Die Mutter aller Sleepover-Parties….


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Max wurde acht Jahre alt. Schöne Sache für ihn – nur für Eltern sind die Geburtstage der Kleinen stets eine Ursache für Kopfweh und monitärem Aderlass. Natürlich erwarten unsere Offsprings angemessene Geburtstagsaktivitäten, am besten eine Riesenparty, eine mit dem gerade aktuellen Kinderkult verzierte Torte (“Club Penguin” in Maxwells Fall derzeit…), Kerzenausblasen, Happy-Birhday-Geträller und den “Are you one, tow, three…”-Countdown. Eine ganze Industrie ist in New York für diese Parties entstanden – und Eltern legen im Schnitt stets mehr als 500 Dollar ab, oft für einen tristen Raum in einem Sport-Zentrum, Billig-Pizza und Soda samt nicht sonderlich motiviertem Minimum-Wage-Personal. Wir wollten diesmal nicht abgelegen – und suchten nach Alternativen.

Die Idee: Max kann seine besten Freunde zu einem “Sleepover”, einer Pyjama-Party, einladen. Er war begeistert wie noch nie. Dass er am meisten Freude darüber zeigte, die Chance zu erhalten, kein Auge zuzudrücken, hielten wir natürlich für reine Rhetorik. Vier Buben und seine beste Freundin traten schließlich zur “Mutter aller Sleepover” an. Erste Komplikationen ließen nicht lange auf sich warten: Eine Familie ließ es sich nicht nehmen, samt den Zwillingsbrüdern des Max-Freundes ein “paar Stunden vorbeizuschauen”.

Prompt flog einer der Twins, gestoßen bei einer Kampfhandlung, in die Wandlampe über Maxwells Stockbett. Klirr! Krach! Es war da gerade 17:20 Uhr, oder so. Während ein Team Glassplitter aus der klaffenden und blutenden Wunde am Ellbogen des Kleinen entfernte, jagte Team B mit Staubsauger und Besen den verstreuten Überresten der zerborstenen Glaslampe hinterher. Nachdem die Schar die Party eher in ihrer virtuellen “Club Penguin”-Welt verbringt als das Zusammentreffen in der wirklichen auszunützen, gehen sogar uns die Computer aus.

Bald wirkt die Anhäufung von mit Laptops- oder Netbooks ausgestatteter oder vor PC hockender Kids wie eine Nachwuchs-Hacker-Konferenz. Das Max schließlich aus Unachtsamkeit Apfelsaft auf die Tastatur meines Laptop schüttet, führt zur ersten ernsteren Krise. Denn das Gerät beschließt spät abends, den Dienst einzustellen.

Turbulent inzwischen auch die Debatte unter den Erwachsenen: Eine Mutter eines Max-Freundes werkt für eine russische Finanzfirma und berichtet stolz, wie sie am Montag nach D.C. zu einem Obama-Fundraiser jettet. Lobbying gegen die Finanzreform… “Ich treffe Obama”, sagt sie stolz. Dass es ein Sitz um 8.000 Dollar an einem von hunderten Tischen ist, bleibt unerwähnt. Sie rattert ihre “Talking Points” über das Armageddon, das durch Obamas Wall-Street-Knebelung drohe, herunter: Die “Abwanderung der Talente”, der “Niedergang New Yorks”, Bla, bla. Bald übertönt unser Streit sogar das Getöse der nun nach dem Tortenkonsum durch Zucker-Overdrive angetriebenen, durch das Apartment tollenden Boys.

Es ist jetzt fast Mitternacht, wir werken immer noch daran, ein Loch in einem der Aerobeds zu flicken. Schließlich ist das Matratzenlager fertig, doch von Nachtruhe keine Rede. Unsere Ordnungsrufe werden lauter, schriller, verzweifelter. Als wir denken, die Erschöpfung könnte die Schar nun doch ins Traumland driften lassen, hören wir, wie jemand Zettel unter der Tür zum Schlafzimmer durchschiebt. Max hat eine Liste der Vergehen seiner Freunde zusammengestellt. Um 2 Uhr reisst uns eine derart heftige Eruption hoch, als wären wir am Fuß des Eyjafjallajokull. “Be Quiet!”, brüllt Maxwell. Wenig später klopft jemand an die Türe: Ich wanke schlaftrunken hinaus und finde Maxwell in der Küche auf der Suche nach einem Pflaster, da er sich am Tisch einen Kratzer zuzog. Nach einem nun wirklich zornigen „Go to Bed!!!!!“-Befehl müssen wir nun auch noch die erwachte Mia wieder ins Schlummerland befördern.

Ab 5 Uhr rumort es bereits wieder: Maxwells Freund Jake machte aus seiner Ankündigung, ein Frühaufsteher zu sein, offenbar Ernst. Dass sich nun einige Eltern reichlich Zeit mit der nun von uns schon recht ersehnten Abholung der Sprösse Zeit lassen, darf erraten werden. Ich stehe da längst in der Schlange vor dem Reparaturschalter des Elektronikgeschäftes J&R mit meinem bewusstlosen Macbook. Fazit: Würden wir es wiedermachen? Gute Frage. War es preisgünstiger, als die kommerziellen Kidsparties? Das wird die Reparatur des Mac zeigen. War es Maxwells beste Geburtstagsparty aller Zeiten? Natürlich. Und nachdem ich beim Schulbus prompt auf die Party angesprochen wurde, dürften wir in unserem Bezirk Legendenstatus genießen.

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