# 30. Juni: Der Hype um das iPhone erreicht neue Höhepunkte


Gadget-Fans hatten den 29. Juni seit Wochen rot markiert: Als Startschuss des “revolutionären und magischen” iPhones, Apples umjubelten, multifunktionalem Handy, getauft sogar als “Jesus-Telefon”. Trotz sattem Verkaufspreis von 599 Dollar (4 Gigabyte Speicher) und 599 (8 GB) hatten laut Marktumfragen 19 Millionen Amerikaner ein Kaufinteresse gezeigt. Apple-Boss Steve Jobs, der in den letzten sechs Jahren 100 Millionen seiner berühmten iPods absetzte, hofft auf zehn Millionen verkaufte iPhones bis Ende 2008.
Durch den Hype um das 115 mal 61 Millimeter große, 11,6 Millimeter flache Wunderding, wo Telefonie, Internet, Fotografie, Musik und Videos verschmelzen, hatten Hunderte tagelang vor den Apple-Läden und 1900 Verkaufsfilialen von Apples exklusiven Mobilfunk-Partner “at&t” kampiert. 11.000 gedruckte Artikel sind in den letzten Monaten erschienen, 69 Millionen mal via “Google” am Internet danach gesucht worden.
“Das iPhone werde dem Hype gerecht”, schrieben praktisch alle US-Medien nach ersten Tests. Trotz offensichtlicher Mängel, wie die Wahl von at&t´s lahmen Datennetzwerk EDGE für die Internet-Anbindung sei das iPhone das “großartigste Stück Elektronik seit Jahren” jubelte etwa David Pogue in der New York Times: “Es bewerkstelligt so viele Aufgaben so reibungslos, dass es eine Vergnügen ist und man über Mängel leicht hinwegsieht”. Jobs konterte der Kritik über die Wahl des langsamen EDGE-Netzwerks, da es für mehr Konsumenten zugänglich sei als schnellere 3G-Netze. at&t habe zusätzlich 16 Milliarden Dollar in den Ausbau investiert. Trendforscher hatten die Aufregung um das “umjubeltste Produkt des 21. Jahrhunderts” mit dem Sturm auf Microsofts “Windows ´95” und Fords “Mustang” 1964 verglichen. Wer wegen Lieferengpässen kein iPhone bekommt, kann sich auch um einen Job bei Apple bewerben: Alle 18.000 Mitarbeiter erhalten eines Ende Juli.

# 29. Juni: Amerika treibt das Wettrüsten voran

Amerikas eskalierende Militärausgaben werden für zusätzliche Spannungen beim Bush-Putin-Gipfel sorgen: Das Pentagon-Budget ist in Bushs “Krieg gegen den Terror” auf 583 Milliarden Dollar explodiert, fast doppelt so viel wie die 291 Milliarden unter Amtsvorgänger Bill Clinton. Dazu kommen “Extra-Kosten”, wie etwa die gerade vom Kongress genehmigten 97 weiteren Milliarden für die Kriege im Irak und Afghanistan. Über eine Billion Dollar werde jährlich ausgegeben, so Robert Higgs vom “Independent Institute”: “Wenn alle versteckten Kosten hinzugerechnet werden”. Allein mit den offiziellen Zahlen gibt das Pentagon mehr für Verteidigung aus als die 14 folgenden Staaten zusammen, acht mal so viel etwa wie China. Laut dem “Stockholm International Peace Research Institute” ist die USA für 47 % aller Kriegsausgaben der Erde verantwortlich. Die USA provoziere mit den steigenden Militärausgaben ein globales Wettrüsten, so Kritiker.

# 29. Juni: Verheerende Reaktionen auf die brave Hilton 2.0

Paris Hilton, 26, präsentierte sich beim Interview des Jahres mit CNN-Star Larry King im frischen Post-Knast-Look: Keine blauen Kontaktlinsen, ihre originalen, braunen Augen wurden dem Millionen-Publikum präsentiert. Die Luxusblondine verwendete den TV-Auftritt als Startschuss für ihre Postknast-Karriere: Sie wollte sich tränenreich als durch die 23 Hafttage geläutert präsentieren, reifer, verantwortungsbewusster, wohltätiger und gottesfürchtiger – und sich nachträglich auch über die kargen Haftbedingungen, die “erniedrigende Leibesvisitation” und das “exzessive Strafausmaß” beschweren. Sie kündigte wohltätige Projekte an, wie etwa Hilfe für krebskranke Kinder.
Doch die Reaktionen in den USA fielen verheerend aus. Besonders, nachdem die Brav-Version Hilton 2.0 in dem 60-Minuten-Interview gleich in mehrere Fallen tappte: Sie stotterte herum, als sie nach ihrer Lieblingspassage aus der Bibel gefragt wurde – ein Zeichen, dass sie die nur aus Showgründen herumschleppt. Dann behauptete sie gar, niemals Drogen genommen zu haben und “keine große Trinkerin” zu sein. Doch im Internet kursieren Videos, wo sie beim Marihuana-Rauchen und Herumtorkeln im Vollrausch zu sehen ist. Und ihre geheimnisvolle Krankheit? “Ich hasse es, allein zu sein”, sagte sie: “Ich leide an Klaustrophobie”.
Gehypt als größtes Haftentlassungsinterview seit Nelson Mandela wäre bloß ihre “Stupidität” offensichtlich geworden, polterte Kolumnistin Andrea Peyser in der “New York Post”: Aufregend wie eine Geschirrspülmaschine sei sie. Für Arger sorgten auch Stories, wonach sie sich den Knastaufenthalt mit Millionen-Beträgen für Interviews “vergolden” lassen hatte wollen. CNN beteuert, nichts bezahlt zu haben. Gerüchte kursierten, dass hingegen das US-Magazin “People” 300.000 Dollar für Cover-Foto und Interview berappte.

29. Juni: Bush & Putin gehen Angeln

Die Zeichen vor dem Gipfel zwischen US-Präsident George W. Bush und Russlands Amtskollegen Wladimir Putin stehen wegen dem eskalierenden Streit um den Raketen-Abwehrschirm in Osteuropa auf Sturm. Dennoch hofft Gastgeber Bush auf ein Ende der neuen Eiszeit: Beim Fischen! Denn Bush empfängt Putin am Sonntag im legendären Familiensitz des Clans in Kenne-punkport, Maine, dem Haus seines Vaters, Ex-Präsident George Bush senior, der seinem Sohn zur Seite stehen wird.
Senior erläuterte die Magie, den sein Sitz auf Weltpolitiker ausübt: “Da sitzt man gemütlich in dem wunderschönen Haus mit Blick aufs Meer, keine Kra-watten, keine Stenografen”, schwärmte er. Und die echten Durchbrüche kä-men dann an der Angelrute: “Fischen ist gut, um sich kennenzulernen”. Dort hatte er schon Frankreichs Francois Mitterand bei der Operation “Desert Storm” im Golfkrieg I an Bord gebracht.
Doch trotz aller Landhaus-Idylle liegen die Hürden für Bush Junior enorm hoch. Immer mehr sprechen von einem neuen Kalten Krieg. Fortschritte will Bush vor allem bei zwei Streitpunkten erzielen:
# Putin leistet massiven Widerstand gegen den Bau von Radarstationen in Tschechien und Polen für ein US-Raketen-Abwehrsystem gegen mögliche a-tomare Schurkenstaaten á la Iran. Putin hatte beim G8-Gipfel den Staat A-serbaidschan in seinen Hinterhof als Alternativstandort vorgeschlagen. Das lehnte wiederum Pentagon-Chef Robert Gates “als kein geeigneter Ersatz” brüsk ab.
# Dazu sträubt sich Moskau gegen die Unabhängigkeit des Kosovos von Ser-bien.
Auf US-Kritik, Putin habe den Zug demokratischer Reformen in Russland “zum Entgleisen gebracht”, reagiert der mit Häme: Immerhin sei Russland ein Staat, der in seiner Geschichte noch keine Atom- oder Chemiewaffen eingesetzt hat. Ein klarer Seitenhieb auf Hiroschima, Nagasaki oder Vietnam.
Dabei protzt Bush stets, Putin sei sein Kumpel, den er locker “Wladimir” nenne und früher fröhlich mit seinem “Pickup”-Kleinlaster durch seine Som-merranch in Crawford, Texas, chauffierte. Beim ersten Treffen 2001 habe er sogar Putins “Seele” erblickt und einen “guten Mann” gesehen. Doch Bush wird als zu geschwächt für energisches Armdrücken gesehen: Mit 26 % Zu-stimmung (“Newsweek”) ist er so unpopulär wie Richard Nixon, in der Welt wegen dem Irakdebakel und Foltervorwürfen verachtet. “Ich warne vor ho-hen Erwartungshaltungen”, sagte sogar Bush-Sprecher Tony Snow.

# 28. Juni: Camping vor dem Apple-Store

Greg Packer, 43, sitzt an der Fifth Avenue auf einem Klappstuhl vor dem coolen, würfelförmigen Glaseingang des New Yorker Apple-Ladens. Es hat 34 Grad, die Luft ist stickig, die Sonne brennt dem ehemaligen Highway-Arbeiter direkt ins Gesicht. Seit Montag, 4 Uhr Früh kampiert er hier am Straßenrand, zum Zeitpunkt des Lokalaugenscheines lagen noch 80 Stunden vor ihm: Packer wird dafür der erste sein, der am Freitag, um Schlag 18 Uhr Ostküstenzeit, eines der weltweit ersten iPhones ergat-tert. “Alles, was ich an der Technik liebe”, schwärmt er, “ist hier in einem einzigen Gerät vereint”. Für das lohne es sich eben, so lange zu warten. Es-sen und Wasser bringen ihm freundliche Passanten, sagt er.
Der Aufmarsch an Reportern aus aller Welt verdeutlicht zusätzlich den Rie-sen-Hpye um den Verkaufsstart am 29. Juni von Apples revolutionärem Hightech-Wundergerät, wo Telefonie, Internet, Email, Musik und Video ver-schmelzen. Hunderttausende werden am Freitag die Stores von Apple und seinem Partner “AT&T” stürmen. Tausende Mitarbeiter hat Apple bei seinen generalstabsmäßigen iPhone-Vorbereitungen zusätzlich angeheuert und spe-ziell trainiert. “Es wurden uns auch Tips gegeben, wie die Menge zu kontrol-lieren sei, falls sie außer Rand und Band gerät”, sagt Verkäufer Mark, wäh-rend hinter ihm hunderte Touristen noch friedlich iPods und MacBooks tes-ten. Knie- und Ellbogenschützer sind aber nicht vorgesehen, lacht er. Wie viele iPhones pro Person gekauft werden können, will Mark nicht preisgeben: “Das ist noch streng geheim”.
Auf eine Beute von mehreren Stücken hofft David Clayman, 21, die Nr. 2 in der wachsenden Schlange an iPhone-Kampierern: “Das erste will ich für wohltätige Zwecke versteigern”, sagt der Student aus Chicago, der eigentlich Urlaub im Big Apple hatte machen wollen. Das zweite wäre ein Geschenk an seinen Dad, der genau am Launchtag seinen 50iger feiert. Erst das dritte würde er selbst behalten wollen. Klar, auch er ist fanatischer Apple-Fan. Skeptisch ist hingegen Geschäftsmann John Sassso, der neben dem Apple-Store wild in seinen Blackberry tippt. Er hätte einen iPod mit 80 Gigabyte, sagt er: “Was fange ich da mit 8 GB wie im iPhone an?” Doch könnte es sei-nen Blackberry ablösen? Sasso winkt ab: “Das iPhone ist eher Spiel- als Ar-beitsgerät”.

