schweren Verwüstungen über die Antillen. Mindestens drei Menschen starben in St. Lucia und Martinique. Höchste Alarmstufe herrscht jedoch auf Jamaika: Vor dem erwarteten Aufprall am Sonntag erreichte Dean mit konstanten Winden von 225 km/h und Böen von bis zu 290 km/h die mörderische Hurrikan-Kategorie Vier.
Ein “Direkt-Schlag” könnte die Zerstörung der bisher schlimmsten Hurrikane, die Jamaika jemals heimsuchten – Gilbert (1988, 217 km/h, 318 Tote total) und Charlie (1951, 160 km/h, 252 Tote total) – weit übertreffen. Drei Millionen Menschen leben auf einer der dicht besiedeltsten Inseln der Erde. Die US-Regierung ließ ihr Botschaftspersonal evakuieren. “Jeder, der in der Bahn dieses Sturmes lebt, muss die Gefahren sehr ernst nehmen”, warnte ein US-Meteorologe. Die Großhotels in Jamaika begannen mit den Einrichten von Schutzräumen.
Noch schlimmer sind die Prognosen für Deans weitere Bahn: Als historisches Kategorie-Fünf-Monster mit Dauerwinden von über 250 km/h könnte Dean die mexikanische Yucatan-Halbinsel mit den Ferienparadies Cancun treffen – und dann in den Golf von Mexiko weiterziehen. Die meisten Computermodelle deuten auf einen Einschlag in der mexikanisch-texanischen Grenzregion der Golfküste hin. Durch einen plötzlichen Schwenk nach Norden könnte Dann jedoch nach New Orleans steuern, das vor fast genau zwei Jahren durch Killer-Hurrikan Katrina in den Fluten versank.

# 15. August: Hillary vs. White House

Die Schlammschlacht zwischen US-Präsident George W. Bush und der Favoritin für seine Nachfolge, Demokraten-Star Hillary Clinton ist eröffnet. Das White House kritisierte Hillarys erste TV-Werbung, worin Bush massiv angegriffen und suggeriert wird, dass alleinerziehende Mütter, GIs und Bürger ohne Krankenversicherung “unsichtbar” für den Präsidenten seien. “Ungeheuerlich” sei das, wetterte Bush-Sprecherin Dana Perino prompt: “Es ist mir unbegreiflich, wie ein Kongresses-Mitglied so etwas absurdes sagen kann”.
Der 60-Sekunden-Spot, gezeigt im US-Bundesstaat Iowa, wo im Jänner die Vorwahlsaison beginnt, ist Hillarys erste TV-Werbung der 2008-Kampagne: Sie ist gefilmt in sanften Tönen bei Gesprächen mit Iowas Bürgern und beim Baby-Halten und verspricht, dass sich die “nächste Präsidentin” wieder mehr um die kleine Leute kümmern werde. Hillary kommt die prompte Bush-Attacke gelegen: Sie kann dadurch die linke, Bush-hassende Parteibasis in den Vorwahlen mobilisieren. Hillary führte zuletzt laut “Gallup” mit 48 % zu 26 % deutlich vor Demokraten-Rivalen Barack Obama – und liegt auch knapp vor dem Republikaner Rudy Giuliani.

