Ein kleines Büro auf Sitzplatz 25F, 11.000 Meter über dem schneebedeckten Missouri
Fliegen und Arbeiten, die Technik macht es möglich. Als ich Donnerstag Abends meine Themenliste tippe, fragt mich Estee sichtlich verblüfft: “Du fliegst doch morgen früh? Wann willst du das schreiben?”. Nun, zwischendurch – und dank Internet-Anbindung in den US-Jumbos am Weg nach L.A.. (zur Oscar-Coverage).
Tatsächlich: Der erste Auftrag erreicht mich um 7 Uhr, ich sitze vor Gate 22 am JFK. Via Laptop-Connect-Karte habe ich Internet. Ich bestätige, dass ich eine der beiden Stories jetzt tippen kann. In den nächsten 30 Minuten, vor dem Boarding. Den Rest während des Fluges. Eine Kollegin ruft mich an. Ich teile mit, dass ich sie rückrufe wenn ich im Fliegersitz hocke – und nur telefonieren, aber nicht tippen darf. Alles muss penibel koordiniert werden…
Die Türen werden geschlossen, alle Gerät aus. Doch es rührt sich nichts draußen. Arbeiter versuchen, den Jumbo mit einem Startgerät anzuwerfen. Ich packe den Laptop aus, tippe noch eine Story und werde gerade beim Wegschicken der Mail von der Stewardess ertappt. “You should have turned this off long time ago…”. 50 % der Mail sind geschickt. “Just one second…”, schinde ich Zeit. Sie steht vor dem Sitz und starrt mich streng an. 70 %. “I´ll turn it off…” Sie wartet. Endlich! 100 %! Ich klappe den Laptop zu. Uff!
Dafür rührt sich weitere zehn Minuten gar nichts. Der Kapitän erklärt jetzt, dass der Jumbo-Starter kaputt ist und ausgetauscht werden muss… F… it! Ich pack den Laptop nochmals aus – und habe tatsächlich genug Zeit für noch ein kurzes Stück. Zum Glück gibt es diesmal keine Gang-Patrouillen. Mit meinem renitenten Verhalten bin ich in Zeiten der Post-9/11-Panik längst ein Kandidat für den Rauswurf.
Nach dem Start klappt dann das Internet prächtig, wodurch der Stress vor dem Abheben unnötig war. Aber man weiß ja nie: Vielleicht ist der Internet-Hotspot ja kaputt, oder abgedreht, sodass Unterhosen-Bomber nicht Instruktionen vom Web laden können. Und ich würde hilflos und isoliert im Flieger sitzen während in Wien die Deadlines verstreichen…
Jetzt habe ich in meinem fliegenden Büro auf Sitzplatz 25F irgendwo über dem schneebedeckten Missouri via Sllngbox MSNBC laufen und checke den Seitenplan meiner Zeitung. Great! Dabei waren Füge die letzte Bastion, wo ein Entspannen wegen dem Zwangs-Offline möglich war. No more. Ach ja, wenigstens könnte der auslaufende Laptop-Akku die Arbeitszeit limitieren. Auch no more. Unter meinem Sitzplatz ist ein Stromstecker…