# 27. Juni: Das Krebsdrama um Belinda Stronach

Fast niemand wusste etwas, Monate lang. Bloß zwei engen Politiker-Kollegen hatte Kanada-Parlamentarierin Belinda Stronach (41) von ihren Gesundheitsproblemen erzählt, sicher ihrem Boyfriend, dem Ex-Eishockeystar Tie Domi, ihren Buben Frank Jr. (15) und Nikki (13), und natürlich auch ihre Mutter Elfriede und Vater Frank, dem Gründer des Autoteil-Giganten Magna. Im April hatte sie durch eigenes Abtasten eine Knoten in der Brust entdeckt. Ein Moment für jede Frau voller Horror, Angst und Panik.
Nach einer Serie von Standard-Untersuchen inklusive eines detaillierten Brust-Röngten (Mammographie), Ultraschallbefunden und Biopsie-Entnahmen folgte die Diagnose: “Duktales Karzinom in situ” (DCIS), eine krankhafte Wucherung in den Milchgängen der Brust. Bei dieser Vorstufe des Krebs (Frühkarzinom) haben die entarteten Zellen die Grenze des Milchganges jedoch noch nicht durchbrochen – und die Heilungschancen sind fast garantiert.
Am Wochenende war das Krebsdrama um “Pretty Belinda”, oder kurz “Belinda”, wie Massenblättern die vielleicht berühmteste Frau Kanadas nennen, nicht mehr länger geheimzuhalten. Stronach erholte sich da bereits in einem Toronto-Spital von einer mehrstündigen Operation zur Entfernung der Brustdrüse (Mastektomie) und Brustwiederherstellung. Sie sei äußerst “optimistisch” und “positiv” ließ ihr Assistent Greg McEachern der Weltpresse ausrichten.
Belinda hatte sich nach intensiven Beratungen zu dem schweren operativen Eingriff entschlossen, obwohl viele DCIS-Patienten darauf verzichten. “Die Chancen, dass sich der Krebs ausbreitet, werden durch eine Operation radikal reduziert”, analysierte Dr. Eileen Rakovitch in der Kanada-Presse. Die Rückkehr-Rate des Krebs liege nun bei bloß einem Prozent in den nächsten zehn Jahren. Obwohl diese Form des Brustkrebses weitverbreitet ist – eine von zehn Frauen wird in Kanada und anderen westlichen Staaten mit DCIS diagnostiziert –, muss es für Belinda wie ein Schlag aus heiterem Himmel gewesen sein: In der Familiengeschichte sei kein Krebs zu finden, schrieb der “Toronto Star”. Und zum Ausgleich des Dauerstress betreibe sie täglich Sport, fokusiere fast fanatisch auf eine gesunde Diät und ist berühmt dafür, “mit einem Glas Wein einen ganzen Abend auszukommen”.
Die Krebs-Diagnose hatte nichts mit Stronachs überraschender Entscheidung im Frühjahr zu tun, sich aus der Politik zurückzuziehen zu wollen. Den Knoten hatte sie danach gefunden, gerade als sie sich in einer Serie an Medien-Interviews auf ihre neue Rolle als künftige Magna-Chefin freute. Ironischerweise posierte sie knapp vor der Diagnose mit einem T-Shirt “Kampf dem Brustkrebs” bei einem Fototermin für das Monatsmagazins “Chatelaine”. Das konnte sie dann bei ihrer Serie an Tests im Wartezimmer der Ärzte lesen.
Die Krebsdiagnose ist das jüngste Kapitel in einer langen Liste an Headlines der berühmten Frank-Tochter: 2001 übernahm sie als CEO das Steuer des Wirtschaftsgiganten Magna (83.000 Angestellte). Ihre Freundschaft zu Frauenheld Bill Clinton sorgte für beträchtliches Rauschen im Blätterwald. 2004 wurde sie für die Konservativen als Parlamentsabgeordnete gewählt. “Time” nahm sie in seine Top-100-Liste der wichtigsten Erdenbürger auf und verglich sie mit einer “jungen Margaret Thatcher”. Doch 2005 verließ sie in einem spektakulärem Coup ihren Boyfriend und Parteikollegen Peter MacKay sowie die Konservativen, wechselte zu den Liberalen und war Sozialministerin, bis – ausgerechnet! – ihre Ex-Partei wieder an die Macht kam. Belinda schaffte die Wiederwahl, diesmal als Liberale. Als Hauptgrund für ihren jetzigen Exit nannte sie ihre beiden Kinder, mit denen sie “zu wenig Zeit” verbringen habe können: “In den Teenager-Jahren treffen sie vielleicht die wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens – da ich will für sie da sein”, sagte sie.
Doch die Powerfrau sorgt mit dem einst blonden, jetzt brünettem Glatthaar und leicht verschmitztem Lächeln auch an anderen Fronten für Aufsehen: Sex sei “besser als Golf” erklärte sie Buchautor Don Martin überraschend freizügig: “Ich mag Männer”, fuhr sie fort: “Ich bin niemand, der am Freitag zu Hause sitzt und häkelt”. Nach zwei geschiedenen Ehen landete sie zuletzt mit ihrer Beziehung zu Ex-Eishockeystar Tie Domi, einem “Schlägertypen”, so Martin, im Rampenlicht, besonders als die Affäre von Domis Ex-Frau Leanne als Scheidungsgrund genannt wurde.
Doch wichtiger ist Belindas Rolle als Kämpferin für Frauenrechte: Vor allem die brutalen Attacken (Ex-Boyfriend MacKay beschimpfte sie etwa als “Köter”) im Parlament in Ottawa führte sie als Beispiel an, wie mies Frauen in der Politik behandelt werden. Ihren eigenen Schicksalsschlag wird sie künftig wohl für die Aufklärung im Kampf gegen den Brustkrebs instrumentalisieren. Belinda betonte, wie wichtig es sei, Krebs früh zu erkennen, sagte ihr Assistent: Das könne ein “Weckruf” für Frauen sein. Belinda, Betreiberin zahlreicher philanthropischer Projekte (wie etwa Malaria-Netze für Afrika), könnte Millionen an Geldern für die Krebsforschung lukrieren. 2004 hatte Pappa Frank acht Millionen für eine Krebsklinik bei Toronto gespendet. Als Politikerin hatte Belinda vehement ein 240-Millionen-Dollar-Programm zur Krebsbekämpfung unterstützt. Zu bremsen wird die globale Powerfrau mit Austro-Wurzeln trotz Krebsdrama nicht sein: “Ich arbeite hart und lebe mein Leben mit enormer Intensität”, erzählte sie Autor Martin.

# 25. Juni: Kann Arnie Vize-Präsident werden?

Es war nur als Witz gedacht, als New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg zuletzt – mit Arnie an seiner Seite Seite – anmerkte, die beiden wären ein gutes Team fürs Oval Office. Während Milliardär Bloomberg dann seinen Ausstieg aus der Republikaner-Partei bekannt gab und die Spekulationen anheizte, er könnte als “Independent” den Präsidentschaftswahlkampf aufmischen, rätselte Amerika: Kann Arnie, dessen Geburt in Österreich ihm aus Verfassungsgründen den Aufstieg ins White House versperrt, zumindest als Vizekandidat, oder “Running Mate”, ins Rennen gehen? Die Antwort ist einfach: Der zwölfte Zusatz (“12th Amendment”) zur US-Konstitution besagt eindeutig, dass jemand, dem die Qualifikationen für das Präsidentenamt fehlen, auch nicht als Vize antreten darf. Dem Mediensturm tat das keinen Abbruch. Arnie sei mit über 60 % Zustimmung einer der populärsten US-Politiker, so US-Politologen: “Ihn mit der Schlacht um das Oval Office irgendwie in Zusammenhang zu bringen, sorgt automatisch für Spannung”. Einige Rechtsexperten heizten die Debatte an, als sie bezweifelten, dass Richter das 12th Amendment derart strikt interpretieren würden – oder eher eine “politischen Entscheidung” zulassen könnten. Klarheit würde eine generelle Verfassungsänderungen bringen, die Nicht-in-Amerika-Geborenen ein Antreten für den mächtigsten Politposten der Erde ermöglichen würde. “Das werde ich aber nicht mehr erleben”, gibt sich Arnie realistisch.