14. August: US-Geheimdienste warnen vor Mega-Attacken im Irak

Ein erwarteter Report der US-Geheimdienste warnt vor spektakulären Terrror-Attacken im Irak in den nächsten Wochen. Die Offensive der Al-Kaida-Terroristen soll den mit Spannung erwarteten Report von US-General David Petraeus über die Effektivität der im Jänner von US-Präsident George W. Bush angeordneten Militär-Offensive (“Surge”) überschatten – und die entscheidende Debatte im US-Kongress über einen möglichen Abzug der US-Truppen beeinflussen. Petraeus soll am 15. September rapportieren.
Bush-Berater vergleichen die Terroristen-Taktik bereits mit der “Tet-Offensive”, dem koordinierten Überraschungsangriff der Vietkong in 100 Städten im Vietnamkrieg 1968 (die Attacke gilt als Wendepunkt des Vietnamkrieges). In dem Gemeinschaftsreport aller 16 US-Geheimdienste (“National Intelligence Estimate”, NIE) werden aber auch Fortschritte im Kampf gegen die Terroristen vermeldet: Durch die verstärkte Kooperation der Iraker mit den US-Besatzern samt dem Verpfeifen von Terroristen sei in einigen Provinzen die Zahl der Attacken von 30 bis 40 pro Tag auf weniger als eine gefallen. Doch gleichzeitig wird gewarnt, dass Al Kaida im Irak nach wie vor ausreichend Logistik und Mannstärke besitzt, um “verheerende, koordinierte Attacken” vor allem auf “weiche Ziele”, wie etwa Marktplätze zu exekutieren.
Bush-Kritiker befürchten, dass die Regierung den Geheimdienstreport für ihre PR-Offensive als Vorbereitung für den entscheidenden Showdown mit den Demokraten im September missbrauchen könnte: Die befürchten Mega-Attacken könnten nicht als Zeichen der Stärke sondern als Verzweiflungsschläge gedeutet werden, da die Terroristen wegen der “ermutigenden Resultate des Surge”, wie Bush nun allerorten tönt, unter massiven Druck geraten seien.
Das politische Chaos in Bagdad ist unterdessen weiter eskaliert: Premier Nuri al-Maliki will in einem Krisengipfel diese Woche seine Regierung retten und die bisher komplett gescheiterte “nationale Aussöhnung” ankurbeln. Gleich elf Minister verschiedenster Fraktionen haben Malikis Regierung in den letzten Monaten boykottiert. Malikis Gipfel soll unter massivem Druck der US-Regierung zustande gekommen zu sein: Bush will auch an dieser Front im September positive Resultate präsentieren. Doch amerikanische Diplomaten im Irak zeigten sich in letzter Zeit derart frustriert mit Malikis Unfähigkeit, dass fast ausschließlich auf Einzelerfolge in den Provinzen, wie etwa Al-Anbar, fokusiert wird. Die Arbeit der Zentralregierung tauge zur Zeit nicht für die Verbreitung positiver Nachrichten aus dem Bürgerkriegsstaat, so die “New York Times”.

# 13. August: Tschüss Karl!

Die Nachricht schlug in der US-Kapitale Washington wie eine Bombe ein: Karl Rove (55), Bushs Chefstratege, Spitzname “Der Architekt” oder “Bushs Hirn”, wirft Ende des Monats das Handtuch. Rove gab persönliche Gründe an: Er wolle mehr Zeit mit seiner Frau Darby und seinem Sohn verbringen. Doch Rove ist zuletzt im Skandal um das Feuern von acht Bundesanwälten massiv unter Druck geraten. Rove gilt als der mächtigste Präsidentenberater der US-Geschichte: Er orchestrierte für Boss Bush zwei knappe Präsidentschaftssiege unter widrigen Umständen, sowie für die Republikaner zwei erfolgreiche Kongress-Wahlschlachten (2002 und 2004). Doch Rove wurde durch seine derben Taktiken zum Hassobjekt Nr. 1 für die Dems: Er missbrauchte hemmungslos den “Krieg gegen den Terror” nach 9/11 indem er Gegner als unpatriotisch denunzierte und gilt als Meister von Dreckschleuder-Kampagnen. Bush-Gegner John McCain etwa hatte er 2000 mit einer “Flüsterkampagne” bedacht, wonach McCain ein Kind mit einer farbigen Prostituierten habe.

