Wie Maxwell aus mir einen (widerwilligen) Baseball-Fan machte…

By Published On: 30/10/2009Categories: Latest News

Baseball-”World Series”: Yankees gegen Phillies, schwer zu ignorieren, selbst für mich als europäische Totalbanause. Sogar Maxwell, der sonst eher nur einen Kopf für komplizierte Dinonamen hat, konnte sich dem Getöse, das nun in New York herrscht, nicht entziehen: Immerhin: Er ist ja Amerikaner! So wälzte er sich vor dem TV-Gerät und kommentierte Spiel Eins der Series mit erstaunlichem Fachwissen. Er kannte weit mehr Teams als ich, benannte einige der Spieler. Offenbar unterhalten sich die Siebenjährigen in einer öffentlichen US-Schule bereits ausführlich über Amerikas Nationalsport.

Mir persönlich ist ja immer noch nicht ganz klar, was das für ein Sport sein soll, wo übergewichtige Männer kleine Bälle quer über den Rasen dreschen und in eigenartigen Ritualen zwischen kleinen Bodenplatten hin- und herlaufen. Vor allem finde ich faszinierend: In den oft vier Stunden dauernden Spielen ist 99 % der Zeit bloß zu sehen, wie mit den Holzprügeln Luftmaschen gezogen werden, wie die Pitcher den Ball vor dem Abwurf küssen, oder ihn lässig (oder nervös) hin- und herschupfen, die Fänger (ist das der richtige Ausdruck?) mit dem Hintern wackeln und wirre Handzeichen im Gemächtbereich abgeben. Und wie die Trainer vor sich hinspucken.

Natürlich ist mir klar, dass Baseball hier wirklich ein “Big Deal” ist – und ich meinem kleinen Yankee die Freude nicht ganz verderben will. Ich habe, was mich nachdenklich stimmt, sogar bereits den Großteil der Regeln begriffen: Was die TV-Übertragungen um auch nur ein paar Prozentpunkte spannender macht. Bei uns in der Lobby jedenfalls verharren eingefleischtere Fans fast den ganzen Tag vor der zugigen Türe und Fachsimpeln mit dem Doorman über everything Baseball. Und als beim Neubau des Yankee-Stadions Arbeiter ein Trikot des Bostoner Erzfeindes “Red Sox” im nassen Beton versteckten, wurde die Stelle unter gewaltigem Mediengetöse mit Presslufthämmern wieder aufgestemmt und “der Fluch” beseitigt.

Natürlich sind die Spiele so langatmig, dass sie weit über Maxwells Bettzeit hinausgehen – und meist über meine auch. Beim Studieren der “New York Post” erzähle ich ihm dann die Resultate. Was für ein klassischer Ami-Alltag. Und natürlich halte ich New York die Daumen. Vor allem: Wenn sie siegen gibt es wieder eine Ticker-Tape-Paradeam Broadway – und auf die freut sich Max schon mächtig. Auch wenn einige Fans sogar First Lady Michelle Obama auspfiffen. Ja, das sind nicht alle potentielle Nobelpreisträger auf der Tribüne.