# 25. Juni: Arnie als globtrottender Klima-Retter

Kalifornien-”Governator” Arnold Schwarzenegger war vor seinem Anflug nach Graz als neuer “Action Hero” das globalen Klimaschutzes in seinem Element: “Eure Leadership ist mehr gefragt denn je”, rief er hunderten US-Bürgermeistern zu, die zu einer Öko-Konvention nach L.A. gekommen waren: “Ihr sendet eine starkes Signal an Washington und den Rest der Welt, dass auch wir hier in den USA gegen die Klimaerwärmung kämpfen”.
Arnie, der im Wahlkampf des Vorjahres seine grüne Ader entdeckte, ist zu einem der wichtigsten Öko-Diplomaten der Welt beim Kampf gegen den drohenden Klima-GAU geworden: Für Kalifornien verordnete er eine Senkung des CO2-Ausstosses um 25 % bis 2020, sowie eine ganze Litanei an Projekten zur Förderung alternativer Energien (siehe Kasten).
Die Klimapolitik steht auch im Zentrum seiner Euro-Blitzvisite mit Treffen am Montag mit Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy in Paris und dem scheidenden Briten-Premier Tony Blair am Dienstag in London. Arnie will dabei signalisieren, dass Amerika sehr wohl bereit ist, “mit Europa zusammenzuarbeiten”, wie er als Seitenhieb auf seinen größten Klimaschutz-Erzfeind, US-Präsident George W. Bush, feststellte.
Bei Blairs Besuch in Kalifornien etwa war im Vorjahr eine “transatlantische Klima-Partnerschaft” mit Großbritannien vereinbart worden. Ähnliche Deals gab es mit mehreren US-Bundesstaaten, der australischen Provinz Victoria, oder den Kanada-Provinzen Ontario und Manitoba. Das Ziel: Die Vergrößerung des Marktes für saubere Treibstoffe und dem Handel mit Emissions-Krediten (“CO2-Börsen”).
Ökogruppen haben viele dieser Pakte als großteils symbolisch bezeichnet – doch Arnies Ruf als neuen Klimaretter tut das keinen Abbruch: Im Frühjahr posierte er am Cover des US-Magazines “Newsweek” gar mit einer Weltkugel in der Hand. Zuletzt widmete “Time” die Coverstory Arnie und seinem, ebenfalls ökofreundlichen Freund und New-York-Bürgermeister Michael Bloomberg. Arnies Philosophie ist jedoch, den Bürgern etwa ihre Riesenkarossen nicht wegnehmen zu wollen, sondern bloß ökofreundlich umzurüsten. Seine eigenen “Hummer”-Riesenjeeps hat er deshalb nicht verschrottet, sondern Biospritmotoren einbauen lassen.

# 23. Juni: Sperrt Bush Guantanamo Bay zu?

Schließt US-Präsident George W. Bush endlich den größten Schandfleck seiner gesamten Amtszeit, das Anhaltelager für Terror-Gefangene am US-Stützpunkt Guantanamo Bay (“Gitmo”) in Kuba? Insider im White House hatten gegenüber US-Medien durchsickern lassen, dass Bush & Co an Plänen zur Überstellung der 380 Gefangenen in Militär-Hochsicherheitsgefängnisse am US-Festland brüten, wie dem etwa in Fort Leavenworth, Kansas. Vor allem Verteidigungsminister Robert Gates und Außenministerin Condoleezza Rice hatten zuletzt vehement für ein Zusperren des Terrorknasts argumentiert, der seit der Einrichtung 2002 – weltweit als “Gulag im Krieg gegen den Terror” verschrien – Amerikas Reputation ramponierte. Es hagelte Vorwürfe der Folter und dem Bruch internationalem Rechts. Vier Gefangene begingen Selbstmord. Bushs Problem: Bei einer Überstellung in die USA muss sofort Anklage erhoben – oder die Häftlinge freigelassen werden. Doch außer dem harten Kern an Al-Kaida-Terroristen á la 9/11-Mastermind Khalid Sheikh Mohammed ist laut US-Rechtsexperten “die Suppe viel zu dünn” für Anklagen.

# 23. Juni: Rezension: Al Gores Generalabrechnung mit Bush in „The Assault on Reason“

Es ist wieder eine “unbequeme Wahrheit”, die Ex-Vize Al Gore nach seiner Oscar-gekrönten Klima-GAU-Doku für die Amerikaner bereit hält: Ihre Demokratie ist unter Alptraum-Präsidenten George W. Bush zur Farce verkommen; sie selbst ließen, regelrecht verblödet durch endlosen TV-Konsum plumper Politpropaganda, mit dem Irakkrieg den “katastrophalsten Schnitzer in der US-Außenpolitik aller Zeiten” zu; erdulden in einem Klima konstanter, perfider und für politischen Eigennutzen instrumentalisierter Terror-Panikmache das Aushebeln ihrer Bürgerrechte; erleben durch einen Mix plumper Tatsachenverdrehung und Bedrohung von Experten einen Rückfall in die Steinzeit des Umwelt- und Klimaschutzes oder nehmen Steuergeschenke für Superreiche hin. Und das alles von einer Regierung, die so “unfähig” ist, dass einem täglich die Spucke wegbleibe.
Kurz: Düstere Zeiten für Amerika, ein Land voll im Rückwärtsgang, seine “Demokratie in Gefahr”, unter Bush international isoliert und intern fast ein totalitärer Staat, “wo vernunftgeleitete Diskurse längst keinen Platz mehr haben”. Es ist ein literarischer Wutausbruch, den Gore im Buch “Angriff auf die Vernunft” (Verlag Riemann, 350 Seiten) hinlegt. “Die Vehemenz seiner Argumente gegen das Bush-Amerika lässt selbst die härtesten Kritiker als richtig höflich erscheinen”, urteilt Michiko Kakutani von der “New York Times”. Die Buch-Bombe brachte – vor allem, da es sich streckenweise wie eine ellenlange Parteitagsrede liest – die Gerüchteküche zum Brodeln, wonach Gore wieder kandidieren könnte. Für das liberale Amerika ist der einst hölzerne Polit-Tölpel längst nicht nur Umweltguru, sondern auch der Wunschkandidat für die Wahlschlacht 2008.
Selbst nachdem er hartnäckig ein Antreten ausschließt, liegt er in Umfragen für die Demokraten-Primaries mit zuletzt laut USA Today/Gallup-Umfrage mit 18 % an dritter Stelle, hinter Hillary Clinton (33%) und Barack Obama (22%), dessen eigener Bestseller “Hoffnung wagen” in den USA im Vorjahr für Furore sorgte. Obwohl sich Gores Generalabrechnung mit Bush & Co in eine lange Liste ähnlich verheerender Analysen einreiht, wurde sie von Kritikern in den USA als “herausragend” gepriesen: Durch die lückenlose Dokumentation und schärfe seiner Argumente, schreibt etwa Kakutani, “werden die Konsequenzen der Bush-Politik ähnlich eindrucksvoll erklärt, wie er die Menschen über den Fallout der Klimaerwärmung aufrütteln konnte”.
Allerdings: Gore prügelt verbal auf Bush ein wie niemand vor ihm. “Warum scheinen Vernunft, Logik und die Wahrheit so ein kümmerliche Rolle zu spielen in der der Art, wie Amerika wichtige Entscheidungen trifft”, zitiert er Senator Robert Byrd gleich auf Seite Eins. Dabei mache man es sich, so Gore, zu leicht, alle Schuld bloß Bush in die Schuhe zu schieben: “Wir haben einen Kongress, unabhängige Richter, Mechanismen gegen Machtmissbrauch, Gesetze und eine freie Presse”, schreibt er und fragt provokant: “Haben die uns alle im Stich gelassen?”
Am wenigsten gerüstet für ein energisches Entgegentreten gegen die Bush-Politik der “Verführung der Massen” samt plumper Lügenpropaganda wie der angeblichen Verknüpfung von Saddam Hussein mit 9/11 (was 70% der Amerikaner vor der Irak-Invasion glaubten) seien der Kongress, wo die Politik durch außer Rand und Band geratenen Lobbyismus längst “käuflich” ist.
Hinzu kommen Medien, die das TV-süchtige Amerika mit einer Flut belangloser Stories überhäufen, während zur Profitmaximierung Korrespondentenbüros geschlossen werden. “Live” laufe lieber der Michael-Jackson-Prozess, Anna Nicole Smith, Paris Hilton, Lindsay Lohan und Britney Spears. “Während die TV-Stationen zusammen hunderttausende Übertragungsstunden für solche Stories freischaufelten”, lamentiert Gore, “wurden, wie Historiker später garantiert konstatieren werden, eine Serie katastrophaler Fehlentscheidungen getroffen – über Krieg und Frieden, dem Klimawandel und das Überleben der Menschheit, Freiheit und Barbarei”.
4:35 Stunden, “zwei Drittel ihrer Freizeit”, so Gore, starren im Schnitt die US-Bürger in die Glotze. Zeitungen lesen immer weniger. Die fast hypnotisierende Macht des Fernsehens, argumentiert Gore, sowie die Trivialisierung der Politik auf 30-Sekunden-Werbungen gepaart mit geschickter Demagogerie und Panikmache des Weißen Hauses hätte die Bevölkerung für Bushs radikalen Kurs im Inneren wie Äußeren gefügig gemacht. Hoffnung mache Gore nur das Wachstum des interaktiven Internets als Alternative. Doch noch manipuliere eine neue Generation an “Medien Machiavelis” die Meinung der Massen, exaktere Methoden der Umfrageerhebung gepaart mit wachsender Computer-Power unterteilt die Bevölkerung in immer kleinere “psychografische Kategorien zur Verfeinerung der Polit-Propaganda”, tobt Gore. Die ganze Demokratie werde dadurch unterminiert – und Wählermeinungen gar käuflich. Das Verhalten der vom TV-Dauerkonsum geschädigten US-Bürger vergleicht er gar mit dem eines hypnotisierten Huhns: “Dieses lässt sich als Briefbeschwerer verwenden, oder Türstopper – und würde immer nur vor sich hinstarren”. Gore macht auch die Endlosschleifen an Horrorbildern des 11. September im TV dafür verantwortlich, dass sich der Angriff derart tief in die Psyche Amerikas gebohrt hat.
In diesem Klima wäre es für Bush leicht gewesen, mit der Angst Politik zu betreiben, so Gore: “Angst ist der mächtigste Feind der Vernunft”. Und: “Leadership bedeutet, Inspiration zur Bewältigung unserer Ängsten zu bieten, Demagogerie heißt, Ängste für politische Vorteile auszunützen”. Bush erinnere Gore am ehesten an Watergate-Präsident Richard Nixon, der ebenfalls Angst als politische Waffe einsetzte, um von eigenen Verfehlungen abzulenken sowie Kritiker als “unpatriotisch” zu verdammen. “Menschen reagieren auf Furcht, nicht Liebe”, wird Nixon zitiert.
Gore prangert auch Bushs religiösen Eifer an, mit dem er nach 9/11 die Welt plötzlich in “gut” und “böse” einteilte: “Das erinnert mich eher an eine Religionsströmung namens Manichäismus, die vom Christentum bereits vor 1000 Jahren verworfen wurde”. In diesem Klima wurden alle verfolgt, vor allem Experten, die sich gegen bereits von Bush und seinen Ideologen getroffene Entscheidungen stemmten: US-Armeegeneral Eric Shinseki etwa, der korrekterweise 500.0000 GIs zur Stabilisierung des Irak empfahl, musste zurücktreten. Alle, die im Pentagon konkrete Planungen für die Zeit nach Saddams Sturz einforderten, wurden mit dem Rauswurf bedroht. Zugehört wurde bloß freundlichen Einflüsterern: Der irakische Tausend-und-eine-Nacht-Exilant Ahmad Tschalabi etwa schwärmte von den dankbaren, Blumen streuenden Irakern; Lobbyisten von ExxonMobil versicherten Bush, dass die ganze Klimawandeldebatte eher ein Scherz sei.
Die Bush-Krieger hätten ihre Bürger nicht nur plump angelogen, etwa als sie “gefälschte Dokumente” über Saddams angebliche Uran-Käufe in Afrika für ein Nuklearwaffenprogramm propagierten und vor “Atompilzwolken über US-Metropolen” warnten. Im “Krieg gegen den Terror” wurden auch Amerikas älteste Werte außer Kraft gesetzt, seine Bürger per gigantischem Lauschangriff bespitzelt, Terror-Gefangene gefoltert und die Genfer Kriegsgefangenen-Konvention außer Kraft gesetzt. Letzteres hätte, so Gore, direkt zum Horror des Abu-Ghraib-Folterskandals geführt.
Nur einmal in all den Jahren hätte die Bevölkerung die Ausmaße an Korruption und Inkompetenz der Bush-Regierung mit der “notwendigen Klarheit” gesehen, so Gore: Es waren die Tage, als New Orleans hilflos in den Katrina-Fluten versank – und auch die Presse aus ihrer Lethargie erwachte. “Doch wie der Sturm, zog auch dieser Moment der Wahrheit wieder vorüber”.