# 11. August: Bush und Sarkozy

Kommt es nach dem brutalen Zerwürfnis durch den Irakkrieg nun zum Tauwetter zwischen Paris und Washington? US-Präsident George W. Bush traf seinen neuen französischen Gegenüber, Nicolas Sarkozy, am Wochenendsitz seines Vaters in Kennebunkport an der idyllischen Atlantikküste des US-Bundesstaates Maine – wo er bereits beim legendären “Lobster-Gipfel” Russlands Wladimir Putin Anfang Juli mit wilden Bootsausfahrten zum Angeln begeisterte. Beim Lunch wollten sich die Präsidenten “besser kennenlernen”, wie die Erwartungshaltungen für brisante Gespräche zu globalen Krisenherden gedämpft wurden. Beim simplen Burger-Mahl nahm auch Hausherr und US-Präsident Nr. 41, Bush senior, sowie “die erweiterte Familie inklusive einiger der Kinder teil”, so White-House-Sprecherin Dana Perino.
Auf die nach Meetings gewohnte Pressekonferenz war verzichtet worden. Dennoch wollten Bush und Sarkozy eine “neue, freundlichere Ära” einleiten, so US-Beobachter. Sarkozy wird wegen seiner US-freundlichen Haltung von Kritikern als “Der Amerikaner” verhöhnt. Für Aufregung an beiden Seiten des Atlantiks sorgte auch Sarkozys Urlaub am “Lake Winnipesaukee” in New Hampshire, 80 Kilometer von der Bush-Atlantikvilla: In Frankreich war gerätselt worden, warum Sarkozy ausgerechnet in der 1.200 Quadratmeter großen Nobelabsteige eines “Microsoft”-Managers abgestiegen ist, die sonst um 30.000 Dollar pro Woche vermietet wird. Am See selbst beflegelte er amerikanische Fotoreporter. Bush und Sarkozy trafen sich nun zum dritten Mal: Davor gab es Begegnungen beim G8-Gipfel und 2006 während Sarkozys Wahlkampagne.
Die Einladung zum Bush-Familienlunch signalisiert tatsächlich einen Schwenk der US-Regierung gegenüber Frankreich: Treffen mit Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac waren höflich aber auch äußerst formell. Die Beziehungen der beiden Staaten erreichten Eiszeit-Niveau, als im US-Kongress wegen Frankreichs massiven Widerstand gegen die Irak-Invasion 2003 Pommes Frites von “French Fries” auf “Freedom Fries” umgetauft worden waren und die US-Massenblätter Chirac als feiges Wiesel auf ihren Titelseiten verhöhnten. Ein weiteres Signal, dass Sarkozy einen amerikafreundlichen Kurs schätzt: In seiner bisher kurzen Amtszeit empfing er bereits Kaliforniens “Governator” Arnold Schwarzenegger und Senator John MCCain im Elysee.

# 10. August: Der „Law & Order“-Kandidat

Er ist der Schattenmann des Wahlkampfes zur Bestimmung des Republikaner-Kandidaten für die Schlacht um das Oval Office – doch für viele ist er Geheimfavorit: Frederick Dalton “Fred” Thompson (64), erzkonservativer Ex-Senator aus dem Südstaat Tennessee, Amerikanern und Erdenbürgern besser bekannt als strenger Staatsanwalt in der TV-Hitserie “Law & Order”. Während seine Gegner, von New Yorks “9/11”-Bürgermeister Rudy Giuliani, Vietnamhelden John McCain oder Ex-Massachusetts-Gouverneur Mitt Romney seit mehr als einem halben Jahr als offizielle Kandidaten um Stimmen ringen, testet Thompson seine Chancen nach wie vor zögerlich ab.
Dabei lag Thompson, wegen seinen erzkonservativen Ansichten und Schauspielkarriere auch als “neuer Reagan” bezeichnet, bei der jüngsten “Gallup”-Umfrage mit 21 % an zweiter Stelle, weit vor McCain und Romney, und in Sichtweite des Frontrunners Giuliani (33 %).
Jetzt mehren sich die Signale, dass Thompson Ernst macht: Nach frühen Turbulenzen und regem Personal-Austausch in seinem Kampagnen-Team heuerte er den Ex-Reagan-Mitarbeiter William Lacy, einen Polit-Vollprofi, an. Dazu wird er nächsten Freitag erstmals im wichtigen Vorwahl-Staat Iowa erwartet. Thompson hat trotz dem spätem Einstieg beste Chancen, sich im Republikaner-Feld durchzusetzen – und könnte 2008 gegen Hillary Clinton, sollte sie die Demokraten-Primaries gewinnen, antreten. Denn weniger als die Hälfte der Republikaner-Wähler sind mit dem Kandidatenfeld bisher zufrieden. Und der “Law & Order”-Kandidat, so Thompsons Spitzname, könnte als Rechtsaußen und “Retter” vor allem bei der erzkonservativen Parteibasis punkten, “die letztendlich die Primaries entscheiden”, so TV-Kommentator Tim Russert. Thompson unterstützte als Senator (1994 – 2003) das Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton, das Ölbohren im Alaska-Naturschutzparadies sowie Gesetze, die das “Beflecken” der US-Flagge unter Strafe stellen. Dafür ist er gegen Background-Checks für Waffenkäufe bei “Gun Shows” und vehement gegen Abtreibungen.

