Mit Wetter-Radar am iPhone direkt in den Wolkenbruch: „Are You sure?“


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In meiner Familie nennen sie mich den „Weatherman“. Schon als Kid zeigte ich stets reges Interesse an meteorologischen Phänomenen. Meine Frau Estee grinst, wenn ich wieder mal am Fenster klebe, um eines der in New York besonders spektakulären Gewitter zu bestaunen. Mitunter verbreite ich dabei mit einem übertriebenem Grad an Alarmiertheit für echte Panik: Als ich, durch die frischen Erinnerungen von 9/11 ohnehin als „Alert Bert“ gefürchtet, wenige Monate nach Maxwells Geburt glaubte, einen heranrasenden Tornado geortet zu haben, riss ich Baby Max aus der Kinderkrippe und verschanzte mich neben der Eingangstüre. Ja, natürlich: Dafür werde ich bis heute gehänselt!


Falsches Wetter-Radar am iPhone: „Keine Gefahr…“

Dennoch werden meistens meine privaten Wetterberichte wie meteorologische Hobby-Expertise geschätzt: Natürlich habe ich, wo immer ich mich aufhalte, Zugriff auf das aktuellste Wetter-Radar auf meinem iPhone. Das zückte ich auch diesen Samstag, als bei einem Picknick im Fort Greene Park in Brooklyn, fernes Donnergrollen zu hören ist. Das Gerät zeigt eine Gewitter-Zelle nördlich der Stadt an. Die Animation verrät die Richtung des Wolkenturms: Vorbei an der Stadt! Kein Problem. Und bis zur nächsten Gewitterfront weit im Westen könnten noch Stunden liegen.

Wir entschließen uns daher, nach unserer Rückkehr nach Manhattan weiter zu Maxwells Lieblingsspielplatz zu ziehen. Der Himmel ist pechschwarz. Es ist schwül, die Luft schwer. Es riecht nach Meer – und Regen! „Are you sure“, fragt Estee, als wir an unserem Apartmentgebäude vorbeimarschieren. Ich checke mein Radar: Unverändert! Keine Gefahr. Kawuumm! Donnergrollen. Ich vertraue dennoch dem iPhone, meine Familie mir. Maxwell checkt Rutschen und Schaukeln. Wir lassen Baby-Mia auf unsere Decke in der angrenzenden Wiese herumkrabbeln. Es ist nun schon recht finster, die Schleier entdeutiger Regengüsse sind über New Jersey klar erkennbar. Wir sind längst die einzigen. „Are you sure?“ Mein Gefühl sagt mir: Nein! iPhone-Wetterradar sagt: Ja! Genau vier Minuten darf mein bedingungsloses Vertrauen in die Hochtechnologie noch anhalten. Danach ist es weggewaschen, sprichwörtlich.

Wir rennen mit Mia im Stroller, Max an der Hand und Picknick-Taschen umgehängt durch den Wolkenbruch nach Hause. Oops! Das Vertrauen meiner Familie in die Fähigkeiten ihres privaten Weatherman ist so gründlich erschüttert wie meines in die Website, die mir, wie ein Vergleich mit anderen Wetterdiensten zeigt, ein unaktuelles Radar lieferte. Und nächstes Mal werde ich doch auch banalen Low-Tech-Instinkten vertrauen: Wenn der Himmel pechschwarz ist, Donnergrollen rasch näher kommt, ist tatsächlich ein Gewitter im Anrollen… Egal was das iPhone anzeigt.

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