# 23. Juni: Arnies Blitztour durch Europa


Für Kalifornien-”Governator” Arnold Schwarzenegger heißt es am Wochenbeginn “au revoir Kalifornien” und “bienveneu a Paris”. Denn am Montag trifft er im Prunkpalast Elyseé Frankreichs neuen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Am Dienstag ist Arnie in London angesagt, wo er Gespräche mit Briten-Premier Tony Blair führt – knapp bevor der von Gordon Brown abgelöst wird. Sowohl mit Blair als auch Sarkozy will Arnie bei seiner Euro-Blitztour engere Kooperationen im Kampf gegen den Klima-GAU diskutieren.
Schwarzenegger will in Kalifornien bis 2020 die Treibhausgase um 25 % senken, und hat mit Blair bei dessen Besuch im US-Riesenbundesstaat den Start einer Börse für CO2-Emissionen vereinbart (ähnliche Deals machte Arnie auch mit Kanada und Australien). Mit Sarkozy will er nun ebenfalls “Möglichkeiten einer Zusammenarbeit im Kampf gegen die Klimaerwärmung” ausleuchten, so sein Büro. Interesse hatte Arnie auch an der Technologie für den französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV gezeigt, nachdem Schnellzugverbindungen zwischen L.A., San Franzisko und Sacramento geplant sind.
Ob Arnie in London auch Blair-Nachfolger Brown trifft, wurde bisher nicht bestätigt. Der Ex-Filmheld hat seit seinem Amtsantritt praktisch eine eigene Außenpolitik betrieben: Umjubelt wurde er bisher Israel, Jordanien, Hongkong, China, Japan, Mexiko und Kanada. In Österreich war er zuletzt als US-Vertreter beim Begräbnis von Präsident Thomas Klestil. Arnie will wohl auch Amerikas demoliertes Image unter US-Präsident George W. Bush aufpolieren. Bushs Popularität in den USA selbst stürzte zuletzt laut “Newsweek” auf 26 %.

# 21. Juni: Kommentar: Hilft Bloomberg Hillary?

Bedeutet Michael Bloombergs möglicher Coup als unabhängiger White-House-Kandidat, dass Demokraten-Frontrunnerin Hillary Clinton nun fast unschlagbar ist? Immerhin hatte ein früherer “Independent”, Ross Perot, 1992 ihren Gatten indirekt ins Oval Office katapultiert, da er das Republikanerlager spaltete. Doch der Vergleich hinkt: Denn Bloomberg ist ein Mann der Mitte. Er fischt bei jenen moderaten Wechselwählern, die jetzt in den Primaries von Kandidaten beider Parteien links liegen gelassen werden. Hillary und Obama buhlen um den linken Rand der demokratischen Parteibasis, Giuliani & Co um den rechten innerhalb der GOP. Dort werden die Vorwahlen gewonnen. Bloomy könnte in der Mitte abräumen – und seine Gegner um viele der im Finale wichtigsten Wechselwählerstimmen bringen.

# 21. Juni: Bloomberg verlässt GOP: Kandidatur?

Die Republikaner-Partei (GOP) unter US-Präsident George W. Bush sah schon länger aus wie der sinkende Ozeanriese “Titanic” – doch jetzt springen die ersten tatsächlich von Bord: Der Multimilliardär und Bürgermeister New Yorks, Michael Bloomberg (65) verließ die GOP und ist fortan Partei-unabhängig (“independent”). Der Schritt wurde von US-Analysten als eines der größeren “politischen Erdbeben” der letzten Zeit bezeichnet – mit Konsequenzen auch für die kommende Schlacht um das Oval Office 2008: Denn Bloombergs GOP-Exit könnte den Weg für eine eigene Kandidatur als “Independent” ebnen. Bisher dementiert er das: “Ich habe noch 926 Tage als Bürgermeister”, sagte er.
Bloomberg könnte als reichster Kandidat, der jemals um das White House ritterte, bis zu 600 Millionen Dollar in den Wahlkampf pumpen. “Bloomy”, wie der farblose doch sehr populäre Bürgermeister in New York genannt wird, ist als Eigentümer des von ihm gegründeten, enorm profitablen Finanzdienstes mindestens fünf Milliarden Dollar schwer.
Indpendents hatten schon früher Präsidentschaftswahlen erschüttert:
# Texas-Milliardär Ross Perot kostete 1992 dem damaligen Präsidenten George Bush senior indirekt die Wahl, da er rechte Stimmen abzog und Demokraten-Außenseiter Bill Clinton den Einzug ins Weiße Haus ermöglichte.
# Grünkandidat Ralph Nader zog 2000 genug Stimmen von Al Gore in Florida ab, um Gore um den Sieg zu bringen.
Doch anders als diese beiden Rechts- oder Linksaußen-Kandidaten propagiert Bloomberg eine parteiübergreifende Politik der Mitte, genau wie sein Freund, Kalifornien “Governator” Arnold Schwarzenegger. “Wir sollen nicht den Parteien sondern den Bürgern dienen”, sagte er zuletzt bei einer Konferenz in L.A. mit Arnie an der Seite, den er als “tollen Vizekandidaten” pries. Ein Scherz natürlich, die die Verfassung Arnie als Nicht-in-Amerika-Geborenen auch ein Antreten als Vize verbietet. Bloomberg und Arnie strahlten zuletzt auch vom Cover des US-Magazins “Time”.
Politologen rätselten bisher, ob Bloomys Antreten mehr den Republikanern oder den Demokraten schaden würde. Die Frontrunner Hillary Clinton (D) und Rudy Giuliani (R) sahen die Aktion jedenfalls prompt als “Verrat”, so Insider.

# 21. Juni: Wer ist Michael Bloomberg?

Michael Bloomberg redet in derart monotonen Tönen, dass er Zuhörer oft in Tiefschlaf versetzt. Trotzdem hat er sich zum Polit-Star gemausert: Mit 75 Millionen Dollar aus seiner Privatschatulle “kaufte” er sich 2001 den Bürgermeisterposten. Doch er wurde mit pragmatischer und effizienter Politik zum vielleicht besten “Mayor” der Stadtgeschichte – besonders nachdem er ein spektakuläres Comeback der nach 9/11 devastierten Weltmetropole orchestrierte. Bloomberg, in Boston geborener Sohn jüdischer Polen, der über die letzten Jahre auch eine enge Freundschaft zu Arnie entwickelte, ist ein klassischer, amerikanischer Selfmade-Milliardär: 1981 gründete er den Finanzdienst “Bloomberg LP”, der heute mit den für Händler essentiellen “Bloomberg Terminals”, Nachrichtendiensten und TV-Stationen ein globales Medien-Imperium darstellt. “Forbes” listet ihn als Mehrheitseigentümer mit einem Privatvermögen von 5,5 Milliarden Dollar, Nummer 142 global. Obwohl “Bloomy” die Golfplätze auf Bermuda liebt und seine regelmäßigen Wochenendtrips dorthin mitunter für Kritik sorgen, fährt er in New York täglich mit der Subway von seinem Multimillionen-”Town House” an der schicken Upper East Side zum Rathaus in Lower Manhattan. In einer Bio träumte er bereits 1997 von höherem: “Ich wäre eine guter Präsident”, schrieb er.

# 12. Juni: Powell fordert Schließung von Terrorknast

Ex-Außenminister Colin Powell würde das US-Anhaltelager im “Krieg gegen den Terror” am US-Stützpunkt Guantanamo Bay in Kuba sofort schließen, sagte er im US-TV. 380 angebliche Terroristen sind noch in “Camp Delta” inhaftiert, darunter auch die Drahtzieher der Terror-Attacke des 11. September. Sie sollen von einem Militär-Tribunal abgeurteilt werden. “Ich würde das diesen Nachmittag zusperren”, polterte Powell. Guantanamo hätte das Ansehen der USA rund um die Welt schwer ramponiert und den Glauben in das US-Justizsystem erschüttert, sagte Powell: Und Diktatoren in aller Welt würden das Camp als Ausrede für eigene Vergehen verwenden. Der Großteil der Häftlinge soll, so Powell, in die USA und in das zivile Justizsystem überstellt werden – für die kleine Gruppe der Superterroristen eine Sonderlösung gefunden werden. Die Bush-Regierung signalisiert jedoch kein Einlenken: Drei weitere Terror-Verdächtige wurden zuletzt nach Guantanamo überstellt.