# 11. August: Wer ist Fred Thompson?

TV- und Film-Fans kennen Fred Thompson seit langem: Sein strenger, entschlossener Blick und das kantige Gesicht geben Staatsanwalt Arthur Branch in der TV-Serie “Law & Order” Kontur. In Filmen verkörpert er ebenfalls meist die Staatsgewalt: Einen CIA-Direktor in “No Way Out” mit Kevin Costner oder einer Regierungsstabschef im Thriller “In the Line of Fire” mit Clint Eastwood. 20 Jahre nach Ronald Reagans Abtritt könnte mit Thompson wieder ein Schauspieler ins Oval Office einziehen. Auch die Politik des Südstaatlers aus Tennessee ist konservativ und “reagan-esk”. Doch sein Privatleben wurde den hohen moralischen Ansprüchen nicht gerecht: Bereits 17-jährig heiratete er, hatte drei Kinder, die Ehe wurde 1985 geschieden. Es folgten Beziehungen mit einer Country-Sängerin und einer berühmten Kolumnistin. 2002 heiratete er die um 25 Jahre jüngere Republikaner-Konsulentin Jeri Kehn, mit der er zwei weitere Kids hat. Die Blondine sorgte zuletzt für Aufsehen, nachdem bekannt wurde, dass ihr Thompson durch seine Senats-Beziehungen bei der Karriere behilflich war und sie bei seiner jetzigen Kampagne alle Macht an sich riss und Polit-Profis in die Flucht schlug. Thompson erlitt auch persönliche Schicksalsschläge: Seine Tochter Elizabeth starb 2002 durch die Einnahme einer Medikamenten-Überdosis. Thompson leidet unter einer behandelbaren Krebserkrankung. Was könnte seine Chancen auf einen Wahlsieg schmälern? “Ich arbeite nicht sehr gerne hart”, gab er einmal zu.

# 11. August: Beginnt 2008-Wahl schon 2007?

Könnten US-Wähler ihre ersten Stimmen für die Präsidentschaftswahl 2008 bereits heuer, kurz vor Weihnachten abgeben? Das Ringen der einzelnen Bundesstaaten um immer früherer Termine bei den “Primaries” innerhalb beider Parteien zur Bestimmung ihrer Oval-Office-Kandidaten könnte zum frühesten Start der Wahlschlacht aller Zeiten führen. South Carolina beschloss, seine Primaries nun bereits am 19. Jänner abzuhalten. Das dürfte eine Kettenreaktion auslösen: New Hampshire, das traditionell nach Iowas Kaukus (einer Art antiquierten Bürgerabstimmung) die ersten echten Primaries abhält, dürfte nun auf den 8. Jänner schielen. Das wiederum würde Iowa, das seinen Status als “Erster der Nation” sogar per Gesetz festgeschrieben hat, veranlassen, in den Dezember auszuweichen. Damit würde die 2008-Wahlschlacht zum längsten Marathon der US-Geschichte werden und bereist in bloß vier Monaten beginnen.

# 11. August: Hillary zieht davon

Ihre Widersacher innerhalb der Demokraten hat Hillary Clinton bereits weit abgehängt, allen voran den farbigen Senatskollegen Barack Obama (48% zu 26% laut “Gallup”). Doch nun kommen auch gute Werte im künftigen Duell mit dem Republikaner-Kandidaten um das Oval Office: Nach Führungen in nationalen Umfragen gegen Republikaner-Frontrunner Rudy Giuliani liegt sie nun auch in zwei der drei vielleicht wichtigsten Schaukelstaaten voran, wenn auch knapp: In Florida führt die Senatorin und Ex-First-Lady mit 46 % zu 44 % vor Giuliani, in Pennsylvania mit 45 % zu 44 %, Ohio ist zur Zeit mit jeweils 43 % ein totes Rennen. Die tollen Umfragewerte und ihre starken Auftritte in einer Serie von TV-Debatten haben den Hype um Hillary in den USA weiter wachsen lassen: Sie hat beste Chancen, Bush im Oval Office abzulösen, so die meisten Polit-Experten.

