Haiti-Nachtrag: Wie ein piepsender Brandmelder mein Nervenkostüm destabilisierte…


Print Friendly, PDF & Email

Mit gewissen Abstand zu den einschneidenden Erlebnissen in Port-au-Prince hier noch als Nachtrag skurrilere Momente des Haiti-Einsatzes. Da ist vor allem der Brandmelder, den ich mehrmals erwähnte, doch nie genug Platz einräumte – nachdem er fast im Alleingang mein Wohlbefinden erschütterte.

Nötig ist eine kurze Vorgeschichte: Wir haben zwei Brandmelder in unserer Wohnung. Wenn die Batterie leer ist, piepsen sie. Immer so um 4 Uhr früh. Ich lasse die Batterie auswechseln. Zwei Tage später: Piiiiep, Piiieep! Erraten: 3:30 Uhr! Und nochmals das ganze. Beim dritten Mal versuche ich das Ding in endgültiger Rage aus der Wand zu reißen – und zerschneide mir dabei die Hände. Ein Blutbad auf 21 West Street, und das wegen einem Brandmelder. Dass das Piepsen so durchdringend ist wie das Sausen des Bohrers bei einer Wurzelbehandlung, braucht nur am Rande erwähnt zu werden. Bei einer anderen Episode nächtlichen Piepsens trage ich das Gerät zum Mistraum am anderen Ende des Ganges. Ich höre ihn immer noch – ob wirklich oder nur in meinem Kopf kann ich nicht sagen.

So weit mein Verhältnis zu Brandmeldern. Als ich am 14. Jänner dann im Hotel “La Villa Creole” im Bezirk Petionvlle eintreffe, messe ich dem vertrauten Geräusch noch nicht viel Bedeutung bei. Immerhin scheint das Hotel inmitten der Ruinenlandschaft perfekt: Strom, Essen, Wasser, sporadisches Internet. Dass das Hauptgebäude halb eingestürzt ist, bietet für unsere Beben-Berichterstattung fast die perfekte Kulisse. Doch ganz oben an der Wand hängt ein Brandmelder. Dem fiel am Dienstag, dem 12. Jänner, um 16:53 Uhr auf, dass was nicht in Ordnung ist.

Und begann zu piepsen. Drei Töne, Piiiip, Piiiip, Piiiip, kurze Pause. Und wieder: Piiiip, Piiiip, Piiiip. Nun, denke ich mir: Ich berichte vom Ground Zero der größten Bebentragödie vielleicht aller Zeiten, soll nichts schlimmeres anfallen. Doch in der ersten Nacht im Freien erreicht der Grad der Piiiip-Entnervung bereits wahnwitzige Dimensionen: Im Halbschlaf beginne ich eine Unterhaltung mit dem Gerät, rede ihm gut zu, endlich still zu sein, argumentiere, dass es keinen Grund für die Piiiipserei mehr gebe. Ich unterhalte mich mit einem Brandmelder…

Beim Tippen unsere Stories überlegen wir, ob nicht jemand Todesmutiger die Wand hochklettern sollte, um das runde Plastik-Piiieps-Monster zum Schweigen zu bringen. Niemand meldet sich. Die Hoffnung, dass irgendwann die Batterie zur Neige gehen könnte, gebe ich am dritten Tag des Gepiiepse auch auf. Längst schlafe ich hinter dem Hotel: Dort wird Mr. Piieps immerhin vom Gekläffe hungriger Köter übertönt.

Am vierten Tag, plötzlich Stille: Ausgepiiiepst? Keineswegs: Nach nur zehn Minuten hat sich die Batterie ausreichend erholt für einen neuen Großangriff auf mein Nervenkostüm. Oft hallt es immer noch in schlafarmen Nächten durch meinen Kopf. Und ich hoffe, die Nerven zu bewahren, wenn bei unserem Brandmelder wieder mal die Batterie ausgehen und dessen Warngepiepse losgehen sollte…

Previous TABLOID-UPDATE: Kippt Jolie Weingläser? Verführt sie Johnny Depp? Schlug Edwards seine Frau?
Next Job-Report: US-Arbeitslosigkeit fällt auf 9,7 %, doch 20.000 Jobs im Jänner verloren