# 12. Juni: Doch Abzug der GIs?

Während US-Präsident George W. Bush und die Kongress-Demokraten im Írak-Showdown zwischen “Kurshalten” (Bush) und Totalabzug (“Dems”) festgefahren sind, werken Pentagon-Planer bereits an einer Art Kompromiss: Demnach sollen bis nächsten Sommer 100.000 der heute 162.000 in der irakischen Bürgerkriegshölle stationierten GIs abgezogen werden – jedoch könnten 50.000 im Irak für Jahrzehnte bleiben, berichtet die Zeitung “Washington Post”.
Das Herzstück einer solchen dauerhaften US-Besatzungsarmee in Nahost könnte eine mechanisierte Infantriedivision mit 20.000 Soldaten sein, 10.000 weitere die irakische Armee und Polizei trainieren, dazu 10.000 für Logistik und Schutz des Besatzungs-Hauptquartiers. Kleinere Elite-Einheiten sollen Al-Kaida-Terrorgruppen jagen. Die Idee einer Langzeitbesatzung war von Bush & Co schon vor Wochen gestreut worden, als Südkorea, wo 40.000 GIs seit über einem halben Jahrhundert stationiert sind, als Bespiel genannt wurde.
Der vom Pentagon entworfene “Plan B” geht jedoch von einer, von der Irakregierung unter Premier Nuri al-Maliki erzielten “politischen Versöhnung” zwischen den sunnitischen und schiitischen Bürgerkriegs-Parteien aus. “Dafür gibt es aber bisher kaum Anzeichen”, warnen Insider. Doch der Plan passt perfekt ins Konzept politischer Strategen von Bushs Republikanerpartei in Washington: Die Dauer-Gemetzel im Irak (3,506 tote GIs, 128 allein im Mai) hätten alle Chancen von Republikaner-Kandidaten in der Schlacht um das Oval Office zunichte gemacht (ÖSTERREICH berichtete).
Allein aus technischen Gründen ist ein Totalabzug der US-Armee aus dem Irak kaum eine Option: Über die einzige Abzugsroute durch den Südirak würden zehn Monate (!) lang 3.000 Riesenkonvois mit GIs und Armee-Material nach Kuwait rollen. Das wäre eine Total-Erniedrigung in Zeitlupe für die Supermacht, so Bush-Berater.
Währenddessen verfolgt Irak-General David Patraeus laut “New York Times” – unter massiven Druck, bei Bushs Irak-Offensive (“Surge”) endlich Erfolge vorzuweisen – eine höchst riskante Strategie: In der sunnitischen Unruheprovinz Anbar wollen die US-Streitkräfte jene Sunni-Gruppen mit Waffen ausrüsten, die versprechen, gegen Al-Kaida-Terroristen zu kämpfen. Einige dieser Gruppen hätten früher US-GIs attackiert, so der Report. Kritiker halten Bewaffnungen inmitten eines Bürgerkrieges für einen katastrophalen Fehler.

# 11. Juni: Hiltons Knast-Alptraum

Zum ersten Mal in ihrem Leben war Luxus-Blondine Paris Hilton (26) fotoscheu: Sie hätte während ihren ersten drei Tagen im Frauenknast von Lynwood, Los Angeles, jegliche Nahrungsaufnahme verweigert, da sie fürchtete, beim Klogehen in ihrer 2,6 x 1,4 Meter großen Zelle von Wärtern mit Handy-Kameras fotografiert zu werden, so US-Medien. Hilton, die nach ihrer ersten Freilassung und 36 Stunden “Hausarrest” in ihrer Luxusvilla seit Freitag wieder im Krankentrakt des “Twin Tower”-Gefängnisses inhaftiert ist, soll mit starken Beruhigungsmitteln stabilisiert worden sein und sich unter “Suicide Watch” (Selbstmordüberwachung) in einer, mit 11,1 Quadratmetern etwas größeren Zelle aufhalten.
“Sie hat nichts gegessen, nichts getrunken, da sie das Klo nicht benützen wollte”, so Insider über die ersten drei Hafttage. Die Toilette, komplett aus Nirosta-Stahl, war von der Luke in der Zellentüre gut einsehbar. “Sie hatte die Panik, dass Wärter Fotos schießen würden und diese am Internet landen”, so Zeugen. Dehydriert und klaustrophobisch hätte sie hyperventiliert, wäre ausgeflippt und am Ende nur mehr lallend angetroffen worden. Der “Stuhl-Stau” hätte zum totalen Kollaps führen können, sogar zu ihrem Tod, befürchtete Sheriff Lee Baca, der sie deshalb freiließ.
Die Ironie: Eine Mitgefangene soll angeblich Handy-Fotos geschossen haben, so die “New York Post”: Eines im blauen Haftoverall, eines nur in Unterhose, die die Aufschrift “Bitch” trug.
Im “Twin-Tower”-Knast geht das Drama weiter: “Sie schreit herum den ganzen Tag, weigert sich, den orangefarbenen Overall überzustreifen”, so Zeugen. Hilton könnte am Montag zurück in die Anstalt in Lynwood geschickt werden. Dort hätte sie, bei “guter Führung”, gut zwei Wochen noch abzusitzen. Hiltons Agenten fordern von TV-Stationen inzwischen Millionen-Beträge für das erste Haft-Interview.

# 11. Juni: Tina Browns Buch des Jahres: Dianas letzter Sommer

Dianas Trip nach Angola zum Kampf gegen die Verbreitung von Landminen verhalf ihr zum Durchbruch als globaler Superstar abseits der üblichen Londoner Benefizbälle. Jeder 334. Bürger ist dort verkrüppelt, 70.000 total. Stories gingen um die Welt, wie etwa die, als ein sterbendes Mädchen nach der Diana-Visite fragte: “Ist sie ein Engel?” Di demonstrierte auch Professionalismus und Entschlossenheit: Sie ertrotze sich den Marsch durch eine halbgeräumtes Minenfeld, und, nachdem einige Fotographen mit ihren Aufnahmen nicht ganz zufrieden waren, marschierte sie gleich nochmals. “Der zweite Gang war Dianas purste Synthese aus Mut, Kalkulation und Brillanz beim Einsatz von Medienmacht”, staunt Brown. Tatsächlich: Diana mit Glasgesichtsschutz, entschlossenem Gesichtsausdruck, Panzerweste, nur Zentimeter neben den grellroten Totenkopf-Warnschildern, wurde zu einem der berühmtesten Bilder der Menschheitsgeschichte – und brachte die minenfreundliche Politik der damals regierenden, Dianas Trip als Medienstunt denunzierenden “Torries” zum Entgleisen. 122 Nationen sollten später bei einer Konferenz in Ottawa ein Verbot von Landminen beschließen.
Ihre Liebesbeziehung zum Herzchirurgen Dr. Hasnat Khan befand sich jedoch im Sinkflug. Er wollte nicht an die Öffentlichkeit, “mit anderen Worten”, so Brown, “sie nicht heiraten”. Nach 18 Monaten des Presse-an-der-Nase-Rumführens landete der “Express” schließlich ein Interview mit Khans Vater: “Er wird sie nicht heiraten”, lautete dessen brutal ehrliche Einschätzung. Und: “Wir suchen nach einer Braut für ihn, am besten von unserem Pathan-Stamm”. Diana stemmte sich nochmals gegen das Unausweichliche: Sie fragte sogar Herzlegende Christiaan Barnard, Khan einen Posten in Südafrika zu vermitteln. “Khan reagierte mit einem Tobsuchtsanfall”, so Brown. An einem schwülen Sommerabend im Juli 1997 kam es im Londoner Hyde Park zum finalen Showdown: “Sie warf ihm wütende Tiraden an den Kopf, weinte bitterlich”, so Brown.
Aber es war vorbei, und Diana stürzt in eine “dunkle Phase ihres Lebens”, wo sie – immer paranoider – daran glaubte, der Palast wolle sie aus dem Weg räumen. Besonders nachdem die Kampagne begonnen hatte, Charles-Lover und Erzrivalin Camilla Parker Bowles am Hof verstärkt einzuführen. Camillas 50. Geburtstag war etwa mit allem Pomp am 17. Juli in Highgrove gefeiert worden.
Eine willkommene Abwechslung brachte die Einladung des Harrods-Eigentümers Mohamed Al Fayed, mit den Boys den Sommer in seiner Villa in Südfrankreich zu verbringen. Al Fayed versprach, sie würden dort gut beschützt sein, vor allem durch die kleine Privatarmee, die der Kaufhauskönig zu seinem eigenen Schutz unterhielt. “Diana brauchte Zeit, um wieder auf die Beine zu kommen”, so Brown: “Als sie ihre Koffer packte, berichtete ihre Friseurin, hätte sie vor sich hingeheult. Sie wirkte völlig zerstört, kein Mascara, ohne den sie normalerweise gar nichts unternimmt”.
Drei Tage nach Antritt des Urlaubes tauchte plötzlich Al Fayeds Sohn Dodi auf. Deren Turn auf der Riesenyacht “Jonikal” durch das Mittelmeer wurde zum Paparazzi-Fest und zur Story des Jahres: Dodi und Diana, relaxed, flirtend. Zum ersten mal wirke Diana “glücklich”, urteilten die Tabloids. Unvergessen die Bilder, als Diana im hellblauen Badeanzug am Sprungbrett des Privatschiffes sitzt und entspannt in die Wellen unter sich schaut.
“Und Diana hatte in diesem Sommer große Pläne”, so Brown: “Sie wollte Dokumentationen produzieren, ein Film alle zwei Jahre als Herzstück neuer humanitärer Projekte. Es war Dianas Vision der heutigen Clinton Global Initiative – und sie hatte die Idee zuerst”. Am Ende hatte sich der Verlust ihres königlichen Titels als großartig erwiesen, schreibt Brown weiter: “Ja, sie büsste viele ihrer royalen Privilegien ein. Doch die Macht ihres magischen Umgangs mit Menschen und Medien konnte ihre niemand nehmen”.