# 8. August: Rechter Republikaner-Irren Tancredo: A-Bomben auf Mekka

Aufregung herrscht in den USA um die skandalöse Aussage des erzkonservativen Kongressabgeordneten Tom Tancredo, der mit der Bombardierung der wichtigsten islamischen Pilgerstätte Mekka drohte. Im Falle einer neuen Terrorattacke auf die USA durch Islam-Extremisten sollten “deren heilige Stätten ausradiert werden”, meinte der Abgeordnete des Rocky-Montain-Staates Colorado in einer Radio-Talkshow. “Sie meinen, Mekka bombardieren?”, fragte die Gastgeberin verdattert: “Yeahh!”, antwortete der Rechtsaußen.
Tancredo, der in den Republikaner-Vorwahlen als Präsidentschaftskandidat antritt, verteidigte seine Tirade in einer TV-Debatte und bei mehreren Wahlkampfauftritten. Er suggerierte zur “weiteren Erklärung seines Kommentars” sogar Nuklear-Schläge: “Als wir etwa Hiroshima bombardierten, bestraften wir auch eine Menge Unschuldiger. Aber man tut Dinge im Krieg, die hässlich sind”. Er schränkte jedoch ein, dass hier über “hypothetische Szenarien” geredet wird. Tancredo erhielt prompt Unterstützung einiger erzkonservativer Gruppen durch aufmunternde Einträge in Internet-Forum wie der “Free Republic”: “Schauen wir mal, wie der 12. Imam über eine Stadt aus Glas herrscht”, so ein Eintrag in Anspielung auf die Folgen einer Atomexplosion, wo alles Material zu Glas schmilzt.
Andere Republikanerkandidaten, darunter die Frontrunner Rudy Giuliani, John McCain und Mitt Romney distanzierten sich jedoch von Tancredo, der bisher als Ausländer-Hasser und strikter China-Gegner auffiel. Das US-Außenministerium zeigte sich entsetzt: Kandidaten im Wahlkampf um die Bush-Nachfolge 2008 würden nicht für die US-Regierung sprechen, so Sprecher Tom Casey. Tancredos Aussagen seien “empörend”: “Heilige Stätten müssen respektiert werden, egal ob sie moslemisch, christlich jüdisch oder von anderen Religionen sind”. Moslemverbände in den USA forderten prompt eine Entschuldigung von Tancredo: “Diese Leute sollten mit ihren Worten vorsichtiger umgehen, wenn es um unsere heiligen Stätten geht”, sagte Mohammad Noorzai, Chef des “Colorado Muslim Council”. Tancredo wird seine Finger jedoch kaum jemals am Atomschalter haben: Er gilt im Republikanerfeld als chancenloser Außenseiter.

# 8. August: Hillary führt vor Giuliani

Oval-Office-Favoritin Hillary Clinton zieht in Umfragen zu den Demokraten-Primaries unaufhaltsam davon: Laut dem Umfrageinstitut Gallup führt sie nun mit 48 % zu 26 % vor ihrem stärksten Herausforderer, Senatskollegen Barack Obama. In nur einem Monat hat Hillary 8 % zugelegt, Obama fiel um 2 % zurück. Hillarys Vorsprung hat sich damit in kürzester Zeit fast verdoppelt, viele sprechen bereits von einer Vorentscheidung. Obama hatte zuletzt in einer Serie atemberaubender Schnitzer zuerst Militärattacken gegen Pakistan angedroht, und dann plötzlich Nuklear-Schläge komplett ausgeschlossen, was ein Faux Pass für jeden US-Oberkommandierenden ist.
Sollte sich Hillary in den im Jänner beginnenden Primaries wie nun erwartet durchsetzen, könnte sie in der Schlacht um die Bush-Nachfolge auf Ex-New-York-Bürgermeister Rudy Giuliani treffen, der, laut Gallup, das Republikanerfeld mit 33 % anführt. Auf Unterstützung seiner eigenen Kids wird das Raubein vergeblich hoffen: Seine Tochter Caroline (17) unterstütze den Demokraten Obama, wurde jetzt bekannt. Sein Sohn Andrew (21) offenbarte, dass er ewig nicht mehr mit seinem Vater gesprochen hatte. Grund für die Probleme mit seinen Kindern ist die brutale Scheidung von deren Mutter, Donna Hanover, sowie Giulianis neue Gattin und Stiefmutter Judith Nathan.

