Big Trouble in Little Battery Park: Der Kampf um einen kleinen Spielplatz

By Published On: 15/10/2009Categories: Latest News

Offensichtlich wäre, heute einen Beitrag zu den 140 Milliarden Doller Banker-Boni zu verfassen. Doch ich lasse meinen Zorn lieber erst verrauchen – und Michael Moore, der Donnerstag früh die Morgenshows abgraste, die Schweinerei historisch einordnen. Besser zu einem anderen Drama, unweit vom “Ground Zero” der Gier und Selbstbereicherung rund um die Wall Street. Arbeitstitel: “Big Trouble in little Battery Park”. Es geht um einen kleinen Spielplatz, der Platz machen musste für die Visionen von Stadtplanern nach prächtigen Boulevards.

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Abrissarbeiten des “Tyre Park”: Gespenstischer Abschied

Kaum würde man glauben, das im hektischen Manhattan jemand Zeit für Bürgerproteste habe. Doch die Community von “Battery Park City” (das mit Baby-Stroller-Karawanen, gepflegten Grünflächen und entspanntem Tratsch vor der lokalen Pizzeria an einen Suburb erinnert…) probte den Aufstand: Max hat auf dem “Tyre Swing Park”, so der Spitzname des Spielplatzes, sein halbes Leben verbracht, Mia ebenfalls. Ich selbst unzählige Stunden. Rasend attraktiv war der Park nie wirklich: Der Sand alt und dreckig, die hölzerne Kletteranlage halsbrecherisch, der Boden aus Asphalt, der Basketball-Court gleich nebenan (samt mitunter tieffliegenden Bällen), die Picknick-Wiese nett, doch der Lärm der angrenzenden, sechsspurigen West Street ohrenbetäubend. Und: Bei der Dämmerung kamen die Ratten…

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Rettung des Grünzeug: Bürger bringen in Kleingärten Pflanzen in Sicherheit

Dennoch wurde der Park ins Herz geschlossen, auf Pläne seiner geplanten Demolierung mit großem Zorn reagiert: Geplant ist die Verlängerung der bereits begonnen Fußgänger-Promenade, die Ground Zero (diesmal die 9/11-Grube) mit dem Abfahrtspunkt der Freiheitsstatuen-Fähren verbinden soll. Ich persönlich empfinde, dass das touristische Lustwandeln entlang einem der lärmendsten Highways der Metropole nicht rasend attraktiv ist – aber that´s just me.

Bürgerproteste kulminierten, Unterschriften wurden gesammelt, Stadtplaner bei Bürgerforen lautstark bedrängt. Energische Anführer des Elternaufstandes etablierten sich, TV-Crews filmten rührende Stories vom “Little park that could…”. Es gab Teilerfolge: Der Park wird umgestaltet, nicht eliminiert. Für mich o.k., neues Equipment war ohnehin überfällig. Die Initiativenführer wettern jedoch weiter, vor allem wegen einer geplanten Gasleitung darunter (nachdem die in New York meist so nach 80 Jahren in die Luft fliegen, müssen künftigen Generationen Ausschau halten).

Doch der Countdown tickte weiter, am Wochenende gruben Anrainer ihre Pflanzen von der anliegenden Kleingartenanlage aus, die Parkverwaltung transportierte größere Sträucher ab. Montag dann der Abschied, der leicht gespenstisch ausfiel: Einige brachten Camping-Equipment für eine letztes Picknick in der Wiese (einladend bei 11 º C), andere Kerzen für ein “Lichtermeer”. Die steife Seebriese kümmerte sich um diese Idee. Ein wenig melancholisch war es, zugegen, doch die radikale Bitterkeit des Widerstandsanführers verpatzte den letzten Rest an Stimmung. Den Verantwortlichen für den Parkumbau wünsche er “Leberkrebs”. Come on!

Am nächsten Tag rollten die Bagger. “Oook”, rief Mia. Den Kids ist es ohnehin egal, so sehr die protestierende Eltern sie auch vorschoben.