# 10. Juni: Tina Browns Buch des Jahres: Geheimtreffen mit Lover im Spital

Khan stammte aus einer wohlhabenden, sehr traditionellen Familie. Sie lernte ihn im “Royal Brompton Spital” kennen, als Khan einen ihrer Freunde im Spital betreute – und sie komplett ignorierte. “Für eine Prinzessin, vor der alle auf die Knie fallen”, so Brown, “war das unbeschreiblich sexy. Dazu hatte er Blut an seinen Operations-Schuhen, und treue, ausdrucksstarke Augen”. “Wau! Ist der nicht zum Sterben schön?”, staunte Diana, als er das Zimmer verließ. Diana wurde nun zur “Herzchirurgin”: Ein dicker Wälzer über die Anatomie des Körpers lag fortan auf ihrem Nachttisch, sie sah sich die TV-Spital-Seifenoper “Casualty” an.
Und plötzlich trug die verliebte Prinzessin bunte, sonst von pakistanischen Frauen getragene Gewänder, wollte sogar zum Islam konvertieren. Dabei wäre die Beziehung fast gleich am Anfang aufgeflogen, schreibt Brown: “Ein Fotograf von News of the World erwischte Diana, als sie um Mitternacht auf Khan wartete: Sie borgte das Handy des Fotografen und rief den Royalen Korrespondenten Clive Goodman (Spitzname: Ewige Flamme, da er niemals sein Büro verließ) an: Ja, es stimmt, sie sei im Spital, doch sie würde sich um Patienten kümmern, die dem Tod geweiht sind”. Es klappte: “Meine geheimen Nächte als Engel”, titelte News of the World am nächsten Tag.
Ihre Liebe zu Khan wurde zur Erfülltesten ihres ganzen Leben, wie sie Freunden gegenüber urteilte. “Oft einen ganzen Tag lang würde sie in Khans Apartment verbringen, wo sie staubsaugte, das Geschirr spülte und seine Hemden bügelte”, so Brown. An ihrem Geburtstag traf sie Khan mit ihren teuersten Saphir-Diamanten-Ohrringen, einem Pelzmantel, und darunter – nichts. Sie träumte von einer Geheimheirat, was ein Traum blieb angesichts der völlig verschiedenen Kulturkreise.

# 10. Juni: Tina Browns Buch des Jahres: Eine Prinzessin hat keine Warzen

Prinzessin Diana saß in den frühen Morgenstunden am Deck der Segelyacht “Jinikal”, die vor der Cote d´Azure kreuzte, und starrte gedankenverloren in die sanften Wellen vor ihr. Am Tag davor hatte sie erfahren, dass einer ihrer besten Freunde, Modegott Gianni Versace, vor seiner Villa in South Beach, Miami, niedergeschossen worden war. Sie dreht sich um, als sie den Bodyguard des Yacht-Besitzers und “Boy Friend” Dodi Al Fayed kommen hört: “Glaubst, du machen das auch mit mir?”
Diana hatte – und das wird im Buch des Jahres, “Diana – Die Biographie” (Droemer, 784 Seiten) von der britischen Diana-Kennerin und Starjournalistin Tina Brown deutlich – paranoide Visionen über ihr “drohendes Ende”: Sie ließ ihre Räumlichkeiten im Kensington-Palast, wo sie nach ihrer Scheidung von Thronfolger Charles 1996 laut einem großzügigen Deal leben durfte (samt 26 Millionen Dollar “Abfindung”, plus 625.000 jährlich), mehrmals von Helfern auf Wanzen durchsuchen.
“Ich bin eine Bedrohung in ihren Augen”, hätte Diana zu einem Freund, so ein erster Vorabdruck der Diana-Buchbombe im US-Magazin “Vanity Fair”, gesagt: “Sie werden es machen, wenn ich einem kleinen Flugzeug bin, oder in einem Auto, oder einem Helikopter”. Diana starb am 31. August 1997 bei einem katastrophalen Autounfall nach einer Paparazzi-Verfolgungsjagd im “Port de l´Alma”-Tunnel in Paris.
Im medialen Trubel um die Vermarktung des zehnten Todestages der “Königin der Herzen”, deren plötzliches Ende Großbritannien zum kompletten Stillstand brachte, sticht Browns Buch heraus: Die Starautorin hatte wenige Wochen vor ihrem Tod noch Lunch mit der Prinzessin. Sie beschreibt sie aber auch als manipulativ, rachsüchtig und berechnend.
Diana war wütent, dass ihr nach der Scheidung der Titel “Royal Highness” (H.R.H.) aberkannt wurde. “Mach dir keine Sorgen, Mummy”, tröstete sie Sohn William, damals 14: “Wenn ich einmal König bin, werde ich dir das zurückgeben”. Ihr neues Fort im post-royalen Single-Leben war ”Kensington”: “Jeden Dienstag”, schreibt Brown, “würde sie im Studierzimmer sitzen, Rachmaninoffs Klavierkonzert Nr. 2 hören, mitunter spielte sogar ein als Pianist ausgebildeter Palastdiner für sie während sie arbeitete. Oft rief sie ihren Freund Richard Kay, `Ricardo´ wie sie ihn nannte, von der Zeitung Daily Mail an, und suchte um Rat bei komplizierten Redewendungen in ihren Briefantworten”. Diana hatte engen Kontakt mit ausgewählten Reportern der britischen Skandal-Presse, die sie gerne zu ihren Gunsten einsetzte.
Diana hasste Fergie – und der Hauptgrund war eine Passage in Fergies Buch, wo die behauptete, sie hätte Warzen bekommen nachdem sie sich Schlapfen von Diana ausborgte. “Göttinnen haben keine Warzen”, beschreibt Brown Dianas Wut: “Trotz Fergies mehrmaliger Versuche, sich zu entschuldigen, hat Diana nie wieder ein Wort mit ihr geredet”.
Im Herbst 1995 hatte sich Diana endlich in einen Mann verliebt, der ihrer Sehnsüchte würdig war, unverheiratet und der ihre Gefühle erwiderte: Der 35-jährige Pakistani Harzchirurg Dr. Hansant Khan, eine Figur wie “Omar Sharif”, schreibt Brown. Sie nannte ihn “The One” (“Er ist es!”).
In Teil II der Serie: Dianas geheime Liebe zu Khan, das bittere Ende der Romanze, ihr Minenarbeit in Afrika und der letzte Segelturn vor ihrem Tod.