# 7. August: Bush und Karzai

Fällt Afghanistans Präsident Hamid Karzai, einer der engsten Verbündeten von George W. Bush in seinem “Krieg gegen den Terror”, dem US-Präsidenten nun offen in den Rücken? Stunden vor dem Gipfel im Wochenendsitz Camp David pries Karzai die Kooperation mit Amerikas Top-Feind, dem Iran. “Teheran ist hilfreich und Teil der Lösung vieler Probleme”, ließ Karzai in einem CNN-Interview aufhorchen: “Der Iran hilft uns beim Friedensprozess und im Kampf gegen den Terror”, so Karzai.
Afghanistan galt einst als Prestigeprojekt der kriegerischen Bush-Außenpolitik, zehn Milliarden Dollar fließen jährlich an Hilfsgeldern nach Kabul: Bush wollte das Treffen daher nützen, um nach dem Irak-Debakel zumindest Fortschritte an der zweiten Front des Anti-Terrorkrieges zu präsentieren.
Doch zu hören bekam er eine Litanei katastrophaler Rückschläge: Die Radikalislam-Truppe der Taliban sei am Vormarsch, der Kampf gegen den Opiumhandel aussichtslos (bereits 95 % des Heroinrohstoffes stammen von dort), Zivilopfer durch NATO-Luftschläge empören die Bevölkerung und unterminierten Karzais Autorität.
Auch von Amerikas Staatsfeind Nr. 1, Osama bin Laden, der in der Bergregion zwischen Afghanistan und Pakistan vermutet wird, fehle weiterhin jede Spur. “Wir sind so knapp dran wie auch vor zwei Jahren”, so Karzai. Al-Kaida sei ebenfalls am Vormarsch: “Terror-Attacken töten Schulkinder und internationale Helfer”, so der Afghanistan-Präsident. Laut UN starben heuer 600 Zivilisten bei Terror-Attacken.
Dazu überschattet das Geiseldrama um die 21, von den Taliban gehaltenen Südkoreaner den Bush-Karzai-Gipfel: “Die beiden müssen ein Übereinkommen erzielen über die Freilassung inhaftierter Rebellen”, so ein Taliban-Sprecher gegenüber der Briten-Agentur “Reuters”: Sonst seien sie “für den Tod der 21 Geiseln direkt verantwortlich”. Die Taliban hatten zuletzt zwei, der am 19. Juli gekidnappten Privathelfer einer koreanischen Christengruppe getötet, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

# 4. August: Skandal um Todes-Brücke von Minneapolis

Nach dem Kollaps der Todes-Brücke von Minneapolis kommt die Suche nach weiteren Opfern nur langsam voran. Fünf Tote sind bestätigt, 30 gelten als vermisst. Taucher suchten unter Lebensgefahr in versunken Vehikel am Grund des 1,4 bis 4,2 Meter tiefen, reissenden Mississippi – in einem apokalyptischen Labyrinth aus messerscharfen Metallteilen, zerquetschen Autos und Beton-Trümmern. Wegen starker Strömung mussten Tauchgänge immer wieder abgebrochen werden.
Beim Warten der Angehörigen der Vermissten spielen sich herzzerreißende Szene ab. “Er war mein Sohn, mein Sohn, mein Sohn”, ruft eine Frau. Immer wieder wählt sie ihn am Handy an, weint: “Er hebt einfach nicht ab”. Zum Helden der Brückentragödie wurde Jeremy Hernandez (20): Er riss, selbst verletzt, die Türe zu dem fast abrutschenden Schulbus auf und begann mit der Evakuierung von 61 Kids. “Viele schrieen hysterisch, ich musste sie zum Rausspringen überreden”, so Fernandez. Dazu gibt es unglaublich Überlebensgeschichten: Ein junges Paar überlebte, nachdem ihr Wagen bis zum Flussgrund sank. Opfer in völlig zerquetschten Wagen übermittelten Helfern hingegen “Good Bys” an ihre Familien, bevor sie starben.
Der Kollaps der I-35W-Brücke wird zum Skandal: Seit 1990 waren “strukturelle Mängel”, samt Rost an Schweißnähten, bekannt, 3000 Risse wurden notdürftig geflickt. Die Behörden hatte vor einer Schließung oder Totalreparatur zurückgescheut: Immerhin 141.000 Fahrzeuge rollen täglich über die 40 Jahre alte Brücke. Die “Feds” ordneten Inspektionen aller 756 bauähnlichen US-Brücken an. Enthüllt wurde, dass sich in New York die weltberühmte, 1883 gebaute Brooklyn Bridge in “schlechtem Zustand” befinden soll. Insgesamt sind bei 77.000 Brücken “strukturelle Mängel” bekannt.