# 9. Juni: Rezension: Barack Obamas Klassiker

Kandidaten für das höchste Amt der USA sollten eine Dissertation schreiben, wo sie ihre intellektuelle Kapazitäten demonstrieren und detaillierte Pläne zur Führung der Supermacht präsentieren, träumt Gary Hart, Ex-Demokraten-Sentor von einer “idealen Welt”. Das Buch “Hoffnung wagen” (Verlag: Riemann) von Politstar Barack Obama, das in den USA für Furore sorgte und jetzt in die österreichischen Buchläden kommt, ist genau so eine “Doktor-Arbeit für das Weiße Haus”, lobt der Hart: Die Fähigkeit zu führen, Lebenserfahrung und Charakter sind herauszulesen. Kurzum: Es ist das Politmanifest eines Senkrechtstarters, den der Hype um sein Charisma als erster Farbiger und im “jugendlichen Politikeralter” von 45 Jahren bis ins Oval Office spülen könnte.
Dabei hatte der Jubel um das Buch den früheren Lokalpolitiker und Rechtsprofessor erst auf die Idee gebracht, trotz erst zweijähriger Erfahrung am nationalen Parkett des US-Senats auf das Präsidentenamt zu schielen. Menschenmassen bestürmten ihn im Sommer 2006 bei seiner Lesetour durch die USA, der Bestseller gab Hoffnung nach einer neuen Politik:
# Obama präsentiert sich als Liberaler mit einer großen Portion Pragmatismus;
# Wettert brillant gegen Bushs Amerika, “dessen System immer mehr die Wohlhabenden und Mächtigen auf Kosten normaler Bürger begünstigt”;
# Beschreibt wie Bushs Irakfiasko die ganze Welt gegen Amerika aufbrachte;
# Warnt vor einer “trivialisierten” Politik knapp vor dem “Point of no Return”, wo nur mehr lautstarke Kleingruppen der Mehrheit ihren Willen aufoktruieren wollen.
Doch das Buch – und auch das ist typisch für den charismatischsten Politiker seit JFK und Bill Clinton – bleibt durch eingeflochtene, so unterhaltsame wie berührenden Anekdoten aus seiner schillernden Bio eine packende Lektüre.
Diesen Jänner verkündete Obama seine Kandidatur und ist der gefährlichste Kontrahent der Favoritin Hillary Clinton. Halb Hollywood kam zu den Fundraisern, um das “Polit-Wunder” Obama zu bestaunen.
Schon in seinem ersten Werk, als er 1995 in “Dreams from my Father” seine multikulturelle Identitätsverwirrung als Kid eines kenianischen Vaters und einer Mutter aus Kansas, aufgewachsen in Hawaii und Jakarta, Indonesien, beschrieb, war aufgefallen, dass “er auch schreiben kann”, wie der legendären Buchkritikerin der “New York Times”, Michiko Kakutani, auffiel. Unvergessen sind die Passagen, wo Obama damals sein Heranwachsen zwischen den Rassentrennlinien im Amerika der Sechziger und Siebziger beschreibt (lieber nicht geschrieben hätte er angesichts der heutigen Oval-Office-Ambitionen wohl die Passagen über Marihuana- und Kokskonsum…).
“Hoffnung wagen” ist nun weniger als Bio sondern mehr als Programmheft zu verstehen, wie eine Obama-Ära in der US-Politik aussehen könnte. Wie ein roter Faden zieht sich sein Traum eines vereinten Amerikas durch die 480 Seiten: Seine eigenen teils bitteren Erfahrungen mit Rassenvorteilen, Klassendünkel und religiöser Bigotterie können Obamas Optimismus nicht trüben, dass Amerika trotz aller Rückschläge am Weg in eine multikulturellere Zukunft am richtigen Kurs ist: “Trotz des Grabens zwischen blauen Staaten, roten Staaten, trotz den Trennlinien zwischen Rassen, Religionen und Klassen”, schreibt Obama, “werden wir uns doch immer ähnlicher”. Plumpe politische Label wie “Liberale” oder “Konservative” würden der Realität immer weniger gerecht werden. Die Bevölkerung habe meist recht moderate Ansichten und Hoffnungen, “egal welcher Rasse, Religion, Region oder Klasse sie angehören”, schreibt er: “Die meisten glauben, dass jeder, der Willens zum Arbeiten ist, einen Job finden soll, Menschen nicht in den persönlichen Bankrott gestürzt werden sollen, bloß weil sie krank werden, jedes Kind das Recht auf eine angemessene Ausbildung haben soll und zur Uni gehen kann, auch wenn die Eltern nicht reich sind”.
Spiegelt das US-Politsystem diesen moderaten politischen Hausverstand der Bürger wieder? Keineswegs, urteilt Obama in einer regelrechten Tirade über die Pervertierung einer der ältesten Demokratien der Erde. Verfolgt werde nur mehr die Strategie der “politischen Kriegsführung”, exekutiert von Strategen, Umfrage-Experten, Aufheizern und ideologischen Redenschreibern, die selbst nobelste Ideale komplett auf den Kopf stellen können im Namen von Macht, Gier oder Intoleranz. Im O-Ton: “Das Tauziehen zwischen Clinton und Gingrich in den Neunzigern sowie die Wahlschlachten von 2000 und 2004 kamen mir vor wie ein Psychodrama der Baby-Boom-Generation, als würden hier private Fehden ausgetragen, die in Studentenheimen vor Jahrzehnten ihren Ursprung haben”. All die Werte dieser Generation, wie das Erkämpfen von Rechten für Minderheiten und Frauen, das Hinterfragen von Autoritäten, die Stärkung der Persönlichkeitsrechte, hätte aus Amerika einen bessern Ort für alle seine Bürger gemacht: Doch der politische Kleinkrieg heute fördere Misstrauen und unterminiere das Zusammengehörigkeitsgefühl.
Besonders bitter beklagt sich Obama über den Niedergang im Schulsystem und der Krankenvorsorge. Eine Highschool in einem Chicago-Vorort muss etwa wegen Geldmangel jeden Tag ab 13:30 Uhr schließen, die Wissenschaftsklassen und Sprachkurse fallen einfach aus. “Wieso werden wir derart betrogen?”, fragten die Kids Obama bei einer Visite. “Wir haben uns fast schon dran gewöhnt an Schwarze und Latinos, die in desolaten Schulen herumhängen, Schulen, die sie nicht einmal für das alte Industriezeitalter, geschweige denn für das heutige Informationszeitalter ausbilden können”, tobt er.
Mit seiner Wut über US-Präsidenten George W. Bush über das Irakfiasko hält er kaum hinter dem Berg: Den Einsatz in Afghanistan gegen die Taliban und Al-Kaida mit überwältigendem Support des Kongresses, der US-Bürger und der Weltgemeinschaft hatte Obama ja noch unterstützt. Doch dann wären alte, verstaubte Strategien hervorgekramt worden á la Reagans “Evil Empire” (“Axis of Evil” unter Bush), oder Uralt-Doktrin, die das Beseitigen unbequemer Herrscher vorsehen – und das alles fast im Alleingang. Und wie am Höhepunkt des Kalten Krieges werden Kritiker als “Weichlinge gegenüber den Terroristen” und “un-amerikanisch” denunziert.
Hart ins Gericht geht Obama aber auch mit Ideologen unter den Demokraten, die er zynisch als “Partei der Reaktion” bezeichnet: “Wir reagieren auf einen fehlgeleiteten Krieg, um dann ALLE Militäraktionen zu bezweifeln; wir reagieren auf jene, die den Markt als alleiniges Allheilmittel preisen mit dem Widerstand, Marktmechanismen zur Lösung wichtiger Problem einzusetzen. Und wir reagieren auf religiöse Eiferei mit der Gleichstellung von Toleranz mit Sekularismus und geben moralische Begriffe auf, die unserer Politik eine tiefere Bedeutung zukommen lassen könnten”.
Doch Obama schreibt auch schlichtweg witzig: Da ist die Szene etwa, als er nach seinem Einzug in den Senat Bush bei einem Lunch im White House zum ersten Mal persönlich trifft. Vize Dick Cheney schiebt da stoisch seine “Eggs Benedict” in sich hinein, Consigliere Karl Rove checkt hektisch unter dem Tischtuch seinen “BlackBerry”, während Bush mit “furchterregenden messianischen Eifer predigt”. Nach dem Handshake wischt sich Bush die Hände mit keimfreien Feuchttüchern ab: “Gut gegen Erkältungen…”, sagt er.
Lustig sind die Schilderungen aus Obamas Familienalltag, vor allem über die Töchter Malia (8) und Natasha (6), wo ihm Malia etwa einmal erklärt, dass er seiner Freundin nicht die Hand schütteln soll, “da Kids sowas einfach nicht machen”.
Als er einmal, schreibt er, Gattin Michelle euphorisch anruft, er habe mit Kollegen gerade ein Gesetz beschlossen, das Angriffe auf Verkehrsflugzeuge mit Schultergefeuerten Raketen erschwert, unterbricht sie ihn: “Wir haben Ameisen!” “Was?”, stottert Barack. Michelle: “Ich habe sie in der Küche gefunden, nimm bitte auf deinem Nachhauseweg morgen ein paar Ameisenfallen mit”. Obama weiter: “Nach dem Auflegen überlegte mich mir, ob meine Senatskollegen Ted Kennedy oder John McCain ebenfalls Ameisenfallen auf dem Weg nach Hause mitnehmen”.

# 9. Juni: Kann Obama Präsident werden?

Die Umfrage hatte alle überrascht: Gerade als die Demokratenfavoritin für das Oval Office, Hillary Clinton, ihren Status als “praktisch unschlagbar” einzementieren wollte, hat ihr Top-Kontrahent, Senator Barack Obama, laut der angesehenen “US Today/Gallup”-Umfrage praktisch gleichgezogen: Mit 36 % zu 37 % liegt er nur mehr einen Prozentpunkt hinter Hillary. Frühere Umfragen hatten zuletzt eine deutliche Hillary-Führung gezeigt, nachdem Obama im ersten Demokraten-TV-Duell enttäuscht hatte (natürlich auch, da die Erwartungshaltungen durch den Hype um den “farbigen JFK” enorm waren). Zum Staunen hatte Obama US-Politbeobachter gebracht, als er in den ersten drei Monaten 2007 mit 26 Millionen Dollar nur um eine Million weniger sammelte als Hillary, die jahrelang am Aufbau eines hochkarätigen Spender-Netzwerkes gewerkt hatte.
Doch kann Obama wirklich Präsident werden? Sein unbändiges Charisma, verglichen mit dem der Polit-Rockstars John F. Kennedy und Bill Clinton, wird ihm in den heißeren Wahlkampfphasen helfen, vor allem verglichen mit der eher unterkühlten Hillary. Dazu hat Obama – wichtig bei den Demokraten-Primaries – den Irakkrieg von Anfang an verdammt. Auch kann er eine neue “Ära in der US-Politik” versprechen, anders als Hillary, die die 1989 begonnene, unheimliche Serie von Bushs und Clintons im White House prolongieren würde. Sollte er Hillary in den Vorwahlen niederringen, könnte seine “Unerfahrenheit” nach nur dann vier Jahren im Senat im Showdown mit seinem Republikaner-Kontrahenten zum Handikap werden, vor allem in Kriegszeiten. Fest steht: Noch nie hatte ein Afroamerikaner so gute Chancen, US-Präsident zu werden.

# 8. Juni: Hiltons Kurzurlaub vom Knast

Es wurde doch nur eine Kurzzeithaft für Hotel-Prinzessin Paris Hilton (26): Nach Reports, sie würde immer öfter in ihrer 3,6 x 2,4 Meter großen Zelle unter Tränen zusammenbrechen und zwei mehrstündigen Besuchen ihres Psychiaters Dr. Charles Sophy, war sie Donnerstag, 6:47 Uhr Ortszeit, aus dem Frauengefängnis “Century Regional Detention Center” entlassen worden. Die Luxus-Blondine hätte 23 Tage wegen Verstößen gegen Bewährungsauflagen nach einer Alkofahrt absitzen sollen. Stattdessen muss sie nun 40 Tage unter Hausarrest in ihrer Villa verbringen, überwacht durch ein elektronisches Fussband, so das Sheriff-Department. “Gesundheitliche Gründe” wurden für die Strafmilderung genannt, offiziell ihr fünf Hafttage angerechnet.
Hiltons Häfn-Stunt war zur Celebrity-Seifenoper des Jahres in der Regenbogenpresse geworden. Hunderte Paparazzi hatten die Haftanstalt belagert, um Fotos des sonst glitzernden Party-Girls im schlichten, orangefarbenen Haftoverall zu ergattern. Magazin-Herausgeber versprachen ein “Kopfgeld” von 500.000 Dollar für das “erste inoffizielle Haftbild”. Hilton war deshalb Sonntag Nachts regelrecht in den Knast im L.A.-Stadtteil Lynwood geschmuggelt worden.
Hilton kann am ehesten selbst abcashen, so Insider: Der Vorschuss für ihre möglichen “Prison Diaries” könnte bei bis zu 1,5 Millionen Dollar liegen, so Agenten. Schon ihr letztes Buch “Confessions of a Heiress” war mit 312.000 verkauften Exemplaren ein Überraschungserfolg geworden. Doch die Haft war nicht lukrativ an allen Fronten: Paris am Tag des Haftantritts “wegen bescheidenem Verkauf”, so die offizielle Begründung, ihren Plattenvertrag mit “Warner Brothers”.
Der Haftaufenthalt selbst war von der verwöhnten Hotelerbin bei ihren zahlreichen Hilferufen als “brutal” bezeichnet worden: Es sei zu kalt in der Zelle gewesen, zu viel Lärm am Gang, das Essen, eine sodiumarme Hühnchen-Diät, “zu fad”, so Hilton. Die Mitgefangenen hatten “Paris! Paris! Paris!” skandiert, minutenlang hallte das durch den “Special Needs”-Sondertrakt, wo Celebrities und “besondere Fälle” untergebracht sind.
“Man hörte sie weinen”, sagte Anwalt Paul Cohen, der zwei des Mordes Verdächtigte Frauen vertritt. Für böses Blut hatte unter den 2.200 Mithäftlingen auch Paris “Spezialbehandlung” gesorgt: Das Registrierungs-Prozedere (“Booking”) dauerte bloß eine Stunde, bei anderen oft 24 Stunden. Hilton hätte auch Hilfe gebraucht, bei der Bedienung eines Münztelefons, so Zeugen. Der Gebrauch ihres Handies war untersagt worden. Das Hilton-Camp hatte die Justiz massiv angegriffen: Die durchschnittliche Haftzeit für gleiche Vergehen sei bloß eineinhalb Tage. Als Grund für die Freilassung wird auch genannt, dass der Anstalt einfach die Ressourcen fehlten, den Rummel 23 Tage lang durchzuhalten.