# 3. August: Ist Hillary noch zu schlagen?

Demokratenstar Hillary Clinton (59) hat nach einem bisher hochprofessionellen, fehlerfreien Wahlkampf und soliden Auftritten in den ersten TV-Debatten ihre Favoritenrolle bei der Schlacht um das Oval Office in 2008 untermauert. Zuletzt zog sie in Umfragen deutlich davon: Ihren stärksten Widersacher bei den “Dems”, den charismatischen, farbigen Senkrechtstarter Barack Obama hat sie laut jüngster NBC/Wall Street Journal-Umfrage mit 43 % zu 22 % regelrecht abgehängt, in einem Monat gewann sie 4 % dazu. Und noch ermutigender für die Ex-First-Lady und New-York-Senatorin: Erstmals würde sie auch potentielle Republikaner-Gegner für das Ringen um die Bush-Nachfolge pulverisieren, “9/11-Bürgermeister” Rudy Giuliani etwa mit 47 % zu 41 %.
Bei den Demokraten-Vorwahlen setzt Hillary auf Erfahrung und Kompetenz, ihre stärkste Waffen gegen den 45-jährigen, erst seit zweieinhalb Jahren im Senat werkenden Obama. Prompt gerieten sich Hillary und Obama in Sachen Außenpolitik in die Haare: Obama hatte in der letzten TV-Debatte angeregt, sich auch mit den Diktatoren Irans, Syriens oder Kubas treffen zu wollen. Hillary nannte die Aussage “naiv”. Sie versprach zwar, die Diplomatie weltweit ankurbeln zu wollen, wolle sich jedoch keinesfalls mit Diktatoren in ihrem ersten Amtsjahr treffen, um nicht Teil deren Propaganda zu werden. Obama schoss zurück: Hillarys Position ähnle als “Bush/Cheney Lite” zu sehr dem bisherigen Kurs.
Obama versuchte zuletzt fast verzweifelt, bei Weltthemen Statur zu gewinnen: Mit ihm im Oval Office würde die USA nicht dulden, dass Pakistan den Aufenthalt von Staatsfeind Osama Bin Laden dulde, wütete er und drohte sogar mit Militärschlägen. “Die aufgeheizte Rhetorik zeigt, dass die Demokratenvorwahlen längst nur mehr ein Duell zwischen Hillary und Obama sind”, so TV-Kommentator Tim Russert. Und niemand will Obama abschreiben: Sein Team verweist auf gute Umfragewerte in wichtigen Vorwahl-Staaten wie New Hampshire oder South Carolina. Dazu sprengt er beim Geldsammeln alle Rekorde: 31 Millionen Dollar waren es zwischen April und Juni, Talk-Queen Oprah Winfrey schmeißt Anfang September einen Riesen-Fundraiser in L.A..
Doch sollte Obama unterliegen, könnte seine Kampagne als Hillarys “Running Mate” und Vizepräsidenten-Kandidat weitergehen, erwartet zuletzt sogar der ultrarechte Republikaner Newt Gingrich. Tatsächlich: Die erste Frau mit dem ersten Farbigen an der Seite wären ein historisches “Dreamteam”.

# 3. August: Protokoll eines Brücken-Einsturzes

Es ist exakt 18:05 Uhr Lokalzeit, nahe Downtown Minneapolis. Die Rushhour Verkehrslawine rollt im Schritttempo über die achtspurige Mississippi-Stahlbetonbrücke des Freeway I-35W. Plötzlich schrecken Jamie Winegar durchdringende Geräusche auf, als sie sich der Brücke nähert: “Boom! Boom! Boom!” Ihre Nichte brüllt: “Das ist ein Erdbeben!” Andere hören ein Röhren, “wie ein Kampfjet”, dazu Krachen und Krächzen. In Sekundenbruchteilen kollabiert die Brücke auf einer Länge von 581 Meter (!) in einer riesigen Staubwolke, eine Verkehrskamera hält das Inferno fest. “Plötzlich verschwinden die Autos vor mir”, so Winegars Gatte Dennis: “Ich legte eine Vollbremsung hin”. Zu spät: Der gemietete Chrysler, Type 300M, stürzt hinunter, landet auf einem anderen.
50 Vehikel – Autos, SUVs, Sattelschlepper und sogar ein Schulbus – werden bis zu 19 Meter in die Tiefe gerissen. “Es war plötzlich gespenstisch still”, so ein Augenzeuge. Dann entfalten sich jedoch apokalyptische Szenen: Blutüberströmte Opfer kriechen aus ihren demolierten Autos, Schreie dringen aus, von Betonteilen zerquetschten Wagen. Überlebende schwimmen im Wasser. Die erste Opfer-Bilanz des schlimmsten Brückenunglücks in Amerika seit dem Kollaps der “Bay Bridge” nahe San Franzisko beim Erdbeben von 1994: Sieben Tote, 50 Verletzte und 20 Vermisste.
Bürger werden zu Helden: Jeremy Hernandez reisst die Hintertüre zu dem Schulbus auf, der in extremer Schieflage am Geländer eines Brückensegments hängt. Er droht abzurutschen. Wenige Meter entfernt brennt ein Sattelschlepper lichterloh. “Der Boden wackelte immer noch”, so Hernandez. 60 Kids im Alter zwischen acht und 12, gerade am Weg zurück von einem Schwimmausflug, klettern aus dem Bus. Dutzende bluten aus der Nase, haben aufgeschlagenen Lippen.
Den eingetroffenen Rettern bietet sich ein Bild des Grauens: Mehrere Brände, Autos im Wasser, Überlebende gestrandet auf Brückenteilen mitten im Fluss, frenetisch um Hilfe winkend. Eine Flut an Anrufen trifft bei der Notrufzentrale ein: “Menschen im Wasser! Verletzte überall! Hilfe!”. Andere laufen zum Unglücksort: “Ich kann meine Freundin nicht erreichen”, ruft ein Mann: “Sie sagte noch am Telefon, ich muss auflegen, die Brücke kollabiert”.
Taucher beginnen sofort in versunkenen Autos nach Überlebenden zu suchen. Mit dem Strom an Augenzeugenberichten im TV hielt Amerika den Atem an: “Im freien Fall dachte ich nur: Ich bin tot!”, so Gary Bibineau. “Mein Wagen füllte sich mit Wasser”, sagt ein anderer Überlebender.
Und die Ursache der Tragödie? US-Experten nannten verrostete Hauptträger oder ausgewaschene Pfeiler als mögliche Gründe. Spekuliert wird auch über Vibrationen durch Presslufthämmer bei Arbeiten an der Brücke. Vor zwei Jahren waren “strukturelle Defizite” festgestellt worden. Reparaturarbeiten blieben jedoch aus.