# 5. Juni: Demokraten-Debatte: Go Hillary, Go!

Oval-Office-Favoritin Hillary Clinton behauptete sich bei einer TV-Debatte der acht Demokraten-Kandidaten für die Wahlschlacht 2008 mit starker Rhetorik gegen US-Präsidenten George W. Bush – und dem neuerlichen Versprechen, sie würde als Präsidentin den Irakkrieg beenden. “Lasst uns nicht untereinander streiten”, beruhigte Hillary, laut “New York Daily News” “geschliffen” und “relaxed”, ihre aufgeregten Kontrahenten: “Es ist George Bushs Krieg! Er hat ihn gestartet, katastrophal geführt, eskaliert — und er weigert sich, ihn zu beenden”, polterte sie bei der Debatte im Top-Primaries-Staat New Hampshire. Gatten Bill würde sie als “globalen US-Botschafter” rund um die Welt schicken, um Amerikas kaputtes Image zu reparieren.
Hillary fokusiere bereits klar auf die Zeit nach den Vorwahlen auf den Kampf gegen ihren Republikaner-Kontrahenten, so Beobachter. Auch deshalb propagiert sie die härteste Linie im Feld der “Dems” beim “Krieg gegen den Terror”. “Ich erinnere mich gut an die Zeit nach 9/11”, entgegnete sie Behauptungen, Bush Antiterror-Feldzug sei bloß eine “hohle Phrase”.
Hillary führt den Demokraten-Dreikampf laut ABC/Washington Post-Umfrage deutlich mit 42 % vor dem “farbigen JFK”, Barack Obama (27 %) und Ex-Kerry-”Running Mate” John Edwards (11 %) an. Ihre Gegner versuchten mit scharfen Attacken zu punkten: Edwards kritisierte, dass Hillary und Obama bei der Abstimmung im Senat über die Freigabe weiterer 100 Kriegsmilliarden für das Irakfiasko keine “Leadership” gezeigt hätten. Auch hätte sie das Geheimdienst-Dokument “National Intelligence Estimate” über Saddams angebliche Horrorwaffen-Arsenale nicht gelesen, bevor sie Bush Irakkrieg autorisierte.
Für Aufsehen sorgte der Vorschlag von New-Mexico-Gouverneur Bill Richardson, die USA könnten die Olympischen Spiele 2008 in Peking wegen Chinas Unterstützung des Horror-Regimes in Sudan – verantwortlich für den Völkermord in Darfur – boykottieren.

# 4. Juni: Das JFK-Terror-Komplott

Nach dem Ausheben einer Terrorzelle durch US-Bundesbehörden, die New Yorks Großflughafen “John F. Kennedy” (JFK) und ganze anliegende Stadtteile in die Luft sprengen hatten wollen (ÖSTERREICH berichtete), werden neue schockierende Details über das “Al-Kaida-Komplott” bekannt, das die Horror-Attacke auf die Twin Towers am 11. September 2001 (2.750 Tote) “weit in den Schatten stellen” hätte sollen, wie der Drahtzieher der Terrorbande hoffte. Die Planung erstreckte sich vom New-York-Stadteil Queens nach Trinidad in der Karibik bis zur kleinen Südamerikanation Guyana. Mit dabei war sogar ein Ex-Parlamentarier von Guyana.
Laut dem Todesplan hätte:
# Eine 64 Kilometer lange, JFK versorgende Ölpipeline und gigantische Öltanks am Airport selbst gesprengt werden sollen;
# Teile des Flughafens und dutzende Stadtteile, durch die die Pipeline verläuft (in Queens bloß wenige Meter unter Grund), dem Erdboden gleichgemacht;
# Sowie tausende Menschen getötet werden sollen.
“Es ist eines der verheerendsten, vorstellbaren Terror-Komplotte”, sagte Staatsanwältin Roslynn Mauskopf. Auch die US-Wirtschaft wäre am Nerv getroffen gewesen: JFK wickelt 1.000 Flüge pro Tag mit 120.000 Passagieren ab, Cargo im Wert von 120 Milliarden Dollar wird pro Jahr verschifft. Experten meinten jedoch, dass die Pipeline bei einer Explosion abgeschaltet worden wäre, und eine Kettenreaktion “fast auszuschließen” sei.
Mastermind der Terrorzelle – motiviert vom Hass auf Amerika und Superterroristen Osama Bin Ladens Al Kaida ideologisch nahestehend – war der in Guyana geborene Ex-JFK-Arbeiter Russell Mohammed Defreitas (63). Die Attacke auf JFK würde “die ganze Nation in tiefe Trauer stürzen”, sagte er in abgehörten Telefonaten.
Defreitas war in einem Restaurant in Brooklyn aufgegriffen worden, zwei seiner Terror-Kumpel, Ex-Parlamentarier Abdul Kadir (55) und Kareem Ibrahim, der einer weiteren islamischen Terror-Gruppe nahe steht, in der Karibikinsel Trinidad. Der vierte Mann, Abdel Nur ist noch auf der Flucht in Trinidad.
Bizarre Details tauchen in einer von den “Feds” präsentierten, 33 Seiten langen Klagsschrift auf: Defreitas arbeitete demnach seit 1995 am JFK und sah, wie Waffenteile nach Israel verschifft wurden, die “Moslems” töten, wie er meinte. Im Jänner 2006 bekamen die Behörden Wind von dem Plan, als Defreitas einen Moschee-Kumpel als Komplizen anheuern wollte. Was Defreitas nicht wusste: Sein “Freund” arbeitete als Informant für die Polizei, als Gegenleistung für die Minderung einer Drogenstrafe. Monatelang hörten die Feds fortan die Telefonate ab. “Freust du sich, als Märtyrer zu sterben?”, so Defreitas einmal. Die erste Idee war, Flugzeuge zu entführen und sie in parkende Jets krachen zu lassen. Dann fokusierten sie auf die Pipeline. Am 3., 4., 10. und 11. Jänner wurden mögliche Schwachstellen fotografiert und Gebäude gefilmt, bei einem Treffen in Guyana die Daten, samt “Google Earth”-Satellitenbildern, ausgewertet. Dynamit wurde als geeignetster Sprengstoff gennant. Der Codename für die heißere Planungsphase: “Hühnerfarm”. Die “New York Post” berichtete prompt, dass die Sicherung der Pipeline als “Scherz” bezeichnet werden kann.

# 2. Juni: Bushs Irakkurs: Bleiben GIs im Irak für immer?

Bleiben US-Truppen ein halbes Jahrhundert im Irak? Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat die Regierung von US-Präsident George W. Bush das “Korea-Modell”, wo 40.000 GIs seit über 50 Jahren stationiert sind, als Vorbild für eine langfristige Truppenpräsenz im Herzen des Nahen Osten gepriesen: Durch ein “gegenseitiges Abkommen”, sagte Pentagon-Chef Robert Gates, könnten US-Truppen für eine “verlängerte Zeitperiode” zum Schutz der “Souveränität des Gastlandes” blieben. Das Signal an Alliierte in Nahen Osten sei: Die USA werde nicht abziehen wie damals in Vietnam, so Gates. Doch eine US-Dauerpräsenz in der Region, wetterten Kritiker prompt, würde die Spannungen bloß erhöhen.
Bush-Sprecher Tony Snow hatte als erster die “Korea-Visionen” des Präsidenten verkündet und prompt einen Proteststurm der oppositionellen Demokraten ausgelöst: Erzähle Bush hier allen Ernstes den Amerikanern, wunderte sich Senatsführer Harry Reid, dass US-Soldaten ein halbes Jahrhundert in dem Bürgerkriegsland ausharren sollen?
Dabei ist das Blutbad in und um Bagdad im letzten Monat dramatisch eskaliert: Mit 122 gefallenen GIs wurde der Mai zum zweitblutigsten Monat des gesamten, nun mehr als vier Jahre dauernden Irakkrieges. Nur im November 2004 starben bei der blutigen Erstürmung der Aufständischen-Hochburg Faludscha mehr Amerikaner. Die totale Opferbilanz bisher: 3.470 Gefallene. Auch die Zahl der Zivilopfer ist im Mai um 30 % gegenüber dem Vormonat auf 1.951 Tote gestiegen, so die Behörden in Bagdad. Dazu töteten Extremisten in nur einer Woche gleich fünf Journalisten. Bei einer Pressekonferenz des Bürgermeisters von Amara (Südirak) wurde das Feuer eröffnet. Mit 181 toten Reportern ist der Irakkrieg bereits jetzt die tödlichste Medienstory aller Zeiten.
Die neue Gewaltwelle ist ein klares Signal, dass Bushs im Jänner gestartete Militärgroßoffensive (“Surge”) mit Truppenerhöhungen von 21.500 auf nun insgesamt 162.000 GIs zur Stabilisierung des Irak zum Rohrkrepierer wird. US-Generäle in Bagdad sollen bereits über einen Waffenstillstand mit den Aufständischen verhandeln.
Die Demokraten-Mehrheit im Kongress hatte zuletzt nach mehrmonatigem Showdown 94,7 weitere Milliarden Dollar für Bushs Kriege in Afghanistan und im Irak locker gemacht. Doch die echte Machtprobe wird für den September erwartet: Dann sollen die US-Generäle dem Kongress die Bilanz der Militäroffensive gegen sunnitische Aufständische und schiitische Todesmilizen präsentieren. “Wenn es dann nicht greifbare Fortschritte gibt”, so TV-Kommentator Tim Russert, “werden die Republikaner scharenweise vom Kriegszug abspringen”. Kongressabgeordnete hatten Bush bei einem turbulenten Treffen im Oval Office kürzlich lautstark mitgeteilt, sie würden nicht zulassen, dass er die Republikanerpartei wegen Eitelkeit und Sturheit beim Irakkurs mit sich in den Abgrund ziehe. Bush & Co hatten kürzlich deshalb auch durchblicken lassen, dass bis zum Beginn der heißen Phase im Kampf um das Oval Office im Sommer 2008 nur mehr halb so viele GIs, etwa 100.000, in der Bürgerkriegshölle stationiert sein könnten.
Das Pentagon bemüht sich inzwischen, Jubelmeldungen über angebliche “Fortschritte” zu verbreiten: 18.000 Verdächtige seien seit Jänner verhaftet, 2.500 Waffenlager gefunden und 3.184 “Feinde” getötet worden.