# 2. August: Nussbaumers Ex-Firma wehrt sich

Franco Picco, der Boss der “Crescent Security Group”, für die der vor acht-einhalb Monaten im Südirak entführte Österreicher Bert Nussbaumer werkte, wehrt sich gegen Vorwürfe über gravierende Missstände in seiner Firma in US-Medien. Crescent hätte Kosten gespart, die sich auf die Sicherheit seiner Mitarbeiter auswirkten und das Kidnapping – wo neben Nussbaumer auch vier Amerikaner in Geiselhaft gerieten – begünstigst hätten, so die “Wa-shington Post”. “Ich werde zu allen Vorwürfen Stellung nehmen”, so Picco. Dazu stehe er “knapp davor”, einen “Durchbruch” zu erzielen in seinen Bemühungen, Nussbaumer und Co. freizubekommen. 300.000 Dol-lar hätte er bisher dafür investiert. “Ich kooperiere eng mit der österreichi-schen Task Force”, so der Südafrikaner weiter.
Dazu werden neue Details bekannt, wonach das Kidnapping ein “Inside Job” gewesen sein soll: Andy Foord, ein Crescent-Guard, dem die Flucht gelang, hatte zwei ehemalige Kollegen unter den Entführern ausgemacht. Sein Kol-lege sogar vier. Auch der Übersetzer, Spitzname “John Belushi”, wegen sei-ner Ähnlichkeit zu dem verstorbenen Schauspieler, schien für die Kidnapper zu arbeiten. Dazu erschienen elf Iraker, die ebenfalls den Konvoi aus 37 Ve-hikel bewachen hätten sollen, nicht zur Arbeit. “Das war das erste mal”, so Foord. Picco genehmigte dennoch den Trip, trotz einer viel zu kleinen Gruppe an Sicherheitskräften.

# 1. August: Bush zündelt weiter in Nahost

Von der Neuordnung des Nahen Ostens durch die Irak-Invasion hatte George Bush geträumt. Die passierte tatsächlich, natürlich anders als vorhergesehen. Der Mullah-Staat Iran dominiert wie noch nie – dankenswerterweise hatte die USA zwei seiner wichtigsten Feinde eliminiert, die Taliban in Afghanistan und Saddam im Irak. Versucht Bush nun per diplomatischer Großoffensive zu retten was noch zu retten ist? Natürlich nicht, das ist nicht sein Art! Er zündelt lieber weiter: Mit 20 Milliarden Dollar rüstet er nun das sunnitische Saudiarabien auf, als künftiges Bollwerk gegen den schiitischen Iran. Feuerwehrleute starten bei Waldbränden auch Gegenfeuer, oft klappt die Taktik, doch mitunter endet alles in einem einzigen Flammenmeer. In den USA ist Bush längst eine lahme Ente: Doch global kann er noch genug zusätzlichen Schaden anrichten.